Theosophical Society, Cardiff Lodge,

206 Newport Road, Cardiff, CF24 – 1DL

 

 

Die Geheimlehre Band I

 

DIE GEHEIMLEHRE

VON H. P. BLAVATSKY

 

DIE VEREINIGUNG VON WISSENSCHAFT

RELIGION UND PHILOSOPHIE

BAND I

 

KOSMOGENESIS

 

Great Theosophists

 

Cardiff Lodge Website

 

Cardiff Blavatsky Archive

 

Cardiff Theosophical Archive

 

A

KOSMISCHE EVOLUTION

VERLAG J.J. COUVREUR - DEN HAAG - HOLLAND

AUS DEM ENGLISCHEN DER DRITTEN AUFLAGE

ÜBERSETZT VON DR. PHIL. ROBERT FROEBE

Inhalt

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Vorrede   . .

Einleitung   .

Die Notwendigkeit eines solchen Buches   . .

Das hohe Alter der Dokumente und Handschriften

Was das Buch beabsichtigt    .

Vorwort    . .

Die ältesten Handschriften der Welt und ihre Symbolik

Das Eine

Leben   .

Die Geheimlehre - Pantheismus -

Atheismus  . .

“Raum” in allen Religionen und im Occultismus .  Sieben kosmische Elemente - sieben Rassen der Menschheit .

Die drei Sätze der Geheimlehre    .

Beschreibung der Strophen aus dem Buche des

Dzyan .. .

ERSTER TEIL.

KOSMISCHE EVOLUTION.

Sieben Strophen aus dem Buche des

Dzyan 

KOMMENTARE.

Strophe I.

Die Nacht des

Weltalls  .

Zeit und

Universalgemüt

Die Ursachen des Seins  .

Die sieben erhabenen

Herren    . .

Die Ursachen des

Daseins   

Die Eine Form des

Daseins    .

Âlaya, die

Universalseele   

Kann das Endliche das Unendliche

erfassen? 

Strophe II.

Die Idee der

Differentiation    . .

Das Absolute kennt sich selbst

nicht   . .

Der Keim des

Lebens  .   . .

Astrallicht ist nicht Anima

Mundi  

Der

Gottesgedanke  .

Strophe III.

Das Erwachen des

Kosmos .   .

Die Welt, ein flüchtiger

Schatten  ..

Symbole der

Natur  . .

Das Buttern des

Ozeans   

Dunkelheit und

Licht

Androgyne

Gottheiten  .

Das

Schlangensymbol  .

Der magische

Agent

Ich bin der ich

bin  . .

Ursprüngliche

Differentiationen    . .

Das Gewebe des

Daseins    .

Bewußte

Elektricität

Strophe IV.

Die siebenfältigen

Hierarchien    . .

Die sieben mystischen

Sinne    .

Das Vehikel des

Weltalls    .

Die Unbefleckten

Empfängnisse    . .

Die Kraft von Sprache und

Ton    .

Die Sieben

Sinne   . .

Der grenzlose

Kreis 

Feuer, das große Symbol der

Gottheit    .

Die Sternensöhne des

Lichtes    .. .

Die göttlichen

Geschichtsschreiber    .

Strophe V.

Fohat, das Kind der siebenfältigen

Hierarchien 

Die himmlischen

Buddhas    ...

Die Theogonie der Schöpfer   . ..

Die proteusartige

Geistessubstanz    . .

Die Wechselbeziehung der

Götter    .

Die sieben

Welten  .. .

Das Alter der

Naturwissenschaften    .

Die Eine

Flamme    ..

Die beflügelten

Räder

Monismus und

Materialismus    .

Die vier

Himmlischen  .

Die

Lipika   . .

Der Ring “Überschreite mich

nicht”  

Der Gott des Menschen und der Gott der

Ameise  .

Der Tag “Komm zu

uns” . .

Strophe VI.

Unsere Welt, ihr Wachstum und ihre

Entwicklung   . .

Das Mysterium des weiblichen

Logos    . .

Von der Nicht-Zahl zur Zahl

Sieben    . .

Waren die Alten unwissend in den

Naturwissenschaften?  . .

Der Schlaf der ewigen

Mutter   .

Die kosmische Ebene, eine

Illusion    .

Ursprüngliche Substanz -eine

Realität   .

_Inhaltsverzeichnis (4 of 19)22.Die Geheimlehre Band I - Inhaltsverzeichnis

Laplace

Irrtum   .

Eine Abschweifung  . .

Ein paar frühere Mißverständnisse betreffend Planeten,

Runden und Menschen .

Absteigende und wiederaufsteigende

Zustände . ....

Austausch von

Lebensprinzipien    . .

Verschiedene und doch übereinstimmende

Ansichten 

Die Wanderungen des

Ego  .   .

Eine Wiederherstellung von

Thatsachen    .

Wie die Frage, so die

Antwort  .

Ein maßgebender

Brief .

Die Zahl

777 

Die Evolution der

Monaden  .

Ergänzende Thatsachen und Erklärungen betreffs der

Globen und der Monaden .. .

Die Übertragung von

Lebenselementen  .

Die monadische Schar  .

Die elementaren Reiche   . .

Monaden und

Atome 

Die

Mondvorfahren   .

Die vierte Kugel    . ...

Mensch oder Affe; wer war

zuerst?    .

Eine irrige Meinung  .

Der Brief eines Meisters

Die vorläufige Erschaffung des

Menschen  . .

Die erste Ursache der

Sünde  .

Der Codex Nazaräus wiederholt die

Allegorie   . .

Ilda-Baoth-Jehovah . .

Die sieben Ebenen . .

Der Streit im Himmel  .

Die Geburt der Welten   :  .

Die sieben Grade der Initiation   .

Der verlorene Kanon der

Proportion    . .

Der Urprung der Hingebung   .. .

Die schöpferischen Kräfte   

Strophe VII.

Die Eltern des Menschen auf

Erden    . .

Eine Urspungsflamme, zahllose

Flammen  

Lehren in

Gegenüberstellung    .

Die Hierarchien der Geister    .

Naturgeister oder

Elementale    .

Das Geheimnis des Seins   

Die Abstammung des

Menschen    . .

Die “sieben Seelen” in der

Ägyptologie  

Der

Mondgott 

Jehovah eine weibliche

Sephirah    .

Der Ursprung des Menschen    .

Dii sunt demones inversi

Die unsterbliche Wurzel

Chaldäische Metaphysik  .

Die wahre und die falsche

Kabbalah    . .

Occulte und kabbalistische

Doktrinen    . .

Kabbalisten und Occultisten verschiedener

Meinung  . .

Der Geist allein ist auf Erden hilflos    .

Die “Verschlinger”  .

Die vier Dimensionen des

Raumes    .

Oceane von Kohlensäure

Der große magische Agent   

Âkasha ist nicht Ether

Atome sind unsichtbare

Lebewesen    .

Occulte Chemie  .

Die feurigen Leben  . .

Der Mensch, der Schatten seines

Vorbildes   . .

Die Erde vom Himmel aus

bevölkert    .

Die ‘Wiederkunft”  .

Übersicht 

Die Upanishads  .

Eine Rekapitulation  . .

Die leitende Intelligenz des

Weltalls    . .

Die Einheit des Alls in der Natur    .

Die drei Weltalle  .

Die Materie ist der Schatten des

Geistes    .

Der Yliaster des Paracelsus    . .

Der christianisierte

Hermes   

Das Ewige allein ist wirklich    . .

Ein paar occulte

Aphorismen    .

Auszüge aus einem östlichen privaten, bisher geheimen

Kommentar  . .

Yogakräfte  .

Âkasha   .

Nichts Neues unter der

Sonne    . .

ZWEITER TEIL.

DIE ENTWICKLUNG DER SYMBOLIK.

Abteilung I.

Symbolik und

Ideographie   

Das ägyptische

Katzensymbol    .

Die magische Kraft des

Tones    . ..

Die

Mysteriensprache  .

Abteilung II.

_Inhaltsverzeichnis (7 of 19)22.Die Geheimlehre Band I - Inhaltsverzeichnis

Die Mysteriensprache und ihre

Schlüssel   .

Ägyptens zahlreiche

Religionen    . .

Die Masse der grossen

Pyramide    .

Die Quadratur des

Kreises    . ... .

Die Wahrheit muß schließlich

siegen    ...

Moses und der Binsenkorb kopiert nach

Sargon   .

Occulte Zahlen  .

Die Identität der alten

Symbole    .

Die “satanischen”

Rassen   

Abteilung III.

Ursprüngliche Substanz und göttlicher

Gedanke  .

Der göttliche

Gedanke  .

Die universale

Illusion  .

Pater Omnipotens

Äther

Die Kosmogenesis des

Manu    .

Die sieben

Prakritis  .

Die Götter der

“Genesis”   

Das mystische

Feuer  . .

Der Äther  .

 

Abteilung IV.

_Inhaltsverzeichnis (8 of 19)22.Die Geheimlehre Band I - Inhaltsverzeichnis

Chaos: Theos:

Kosmos .. .. ..   .

Die Seele der

Welt

Die Geburt des

Gemütes   . .. .

Die mystischen

Elemente

Abteilung V.

Ueber die verborgene Gottheit, ihre Symbole und

Glyphen

Die Gnosis des

Markus  .

Das große

Gemüt   

Symbole der schöpferischen

Kräfte    .

Die internationale Wechselbeziehung der

Götter   . .

Alte

Symbologie   .

Abteilung VI.

Das Weltenei  . .

Ei und Arche  . .

Mond- und

Sonnengottheiten    .

Feurige Schlangen   

Die beflügelte

Kugel

Zwei Aspekte von “Gott”  .

Abteilung VII.

Die Tage und Nächte des

Brahma    .

Drei Arten von

Pralaya

Die Wiederaufsaugung von

Allem    .

Ein kabbalistischer

Schlüssel    . .

Der Anbruch der

Nacht  .  .

Die Rückkehr des

Moru

Abteilung VIII.

Der Lotus als ein universales

Symbol ..  . .

Das Ideelle wird

materiell . 

Hebräischer

Anthropomorphismus  

Brahmane und

Semit  .  . .

Der Buchstabe M  . .

Abteilung IX.

Der Mond: Deus Lunus,

Phoebe    .

Der christliche

Mondgott    . .

Der physiologische Schlüssel zum

Mondsymbol  . .

Der “doppelte

Schoß”  .  .

Eine Allegorie aus dem

Zohar    . .

Hekate-Luna, das Gegenbild des

Jehovah   .

Der doppelgeschlechtige

Mond    . .

Die Würde von

Sais  . .

Vorhistorischer

Katholizismus    . .

Identität der

Typologie   .  .

Abteilung X.

Baum-, Schlangen- und

Krokodilverehrung  . .

Die Schlange, das Symbol der

Initiation   .

Der Ashvattha-Baum  

“Siebenen”

Der duale

Logos  . ..   . .

Abteilung XI.

Demon est deus

inversus

Kein Leben ohne

Tod  .

Theologische

Etymologien    ..

Die verläumdeten

Engel    .

Der Streit der

Götter  .

Kritik von Wilsons

Kritik   

Die Täuschung der

Götter   

Abteilung XII.

Die Theogonie der schöpferischen

Götter   . .

Jehovah ist nicht die höchste

Gottheit   . .

Die ursprüngliche Theogonie der

Vedantisten  .

Synonyme des

Logos  .

“Weibliche”

Logoi  . .

Die pythagoräische

Idee

Das Alter der

Pyramiden   

Kosmische

Götter  .

Unglaublich, aber

wahr

Dieselbe Idee im

Konfuzianismus    .

Das Geheimnis der

Schwärze    .

Gott ist unser höheres

Selbst    . .

Abteilung XIII.

Die sieben

Schöpfungen

Die sieben Schöpfungen der

Puranen  

Die

Ogdoade   .

Die primäre und die sekundäre

Schöpfung   .

Viele Darstellungen der einen

Wahrheit   .

Die sieben

Schöpfungen   

Wer die Kumaras sind

Die “jungfräulichen

Asketen”    . .

Wichtigkeit der Zahl

Sieben    .

Abteilung XIV.

Die vier

Elemente  . .

Von den

Elementen  . .

Die kosmischen

Götter

St. Paulus glaubte an kosmische Götter  . .

Jehovah, ein Gott der Elemente   .

Astarte und die Jungfrau

Maria  .

Physische Kräfte, die Träger der

Elemente   .

Abteilung XV.

Über Kwan-Shi-Yin und Kwan-Yin

  .

Krankhafte

Einbildung

Krinolinen, oder das

Drachengewand?   .

DRITTER TEIL.

ZUSÄTZE.

Über occulte und moderne

Wissenschaft   .

Abteilung I.

Gründe für diese

Zusätze   

Kräfte sind Devas und

Genien    . .

Licht ist zugleich Geist und

Stoff    .

Abteilung II.

Die modernen Physiker spielen blinde

Kuh   .

“Ist das Licht ein Körper oder

nicht?”   . .

Eine Blütenlese widerspruchsvoller

Hypothesen  . .

Actio in

distans  .

Cauchys

Ansichten  . .

Abteilung III.

_Inhaltsverzeichnis (13 of 19)22.Die Geheimlehre Band I - Inhaltsverzeichnis

Ist Gravitation ein

Gesetz?    .

Gravitation oder was

sonst?    .

Jehovah, einer von den

Elohim    . .

Newton einst und Newton

jetzt  .

Beständige

Bewegung  .

Keplers

Ideen   .

Die Ursache der

Rotation   

Abteilung IV.

Die Rotationstheorieen in der Wissenschaft  . .

Unvereinbare Systeme    .

Wissenschaftliche Irrwege   . .

Die Paradoxa der Wissenschaft   . .

Kräfte sind Wirklichkeiten    . .

Abteilung V.

Die Masken der

Wissenschaft . 

Akademische

Mißbenennungen    . .

Das Festhalten des

Lichtes   .

Was ist

Kraft? 

Einig über die

Uneinigkeit    . .

Die mystischen

Strahlen

Die Ursachen und die

Wirkungen    .

Was ist ein

Atom?  . .

Chemische

Götter 

Das Vishishthadvaita-System

Abteilung VI.

Ein Angriff auf die wissenschaftliche Theorie der Kraft

durch einen Mann der Wissenschaft

Dr. Richardsons

Ketzerei   

Der Geist und die Seele des

Kosmos    . .

Abteilung VII.

Leben, Kraft, oder Gravitation   . .

Sonnenkraft und Erdkraft    .

Pantheismus und Monotheismus   .

Die sieben physischen Sinne   . .

Der Baum des Lebens    .

Was ist der Nervenether?    .

Das Lebensprinzip   . .

Abteilung VIII.

Die

Sonnentheorie  . .

Das Herz des Sonnensystems  

Die Quintessenz des

Kosmos   ..

Die ursprüngliche

Grundlage    . .

Elemente und Nichtelemente   .

Was ist die leitende

Kraft?    .

Ein wissenschaftlicher

Merkurstab   .

Occultismus in der

Chemie   

Abteilung IX.

Die kommende Kraft   .

Ein unbewußter Occultist  . ..  .

Occulte Mysterien und die

Gesellschaft   .

Grenzen der

Entdeckungen    .

Keely’s Ether  .

Eine verfrühte

Entdeckung   ..

Was ist die neue

Kraft?   

Abteilung X.

Über die Elemente und

Atome  . .

Der Wirbel der

Seele  

Der ewige Pilgrim . .

Buddhas der drei

Welten  

Das Palladium der

Weisheit .   .

Uranus und

Neptun  . .

Cyklischer Fall der

Götter   

Abteilung XI.

Denken in modernem

Gewande    . .

Chemie und occulte Wissenschaft   .

Die Dreiheit in der Einheit   .

Die Genesis der

Elemente    .

Die Puranen gegen die Royal

Society   .

Abteilung XII.

Wissenschaftliche und esoterische Beweise für, und

Einwürfe gegen die moderne Nebeltheorie ....

Moderne Wissenschaft und

Occultismus   . .

Kräfte sind

Emanationen   

Unbeantwortbare

Fragen   

Was sind die

Nebelflecke?    . .

Kometenmaterie  .

Was ist ursprüngliche

Materie?    .

Die zukünftige

Synthese

Abteilung XIII.

Sind die Kräfte Bewegungsarten oder

Intelligenzen?  . .

Kant und der

Occultismus   

Das Gemüt in der

Natur   

Occulte und physikalische

Wissenschaft   .

Die Mehrheit der

Welten   

Die Geologie des

Enoch

Abteilung XIV.

Götter, Monaden und

Atome    .

Wer sind die

Blinden?

Der mathematische

Punkt    . .

Raum, Kraft und

Stoff

Hirngespinnste  .

Atomische

Seelen  . .

Die Chemie der

Zukunft

Ârische und westliche

Wissenschaft  

Hermes oder

Huxley?  .

Leibnitz und der

Occultismus    .

Spinoza und

Leibnitz  .

Die Natur der

Monade  .

Geist und Stoff sind

Eins   

Abteilung XV.

Cyklische Evolution und

Karma    .

Ist der Mensch ein Gott oder ein

Tier?   .

Der Schwung des

Karma   

Das Netzwerk des

Schicksal   

Cyklische Räder innerhalb

Rädern    .

Karma-Nemesis

  . .

Alte und moderne

Prophezeiungen    . .

Astrologie eine

Wissenschaft    .

Abteilung XVI.

Der Tierkreis und sein hohes

Alter  

Der Tierkreis in der

Bibel   

Hohes Alter des

Zodiaks    .

Der Tierkreis und. die

Erzväter    .

Das Zeichen des

Jonas

Chaldäisch-jüdische

Götter    .

Der Drache und der

Stier   

Bailly‘s

Schlußfolgerungen   

Der Beginn des

Kaliyuga   

Indische astronomische

Methoden    .

Die arischen Inder

gerechtfertigt    .

Abteilung XVII.

Übersicht der

Lage  . .

Die exakte Wissenschaft - der

Verneinung   .

Kräfte sind

Götter  . .

Die anderen Namen des

Fohat    .

Legende und

Geschichte

Vorrede zur ersten Auflage.

Die Verfasserin - richtiger gesagt: die Schreiberin, hält es für notwendig, die lange

Verzögerung, die das Erscheinen dieses Werkes erfahren hat, zu entschuldigen.

Sie wurde verursacht durch Unwohlsein und durch die Größe des Unternehmens.

Selbst die nunmehr herausgegebenen zwei Bände führen den Entwurf nicht

vollständig aus, und erörtern auch nicht erschöpfend die in ihnen behandelten

Gegenstände. Eine große Menge Materials wurde bereits vorbereitet, das die

Geschichte des Occultismus, insoferne sie in den Biographien der großen

Adepten der Arischen Rasse enthalten ist, behandelt, und den Einfluß der

occulten Philosophie auf die Lebensführung, wie sie ist oder sein sollte, zeigt.

Sollten die vorliegenden Bände eine günstige Aufnahme erfahren, so wird keine

Anstrengung gespart werden, um den Entwurf des Werkes in seiner Gänze

durchzuführen. Der dritte Band ist vollständig fertig, der vierte nahezu.

Es muß noch erwähnt werden, daß dieser Plan nicht ins Auge gefaßt war, als die

Vorbereitung des Werkes zuerst angekündigt wurde. Nach der ursprünglichen

Ankündigung war es beabsichtigt, daß die “Geheimlehre” eine berichtigte und

erweiterte Bearbeitung von “Isis entschleiert” sein solle. Es fand sich aber bald,

daß die Erläuterungen, welche zu denen noch hinzugefügt werde n konnten, die in

dem letztgenannten und anderen esoterische Wissenschaft behandelnden

Werken bereits der Welt gegeben worden, so beschaffen waren, daß sie eine

andere Art der Behandlung erforderten; und daher enthalten die vorliegenden

Bände alles in allem keine zwanzig aus “Isis entschleiert” entnommenen Seiten.

Die Verfasserin hält es nicht für nötig, die Nachsicht ihrer Leser und Kritiker für die

vielen Mängel des litterarischen Stils, und für das unvollkommene Englisch, das in

diesen Blättern gefunden werden mag, zu erbitten, sie ist eine Ausländerin, und

ihre Kenntnis der Sprache wurde erst im späteren Alter erworben.

Die englische Sprache wendete sie deshalb an, weil sie das weitverbreitetste

Mittel zur Mitteilung der Wahrheiten darstellt, welche der Welt vorzulegen ihre

Pflicht geworden ist.

Diese Wahrheiten werden in keinem Sinne als eine Offenbarung vorgebracht;

noch beansprucht die Verfasserin die Stellung einer Enthüllerin einer jetzt zum

erstenmale in der Weltgeschichte veröffentlichten mystischen Lehre. Denn der

Inhalt dieses Werkes findet sich in Tausenden von Bänden zerstreut, in den

Schriften der großen asiatischen und alten europäischen Religionen verborgen

unter Hieroglyphe und Symbol, und wegen dieser Verhüllung bisher unbeachtet

gelassen. Nunmehr wird der Versuch gemacht, die ältesten Lehrsätze zu

_Vorrede 23.Vorrede

sammeln und ans ihnen ein harmonisches und unzerstückeltes Ganzes zu

machen. Nur insofern ist die Schreiberin besser daran als ihre Vorgänger, daß sie

nicht zu persönlichen Speculationen und Theorien ihre Zuflucht zu nehmen

brauchte. Denn dieses Werk ist eine teilweise Darlegung dessen, was ihr selbst

von weiter vorgeschrittenen Schülern gelehrt worden, nur in einigen Einzelheiten

ergänzt durch die Ergebnisse eigenen Studiums und Beobachtens.

Die Veröffentlichung vieler der hier aufgestellten Thatsachen war notwendig

gemacht worden durch die wilden und phantastischen Spekulationen, denen viele

Theosophen und Schüler des Mysticismus während der letzten paar Jahre sich

hingegeben haben, indem sie versuchten, ein (ihrer Einbildung nach)

vollständiges Gedankensystem mit Hilfe der wenigen ihnen bis dahin mitgeteilten

Thatsachen auszuarbeiten.

Es ist unnötig, auseinanderzusetzen, daß dieses Buch nicht die Geheimlehre in

ihrer Gänze ist, sondern eine ausgewählte Anzahl von Fragmenten ihrer

Fundamentallehrsätze, wobei besondere Aufmerksamkeit gewissen Thatsachen

gewidmet wurde, die von verschiedenen Schriftstellern aufgegriffen und bis zur

vollkommenen Unkenntlichkeit der Wahrheit entstellt worden sind.

Hingegen ist es vielleicht wünschenswert, unzweideutig festzustellen, daß die in

diesen Bänden, wenn auch noch so fragmentarisch und unvollständig enthaltenen

Lehren weder der indischen, der zoroastrischen, der chaldäischen oder der

ägyptischen Religion, noch dem Buddhismus, Islam, Judentum oder Christentum

ausschließlich angehören. Die Geheimlehre ist die Essenz von allen diesen. Die in

ihrem Anbeginn aus ihr entsprungenen verschiedenen religiösen Systeme werden

nunmehr in ihr ursprüngliches Element zurückgeleitet, aus dem jedes Mysterium,

und Dogma entsprossen ist, sich entwickelt hat lind ins Sinnliche herabgezogen

worden ist.

Es ist mehr als wahrscheinlich, daß das Buch von einem großen Teile des

Publikums für einen Roman der wildesten Art gehalten wird; denn wer hat jemals

von einem Buche des Dzyan gehört?

Die Verfasserin ist daher vollständig darauf vorbereitet, alle Verantwortung für den

Inhalt dieses Werkes zu übernehmen, ja selbst der Anschuldigung, das Ganze

erfunden zu haben, ins Gesicht zu sehen. Daß es viele Unzulänglichkeiten hat,

weiß sie gar wohl; alles, was sie für dasselbe verlangt, ist, daß, so romantisch

diese neue Genesis auch vielen erscheinen mag, doch logischer Zusammenhang

und Consequenz dieselbe auf jeden Fall berechtigen, den “praktischen

_Vorrede (2 of 4)23.Vorrede

Hypothesen”, wie sie die moderne Wissenschaft so bereitwillig annimmt, gleich

geachtet zu werden. Ferner beansprucht das Werk Beachtung, nicht durch

Berufung auf irgend eine dogmatische Autorität, sondern weil es sich eng an die

Natur hält, und die Gesetze der Einheitlichkeit und Analogie zur Richtschnur

nimmt.

Die Absicht dieses Werkes kann also dahin festgestellt werden: zu zeigen, daß die

Natur nicht “ein zufälliges Zusammentreffen von Atomen” ist, und, dem Menschen

seinen richtigen Platz im Weltenplan zuzuweisen, die uralten Wahrheiten, welche

die Basis aller Religionen sind, aus Erniedrigung zu befreien, und bis zu einem

gewissen Grade die fundamentale Einheit, aus der sie alle entsprungen sind,

aufzudecken; schließlich zu zeigen, daß die Wissenschaft moderner Civilisation

niemals der occulten Seite der Natur nahegekommen ist.

Wenn dies in irgend welchem Maße erfüllt worden ist, ist die Verfasserin zufrieden.

Das Buch ist im Dienste der Menschheit geschrieben, und von der Menschheit

und den zukünftigen Generationen muß es beurteilt werden. Seine Verfasserin

anerkennt keinen niedrigeren Appellhof. An Beschimpfung ist sie gewöhnt; mit

Verdrehung ist sie täglich bekannt; über Verleumdung lächelt sie in schweigender

Verachtung.

De minimis non curat lex.

H. P. B.

London, Oktober 1888.

Vorrede zur dritten und durchgesehenen Auflage.

Bei der Vorbereitung dieser Auflage für den Druck haben wir darnach gestrebt,

kleinere Einzelheiten in litterarischer Form zu verbessern, ohne an wichtigere

Dinge überhaupt zu rühren. Hätte H. P. Blavatsky die Herausgabe der. neuen

Auflage erlebt, so würde sie dieselbe ohne Zweifel in sehr beträchtlichem Maße

verbessert und vermehrt haben. Daß dies nicht geschehen ist, ist einer der vielen

kleineren Verluste, die durch den einen großen Verlust verursacht worden sind.

Linkische Ausdrücke, eine Folge unvollständiger Kenntnis des Englischen, sind

verbessert, die meisten Citate verificiert und genaue Verweisungen gegeben

worden - eine Arbeit, die viel Mühe in sich schloß, da die Verweisungen in den

_Vorrede (3 of 4)23.Vorrede

früheren Ausgaben oft sehr ungenau waren; ein einheitliches System der

Transskription von Sanskritworten wurde eingeführt. Indem wir die bei den

westlichen Orientalisten beliebteste Form als für den gewöhnlichen Leser

irreführend verwarfen - haben wir die in unserem englischen Alphabet nicht

vorhandenen Konsonanten durch Kombinationen wiedergegeben, die ihren

Klangwert annähernd ausdrücken, und haben bei den Vokalen die Längen, wo

immer sie vorkommen, sorgfältig eingesetzt. In einigen Fällen haben wir

Anmerkungen in den Text einverleibt, aber dies ist sehr sparsam geschehen und

nur dann, wenn sie offenbar einen Teil desselben bildeten.

Wir haben zur Unterstützung der Schüler einen reichhaltigen Index beigefügt, und

ihn separat gebunden, damit das Nachschlagen desselben erleichtert werde. Für

die darin niedergelegte große Arbeit sind wir und alle Schüler Schuldner des Herrn

A. J. Faulding.

ANNIE BESANT.

G. R. S. MEA D.

London, 1893.

_Vorrede 23

Einleitung.

.

„Freundlich zu hören, gütig zu beurteilen.”

Shakespeare.

Seit dem Erscheinen theosophischer Litteratur in England ist es zur Gewohnheit

geworden. die Lehre derselben als “Esoterischen Buddhismus” zu bezeichnen.

Und, einmal angewöhnt, wie ein altes, auf tägliche Erfahrung begründetes

Sprüchwort sagt, „eilt Irrtum den Abhang hinunter, während Wahrheit mühselig

ihren Weg bergauf zu klimmen hat.”

Alte Wahrworte sind oft die weisesten. Das menschliche Gemüt kann schwerlich

von Vorurteil vollständig frei bleiben, und endgültige Meinungen werden oft

gebildet, bevor eine gründliche Untersuchung eines Gegenstandes nach allen

seinen Gesichtspunkten hin stattgefunden hat. Es ist das gesagt mit Beziehung

auf das vorherrschende doppelte Mißverständnis (a) Theosophie auf Buddhismus

zu beschränken, und (b) die Sätze der von Gautama, dem Buddha, gepredigten

Religionsphilosophie mit den im “Esoterischen Buddhismus” in großen Zügen

entworfenen Lehren zu vermengen. Etwas Irrtümlicheres als das läßt sich

schwerlich vorstellen. Es hat unsere Feinde in die Lage gesetzt, eine wirksame

Waffe gegen die Theosophie zu finden, indem, wie ein hervorragender Pali-Gelehrter

sehr treffend sich ausdrückte, das erwähnte Buch “weder Esoterik noch

Buddhismus” enthielt. Die in Herrn Sinnetts Buch dargestellten esoterischen

Wahrheiten haben mit dem Augenblicke der Veröffentlichung aufgehört,

esoterisch zu sein; auch enthielt es nicht die Religion Buddhas, sondern einfach

einige wenige Sätze aus einer bisher verborgenen Lehre, die nun in den

vorliegenden Bänden durch viel mehr ihrer Art ergänzt, erweitert und erklärt

werden. Aber selbst die letzteren, obwohl sie viele Fundamentalsätze der

GEHEIMLEHRE des Ostens bekannt machen, lieben doch nur eine kleine Ecke

des dunklen Schleiers. Denn keiner, auch nicht der größte lebende Adept, hätte

dazu die Erlaubnis oder könnte - selbst wenn er wollte einer spottenden,

ungläubigen Welt ohne Unterschied das bekannt geben, was vor ihr durch lange

Zeitalter und Generationen so wirksam verborgen gehalten worden ist.

“Esoterischer Buddhismus” war ein ausgezeichnetes Werk mit einem sehr

unglücklichen Titel, obwohl es nichts weiter bedeutete als der Titel dieses Werkes,

“Geheimlehre”. Er erwies sich als unglücklich, da die Leute immer die

Gewohnheit haben, Dinge eher nach ihrem Äußeren als nach ihrer Bedeutung zu

_ (1 of 3)23

beurteilen; und weil der Irrtum jetzt so allgemein geworden ist, daß selbst die

meisten Mitglieder- der theosophischen Gesellschaft Opfer desselben

Mißverständnisses geworden sind. Von Anbeginn jedoch wurde durch Brahminen

und andere Einspruch gegen den Titel erhoben; und, gerecht gegen mich selbst,

muß ich hinzufügen, daß “Esoterischer Buddhismus” mir als vollendeter Band

vorgelegt wurde, und daß ich gänzlich unaufmerksam war für die Art, wie der

Verfasser das Wort “Budh-ismus” zu schreiben beabsichtigte. Dies ist direkt

denen zur Last zu legen welche - als die ersten, die den Gegenstand zur

öffentlichen Kenntnis zu bringen hatten - es vernachlässigten, den Unterschied

hervorzuheben zwischen “Buddhismus”- dem religiösen Ethiksysteme, das von

dem erhabenen Gautama gepredigt und nach seinem Titel eines Buddha, “eines

Erleuchteten”, benannt wurde, und Budhismus, von Budha, Weisheit oder

Kenntnis (Vidya), Fähigkeit des Erkennens, von der Sanskritwurzel budh, wissen.

Wir indischen Theosophen sind selbst die wirklichen Schuldigen, obwohl wir

seiner Zeit unser Bestes thaten, das Versehen zu korrigieren1. Diese

bedauerliche irrtümliche Benennung wäre leicht zu vermeiden gewesen; es hätte

bloß die Schreibweise geändert werden müssen und wäre nach allgemeinem

Übereinkommen “Budhismus” an Stehle von “Buddhismus” auszusprechen und zu

schreiben gewesen. Auch ist der letztere Ausdruck weder richtig geschrieben

noch ausgesprochen, da er Buddhaïsmus heißen sollte, und seine Anhänger

„Buddhaïsten”.

Diese Erklärung ist unumgänglich notwendig zum Beginne eines Werkes wie des

vorliegenden. Die Weisheitsreligion ist das Erbe von allen Nationen des

Erdenrunds, obwohl im “Geheimbuddhismus”2 die Behauptung aufgestellt war:

“vor zwei Jahren (d. i. 1883) kannten weder ich noch irgend ein anderer Europäer

auch nur das Alphabet der Wissenschaft, welche hier zum erstenmale in

wissenschaftliche Darstellung gebracht ist” u. s. w. Dieser Irrtum muß sich durch

Unbedachtsamkeit eingeschlichen haben. Denn die gegenwärtige Schreiberin

wußte alles, was im esoterischen Buddhismus “enthüllt” wurde, und noch viel

mehr, - viele Jahre bevor es ihre Pflicht wurde (in 1880) einen kleinen Teil der

Geheimlehre zwei europäischen Herren mitzuteilen, von denen einer der

Verfasser von “Esoteric Buddhism” war; und sicherlich hat die Schreiberin dieses

das unbestreitbare, wenn auch, für sie, etwas zweideutige Vorrecht, eine

Europäerin ihrer Geburt und Erziehung nach zu sein. Ferner wurde ein

beträchtlicher Teil der von Herrn Sinnett erklärten Philosophie in Amerika, sogar

bevor “Isis entschleiert” veröffentlicht war, zwei Europäern und meinem Kollegen

Oberst H. S. Olcott gelehrt. Von den drei Lehrern, welche der letztere Herr gehabt

hatte, war der eine ein ungarischer Initiierter, der zweite ein Ägypter, der dritte ein

Hindu. Da er die Erlaubnis dazu hatte, hat Oberst Olcott einige dieser Lehren auf

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verschiedene Weise veröffentlicht; wenn die anderen zwei solches nicht gethan

haben, so war es einfach deshalb, weil es ihnen nicht erlaubt wurde, indem ihre

Zeit für öffentliche Arbeit noch nicht gekommen war. Aber für andere ist sie es,

und das Erscheinen von Herrn Sinnetts verschiedenen interessanten Büchern ist

ein sichtbarer Beweis für diese Thatsache. Es ist ferner über alles wichtig, sich vor

Augen zu halten, daß kein theosophisches Buch nur den mindesten höheren Wert

durch eine angebliche Autorität erhält.

1) Siehe Theosophist Juni 1883 .

2) Vorrede der Originalausgabe.

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Âdi, oder Âdhi Budha, die Eine oder die Erste und Höchste Weisheit, ist ein von

Âryasarnga in seinen geheimkundigen Abhandlungen, und jetzt von allen

Mystikern des nördlichen Buddhismus gebrauchter Ausdruck. Es ist ein

Sanskritwort, und eine von den frühesten Âriern der unbekannten Gottheit erteilte

Bezeichnung, indem das Wort “Brahmâ” sich in den Veden und den frühzeitigen

Werken nicht findet. Es bedeutet die absolute Weisheit, und Âdibhuta wird von

Fitzedward Hall mit “die uranfängliche unerschaffene Ursache von Allem”

übersetzt. Äonen von unsagbarer Dauer müssen vergangen sein, bevor die

Bezeichnung Buddha derart vermenschlicht war, so zu sagen, um es zu gestatten,

daß der Ausdruck auf Sterbliche angewendet und schließlich einem zugeeignet

wurde, dessen unvergleichliche Tugenden und Erkenntnis ihn den Titel eines

“Buddhas der unbegrenzten Weisheit” erlangen ließen. Bodha bedeutet den

angeborenen Besitz von göttlichem Intellekt oder Einsicht; Buddha die Erlangung

derselben durch persönliche Anstrengungen und Verdienst; während Buddhi die

Fähigkeit des Erkennens ist, der Kanal, durch welchen die göttliche Erkenntnis

das Ego erreicht, das Unterscheidungsvermögen von Gut und Böse, auch das

“göttliche Bewußtsein”, und die .“geistige Seele”, die die Trägerin von Âtma ist.

“Wenn Buddhi unseren Sondersinn aufzehrt (ihn zerstört) mit allen seinen Vikaras,

so wird Avalokiteshvara uns offenbar, und Nirvana, oder Mukti, ist erreicht,” indem

Mukti dasselbe ist wie Nirvana, nämlich Freiheit von den Netzen von Mâyâ oder

Illusion. Bodhi ist gleicherweise der Name eines besonderen Trancezustandes,

genannt Samâdhi, während dessen das Subjekt den Höhepunkt geistiger

Erkenntnis erreicht.

Unweise sind jene, welche in ihren blinden und in unserem Zeitalter

unzeitgemäßen Haß gegen Buddhismus, und, infolge dessen, gegen Budhismus,

die esoterischen Lehren desselben (die auch die der Brâhmanen sind), einfach

deshalb leugnen, weil der Name an, für sie als Monotheisten schädliche,

Doktrinen denken läßt. Unweise ist der richtige Ausdruck für diesen Fall. Denn

allein die esoterische Philosophie ist geeignet, in diesem Zeitalter krassen und

unlogischen Materialismus, den wiederholten Angriffen auf all und jedes, was der

Mensch in seinem inneren geistigen Leben für das Teuerste und Heiligste hält,

Widerstand zu leisten. Der wahre Philosoph, der Schüler der esoterischen

Weisheit, verliert Persönlichkeiten, dogmatische Meinungen und spezielle

Religionen vollständig aus den Augen. Ferner versöhnt die esoterische

Philosophie alle Religionen, entkleidet jede ihrer äußeren, menschlichen

Gewänder, und zeigt die Wurzel einer jeden als identisch mit der jeder anderen

großen Religion. Sie beweist die Notwendigkeit eines göttlichen absoluten

Prinzips in der Natur. Sie leugnet die Gottheit nicht mehr, als sie die Sonne

leugnet. Esoterische Philosophie hat niemals Gott in der Natur zurückgewiesen,

_I(1 of 3)24. Einleitung noch die Gottheit als das absolute und abstrakte Ens. Sie weigert sich bloß,

irgendwelche Götter der sogenannten monotheistischen Religionen anzunehmen,

Götter, die der Mensch nach seinem eigenen Bild und Gleichnis erschaffen hat,

als eine lästerliche und traurige Karikatur des Ewig-Unerkennbaren. Des weiteren

umfassen die Aufzeichnungen, die wir dem Leser vorzulegen beabsichtigen, die

esoterischen Lehren der ganzen Welt seit dem Anfange unserer Menschheit, und

der buddhistische Occultismus nimmt darin bloß seinen gebührenden Platz ein,

und nicht mehr. In der That sind die geheimwissenschaftlichen Teile des Dan oder

Janna (Dhyâna)1von Gautamas Metaphysik - so großartig sie auch dem mit den

Sätzen der Weisheitsreligion des Altertums Unvertrauten erscheinen mögen - bloß

ein sehr kleiner Teil des Ganzen. Der indische Reformator beschränkte seine

öffentlichen Lehren auf die rein moralische und physiologische Seite der

Weisheitsreligion, auf Ethik und den Menschen allein. „Unsichtbare und

unkörperliche” Dinge, das Geheimnis des Seins außerhalb unserer irdischen

Sphäre, ließ der große Lehrer in seinen öffentlichen Vorträgen gänzlich unberührt,

indem er die verborgenen Wahrheiten für einen auserwählten Kreis seiner Arhats

vorbehielt. Die letzteren erhielten ihre Initiation in der berühmten Saptaparna-Höhle

(der Sattapanni des Mahâvansa), nahe dem Berge Baibhâr (dem Webhâra

der Pâlimanuskripte). Diese Höhle war in Râjâgriha, der alten Hauptstadt von

Magadha, und war die Chetahöhle des Fa-hian, wie von einigen Archäologen

richtig vermutet wurde2.

Zeit und die menschliche Einbildungskraft machten kurzen Prozeß mit der

Reinheit und Philosophie dieser Lehren, nachdem sie einmal aus dem geheimen

und geheiligten Kreis der Arhats, während des Verlaufes ihres Bekehrungswerkes,

in den für metaphysische Ideen weniger als Indien vorbereiteten Boden verpflanzt

worden waren, nämlich nach ihrer Übertragung nach China, Japan, Siam und

Birma. Wie mit der ursprünglichen Reinheit dieser großen Offenbarungen

verfahren wurde, kann bei dem Studium einiger der sogenannten „esoterischen”

buddhistischen Schulen des Altertumes in ihrem modernen Gewande gesehen

werden, nicht nur in China und anderen buddhistischen Ländern im allgemeinen,

sondern sogar in nicht wenigen Schulen in Tibet, die der Obhut von uninitiierten

Lamen und mongolischen Neuerern überlassen worden sind.

1) Dan, jetzt in moderner chinesischen und tibetanischer Phonetik zu Chhan

geworden, ist die allgemeine Bezeichnung für die esoterischen Schulen und

ihre Litteratur. In den alten Büchern wird das Wort Janna definiert als “sein

Selbst durch Meditation und Erkenntnis zu reformieren”, eine zweite innere

_I(2 of 3)24

Geburt. Daher Dzan, phonetisch Djan, das Buch des Dzyan. Siehe Edkins,

Chinese Buddhism, p. 129, Note.

2) Herr Beglor, Oberingenier in Buddhagaya und hervorragender Archäolog,

hat, wie wir glauben, als erster dies entdeckt.

_I(3 of 3)24

Der Leser ist somit gebeten, sich den sehr bedeutenden Unterschied zwischen

orthodoxem Buddhismus - d. i. den öffentlichen Lehren Gautamas des Buddha,

und seinem esoterischen Budhismus vor Augen zu halten. Seine Geheimlehre war

gleichwohl in keiner Weise von der der iniitiierten Brâhminen seiner Zeit

verschieden. Der Buddha war ein Kind des ârischen Bodens, ein geborner Hindû,

ein Kshatriya und ein Schüler der Zweimal—Geborenen (der initiierten Brâhminen)

oder Dvîjas. Seine Lehren konnten daher von denen der letzteren nicht

verschieden sein, denn die ganze buddhistische Reform bestand einzig in der

Veröffentlichung eines Teiles von dem, was vor jedermann außerhalb des

„Zauberkreises“ der Asketiker und Tempelinitiierten geheim gehalten worden war.

Nicht im stande, alles zu lehren, was ihm mitgeteilt worden war - infolge seiner

Gelübde - gab der Buddha, obwohl er eine auf dem Fundamente der wahren

esoterischen Wissenschaft aufgebaute Philosophie lehrte, der Welt bloß ihren

äußeren materiellen Körper und behielt die Seele für seine Auserwählten. Viele

Sinologen unter den Orientalisten haben voll einer „Seelenlehre” gehört. Keiner

davon scheint ihre wirkliche Bedeutung und Wichtigkeit verstanden zu haben.

Diese Lehre wurde geheim - vielleicht zu geheim - aufbewahrt im Heiligtum. Das

Geheimnis, das ihr Hauptdogma und Trachten - Nirvâna - verhüllte, hat die

Neugierde jener Gelehrten, die es studierten, derart auf die Probe gesetzt und

angefacht, daß sie, unfähig es logisch und befriedigend zu lösen, indem sie den

gordischen Knoten aufknüpften, denselben durchhieben durch die Erklärung,

Nirvâna bedeute absolute Vernichtung.

Gegen das Ende des ersten Viertels dieses Jahrhunderts erschien eine bestimmte

Klasse von Litteratur auf dem Schauplatze, deren Richtung eine mit jedem Jahr

schärfer werdende Prägung zeigte. Basiert, sozusagen, auf den schulgemäßen

Untersuchungen der Sanskritisten und Orientalisten überhaupt, wurde sie für

wissenschaftlich gehalten. Indische, ägyptische, und andere alte Religionen,

Mythen und Embleme ließ man jedwede Bedeutung haben, die der Symbologe

eben brauchte, und bot so oft die rohe äußere Form an Stelle des inneren Sinnes.

Werke, sehr bemerkenswert durch ihre genialen Deduktionen und Spekulationen,

die, wie die Syllogismen von mehr als einem Sanskrit- oder Pâligelehrten, in

einem circulus vitiosus, vorgefaßte Schlußfolgerungen an Stelle von Prämissen

setzten, erschienen in rascher Reihenfolge, und überfluteten die Bibliotheken mit

Dissertationen, die mehr von Phallus- und Geschlechtsdienst als von wirklicher

Symbologie handelten und von denen eine der anderen widersprach.

Dies ist vielleicht der wahre Grund, warum die Erlaubnis gebeten wurde, den

Umriß einiger weniger fundamentaler Wahrheiten der Geheimlehre der Vorzeit

_ (1 of 9)25

jetzt an’s Licht zu bringen, nach langen Jahrtausenden des tiefsten Schweigens

und Geheimhaltens. Ich sage mit Bedacht „einige wenige Wahrheiten”, denn das,

was ungesagt bleiben muß, fände auch in hundert solcher Bände keinen Platz,

noch könnte es der gegenwärtigen Generation von Sadducäern mitgeteilt werden.

Aber selbst das wenige, nunmehr Gegebene, ist besser als ein gänzliches

Schweigen über diese Lebenswahrheiten. Die Welt von heutzutage, in ihrem

wahnsinnigen Rennen ins Unbekannte - das mit dem Unerkennbaren zu

verwechseln der Physiker nur zu sehr bereit ist, so oft das Problem seiner

Fassungskraft spottet, - schreitet rapid auf der der Spiritualität entgegengesetzten

Ebene vorwärts. Sie ist eine weite Arena geworden, ein wahres Thal der

Zwietracht und des ewigen Streites, eine Totenstadt, in der die höchsten und

heiligsten Bestrebungen unserer Geistseele begraben liegen. Diese Seele wird mit

jeder neuen Generation mehr gelähmt und abgezehrt. Die „liebenswürdigen

Ungläubigen und wohlerzogenen Ruchlosen” der Gesellschaft, von denen Greeley

spricht, kümmern sich wenig um die Wiederbelebung der toten Wissenschaften

der Vergangenheit; aber es giebt eine schöne Minorität von ernsten Schülern, die

berechtigt sind, die wenigen Wahrheiten, die ihnen jetzt gegeben werden können,

zu lernen; und jetzt viel mehr als vor zehn Jahren, als „Isis entschleiert“ erschien,

und selbst als die späteren Versuche, die Geheimnisse der esoterischen

Wissenschaft zu erklären, veröffentlicht wurden.

Eine von den gewichtigsten und vielleicht die ernsteste Einwendung gegen die

Korrektheit und Verläßlichkeit des ganzen Werkes werden die einleitenden

Strophen sein. Wie können die in denselben enthaltenen Behauptungen verifiziert

werden? In der That, wenn auch ein großer Teil der sanskritischen, chinesischen

und mongolischen Werke, die in den vorliegenden Bänden citiert werden, einigen

Orientalisten bekannt sind, so ist doch das Hauptwerk, das, aus dem die Strophen

mitgeteilt sind, nicht im Besitze der europäischen Bibliotheken. Das Buch des

Dzyan (oder Dzan) ist unsern Philologen gänzlich unbekannt, oder zum

mindesten haben sie von demselben nicht unter seinem gegenwärtigen Namen

gehört. Das ist natürlich ein großes Hindernis für jene, die die von der offiziellen

Wissenschaft vorgeschriebenen Forschungsmethoden befolgen; aber für die

Schüler des Occultismus und für jeden echten Occultisten wird das von geringer

Bedeutung sein. Der wesentliche Inhalt der veröffentlichten Lehren findet sich

übrigens in Hunderten und Tausenden von Sanskritmanuskripten zerstreut, von

denen einige bereits übersetzt sind - in der Auslegung, wie üblich, entstellt -

andere noch warten, bis die Reihe an sie kommt. Jeder Gelehrte hat daher

Gelegenheit, die hier aufgestellten Behauptungen zu verifizieren, und die meisten

Citate zu kontrollieren. Einige wenige neue Thatsachen (neu bloß für den

profanen Orientalisten) und- aus den Kommentaren angeführte Stellen werden

_ (2 of 9)25

sich als schwierig zu verfolgen erweisen. Verschiedene der Lehren sind auch

bisher nur mündlich überliefert worden, doch selbst diese finden sich jedesmal

angedeutet in den nahezu zahllosen Bänden brâhmanischer, chinesischer und

tibetanischer Tempellitteratur.

Wie auch immer das sein, und was auch für übelwollende Kritik die Schreiberin

erwarten möge, eine Thatsache ist ganz sicher. Die Mitglieder verschiedener

esoterischen Schulen, deren Hauptsitz jenseits des Himâlaya sich befindet, und

deren Zweige in China, Japan, Indien, Tibet und selbst in Syrien, und auch in

Südamerika anzutreffen sind, behaupten, die Gesamtheit aller heiligen und

philosophischen Werke in Handschrift oder Druck in ihrem Besitze zu haben: alle

Werke in der That, die jemals geschrieben worden sind, in jeglicher Sprache und

Schriftgattung, seit die Kunst des Schreibens begonnen hat; von den

ideographischen Hieroglyphen herab bis zum Alphabet des Kadmus und zum

Devanâgarîalphabet.

Es wurde beständig behauptet, daß immer seit der Zerstörung der

alexandrinischen Bibliothek1 jedes Werk von der Art, daß es den Profanen zur

endlichen Entdeckung und zum Verständnis einiger der Mysterien der

Geheimwissenschaft hätte leiten können, durch die vereinten Anstrengungen der

Mitglieder der Brüderschaften eifrig aufgesucht wurde. Es wird ferner von denen,

die wissen, hinzugefügt, daß, einmal aufgefunden, solche Werke, mit Ausnahme

dreier Exemplare, die erhalten und sicher verwahrt wurden, alle zerstört wurden.

In Indien wurden die letzten dieser kostbaren Manuskripte während der Regierung

des Kaisers Akbar in Sicherheit gebracht und verborgen.

Prof. Max Müller zeigt, daß weder Bestechungen noch Drohungen Akbars von den

Brâhmanen den ursprünglichen Text der Veden erpressen konnte; und brüstet

sich trotzdem, daß europäische Orientalisten ihn haben2. Daß Europa den

vollständigen Text besitzt, ist sehr zweifelhaft, und die Zukunft mag für die

Orientalisten sehr unangenehme Überraschungen vorrätig haben.

Es wird ferner behauptet, daß jedes heilige Buch dieser Art, dessen Text nicht

hinreichend durch Symbolik verschleiert war, oder das irgendwelche direkte

Bezugnahme auf die alten Mysterien enthielt, bis auf das letzte Exemplar zerstört

wurde, nachdem es sorgfältig in cryptographischen Zeichen, geeignet, der Kunst

der besten und scharfsinnigsten Paläographen Trotz zu bieten, kopiert worden

war. Während Akbars Regierung halfen einige fanatische Höflinge, ungehalten

über des Kaisers sündhaftes Forschen in den Religionen der Ungläubigen, selber

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den Brâhmanen, ihre Manuskripte zu verbergen. Ein solcher war Badáoni, welcher

einen unverhüllten Abscheu gegen Akbars Manie für götzendienerische

Religionen trug.

Badáoni schreibt in seinem Muntakhab at Tawarikh:

Da sie (die Shramanas und Brâhminen) andere gelehrte Männer in ihre

Abhandlungen über Moral, über Natur- und Religionswissenschaften,

übertreffen und einen hohen Grad erreichen in ihrer Kenntnis der Zukunft, in

geistiger Kraft und menschlicher Vollkommenheit, erbrachten sie auf Vernunft

und Zeugnis gegründete Beweiseund prägten ihm ihre Lehren so fest

ein, .daß niemand jetzt in Sr. Majestät einen Zweifel zu erregen

vermöchte, selbst wenn Berge zu Staub zerfallen und die Himmel entzwei

reißen sollten . Se. Majestät fand Geschmack an den Untersuchungen über

die Sekten dieser Ungläubigen, die nicht zu zählen sind, so zahlreich sind sie,

und die eine Unmenge geoffenbarter Bücher3 haben.

Dieses Werk „wurde geheim gehalten und erst unter der Regierung Jahángirs

veröffentlicht”.

Auch in all den großen und reichen Lamaserien giebt es unterirdische Krypten und

Höhlenbibliotheken, in den Felsen gehauen, sobald die Gonpa und Lhakhang in

den Bergen gelegen sind. Hinter dem westlichen Tsaydam, in den einsamen

Pässen des Kuen-lun sind verschiedene solche Verstecke. Entlang dem Rücken

des Altyn-tag, dessen Boden kein europäischer Fuß so weit betreten hat, liegt ein

gewisser Weiler, verloren in einer tiefen Bergschlucht. Es ist ein kleiner Haufe von

Häusern, ein Dörfchen vielmehr als ein Kloster, mit einem armselig aussehenden

Tempel darin, und einem alten Lama, einem Einsiedler, der in der Nähe wohnt,

um ihn zu bewachen. Pilger sagen, daß die darunter liegenden unterirdischen

Galerien und Hallen eine Sammlung von Büchern enthalten, deren Anzahl, nach

den gegebenen Listen, zu groß ist, um Raum selbst im Britischen Museum zu

finden.

Nach derselben Überlieferung waren die jetzt wüsten Gebiete des wasserlosen

Landes von Tarim - einer echten Wildnis im Herzen von Turkestan - vor alters

bedeckt mit blühenden und wohlhabenden Städten. Gegenwärtig mildern kaum

ein paar grünende Oasen ihre traurige Einsamkeit. Eine davon, die das Grab einer

großen, vom sandigen Boden der Wüste verschlungenen und begrabenen Stadt

bedeckt, gehört niemand, wird aber oft von Mongolen und Buddhisten besucht.

Die Überlieferung spricht ebenfalls von ungeheueren unterirdischen Räumen, von

großen Korridoren angefüllt mit Ziegeln und Cylindern. Es mag ein müssiges

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Gerücht, und es mag auch eine wirkliche Thatsache sein.

All dies wird sehr wahrscheinlich ein Lächeln des Zweifels hervorrufen. Doch

möge der Leser, bevor er die Wahrhaftigkeit dieser Berichte verwirft, innehalten

und die folgenden wohlbekannten Thatsachen überlegen. Die gemeinsamen

Nachforschungen der Orientalisten, und insbesondere die Arbeiten der letzten

Jahre seitens der Gelehrten der vergleichenden Philologie und der

Religionswissenschaft haben dahin geführt, zur Gewißheit zu machen, daß eine

ungeheure, unberechenbare Anzahl von Manuskripten und selbst von gedruckten

Werken, von denen man weiß, daß sie existiert haben, jetzt nicht mehr zu finden

ist. Sie sind verschwunden, ohne die geringste Spur zurückzulassen. Wären es

bedeutungslose Werke gewesen, so möchte man sie wohl im natürlichen Verlauf

der Zeit dem zugrundegehen überlassen haben, und selbst ihre Namen würden im

menschlichen Gedächtnis verwischt worden sein. Aber dem ist nicht so; denn die

meisten derselben enthielten, wie jetzt ermittelt ist, die wahren Schlüssel zu

Werken, die jetzt noch vorhanden sind, und die für den Großteil ihrer Leser ohne

diese ergänzenden Bände von Kommentaren und Erklärungen vollständig

unverständlich sind.

Solche sind zum Beispiele die Werke des Lao-tse, des Vorgängers des Confucius.

Man sagt, er habe neunhundertunddreißig Bücher über Ethik und Religionen, und

siebzig über Magie geschrieben, alles zusammen eintausend. Seine Hauptwerk

jedoch, der Tao-te-king, das Herz seiner Lehre, und die heilige Schrift der Tao-sse,

enthält, wie Stanislaus Julien zeigt, bloß „ungefähr 5000 Worte”,4 kaum ein

Dutzend Seiten; doch findet Prof. Max Müller: „der Text ist ohne Kommentare

unverständlich, so daß Herr Julien mehr als sechzig Kommentatoren zum Zwecke

der Übersetzung zu Rate zu ziehen hatte, von denen der früheste bis ins Jahr 163

v. Ch. zurückgeht,” und nicht früher, wie wir sehen.

Während der vier und ein halb Jahrhunderte, welche diesem frühesten der

Kommentatoren vorhergingen, war reichlich Zeit, die wahre Lao-tse-Lehre für alle,

ausgenommen seine initiierten Priester, zu verschleiern. Die Japaner, unter denen

jetzt die Gelehrtesten der Priester und Nachfolger des Lao-tse zu finden sind,

lachen einfach über die Mißgriffe und Hypothesen der europäischen

Chinaforscher; und die Überlieferung betätigt, daß die den westlichen Sinologen

zugänglichen Kommentare nicht die wirklichen occulten Aufzeichnungen sind,

sondern absichtliche Verschleierungen, und daß die wahren Kommentare

ebensowohl als fast alle Texte seit langer Zeit für die Augen der Profanen

verschwunden sind.

Über die Werke des Confucius lesen wir:

Wenn wir uns nach China wenden, so finden wir die Religion des Confucius

begründet auf die fünf King- und vier Shu-Bücher, die, an sich von

beträchtlichem Umfang, von mächtigen Kommentaren umgeben sind, ohne die

selbst die größten Gelehrten es nicht wagen würden, die Tiefe ihres heiligen

Kanon zu ergründen.5

Aber sie haben sie nicht ergründet - und das ist die Klage der Confucianisten, wie

ein sehr gelehrtes Mitglied dieser Körperschaft, in Paris, im Jahre 1881 beklagte.

Wenden sich unsere Gelehrten zur alten Litteratur der semitischen Religionen, zu

den Schriften voll Chaldäa, der älteren Schwester und Lehrerin, wenn nicht Quelle

der Mosaischen Bibel, der Grundlage und des Ausgangspunktes des

Christentums, was finden sie?

Das Andenken der alten Religionen von Babylon zu verewigen, die umfangreiche

Reihe astronomischer Beobachtungen der chaldäischen Magier aufzuzeichnen,

die Überlieferung über ihre herrliche und hervorragend occulte Litteratur zu

rechtfertigen; was ist da jetzt übrig? Bloß ein paar Fragmente, angeblich von

Berosus.

Diese jedoch sind fast wertlos, selbst als ein Anhaltspunkt betreffs des Charakters

dessen, was entschwunden ist; denn sie gingen durch die Hände seiner

Ehrwürden des Bischofs von Cäsarea - dieses selbsteingesetzten Censors und

Herausgebers der heiligen Urkunden von andrer Leute Religionen - und sie tragen

zweifellos bis heute den Stempel seiner hervorragend wahrhaften und

vertrauenswürdigen Hand. Denn was ist die Geschichte dieser Abhandlung über

die einstmals großartige Religion von Babylon?

Von Berosus, einem Priester des Tempels von Belus, für Alexander den Großen

in griechischer Sprache geschrieben, nach den astronomischen und

chronologischen Aufzeichnungen, die von den Priestern dieses Tempels

aufbewahrt wurden, und eine Periode von 200000 Jahren umfaßten, ist sie jetzt

verloren.

Im ersten Jahrhundert v. Chr. machte Alexander Polyhistor eine Reih von

Auszügen daraus - ebenfalls verloren.

Eusebius (270-340 n. Chr.) benützte diese Auszüge bei der Abfassung seines

Chronicon.

Die Punkte der Ähnlichkeit, fast der Identität, zwischen den jüdischen und

chaldäischen Schriften6 machten die letzteren für Eusebius höchst gefährlich, in

seiner Rolle eines Verteidigers und Vorkämpfers des neuen Glaubens, welcher

die vorangegangenen Schriften, und mit ihnen eine absurde Chronologie,

adoptiert hatte.

Nun ist es ziemlich sicher, daß Eusebius die ägyptischen synchronistischen Tafeln

des Manetho nicht verschonte - so sehr, daß Bunsen7 ihn höchst skrupelloser

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Geschichtsverstümmlung anklagt, und Sokrates, ein Geschichtsschreiber des

fünften Jahrhunderts, sowie Syncellus, Vicepatriarch von Konstantinopel, im

Anfange des achten Jahrhunderts, beide ihn als den unverschämtesten und

rücksichtslosesten Fälscher brandmarken.

Ist es da wahrscheinlich, daß er mit den chaldäischen Urkunden zarter

umgegangen sei, welche bereits die neue, so voreilig angenommene Religion

bedrohten.

Somit ist, mit Ausnahme dieser mehr als zweifelhaften Bruchstücke, die ganze

heilige Litteratur der Chaldäer den Augen der Profanen ebenso vollständig

entschwunden wie die versunkene Atlantis. Einige Thatsachen, die in der

Geschichte des Betusus enthalten waren, sind weiter unten mitgeteilt und mögen

auf den wahren Ursprung der gefallenen Engel, personifiziert. durch Bel und den

Drachen, ein helles Licht werfen.

Wendet er sich nun dem ältesten Denkmal ârischer Litteratur, dem Rig-Veda zu,

so wird der Studierende, wenn er darin streng den Daten folgt, die die erwähnten

Orientalisten selbst liefern, finden, daß, obwohl der Rig-Veda bloß ungefähr 10

580 Verse oder 1028 Hymnen enthält, er doch, trotz den Brâhmanas und der

Menge von Glossen und Commentaren, bis zum heutigen Tage nicht richtig

verstanden wird. Warum das? Offenbar deshalb, weil die Brâhmanas, „die

scholastischen und ältesten Abhandlungen über die ursprünglichen Hymnen,”

selbst wieder einen Schlüssel verlangen, welchen die Orientalisten sich zu

beschaffen verfehlten.

Was sagen ferner die Gelehrten über die buddhistische Litteratur? Besitzen sie

dieselbe vollständig? Sicherlich nicht. Trotz der 325 Bände des Kanjur und des

Tanjur der nördlichen Buddhisten, von denen jeder Band. wie es heißt, „vier bis

fünf Pfund wiegt,” ist in Wahrheit nichts über den, wirklichen Lamaïsmus bekannt.

Auch der heilige Kanon der südlichen Kirche soll nach dem Saddharmâlankâra8

29368000 Buchstaben enthalten, oder, ausschließlich der Abhandlungen und

Kommentare ,,fünf oder sechsmal den Betrag des in der Bibel enthaltenen

Stoffes,“ indem die letztere, nach Professor Max Müller, nur 3567180 Buchstaben

enthält.

Ungeachtet nun dieser „325 Bände“ (in Wirklichkeit sind es 333. Kanjur enthält

nämlich 108, Tanjur 225 Bände) „haben die Übersetzer, statt uns richtige

Übersetzungen zu liefern, dieselben mit ihren eigenen Kommentaren vermengt,

um die Dogmen ihrer verschiedenen Schulen zu rechtfertigen.“9 Ferner sagt der

Professor seinen Hörern: „nach der von den buddhistischen Schulen, sowohl des

Südens als des Nordens, erhaltenen Tradition umfaßte der heilige buddhistische

Kanon ursprünglich 80000 oder 84000 Abhandlungen, aber die meisten derselben

gingen verloren, sodaß bloß 6000 übrig blieben.” „Verloren“ wie gewöhnlich für die

Europäer. Aber wer kann ganz sicher sein, daß sie ebenso für die Buddhisten und

Brâhminen verloren sind?

Betrachten wir, wie geheiligt den Buddhisten jede Zeile ist, die über Buddha und

das gute Gesetz geschrieben ist, so erscheint der Verlust von nahezu 76000

Abhandlungen wunderbar. Wäre es vice versa, so würde jeder mit dem

natürlichen Lauf der Ereignisse vertraute die Behauptung unterschreiben, daß von

diesen 76 000 fünf- oder sechstausend Abhandlungen während der Verfolgungen

in und Auswanderungen aus Indien hätten zerstört werden können. Aber nachdem

es gut festgestellt ist, daß buddhistische Arhats ihren religiösen Exodus, zum

Zwecke der Verbreitung des neuen Glaubens jenseits Kashmirs und der

Himâlayas, bereits im Jahre 300 vor unserer Ära begannen10 und China im Jahre

61 n. Chr.11 erreichten, als Kashyapa, auf die Einladung des Kaisers Ming-ti,

dahinkam, um den „Sohn des Himmels” mit den Lehrsätzen des Buddhismus

bekannt zu machen, so erscheint es sonderbar, die Orientalisten von so einem

Verlust als von etwas thatsächlich Möglichem sprechen zu hören. Sie scheinen

auch nicht einen Augenblick die Möglichkeit zuzugeben, daß die Texte bloß für

den Westen und für sie selbst verloren sein können; oder daß die Asiaten die

unvergleichliche Frechheit haben könnten, ihre heiligsten Aufzeichnungen den

Fremden unerreichbar zu machen, somit sich zu weigern, selbe der Profanation

und dem Mißbrauch von Rassen, die sogar so „weit erhaben“ über ihnen sind, zu

überlassen.

1) siehe Isis Unveiled, Vol. 11, p.27.

2) Introduction to the Science of Religion. p. 23.

3) Ain i Akbari, übersetzt vom Dr. Blochmann. citiert von Max Müller, op. cit.

 

4) Tao-te-king, p. XXVII.

5) Max Müller, op. cit. p. 114.

6) Aufgefunden und bewiesen erst jetzt, durch die Entdeckungen von George

Smith (siehe sein “Chaldean account of Genesis”); und was, dank diesem

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armenischem Fälscher, alle “civilisierten Völker” durch mehr als 1500 Jahre

verleitete, die jüdischen Derivationen für direkte göttliche Offenbarung zu halten!

 

7) Egypt‘s Place in History, p.200.

8) Spence Hardy, The Legends and Theories of the Buddhists,” p.66.

9) E. Schlagintweit, Buddhism in Tibet, p.77.

10) Lassen (“Indische Altertumskunde” Bd. II, p. 1072) erwähnt ein in der

Kailâsakette erbautes Kloster um 37. v. Chr, und General Cunningham ein noch

früheres.

11) Reverend J. Edkins, Chinese Buddhism, p. 87.

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Infolge des erklärten Bedauerns und zahlreicher Geständnisse seitens fast eines

jeden Orientalisten1 kann das Publikum hinlänglich überzeugt sein, daß (a) die

Erforscher alter Religionen in der That sehr wenige Daten haben, auf denen sie

solche Schlußfolgerungen aufbauen könnten, wie sie es gewöhnlich bezüglich der

alten Glaubenslehren thun, und (b) ein solcher Mangel an Daten sie nicht im

mindesten vom Dogmatisieren abhält. Man sollte glauben daß, dank der

zahlreichen in den Klassikern und in einer Anzahl alter Schriftsteller erhaltenen

Berichte über ägyptische Theogonie und Mysterien, wenigstens die Riten und

Dogmen des Pharaonischen Ägyptens gut verstanden sein sollten; besser auf

jeden Fall als die allzu abstrusen Philosophien und der Pantheismus Indiens, von

dessen Religion und Sprache Europa vor Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts

kaum eine Ahnung hatten. Den Nil entlang und hin über die Fläche des ganzen

Landes stellen bis zur Stunde, und werden jährlich und täglich nette Reste

ausgegraben, die uns beredt ihre eigene Geschichte erzählen.

Doch ist dem nicht so.

Der gelehrte Oxforder Philologe gesteht selbst die Wahrheit ein mit den Worten:

Noch sehen wir die Pyramiden stehen, und die Ruinen von Tempeln und

Labyrinthen, ihre Wände bedeckt mit Hieroglypheninschriften und mit den

sonderbaren Darstellungen von Göttern und Göttinnen. - Auf Papyrusrollen,

welche dem Zahn der Zeit zu trotzen scheinen, haben wir sogar Fragmente von

dem, was man die heiligen Bücher der Ägypter nennen könnte. Jedoch, obwohl

vieles in den alten Aufzeichnungen dieser geheimnisvollen Rasse entziffert

worden ist, sind die Haupttriebfeder der ägyptischen Religion und die

ursprüngliche Bedeutung ihres Ceremoniendienstes noch lange nicht

vollständig uns erschlossen.”2

Auch hier sind wiederum die geheimnisvollen hieroglyphischen Dokumente

erhalten, aber die Schlüssel, durch die sie allein verständlich werden, sind

verschwunden.

So wenig sind thatsächlich unsere größten Ägyptologen mit den

Beerdigungsgebräuchen der Ägypter und den äußerlichen Zeichen für den

Unterschied des Geschlechtes der Mumien bekannt, daß es zu den albernsten

Irrtümern geführt hat. Erst vor ein bis zwei Jahren wurde ein solcher in Boulaq,

Kairo, entdeckt. Eine Mumie, welche für die eines Weibes eines unbedeutenden

Pharaoh gehalten wurde, erwies sich, dank einer Inschrift, die sich auf einem um

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den Hals hängenden Amulet fand, als die des Sesostris - des größten Königs von

Ägypten!

Nichtsdestoweniger, nachdem er gefunden hatte, daß „ein natürlicher

Zusammenhang zwischen Sprache und Religion bestellt”; daß es zweitens „eine

gemeinsame arische Religion gab vor der Teilung der ârischen Rasse, eine

gemeinsame semitische Religion vor der Teilung der semitischen Rasse, und eine

gemeinsame turanische Religion vor der Teilung der chinesischen und der

anderen zur turanischen Klasse gehörenden Stämme”; nachdem er thatsächlich

nur „drei alte Religionscentren” und „drei Sprachcentren” entdeckt hatte, und

obwohl er über den Ursprung dieser primitiven Religionen und Sprachen in

vollständiger Unkenntnis ist, zögert der Professor nicht zu erklären: „daß eine

wahrhaft historische Basis für eine wissenschaftliche Behandlung dieser

Hauptreligionen der Welt” erlangt worden ist!

Eine „wissenschaftliche Behandlung” eines Gegenstandes ist noch keine Gewähr

für „historische Basis”; und im Besitz so spärlicher Daten ist kein Philologe, und

sei er auch einer der hervorragendsten, berechtigt, seine eigenen

Schlußfolgerungen für historische Thatsachen auszugeben. Zweifelsohne hat

dieser ausgezeichnete Orientalist durchaus zur Befriedigung der Welt bewiesen,

daß mit Rücksicht auf das Grimmsche Gesetz der Lautverschiebung Odin und

Buddha zwei verschiedene Persönlichkeiten sind, eine von der anderen

vollständig unterschieden, und hat das wissenschaftlich gezeigt. Wenn er jedoch

die Gelegenheit ergreift, um mit demselben Atemzuge zu sagen, daß Odin „als die

höchste Gottheit während einer dem Zeitalter des Veda und Homer weit

vorangehenden Periode verehrt wurde”,3 so hat er dafür nicht die geringste

„historische Basis”, sondern er macht Geschichte und Thatsache seinen eigenen

Schlußfolgerungen dienstbar, was sehr „wissenschaftlich” sein mag - nach der

Anschauung eines Orientalisten, was aber sehr weit von der Linie thatsächlicher

Wahrheit entfernt ist. Die einander widerstreitenden Ansichten bezüglich der

Chronologie der Veden, seitens der verschiedenen hervorragenden Philologen

und Orientalisten, von Martin Haug an bis zu Herrn Max Müller selbst sind ein

handgreiflicher Beweis dafür, daß die Behauptung keine „historische” Unterlage

hat, indem „innere Evidenz” sehr oft ein Irrlicht ist, statt eines sicheren

Leuchtturmes, nach dem man sich richten könnte. Keinen besseren Beweis hat

auch die Wissenschaft der modernen vergleichenden Mythologie, um zu zeigen,

daß jene gelehrten Schriftsteller, welche etwa während des letzten Jahrhunderts

betonten, es müsse, „Fragmente einer ursprünglichen Offenbarung gegeben

haben, die den Vorfahren des gesammten Menschengeschlechtes verliehen .

und in den Tempeln Griechenlands und Italiens aufbewahrt worden sind”, gänzlich

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im Unrecht waren. Denn das ist es auch, was alle die östlichen Initiierten und

Pundits von Zeit zu Zeit der Welt verkündigt haben. Während ein hervorragender

singhalesischer Priester der Verfasserin versicherte, es sei wohl bekannt, daß die

wichtigsten zum heiligen Kanon gehörigen buddhistischen Traktate in den

europäischen Pundits unzugänglichen Ländern und Plätzen verborgen

aufgespeichert worden seien, versicherte der jetzt verstorbene Svâmi Dayanand

Sarasvatî, der größte Sanskritist seiner Zeit in Indien, einige Mitglieder der

theosophischen Gesellschaft derselben Thatsache mit Bezug auf alte

brâhmanische Werke. Als man ihm sagte, daß Professor Max Müller den Hörern

seiner Vorlesungen erklärt habe: die Theorie „es sei eine ursprüngliche

übernatürliche Offenbarung den Vätern des Menschengeschlechtes verliehen

worden, findet gegenwärtig nur wenige Verteidiger“- da lachte der heilige und

gelehrte Mann. Seine Antwort war bedeutsam. „Wenn Herr ,Moksh Mooller‘, wie

er den Namen aussprach, ein Brâhmine wäre, und käme zu mir, so würde ich ihn

zu einer Guaptahöhle (einer geheimen Krypta) nahe bei Okhee Math im Himâlaya

führen, wo er bald herausfinden würde, daß, was die Kâlapani (die schwarzen

Wasser des Oceans) von Indien nach Europa durchquerte, bloß Brocken von

verworfenen Kopien einiger Stellen aus unseren heiligen Büchern sind. Es gab

eine „ursprüngliche Offenbarung“ und sie existiert noch, noch wird sie für immer

für die Welt verloren sein, sondern sie wird wiedererscheinen, wenn auch die

Mlechchhas versteht sich zu warten haben werden.”

Weiter über diesen Punkt befragt, wollte er nicht mehr sagen. Dies geschah zu

Meerut, im Jahre 1880.

Ohne Zweifel war die Mystifikation, mit der im letzten Jahrhundert zu Kalkutta von

Seite der Brâhminen dem Oberst Wilford und Sir William Jones mitgespielt wurde,

eine grausame. Aber sie war wohlverdient und niemand war in der Sache mehr zu

tadeln als die Missionäre und Oberst Wilford selbst. Die ersteren, nach dem

Zeugnis von Sir William Jones selbst4 waren albern genug. zu behaupten, daß

„die Hindûs selbst jetzt noch nahezu Christen seien, weil ihre Brahmâ, Vishnu und

Mahesha nichts anderes als die christliche Dreieinigkeit seien.“.5 Es war eine gute

Lektion. Es machte die Orientalisten doppelt vorsichtig; aber vielleicht hat es

einige von ihnen wieder zu scheu gemacht, und hat infolgedessen das Pendel der

vorgefaßten Schlüsse zu weit in der entgegengesetzten Richtung schwingen

lassen. Denn „diese erste Lieferung vom brâhmanischen Markte”, ausgeführt auf

Nachfrage des Oberst Wilford, hat jetzt eine augenscheinliche Nötigung und

Verlangen in den Orientalisten hervorgerufen, nahezu jedes archaische

Sanskritmanuskript für so modern zu erklären, daß die Missionäre volle

Rechtfertigung finden, wenn sie sich die Gelegenheit zu nutze machen. Daß sie

so thun und zwar soweit irgend ihre Verstandeskräfte reichen, zeigt sich in den

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jüngsten absurden Versuchen, zu beweisen, daß die ganze pûranische

Geschichte von Krishna ein von den Brâhminen an der Bibel begangenes Plagiat

sei! Aber die Thatsachen, die der Oxforder Professor in seinen Vorlesungen

betreffs der jetzt berüchtigten Einschaltungen (zum Nutzen und später zur Sorge

des Obersten Wilford) anführt, widerstreiten durchaus nicht den Schlüssen, zu

denen jemand, der die Geheimlehre studiert, unvermeidlich gelangen muß.

Denn wenn die Ergebnisse zeigen, daß weder das neue noch selbst das alte

Testament irgend etwas der älteren Religion der Brâhmanen und Buddhisten

entlehnt hat, so folgt noch nicht, daß nicht die Juden alles, was sie wußten, den

chaldäischen Aufzeichnungen entlehnt haben, welch letztere später von Eusebius

verstümmelt wurden. Was die Chaldäer anbelangt, so erhielten sie ihr

ursprüngliches Wissen sicher von den Brâhmanen, denn Rawlinson zeigt einen

unleugbaren vedischen Einfluß auf die frühere Mythologie von Babylon, und

Oberst Vans Kennedy hat vor langer Zeit mit Recht erklärt, daß Babylonien von

Anbeginn an der Sitz sanskritischer und brâhmanischer Gelehrsamkeit war. Aber

alle diese Beweise müssen ihren Wert verlieren angesichts der in jüngster Zeit

von Prof. Max Müller ausgearbeiteten Theorie. Worin sie besteht, ist allgemein

bekannt. Der Kodex der phonetischen Gesetze wurde nunmehr zu einem

Universalauflösungsmittel für jede Identifikation oder „Verwandtschaft” zwischen

den Göttern von vielen Nationen. So haben, obwohl die Mutter des Merkur

(Budha, Thot-Hermes, etc.) Maia war, die Mutter Gautama Buddhas auch Mâyâ,

und die Mutter von Jesus, desgleichen Mâyâ (Täuschung, denn Maria ist Mare,

das Meer, symbolisch für die große Täuschung) - doch diese drei Gestalten

keinen Zusammenhang, noch können sie irgend einen haben, seit Bopp „seinen

Kodex der phonetischen Gesetze aufgestellt hat”.

Bei ihren Bemühungen, die vielen Fäden ungeschriebener Geschichte zu

sammeln, ist es ein kühner Schritt für unsere Orientalisten, a priori alles zu

leugnen, was nicht mit ihren besonderen Schlußfolgerungen zusammenpaßt. So

wird, während täglich neue Entdeckungen gemacht werden von großen Künsten

und Wissenschaften, die weit zurück in der Nacht der Zeit bestanden haben,

selbst die Kenntnis der Schrift einigen der ältesten Nationen abgesprochen, und

ihnen Barbarei statt Kultur zugetraut. Und doch sind die Spuren einer ungeheuren

Civilisation, selbst in Zentralasien, noch zu finden. Diese Civilisation ist unleugbar

prähistorisch. Und wie ist Civilisation möglich ohne irgend welche Form von

Litteratur, ohne Annalen oder Chroniken? Gesunder Menschenverstand allein

sollte die unterbrochenen Verbindungen in der Geschichte der entschwundenen

Nationen ergänzen. Der riesenhafte ununterbrochene Wall von Gebirgen, welche

das ganze Tafelland von Tibet einschließen, vom Oberlaufe des Flusses Khuan-http://

212.88.187.41/FTP/theosophie/Geheimlehre_2 (4 of 20)27

Klé bis hinunter zu den Kara-korum-bergen, war Zeuge einer tausendjährigen

Kultur, und hätte den Menschen eigenartige Geheimnisse zu erzählen. Die

östlichen und zentralen Teile dieser Gegenden - der Nan-chan und der Altyn-tag,

waren einmal mit Städten bedeckt, die sehr wohl mit Babylon wetteifern konnten.

Eine ganze geologische Periode ist über das Land hinweggegangen, seit jene

Städte den letzten Atemzug gethan, wie die Hügel von Triebsand und der

unfruchtbare und nunmehr tote Boden der ungeheuren Centralebenen des

Beckens von Tarim bezeugen.

Die Grenzländer allein sind dem Reisenden oberflächlich bekannt. Innerhalb jener

sandigen Tafelländer giebt es Wasser, und finden sich frische blühende Oasen,

wohin kein europäischer Fuß sich gewagt oder den jetzt trügerischen Boden

betreten hat. Unter diesen grünenden Oasen giebt es einige, welche selbst dem

eingeborenen uneingeweihten Reisenden vollkommen unzugänglich sind. Orkane

mögen „den Sand aufreißen lind ganze Ebenen hinwegschwemmen“, sie sind

machtlos, das zu zerstören, was ihnen unerreichbar ist.

Erbaut tief in den Eingeweiden der Erde sind jene unterirdischen Magazine sicher;

und da ihre Eingänge verborgen liegen, so ist wenig zu befürchten, daß irgend

jemand sie entdecken sollte, selbst wenn verschiedene Armeen in die sandigen

Wüsten einfallen sollten, wo

„Nicht ein Teich, nicht ein Busch, nicht ein Haus ist

zu sehn,

„Und die Berge als wilde Mauern umstehn

„Die verdorrten Flächen des Wüstenlands .

Aber es ist nicht notwendig, den Leser durch die Wüste zu senden, wenn

dieselben Beweise einer alten Civilisation selbst in verhältnismäßig bevölkerten

Gegenden desselben Landes zu finden sind. Die Oase von Tchertchen zum

Beispiel, ungefähr 4000 Fuß über dem Niveau des Flusses Tchertchen-Darya

gelegen, ist jetzt in jeder Richtung von Ruinen archaischer Städte umgeben. Dort

repräsentieren etliche 3000 menschliche Wesen die Überbleibsel von ungefähr

100 untergegangenen Nationen und Rassen, deren bloße Namen unseren

jetzigen Ethnologen unbekannt sind. Ein Anthropologe würde sich in großer

Verlegenheit fühlen, sie zu klassifizieren, einzuteilen und untereinzuteilen;

umsomehr als die respektiven Abkömmlinge aller dieser antediluvianischen

Rassen und Stämme selbst so wenig von ihreneigenen Vorfahren wissen, als

wenn sie aus dem Mond gefallen wären. Befragt über ihre Herkunft antworten sie,

daß sie nicht wissen, woher ihre Väter gekommen sind, aber daß sie gehört

haben, daß ihre ersten oder frühesten Menschen von den großen Schutzgeistern

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dieser Wüste beherrscht wurden.

Dies mag auf Rechnung von Unwissenheit und Aberglauben gesetzt werden, aber

vom Standpunkte der Geheimlehre aus kann ihre Antwort auf urzeitlicher

Überlieferung beruhen.

Bloß der Stamm von Khoorassan behauptet, lange vor den Tagen Alexanders aus

dem heutigen Afghanistan gekommen zu sein und bringt Volkssagen zur

Bekräftigung dessen vor.

Der russische Reisende, Oberst (jetzt General) Prjevalsky, fand ganz nahe der

Oase von Tchertchen die Ruinen zweier enormer Städte, von denen die ältere,

nach der Lokaltradition, vor 3000 Jahren von einem Helden und Riesen zerstört

wurde; und die andere von Mongolen im zehnten Jahrhundert unserer Aera.

„Der Ort der beiden Städte ist jetzt, infolge des Triebsandes und des

Wüstenwindes, mit seltsamen und verschiedenartigen Überresten bedeckt, mit

zerbrochenem Porzellan, mit Küchengeräten und Menschenknochen. Die

Eingeborenen finden oft Kupfer- und Goldmünzen, eingeschmolzene

Silberbarren, Diamanten und Türkise und, was das Merkwürdigste ist

zerbrochenes Glas Särge ans einem nicht verfaulenden Holz oder Material,

mit prächtig erhaltenen einbalsamierten Leichen .... Die männlichen Mumien

sind alle außerordentlich hohe kräftig gebaute Menschen mit langem wallenden

Haar Eine Gruft wurde aufgefunden mit zwölf darin sitzenden Toten. Ein

andermal entdeckten wir in einem einzelnen Sarge ein junges Mädchen. Ihre

Augen waren mit goldenen Scheiben geschlossen, und die Kinnladen von

einem goldenen Reifen festgehalten, der unter dem Kinne beginnend über den

Scheitel des Kopfes lief. Gekleidet war es in ein enganliegendes wollenes

Gewand, sein Busen mit goldenen Sternen bedeckt, die Füße unbekleidet

gelassen.6

Der berühmte Reisende fügt hinzu, daß sie während ihres ganzen Weges den

Fluß Tchertchen entlang Sagen über dreiundzwanzig Städte hörten, die seit

Jahrhunderten unter dem Triebsand der Wüsten vergraben lägen. Dieselbe

Überlieferung besteht am Lob-nor und in der Oase von Kerya.

Die Spuren einer solchen Civilisation, und diese und ähnliche Überlieferungen

geben uns das Recht, andern von gebildeten und gelehrten Eingeborenen von

Indien und der Mongolei verbürgten Volkssagen Glauben zu schenken, wenn sie

von ungeheuren Bibliotheken sprechen, die, dem Sande zugleich mit

verschiedenen Überresten alter magischer Lehre abgewonnen, alle sicher

geborgen sind.

Um zu wiederholen: Die Geheimlehre war die allgemein verbreitete Religion der

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alten und prähistorischen Welt. Beweise für ihre Ausbreitung, authentische

Aufzeichnungen ihrer Geschichte, eine vollständige Kette von Dokumenten, die

ihren Charakter und ihre Gegenwart in jedem Lande zeigen, sowie die Lehren

aller ihrer großen Adepten, bestehen bis zum heutigen ‘Page in den verborgenen

Krypten der im Besitze der geheimen Brüderschaft befindlichen Bibliotheken.

Diese Behauptung wird mehr glaublich durch die Betrachtung folgender

Thatsachen: der Tradition, daß Tausende von alten Pergamenten gerettet wurden,

als die Alexandrinische Bibliothek zerstört wurde; der Tausende von

Sanskritwerken, die in Indien unter der Regierung Akbars verschwanden; der

allgemeinen Tradition in China und Japan, daß die echten alten Texte mitsammt

den Kommentaren, die allein sie verständlich machen und die viele tausende von

Bänden betragen, seit langem für profane Hände unerreichbar geworden sind; des

Verschwindens der ausgedehnten heiligen und occulten Litteratur von Babylon;

des Verlustes jener Schlüssel; die allein die tausend Rätsel der ägyptischen

Hieroglyphenaufzeichnungen lösen konnten; der indischen Überlieferung, daß die

wirklichen geheimen Kommentare, die allein die Veden verständlich machen, zwar

den profanen Augen nicht länger sichtbar, doch für den Initiierten noch erhalten

sind, verborgen in geheimen Höhlen und Krypten; und eines gleichartigen

Glaubens bei den Buddhisten in Bezug auf ihre geheimen Bücher.

Die Occultisten versichern, daß alle diese noch existieren, sicher vor den

plündernden Händen des Westens, um in einem erleuchteteren Zeitalter wieder zu

erscheinen, auf welches, in der Ausdrucksweise des verstorbenen Svâmi

Dayanand Sarasvatî, „die Mlechchhas (die Ausgestoßenen, Barbaren, die

außerhalb des Bereiches der arischen Kultur befindlichen) zu warten haben

werden”.

Denn es ist nicht die Schuld der Initiierten, daß diese Dokumente jetzt für den

Profanen „verloren” sind, noch war ihr Verfahren durch Selbstsucht diktiert oder

durch irgend ein Verlangen, die lebenspendende heilige Lehre zu monopolisieren.

Es gab Teile der Geheimwissenschaft, die für unzählbare Zeitalter dem profanen

Blick verborgen bleiben mußten. Aber das geschah, weil ein Mitteilen von

Geheimnissen von so furchtbarer Bedeutung an eine unvorbereitete Menge

gleichbedeutend damit wäre, einem Kinde in einem Pulvermagazin eine

brennende Kerze in die Hand zu geben.

Die Antwort auf eine Frage, die oft in den Gemütern von Schülern aufgetaucht ist,

wenn sie auf Behauptungen wie die obige stoßen, mag hier füglich skizziert

werden.

„Wir können,” sagen sie, „die Notwendigkeit einsehen, vor dem großen Haufen

solche Geheimnisse wie Vril, oder die felsenzerstörende Kraft, entdeckt von J. W.

Keely aus Philadelphia, geheimzuhalten, aber wir können nicht verstehen, wie

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irgend eine Gefahr aus der Enthüllung solcher rein philosophischen Lehren, wie z.

B. die Evolution der Planetenketten erwachsen könne.“

Die Gefahr war folgende: Lehren, wie die von der Planetenkette, oder von den

sieben Rassen, geben sofort einen Schlüssel zur Erkenntnis der siebenfältigen

Natur des Menschen, denn jedes Prinzip steht in Wechselbeziehung zu einer

Ebene, einem Planeten und einer Rasse; und die menschlichen Prinzipien sind,

auf jeder Ebene, in Wechselbeziehung zu siebenfältigen occulten Kräften, von

denen die der höheren Ebenen von furchtbarer Gewalt sind. Somit giebt jede

siebenfältige Einteilung zugleich einen Schlüssel zu furchtbaren occulten Kräften,

deren Mißbrauch der Menschheit unberechenbares Unheil bringen würde: einen

Schlüssel, der vielleicht keiner ist für die gegenwärtige Generation - besonders

nicht für die Westlichen, insofern sie gerade durch ihre Blindheit und ihren

unwissenden materialistischen Unglauben an das Occulte geschützt sind; aber

einen Schlüssel, der dennoch ein sehr realer in den ersten Jahrhunderten der

christlichen Ära gewesen wäre für Leute, die von der Thatsächlichkeit des

Okkultismus vollständig überzeugt waren, und in einen Cyklus der Erniedrigung

eintraten, der sie für den Mißbrauch occulter Kräfte und für Zauberei der

schlechtesten Art geeignet machte.

Die Dokumente wurden verborgen, das ist wahr; aber aus der Wissenschaft selbst

und ihrem thatsächlichen Bestande wurde seitens der Hierophanten der Tempel,

in denen die MYSTERIEN immer zu einer Schulung und zu einem Ansporn zur

Tugend gemacht wurden, niemals ein Geheimnis gemacht. Das sind sehr alte

Neuigkeiten, die wiederholt von den großen Adepten bekannt gemacht wurden,

von Pythagoras und Plato an bis herab zu den Neuplatonikern. Sie waren die

neue Religion der Nazarener, die eine Änderung zum Schlechten bewirkte - in der

Politik von Jahrhunderten. Ferner ist es eine wohlbekannte sehr sonderbare

Thatsache, die der Verfasserin von einem einer russischen Gesandtschaft

jahrelang attachiert gewesenen ehrwürdigen Herrn bestätigt wurde, -nämlich, daß

in den kaiserlichen Bibliotheken von St. Petersburg verschiedene Dokumente sich

befinden, ans denen hervorgeht, daß selbst noch in den Tagen, als Freimaurerei

und geheime Gesellschaften von Mystikern ungehindert in Rußland blühten,

nämlich Ende des vorigen und Anfangs des jetzigen Jahrhunderts, mehr als ein

russischer Mystiker über das Uralgebirge nach Tibet reiste, um Wissen und

Initiation in den unbekannten Krypten von Centralasien zu finden. Und mehr als

einer kehrte Jahre darnach zurück, mit einem reichen Schatze von Kenntnissen,

wie sie ihm niemals irgendwo in Europa hätten mitgeteilt werden können.

Verschiedene Fälle könnten angeführt und wohlbekannte Namen genannt werden,

wenn nicht eine solche Publizität den noch lebenden Verwandten der genannten

ehemaligen Initiierten unangenehm sein könnte. Wer immer Einblick in die

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Annalen und Geschichte der Freimaurerei in den Archiven der russischen

Hauptstadt nimmt, wird sich selbst der behaupteten Thatsache vergewissern

können.

Dies ist eine Bekräftigung dessen, was bereits oftmals und unglücklicherweise zu

indiskret behauptet worden ist. Anstatt der Menschheit zum Wohle zu gereichen,

haben die giftigen Beschuldigungen wissentlicher Erdichtung und absichtlichen

Betruges, die gegen jene geschleudert wurden, die bloß eine wahrhaftige, wenn

auch wenig bekannte Tatsache verfochten haben, bloß den Verleumdern

schlechtes Karma verursacht. Nun aber ist das Unheil geschehen, und sollte das

Wahre nicht länger verleugnet werden, was immer auch die Folgen sein mögen.

Ist Theosophie eine neue Religion? frägt man uns. Keineswegs, sie ist weder eine

„Religion“, noch ist ihre Philosophie „neu”, denn, wie bereits gesagt, ist sie so alt

wie der denkende Mensch. Ihre Lehrsätze werden jetzt nicht zum erstenmal

veröffentlicht, sondern sie wurden vorsichtig mehr als einem europäischen

Initiierten bekannt gemacht und von ihm weiter gelehrt, - insbesondere von dem

verstorbenen Ragon.

Mehr als ein großer Gelehrter hat festgestellt, daß es niemals einen

Religionsgründer gegeben hat, einerlei ob Ârier, Semit oder Turanier, der eine

neue Religion erfunden oder eine neue Wahrheit enthüllt hätte. Alle diese Gründer

waren bloß Überlieferer, keine originalen Lehrer. Sie waren die Urheber neuer

Formen und Interpretationen, während die Wahrheiten, auf denen ihre Lehren

beruhten, so alt wie die Menschheit waren. Sie wählten sich eine oder mehrere

dieser großen Wahrheiten - als Wirklichkeiten bloß dem Auge des wahren Weisen

und Sehers sichtbar - aus den vielen, die, dem Menschen im Anbeginne mündlich

geoffenbart, in den Adytis der Tempel durch Initiation während der Mysterien und

durch persönliche Überlieferung bewahrt und erhalten wurden, und enthüllten

diese Wahrheiten den Massen. So erhielt jede Nation der Reihe nach einige der

erwähnten Wahrheiten unter dem Schleier ihrer eigenen lokalen und speziellen

Symbolik, was sich im Laufe der Zeit zu einem mehr oder weniger

philosophischen Kultus, zu einem Pantheon in mythischer Vermummung

entwickelte. Daher ist Confucius, ein sehr alter Gesetzgeber nach historischer

Chronologie, wenn auch ein sehr moderner Weiser in der Geschichte der Welt,

von Dr. Legge7 emphatisch als Überlieferer, nicht als Schöpfer, dargestellt. Er

selbst aber sagt: „Ich überliefere bloß, ich kann nicht neue Dinge erschaffen. Ich

glaube an die Alten und daher liebe ich sie.8

Die Verfasserin liebt sie auch, und daher glaubt sie an die Alten, und an die

modernen Erben ihrer Weisheit. Und indem sie an beide glaubt, so überliefert sie

jetzt das von ihr selbst empfangene und gelernte allen jenen, die es annehmen

wollen. Was jene anbelangt, die ihr Zeugnis verwerfen mögen - also die große

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Majorität -, so will sie gegen dieselben keinen Groll liegen, denn jene werden

ihrerseits ebenso Recht haben, abzuleugnen, wie sie, zu behaupten, da beide auf

die Wahrheit von zwei vollständig verschiedenen Standpunkten blicken. In

Übereinstimmung mit den Regeln kritischer Schulgelehrsamkeit hat der Orientalist

a priori jeden Beweis zu verwerfen, den er selbst nicht vollständig verifizieren

kann. Und wie kann ein westlicher Schulgelehrter auf Hörensagen hin das

annehmen, von dem er nichts weiß?

In der That ist das in diesen Bänden gegebene ebensosehr mündlichen, als

geschriebenen Unterweisungen entnommen. Dieser erste Teil der esoterischen

Lehren beruht auf Strophen, welche Aufzeichnungen eines der Ethnologie

unbekannten Volkes sind; es wird behauptet, daß sie in einer Sprache

geschrieben sind, die in der Nomenklatur der Sprachen und Dialekte, mit denen

die Philologie vertraut ist, fehlt; es wird gesagt, daß sie aus einer Quelle stammen,

die von der Wissenschaft zurückgewiesen wird (dem Occultismus); und schließlich

werden sie durch eine Vermittelung angeboten, die von allen jenen, welche

unwillkommene Wahrheiten hassen, oder irgend ein spezielle Steckenpferd

eigenen Besitzes zur verteidigen haben, unaufhörlich vor der Welt diskreditiert

wird. Daher mag - und muß vorläufig - die Verwerfung dieser Lehren erwartet

werden. Keiner, der sich selbst einen „Gelehrten” nennt, sei es in was immer für

einem Gebiete der exakten Wissenschaft, wird sich gestatten, diese Lehren

ernsthaft zu beachten. Sie werden in diesem, aber auch nur in diesem,

Jahrhundert verlacht und a priori verworfen werden. Denn im zwanzigsten

Jahrhundert unserer Ära werden die Schulgelehrten anfangen, anzuerkennen,

daß die Geheimlehre weder erfunden noch übertrieben. sondern im Gegenteil

einfach skizziert worden ist; und schließlich, daß ihre Lehren noch vor die Veden

zurückreichen. Das ist nicht die Anmaßung einer Prophezeiung, sondern einfach

eine auf der Kenntnis von Thatsachen beruhende Behauptung.

In jedem Jahrhundert wird ein Versuch gemacht, der Welt zu zeigen. daß

Occultismus kein leerer Aberglaube sei.

Nachdem einmal das Thor ein wenig offen stehen durfte, wird es mit. jedem neuen

Jahrhundert weiter geöffnet werden. Die Zeiten sind reif für eine ernstere

Erkenntnis als bisher gestattet war, wenn auch selbst jetzt noch in nur sehr engen

Grenzen. Sind nicht auch die Veden selbst noch vor fünfzig Jahren verlacht,

verworfen und „eine moderne Fälschung“ genannt worden? Wurde nicht seiner

Zeit Sanskrit nach Lemprière und anderen Gelehrten für einen vom Griechischen

abstammenden Dialekt erklärt? Um 1820, erzählt uns Prof. Max Müller, waren alle

heiligen Bücher der Brâhmanen, der Magier und der Buddhisten nahezu

unbekannt, in ihrer bloßen Existenz angezweifelt, und es gab nicht einen einzigen

Gelehrten, der eine Zeile des Veda des Zend Avesta, oder der

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buddhistischen Tripitaka hätte übersetzen können, und jetzt erweisen sich die

Vedas als das Werk des frühesten Altertums, dessen Erhaltung fast auf ein

Wunder hinausläuft.“

Das gleiche wird über die geheime archaische Lehre gesagt werden, wenn

Beweise für die Unleugbarkeit ihrer Existenz und Aufzeichnungen gegeben

werden. Aber Jahrhunderte wird es dauern, bevor viel mehr von derselben

veröffentlicht wird. Von den Schlüsseln zu den Geheimnissen des Tierkreises als

für die Welt nahezu verloren gegangenen sprechend, bemerkte die Verfasserin in

Isis Unveiled vor ungefähr zehn Jahren: „Der genannte Schlüssel muß siebenmal

umgedreht werden, bevor das ganze System enthüllt ist. Wir wollen ihm bloß eine

Drehung geben, und damit dem Profanen einen flüchtigen Blick in das Geheimnis

gestatten. Glücklich der, der das Ganze versteht!“

Dasselbe mag von dem ganzen esoterischen System gesagt werden. Eine

Umdrehung des Schlüssels, und nicht mehr, wurde in lsis Unveiled gegeben. Viel

mehr wird in den vorliegenden Bänden erklärt. In jenen Tagen kannte die

Schreiberin kaum die Sprache, in der das Werk geschrieben war, und die

Eröffnung vieler Dinge, von denen jetzt frei gesprochen wird, war verboten. Im

zwanzigsten Jahrhundert mag ein erfahrener und weit besser tauglicher Schüler

von den Meistern der Weisheit gesendet werden, um endgültige und

unwiderlegliche Beweise für die Existenz einer, Gupta-Vidyâ genannten,

Wissenschaft zu geben; sowie dafür, daß, wie die einst geheimnisvollen Quellen

des Nils, so die jetzt der Welt bekanntgemachte Quelle aller Religionen und

Philosophieen durch viele Zeitalter den Menschen vergessen und verloren war,

aber schließlich gefunden worden ist.

Ein Werk wie dieses soll nicht durch eine einfache Vorrede, sondern eher durch

einen ganzen Band eingeleitet werden, welcher Thatsachen, nicht bloße

Erörterungen giebt, denn DIE GEHEIMLEHRE ist nicht eine Abhandlung, oder

eine Reihe von vagen Theorieen, sondern enthält alles, was der Welt in diesem,

Jahrhundert mitgeteilt werden kann.

Es wäre schlechter als nutzlos, in diesen Blättern einfach jene Teile der

esoterischen Lehren, die nunmehr der Gefangenschaft entronnen sind, zu

veröffentlichen, ohne zuvor die Echtheit und Authenticität, - auf jeden Fall die

Wahrscheinlichkeit - der Existenz solcher Lehren begründet zu haben.

Behauptungen, wie sie jetzt gemacht werden sollen, müssen als von

verschiedenen Autoritäten verbürgt erwiesen werden: von denen der alten

Philosophen, der Klassiker und selbst gewisser gelehrter Kirchenväter, von denen

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einige diese Lehren kannten, weil sie sie studiert und darüber geschriebene

Werke gesehen und gelesen hatten, während andere derselben persönlich in die

alten Mysterien initiiert waren, während derer Abhaltung die geheimen Lehren

allegorisch dargestellt wurden. Die Verfasserin wird historische und

vertrauenswürdige Namen anzuführen und wohlbekannte Autoren zu citieren

haben, alte und neue, von anerkannter Fälligkeit, guter Urteilskraft und

Wahrheitsliebe, sowie einige der berühmten Meister der geheimen Künste und

Wissenschaft nennen müssen, zugleich mit den Geimnissen der letzteren, wie sie

dem Publikum in ihrer sonderbaren archaischen Form veröffentlicht oder vielmehr

teilweise vorgelegt werden.

Wie hat dies zu geschehen? auf welchem Wege kann dieses Ziel am leichtesten

erreicht werden? das war die immer wiederkehrende Frage. Um unsere Absicht

klarer zu machen, wollen wir ein Gleichnis versuchen. Ein Tourist, der aus einem

wohldurchforschten Lande kommend plötzlich das Grenzgebiet einer terra

incognita erreicht, die durch eine furchtbare Mauer unüberschreitbarer Felsen

eingezäunt und dem Blicke verschlossen ist, mag noch immerhin sich weigern,

seine beabsichtigte Forschung für vereitelt zu erklären. Weiteres Eindringen ist

verwehrt. Doch kann er, wenn er auch die geheimnisvolle Gegend nicht persönlich

besuchen kann, immerhin Mittel finden, sie aus der nächsten ihm erreichbaren

Nähe zu durchforschen. Unterstützt durch seine Kenntnis der hinter ihm liegenden

Landschaften kann er eine allgemeine und ziemlich korrekte Idee von dem Anblick

hinter der Mauer erhalten, wenn er nur den höchsten Gipfel der vor ihm liegenden

Höhen erklimmt. Einmal hier, kann er nach Belieben darauf blicken und das, was

er nur verschwommen sieht, mit dem, was er eben unten zurückgelassen,

vergleichen, da er nun, dank seiner Anstrengungen, über dem Gebiete der Nebel

und der wolkengekrönten Klippen sich befindet.

Ein solcher Standpunkt für vorläufige Beobachtung, für jene, welche ein

genaueres Verstehen der im Texte gegebenen Geheimnisse der präarchaischen

Perioden anstreben, kann in diesen zwei Bänden derselben nicht geboten werden.

Aber wenn der Leser Geduld hat, den gegenwärtigen Zustand von Glauben und

Glaubensbekenntnissen in Europa betrachtet, ihn mit dem, was von den der

christlichen Ära unmittelbar vorangehenden und folgenden Zeitaltern geschichtlich

bekannt ist, vergleicht und kontrolliert, so wird er dies alles in einem späteren

Band dieses Werkes finden.

In diesem letzteren Bande wird eine kurze Rekapitulation aller hervorragenden,

geschichtlich bekannten Adepten gemacht und der Verfall der Mysterien

beschrieben werden, nach welchem das Verschwinden und die schließliche und

systematische Auslöschung der wahren Natur der Initiation und der heiligen

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Wissenschaft aus dem Gedächtnisse der Menschen begann. Von dieser Zeit an

wurden ihre Lehren occult und Magie segelte nur zu oft unter dem ehrwürdigen

aber häufig irreführenden Namen hermetischer Philosophie. Während wirklicher

Occultismus unter den Mystikern der unserer Ära vorangehenden Jahrhunderte

vorherrschend gewesen war, so folgten Magie, oder vielmehr Zauberei, mit ihren

occulten Künsten, dem Beginne des Christentums.

Wie groß und zelotisch auch die fanatischen Anstrengungen während jener frühen

Jahrhunderte waren, jede Spur der geistigen und intellektuellen Arbeit der Heiden

vergessen zu machen, so mißglückten sie doch; aber derselbe Geist des dunklen

Dämons der Frömmelei und Unduldsamkeit hat seither jederzeit systematisch

jedes in vorchristlichen Perioden geschriebene helle Blatt verfälscht. Selbst in

ihren unsicheren Aufzeichnungen hat die Geschichte genug von dem erhalten,

was geblieben ist, um ein unparteiisches Licht auf das Ganze zu werfen. So möge

denn der Leser eine kleine Weile mit der Schreiberin auf dem erwählten

Aussichtspunkt verweilen. Er ist gebeten, seine ganze Aufmerksamkeit dem

Jahrtausend der vorchristlichen und der nachchristlichen Perioden zuzuwenden,

welches durch das Jahr Eins der Geburt Christi in zwei Hälften geteilt wird. Dieses

Ereignis - ob historisch richtig oder nicht - wurde jedenfalls dazu verwendet, uni

als erstes Signal zur Aufrichtung mannigfaltiger Bollwerke gegen jede Möglichkeit

der Rückkehr oder auch nur der flüchtigen Betrachtung der verhaßten Religionen

der Vergangenheit zu dienen; - verhaßt und gefürchtet, da sie ein so grelles Licht

werfen auf die neue und absichtlich verhüllte Interpretation dessen, was als

„Neues Testament” bekannt ist.

So übermenschlich die Anstrengungen der frühen Kirchenväter waren, die

Geheimlehre selbst aus dem Gedächtnis der Menschen zu tilgen, so mißlangen

doch alle. Die Wahrheit kann niemals getötet werden, daher das Mißlingen, jede

Spur dieser alten Weisheit völlig von der Erdoberfläche zu verwischen, und jeden

für sie eintretenden Zeugen zu fesseln und zu knebeln. Man denke bloß an die

Tausende und vielleicht Millionen von verbrannten Manuskripten, von

Monumenten, die mit ihren allzu indiskreten Inschriften und gemalten Symbolen

zu Staub pulverisiert wurden, an die Banden früher Eremiten und Asketen, die in

den Ruinenstädten von Ober- -und Unterägypten umherstreiften, in der Wüste und

im Gebirge, in Thälern und Hochlanden, suchend und zerstörungslüstern nach

allen Obelisken oder Säulen, Rollen oder Pergamenten, die sie in ihre Gewalt

bekommen konnten, wenn sie nur das Symbol des Tau oder irgend ein anderes

Zeichen trugen, das der neue Glaube geborgt und sich angeeignet hatte - und

man wird klar einsehen, wieso es kommt, daß so wenig von den Aufzeichnungen

der Vergangenheit übriggeblieben ist. Fürwahr, die feindlichen Geister des

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Fanatismus, im frühen und mittelalterlichen Christentum und im Islam, liebten es

von Anbeginn, in Dunkelheit und Unwissenheit zu wollnen; und beide machten

„ .. die Sonne wie Blut, die Erde zum Grab,

das Grab zur Hölle, die Hölle noch finstrer und

trüber!“

Beide Glaubensbekenntnisse gewannen ihre Proselyten mit der Spitze des

Schwertes, beide bauten ihre Kirchen auf zum Himmel ragenden Hekatomben

menschlicher Schlachtopfer. Über dem Eingangsthore zum ersten Jahrhundert

unserer Ära, erglühten unheilvoll die verhängnisvollen Worte: „DAS KARMA VON

ISRAEL.“ Über den Portalen unseres eigenen mag der zukünftige Seher andere

Worte erblicken, hindeutend auf das Karma infolge von trügerisch erfundener

Geschichte, absichtlich verdrehten Ereignissen; und von großen Charakteren, die

von der Nachwelt verleumdet, und zwischen den beiden Karren des Jagannâtha

Bigotterie und Materialismus - zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurden, von denen

die eine zu viel annimmt, der andere alles ableugnet. Weise ist der, der den

goldenen Mittelweg einhält. der an die ewige Gerechtigkeit der Dinge glaubt.

Im Faizi Diwán, dem „Zeugen der wundervollen Reden eines Freidenkers, der

tausend Sekten angehört,“ heißt es:

„In der Versammlung am Tage der Auferstehung, wenn vergangene Dinge

vergeben werden, werden die Sünden der Ka’bah vergeben werden, um des

Staubes der christlichen Kirchen willen.”

Darauf erwidert Prof. Max Müller:

„Die Sünden des Islam sind so wertlos wie der Staub der Christenheit; am Tage

der Auferstehung werden Muhammedaner sowie Christen die Eitelkeit ihrer

religiösen Lehren einsehen. Menschen kämpften der Religion halber auf Erden;

im Himmel werden sie herausfinden, daß es nur eine wahre Religion giebt - die

Verehrung von Gottes GEIST.9

Mit anderen Worten - „Es IST KEINE RELIGION (ODER GESETZ) HÖHER ALS

DIE WAHRHEIT“ -- (SATYÂT NÂSTI PARO DHARMAH) -- das Motto des

Mahârâjah von Benares, adoptiert von der Theosophischen Gesellschaft.

Wie bereits in der Vorrede gesagt, ist die GEHEIMLEHRE nicht - wie ursprünglich

beabsichtigt - eine Umänderung von „Isis entschleiert”. Sie ist eher ein

erklärendes Buch dazu, und, obwohl vollständig unabhängig von dem früheren

Werk, ein notwendiges Corollarium dazu. Vieles im früheren Werk enthalten

_2 (14 of 20)27

Gewesene konnte schwerlich von den Theosophen jener Tage verstanden

werden. DIE GEHEIMLEHRE will nun so manches Problem beleuchten, das in

dem ersten Werk ungelöst geblieben ist, namentlich in den einleitenden Seiten,

die niemals verstanden worden sind.

In den beiden Bänden der Isis, die sich einfach mit den Philosophieen innerhalb

unserer historischen Zeiten und mit der diesbezüglichen Symbolik der

untergegangenen Nationen beschäftigten, konnte bloß ein flüchtiger Blick auf das

Panorama des Occultismus geworfen werden. In dem vorliegenden Werk wird

eine ins einzelne gehende Kosmogonie und die Evolution der vier Rassen, die

unserer Menschheit der fünften Rasse vorangingen, veröffentlicht, und nun

erklären zwei umfangreiche Bände, was einzig auf der ersten Seite von Isis

entschleiert, sowie in einigen wenigen hie und da in dem Werke verstreuten

Anspielungen, erwähnt wurde. Auch konnte der weitläufige Katalog der

archaischen Wissenschaften in den vorliegenden Bänden nicht in Angriff

genommen werden, bevor wir nicht so gewaltige Probleme wie kosmische und

planetarische Evolution und die stufenweise Entwickelung der geheimnisvollen

Menschheiten und Rassen, die unserer „adamischen“ Menschheit vorangegangen

sind, erledigt haben. Daher hat der gegenwärtige Versuch, einige Geheimnisse

der esoterischen Philosophie zu erklären, in Wahrheit nichts mit dem früheren

Werk zu thun.

Es möge der Schreiberin erlaubt sein, das Gesagte durch ein Beispiel zu erläutern.

Band I der Isis beginnt mit der Bezugnahme auf „ein altes Buch”:

„so sehr alt, daß unsere modernen Altertumsforscher eine unbegrenzte Zeit

über seinen Blättern nachsinnen könnten, und doch noch nicht über die Natur

des Stoffes, auf den es geschrieben ist, übereinstimmen würden. Es ist das

einzige noch existierende Originalexemplar. Das älteste hebräische Dokument

über occulte Wissenschaft - die Siphrah Dzeniouta wurde daraus kompiliert,

und zwar zu einer Zeit, als das frühere bereits in dem Lichte einer litterarischen

Reliquie betrachtet wurde. Eine seiner Illustrationen stellt die göttliche Essenz

ausgehend von ADAM10 dar, wie sie als leuchtender Bogen fortschreitet, um

einen Kreis zu formen; und dann, nachdem er den höchsten Punkt seines

Umkreises erreicht hat, neigt sich die unaussprechliche Herrlichkeit wieder

abwärts, und kehrt zur Erde zurück, einen höheren Typus der Menschheit in

ihrem Wirbel mit sich bringend. Je näher und näher sie unserem Planeten

kommt, desto dunkler und dunkler wird die Emanation, bis schließlich bei

Berührung des Bodens sie so schwarz wie die Nacht ist.”

Das sehr alte Buch ist das Originalwerk, aus dem die vielen Bände des Kiu-ti

kompiliert wurden. Nicht bloß die letzteren und die Siphrah Dzeniouta, sondern

_2 (15 of 20)27

selbst der Sepher Jetzirah11, das Werk, das von den hebräischen Kabbalisten

ihrem Patriarchen Abraham (!) zugeschrieben wird, das Buch Shu-king, Chinas

ursprüngliche Bibel, die heiligen Bücher des ägyptischen Thoth-Hermes, die

Purânen in Indien, und das chaldäische Buch der Zahlen und der Pentateuch

selbst, sind alle von diesem kleinen ursprünglichen Buch hergeleitet.

Die Überlieferung berichtet, es sei in Senzar niedergeschrieben worden, in der

geheimen priesterlichen Sprache, nach den Worten der göttlichen Wesen, welche

es den Söhnen des Lichtes diktierten, in Centralasien, gerade am Anfange der

fünften (unserer) Rasse; denn es gab eine Zeit, da seine Sprache (das Senzar)

den Initiierten aller Nationen bekannt war, als die Voreltern der Tolteken sie

ebenso leicht verstanden als die Bewohner des verlorenen Atlantis, welche sie

ihrerseits von den Weisen der dritten Rasse, den Mânushis, ererbten, welche sie

direkt von den Devas der zweiten und ersten Rasss lernten. Die Illustration, von

der in Isis die Rede ist, bezieht sich auf die Evolution dieser Rassen und unserer

Menschheit der vierten und fünften Rasse in dem Vaivasvata Manvantara oder

Runde; jede Runde ist zusammengesetzt aus dem Yugas der sieben Perioden der

Menschheit; vier derselben sind nunmehr durchlaufen in unserm Lebenscyklus,

der Mittelpunkt der fünften ist nahezu erreicht. Diese Illustration ist symbolisch,

wie jedermann leicht einsehen kann, und durchläuft ihr Gebiet von Anbeginn an.

Dieses alte Buch beschreibt die kosmische Evolution und erklärt den Ursprung

von allem auf Erden, einschließlich den physischen Menschen, giebt die wahre

Geschichte der Rassen von der ersten bis herab zur fünften (unserer) Rasse, und

geht nicht weiter. Es schließt mit dem Anfange des Kali Yuga gerade vor 4989

Jahren, beim Tode Krishnas, des leuchtenden Sonnengottes, des einstmals

lebenden Helden und Reformators.

Aber es existiert noch ein anderes Buch. Keiner seiner Besitzer betrachtet es als

sehr alt, da es mit dem dunklen Zeitalter geboren, ebenso alt ist als dieses,

nämlich ungefähr 5000 Jahre. In von jetzt an ungefähr neun Jahren endet der

erste Cyklus der ersten fünf Jahrtausende, der mit dem großen Cyklus des

Kaliyuga begann. Und dann wird die letzte Prophezeiung, die in diesem Buch

(dem ersten Bande der prophetischen Aufzeichnung für das schwarze Zeitalter)

enthalten ist, in Erfüllung gehen. Wir haben nicht lange zu warten, und viele von

uns werden Zeugen sein des Heraufdämmerns des neuen Cyklus, mit dessen

Ende nicht wenige Abrechnungen zwischen den Rassen ausgeglichen und

geregelt sein werden. Band II der Prophezeiungen ist nahezu fertig, nachdem er

seit der Zeit von Buddhas großem Nachfolger Shankarâchârya in Vorbereitung

war.

Ein wichtigerer Punkt ist, zu beachten, einer, der zuvorderst in der Reihe der für

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die Existenz einer ursprünglichen, universellen Weisheit gegebenen Beweise steht

·        zum mindesten für die christlichen Kabbalisten und Schüler. Die Lehren waren,

wenigstens teilweise, verschiedenen Kirchenvätern bekannt. Es wird, auf rein

historischer Grundlage, behauptet, daß Origenes, Synesius, und sogar Clemens

Alexandrinus, selbst in die Mysterien initiiert gewesen waren, bevor sie dem

Neuplatonismus der Alexandrinischen Schule den der Gnostiker unter dem

christlichen Schleier hinzufügten. Mehr als das: einige der Lehren der

Geheimschulen - obwohl durchaus nicht alle - wurden im Vatikan aufbewahrt, und

wurden seither zu einem wesentlichen Bestandteil der Mysterien, in der Gestalt

entstellter Zusätze, die von der lateinischen Kirche zu dem ursprünglichen

christlichen Programm gemacht wurden. Ein solcher ist das jetzt materialisierte

Dogma von der unbefleckten Empfängnis. Dies erklärt die großen Verfolgungen,

die seitens der römisch-katholischen Kirche gegen Occultismus, Freimaurerei und

heterodoxen Mysticismus im allgemeinen in Bewegung gesetzt wurden.

Die Tage Konstantins waren der letzte Wendepunkt in der Geschichte, die Periode

des höchsten Kampfes, der in der westlichen Welt damit endete, daß die alten

Religionen zu Gunsten einer neuen, auf ihren eigenen Leibern aufgerichteten,

erdrosselt wurden. Von damals an wurde der Ausblick in die weit entfernte

Vergangenheit, jenseits der Sintflut und dem Garten Eden, gewaltsam und

unbarmherzig mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln dem indiskreten Blick

der Nachwelt verschlossen. Jeder Ausweg wurde versperrt, jede erreichbare

Aufzeichnung zerstört. Aber genug bleibt noch übrig, selbst unter so

verstümmelten Aufzeichnungen, um uns zu rechtfertigen, wenn wir behaupten,

daß in ihnen jede mögliche Gewißheit von dem thatsächlichen Bestande einer

Ursprungslehre enthalten ist. Bruchstücke haben geologische und politische

Umwälzungen überlebt, um die Geschichte zu erzählen; und jedes überlebende

giebt den Beweis, daß die jetzt geheime Weisheit einstens der eine Brunnen, die

immerfliessende ununterbrochene Quelle war, aus der alle die kleinen Ströme -

die späteren Religionen aller Nationen - vom ersten bis zum letzten gespeist

wurden. Diese Periode, mit Buddha und Pythagoras als dem einen und mit den

Neuplatonikern und Gnostikern als dem andern Endpunkte, ist der einzige in der

Geschichte übrig gelassene Brennpunkt, in dem zum letzten Male die glänzenden

Strahlen des vergangenen Äonen entströmenden Lichtes sich sammeln,

unverdunkelt von der Hand von Bigotterie und Fanatismus.

Dies erklärt die Notwendigkeit, unter der die Schreiberin sich abmühte, immer die

aus der grauesten Vergangenheit mitgeteilten Thatsachen durch der historischen

Periode entnommene Zeugnisse zu erläutern, selbst auf die Gefahr hin, wiederum

des Mangels an Methode und System beschuldigt zu werden. Keine andern Mittel

_2 (17 of 20)27

waren zur Hand. Das Publikum muß bekannt gemacht werden mit den

Anstrengungen vieler Weltadepten, initiierter Dichter und klassischer Schriftsteller

eines jeden Zeitalters, in den Urkunden der Menschheit wenigstens die Kenntnis

von dem Bestande einer solchen Philosophie, wenn schon nicht thatsächlich die

von ihren Lehrsätzen, zu erhalten.

Die Initiierten von 1888 würden in der That unverständlich und selbst eine

anscheinend unmögliche Fabel bleiben, würde nicht gezeigt, daß gleiche lnitiierte

in jedem andern Zeitalter der Geschichte gelebt haben. Dies könnte bloß

geschehen durch Anführung von Kapitel und Vers, wo sich diese großen

Charaktere erwähnt finden, denen eine lange und unbegrenzbare Reihe anderer

berühmter antediluvianischer und postdiluvianischer Meister in den Künsten

voranging und folgte. So allein könnte, auf halb traditioneller und halb historischer

Grundlage, gezeigt werden, daß die Kenntnis des Occulten und die Kräfte, die sie

dem Menschen verleiht, nicht alles miteinander Erdichtungen sind, sondern daß

sie so alt sind als die Welt selbst. Meinen Richtern, ergangenen und zukünftigen -

seien sie nun ernste litterarische Kritiker, oder jene heulenden Derwische der

Litteratur, die ein Buch nach der Popularität oder Unpopularität des Namens

seines Verfassers beurteilen, die, kaum einen Blick auf seinen Inhalt werfend, wie

todbringende Bacillen sich auf die schwächsten Punkte der Körper stürzen - habe

ich daher nichts zu sagen. Noch will ich mich herbeilassen, jene - glücklicherweise

sehr wenig zahlreichen - verrückten Verleumder zu beachten, welche in der

Hoffnung, die öffentliche Aufmerksamkeit dadurch auf sich zu ziehen, daß sie

jeden Schriftsteller, dessen Name besser bekannt ist als ihr eigener,

verunglimpfen, bei seinem bloßen Schatten schäumen und kläffen. Nachdem

diese zuerst Jahre lang behauptet hatten, daß die Lehren, die im Theosophist

vorgetragen wurden, und die im esoterischen Buddhismus gipfelten, alle von der

gegenwärtigen Schreiberin erfunden worden sein, kehrten sie schließlich ihren

Standpunkt um, und denunzierten Isis entschleiert und das Übrige als ein Plagiat

aus Éliphas Lévi (!), Paracelsus (!!) und mirabile dictu, aus Buddhismus und

Brâhmanismus (!!!). Ebensogut könnte man Renan beschuldigen, seine Vie de

Jésus aus den Evangelien gestohlen zu haben, und Max Müller seine „heiligen

Bücher des Ostens“ oder seine „Splitter” aus den Philosophieen der Brâhmanen

oder Gautamas, des Buddhas. Dem Publikum im allgemeinen und den Lesern der

GEHEIMLEHRE möchte ich wiederholen, was ich von jeher betont habe und was

ich jetzt in die Worte Montaignes kleide:

Meine Herren, „ich habe hier bloß aus gepflückten Blumen einen Strauß gemacht,

und nichts eigenes hinzugefügt als den Faden, der sie verbindet.”

Reißt den „Faden” in Stücke und zerteilt ihn in Schnitzel, wenn ihr wollt. Den

_2 (18 of 20)27

Strauß von Thatsachen werdet ihr niemals im Stande sein zu beseitigen. Ihr könnt

sie bloß unbeachtet lassen, und nichts weiter.

Wir wollen schließen mit einem Abschiedswort betreffend diesen ersten Band. In

einer Einleitung, die das Vorwort von Kapiteln bildet, die hauptsächlich

Kosmogenie behandeln, mögen gewisse vorgebrachte Dinge nicht am Platze

erscheinen, aber eine weitere Überlegung außer den bereits mitgeteilten hat mich

dahin gebracht, sie zu berühren. Jeder Leser wird unvermeidlich die gemachten

Behauptungen vom Standpunkt seiner eigenen Kenntnis, Erfahrung und

Bewußtsein, gestützt auf das, was er bereits gelernt hat, beurteilen.

Diesen Umstand muß sich die Schreiberin beständig vor Augen halten: daher

auch die häufigen Bezugnahmen in diesem ersten Buch auf Gegenstände, welche

genau genommen in einen späteren Teil dieses Werkes gehören, die aber nicht

mit Stillschweigen übergangen werden konnten, wenn anders nicht der Leser

thatsächlich auf dieses Werk wie auf ein Feeenmärchen, auf eine Ausgeburt

irgend eines modernen Gehirns, blicken sollte.

So soll das Vergangene helfen, das Gegenwärtige zu realisieren, und dasletztere,

das Vergangene besser zu würdigen. Die Irrtümer des Tages müssen erklärt und

hinweggespült werden, doch ist es mehr als wahrscheinlich - undreicht im

gegenwärtigen Fall an Gewißheit - daß wieder einmal das Zeugnislanger Zeitalter

und der Geschichte auf niemand sonst als auf den sehr Intuitiven einen Eindruck

machen wird - was so viel heißt, als auf sehr wenige. Aber in diesem, wie in allen

ähnlichen Fällen, mögen sich die Wahren und dieGläubigen damit trösten, daß sie

den skeptischen modernen Sadducäer mit dem mathematischen Beweis und

Denkmal seiner verstockten Halsstarrigkeit und Bigotterie beschenken. Irgendwo

in den Archiven der französischen Akademie liegt noch das berühmte Gesetz der

Wahrscheinlichkeiten, von gewissen Mathe-matikern zum Nutzen der Skeptiker

nach einem algebraischen Prozeß ausge-arbeitet. Der Gedankengang ist

folgender: wenn zwei Personen eine Thatsache bezeugen und damit jeder von

ihnen derselben 5/6 Gewißheit verleiht, so ist die Gewißheit dieser Thatsache

sodann 35/36, das heißt, die Wahrscheinlichkeit davon verhält sich zur

Unwahrscheinlichkeit wie 35 zu 1. Drei solche Zeugnisse zusammen geben eine

Gewißheit von 215/216. Das Übereinstimmen von zehn Personen, von denen jede

eine Gewißheit von ½ giebt, erzeugt eine Gewißheit von 1023/1024 etc. etc. Der

Occultist möge sich eine solche Gewißheit genügen lassen, und nicht weiter

besorgt sein.

_2 (19 of 20)27

1) Siehe z. B. Max Müllers Lectures.

2) Op. cit., p. 119.

3) Op. cit., p. 318.

4) Asiatic Researches, I, 272.

5) Siehe Max Müller, op. cit., p 288ff. Dies bezieht sich auf die geschickte

Fälschung (auf Blättern, die in alte purânische Manuskripte eingefügt wurden), in

korrektem und archaischem Sanskrit, mit allem, was die Pundits von Oberst

Wilford über Adam und Abraham, Noah und seine drei Söhne u. s. w., gehört

hatten.

6) Aus einem Vortrage von N. M. Prjevalsky.

7) Lün-Yü (§ 1a); Schott, Chinesische Litteratur, p. 7; citiert von Max Müller.

 

8) Life und teachings of Confucius, p.96.

9) Op. cit. p. 257.

10) Der Name ist in dem Sinne des griechischen Wortes (korrekter Abdruck im

Buch) gebraucht.

11) Rabbi Jehoshua Ben Chananea, welcher ungefähr 72 n. Chr. starb, erklärte

offen, daß er “Wunder” mit Hilfe des Buches Sepher Jetzirah gewirkt habe, und

forderte jeden Zweifler heraus. Franck, indem er den babylonischen Talmud citiert,

nennt zwei andere Thaumaturgen, die Rabbis Chanina und Oshoi, (Siehe

Jerusalem Talmud Sanhedrin cap. 7 etc.; und Franck, Die Kabbalah, pp. 55, 56.)

Viele der mittelalterlichen Occultisten, Alchemisten und Kabbalisten behaupteten

dasselbe; und selbst der verstorbene moderne Magus, Éliphas Lévi, erklärt es

öffentlich in seinen Büchern über Magie.

_2 (20 of 20)27.Vorwort

Vorwort.

BLÄTTER AUS VORGESCHICHTLICHER ZEIT.

Ein archaisches Manuskript - eine Sammlung von Palmblättern, durch ein

besonderes unbekanntes Verfahren für Wasser, Feuer und Luft undurchdringlich

gemacht - befindet sich vor dem Auge der Schreiberin. Auf der ersten Seite ist

eine fleckenlose weiße Scheibe, auf einem stumpfen, schwarzen Grunde. Auf der

folgenden Seite dieselbe Scheibe, aber mit einem Punkt in der Mitte. Die erste, so

weiß der Schüler, bedeutet den Kosmos in der Ewigkeit, vor dem Wiedererwachen

der noch schlummernden Energie, der Emanation des Wortes in späteren

Systemen. Der Punkt in der vorher fleckenlosen Scheibe, dem Raume und der

Ewigkeit in Pralaya, bezeichnet das Herandämmern der Differentiation. Er ist der

Punkt in dem Weltenei, dessen Keim zum Universum, zum All, zum

schrankenlosen, periodischen Kosmos werden wird - ein Keim, der periodisch und

abwechselnd latent und aktiv ist. Der eine Kreis ist göttliche Einheit, aus der alles

hervorgeht, in die alles zurückkehrt: Sein Umfang ein gezwungenermaßen

beschränktes Symbol, mit Rücksicht auf die Beschränktheit des menschlichen

Gemütes -bedeutet die abstrakte, immer unerkennbare GEGENWART und seine

Ebene die Universalseele, wenn auch die beiden eins sind. Daß bloß die Fläche

der Scheibe weiß und der Grund ringsherum schwarz ist, zeigt klar, daß ihre

Ebene die einzige Erkenntnis ist, die, obgleich sie noch undeutlich und nebelhaft

ist, vom Menschen erreicht werden kann. Dies ist die Ebene, auf der die

manvantarischen Manifestationen beginnen, denn diese SEELE ist es, in der

während Pralaya, der göttliche Gedanke1 schlummert, worin der Plan jeder

zukünftigen Kosmogenie und Theogenie verborgen liegt.

Das ist das EINE LEBEN, ewig, unsichtbar, doch allgegenwärtig, ohne Anfang

oder Ende, doch periodisch in seinen regelmäßigen Manifestationen - zwischen

welchen Perioden das dunkle Geheimnis des Nichtseins herrscht; unbewußt, doch

absolutes Bewußtsein; unrealisierbar, doch die eine selbstexistierende Realität;

fürwahr „ein Chaos für den Sinn, ein Kosmos für die Vernunft”. Sein einziges

absolutes Attribut, welches ES SELBST ist, ewige, unaufhörliche Bewegung, wird

in esoterischer Sprache der große Atem2 genannt, das ist die beständige

Bewegung des Weltalls, im Sinne von unbegrenztem, allgegenwärtigem Raum.

Was bewegungslos ist, kann nicht göttlich sein. Aber da ist auch nichts

thatsächlich und wirklich Bewegungsloses innerhalb der Universalseele. Nahezu

fünf Jahrhunderte v. Chr. behauptete Leucippus, der Lehrer des Demokritus, daß

der Raum von Ewigkeit mit Atomen erfüllt sei, durch unaufhörliche Bewegung in

_1 (1 of 2)27.Vorwort

Thätigkeit gesetzt, welch letztere im entsprechenden Verlauf der Zeit, wenn diese

Atome sich zusammenhäufen, Rotationsbewegung, und durch gegenseitige

Zusammenstöße seitliche Bewegung hervorbringt. Epikur und Lukretius lehrten

dasselbe, nur fügten sie zur seitlichen Bewegung der Atome die Idee der Affinität -

eine occulte Lehre. -1)

Es ist schwerlich nötig, den Leser nochmals daran zu erinnern, daß der

Ausdruck „göttlicher Gedanke“ ebenso wenig als der vom „Universalen Gemüth“

auch nur beiläufig einen intellektuellen Vorgang, verwandt mit solchen, wie der

Mensch sie bietet, darstellt. Das „Unbewußte”, nach v. Hartmann, gelangte zu

dem weiten Schöpfungs- -oder vielmehr Evolutionsplan „durch eine hellsehende

Weisheit, höher als alles Bewußtsein”, was in der Vedântasprache absolute

Weisheit heißen würde. Nur jene, welche es an sich selbst erfahren, wie hoch

Intuition sich über die langsamen Prozesse des schlußweisen Denkens

emporschwingt, können sich eine ganz schwache Vorstellung von dieser

absoluten Weisheit machen, die die Ideen von Zeit und Raum überschreitet.

Gemüt, wie wir es kennen, ist auflösbar in Bewußtseinszustände von

verschiedener Dauer, Stärke, Zusammengesetztheit u. s. w., die alle schließlich

auf Empfindung beruhen, welche hinwiederum Mâjâ ist. Empfindung setzt

hinwiederum notwendigerweise Beschränkung voraus. Der persönliche Gott des

orthodoxen Theismus nimmt wahr, denkt und wird durch Gemütsbewegungen

beeinflußt; er bereut und fühlt „grimmigen Zorn”. Aber der Begriff solcher

Gemütszustände involviert offenbar das undenkbare Postulat der Externalität der

erregenden Reize; nicht zu sprechen von der Unmöglichkeit, Unveränderlichkeit

einem Wesen zuzuschreiben, dessen Gemütsbewegungen mit den Ereignissen m

den von ihm geleiteten Welten schwanken. Die Vorstellungen von einem

persönlichen Gott als unveränderlich und unbegrenzt sind also unpsychologisch

und, was schlimmer ist, unphilosophisch.

2) Plato erweist sich als Initiierten, wenn er in Kratylos sagt, daß [im Buch

nachzulesen] von [im Buch nachzulesen] „sich bewegen”, „laufen” abgeleitet ist,

indem die ersten Astronomen, welche die Bewegungen der Himmelskörper

beobachteten, die Planeten [im Buch nachzulesen], die Götter, nannten. Später

brachte das Wort einen anderen Ausdruck - [im Buch nachzulesen] - der Atem

Gottes.

_1 (2 of 2)27.Vorwort

Vom Anbeginn des Erbteiles des Menschen, von dem ersten Erscheinen der

Erbauer der Kugel, auf der er lebt, an, wurde die ungeoffenbarte Gottheit erkannt

und betrachtet unter ihrem einzigen philosophischen Aspekt, als universale

Bewegung, als der Schauer des schöpferischen Atem in der Natur. Der

Occultismus faßt die eine Existenz folgendermaßen zusammen:

„Gottheit ist ein geheimes, lebendes (oder sich bewegendes) Feuer, und die

ewigen Zeugen dieser ungesehenen Gegenwart sind Licht, Wärme, Feuchtigkeit”

·        eine Dreiheit, die jede Erscheinung in der Natur in sich schließt und verursacht.1

Intrakosmische Bewegung ist ewig und unaufhörlich; kosmische Bewegung - die

sichtbare oder die der Wahrnehmung unterworfene - ist endlich und periodisch.

Als eine ewige Abstraktion ist sie das Ewig—Gegenwärtige; als eine Manifestation,

ist sie sowohl in Richtung der Zukunft als in der der Vergangenheit endlich, und

die beiden sind das Alpha und Omega der aufeinanderfolgenden

Rekonstruktionen. Kosmos - als Ding an sich - hat nichts mit den kausalen

Beziehungen der phänomenalen Welt zu thun. Bloß mit Bezug auf die

intrakosmische Seele, den idealen Kosmos in dem unveränderlichen göttlichen

Gedanken, können wir sagen: „Sie hatte niemals einen Anfang noch wird sie ein

Ende haben.” Mit Bezug auf ihren Körper oder auf kosmische Organisation kann

zwar nicht gesagt werden., es sei ein erstes Weltgebäude gewesen, oder werde je

ein letztes geben, doch mag bei jedem neuen Manvantara ihre Organisation als

die erste und letzte in ihrer Art betrachtet werden, da sie jedesmal auf einer

höheren Ebene ins Dasein tritt .

Vor nur wenigen Jahren wurde gesagt:

„Die Geheimlehre lehrt, ebenso wie Buddhismus und Brâhmanismus, und

selbst die Kabbala, daß eine unendliche und unbekannte Wesenheit von aller

Ewigkeit her existiert, und in regelmäßiger und harmonischer Aufeinanderfolge

entweder passiv oder aktiv ist. In der poetischen Ausdrucksweise des Malau

werden diese Zustände die „Tage” und die „Nächte” des Brahmâ genannt.

Letzterer ist entweder „wachend” oder „schlafend”. Die Svâbhâvikas, oder

Philosophen der ältesten Schule des Buddhismus, die noch in Nepaul existiert,

spekulieren bloß über den aktiven Zustand dieser „Wesenheit”, von ihnen

Svabhâvat genannt, und halten es für närrisch, über die abstrakte und

„unerkennbare” Macht in ihrem passiven Zustand Theorieen aufzustellen.

Daher werden sie sowohl von den christlichen Theologen als von den

modernen Wissenschaftern als Atheisten bezeichnet, da keines von den beiden

im stande ist, die tiefsinnige Logik ihrer Philosophie zu verstehen. Die ersteren

gestatten keinen anderen Gott als die personifizierten sekundären Mächte,

_2 (1 of 5)28.Vorwort

welche das sichtbare Weltall ausgearbeitet haben, und welche bei ihnen zu

dem anthropomorphischen Gott der Christen wurden - dem männlichen

Jehovah, daherbrausend unter Donner und Blitz. Andererseits wieder begrüßt

die rationalistische Wissenschaft die Buddhisten und Svâbhâvikas als die

„Positivisten” der Urzeit.

Wenn wir die Philosophie der letzteren nur einseitig betrachten, so mögen

unsere Materialisten in ihrer Art recht haben.

Die Buddhisten behaupten, daß es keinen Schöpfer giebt, sondern nur eine

Unendlichkeit schöpferischer Kräfte, welche in ihrer Gesamtheit die eine ewige

Substanz bilden, deren Wesen unerforschlich - mithin kein Gegenstand der

Spekulation irgend eines wahren Philosophen sei.

Sokrates weigerte sich unwandelbar, das Geheimnis des Universalwesens zu

erörtern, und doch hätte niemals jemand daran gedacht, ihn des Atheismus zu

beschuldigen, ausgenommen jene, die es auf seinen Untergang abgesehen

hatten.

Mit dem Beginne einer aktiven Periode, sagt die Geheimlehre, geschieht nach

ewigem und unveränderlichem Gesetze eine Ausdehnung dieser göttlichen

Wesenheit von außen nach innen und von innen nach außen, und das

phänomenale oder sichtbare Universum ist die letzte Wirkung der langen Kette

kosmischer Kräfte, die derart fortschreitend in Bewegung gesetzt werden. Auf

gleiche Weise findet, wenn der passive Zustand wieder beginnt, eine

Zusammenziehung der göttlichen Wesenheit statt, und das vorausgegangene

Schöpfungswerk wird allmählich und fortschreitend aufgelöst. Das sichtbare

Universum wird zersetzt, sein Material zerstreut, und „Finsternis”, einsam und

allein, brütet wieder einmal über der Fläche der „Tiefe”. Um ein Gleichnis der

Geheimbücher, welches diese Idee noch klarer machen wird, anzuwenden, so

ruft ein Ausatmen der „unbekannten Wesenheit” die Welt hervor, und ein

Einatmen läßt sie wieder verschwinden. Dieser Vorgang fand statt seit aller

Ewigkeit. und unser gegenwärtiges Weltall ist bloß eines in einer unendlichen

Reihe, die keinen Anfang hatte und kein Ende haben wird.2

Diese Stelle wird, so weit als möglich, in dem gegenwärtigen Werke erklärt

werden.

Obwohl sie, wie sie jetzt vorliegt, nichts dem Orientalisten Neues enthält, so mag

doch ihre esoterische Interpretation eine ziemliche Menge von dem westlichen

Schüler gänzlich unbekannt Gebliebenem enthalten.

_2 (2 of 5)28.Vorwort

Die erste Zeichnung ist eine einfache Scheibe, [Symbolabbildung, siehe Buch].

Die zweite in dem archaischen Symbol zeigt eine Scheibe mit einem Punkt

darinnen, [Symbolabbildung, siehe Buch] - die erste Differentiation in den

periodischen Manifestationen der all-ewigen Natur, geschlechtsloses und

unendliches „Aditi in Tat”3, oder potentieller Raum im abstrakten Raum. In seinem

dritten Zustand verwandelt sich der Punkt in einen Durchmesser,

[Symbolabbildung, siehe Buch]. Dies symbolisiert nunmehr eine göttliche

unbefleckte Mutter-Natur innerhalb der allumfassenden absoluten Unendlichkeit.

Wenn die Durchmesserlinie von einer vertikalen durchkreuzt wird

[Symbolabbildung, siehe Buch], so wird es zum Weltenkreuz. Die Menschheit hat

ihre dritte Wurzelrasse erreicht; es ist das Zeichen für den Beginn des Ursprungs

des menschlichen Lebens. Wenn der Umkreis verschwindet und bloß ein

[Symbolabbildung, siehe Buch] zurückläßt, so ist dies ein Zeichen. daß der Fall

des Menschen in die Materie vollendet ist, und die vierte Rasse beginnt. Das

Kreuz innerhalb des Kreises symbolisiert reinen Pantheismus; wenn das Kreuz

unumschrieben gelassen wird, wird es phallisch. Es hatte dieselbe und noch

andere Bedeutungen als ein Tau einem Kreis eingeschrieben, [Symbolabbildung,

siehe Buch];oder als ein „Thors Hammer”, - das sogenannte Jaina-Kreuz oder

einfach Svastika, in einem Kreise, [Symbolabbildung, siehe Buch].

Das dritte Symbol - der Kreis durch die horizontale Durchmesserlinie in zwei Teile

geteilt - bedeutete die erste Manifestation der schöpferischen (doch passiven, weil

weiblichen) Natur. Die erste schattenhafte Vorstellung vom Menschen in

Verbindung mit Zeugung ist weiblich, weil der Mensch seine Mutter mehr als

seinen Vater kennt. Daher waren weibliche Gottheiten geheiligter als männliche.

Die Natur ist daher weiblich, und bis zu einem gewissen Grade objektiv und

fühlbar, und das geistige Prinzip, das sie befruchtet, ist verborgen.4 Durch

Hinzufügung einer senkrechten Linie zu dem Kreise mit der horizontalen Linie

darinnen entstand das Tau - [Symbolabbildung, siehe Buch]. - die älteste Form

des Buchstaben. Es war die Glyphe der dritten Wurzelrasse bis zum Tage ihres

symbolischen Falles - d. i. als die Trennung der Geschlechter infolge natürlicher

Evolution stattfand - wo die Figur [Symbolabbildung, siehe Buch] wurde, oder das

geschlechtslose Leben modifiziert oder getrennt - eine doppelte Glyphe oder

Symbol. Mit den Unterrassen unserer fünften Rasse wurde es in der Symbologie

Sacr’, und im Hebräischen N’cabvah, der zuerstgebildeten Rassen5; dann

veränderte es sich in das ägyptische Emblem des Lebens, [Symbolabbildung,

siehe Buch], und noch später in das Zeichen der Venus, [Symbolabbildung, siehe

Buch]. Dann kommt der Svastika (Thors Hammer, jetzt das „hermetische Kreuz”);

gänzlich getrennt von seinem Kreise, somit rein phallisch werdend. Das

esoterische Symbol des Kaliyuga ist der fünfzackige Stern umgekehrt, mit seinen

_2 (3 of 5)28.Vorwort

zwei Spitzen (Hörnern) himmelwärts gekehrt, somit [Symbolabbildung, siehe

Buch], das Zeichen der menschlichen Zauberei, eine Lage, die jeder Occultist als

eine der „linken Hand”, und in ceremonieller Magie gebraucht, erkennen wird.

1)Nominalisten, die mit Berkeley schließen: “es sei unmöglich .die abstrakte

Idee einer Bewegung getrennt Ton dem sich bewegenden Körper zu bilden

(“Principles of Human Knowledge, Einleitung, § 10), mögen die Frage aufwerfen:

“Was ist der Körper, der diese Bewegung erzeugt? Ist es eine Substanz? Dann

glaubt ihr an einen persönlichen Gott”. etc. etc. Dies wird später beantwortet

werden, in einem weiteren Teil dieses Werkes; unterdessen beanspruchen wir

unsere Rechte als Konzeptualisten gegen Roscelinis materialistische Ansichten

von Realismus und Nominalismus. “Hat die Wissenschaft”, sagt einer ihrer

fähigsten Vertreter, Edward Clodd, “irgend etwas aufgedeckt, was die alten Worte

entkräftet oder widerlegt, in welchen das Wesen einer jeden Religion der

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft enthalten ist: handle recht, liebe das

Mitleid, wandle in Demut vor deinem Gott?” Wir stimmen dem zu, vorausgesetzt,

daß wir mit dem Worte Gott nicht den rohen Anthropomorphismus bezeichnen,

der noch immer das Rückgrat unserer landläufigen Theologie bildet, sondern die

symbolische Vorstellung von dem, was Leben und Bewegung des Weltalls ist,

welches zu kennen in physischer Hinsicht Kenntnis der Vergangenheit,

Gegenwart und Zukunft in der Existenz der Aufeinanderfolge der Phänomene;

welches zu kennen in moralischer Hinsicht Kenntnis des Gewesenen, Seienden

und Seinwerdenden innerhalb des menschlichen Bewußtseins ist. (Siehe “Science

and the Emotions”, ein Vortrag gehalten zu South Place Chapel, Finsbury,

London, 27. Dezember 1885.)

2) Isis Unveiled, II, 264-5.

3) Rig Veda.

4) Westliche Mathematiker und einige amerikanische Kabbalisten sagen uns, daß

in der Kabalah auch “der Wert des Jehovahnamens der des Durchmessers in

einem Kreise ist.” Füge zu dieser Thatsache, daß Jehovah die dritte der

Sephiroth, Binah, ist, ein weibliches Wort, so hast du den Schlüssel zu dem

Geheimnis. Durch gewisse kabbalistische Transformationen wird dieser Name,

der in den ersten Kapiteln der Genesis androgyn ist, in seinen Umänderungen

gänzlich männlich, kainitisch und phallisch. Die Thatsache, eine Gottheit unter den

heidnischen Göttern auszuwählen und einen speziellen Nationalgott daraus zu

machen, ihn als den “Einen lebenden Gott”, den “Gott der Götter” anzurufen. und

_2 (4 of 5)28.Vorwort

dann diesen Dienst als monotheistisch zu proklamieren, verändert sie noch nicht

in das EINE Prinzip, dessen “Einheit weder Vervielfältigung, noch Wandel oder

Form gestattet,” besonders nicht in dem Falle einer priapischen Gottheit, als

welche Jehovah nunmehr erwiesen ist.

5) Siehe das bedeutsame Werk “The Source of Measures”, in welchem der

Verfasser die wahre Bedeutung des Wortes “Sacr´” erklärt, von dem “sacriert”,

Sacrament” abgeleitet sind, die jetzt mit “Heiligkeit” synonym geworden sind,

obwohl rein phallisch!

_2 (5 of 5)28.Vorwort

Man hofft, daß während des Durchlesens dieses Werkes die irrtümlichen Ideen

des Publikums im allgemeinen hinsichtlich des Pantheismus werden modifiziert

werden.

Es ist falsch und ungerecht, die Buddhisten und Advaita Occultisten als Atheisten

zu betrachten.

Wenn auch nicht alle Philosophen, so sind sie doch auf jeden Fall alle Logiker,

indem ihre Einwürfe und Beweise auf strengen Vernunftschlüssen beruhen.

In der That, wenn man das Parabrahman der Hindûs für einen Repräsentanten

der verborgenen und namenlosen Gottheiten der anderen Nationen annehmen

will, so wird man finden, daß dieses absolute Prinzip das Urbild ist, dem alle

anderen nachgeformt sind. Parabrahman ist nicht „Gott”; denn es ist nicht ein

Gott. Es ist das, was das Oberste und nicht Oberste (paravara) ist”1. Es ist

„Oberstes” als Ursache, nicht Oberstes als Wirkung. Parabrahman ist einfach, als

eine zweitlose Realität, der allumfassende Kosmos - oder vielmehr der unendliche

kosmische Raum - im höchsten geistigen Sinne natürlich. Brahman (neutrum) als

die wandellose, reine, freie, unzerstörbare oberste Wurzel, „die Eine wahre

Existenz, Paramârthika”, und das absolute Chit und Chaitanya (Intelligenz,

Bewußtsein) kann kein Erkenner sein, „denn TAT kann keinen Gegenstand der

Erkenntnis haben”. Kann die Flamme die Wesenheit des Feuers genannt werden?

Diese Wesenheit ist „das Leben und Licht des Universums, das sichtbare Feuer

und die Flamme sind Zerstörung, Tod und Übel”. „Feuer und Flamme zerstören

den Körper eines Arhat, ihre Wesenheit macht ihn unsterblich.“2 „Die Erkenntnis

des absoluten Geistes ist, wie der Glanz der Sonne, oder wie die Hitze im Feuer,

nichts anderes als die absolute Wesenheit selbst,” sagt Shankarâchârya. ES - ist

„der Geist des Feuers“, nicht das Feuer selbst; daher „sind die Attribute des

letzteren, Hitze oder Flamme, nicht die Attribute des Geistes, sondern dessen, von

dem dieser Geist die unbewußte Ursache ist”. Ist nicht obiger Satz der echte

Grundton der späteren Rosenkreuzerphilosopie? Parabrahman ist, kurz gesagt,

das kollektive Aggregat des Kosmos in seiner Unendlichkeit und Ewigkeit, das

„TAT” und „DIESES“ auf das distributive Aggregate nicht bezogen werden

können3. „Im Anbeginne war DIESES das Selbst, eines allein4; und der große

Shankarâchârya erklärt, daß sich ,,DIESES“ auf das Universum (Jagat) bezieht,

und der Sinn der Worte „im Anbeginne” bedeutet: vor der Wiedererzeugung des

phänomenalen Universums.

Wenn daher die Pantheisten einen Wiederhall der Upanishaden bilden, die

ebenso wie die Geheimlehre behaupten, das „dieses” nicht erschaffen kann, so

_5 (1 of 3)28.Vorwort

leugnen sie nicht einen Schöpfer, oder vielmehr ein kollektives Aggregat von

Schöpfern, sondern sie weigern sich bloß sehr logisch, „Erschaffung” und speziell

Gestaltung - etwas Begrenztes - einem unbegrenzten Prinzipe zuzuschreiben.

Ihnen ist Parabrahman eine passive weil absolute Ursache, das unbedingte

Mukta. Bloß begrenzte Allwissenheit und Allmacht wird dem letzteren

abgesprochen, weil das noch immer Attribute, reflektiert in den menschlichen

Vorstellungen, sind; und weil Parabrahman, als das höchste ALL, immer

unsichtbarer Geist und Seele der Natur, wandellos und ewig, keine Attribute

haben kann; da der Ausdruck Absolutheit ganz natürlich jede Idee des

Zusammenhanges mit dem Endlichen oder Bedingten ausschließt. Und wenn der

Vedântist die Forderung aufstellt, daß Attribute bloß seiner Emanation angehören,

die er Îshvara plus Mâyâ, und Avidyâ (Agnosticismus und Nichtwissen vielmehr

als Unwissenheit) nennt, so ist es schwer, irgend welchen Atheismus in dieser

Vorstellung zu finden5.

Nachdem es weder zwei Unendliche noch zwei Absolute geben kann, in einem

Universum, das als grenzenlos angenommen wird, so kann diese Selbstexistenz

schwerlich als schöpferische Persönlichkeit aufgefaßt werden.

In den Sinnen und der Vorstellung endlicher Wesen ist TAT Nichtwesen, in dem

Sinne, daß es die Eine Wesen—heit ist; denn in diesem ALL liegt verborgen seine

gleichewige und gleichalterige Emanation oder oder inhärente Ausstrahlung,

welche, periodisch Brahmâ (die männlich-weibliche Potenz) werdend, sich zum

geoffenbarten Weltall ausdehnt. „Der sich auf den (abstrakten) Wassern des

Raumes bewegende Nârâyana” wird in die von ihm bewegten Wasser der

konkreten Substanz verwandelt, und wird nun zum geoffenbarten Wort oder Logos.

1) Mândûkya Upanishad, I. 28.

2) Bodhimür, Buch II.

3) Siehe Vedânta Sâra, durch Major G. A. Jacob; ebenso The Aphorisms of

Shândilya, übersetzt von Cowell, p. 42.

4) Aitareya Upanishad.

5) Nichtsdestoweniger möchten vorurteilsvolle oder vielmehr fanatische christliche

Orientalisten dies als reinen Atheismus erweisen. Zum Beweise dessen vergleiche

man Major Jacobs Vedânta Sâra. Doch das ganze Altertum wiederhallt den

Gedanken:

_5 (2 of 3)28.Vorwort

“Omnis enim per se divom natura

necesse est

Immortali aevo summa cum pace

fruatur”

in den Worten des Lucretius - eine reine Vedântavorstellung.

_5 (3 of 3)28.Vorwort

Die orthodoxen Brâhminen, jene, die sich am meisten gegen die Pantheisten und

Advaitis erheben, indem sie sie Atheisten nennen, sind gezwungen, wenn anders

Manu irgend eine Autorität in dieser Sache hat, den Tod des Brahmâ, des

Schöpfers, am Ende eines jeden Zeitalters seiner Gottheit anzunehmen nach 100

göttlichen Jahren, einem Zeitraum, der zu seinem Ausdruck in unsern Jahren eine

fünfzehnziffrige Zahl erfordert. Und doch wird kein Philosoph unter ihnen diesen

„Tod” in irgend einem andern Sinne betrachten, als dem eines zeitweisen

Verschwindens von der geoffenbarten Ebene der Existenz, oder als ein

periodisches Ruhen.

Die Occultisten sind daher mit den Advaita Vedânta-Philosophen in Bezug auf den

obigen Lehrsatz einig. Sie zeigen auf philosophischer Grundlage die

Unmöglichkeit, die Idee zu acceptieren, daß das absolute ALL das goldene Ei

erschaffe oder auch nur evolviere, in welches es, wie es heißt, eintritt, um sich

selbst in Brahmâ, den Schöpfer, zu verwandeln, der sich selbst später in die

Götter und all das sichtbare Universum ausdehnt. Sie sagen, daß absolute Einheit

nicht in Unendlichkeit übergehen könne; denn Unendlichkeit setzt die grenzenlose

Ausdehnung von etwas voraus, und die Dauer von diesem „Etwas”; und das Eine

All ist - gleich dem Raume, der seine einzige geistige und physische

Repräsentation auf dieser Erde, oder unserer Existenzebene ist - weder Objekt

noch Subjekt der Wahrnehmung. Wenn man annehmen könnte, daß das ewige

unendliche All, die allgegenwärtige Einheit, anstatt in Ewigkeit zu sein, durch

periodische Manifestation ein mannigfaches Universum oder eine vielfältige

Persönlichkeit werde, so würde diese Einheit aufhören, eine zu sein. Lockes Idee,

daß „reiner Raum weder des Widerstandes noch der Bewegung fähig sei” ist

inkorrekt. Raum ist weder eine „grenzenlose Leere” noch eine „bedingt begrenzte

Völle”, sondern beides; indem er auf der Ebene der absoluten Abstraktion die

ewig-unverkennbare Gottheit ist, leer bloß für endliche Gemüter,1 und auf der der

mâyâvischen Wahrnehmung das Plenum, der absolute Enthalter alles dessen,

was ist, sei es geoffenbart oder ungeoffenbart: er ist daher dieses ABSOLUTE

ALL.

Es ist kein Unterschied zwischen dem „in ihm leben wir und bewegen wir uns und

haben wir unser Sein” des christlichen Apostels und dem „das Universum lebt in,

geht hervor aus, und wird zurückkehren zu Brahmâ“ des indischen Rishi: denn

Brahman (neutrum), das ungeoffenbarte, ist dieses Universum in abscondito, und

Brahmâ, der geoffenbarte, ist der Logos, männlich-weiblich2 gemacht in den

symbolischen orthodoxen Dogmen, indem der Gott des Apostel-Initiierten und des

Rishi beides der ungesehene und der sichtbare Raum sind. Raum wird in der

esoterischen Symbolik „das siebenhäutige ewige Mutter-Vater” genannt. Er ist von

seiner undifferenzierten bis zu seiner differenzierten Ebene aus sieben Schichten

_7 (1 of 6)29.Vorwort

zusammengesetzt. „Was ist das, welches war, ist, und sein wird, ob da ein

Universum ist oder nicht, ob da Götter sind oder nicht?” fragt der esoterische

Senzar Katechismus. Und die gegebene Antwort ist der - „RAUM”.

Es ist nicht der eine unbekannte immer-gegenwärtige Gott in der Natur, oder die

Natur in abscondito, was zurückgewiesen wird, sondern der Gott des

menschlichen Dogmas und sein humanisiertes „Wort”. In seinem grenzenlosen

Dünkel und ihm eigenen Stolz und Eitelkeit gestaltete es der Mensch mit seiner

lästernden Hand aus dem Material, das er in seiner eigenen kleinen

Gehirnwerkstätte vorfand, und zwang es seinen Genossen auf als eine direkte

Offenbarung von dein einen unenthüllten RAUM3.

Der Occultist betrachtet Offenbarung als von göttlichen aber doch noch endlichen

Wesen herrührend, von geoffenbarten Leben, niemals von dem

unmanifestierbaren EINEN LEBEN; von jenen Wesenheiten, die als Urmensch,

Dhyâni-Buddhas, oder Dhyân-Chohans, als Rishi-Prajâpati der Hindûs, als Elohim

oder Söhne Gottes, als Planetengeister aller Nationen, für die Menschen Götter

geworden sind. Er betrachtet auch die Âdi-Shakti, - die direkte Emanation von

Mûlaprakriti, der ewigen Wurzel des TAT, und den weiblichen Aspekt der

schöpferischen Ursache, Brahmâ, in ihrer âkâshischen Form der Universalseele -

als philosophisch eine Mâyâ, und Ursache der menschlichen Mâyâ. Aber diese

Betrachtungsweise hindert ihn nicht, an ihre Existenz für so lange, als sie dauert,

zu glauben, nämlich für ein Mahâmanvantara; noch daran, Âkâsha, die

Ausstrahlung von Mûlaprakriti4 zu praktischen Zwecken zu verwenden, indem die

Weltseele mit allen natürlichen Erscheinungen, seien sie der Wissenschaft

bekannt oder nicht, in Zusammenhang steht.

Die ältesten Religionen der Erde - exoterisch, denn die esoterische Wurzel oder

Grundlage ist eine einzige - sind die indische, die altpersische, und die ägyptische.

Dann kommt die chaldäische, eine Sprosse von diesen, jetzt der Welt gänzlich

verloren gegangenen bis auf ihren entstellten Sabäanismus, wie derselbe jetzt von

den Archäologen beschrieben wird; dann kommt, wenn wir eine Anzahl von

Religionen, die später erwähnt werden sollen, übergehen, die jüdische, die

esoterisch, wie in der Kabalah, der Spur des babylonischen Magismus folgt:

exoterisch, wie in der Genesis und dem Pentateuch eine Sammlung allegorischer

Legenden ist.

Im Lichte des Zohar gelesen, sind die vier ersten Kapitel der Genesis das

Fragment eines hochphilosophischen Blattes der Weltkosmogonie.

_7 (2 of 6)29.Vorwort

In ihrer symbolischen Vermummung belassen sind sie ein Ammenmärchen, ein

garstiger Dorn in der Seite der Wissenschaft und Logik, eine offenbare Wirkung

Karmas. Es war eine grausame Rache von Seite der Rabbiner, die besser

wußten, was ihr Pentateuch bedeutete, sie als Prolog des Christentums dienen zu

lassen. Es war ein schweigender Protest gegen ihre Beraubung, und die Juden

sind jetzt sicher besser daran als ihre traditionellen Verfolger. Die obengenannten

exoterischen Glaubensarten werden im Lichte der Universallehre erklärt werden,

so wie wir mit derselben vorwärtsschreiten. Der occulte Katechismus enthält die

folgenden Fragen und Antworten:

Was ist das, das immer ist? - Raum, das ewige Anupadaka (Elternlose). Was ist

das, das immer war? - Der Keim in der Wurzel. Was ist das, das immer kommt

und geht? - Der große Atem. Dann giebt es drei Ewige? - Nein, die drei sind eins.

Das, das immer ist, ist eins; das, das immer war, ist eins; das, das immer seiend

und werdend ist, ist auch eins: und dieses ist Raum.

Erkläre, o Lanoo (Schüler). - Das Eine ist ein ungebrochener Kreis (Ring) ohne

Umfang, denn es ist nirgends und überall; das Eine ist die grenzenlose Ebene des

Kreises, die einen Durchmesser nur während der manvantarischen Perioden

aufweist; das Eine ist der unteilbare Punkt, der nirgends gefunden und überall

empfunden wird während jener Perioden; es ist die Vertikale und die Horizontale,

der Vater und die Mutter, der Gipfel und die Basis des Vaters, die zwei Enden der

Mutter, in Wirklichkeit nirgends hinreichend, denn das Eine ist der Ring sowohl als

auch die Ringe, die in diesem Ring sind. Licht in der Dunkelheit und Dunkelheit im

Licht: der „Atem, welcher ewig ist”. Es schreitet von außen nach innen, wenn es

überall ist, und von innen nach außen wenn es nirgends ist - (d. i. Mâyâ5, eines

von den Centren6). Es dehnt sich aus und zieht sich zusammen (Ausatmen und

Einatmen). Wenn es sich ausdehnt, so verbreitet und zerstreut die Mutter; wenn

es sich zusammenzieht, so zieht die Mutter zurück und sammelt ein. Dieses

bewirkt die Perioden von Evolution und Dissolution. Manvantara und Pralaya. Der

Keim ist unsichtbar und feurig; die Wurzel (die Ebene des Kreises) ist kühl; aber

während Evolution und Manvantara ist ihr Gewand kalt und strahlend. Heißer

Atem ist der Vater, der die Nachkommenschaft des vielgesichtigen (heterogenen)

Elementes verschlingt und die eingesichtigen (homogenen) übrig läßt. Kalter Atem

ist die Mutter die empfängt, formt, hervorbringt und sie wieder in ihren Busen

aufnimmt, um sie bei der Dämmerung (des Tages von Brahmâ, oder des

Manvantara) neu zu formen.

1) Die bloßen Namen der beiden Hauptgottheiten, Brahmâ und Vishnu, hätten

schon lange ihre esoterische Bedeutung erkennen lassen sollen. Brahman oder

_7 (3 of 6)29.Vorwort

Brahm, wird von einigen von der Wurzel brih, “wachsen” oder “sich ausdehnen”,

abgeleitet (siehe Calcutta Review, vol. LXVI, p. 14); und Vishnu, von der Wurzel

vish, “durchdringen”, “eintreten in die Natur der Wesenheit”; Brahmâ-Vishnu ist

somit der unendliche Raum, von welchem die Götter, die Rishis, die Manus, und

alles in diesem Universum einfach Potenzen (Vibhûtayah) sind.

2) Siehe Manus Bericht von Brahmâ, der seinen Körper in Männliches und

weibliches teilt, letzteres die weibliche Vâch, in welcher er Virâj erschafft, und

vergleiche diesen mit der Esoterik der Kapitel II, III und IV der Genesis.zurück zum

Text

3) Occultismus liegt in der That in der Luft am Schlusse dieses unseres

Jahrhunderts. Unter vielen anderen kürzlich erschienenen Werken möchten wir

besonders eines den Schülern des theoretischen Occultismus, die sich nicht über

den Bereich unserer speziellen menschlichen Ebene hinauswagen wollen,

empfehlen. Es heißt “New Aspects of Life and Religion”, von Henry Pratt, M. D. Es

ist voll von esoterischen Dogmen und Philosophie, letztere jedoch in den

Schlußkapiteln etwas beschränkt durch etwas, was ein Geist voll bedingtem

Positivismus zu sein scheint. Nichtsdestoweniger verdient das über den Raum als

“die unbekannte erste Ursache” gesagte, angeführt zu werden.

“Dieses unbekannte Etwas, so anerkannt und identifiziert als erste Verkörperung

einfacher Einheit, ist unsichtbar und unfühlbar” - (wenn als abstrakter Raum:

zugegeben!); “und weil unsichtbar und unfühlbar, so unerkennbar. “Und diese

Unerkennbarkeit verleitete zu dem Irrtum, es für eine einfache Leere, eine bloße

Aufnahmsfähigkeit zu halten. Aber, selbst wenn man den Raum als eine absolute

Leere betrachtet, muß man zugegeben, er sei entweder selbstbestehend,

unendlich und ewig, oder er habe eine erste Ursache außer, hinter oder über sich

selbst gehabt. Und doch, könnte eine solche Ursache gefunden und bezeichnet

werden, so würde das nur dahin führen, die Attribute, die sonst dem Raume

zukämen, auf diese zu übertragen, und so die Schwierigkeit des

Ausgangspunktes einen Schritt weiter zurückzuwerfen, ohne weiteres Licht

bezüglich der ersten Ursächlichkeit zu gewinnen.” (Op. cit., p. 5.)

Dies ist genau das, was seitens der an einen anthropomorphischen Schöpfer,

einen außerweltlichen anstatt an einen innerweltlichen Gott Glaubenden

geschehen ist. Viele - ja die meisten von Herrn Pratts Gegenständen, können wir

sagen - sind alte kabbalistische Ideen und Theorieen, die er in einem ganz neuen

Gewande vorführt: fürwahr ,.Neue Aspekte” des Occulten in der Natur. Raum

jedoch als eine substantielle Einheit - als lebendige Quelle des Lebens betrachtet

·        ist als die unbekannte unverursachte Ursache das älteste Dogma der

_7 (4 of 6)29.Vorwort

Geheimlehre, Jahrtausende älter als der Pater-Äther der Griechen und Lateiner.

Das gleiche gilt von “Kraft und Stoff, als Potenzen des Raumes untrennbar, und

die unbekannten Enthüller des Unbekannten.’” Sie alle finden sich in der ârischen

Philosophie personifiziert als Vishvakarman, Indra, Vishnu, etc., etc. Doch sind sie

in dem angeführten Werke sehr philosophisch und von vielen ungewohnten

Standpunkten aus behandelt.

4) Im Gegensatz zum geoffenbarten stofflichen Universum wird der Ausdruck

Mûlaprakriti (von mûla “Wurzel” und prakriti “Natur”) oder der ungeoffenbarte

ursprüngliche Stoff - von den westlichen Alchemisten Adams Erde genannt - von

den Vedântisten auf Parabrahman angewendet. Die Materie ist zweifach nach der

religiösen Metaphysik, und siebenfach nach den esoterischen Lehren, wie alles

übrige im Weltall. Als Mûlaprakriti ist sie undifferenziert und ewig; als Vyakta wird

sie differenziert und bedingt, nach der Shvetâshvatara Upanishad, I. 8, und Devî

Bhâgavata Purâna. Der Verfasser der vier Vorlesungen über die Bhagavad Gîtâ

sagt, indem er von Mûlaprakriti spricht: “Von seinem (des Logos) objektiven

Standpunkt aus erscheint ihm Parabrahman als Mûlaprakriti ... Natürlich ist für ihn

diese Mûlaprakriti materiell, wie irgend ein materielles Objekt für uns materiell ist...

Parabrahman ist eine unbedingte und absolute Realität, und Mûlaprakriti ist eine

Art von darüber geworfenem Schleier.” (Theosophist, Vol. VIII, p. 304; [deutsch in

Hartmanns Lotusblüten, Bd. I. D. Übers.])

5) Die esoterische Philosophie muß, indem sie jedes endliche Ding als Mâjâ (oder

die Illusion aus Unwissenheit) betrachtet, notwendigerweise jeden

intrakosimschen Planeten oder Körper im selben Lichte sehen, da er etwas

Organisiertes, mithin Endliches ist. Es bezieht sich daher der Ausdruck “es

schreitet von außen nach innen, etc.” in dem ersten Teile des Satzes auf das

Herandämmern eines Mahâmanvantara, oder auf die große Wiederevolution nach

einer der vollständigen periodischen Auflösungen von jeder zusammengesetzten

Form in der Natur, vom Planeten bis zum Molekül, in ihr letztes Wesen oder

Element; und in seinem zweiten Teile auf das partielle oder lokale Manvantara,

welches ein solares oder selbst ein planetarisches sein mag.

6) Unter Centrum ist ein Energiecentrum oder kosmischer Brennpunkt verstanden;

wenn die sogenannte ,.Schöpfung” oder Formung eines Planeten durch die Kraft,

die von den Occultisten als Leben und von der Wissenschaft als Energie

bezeichnet wird, vollendet ist, so findet das Fortschreiten von innen nach außen

statt, wie es heißt, daß jedes Atom in sich selbst schöpferische Energie vom

göttlichen Atem enthält. Während somit nach einem absoluten Pralaya, wenn das

_7 (5 of 6)29.Vorwort

vorherbestandene Material bloß aus Einem Element bestellt, und der Atem

“überall ist”, der letztere von außen nach innen wirkt: beginnen nach einem

kleineren Pralaya, in dem alles im statu quo geblieben ist - in einem gefrorenen

Zustand, sozusagen, wie der Mond - beim ersten Wallen des Manvantara, der

Planet oder die Planeten ihre Wiederauferstehung zum Leben voll innen nach

außen.

_7 (6 of 6)29.Vorwort

Zum Zwecke eines klareren Verständnisses seitens des gewöhnlichen Lesers

muß betont werden, daß die occulte Wissenschaft sieben kosmische Elemente

kennt - vier vollständig körperlich, das fünfte (Ether) halbmateriell, das gegen das

Ende unserer vierten Runde in der Luft sichtbar werden wird, um als höchstes

über die anderen während der ganzen Dauer der fünften zu herrschen. Die

übrigbleibenden zwei sind bis jetzt vollständig außerhalb des Gebietes

menschlicher Wahrnehmung. Doch werden sie als Vorahnungen während der

sechsten und siebenten Rasse dieser Runde auftauchen und beziehungsweise

während der sechsten und siebenten Runde bekannt werden.1

Diese sieben Elemente mit ihren zahllosen Unterelementen, die viel zahlreicher

sind als jene der Wissenschaft bekannten, sind einfach bedingte Modifikationen

und Aspekte des EINEN und einzigen Elementes. Dieses letztere ist nicht Ether2,

nicht einmal Âkâsha, sondern die Quelle von diesen.

Das fünfte Element, das jetzt von der Wissenschaft ganz offen behauptet wird, ist

nicht der von Sir Isaak Newton hypothetisch aufgestellte Ether - obwohl er es mit

diesem Namen benennt, wahrscheinlich in einer Ideenassociation mit dem Äther,

„Vater - Mutter” des Altertums. So sagt Newton intuitiv: „Die Natur wirkt in

beständigem Kreislauf, sie erzeugt Flüssiges aus Festem, feste Dinge aus

flüchtigen und flüchtige aus festen, feine aus groben und grobe aus feinen .

So mögen vielleicht alle Dinge aus Ether entstanden sein“.3

Der Leser hat sich vor Augen zu halten, daß die gegebenen Strophen bloß die

Kosmogonie unseres eigenen Planetensystems und dessen, was rund um

dasselbe sichtbar ist, nach einem solaren Pralaya, behandeln. Die geheimen

Lehren in Bezug auf die Evolution des gesamten Kosmos können nicht gegeben

werden, da sie selbst von den höchsten Geistern dieses Zeitalters nicht

verstanden werden könnten, und es scheinen nur sehr wenige Initiierte, selbst

unter den größten, zu sein, denen es erlaubt ist, über diesen Gegenstand zu

spekulieren. Vielmehr sagen die Lehrer offen, daß nicht einmal die höchsten

Dhyâni-Chohans jemals die Geheimnisse jenseits jener Grenzen, die die

Milliarden von Sonnensystemen von der „Centralsonne”, wie es genannt wird,

trennen, durchdrungen haben. Daher bezieht sich das Veröffentlichte bloß auf

unseren sichtbaren Kosmos, nach einer „Nacht des Brahmâ”.

Bevor der Leser zur Betrachtung der Strophen aus dem Buche des Dzyan

übergeht, die die Grundlage des vorliegenden Werkes bilden, ist es absolut

notwendig, daß er mit den wenigen fundamentalen Begriffen, welche denn ganzen

Gedankensystem, zu dessen Beachtung er eingeladen ist, zu Grunde liegen und

dasselbe durchdringen, bekannt gemacht wird. Diese Grundideen sind nur wenige

an Zahl, aber von ihrem klaren Erfassen hängt das Verständnis von allem

_0 (1 of 2)29.Vorwort

folgenden ab; es ist daher keine Entschuldigung nötig, wenn wir den Leser bitten,

sich vorerst mit ihnen vertraut zu machen, bevor er an die Durcharbeitung des

Werkes selbst geht.

1) Es ist interessant zu bemerken, wie sich nach den Entwicklungscyklen der

Ideen alte Gedanken in moderner Spekulation wiederzuspiegeln scheinen. Hat

Herr Herbert Spencer alte indische Philosophen gelesen und studiert, als er eine

gewisse Stelle in seinen First Principles (p. 482) schrieb, oder ist es ein

selbständiges Aufblitzen innerer Anschauung, das ihn - halb korrekt, halb inkorrekt

·        sagen ließ: “Da sowohl Bewegung als Materie in Bezug auf Quantität

unveränderlich sind (?), so möchte es scheinen, daß, wenn der Wechsel in der

Verteilung der Materie, der durch die Bewegung verursacht wird, zu einer Grenze

kommt, in welcher Richtung sie auch fortbewegt worden ist (?), sodann die

unzerstörbare Bewegung eine umgekehrte Verteilung notwendig macht.

Augenscheinlich bewirken die allüberall zugleich bestehenden Kräfte der

Anziehung und Abstoßung, welche, wie wir gesehen haben, in allen kleineren

Veränderungen im Weltall Rhythmus notwendig erzeugen, auch in der Gesamtheit

seiner Veränderungen mit Notwendigkeit einen Rhythmus - sie bewirken jetzt eine

unmessbare Periode, während welcher die anziehenden Kräfte vorwiegen und

eine allgemeine Zusammenziehung verursachen, und hierauf eine unmessbare

Periode, während welcher die abstoßenden Kräfte vorwiegen und eine allgemeine

Zerstreuung verursachen - abwechselnde Ären der Evolution und Dissolution.”

 

2) Was immer die Ansichten der Naturwissenschaft über diesen Gegenstand sein

mögen, die Geheimwissenschaft hat seit Zeitaltern gelehrt, daß Âkâsha (dessen

gröbste Form der Ether ist) das fünfte universale kosmische Prinzip - welchem das

menschliche Manas entspricht und aus dem es hervorgeht - kosmisch eine

strahlende,kühle, diathermane plastische Materie ist, schöpferisch in ihrer

physischen Natur, korrelativ in ihren gröbsten Aspekten und Teilen,

unveränderlich in ihren höheren Bestandteilen. In seinem schöpferischen Zustand

heißt er die Unter-Wurzel; und in Verbindung mit strahlender Wärme erweckt er

“tote Welten zum Leben”. In seinem höheren Aspekt ist er die Seele der Welt; in

seinem niederen der Zerstörer.

3) Hypoth. 1675.

_0 (2 of 2)29.Vorwort

Die Geheimlehre stellt drei fundamentale Sätze auf:

I. Ein allgegenwärtiges, ewiges, grenzenloses und unveränderliches PRINZIP,

über das gar keine Spekulation möglich ist, da es die Kraft menschlicher

Vorstellung übersteigt und durch irgend welche menschliche Ausdrucksweise oder

Vergleich nur erniedrigt werden könnte. Es ist jenseits von Raum und Reichen des

Gedankens - mit den Worten der Mândûkya „undenkbar und unaussprechlich“.

Um sich diese Ideen klarer zu machen, möge der gewöhnliche Leser von dem

Postulate ausgehen, daß eine absolute Realität ist, welche allem geoffenbarten,

bedingten Sein vorangeht. Diese unendliche und ewige Ursache - unklar formuliert

als das „Unbewußte” und „Unerkennbare” der landläufigen europäischen

Philosophie - ist die wurzellose Wurzel von „allem was war, ist, oder jemals sein

wird”. Sie ermangelt selbstverständlich aller Attribute und ist ihrer Wesenheit nach

ohne irgendwelche Beziehung zu geoffenbartem endlichen Sein. Sie ist „Seinheit”

vielmehr als Sein, im Sanskrit: Sat, und ist jenseits alles Denkens oder

Spekulierens.

Diese Seinheit wird in der Geheimlehre unter zwei Aspekten symbolisiert.

Einerseits als absoluter abstrakter Raum, zur Darstellung reiner Subjektivität, als

das eine Ding, das kein menschliches Gemüt weder aus irgend einer Vorstellung

ausschließen, noch sich durch sich selbst vorstellen kann; anderseits als absolute

abstrakte Bewegung zur Darstellung unbedingten Bewußtseins. Selbst unsere

westlichen Denker haben gezeigt, daß Bewußtsein frei von Veränderung für uns

unbegreiflich ist, und daß Bewegung das zutreffendste Symbol für Veränderung

ist, welche ja ihr wesentliches Charakteristikon bildet. Dieser letztere Aspekt der

Einen Realität wird auch durch den Ausdruck „der große Atem” symbolisiert, ein

hinlänglich anschauliches Sinnbild, als daß es noch weiterer Erläuterung bedürfte.

So ist denn der erste fundamentale Satz der Geheimlehre diese metaphysische

EINE ABSOLUTE SEINHEIT - von endlicher Intelligenz als die theologische

Dreieinigkeit symbolisiert.

Es mag jedoch dem Schüler von Nutzen sein, wenn einige weitere Erklärungen

hier gegeben werden.

Herbert Spencer hat neuerdings seinen Agnosticismus so weit modifiziert, daß er

die Ansicht ausspricht, daß die Natur der „ersten Ursache”1, die der Occultist mit

größerer Logik von der ursachlosen Ursache, dem „Ewigen“ und dem

„Unerkennbaren” ableitet, im wesentlichen dieselbe sein möge wie die des

_2 (1 of 8)30.Vorwort

Bewußtseins, welches in uns aufwogt; kurz, daß die den Kosmos durchdringende

unpersönliche Realität der Gedanke als reines Ding an sich sei.

Dieser Fortschritt seinerseits bringt ihn sehr nahe der esoterischen und

vedântistischen Lehre.2

Parabrahman, die eine Realität, das Absolute, ist das Feld des absoluten

Bewußtseins, d. i. die Wesenheit, welche außer aller Beziehung zu bedingtem

Dasein steht, und von der bewußte Existenz ein bedingtes Symbol ist. Sobald wir

aber in Gedanken von dieser (für uns) absoluten Negation fortschreiten, taucht

Dualität auf in dem Gegensatze von Geist (oder Bewußtsein) und Materie, von

Subjekt und Objekt.

Geist (oder Bewußtsein) und Materie dürfen jedoch nicht als unabhängige

Wirklichkeiten betrachtet werden, sondern als die zwei Symbole oder Aspekte des

Absoluten, Parabrahman, welche die Grundlage des bedingten Seins, sei es

subjektiv, sei es objektiv, abgeben.

Betrachten wir diese metaphysische Dreiheit als die Wurzel, aus der alle

Offenbarung hervorkommt, so nimmt der große Atem den Charakter

präkosmischer Ideeenbildung an. Er ist der fons et origo von Kraft und allem

individuellen Bewußtsein, und bietet die leitende Intelligenz in dem weiten Plane

kosmischer Evolution. Anderseits ist präkosmische Wurzelsubstanz (Mûlaprakriti)

der Aspekt des Absoluten, welcher allen objektiven Ebenen der Natur zu Grunde

liegt.

Gerade so wie präkosmische Ideeenbildung die Wurzel alles individuellen

Bewußtseins ist, so ist präkosmische Substanz die Grundlage des Stoffes in

seinen verschiedenen Graden von Differentiation.

Es wird somit klar, daß der Gegensatz dieser zwei Anschauungsweisen des

Unbedingten wesentlich für das Dasein des geoffenbarten Weltalls ist. Getrennt

von kosmischer Substanz könnte sich kosmische Ideeenbildung nicht als

individuelles Bewußtsein offenbaren, da dieses Bewußtsein bloß mit Hilfe eines

materiellen Vehikels (upâdhi) als „Ich bin Ich” hervorquillt, indem eine physische

Basis notwendig ist, um einen Strahl des Universalgemütes bei einer gewissen

Stufe von Zusammengesetztheit zu fokussieren. Hinwiederum würde kosmische

Substanz getrennt von kosmischer Ideation eine leere Abstraktion bleiben, und

kein Auftauchen von Bewußtsein könnte sich ergeben.

_2 (2 of 8)30.Vorwort

Das geoffenbarte Weltall ist daher von Dualität durchdrungen, die gewissermaßen

das wahre Wesen seiner EX—istenz als „Offenbarung” ist. Aber gerade so, wie die

einander entgegengesetzten Pole Subjekt und Objekt, Geist und Materie, bloß

Aspekte der Einen Einheit sind, in der sie ihre Synthese finden. so ist es im

geoffenbarten Universum „tat“, welches Geist mit Stoff, Subjekt mit Objekt,

verknüpft.

Dieses Etwas, das gegenwärtig der westlichen Spekulation unbekannt ist, nennen

die Occultisten Fohat. Es ist die „Brücke”, mittelst derer die im göttlichen

Gedanken existierenden Ideen der kosmischen Substanz als die Naturgesetze

eingeprägt werden. Fohat ist somit die dynamische Energie der kosmischen

Ideation; oder, von der andern Seite betrachtet, ist es das intelligente Medium, die

lenkende Kraft in jeder Offenbarung, der durch die Dhyân Chohans,3 die Bildner

der sichtbaren Welt, übertragene und geoffenbarte göttliche Gedanke.

So kommt vom Geiste oder der kosmischen Ideation unser Bewußtsein; von der

kosmischen Substanz kommen die verschiedenen Vehikeln, in welchen dieses

Bewußtsein individualisiert wird und zum Selbst- oder reflexiven Bewußtsein

gelangt; während Fohat in seinen verschiedenartigen Manifestationen, das

geheimnisvolle Band zwischen Geist und Stoff bildet - das jedes Atom zum Leben

elektrisierende beseelende Prinzip.

Die folgende Übersicht wird dem Leser eine klarere Idee geben.

1. Das ABSOLUTE: das Parabrahman der Vedântisten oder die eine Realität,

SAT, welche, wie Hegel sagt, zugleich absolutes Sein und Nichtsein ist.

2.. Der erste Logos: der unpersönliche, und, in der Philosophie, ungeoffenbarte

Logos, der Vorläufer des geoffenbarten. Dies ist die „erste Ursache”, das

„Unbewußte” der europäischen Pantheisten.

3. Der zweite Logos: Geist-Stoff, Leben; der „Geist des Weltalls”, Purusha und

Prakriti.

4. Der dritte Logos: Kosmische Ideation, Mahat oder Intelligenz, die universale

Weltseele; das kosmische Noumenon der Materie, die Grundlage der intelligenten

Wirkungen in und seitens der Natur, auch Mâha-Buddhi genannt.

Die EINE REALITÄT; ihre dualen Aspekte in dem bedingten Universum.

Ferner behauptet die Geheimlehre:

II. Die Ewigkeit des Weltalls in toto als einer grenzenlosen Ebene, die periodisch

_2 (3 of 8)30.Vorwort

„der Spielplatz ist von zahllosen unaufhörlich erscheinenden und

verschwindenden Universen”, den sogenannten „manifestierenden Sternen” und

„den Funken der Ewigkeit”. Die Ewigkeit des Pilgers4 ist wie ein Augenblitzen von

Selbstexistenz,” wie das Buch des Dzyan sich ausdrückt. „Das Erscheinen und

Verschwinden von Welten ist wie regelmäßige Gezeiten von Ebbe und Flut”.

Die zweite Behauptung der Geheimlehre ist also die absolute Universalität jenes

Gesetzes der Periodicität, der Gezeiten, der Ebbe und Flut, welches die

Naturwissenschaft auf allen Gebieten der Natur beobachtet und aufgewiesen hat.

Ein Wechsel wie der von Tag und Nacht, Leben und Tod, Schlaf und Wachen, ist

eine so allgemeine, so vollkommen universale und ausnahmslose Thatsache, daß

es leicht zu verstehen ist, daß wir darin eines der absolut fundamentalen Gesetze

des Weltalls sehen.

Ferner lehrt die Geheimlehre:

III. Die fundamentale Identität aller Seelen mit der universellen Oberseele,

welch letztere selbst ein Aspekt der unbekannten Wurzel ist; und die Verpflichtung

für jede Seele - einen Funken der vorgenannten -, den Cyklus von Inkarnation,

oder „Notwendigkeit”, in Übereinstimmung mit cyklischem und karmischem

Gesetz während seiner ganzen Dauer zu durchwandern. Mit anderen Worten,

keine rein geistige Buddhi (göttliche Seele) kann eine unabhängige, bewußte

Existenz haben, ehe der Funke, welcher aus der reinen Essenz des universellen

sechsten Prinzipes - oder der OBERSEELE - entsprang, (a) jede elementare Form

der phänomenalen Welt dieses Manvantaras durchlaufen hat, und (b)

Individualität erlangt hat, anfangs durch natürlichen Trieb, später durch

selbstherbeigeführte und selbsterdachte Anstrengungen, dabei von seinem Karma

zurückgehalten, und so durch alle Grade der Intelligenz, vom niedersten bis zum

höchsten Manas, von Mineral und Pflanze bis hinauf zum heiligsten Erzengel

(Dhyâni-Buddha) emporgestiegen ist. Die Grundlehre der esoterischen

Philosophie giebt keine Privilegien und besonderen Gaben im Menschen zu,

außer jenen, welche sein eigenes Ego durch persönliche Anstrengung und

Verdienst während einer langen Reihe von Metempsychosen und Reinkarnationen

gewonnen hat.

Dies ist es, warum die Inder sagen, daß das Universum Brahman und Brahmâ ist,

denn Brahman ist in jedem Atome des Universums, die sechs Prinzipien in der

Natur sind alle das Resultat - die verschiedenartig differenzierten Aspekte - des

Siebenten und Einen, der einzigen Realität im Universum, sei es kosmisch oder

mikrokosmisch; und auch, warum die Veränderungen, seelisch, geistig und

körperlich, auf der Ebene der Offenbarung und Form, des Sechsten (Brahmâs,

des Vehikels von Brahman) in metaphysischer Antiphrase als illusorisch und

_2 (4 of 8)30.Vorwort

mâyâvisch betrachtet werden. Denn obwohl die Wurzel jedes Atoms als

Individuum und jeder Form als Kollektivum dieses siebente Prinzip oder die Eine

Wirklichkeit ist, so ist dies doch in seiner geoffenbarten, phänomenalen und

temporären Erscheinung nichts Besseres als eine vorübergehende Illusion

unserer Sinne. In seiner Absolutheit ist das eine Prinzip unter seinen zwei

Aspekten, als Parabrahman und Mûlaprakriti, ungeschlechtig, unbedingt und ewig.

Seine periodische manvantarische Emanation - oder ursprüngliche Ausstrahlung -

ist auch Eins, androgyn und phänomenal endlich. Wenn die Ausstrahlung

ihrerseits Strahlen aussendet, so sind alle diese Ausstrahlungen auch androgyn,

um in ihren niedereren Aspekten männliche und weibliche Prinzipien zu werden.

Nach Pralaya, sei es nun der große oder der kleinere Pralaya (der letztere läßt die

Welten im statu quo5), ist das erste, das zu aktivem Leben wiedererwacht, der

plastische Âkâsha, Vater - Mutter, der Geist und die Seele des Ethers, oder die

Fläche des Kreises.

Der Raum heißt die „Mutter” vor seiner kosmischen Aktivität und „Vater-Mutter” im

ersten Stadium des Wiedererwachens. In der Kabalah ist er auch „Vater-Mutter-Sohn”.

Aber während in der östlichen Lehre diese das siebente Prinzip des geoffenbarten

Weltalls, oder sein Âtma-Buddhi-Manas (Geist-Seele-Intelligenz) sind, und die

Dreiheit sich verzweigt und sich in die sieben kosmischen und sieben

menschlichen Prinzipien teilt; ist es in der westlichen Kabalah der christlichen

Mystiker die Dreiheit oder Dreieinigkeit, und bei ihren Occultisten, der

mannweibliche Jehovah, Jah-Havah.

Darin liegt der ganze Unterschied zwischen der esoterischen und der christlichen

Dreieinigkeit.

Die Mystiker und die Philosophen, die östlichen und westlichen Pantheisten.

synthesieren ihre prägenetische Dreiheit in der reinen göttlichen Abstraktion. Die

Orthodoxen anthropomorphisieren sie. Hiranyagarbha, Hari und Shankara - die

drei Hypostasen des sich offenbarenden „Geistes des höchsten Geistes” (mit

welchem Titel Prithivî - die Erde - Vishnu bei seinem ersten Avatâra begrüßt) -

sind die rein metaphysischen abstrakten Qualitäten der Schaffung. Erhaltung und

Zerstörung, und sind die drei göttlichen Avasthâs (Hypostasen) von dem, das

„nicht vergeht mit den geschaffenen Dingen”, Achyuta, ein Beiname Vishnus;

während der orthodoxe Christ seine persönliche schöpferische Gottheit in die drei

Personen der Dreieinigkeit teilt und keine höhere Gottheit zuläßt. Die letztere ist

im Occultismus das abstrakte Dreieck; beim Orthodoxen der vollkommene Würfel.

Der schöpferische Gott oder die zusammengefaßten Götter werden von dem

östlichen Philosophen als Bhrântidarshanatah - „falsche Erscheinungen” -

betrachtet, als etwas, das, „infolge trügerischer Erscheinungen als eine materielle

_2 (5 of 8)30.Vorwort

Form vorgestellt wird,” und werden dahin erklärt, daß sie in dem illusorischen

Begriffsvermögen der egoistischen, persönlichen und menschlichen Seele

(niedereres fünftes Prinzip) entstehen.

Dies ist schön ausgedrückt in einer neuen Übersetzung in Fitzedward Halls Noten

zu Wilsons Übersetzung des Vishnupurâna.

„Dieses Brahma in seiner Totalität hat wesentlich den Aspekt der Prakriti, sowohl

der entfalteten als der unentfalteten (Mûlaprakriti) und auch den Aspekt des

Geistes und den Aspekt der Zeit. Geist, o Zweimal geborener, ist der oberste

Aspekt des höchsten Brahma.6 Der nächste ist ein zweifacher Aspekt, - Prakriti,

beides entfaltet und unentfaltet, und zuletzt ist die Zeit.”

Kronos wird in der orphischen Theogonie auch als ein hervorgebrachter Gott oder

Agent dargestellt.

In diesem Zustande des Wiedererwachens des Weltalls wird dasselbe von der

heiligen Symbolik als ein vollkommener Kreis mit dem (Wurzel-) Punkt in der Mitte

dargestellt. Dieses Zeichen war universell, daher finden wir es auch in der

Kabalah. Die westliche Kabalah jedoch, nunmehr in den Händen christlicher

Mystiker, ignoriert es vollständig, obwohl es im Zohar klar gezeigt ist. Diese

Sektierer beginnen mit dem Ende und geben als das Symbol des prägenetischen

Kosmos [Symbolabbildung, siehe Buch], und nennen es „die Vereinigung von

Rose und Kreuz”, das große Geheimnis der occulten Zeugung, daher der Name -

Rosenkreuzer (Rose-Kreuz)!

Dies kann man sehen an einem der wichtigsten und wohlbekanntesten ihrer

Symbole, welches bis jetzt niemals, auch nicht von modernen Mystikern,

verstanden worden ist. Es ist dies das des Pelikans, der seine Brust aufreißt, um

seine sieben Jungen zu füttern - der echte Glaube der Brüder vom Rosenkreuze

und ein direkter Schößling der östlichen Geheimlehre.

Brahman (neutrum) hat den Namen Kâlahamsa, was nach der Erklärung der

westlichen Orientalisten, den ewigen Schwan, oder Gans, bedeutet, und

denselben hat Brahmâ, der Schöpfer. Ein großer Irrtum machte sich da

bemerklich; es ist Brahman (neutrum), das als Hamsavâhana (das, das den

Schwan als sein Vehikel benützt) zu bezeichnen wäre, und nicht Brahmâ, der

Schöpfer, welcher der wirkliche Kâlahamsa ist, während Brahman (neutrum)

Hamsa und Ahamsa ist, wie im Kommentar erklärt werden soll. Man möge

berücksichtigen, daß die Bezeichnungen Brahmâ und Parabrahman hier nicht

deshalb gebraucht werden, weil sie unserer esoterischen Nomenklatur angehören,

sondern weil die Schüler im Westen mehr damit vertraut sind. Beide sind die

genauen Äquivalente für unsere ein-, drei- und siebenvokalischen Bezeichnungen,

welche das EINE ALL, und das Eine „Alles in Allem” bedeuten. Dies sind die

Grundbegriffe, auf denen die Geheimlehre beruht.

_2 (6 of 8)30.Vorwort

1) Das “Erste” setzt notwendigerweise etwas voraus, das das “zuerst

Hervorgebrachte”, das “erste in Zeit Raum und Rang” - und daher endlich und

bedingt ist. Das “erste” kann nicht das Absolute sein, denn es ist eine

Offenbarung. Daher nennt der östliche Occultismus das abstrakte All die “Eine

ursachlose Ursache”, die “wurzellose Wurzel”, und beschränkt die “erste Ursache”

auf den Logos in der Bedeutung, die Plato diesem Ausdrucke giebt. zurück zum

Text

2) Siehe J. Subba Row’s vier treffliche Vorlesungen über die Bhagavad Gîtû im

“Theosophist”, Februar 1887.

3) Von der christlichen Theologie: Erzengel, Seraphim, etc. etc. genannt. zurück

zum Text

4) “Pilger” heißt unsere Monade (die Zwei in einem) während ihres Cyklus von

Inkarnationen. Sie ist das einzige unsterbliche und ewige Prinzip in uns, als ein

unteilbarer Teil des vollständigen Ganzen - des Universalgeistes, aus dem sie

emaniert, und in welchem sie am Ende des Cyklus absorbiert wird. Wenn es heißt,

sie emaniere aus dem Einen Geiste, so ist dies ein unbeholfener und inkorrekter

Ausdruck, mangels geeigneter Worte in unserer Sprache. Die Vedântisten nennen

sie Sûtrâtmâ (Fadenseele), aber auch ihre Erklärung unterscheidet sich in etwas

von der der Occultisten; diesen Unterschied zu rechtfertigen sei jedoch den

Vedântisten selbst überlassen!

5) Nicht die physischen Organismen sind es, die während der großen kosmischen

oder auch nur solaren Pralayas im statu quo bleiben, am allerwenigsten ihre

psychischen Prinzipien, sondern bloß ihre âkâshischen oder astralen

“Photographien”. Aber während der kleineren Pralayas bleiben die Planeten,

einmal von der “Nacht” überrascht, unversehrt, wenn auch tot, wie ein mächtiges

Tier, vom Polareis ergriffen und begraben, für Zeitalter dasselbe bleibt. zurück

zum Text

6) So formuliert Spencer, der nichtsdestoweniger wie Schopenhauer und v.

Hartmann bloß eine einseitige Ansicht von den alten esoterischen Philosophen

wiederspiegelt, und daher seine Leser an dem öden Strande agnostischer

Verzweiflung landet, verehrungsvoll das große Geheimnis: “Das, was

unveränderlich in Quantität, aber in steter Änderung der Form besteht, unter

diesen sinnlichen Erscheinungen, welche das Weltall uns zeigt, ist eine

_2 (7 of 8)30.Vorwort

unerkannte und unerkennbare Kraft, welche wir als ohne Grenzen im Raume und

als ohne Anfang oder Ende in der Zeit anerkennen müssen.” Es ist bloß die

verwegene Theologie, niemals die Wissenschaft oder Philosophie, die das

Unendliche zu messen und das Unergründliche und Unerkennbare zu

entschleiern sucht.

_2 (8 of 8)30.Vorwort

Es wäre hier nicht am Platze, sich in irgend welche Verteidigung oder

Beweisführung bezüglich ihrer inneren Vernunftgemäßheit einzulassen; noch kann

ich mich damit aufhalten, zu zeigen, wie sie - wenn auch nur zu oft in irreführender

Gestalt - thatsächlich in jedem seinen Namen verdienenden System von

Gedanken oder Philosophie enthalten sind.

Sobald der Leser ein klares Verständnis derselben gewonnen und das Licht

erkannt hat, das sie auf jedes Problem des Lebens werfen, werden sie in seinen

Augen keiner weiteren Rechtfertigung bedürfen, weil ihre Wahrheit ihm so

einleuchtend wie die Sonne am Himmel sein wird. Ich gehe daher zum

Gegenstande der in diesem Bande veröffentlichten Strophen über, und gebe ein

skizzenhaftes Skelett derselben, in der Hoffnung, dadurch dem Schüler seine

Aufgabe leichter zu machen, indem ich ihm mit wenigen Worten den in denselben

enthaltenen Gedankengang vorführe.

Die Geschichte der kosmischen Evolution, wie sie in den Strophen aufgezeichnet

ist, ist sozusagen die abstrakte algebraische Formel dieser Entwicklung. Daher

darf der Schüler nicht erwarten, hier eine Aufzählung aller Zustände und

Wandlungen zu finden, welche zwischen den ersten Anfängen der universalen

Evolution und unserm gegenwärtigen Zustande liegen. Eine solche Aufzählung zu

geben wäre ebenso unmöglich, als sie Menschen unverständlich wäre, die nicht

einmal die Natur jener Daseinsebene erfassen können, die derjenigen zunächst

liegt, auf welche für den Augenblick ihr Bewußtsein beschränkt ist.

Die Strophen geben daher eine abstrakte Formel, die mutatis mutandis auf jede

Evolution angewendet werden kann: auf die unserer winzigen Erde, auf die der

Planetenkette, von der die Erde ein Glied bildet, auf das solare Universum, zu

dem die Kette gehört, und so fort in aufsteigender Reihe, bis das Gemüt

schwindelt und von der Anstrengung erschöpft ist.

Die sieben in diesem Bande gegebenen Strophen repräsentieren die sieben

Glieder dieser abstrakten Formel. Sie beziehen sich auf, und beschreiben die

sieben großen Stadien des Entwicklungsvorganges, von dem die Purânen als von

den „sieben Schöpfungen” sprechen, und die Bibel als von den sieben

„Schöpfungstagen”.

Strophe I beschreibt den Zustand des EINEN ALLS während Pralaya, vor der

ersten Schwingung der wiedererwachenden Offenbarung. Der Gedanke eines

Augenblicks genügt zu zeigen, daß ein solcher Zustand nur symbolisch dargestellt

werden kann; ihn zu beschreiben ist unmöglich. Auch kann er nur mittelst

negativer Ausdrücke symbolisiert werden; denn, da er der Zustand der Absolutheit

an sich ist, kann er keines jener specifischen Attribute besitzen, die uns dazu

dienen, Gegenstände in positiven Ausdrücken zu beschreiben. Daher kann dieser

Zustand nur angedeutet werden durch die Negative aller jener höchst abstrakten

_8 31.Vorwort

Attribute, welche die Menschen vielmehr fühlen als begreifen, als die fernsten

Grenzen, bis zu denen ihre Vorstellungskraft vordringen kann.

Strophe II beschreibt einen Zustand, der für ein westliches Gemüt so nahezu

identisch mit dem in der ernten Strophe erwähnten ist, daß der Ausdruck des

Gedankens dieses Unterschiedes eine Abhandlung für sich erfordern würde.

Daher muß es der Intuition und den höheren Fähigkeiten des Lesers überlassen

bleiben, soweit er kann, die Bedeutung der verwendeten allegorischen Ausdrücke

zu erfassen. Es muß in der That daran erinnert werden, daß alle diese Strophen

vielmehr an die inneren Fähigkeiten appellieren als an das gewöhnliche

Verständnis des physischen Gehirns.

Strophe III beschreibt das Wiedererwachen des Weltalls zum Leben nach Pralaya.

Sie malt das Auftauchen der Monaden aus ihrem Zustande von Absorption

innerhalb des Einen, das früheste und höchste Stadium in der Bildung von Welten,

wobei der Ausdruck Monade sich ebensowohl auf das ausgedehnteste

Sonnensystem wie auf das winzigste Atom beziehen kann.

Strophe IV zeigt die Differentiation des „Keimes” des Weltalls in die siebenfache

Hierarchie von bewußten göttlichen Kräften, welche die thätigen Offenbarungen

der Einen höchsten Energie sind. Sie sind die Bildner, die Gestalter und

schließlich die Schöpfer des ganzen geoffenbarten Universums, in dem einzigen

Sinne, in dem der Name „Schöpfer” verstandesgemäß ist; sie beseelen und

lenken es; sie sind die intelligenten Wesen, welche die Entwicklung in Ordnung

bringen und beaufsichtigen, indem sie in sich jene Offenbarungen des Einen

Gesetzes verkörpern, welche wir als die „Naturgesetze” kennen.

Ihr bekannter Gattungsname ist Dhyân Chohans, doch hat jede der verschiedenen

Gruppen ihre eigene Bezeichnung in der Geheimlehre.

Von diesem Stadium der Evolution spricht die indische Mythologie als von der

„Erschaffung der Götter”.

Strophe V beschreibt den Vorgang der Weltformung: zuerst, diffuse kosmische

Materie, dann der „feurige Wirbelwind”, das erste Stadium bei der Formung eines

Nebels. Dieser Nebel verdichtet sich und bildet, nachdem er verschiedene

Umformungen durchlaufen hat, ein Sonnenuniversum, eine Planetenkette, oder

einen einzelnen Planeten, je nachdem.

Strophe VI deutet die darauffolgenden Stadien in der Bildung einer „Welt” an, und

führt die Entwicklung einer solchen Welt bis zu ihrer vierten großen Periode

weiter, der Periode entsprechend, in der wir jetzt leben.

Strophe VII setzt die Geschichte fort, indem sie das Herabsteigen des Lebens bis

zur Erscheinung des Menschen verfolgt; und damit schließt das erste Ruch der

Geheimlehre.

_8 (2 of 4)31.Vorwort

Die Entwicklung des „Menschen” von seinem ersten Erscheinen auf dieser Erde in

dieser Runde bis zu dem Zustande, in welchem wir ihn jetzt vorfinden, wird den

Gegenstand des zweiten Bandes bilden.

Die Strophen, welche die Thesis einer jeden Abteilung bilden, sind durchaus in

ihrer ins Moderne übertragenen Version gegeben, da es schlechter als nutzlos

wäre, den Gegenstand durch Einführung der archaischen Phraseologie des

0riginales, mit ihrem verwirrenden Stil und Worten noch schwieriger zu machen.

Es sind Auszüge aus den chinesischen, tibetanischen und Sanskritübersetzungen

der ursprünglichen Senzar - Kommentare und Glossen zum Buche des Dzyan

gegeben, - nunmehr zum erstenmale in einer europäischen Sprache. Es ist

nahezu unnötig, zu erklären, daß bloß Teile der sieben Strophen gegeben sind.

Wenn sie vollständig veröffentlicht würden, so würden sie für jedermann außer für

wenige hochentwickelte Occultisten unverständlich bleiben.

Auch ist es überflüssig, den Leser zu versichern, daß die Schreiberin oder

vielmehr die bescheidene Aufzeichnerin diese verweigerten Stellen nicht mehr

versteht, als die meisten Profanen. Um die Lektüre zu erleichtern und allzuviele

Verweise auf Fußnoten zu vermeiden, hielt man es für das Beste, Text und

Glossen zu vermengen, und die sanskritischen und tibetanischen Eigennamen, so

oft sie nicht überhaupt vermieden werden konnten, den Originalausdrücken

vorzuziehen.

Dies geschah um so eher, als alle die erwähnten Ausdrücke angenommene

Synonyme und die letzteren allein zwischen einem Meister und seinen Chelâs

(oder Schülern) üblich sind.

So würde der erste Vers, wollte man ihn derart übersetzen, daß man Substantive

und technische Ausdrücke so beließe, wie sie in einer der tibetanischen oder

Senzar-Versionen lauten, folgendermaßen zu lesen sein: „Tho - ag in Zhi - gyu

schlief sieben Khorlo. Zodmanas zhiba. Alles Nyug Busen. Konch-hog nicht;

Thyan-Kam nicht; Lha—Chohan nicht; Tenbrel Chugnyi nicht; Dharmakâya

aufgehört; Tgenchang nicht geworden; Barnang und Ssa in Ngovonyidj; allein Tho-og

Yinsin in Nacht von Sun-chan und Yong-Grub (Paranishpanna) etc. etc.” Das

würde lauten wie reines Abracadabra.

Da dieses Buch zur Unterweisung der Schüler des Occultismus und nicht für die

Zwecke der Philologen geschrieben ist, so können wir wohl solche fremde

Ausdrücke vermeiden, wo immer es möglich ist. Nur die unübersetzbaren

Ausdrücke, deren Bedeutung ohne Erklärung unverständlich bliebe, wurden

belassen, doch sind sie alle in ihrer Sanskritform wiedergegeben. Unnötig ist es,

den Leser zu erinnern, daß diese in fast allen Fällen späte Produkte der späteren

Sprache sind, und der fünften Wurzelrasse angehören. Sanskrit, wie es jetzt

bekannt ist, wurde von den Atlantiern nicht gesprochen, und die meisten

_8 (3 of 4)31.Vorwort

philosophischen Ausdrücke, wie sie in den Systemen des Indiens der

nachmahâbhâratischen Periode im Gebrauche sind, finden sich nicht in den

Veden, noch begegnet man ihnen in den Originalstrophen, sondern nur ihren

Äquivalenten. Der Leser, der kein Theosoph ist, ist nochmals eingeladen, alles

folgende, wenn er will, als ein Märchen zu betrachten; im besten Fall als eine der

noch unerwiesenen Spekulationen von Träumern; und, im schlechtesten, als eine

Hypothese, neu hinzugekommen zu den vielen wissenschaftlichen Hypothesen

der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, von denen die einen schon verworfen

sind, während andere noch sich hinziehen. Sie ist in keiner Beziehung schlechter

als so manche der sogenannten wissenschaftlichen Theorieen, und sie ist auf

jeden Fall mehr philosophisch und wahrscheinlich.

Angesichts der erforderlichen reichlichen Kommentare und Erklärungen sind die

Verweisungen auf Fußnoten auf die gewöhnliche Art gegeben. während die zu

kommentierenden Sätze mit Buchstaben bezeichnet sind. Ergänzendes Material

wird sich in den Kapiteln über Symbolik finden, welche oft mehr Belehrung

enthalten als die Kommentar.

_8 31.Erster Teil

ERSTER TEIL.

KOSMISCHE EVOLUTION.

SIEBEN STROPHEN AUS DEM “BUCHE DES DZYAN”,

MIT KOMMENTAREN.

_5a31.Kommentar I, II

KOMMENTARE

ZU DEN SIEBEN STROPHEN UND IHREN AUSDRÜCKEN, NACH IHRER

ZAHLENBEZEICHNUNG NACH STROPHEN UND SHLOKAS.

STROPHE I.

1. DIE EWIGE MUTTER,1 GEHÜLLT IN IHRE IMMER UNSICHTBAREN

GEWANDE, HATTE WIEDER EINMAL WÄHREND SIEBEN EWIGKEITEN

GESCHLUMMERT.

Die “Mutter”, der Raum, ist die ewige, allgegenwärtige Ursache von allem - die

unbegreifliche GOTTHEIT, deren “unsichtbare Gewande” die mystische Wurzel

aller Materie und des Weltalls sind. Raum ist das eine ewige Ding, dessen

Vorstellung uns am leichtesten gelingt, unbeweglich in seiner Abstraktion und

durch die An- oder Abwesenheit eines in ihm enthaltenen objektiven Universums

unbeeinflußt. Er ist ohne Dimension in jedem Sinne, und selbstexistierend. Geist

ist die erste Differenzierung von “TAT”, der ursachenlosen Ursache von Geist und

Materie. Er ist, nach der Lehre des esoterischen Katechismus, weder

“unbegrenzte Leere”, noch “bedingte Fülle”, sondern beides. Er war und wird

immer sein.

So stehen die “Gewänder” für undifferenzierte kosmische Materie als Ding an

sich. Es ist nicht Stoff, wie wir ihn kennen, sondern die geistige Wesenheit der

Materie, und ist gleich-ewig und sogar eins mit dem Raume in seiner abstrakten

Bedeutung. Wurzel-Natur ist auch die Quelle der subtilen unsichtbaren

Eigenschaften in der sichtbaren Materie. Sie ist sozusagen die Seele des Einen

unendlichen Geistes.

Die Inder nennen sie Mûlaprakriti, und sagen, sie sei die uranfängliche Substanz,

welche die Basis des Upâdhi oder Vehikels eines jeden Phänomens sei, sei es

physisch, psychisch oder geistig. Sie ist die Quelle, aus welcher Âkâsha ausstrahlt.

Mit den sieben “Ewigkeiten” sind Äonen oder Perioden gemeint. Das Wort

Ewigkeit, wie es in der christlichen Theologie verstanden wird, ist für ein

asiatisches Ohr sinnlos, außer, wenn es auf die Eine Existenz angewendet wird;

noch ist der Ausdruck Unvergänglichkeit, die Ewigkeit bloß in der Zukunft, irgend

etwas Besseres als eine Mißbenennung .2

Solche Worte existieren in keiner philosophischen Metaphysik und kennen es

auch nicht, und sie waren unbekannt bis zur Ankunft des kirchlichen

Christenthums. Die sieben Ewigkeiten bedeuten die sieben Perioden - oder eine

Periode, die in ihrer Dauer den sieben Perioden eines Manvantara entspricht, und

_7 (1 of 2)31.Kommentar I, II

erstrecken sich über einen Mahâkalpa oder “großes Zeitalter” (100 Jahre des

Brahmâ), in Summe 311040000000000 Jahre. Jedes Jahr des Brahmâ besteht

nämlich aus 360 Tagen und aus einer gleichen Anzahl von Nächten des Brahmâ,

(nach dem Chandrâyana oder Mondjahr gerechnet); und ein Tag des Brahmâ

besteht aus 4320000000 von Jahren der Sterblichen. Diese Ewigkeiten gehören

zu den allergeheimsten Berechnungen, in welchen, um das richtige Resultat zu

erhalten, jede Zahl von der Form 7x sein muß; x variiert nach der Natur des

Cyklus in der subjektiven oder realen Welt; und jede Zahl, die Bezug auf alle die

verschiedenen Cyklen vom größten bis zum kleinsten - in der objektiven oder

unrealen Welt - hat oder solche repräsentiert, muß notwendigerweise ein

Vielfaches von Sieben sein. Der Schlüssel hierzu kann nicht gegeben werden,

denn darin liegt das Geheimnis der esoterischen Berechnungen, und für Zwecke

gewöhnlicher Rechnungen ist er ohne Sinn. “Die Zahl Sieben,” sagt die Kabalah,

“ist die große Zahl der göttlichen Geheimnisse;” die Zahl Zehn ist die aller

menschlichen Erkenntnis (die pythagoräische Dekade); 1000 ist die Zahl 10 zur

dritten Potenz, und daher ist die Zahl 7000 ebenfalls symbolisch. In der

Geheimlehre ist die Zahl 4 das Symbol des Männlichen bloß auf der höchsten

Ebene der Abstraktion; auf der Ebene des Stoffes ist 3 das Männliche und 4 das

Weibliche; die Vertikale und Horizontale im vierten Stadium der Symbolik, als

diese Symbole die Hieroglyphen der zeugenden Kräfte auf der physischen Ebene

wurden.

1) Raum.

2) lm zweiten Buch, Kap. VIII, des Vishnupurâna heißt es: “Unter Unsterblichkeit

ist Existenz bis ans Ende des Kalpa zu verstehen;” und Wilson, der Übersetzer,

bemerkt in einer Anmerkung: “Dies ist, nach den Veden, alles, was man unter

Unsterblichkeit (oder Ewigkeit) der Götter zu denken hat; sie vergehen am Ende

der allgemeinen Auflösung (oder des Pralaya).” Und die esoterische Philosophie

sagt: “Sie vergehen nicht, sondern werden wieder absorbiert.”

_7 (2 of 2)31.Kommentar I, II

STROPHE I. - Fortsetzung.

2. ES GAB KEINE ZEIT, DENN SIE LAG SCHLAFEND IN DEM UNENDLICHEN

SCHOSSE DER DAUER.

“Zeit” ist bloß eine durch die Aufeinanderfolge unserer Bewußtseinszustände

während unserer Reise durch die ewige Dauer erzeugte Illusion, und dort, wo kein

Bewußtsein existiert, indem die Illusion hervorgebracht werden kann, existiert sie

nicht, sondern “liegt schlafend”. Die Gegenwart ist bloß eine mathematische Linie.

Welche jenen Teil der ewigen Dauer, welchen wir die Zukunft nennen von dem

Teil, den wir die Vergangenheit nennen, trennt. Nichts auf Erden hat wahre Dauer,

denn nichts bleibt ohne Veränderung oder sich gleich, auch nicht den billionsten

Teil einer Sekunde; und die Empfindung, die wir von der Thatsächlichkeit jener

Teilung der Zeit, die wir als Gegenwart kennen, haben, kommt von der

Verwischung dieses flüchtigen Aufblitzens, oder der Reihe von Blitzen, von

Dingen, die uns unsere Sinne mitteilen, wie diese Dinge aus dem Bereiche der

Ideale, den wir die Zukunft nennen, in den Bereich der Erinnerungen, den wir die

Vergangenheit nennen, übergehen. Auf dieselbe Art empfangen wir ein Gefühl der

Dauer im Falle des nur einen Moment wahrenden elektrischen Funkens infolge

des verwischten und nachwirkenden Eindrucks auf die Netzhaut. Die Person oder

das Ding in seiner Wirklichkeit besteht nicht allein aus dem, was in einem

einzelnen Augenblick zu sehen ist, sondern ist aus der Summe aller seiner

verschiedenen und wechselnden Zustände, von seiner Erscheinung in einer

materiellen Form an bis zu seinem Verschwinden von der Erde,

zusammengesetzt. Diese “Gesamtsumme” ist es, die seit Ewigkeit in der Zukunft

existiert und nach und nach durch die Materie wandert, um für die Ewigkeit in der

Vergangenheit zu existieren. Niemand würde sagen, daß ein Metallbarren, der ins

Meer fällt, ins Dasein trat, als er die Luft verließ, und zu existieren aufhörte, als er

in das Wasser eintrat, und daß der Barren selbst nur aus jenem Querschnitt

desselben bestand, welcher jeweils mit der mathematischen Fläche, welche die

Atmosphäre und den Ocean gleichzeitig trennt und verbindet, zusammenfiel. Das

Gleiche gilt von Personen und Dingen, die, indem sie aus dem, was sein wird, in

das, was gewesen ist, versinken, aus der Zukunft in die Vergangenheit, - unsern

Sinnen momentan gewissermaßen einen Querschnitt ihres ganzen Selbsts

zeigen, während sie auf ihrem Wege von einer Ewigkeit zu einer andern durch

Zeit und Raum (als Materie) hindurchgehen: und diese zwei Ewigkeiten bilden die

Dauer, in der allein etwas wahre Existenz hat, wenn nur unsere Sinne fähig

wären, sie hier zu erkennen.

_9 (1 of 2)32.Kommentar I, II

STROPHE I. - Fortsetzung.

3. DAS UNIVERSALGEMÜT WAR NICHT VORHANDEN, DENN ES GAB

KEINE AH-HI,1 ES ZU ENTHALTEN.2

“Gemüt” ist ein Name für die Summe der Bewußtseinszustände, die unter

Gedanken, Willen und Gefühl zusammengefaßt werden. Während des tiefen

Schlafes hört die Ideenbildung auf der physischen Ebene auf, und das Gedächtnis

ist unthätig. Es ist somit für diese Zeit das “Gemüt nicht vorhanden”, weil das

Organ, mittelst welchem das Ego Ideenbildung und Gedächtnis auf der materiellen

Ebene offenbart, zeitweilig zu funktionieren aufgehört hat. Ein Ding an sich kann

auf irgend einer Daseinsebene nur dadurch eine Erscheinung werden, indem es

sich auf dieser Ebene mittelst geeigneter Basis oder Vehikels offenbart; und

während der langen Nacht der Ruhe, genannt Pralaya, wenn alle Existenzen

aufgelöst sind, bleibt das “Universalgemüt” als fortdauernde Möglichkeit einer

Gemütsaktion, oder als der abstrakte absolute Gedanke, dessen konkrete relative

Manifestation das Gemüt ist. Die Ah-hi (Dhyân-Chohans) sind die vereinten

Scharen der geistigen Wesen - die Engelscharen des Christentums, die Elohims

und “Botschafter” der Juden - die das Vehikel für die Offenbarung des göttlichen

oder universalen Gedankens und Willens sind. Sie sind die intelligenten Kräfte,

welche der Natur ihre “Gesetze” geben und sie in ihr vollziehen, während sie

selbst nach Gesetzen handeln, die ihnen auf ähnliche Weise von noch höheren

Kräften gegeben sind; aber sie sind nicht die “Personifikationen” der Naturkräfte,

wie irrtümlicherweise geglaubt wird. Diese Hierarchie geistiger Wesen, durch

welche das Universalgemüt in Thätigkeit tritt, ist gleich einer Armee - einer

“Heerschar” fürwahr - mit Hilfe derer die Kampfkraft einer Nation sich manifestiert,

und die aus Armeekorps, Divisionen, Brigaden, Regimentern und so fort

zusammengesetzt ist, jedes einzelne davon mit gesonderter Individualität oder

Leben, mit seiner beschränkten Aktionsfreiheit und beschränkten

Verantwortlichkeit, ,jedes in einer größeren Individualität enthalten, der seine

eigenen Interessen untergeordnet sind, und jedes kleinere Individualitäten in sich

einschließend.

1) Himmlische Wesen.

2) Und es daher offenbar werden zu lassen.

_9 (2 of 2)32.Kommentar I, II

STROPHE I. - Fortsetzung.

4. DIE SIEBEN WEGE ZUR SELIGKEIT1 EXISTIERTEN NICHT (a). DIE

GROSSEN URSACHEN DES LEIDENS2 WAREN NICHT VORHANDEN, DENN

ES WAR NIEMAND DA, SIE HERVORZUBRINGEN ODER IN SIE VERSTRICKT

ZU WERDEN (b).

(a) Es giebt “sieben Pfade” oder “Wege” zur “Wonne” der Nichtexistenz, welche

absolutes Sein, Dasein und Bewußtsein ist. Sie existierten nicht, weil das Weltall

bis dahin leer war und nur im göttlichen Gedanken existierte. (b) Denn da sind .

die zwölf Nidânas oder Ursachen des Seins. Jedes ist die Wirkung seiner

vorangehenden Ursache, und seinerseits eine Ursache seines Nachfolgers; die

Gesamtheit der Nidânas beruht auf den Vier Wahrheiten - eine für das Hînayâna-System

speziell charakteristische Lehre.3 Sie gehören zu der Theorie von dem

Strome des verketteten Gesetzes, welches Verdienst und Schuld bewirkt und

schließlich Karma in vollen Schwung bringt. Dieses System beruht auf der großen

Wahrheit, daß Reinkarnation etwas zu Fürchtendes ist, da eine Existenz in dieser

Welt dem Menschen nur Leiden, Elend und Schmerz aufbürdet, und der Tod

selbst nicht, im stande ist, den Menschen davon zu befreien, da der Tod nichts als

das Thor ist, durch welches er in ein anderes Leben auf Erden eintritt, nach einer

kurzen Rast an der Schwelle davon - in Devachan. Das Hînayâna-System, oder

die Schule des kleinen Fahrzeuges, ist von sehr altem Ursprung; während das

Mahâyâna, oder die Schule des großen Fahrzeuges, einer späteren Periode

angehört, indem es erst nach dem Tode des Buddha entstanden ist. Doch sind die

Lehrsätze des letzteren so alt als die Berge, welche solche Schulen seit

unvordenklichen Zeiten enthalten haben, und die Hînayâna - und Mahâyâna-Schule

lehren beide in Wirklichkeit dieselbe Lehre. Yâna, oder Fahrzeug, ist eine

mystische Ausdrucksweise, indem beide “Fahrzeuge” einprägen, daß der Mensch

den Leiden der Wiedergeburt und selbst der falschen Wonne von Devachan

dadurch entkommen kann, daß er Weisheit und Erkenntnis erlangt, welche allein

die Früchte der Illusion und Unkenntnis verbannen können.

Mâyâ oder Illusion ist ein Element, das in alle endlichen Dinge eintritt, denn alles,

was existiert, hat nur eine relative, keine absolute Realität, da die Erscheinung, die

das verborgene Ding an sich für irgend einen Beobachter annimmt, von dessen

Erkenntniskraft abhängt. Für das ungeübte Auge eines Wilden ist ein Gemälde

vorerst ein sinnloser Wirrwarr von Farbenstrichen und Klecksen, während das

gebildete Auge sofort ein Gesicht oder eine Landschaft sieht. Nichts ist dauernd

außer der einen verborgenen absoluten Existenz, welche in sich die Dinge an sich

von allen Realitäten enthält. Die Existenzen einer jeden Daseinsebene, bis hinauf

_1 32.Kommentar I, II

zu den höchsten Dhyân-Chohans, sind gewissermaßen Schatten, wie sie eine

magische Laterne auf einen farblosen Schirm wirft; nichts destoweniger sind alle

Dinge relativ real, denn der Erkennende ist selbst eine Reflexinn, und die

erkannten Dinge sind daher für ihn ebenso wirklich als er selbst. Was immer für

eine Wirklichkeit die Dinge besitzen, muß an ihnen untersucht werden, bevor oder

nachdem sie blitzartig durch die materielle Welt gegangen sind. Eine solche

Existenz können wir aber nicht direkt erkennen, so lange wir nur

Sinnesinstrumente haben, welche bloß materielle Existenz in das Gesichtsfeld

unseres Bewußtseins bringen. Auf welcher Ebene auch unser Bewußtsein thätig

sein möge, so sind wir und die Dinge, die dieser Ebene, angehören, für die

betreffende Zeit unsere einzigen Wirklichkeiten. In gleichem Maße, als wir die

Stufenleiter der Entwicklung emporsteigen, erfahren wir aber, daß wir während der

Zustände, durch welche wir hindurchgegangen sind, Schatten fälschlich für

Wirklichkeiten gehalten haben, und daß der aufwärts gerichtete Fortschritt des

Ego eine Reihe fortschreitender Erwachungen ist, wobei jeder Fortschritt die Idee

mit sich bringt, daß wir nunmehr endlich “Wirklichkeit” erreicht haben; aber erst,

wenn wir das absolute Bewußtsein erreicht und unser eigenes mit demselben

verschmolzen haben werden, werden wir frei sein von den Täuschungen der

Mâyâ.

STROPHE I. - Fortsetzung.

5. DUNKELHEIT ALLEIN ERFÜLLTE DAS UNENDLICHE ALL (a). DENN VATER,

MUTTER UND SOHN WAREN WIEDER EINMAL EINS, UND DER SOHN WAR

NOCH NICHT ERWACHT FÜR DAS NEUE RAD4 UND SEINE WANDERUNG

AUF DEMSELBEN (b).

(a) “Dunkelheit ist Vater-Mutter: Licht ihr Sohn” sagt ein altes Sprüchwort des

Ostens. Licht ist unvorstellbar außer als von einer Quelle kommend, die seine

Ursache ist; und da im Falle des uranfänglichen Lichtes diese Quelle unbekannt

ist, eine solche jedoch von Vernunft und Logik mit Nachdruck verlangt wird, so

nennen wir sie “Dunkelheit”, von einem intellektuellen Gesichtspunkte aus. Das

erborgte oder sekundäre Licht kann, was immer seine Quelle sei, nur von

zeitlichem, mâyâvischem Charakter sein. Dunkelheit ist also die ewige Matrix, in

der die Quellen des Lichtes erscheinen und verschwinden. Auf dieser unserer

Ebene kommt nichts zur Finsternis hinzu, um Licht aus ihr zu machen, oder zum

Licht, um es zur Finsternis zu machen. Beide sind vertauschbar, und

wissenschaftlich ist Licht bloß eine Art Finsternis und umgekehrt. Beide sind

Erscheinungen desselben Dinges an sich, welches für ein wissenschaftliches

_1 (2 of 4)32.Kommentar I, II

Gemüt absolute Dunkelheit, für die Wahrnehmung eines Durchschnittsmystikers

bloß graues Zwielicht, für das geistige Auge des Initiierten aber absolutes Licht ist.

Wie weit wir dieses Licht, das in der Dunkelheit scheint, wahrnehmen, hängt von

unseren Kräften des Schauens ab. Was für uns Licht ist, ist Finsternis für gewisse

Insekten, und das Auge des Hellsehers sieht Beleuchtung, wo das normale Auge

nur Schwärze wahrnimmt. Als das ganze Weltall in Schlaf versunken, in sein eines

Urelement zurückgekehrt war, da war weder ein Lichtcentrum, noch ein Auge, das

Licht wahrzunehmen, und Dunkelheit erfüllte notwendigerweise das unendliche All.

(b) “Vater” und “Mutter” sind das männliche und weibliche Prinzip in der

Wurzelnatur; die entgegengesetzten Pole, die sich in allen Dingen auf jeder Ebene

des Kosmos manifestieren; oder Geist und Substanz in einem weniger

allegorischen Aspekt, deren Resultierende das Weltall, oder der “Sohn”, ist. Sie

waren “wieder einmal Eins”, als in der Nacht des Brahmâ, während Pralaya, alles

im objektiven Universum zu seiner einen, ursprünglichen und ewigen Ursache

zurückgekehrt war, um in der darauf folgenden Dämmerung wieder zu erscheinen

·        wie es periodisch geschieht. Kârana - die ewige Ursache - war alleinig. Um es

klarer auszudrücken: Kârana ist alleinig während der Nächte des Brahmâ. Das

frühere objektive Universum hat sich in seine eine, ursprüngliche und ewige

Ursache aufgelöst, und ist so zu sagen im Raum gelöst enthalten, um sich wieder

zu differenzieren und von neuem herauszukrystallisieren und der folgenden

manvantarischen Dämmerung, welche der Beginn eines neuen Tages oder einer

neuen Thätigkeit von Brahmâ ist - dem Symbol eines Universums. In esoterischer

Redeweise ist Brahmâ Vater-Mutter-Sohn, oder Geist, Seele und Körper zugleich;

jede Person ist dabei symbolisch für ein Attribut, und jedes Attribut oder Qualität

eine stufenweise Ausströmung des göttlichen Atems in seiner cyklischen

Differentiation, involutorisch und evolutorisch. Im kosmophysischen Sinn ist es

Weltall, Planetenkette und Erde; im rein geistigen: die unbekannte Gottheit,

Planetengeist und Mensch - der Sohn der beiden, die Kreatur von Geist und Stoff,

und eine Manifestation derselben in seinen periodischen Erscheinungen auf der

Erde während der “Räder” oder der Manvantaras.

1) Nirväna, Nippang im Chinesischen; Neibban im Birmesischen; Moksha in

Indien.

2) Nidâna und Mâyâ. Die “zwölf” Nidânas (im Tibetanischen Ten-brel Chug-nyi)

sind die Hauptursachen des Daseins - Wirkungen, die durch eine Verkettung

erzeugter Ursachen herbeigeführt sind.

3) Siehe Wassilief: “Der Buddhismus”, p.97-128.

_1 (3 of 4)32.Kommentar I, II

4) Der Ausdruck “Rad” symbolisiert eine Welt oder Weltkugel, und zeigt somit,

daß die Alten wußten, daß unsere Erde eine sich drehende Kugel und nicht ein

bewegungslosen Viereck ist, wie einige christliche Väter lehrten. Das “große Rad”

ist die Gesamtdauer unseres Daseinscyklus, oder Mahâkalpa, d. i. der ganze

Kreislauf unserer speziellen Kette von sieben Globen oder Sphären vom Anfang

bis zum Ende; die “kleinen Räder” bedeuten die Runden, deren es ebenfalls

sieben giebt.

_1 32.Kommentar I, II

STROPHE I. - Fortsetzung.

6. DIE SIEBEN ERHABENEN BEHERRSCHER UND DIE SIEBEN WAHRHEITEN

HATTEN AUFGEHÖRT ZU SEIN (a), UND DAS WELTALL, DER SOHN DER

NOTWENDIGKEIT, WAR IN PARANISHPANNA1 (b) UNTERGETAUCHT, UM

WIEDER AUSGEATMET ZU WERDEN VON DEM, DAS IST UND DENNOCH

NICHT IST. NICHTS WAR ©.

(a) Die “sieben erhabenen Beherrscher” sind die sieben schöpferischen Geister,

die Dhyân-Chohans, die den hebräischen Elohim entsprechen. Es ist dieselbe

Hierarchie von Erzengeln, zu der St. Michael, St. Gabriel und andere, in der

christlichen Theogonie gehören. Nur wachen, während St. Michael zum Beispiel in

der dogmatischen lateinischen Theologie bloß die Vorgebirge und Golfe

bewachen darf, in dem esoterischen System die Dhyânis der Reihe nach über

eine von den Runden und den großen Wurzelrassen unserer Planetenkette. Es

heißt ferner, daß sie ihre Bodhisattvas, die menschlichen Vertreter der Dhyâni-Buddhas

während jeder Runde und Rasse, aussenden. Von den “sieben

Wahrheiten” oder Offenbarungen, oder vielmehr geoffenbarten Geheimnissen,

sind uns bloß vier ausgehändigt, da wir noch in der vierten Runde sind, und die

Welt bisher auch nur vier Buddhas gehabt hat. Es ist dies eine sehr komplizierte

Frage, und wird später eine ausführlichere Behandlung erfahren.

Insofern sagen Hindus und Buddhisten: “Es giebt nur vier Wahrheiten und vier

Veden.” Aus einem ähnlichen Grunde bestand Irenäus auf der Notwendigkeit von

vier Evangelien. Aber da jede neue Wurzelrasse am Anfange einer Runde ihre

Offenbarung und ihre Offenbarer erhalten muß, so wird die nächste Runde die

Fünfte, die folgende die Sechste, und so fort, bringen.

(b) “Paranishpanna” ist die absolute Vollendung, welche alle Existenzen am

Schlusse einer großen Periode der Aktivität, oder eines Mahâmanvantara,

erreichen, und in welcher sie in der nachfolgenden Ruheperiode ruhen. Im

Tibetanischen heißt es “Yong-Grub”. Bis zu den Tagen der Yogâchâryaschule

wurde die wahre Natur von Paranirvâna öffentlich gelehrt, aber seither wurde es

gänzlich esoterisch; daher so viele widersprechende Erklärungen desselben. Nur

ein wahrer Idealist kann es verstehen. Alles, mit Ausnahme des Paranirvâna, muß

als eingebildet betrachtet werden von demjenigen, welcher diesen Zustand

erfassen und die Erkenntnis erlangen will, wieso Nicht-Ego, Leere und Dunkelheit

Drei in Einem und allein selbstexistent und vollendet sind. Es ist jedoch nur in

einem relativen Sinn absolut, da es einer noch mehr absoluten Vollendung Platz

machen muß, entsprechend einem noch höheren Maßstab der Vortrefflichkeit in

 (1 of 3)33.Kommentar I, II

der folgenden Periode der Thätigkeit - gerade so wie eine vollendete Blume eine

vollendete Blume zu sein aufhören und sterben muß, um zu einer vollendeten

Frucht heranzuwachsen, wenn anders eine solche. Ausdrucksweise gestattet ist.

Die Geheimlehre lehrt die fortschreitende Entwicklung von allem, von Welten

sowohl als von Atomen; und es läßt sich weder ein Beginn noch ein Ende dieser

erstaunlichen Entwicklung vorstellen.

Unser “Universum” ist nur eines aus einer unendlichen Zahl von Universen, alle

diese sind “Söhne der Notwendigkeit” als Glieder in der großen kosmischen Kette

von Universen, indem jedes von ihnen zu seinem Vorgänger in der Beziehung

eines Bewirkten, und zu seinem Nachfolger in der eines Verursachenden steht.

Das Erscheinen und Verschwinden des Weltalls wird geschildert als ein Aus- und

Einatmen des “großen Atems‘, welcher ewig, und - als Bewegung - einer von den

drei Aspekten des Absoluten ist; die beiden anderen sind abstrakter Raum und

Dauer.

Wenn der große Atem ausgestoßen wird, heißt er der göttliche Atem, und wird als

das Atmen der unerkennbaren Gottheit - der Einen Existenz - betrachtet, welche

gewissermaßen einen Gedanken ausatmet, welcher zum Kosmos wird.

Desgleichen verschwindet, wenn der göttliche Atem eingezogen wird, das Weltall

wieder in den Schoß der “großen Mutter”, die dann schläft, “gehüllt in ihre immer

unsichtbaren Gewande”.

© Unter “dem, das ist und dennoch nicht ist”, ist der große Atem selbst

verstanden, von dem wir bloß als von absoluter Existenz sprechen, den wir aber

nicht als irgend eine Existenzform, die wir von Nichtexistenz unterscheiden

könnten, in unserer Einbildung ausmalen können. Die drei Perioden: Gegenwart,

Vergangenheit und Zukunft sind in der esoterischen Philosophie eine

zusammengesetzte Zeit; denn die drei sind nur in Beziehung zur Ebene der

Erscheinungen eine zusammengesetzte Zahl, aber in dem Bereiche der Dinge an

sich haben sie keine für sich bestehende Gültigkeit. So heißt es in den Schriften:

“Die vergangene Zeit ist die gegenwärtige Zeit, so auch die Zukunft, welche,

obwohl sie noch nicht ins Dasein getreten ist, doch ist”; entsprechend einer Lehre

in der Prasanga Madhyamika Schule, deren Dogmen immer bekannt waren, seit

sie sich von den rein esoterischen Schulen ablöste.2 Kurz gesagt, unsere Ideen

von Dauer und Zeit sind alle aus unseren Empfindungen gemäß dem Gesetze der

Association abgeleitet. Obwohl unauflöslich verknüpft mit der Relativität des

menschlichen Erkennens, können sie nichtsdestoweniger keine Existenz haben

 (2 of 3)33.Kommentar I, II

außer in der Erfahrung des individuellen Ego, und sie vergehen, wenn sein

Entwicklungsgang die Mâyâ der phänomenalen Existenz vertreibt. Was ist Zeit z.

B. anderes, als die panoramaartige Aufeinanderfolge unserer

Bewußtseinszustände? Mit den Worten eines Meisters: “Ich fühle mich

unbehaglich, diese drei ungeschickten Worte - Vergangenheit, Gegenwart und

Zukunft gebrauchen zu müssen; armselige Begriffe von den objektiven Phasen

des subjektiven Ganzen, sind sie ungefähr ebenso unzweckmäßig wie eine Axt zu

einer feinen Schnitzerei.” Man muß Pâramârtha erlangen, um nicht nur zu leicht

eine Beute von Samvriti zu werden - ist ein philosophisches Axiom.3

1) Absolute Vollendung, Paranirvâna, welches Yong-Grub ist.

2) Siehe das dsungarische “Mani Kumbum”, das “Buch der 10000 Lehren”.

Desgleichen Wassilief “der Buddhismus” p. 327 u. 357, etc.

3) Mit klareren Worten: Man muß wahre Selbsterkenntnis erlangen, um Samvriti,

oder den “Ursprung der Täuschung” zu verstellen. Paramârtha ist das Synonym

des Ausdruckes Svasamvedanâ, oder “die Reflexion, die sich selbst analysiert”.

Es ist ein Unterschied in der Interpretation der Bedeutung von Paramârtha

zwischen den Yogâchâryas und den Madhyamikas, von denen jedoch keins den

wirklichen und wahren esoterischen Sinn dieses Ausdruckes erklärt.

 (3 of 3)33.Kommentar I, II

STROPHE I. - Fortsetzung.

7. DIE URSACHEN DES DASEINS WAREN BESEITIGT (a); DAS SICHTBARE,

WELCHES WAR, UND DAS UNSICHTBARE, WELCHES IST, RUHTEN IM

EWIGEN NICHTSEIN - DEM EINEN SEIN (b).

(a) “Die Ursachen des Daseins” bedeuten nicht bloß die der Wissenschaft

bekannten physischen Ursachen, sondern die metaphysischen Ursachen, deren

hauptsächlichste das Verlangen nach Existenz ist, welches aus Nidâna und Mâyâ

entspringt. Dieses Verlangen nach fühlendem Leben zeigt sich in jedem Ding,

vom Atom bis zur Sonne, und ist eine in objektive Existenz, in ein Gesetz, daß das

Weltall existieren solle, getriebene Reflexion des göttlichen Gedankens. Nach der

esoterischen Lehre bleibt die wirkliche Ursache dieses vermuteten Verlangens,

und aller Existenz, für immer verborgen und ihre ersten Offenbarungen sind die

reinsten Abstraktionen, die das Gemüt vorstellen kann. Diese Abstraktionen

müssen mit Notwendigkeit als die Ursache des materiellen Universums, das sich

den Sinnen und dem Intellekt darbietet, postuliert werden; und müssen den

sekundären und untergeordneten Kräften der Natur zu Grunde liegen, welche

anthropomorphisiert als “Gott” und “Götter” von der großen Herde eines jeden

Zeitalters verehrt worden sind. Es ist unmöglich, sich etwas ohne Ursache

vorzustellen; der Versuch, es zu thun, bringt das Gemüt außer Fassung. Dies ist

thatsächlich der Zustand, in den das Gemüt schließlich kommen muß, wenn wir es

versuchen, die Kette der Ursachen und Wirkungen zurückzuverfolgen, aber

Wissenschaft wie Religion springen in diesen Zustand der Leere viel rascher als

notwendig; denn sie ignorieren die metaphysischen Abstraktionen, welche die

einzigen begreifbaren Ursachen der physischen Konkrete sind. Diese

Abstraktionen werden immer konkreter, je mehr sie sich unserer Daseinsebene

nähern, bis sie endlich in der Form des materiellen Weltalls in die Erscheinung

treten, durch einen Vorgang der Verwandlung des Metaphysischen ins Physische,

analog dem, durch welchen Dampf zu Wasser verdichtet, und das Wasser zu Eis

gefroren werden kann.

(b) Die Idee eines “ewigen Nichtseins”, welches das “Eine Sein” ist, wird jedem

paradox erscheinen, der sich nicht daran erinnert, daß wir unsere Vorstellungen

vom Sein auf unser gegenwärtiges Existenzbewußtsein beschränken; daß wir es

zu einem specifischen, statt zu einem allgemeinen Ausdruck machen.

Ein ungeborenes Kind würde, wenn es in unserem Sinne denken könnte,

notwendigerweise seinen Seinsbegriff auf ähnliche Weise auf das intra-uterine

Leben, das es allein kennt, beschränken; und sollte es den Versuch machen,

_5 (1 of 2)33.Kommentar I, II

seinem Bewußtsein die Idee des Lebens nach der Geburt (seinem Tode)

auszudrücken, so würde es, mangels von Daten, auf die es sich stützen könnte,

und von Fähigkeiten, solche Daten zu verstehen, wahrscheinlich dieses Leben als

“Nichtsein, welches das wirkliche Sein ist” bezeichnen. In unserem Fall ist das

Eine Sein das Ding an sich aller Dinge an sich, die, wie wir wissen, den

Phänomenen zu Grunde liegen und ihnen jeden Schatten von Realität, den sie

besitzen, geben müssen, zu deren Erkenntnis wir aber gegenwärtig weder Sinne

noch Intellekt haben. Die unfühlbaren Goldatome, die in der Masse einer Tonne

goldführenden Quarzes verteilt sind, mögen, für das bloße Auge des Bergmannes

unwahrnehmbar sein, und doch weiß ‘er nicht bloß, daß sie vorhanden sind,

sondern auch, daß sie allein seinem Quarz irgend einen bestimmbaren Wert

geben; und dieses Verhältnis von Gold und Quarz mag eine schwache Andeutung

dessen von Ding an sich und Erscheinung geben.

Aber der Bergmann weiß, wie das Gold aussehen wird, wenn es aus dem Quarz

geschieden ist, während der gewöhnliche Sterbliche sich keinen Begriff von der

Wirklichkeit der Dinge machen kann, so wie sie von Mâyâ getrennt sind, die sie

verhüllt, und in der sie verborgen sind. Allein der Initiierte, reich an der Lehre, die

zahllose Generationen seiner Vorgänger erworben haben, richtet das “Auge des

Dangma” auf die Wesenheit der Dinge, auf die keine Mâyâ irgendwelchen Einfluß

haben kann. Hier sind die Lehren der esoterischen Philosophie über die Nidânas

und die vier Wahrheiten von der höchsten Wichtigkeit; aber sie sind geheim.

_5 (2 of 2)33.Kommentar I, II

STROPHE I. - Fortsetzung.

8. ALLEIN, ERSTRECKTE SICH DIE EINE FORM DES SEINS (a)

UNBEGRENZT, UNENDLICH, UNVERURSACHT, IN TRAUMLOSEM SCHLAFE

(b); UND DAS LEBEN PULSIERTE UNBEWUSST IM WELTENRAUME, DURCH

JENE ALLGEGENWART, WELCHE NUR DEM GEÖFFNETEN AUGE DES

DANGMA1 WAHRNEHMBAR IST.

(a) Die moderne Denkweise ist geneigt, zu der uralten Idee einer einheitlichen

Grundlage für scheinbar weit auseinanderliegende Dinge zurückzukehren - zur

Entwicklung der Heterogenität aus Homogenität. Die Biologen sind jetzt auf der

Suche nach ihrem homogenen Protoplasma und die Chemiker nach ihrem Urstoff,

während die physikalische Wissenschaft die Kraft sucht, deren verschiedene

Äußerungen Elektrizität, Magnetismus, Wärme u. s. w. sind. Die Geheimlehre

überträgt diesen Gedanken auf das Gebiet der Metaphysik und fordert die “Eine

Daseinsform” als Grundlage und Quelle aller Dinge. Doch ist vielleicht der

Ausdruck: die “Eine Daseinsform” nicht ganz richtig. Das Sanskritwort ist

Prabhavâpyaya, “der Ort (oder vielmehr die Ebene), woraus die Hervorbringung

und wohin die Auflösung aller Dinge erfolgt,” wie ein Kommentator erklärt. Er ist

nicht die “Mutter der Welt” nach Wilsons Übersetzung;2 denn Jagad Yoni ist, wie

Fitzedward Hall zeigt, kaum so sehr die “Mutter der Welt” oder der “Schoß der

Welt”, als die “materielle Ursache der Welt.” Die Purâna-Kommentatoren erklären

es als Kârana - “Ursache” - die esoterische Philosophie aber als den ideellen

Geist dieser Ursache. Es ist, in seinem sekundären Zustand das Svabhâvat des

buddhistischen Philosophen, die ewige Ursache und Wirkung, allgegenwärtig,

doch abstrakt, die selbstexistierende plastische Essenz und die Wurzel aller

Dinge, in demselben doppelten Lichte gesehen, wie der Vedântist sein

Parabrahman und Mûlaprakriti, das eine unter zwei Aspekten, betrachtet. Es

erscheint in der That merkwürdig, große Gelehrte über die Möglichkeit dessen

spekulieren zu sehen, daß der Vedânta, und insbesondere die Uttaramîmânsâ,

“durch die Lehren der Buddhisten hervorgerufen” seien; während im Gegenteil der

Buddhismus, die Lehre von Gautama Buddha, “hervorgerufen” und auf den

Sätzen der Geheimlehre gänzlich aufgebaut ist, von der hier eine teilweise Skizze

versucht ist, und auf der desgleichen die Upanishads beruhen.3 Nach den Lehren

des Shrî Shankarâchârya ist unsere Behauptung unbestreitbar.4

(b) “Traumloser Schlaf” ist einer von den sieben Bewußtseinszuständen, welche in

der orientalischen Esoterik bekannt sind. In jedem dieser Zustände tritt ein

anderer Teil des Gemütes in Thätigkeit; oder, wie ein Vedântist sich ausdrücken

_7 (1 of 3)34.Kommentar I, II

würde, ist das Individuum auf einer anderen Ebene seines Seins bewußt. Der

Ausdruck “traumloser Schlaf“ ist in diesem Fall allegorisch auf das Weltall

angewendet, um einen Zustand auszudrücken, der diesem Bewußtseinszustand

im Menschen einigermaßen analog ist, der deshalb leer erscheint, weil man sich

im wachenden Zustand nicht daran erinnert, gerade so wie der Schlaf des

mesmerisierten Subjektes demselben als eine bewußtlose Leere erscheint, wenn

es in seinen normalen Zustand zurückgekehrt, während es doch wie ein bewußtes

Individuum gesprochen und gehandelt hat.

1) In Indien heißt es das “Auge des Shiva”, aber jenseits der großen Bergkette ist

es in esoterischer Ausdrucksweise als “Dangmas geöffnetes Auge” bekannt.

Dangma bedeutet eine geläuterte Seele, eine, die ein Jivanmukta, der höchste

Adept, oder vielmehr ein sogenannter Mahâtmâ geworden ist. Sein “geöffnetes

Auge” ist das innere geistige Auge des Sehers, und die Fähigkeit, welche sich

mittelst derselben offenbart, ist nicht das, was man gewöhnlich unter Hellsehen

versteht, nämlich die Kraft, in die Ferne zu sehen, sondern vielmehr die Fähigkeit

der geistigen Intuition, durch welche unmittelbare und sichere Erkenntnis erhalten

werden kann. Diese Fähigkeit steht in innigem Zusammenhange mit dem “dritten

Auge”, welches die mythologische Überlieferung gewissen Menschenrassen

zuschreibt.

2) Vishnu Purâna, I. 21.

3) Und doch hat jemand, der Autorität beansprucht, nämlich Sir Monier Williams,

Boden Professor des Sanskrit zu Oxford, gerade diese Thatsache geleugnet. In

seiner Jahresansprache vom 9. Juni 1888 vor dem Victoria Institute of Great

Britain belehrte er seine Zuhörerschaft wie folgt: “Ursprünglich wendete sich der

Buddhismus gegen alle einsame Askese , zur Erlangung der erhabenen Höhen

der Erkenntnis. Er hatte kein occultes, kein esoterisches Lehrsystem das den

gewöhnlichen Menschen vorenthalten worden wäre.’ (! !) Und wiederum ! ,Als

Gautama Buddha seine Laufbahn begann, scheint die spätere und niedere Form

des Yoga wenig bekannt gewesen zu sein.” Gleich darauf aber teilt der gelehrte

Vortragende, sich selbst widersprechend, seinem Auditorium mit: “Wir erfahren

aus dem Lalita-Vistara, daß verschiedene Formen körperlicher Peinigung,

Selbstkasteiung und Abtötung in Gautamas Zeit gewöhnlich waren.” (!!) Dem

Vortragenden scheint es gänzlich unbekannt zu sein, daß diese Art von Peinigung

und Selbstkasteiung gerade die niedere Form des Yoga ist, der Hatha Yoga,

welcher in Gautamas Zeit “wenig bekannt” und doch so “gewöhnlich” war. zurück

zum Text

_7 (2 of 3)34.Kommentar I, II

4) Es wird sogar behauptet, daß alle sechs Darshanas (philosophische Schulen)

Spuren von Buddhas Einfluß zeigen, die entweder dem Buddhismus entnommen

oder griechischer Lehre zuzuschreiben seien! (Siehe Weber, Max Müller, etc.) Wir

befinden uns unter dem Eindrucke, daß Colebrooke, “die höchste Autorität” in

solchen Dingen, schon seit langer Zeit die Streitfrage durch den Beweis beigelegt

hat, daß “die Indier in diesem Falle die Lehrer, nicht die Schüler, waren.” zurück

zum Text

_7 (3 of 3)34.Kommentar I, II

STROPHE I. - Schluß.

9. ABER WO WAR DANGMA, ALS DER ÂLAYA DES WELTALLS1 IN

PARAMÂRTHA (a)2 WAR, UND DAS GROSSE RAD ANUPÂDAKA (b) WAR?

(a) Hier haben wir den Gegenstand jahrhundertelanger scholastischer

Disputationen vor uns. Die zwei Worte “Âlaya” und “Paramârtha” verursachten

eine Trennung der Schulen und Zersplitterung der Wahrheit in mehr verschiedene

Aspekte, als irgend ein anderer mystischer Ausdruck. Âlaya ist die Seele der Welt

oder Anima mundi, die Oberseele Emersons, welche nach der Geheimlehre

periodisch ihre Natur ändert. Âlaya, obwohl ewig und wandellos in seinem inneren

Wesen auf den Ebenen, die sowohl Menschen als kosmischen Göttern (Dhyâni—

Buddhas) unerreichbar sind, ändert sich während der thätigen Lebensperiode mit

Bezug auf die niederen Ebenen, unsere mit eingeschlossen. Während dieser Zeit

sind nicht bloß die Dhyâni-Buddhas mit Âlaya eins in Seele und Wesen, sondern

selbst der im Yoga (mystischer Meditation) starke Mensch “ist fähig, seine Seele

darein zu versenken” wie Aryâsanga, von der Yogâchâryaschule, sagt. Es ist dies

nicht Nirvâna, sondern ein demselben zunächst kommender Zustand. Daher die

Meinungsverschiedenheit. Während nämlich die Yogâchâryas (die der

Mahâyanâschule angehören) sagen, daß Âlaya (Nyingpo und Tsang im

Tibetanischen) die Personifikation der Leere sei, und doch Âlaya die Grundlage

jedes sichtbaren und unsichtbaren Dinges ist, und daß er, obwohl seinem Wesen

nach ewig und unveränderlich, sich doch in jedem Gegenstand des Alls

reflektiert ,,wie der Mond in klarem ruhigem Wasser”; bestreiten andere Schulen

diese Behauptung. Dasselbe ist der Fall mit Paramârtha: die Yogâchâryas

erklären den Ausdruck als das, was auch auf anderen Dingen beruht (paratantra);

und die Madhyamikas sagen, daß Paramârtha auf Paranishpanna oder absolute

Vollendung beschränkt sei; das heißt, in der Auseinandersetzung dieser “zwei

Wahrheiten” (von den vieren) glauben und behaupten die ersteren, daß auf dieser

Ebene wenigstens bloß Samvritisatya oder relative Wahrheit existiert; und die

letzteren lehren die Existenz von Paramârthasatya, der “absoluten Wahrheit”.3

“Kein Arhat, o Bettelmöche, kann vollkommene Erkenntnis erreichen, bevor er

eins mit Paranirvâna wird. Parikalpita und Paratantra sind seine zwei großen

Feinde.4 Parikalpita (im Tibetanischen Kun-tag) ist der Irrtum, den jene begehen,

die nicht fähig sind, die Leerheit und illusorische Natur von allem zu erkennen, die

an die Existenz von etwas Nichtexistierendem glauben, - z. B. an das Nicht-Ich.

Und Paratantra ist das, welches, was immer es sei, bloß durch ein Abhängigkeits-

oder Kausalitätsverhältnis besteht, und das verschwinden muß, sobald seine

Entstehungsursache beseitigt wird - z. B. die Flamme eines Dochtes. Zerstöre

_9 (1 of 3)34.Kommentar I, II

oder verlösche ihn, und das Licht verschwindet.

Die esoterische Philosophie lehrt, daß alles Leben und Bewußtsein hat, aber

nicht, daß jedes Leben und Bewußtsein dem der menschlichen oder auch nur

tierischen Wesen ähnlich ist. Wir betrachten das Leben als die Eine Form der

Existenz, die sich in der sogenannten Materie manifestiert; oder, was wir im

Menschen ungenauerweise trennen und Geist, Seele und Stoff nennen. Materie

ist das Vehikel für die Offenbarung der Seele auf dieser Daseinsebene, und die

Seele ist das Vehikel der Offenbarung des Geistes auf einer höhere Ebene, und

diese drei sind eine Dreieinigkeit, die im Leben, das sie alle durchströmt, ihre

Synthese findet. Die Idee des universalen Lebens ist einer jener alten Begriffe, die

in das menschliche Gemüt in diesem Jahrhundert wieder zurückkehren, weil es

sich von anthropomorphischer Theologie frei gemacht hat. Die Wissenschaft

allerdings begnügt sich damit, die Anzeichen eines universalen Lebens zu

verfolgen oder zu postulieren, und war bis jetzt noch nicht kühn genug, auch nur

zu lispeln: “Anima mundi!” Die Idee eines “Lebens im Krystalle”, jetzt in der

Wissenschaft etwas Gewohntes, würde vor einem halben Jahrhundert mit Spott

aufgenommen worden sein. Botaniker suchen jetzt nach den Nerven der Pflanzen;

nicht daß sie etwa annähmen, daß die Pflanzen nach Art der Tiere fühlen und

denken können, sondern weil sie glauben, daß eine gewisse Bauart, die dieselbe

funktionelle Bedeutung für das Pflanzenleben hat, wie es die Nerven für das

tierische Leben haben, zur Erklärung von vegetabilem Wachstum und Ernährung

notwendig ist. Es scheint kaum möglich, daß sich die Wissenschaft irgend länger

durch den bloßen Gebrauch von Worten wie “Kraft” und “Energie” der Thatsache

verschließe, daß Dinge, welche Leben haben, lebende Dinge sind, seien sie nun

Atome oder Planeten.

Aber was glauben die inneren esoterischen Schulen? mag der Leser fragen. Was

lehren die esoterischen “Buddhisten” über diesen Gegenstand? Bei ihnen,

antworten wir, hat “Âlaya” eine doppelte, ja sogar eine dreifache Bedeutung. In

dem Yogâchârya-System der kontemplativen Mahâyânaschule ist Âlaya sowohl

die Universalseele (Anima mundi), als das Selbst eines vorgeschrittenen Adepten.

“Wer stark im Yoga ist, kann nach seinem Willen seinen Âlaya mit Hilfe der

Meditation in die wahre Natur des Daseins eingehen lassen.”

“Der Âlaya hat eine absolute ewige Existenz,” sagt Âryâsanga - der Rivale des

Nâgârjuna.5 In einem Sinne ist er Pradhâna, von welchem es im Vishnu Purâna

heißt: “das, was die unentfaltete Ursache ist, wird von den hervorragendsten

Weisen mit Nachdruck Pradhâna, die Urgrundlage, genannt, welche subtile

_9 (2 of 3)34.Kommentar I, II

Prakriti ist, nämlich jene, die ewig ist, und zugleich ist (oder in sich begreift, was

ist) und (was) nicht ist, oder ein bloßer Prozeß ist.”6 “Die ungetrennte Ursache,

welche einförmig und zugleich Ursache und Wirkung ist, und welche von den mit

den ersten Prinzipien Vertrauten Pradhâna und Prakriti genannt wird, ist das

unerkennbare Brahma, das vor allem war;”7 d. h. Brahma entwickelt nicht selbst

Evolution oder erschafft, sondern zeigt bloß verschiedene Aspekte seiner selbst,

von denen einer Prakriti, ein Aspekt von Pradhâna, ist. “Prakriti” ist jedoch ein

unkorrekter Ausdruck, und Âlaya würde es besser erklären; denn Prakriti ist nicht

das “unerkennbare Brahma”.

1) Seele, als die Grundlage von allem, Anima Mundi.

2) Absolutes Sein und Bewußtsein, welche absolutes Nichtsein und

Nichtbewußtsein sind.

3) “Paramârthasatya” ist Selbstbewußtsein, Svasamvedanâ, oder die

selbstanalysierende Reflexion - gebildet aus parama (über allem) und artha

(Erfassen); satya bedeutet absolutes wahres Sein, oder esse. Paramârthasatya ist

im Tibetanischen Dondampaidenpa. Das Gegenstück dieser absoluten Realität,

oder Aktualität, ist Samvritisatya , die bloß relative Wahrheit - “Samvriti” bedeutet

“falscher Begriff” und ist der Ursprung der Illusion, Mâyâ im Tibetanischen

Kundzabchidenpa “Täuschung-erzeugende Erscheinung”.

4) Aphorismen von den Bodhisattvas.

5) Âryâsanga war ein vorchristlicher Adept und Begründer einer buddhistischen

Geheimschule, obwohl ihn Csoma de Körös, aus irgendwelchen eigenen

Gründen, in das siebente Jahrhundert n. Chr. versetzt. Es war noch ein zweiter

Âryâsanga, der in den ersten Jahrhunderten unserer Ära lebte, und der

ungarische Gelehrte hat die beiden höchst wahrscheinlich verwechselt. zurück

zum Text

6) Vâyu Purâna.

7) Vishnu Purâna, Wilson, I. 20.

_9 (3 of 3)34.Kommentar I, II

Es ist ein Mißverständnis von Seite jener, die nichts von der von der Wiege der

Menschenrassen an bestehenden Universalität der occulten Lehren wissen, und

insbesondere von jenen Gelehrten, die den bloßen Gedanken an eine

“Uroffenbarung” verwerfen: zu lehren, daß die Anima mundi, das Eine Leben oder

die “Universalseele” erst von Anaxagoras oder während seiner Zeit gelehrt wurde.

Dieser Philosoph veröffentlichte die Lehre, einfach um den allzu materialistischen

Vorstellungen über die Weltentstehung, nach Demokrit, die auf der exoterischen

Theorie von den blindlings getriebenen Atomen beruhte, entgegenzutreten.

Anaxagoras von Klazomenae war jedoch nicht der Erfinder dieser Lehre, sondern

nur ihr Verbreiter, ebenso wie Plato. Was er Weltintelligenz nannte, den Nous [im

Buch nachzulesen] das Prinzip, das nach seiner Ansicht gänzlich getrennt und frei

vom Stoff ist und planmäßig handelt, wurde sehr lange vor dem Jahre 500 v. Chr.

in Indien Bewegung, das Eine Leben, oder Jîvâtmâ genannt. Nur legten die

irischen Philosophen dem Prinzipe, das ihnen ein unendliches ist, niemals das

endliche “Attribut des Denkens”1 bei.

Dies führt naturgemäß auf den “höchsten Geist” Hegels und der deutschen

Transcendentalphilosophen - als zu einem Kontraste, welchen zu zeigen nützlich

sein mag. Die Schulen von Schelling und Fichte entfernten sich weit von dem

ursprünglichen archaischen Begriff eines Absoluten Prinzips, und spiegelten nur

einen Aspekt der Grundidee des Vedânta wieder. Selbst der “absolute Geist”, den

von Hartmann in seiner pessimistischen Philosophie des “Unbewußten” ahnen

läßt, bleibt hinter der Wirklichkeit ähnlich weit zurück, wenn er auch vielleicht die

engste Annäherung der europäischen Spekulation an die indischen Advaita-Lehren

darstellt.

Nach Hegel würde das “Unbewußte” niemals die weitläufige und mühevolle Arbeit

der Evolution des Weltalls unternommen haben, außer in der Hoffnung, klares

Selbstbewußtsein zu erlangen. In diesem Zusammenhange muß man es sich vor

Augen halten, daß die europäischen Pantheisten, wenn sie den Geist, den sie als

äquivalent zu Parabrahman gebrauchen, als unbewußt bezeichnen, diesem

Ausdrucke nicht die gewöhnlich übliche Bedeutung beilegen. Er wird in

Ermangelung eines besseren Ausdruckes verwendet, um ein tiefes Geheimnis zu

symbolisieren.

Das “hinter den Erscheinungen stehende absolute Bewußtsein”, das nur wegen

der Abwesenheit jedes persönlichen Elementes als Unbewußtsein bezeichnet ist,

übersteigt, sagen sie uns, das menschliche Begriffsvermögen. Der Mensch,

unfähig Begriffe anders als aus den empirischen Phänomenen entnommenen

Bestandteilen zu bilden, ist eben infolge der Beschaffenheit seines Wesens

machtlos, den Schleier zu heben, der die Majestät des Absoluten verbirgt. Nur der

befreite Geist kann undeutlich die Natur der Quelle sich vergegenwärtigen, aus

_1 (1 of 3)35.Kommentar I, II

der er entsprang und in die er gegebenenfalls zurückkehren muß. Aber da selbst,

der höchste Dhyân-Chohan sich nur in Unwissenheit vor dem schrecklichen

Geheimnis des Absoluten Wesens beugen kann; und da selbst in dem Höhepunkt

der bewußten Existenz - “dem Versenken des Individuums in das universale

Bewußtsein” - um einen Ausdruck Fichtes zu gebrauchen - das Endliche das

Unendliche nicht begreifen kann, noch an dasselbe den Maßstab seiner eigenen

Gemütserfahrungen anlegen kann; wie kann man da sagen, daß das Unbewußte

und das Absolute einen auch nur instinktiven Trieb oder Hoffnung haben kann,

klares Selbstbewußtsein zu erlangen?2

Ein Vedântist übrigens würde niemals dieser Hegelschen Idee beistimmen; und

der Occultist würde dazu sagen, daß sie vollständig zutreffe bezüglich des

erwachten Mahat, des universalen Gemütes, das bereits in diese

Erscheinungswelt als erster Aspekt des unwandelbaren Absoluten projiziert

worden ist, aber niemals bezüglich des letzteren selbst. “Geist und Stoff, oder

Purusha und Prakriti sind bloß die zwei ursprünglichen Aspekte des Einen und

Zweitlosen,” hat man uns gelehrt.

Der stoffbewegende Nous, die belebende Seele, die jedem Atom innewohnt, sich

im Menschen offenbart, im Stein verborgen liegt, hat verschiedene Grade der

Kraft; und diese pantheistische Idee einer allgemeinen Geist-Seele, die die ganze

Natur durchdringt, ist die älteste aller philosophischen Anschauungen. Ebenso

wenig war der Archäus eine Entdeckung des Paracelsus oder seines Schülers

Van Helmont; denn derselbe Archäus ist der “VaterÄther” - die geoffenbarte

Grundlage und Quelle der unzähligen Phänomene des Lebens - lokalisiert. Die

ganze Reihe der zahllosen Spekulationen dieser Art sind bloß Variationen über

dasselbe Thema, dessen Grundton in dieser “Uroffenbarung” angeschlagen war.

(b) Der Ausdruck “Anupâdaka”, elternlos, oder ohne Vorfahren, ist eine mystische

Bezeichnung, die verschiedene Bedeutungen In unserer Philosophie hat. Es sind

damit gewöhnlich himmlische Wesen, die Dhyân-Chohans oder Dhyâni-Buddhas,

verstanden. Diese entsprechen mystisch den menschlichen Buddhas und

Bodhisattvas, bekannt als die “Mânushi (menschlichen) Buddhas”, welch letztere

auch als Anupâdaka bezeichnet werden, sobald ihre ganze Persönlichkeit in ihr

verbundenes sechstes und siebentes Prinzip, oder Âtmâ-Buddhi, versunken ist,

und sie zu “Diamantenseelen” (Vajra-sattvas),3 zu vollen Mahâtmâs geworden

sind.

Der “verborgene Herr” (Sangbai Dag-po), “der mit dem Absoluten

Verschmolzene”, kann keine Eltern haben, da er selbstexistent und eins mit dem

Universalgeist (Svayambhû)4 , Svâbhavat in seinem höchsten Aspekt, ist.

Das Geheimnis der Hierarchie der Anupâdakas ist groß; ihr Gipfelpunkt ist die

_1 (2 of 3)35.Kommentar I, II

universale Geist-Seele, und die untere Sprosse der Mânushi-Buddha; ja sogar

jeder seelenbegabte Mensch ist ein Anupâdaka in latentem Zustand. Daher, wenn

vom Universum als formlosem, ewigem und absolutem Zustand, bevor es von den

“Bauleuten” gestaltet wurde, die Rede ist, der Ausdruck: “das große Rad

(Universum) war Anupâdaka”.

1) Ich meine damit endliches Selbstbewußtsein. Denn wie kann das Alsolute es

anders als als einen einfachen Aspekt erlangen, von welchen Aspekten der

höchste uns bekannte das menschliche Bewußtsein ist?

2) Siehe Schweglers “Handbuch der Geschichte der Philosophie”. (Sterlings engl.

Übersetzung. p. 28.)

3) Vajrapâni oder Vajradhara bedeutet der Diamanthalter: im Tibetanischen

Dorjesempa; sempa bedeutet Seele, ihre diamantengleiche Qualität bezieht sich

auf ihre Unzerstörbarkeit in der Zukunft. Die Erklärung betreffs Anupâdaka, die im

Kâla Chakra, der ersten in der Gyut-Einteilung des Kanjur, gegeben ist, ist halb

esoterisch. Sie hat die Orientalisten zu irrtümlichen Spekulationen, über die

Dhyâni-Buddhas und die im Irdischen ihnen entsprechenden Mânushi-Buddhas

verleitet. Der wirkliche Lehrsatz ist in einem folgenden Bande angedeutet und wird

an gehöriger Stelle ausführlicher erklärt werden.

4) Um nochmals Hegel, der wie Schelling thatsächlich die pantheistische

Vorstellung von periodischen Avatârs (speziellen Inkarnationen des Weltgeistes

im Menschen, wie solche im Falle aller großen religiösen Reformatoren zu sehen

waren) angenommen hat, zu citieren: “Das Wesen des Menschen ist Geist... nur

wenn er sich seiner Endlichkeit begiebt und sich selbst der reinen

Selbsterkenntnis überläßt, erlangt er die Wahrheit. Der Christus—Mensch, als

Mensch, in welchem die Einheit des Gott-Menschen (Identität des individuellen mit

dem universalen Bewußtsein, wie sie von den Vedântisten und einigen Advaitisten

gelehrt wird) erschien, hat, in seinem Tode und überhaupt in seiner Geschichte,

selbst die ewige Geschichte des Geistes dargestellt - eine Geschichte, die jeder

Mensch in sich selbst durchmachen muß, um als Geist zu existieren.” -

Philosophie der Geschichte, Sibrees englische Übersetzung, p. 340. zurück zum

Text

_1 (3 of 3)35.Kommentar I, II

STROPHE II.

1 . WO WAREN DIE BAULEUTE, DIE LEUCHTENDEN SÖHNE DES AUF

DÄMMERNDEN MANVANTARA (a)? IN DEM UNBEKANNTEN DUNKEL IN

IHREM AH-HI1 PARANISHPANNA. DIE HERVORBRINGER DER FORM2 AUS

DER NICHTFORM3 - DER WURZEL DER WELT - DIE DEVAMATRI4 UND

SVABHÂVAT RUHTEN IN DER WONNE DES NICHTSEINS (b).

(a) Die “Bauleute”, die “Söhne des aufdämmernden Manvantara”, sind die

wirklichen Schöpfer des Weltalls; und in dieser Lehre, welche bloß von unserem

Planetensystem handelt, heißen sie, als die Erbauer des letzteren, auch die

“Wächter” der sieben Sphären, d. i. exoterisch der sieben Planeten, und

esoterisch auch der sieben Erden oder Sphären (Globen) unserer Kette. Der

Anfangssatz der Strophe I bezieht sich, wenn er von “Sieben Ewigkeiten” spricht,

sowohl auf den Mahâkalpa oder “das (große) Zeitalter des Brahmâ”, als auch auf

den solaren Pralaya und das darauffolgende Auferstehen unseres

Planetensystems auf einer höheren Ebene. Es giebt viele Arten von Pralaya

(Auflösung eines sichtbaren Dinges), wie anderwärts gezeigt werden soll.

(b) “Paranishpanna” ist, wie man sich erinnern möge, das summum bonum, das

Absolute, somit dasselbe wie Paranirvâna. Neben dem, daß es der Schlußzustand

ist, ist es jener Zustand von Subjektivität, der zu nichts in Beziehung steht als zu

der Einen absoluten Wahrheit (Paramârthasatya) auf seiner eigenen Ebene. Es ist

jener Zustand, der einen dahin führt, richtig die volle Bedeutung des Nichtseins,

welches - wie erklärt - das wahre Sein ist, zu erfassen.

Früher oder später wird Alles, was jetzt scheinbar existiert, in Wirklichkeit und

thatsächlich im Zustande von Paranishpanna sein. Aber es ist ein großer

Unterschied zwischen bewußtem und unbewußtem Sein. Der Zustand von

Paranishpanna, ohne Paramârtha, dem sich selbst analysierenden Bewußtsein

(Svasamvedâna) ist keine Wonne, sondern bloße Auslöschung für sieben

Ewigkeiten. So wird eine den brennenden Sonnenstrahlen ausgesetzte

Eisenkugel wohl durchaus erhitzt werden, aber die Wärme nicht fühlen oder

genießen, wie ein Mensch. Bloß “mit einem klaren und von Persönlichkeit

unverdunkelten Gemüt und durch die Assimilation des Verdienstes mannigfacher

dem Sein in seiner Gesamtheit (dem ganzen lebenden und fühlenden

Universums) gewidmeter Existenzen” wird man frei von persönlicher Existenz,

versinkt in das Absolute5 und wird Eins mit ihm, und bleibt im vollen Besitze von

Paramârtha.

 (1 of 3)35.Kommentar I, II

STROPHE II. - Fortsetzung.

2. WO WAR DIE STILLE? WO DIE OHREN, SIE WAHRZUNEHMEN? NEIN,

DA WAR WEDER STILLE NOCH LAUT (a); NICHTS ALS

UNUNTERBROCHENER EWIGER ATEM6, DER SICH SELBST NICHT KENNT

(b).

(a) Die Idee, daß Dinge aufhören können zu existieren und doch noch sind, ist

eine fundamentale in der Psychologie des Ostens. Unter diesem scheinbaren

Widerspruch der Ausdrücke ruht eine Naturthatsache, die mit dem Gemüt zu

erfassen von Wichtigkeit ist, nicht aber, über die Worte zu streiten. Ein bekanntes

Beispiel eines ähnlichen Paradoxons liefert uns die chemische Verbindung. Die

Frage, ob Wasserstoffund Sauerstoff zu existieren aufhören, wenn sie sich zu

Wasser verbinden, ist eine noch strittige; die einen sagen, sie müßten alle Zeit da

sein, da man sie wiederfinde, wenn mau das Wasser zersetzt; die anderen

behaupten, sie müßten einstweilen als sie selbst zu existieren aufgehört haben,

da sie sich thatsächlich in etwas gänzlich Verschiedenes verwandelt haben aber

keine Partei ist imstande, sich auch nur die entfernteste Vorstellung von einem

Dinge zu machen, das etwas anderes geworden ist und doch nicht aufgehört hat,

es selbst zu sein. Man kann sagen, daß die Existenz als Wasser für Sauerstoff

und Wasserstoff ein Zustand von Nichtsein sei, das ein wirklicheres Sein ist als

ihre Existenz als Gase; und dies kann als schwaches Symbol für den Zustand des

Weltalls sein, wenn es schlafen geht, und während der Nächte des Brahma,

aufhört zu sein - um zu erwachen und wiederzuerscheinen, wenn die Dämmerung

des neuen Manvantara es zu dem wieder aufruft, was wir Existenz nennen.

1)Chohanisch, Dhyâni-buddhisch

2) . Rûpa

3) Arûpa

4) “Mutter der Götter”, Aditi oder kosmischer Baum. lm Zohar heißt sie Sephira,

die Mutter der Sephirot und Shekinah in ihrer Urform, in abscondito. zurück zum

Text

5) Somit ist Nichtsein das “Absolute Sein” in der esoterischen Philosophie. In den

Lehrsätzen der letzteren ist selbst Âdi-Buddha (die erste und ursprüngliche

Weisheit), weil geoffenbart, in einem Sinne eine Illusion, Mâyâ, weil alle Götter,

 (2 of 3)35.Kommentar I, II

einschließlich Brahmâ, am Ende des Zeitalters des Brahmâ sterben müssen; nur

die Parabrahman genannte Abstraktion - ob wir sie jetzt Ain Suph, oder mit

Herbert Spencer das Unerkennbare nennen wollen - ist die Eine absolute Realität.

Die Eine zweitlose Existenz ist Advaita, “ohne ein Zweites”, und alles übrige ist

Mâyâ: so lehrt die Advaita-Philosophie.

6) Bewegung.

 (3 of 3)35.Kommentar I, II

(b) Der “Atem” der Einen Existenz wird voll der archaischen Esoterik bloß in

Bezug auf den geistigen Aspekt der Kosmogenie als Bezeichnung gebraucht; in

anderen Fällen wird er durch sein Äquivalent auf der materiellen Ebene -

Bewegung, ersetzt. Das Eine ewige Element, oder Element enthaltende Vehikel,

ist der in jedem Sinne dimensionslose Raum: coexistent mit demselben sind

endlose Dauer, ursprüngliche (und somit unzerstörbare) Materie, und Bewegung -

absolute “beständige Bewegung,” die der “Atem” des Einen Elementes ist. Dieser

Atem kann, wie wir gesehen haben, niemals aufhören, nicht einmal während der

pralayischen Ewigkeiten.

Aber der Atem der Einen Existenz bezieht sich trotzdem nicht auf die Eine

unverursachte Ursache oder die All—Seinheit, im Gegensatz zum All-Seienden, ,

welches Brahmâ oder das Weltall ist. Brahmâ, der viergesichtige Gott, der,

nachdem er die Erde aus den Wassern erhoben. “die Schöpfung vollendete”, gilt

bloß für das Werkzeug, und nicht, wie klar inbegriffen, für die ideale Ursache. Kein

Orientalist scheint bisher den wirklichen Sinn der Verse in den Purânen, die von

der “Schöpfung” handeln, vollständig verstanden zu haben.

In denselben ist Brahmâ die Ursache der Potenzen, welche in der Folge für das

Werk der “Schöpfung‘ erzeugt werden sollen. So würde z. B. im Vishnu Purâna1

die Übersetzung: “und von ihm (masc.) gehen aus die Potenzen, die zu erschaffen

sind, nachdem sie die wirkliche Ursache geworden sind”, vielleicht richtiger lauten:

“und von ihm (neutrum) gehen aus die Potenzen, welche erschaffen werden, so

wie sie die wirkliche Ursache (auf der materiellen Ebene) werden.” Außer dieser

Einen, unverursachten, idealen “Ursache” ist keine andere, auf die das Weltall

zurückgeführt werden kann. “Würdigster der Asketen, durch ihre Macht - d. h.

durch die Macht dieser Ursache - erscheint jedes geschaffene Ding in seiner ihm

inhärenten oder entsprechenden Natur.” Wenn “im Vedânta und Nyâya, nimitta

die wirkende Ursache, im Gegensatze zu upâdâna, der materiellen Ursache, (und)

im Sânkhya pradhâna die Funktionen beider in sich schließt”; so kann in der

esoterischen Philosophie, die alle diese Systeme versöhnt, und deren

annähernster Vertreter der Vedânta ist, wie er von den Advaita Vedântisten

dargestellt wird, über nichts als über das upâdâna spekuliert werden. Das, was im

Sinne der Vaishnavas (der Visishthadvaitas) als Ideales im Gegensatze zum

Realen - oder Parabrahman zu Îshvara - steht, kann in publizierten Spekulationen

keinen Platz finden, da dieses Ideale selbst eine Mißbenennung ist, wenn es auf

das angewendet wird, von dem sich keine menschliche Vernunft - selbst die eines

Adepten nicht - eine Vorstellung machen kann.

Sich selbst zu kennen erfordert als Erkenntnisgegenstand Bewußtsein und

Auffassungskraft - beides für jedes Subjekt mit Ausnahme von Parabrahman

beschränkte Fähigkeiten. Daher der “ewige Atem, der sich selbst nicht kennt.”

_5 (1 of 2)35.Kommentar I, II

Unendlichkeit kann Endlichkeit nicht verstehen. Das Schrankenlose kann keine

Beziehung zum Beschränkten und Bedingten haben.

In den occulten Lehren ist der unbekannte und unerkennbare Beweger oder das

Selbstexistierende die absolute göttliche Wesenheit. Und da er somit absolutes

Bewußtsein und absolute Bewegung ist, so ist er für die beschränkten Sinne jener,

welche dieses Unbeschreibliche beschreiben, Unbewußtsein und Unbeweglichkeit.

Konkretes Bewußtsein kann dem abstrakten Bewußtsein nicht mehr als Prädikat

zugesprochen werden, als die Qualität “naß” dem Wasser; Nässe ist demselben

als Attribut zu eigen und ist die Ursache des Naßseins anderer Dinge. Bewußtsein

schließt Beschränkungen und Qualifikationen in sich: etwas, dessen man sich

bewußt wird, und jemanden, der sich bewußt dessen wird.

Aber absolutes Bewußtsein enthält den Erkenner, das Erkannte und die

Erkenntnis alle drei in sich selbst und alle drei als Eines. Niemand ist sich eines

mehreren bewußt als jenes Teiles seines Wissens, welcher gerade zu einem

bestimmten Zeitpunkt ihm zufällig erinnerlich ist, und die Armut unserer Sprache

ist so groß, daß wir keinen Unterschied im Ausdruck-machen können zwischen

dem Wissen, an das wir eben nicht denken, und dem Wissen, welches ins

Gedächtnis zurückzurufen wir unfähig sind. Vergessen ist synonym mit nicht

erinnern. Um wie viel größer muß nun die Schwierigkeit sein. Ausdrücke zu

finden, um abstrakte metaphysische Thatsachen oder Verschiedenheiten zu

beschreiben oder zu unterscheiden! Wir dürfen ferner nicht vergessen, daß wir die

Dinge nach den Erscheinungen, die sie für uns annehmen, benennen. Wir nennen

absolutes Bewußtsein “Unbewußtsein”, da es uns scheint, als müßte es

notwendigerweise so sein, gerade so wie wir das Absolute “Dunkelheit” nennen,

weil es unserem beschränkten Verstand ganz undurchdringlich erscheint:

trotzdem erkennen wir vollständig, daß unsere Wahrnehmung solcher Dinge

diesen selbst nicht gerecht wird. Wir unterscheiden unwillkürlich in unserem

Denken z. B. zwischen unbewußtem absoluten Bewußtsein, und zwischen

Unbewußtsein, indem wir ersteres stillschweigend mit irgend einer unbestimmten

Qualität ausstatten, welche auf einer für unsere Gedanken unerreichbaren Ebene

dem entspricht, das wir in uns selbst als Bewußtsein kennen. Aber es ist das

keinerlei Art von Bewußtsein, welche wir von dem, welches uns als Unbewußtsein

erscheint, zu unterscheiden im stande wären.

1) Wilson, I. IV.

_5 (2 of 2)35.Kommentar I, II

STROPHE II. - Fortsetzung.

3. DIE STUNDE HATTE NOCH NICHT GESCHLAGEN; DER STRAHL WAR

NOCH NICHT IN DEN KEIM GEBLITZT (a); DER MATRIPADMA1 WAR NOCH

NICHT GESCHWOLLEN (b).2

(a) Der “Strahl” aus dem “ewigen Dunkel” wird, sobald er ausgesandt ist, zum

Strahle glänzenden Lichtes oder Lebens, und blitzt in den “Keim” - den Punkt in

dem Weltenei, repräsentiert durch die Materie in abstrakter Auffassung. Aber der

Ausdruck “Punkt” darf nicht so aufgefaßt werden, als ob damit irgend ein

bestimmter Punkt im Raume gemeint sei, denn ein Keim existiert im Mittelpunkt

eines jeden Atoms, und diese in ihrer Gesamtheit bilden den “Keim”; oder

vielmehr, da kein Atom unserem körperlichen Auge sichtbar gemacht werden

kann: es bildet die Gesamtheit derselben (wenn dieser Ausdruck von etwas

gebraucht werden darf, das grenzenlos und unendlich ist) das Ding an sich des

ewigen und unzerstörbaren Stoffes.

(b) Eine der symbolischen Figuren für die duale schöpferische Kraft in der Natur

(auf der materiellen Ebene Kraft und Stoff) ist “Padma”, die indische Wasserlilie.

Der Lotus ist das Erzeugnis von Hitze (Feuer) und Wasser (Dunst oder Ether); das

Feuer ist in jedem philosophischen und religiösen System, selbst im Christentum,

eine Darstellung des Geistes der Gottheit, des thätigen, männlichen, zeugenden

Prinzipes; und Ether, oder die Seele des Stoffes, das Licht des Feuers, eine

Darstellung des passiven weiblichen Prinzipes, aus dem alles in diesem Weltall

hervorgegangen ist. Somit ist Ether oder Wasser die Mutter, und Feuer der Vater.

Sir William Jones - und vor ihm die archaische Botanik -zeigten, daß die Samen

des Lotus (selbst bevor sie keimen) vollkommen geformte Blätter enthalten, mit

denselben Formen im kleinen, welche sie eines Tages als vollendete Pflanzen

haben werden. Die Natur giebt uns auf diese Art ein Beispiel der Vorausformung

ihres Erzeugnisses die Samen aller phanerogamen, eigentlichen Blüten

hervorbringenden, Pflanzen enthalten ein fertig ausgebildetes embryonales

Pflänzchen.3 Dies erklärt den Satz: “Der Mâtri-Padma war noch nicht

geschwollen” - indem in der archaischen Symbolik die Form gewöhnlich der

inneren oder Grundidee geopfert ist.

Der Lotus, oder Padma, ist übrigens ein sehr altes und beliebtes Symbol für den

Kosmos selbst, und ebenso für den Menschen. Die populären Gründe dafür sind

erstens die eben erwähnte Thatsache, daß der Lotussamen ein vollkommenes

Kleinbild der zukünftigen Pflanze einschliefst, was die Thatsache versinnlicht, daß

die geistigen Vorbilder aller Dinge in der unkörperlichen Welt existieren, bevor

diese Dinge auf Erden verkörpert werden. Zweitens der Umstand, daß die

_7 (1 of 3)36.Kommentar I, II

Lotuspflanze durch das Wasser emporwächst, während sie ihre Wurzel in der Ilys

oder dem Schlamme hat, und ihre Blüte aufwärts in die Luft ausbreitet. Der Lotus

versinnbildlicht somit das Leben des Menschen und auch das des Kosmos, denn

die Geheimlehre lehrt, daß die Elemente beider dieselben sind und daß beide sich

in derselben Richtung entwickeln. Die in den Schlamm versenkte Wurzel stellt das

stoffliche Leben dar, der durch das Wasser aufsteigende Stengel das Dasein in

der Astralwelt. und die Blume, die auf dem Wasser schwimmt und sich dem

Himmel eröffnet, bedeutet das geistige Sein.

STROPHE Il.—Fortsetzung.

4. SEIN HERZ HATTE SICH DEM EINEN STRAHLE NOCH NICHT ERÖFFNET,

UM DENSELBEN ALS DREIHEIT IN DIE VIERHEIT, IN DEN SCHOSS DER

MAYA FALLEN ZU LASSEN.

Die ursprüngliche Substanz war noch nicht aus ihrer vorweltlichen Verborgenheit

in die differenzierte Objektivität getreten, ja nicht einmal zu der (dem Menschen

nämlich) unsichtbaren Protyle der Wissenschaft geworden. Aber wenn “die

Stunde schlägt” und sie den fohatischen Eindruck des göttlichen Gedankens

empfängt - des Logos, oder des männlichen Aspektes der Anima mundi, des

Alaya - so öffnet sich ihr “Herz”. Sie differenziert sich, und die Drei (Vater, Mutter,

Sohn) werden verwandelt in die Vier. Hierin liegt das doppelte Geheimnis der

Dreieinigkeit und der unbefleckten Empfängnis. Das erste und grundlegende

Dogma des Occultismus ist die universelle Einheit (oder Homogenëität) unter drei

Aspekten. Dies führt zur Möglichkeit einer Vorstellung der Gottheit, welche als

eine absolute Einheit den endlichen Intellekten ewig unerfaßbar bleiben muß.

Wenn du glauben würdest an die Kraft, die in der Wurzel einer Pflanze thätig

ist, oder dir die unter der Seele verborgene Wurzel vorstellen würdest, dann

hast du über ihren Stengel oder Stamm nachzudenken, und über ihre Blätter

und Blüten. Du kannst dir diese Kraft nicht unabhängig von diesen

Gegenständen vorstellen. Das Leben kann nur durch den Bauen des Lebens

erkannt werden .... 4

Die Idee einer absoluten Einheit würde in unserer Vorstellung gänzlich

zerbrochen. wenn wir nichts Konkretes vor unseren Augen hätten, das diese

Einheit enthielte. Und da die Gottheit absolut ist, so muß sie allgegenwärtig sein,

daher giebt es kein Atom, das sie nicht in sich enthielte. Die Wurzeln, der Stamm,

und seine vielen Äste sind drei verschiedene Gegenstände, und doch sind sie ein

Baum.

_7 (2 of 3)36.Kommentar I, II

1) Mutter-Lotus

2) Ein unpoetischer Ausdruck, jedoch sehr anschaulich.

3) Gross, The Heathen Religion, p. 195.

4) Vorschriften für Yoga.

_7 (3 of 3)36.Kommentar I, II

Die Kabbalisten sagen: “Die Gottheit ist eine, weil sie unendlich ist. Sie ist

dreifach, weil sie sich ewig offenbart.”

Diese Offenbarung ist dreifach in ihren Aspekten, denn es bedarf nach Aristoteles

dreier Prinzipien für jeden natürlichen Körper zu seiner Objektivierung: Privation,

Form und Materie.1 Privation bedeutete in dem Sinne des großen Philosophen

das, was die Occultisten die dem Astrallicht, der niedrigsten Ebene und Welt der

Anima mundi, eingedrückten Prototypen nennen.

Die Vereinigung dieser drei Prinzipien hängt ab von einem vierten - dem Leben,

welches von den Höhen des Unerreichbaren ausstrahlt. um auf den geoffenbarten

Daseinsebenen eine universell ausgebreitete Essenz zu werden. Und diese

Vierheit (Vater, Mutter, Sohn als eine Einheit - und als lebende Offenbarung, eine

Vierheit) führte auf die sehr alte Idee von der unbefleckten Empfängnis, jetzt

schließlich zu einem Dogma der christlichen Kirche krystallisiert, welche diese

metaphysische Idee gegen allen gesunden Menschenverstand verfleischlicht hat.

Denn es braucht einer nur die Kabalah zu lesen und ihre zahlenmässigen

Erklärungsmethoden zu studieren, um den Ursprung dieses Dogmas zu finden. Er

ist rein astronomisch, mathematisch und vorzugsweise metaphysisch: das

männliche Element in der Natur (personifiziert in den männlichen Gottheiten und

Logois: Virâj oder Brahmâ, Horus oder Osiris u. s. w., u. s. w.) wird geboren durch,

nicht von einer unbefleckten Quelle, personifiziert als die “Mutter”, denn da die

Abstrakte Gottheit geschlechtslos ist, und nicht einmal Sein, sondern Sein-heit,

oder Leben selbst ist, so kann dieses Männliche, das eine “Mutter” hat, keinen

“Vater” haben. Wollen wir dies in der mathematischen Sprache des Verfassers

des “Ursprungs der Maße” wiedergeben. Sprechend von dem “Maße eines

Menschen” und seinem numerischen (kabbalistischen) Wert, schreibt er, daß in

Genesis, IV. 1:

“Dieses wird das “Mensch gleich Jehovah” - Maß genannt, und wird

folgendermaßen erhalten: 113 X 5 = 565. und der Wert 565 kann ausgedrückt

werden in der Form 56•5 x 10 = 565. Hier wird die Menschenzahl 113 ein

Faktor von 56•5 x 10, und die (kabbalistische) Lesung des letzteren

Zahlenausdruckes ist Jod, He, Vau, He oder Jehovah .... Die

Auseinanderlegung von 565 in 56•5 x 10 hat den Zweck, die Emanation des

männlichen (Jod) aus dem weiblichen (Eva) Prinzipe zu zeigen; oder

sozusagen die Geburt eines männlichen Elementes aus einer unbefleckten

Quelle, mit anderen Worten: eine unbefleckte Empfängnis.

So wiederholt sich auf Erden das Mysterium, das, nach den Worten der Seher, auf

der göttlichen Ebene aufgeführt wird. Der Sohn der unbefleckten himmlischen

_9 (1 of 3)36.Kommentar I, II

Jungfrau (oder der undifferenzierten kosmischen Protyle, der Materie in ihrer

Unendlichkeit) wird auf Erden wiedergeboren als der Sohn der irdischen Eva,

unserer Mutter Erde, und wird zur Menschheit als Ganzem (zur vergangenen,

gegenwärtigen und zukünftigen), denn Jehova, oder Jod—He-Vau-He, ist

androgyn, oder männlich und weiblich zugleich. Oben ist der Sohn der ganze

Kosmos, unten ist er die Menschheit. Die Triade oder das Dreieck wird Tetraktys,

die heilige pythagoräische Zahl, das vollkommene Viereck, und der sechsseitige

Würfel auf Erden. Der Makroprosopus (das große Angesicht) wird zum

Mikroprosopus (dem kleineren Angesicht); oder, wie die Kabbalisten sich

ausdrücken, der Alte der Tage, herabsteigend auf Adam Kadmon, den er als sein

Vehikel verwendet, um sich damit zu offenbaren, wird in Tetragrammaton

verwandelt. Es ist jetzt im “Schoße der Mâyâ”, der großen Illusion, und zwischen

ihm und der Wirklichkeit ist das Astrallicht, der große Täuscher der beschränkten

Sinne des Menschen, wenn nicht Erkenntnis durch Paramârthasatya als Befreierin

erscheint.

STROPHE II. - Fortsetzung.

5. DIE SIEBEN2 WAREN NOCH NICHT VOM LICHTGEWEBE GEBOREN. DAS

DUNKEL ALLEIN WAR VATER—MUTTER, SVABHAVAT; UND SVABHAVAT

WAR IN DUNKEL.

Die Geheimlehre beschäftigt sich in den hier gegebenen Strophen hauptsächlich,

wenn nicht ausschließlich, mit unserm Sonnensystem und speziell mit unserer

Planetenkette. Die “sieben Söhne” sind daher die Schöpfer der letzteren. Diese

Lehre wird später ausführlicher erklärt werden.

Svabhâvat, die “plastische Essenz”, die das Weltall erfüllt, ist die Wurzel aller

Dinge. Svabhâvat ist sozusagen der buddhistische konkrete Aspekt für die in der

indischen Philosophie Mûlaprakriti genannte Abstraktion. Es ist der Körper der

Seele, und das, was Ether im Verhältnis zu Âkâsha wäre, indem letzterer das

beseelende Prinzip des ersteren ist. Chinesische Mystiker haben es zu einem

Synonym von “Sein” gemacht. In der chinesischen Übersetzung des Ekashloka-Shâstra

des Nâgârjuna (des Lung-shu im Chinesischen), genannt Yih-shu-lu-kia-lun,

heißt es, daß der Ausdruck “Sein” oder “Subhâva” (Yeu im Chinesischen)

bedeutet: “die Substanz, welche sich selbst Substanz giebt”; auch erklärt er es als

bedeutend: “ohne Handlung und mit Handlung”, “die Natur, welche keine eigene

Natur hat”. Subhâva, woraus Svabhâvat, ist aus zwei Worten zusammengesetzt:

su schön, lieblich, gut; sva selbst; und bhâva, Sein oder Daseinszustände.

_9 (2 of 3)36.Kommentar I, II

1) Ein Vedântist der Visihthadvaita-Philosophie würde sagen: Parabrahman ist,

obwohl die einzige unabhängige Wirklichkeit, doch unteilbar von seiner Dreiheit.

Er ist drei “Parabrahman, Chit und Achit”, wovon die beiden letzten abhängige

Realitäten sind, unfähig, getrennt zu existieren; oder, um es klarer zu machen,

Parabrahman ist die Substanz - wandellos, ewig, und unerkennbar - und Chit

(Âtmâ) und Achit (Anâtmâ) und seine Qualitäten, wie Form und Farbe, sind die

Qualitäten eines jeden Objektes. Die beiden sind das Kleid, oder der Körper, oder

vielmehr Aspekt (sharîra) von Parabrahman. Aber ein Occultist würde viel gegen

diese Behauptung zu sagen wissen, und ebenso ein Advaitî-Vedântist. zurück

zum Text

2) Söhne nämlich.

_9 (3 of 3)36.Kommentar I, II

STROPHE II. - Schluß.

6. DIESE ZWEI SIND DER KEIM, UND DER KEIM IST EINER. DAS WELTALL

WAR NOCH IM GOTTESGEDANKEN UND IM GÖTTLICHEN BUSEN

VERBORGEN.

Der “Gottesgedanke” schließt nicht die Idee eines göttlichen Denkers ein. Das

Weltall, nicht bloß als Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges - eine

menschliche und endliche Idee ausgedrückt durch einen endlichen Gedanken -

sondern in seiner Gesamtheit, das Sat (ein unübersetzbarer Ausdruck), das

absolute Wesen, mit Vergangenheit und Zukunft in einen ewigen Gegenwart

krystallisiert, ist dieser Gedanke selbst, reflektiert in einer sekundären und

manifestierten Ursache. Brahman (neutrum), wie das Mysterium Magnum des

Paracelsus, ist für den Menschengeist ein absolutes Geheimnis. Brahma, der

männlich-weibliche, der Aspekt und die anthropomorphische Reflexion des

Brahman, ist den Empfindungen des blinden Glaubens vorstellbar, obwohl er vom

menschlichen Intellekt, wenn dieser die Übermacht gewinnt, verworfen wird.

Daher die Behauptung, daß während des Vorspieles sozusagen des

Schöpfungsdramas, oder des Beginnes der kosmischen Evolution, das Weltall,

oder der Sohn, noch “im Gottesgedanken” verborgen liegt, der noch nicht in den

“göttlichen Busen” eingedrungen war. Diese Idee, man beachte das wohl, liegt an

der Wurzel und bildet den Ursprung von all den Allegorieen bezüglich der “Söhne

Gottes”, die von unbefleckten Jungfrauen geboren wurden.

_1a37....Untitled Document

STROPHE III - Fortsetzung.

4. Die Drei1 FALLEN IN DIE VIER.2 DIE STRAHLENDE

WESENHEIT WIRD SIEBEN NACH INNEN; SIEBEN NACH

AUSSEN (a). DAS LEUCHTENDE EI3, DAS IN SICH SELBST

DREI IST4, GERINNT UND VERBREITET SICH IN

MILCHWEISSEN FLOCKEN DURCH DIE TIEFEN DER MUTTER;

DER WURZEL; WELCHE IN DIE TIEFEN DES OZEANS DES

LEBENS HINWEINWÄCHST: (b).

(a) Der Gebrauch von geometrischen Figuren und die häufigen

Anspielungen auf Figuren in allen alten Schriften, so in den

Purânen, im ägyptischen Totenbuch und selbst in der Bibel, muß

erklärt werden. Im Buche des Dzyan, wie in der Kabalah, sind zwei

Arten von mathematischen Ausdrücken zu studieren – die Figuren,

die oft einfach Blenden sind, und die heiligen Zahlen, deren Werte

den Occultisten insgesamt durch Initiation bekannt sind. Die

ersteren sind bloß konventionelle Glyphen, die letzteren die

Grundsymbole vom Allem. Das heißt, die einen sind rein physisch,

die andren rein metaphsysisch, und beide stehen zu einander im

Verhältnis von Materie zu Geist – den äußersten Polen der Einen

Substanz.

Wie Balzac, der unbewußte Occultist in der französischen Literatur,

irgendwo sagt, ist die Zahl für den Verstand ebensogut wie für den

Stoff „ein unbegreifliches Wirkendes“. So vielleicht für den

profanen, aber niemals für den initiierten Verstand. Zahl ist, wie der

große Schriftsteller dachte, eine Wesenheit, und zugleich ein Atem,

der aus dem hervorgeht, was er Gott nannete und was wir das ALL

nennen, der Atem, der allein den physischen Kosmos organisieren

konnte, „wo nichts seine Form erhält, außer durch die Gottheit, was

eine Wirkung der Zahl ist“. Es ist lehrreich, Balzacs eigene Worte

über diesen Gegenstand anzuführen:

Die kleinsten, wie die unermeßlichsten Schöpfungen, sind sie nicht von

einander zu unterscheiden durch ihre Quantitäten, ihre Qualitäten, ihre

Dimensionen, ihre Kräfte und Attribtute, alle erzeugt durch Zahlen? Die

Unendlichkeit der Zahlen isfür unseren Verstand eine bewiesene Thatsache,

aber kein physischer Beweis kann dafür geliefert werden. Der Mathematiker

_5 39.Untitled Document

wird uns sagen, daß die Unendlichkeit der Zahlenreihe existiert, aber nicht

aufgewiesen werden kann.

Gott ist eine mit Bewegung begabte Zahl, welche gefühlt, aber nicht

bewiesen wird. Als Einheit beginnt sie die Reihe der Zahlen, mit denen sie

nichts gemeinsam hat.... Die Existenz der Zahlen hängt von der Einheit ab,

die ohne eine einzige Zahl sie alle erzeugt. .. Was! Unfähig, die erste

Abstraktion, die euch die Gottheit giebt, zu messen oder festzuhalten, hofft ihr

noch, das Mysterium der Geheimwissenschaften, die aus dieser Gottheit

hervorgehen, euren Messungen zu unterwerfen?..

Und was würdet ihr fühlen, würde ich euch in die Abgründe der Bewegung

tauchen, der Kraft, die die Zahlen organisiert? Was würdet ihr denken, würde

ich hinzufügen, daß Bewegung und Zahl5 durch das Wort erzeugt sind, durch

die höchste Vernunft der Seher und Propheten, welche in alter Zeit den

mächtigen Atem Gottes empfanden, wofür ein Zeugnis die Apokalypse ist?

(b) „Die strahlende Wesenheit gerinnt und verbreitet sich durch

die Tiefen“ des Raumes. Vom astronomischen Standpunkt ist das

leicht zu erklären: es ist die Milchstraße, der Weltstoff, oder

Urmaterie in ihrer ersten Form. Schwieriger ist es jedoch, es in

wenigen Worten oder auch Zeilen vom Standpunkt der occulten

Wissenschaft und Symbolik zu erklären, da es die komplizierteste

Glyphe ist. In derselben liegen mehr als ein Dutzend Symbole

eingeschlossen. Zunächst enthält es das ganze Pantheon der

mysteriösen Gegenstände6, von denen jeder eine bestimmte

occulte Bedeutung hat, welche nach der indischen Allegorie durch

das „Buttern des Ozeans“ von den Göttern herausgezogen wurden.

Außer Amrita, dem Wasser des Lebens oder der Unsterblichkeit,

wurde Surabhi, die „Kuh des Überflusses“, genannt „die Quelle von

Milch und Quark“ aus diesem „Milchmeer“ herausgezogen. Daher

_5 (2 of 4)39.Untitled Document

die allgemein verbreitete Anbetung von Kuh und Stier, die eine die

hervorbringende, der andere die zeugende Kraft in der Natur –

Symbole, die sowohl mit den solaren wie mit den kosmischen

Gottheiten verbunden sind. Die spezifischen Eigenschaften der

„vierzehn kostbaren Dinge“ für occulte Zwecke werden erst bei der

vierten Initiation erklärt und können daher nicht gegeben werden;

aber folgendes mag bemerkt werden. Im Shatapatha Brâhmana

heißt es, daß das Buttern des Milchmeeres im Satya Yuga

stattfand, im ersten Zeitalter, welches sofort auf die „Sintflut“ folgte.

Da jedoch weder der Rig Veda noch Manu, welche beide der

„Sintflut“ Vaivasvatas, welche die Hauptmasse der vierten Rasse

betraf, vorangingen, diese Sintflut erwähnen, so ist es klar, daß es

weder die große Flut ist, noch jene, welche Atlantis verschwinden

ließ, noch auch die Sintflut Noahs ist, die hier gemeint ist. Dieses

„Buttern“ bezieht sich auf eine Periode vor der Formung der Erde,

und steht in direktem Zusammenhang mit einer andern universellen

Legende, deren verschiedene und widersprechende Versionen in

dem christlichen Dogma vom „Kampf im Himmel“ und dem „Fall der

Engel“ kulminierten. Die Brâhmanas, denen die Orientalisten

vorwerfen, daß ihre Versionen über dieselben Gegenstände oft

einander widersprechen, sind in hervorragender Weise occulte

Werke, daher absichtlich als Blenden gebraucht. Man hat sie zum

öffentlichen Gebrauch und Eigentum nur deshalb fortbestehen

lassen, weil sie für die Massen absolut unverständlich waren und

sind. Andernfalls wären sie aus dem öffentlichen Umlauf seit den

Tagen des Akbar verschwunden.

1 Das Dreieck.

_5 (3 of 4)39.Untitled Document

2 Vierheit.

3 Hiranyagarbha.

4 Die drei Hypostasen von Brahmâ, oder Vishnu, die drei Avasthâs.

5 Zahl – jawohl; aber niemals Bewegung. Im Occultismus ist es Bewegung,

die den Logos, das Wort, erzeugt.

6 Die „vierzehn kostbaren Dinge“. Die Erzählung oder Allegorie findet sich im

Shatapatha Brâhmana und anderen. Die japanische Geheimwissenschaft der

buddhistischen Mystiker der Yamabooshi, hat „sieben kostbare Dinge“. Wir

werden später von ihnen sprechen.

_5 39.Kommentar III

STROPHE III - Fortsetzung.

5. DIE WURZEL BLEIBT, DAS LICHT BLEIBT, DIE FLOCKEN BLEIBEN, UND

DOCH IST OEAOHOO EINS.

„Oeaohoo“ wird in den Kommentaren als „Vater-Mutter der Götter“ oder die

„Sechs in Einem“ oder als die siebenfache Wurzel, aus der alles hervorgeht,

bezeichnet. Alles hängt davon ab, welchen Accent man diesen sieben Vokalen

giebt, die als eine, drei oder selbst als sieben Silben ausgesprochen werden

können, wenn man ein e hinter das letzte o anfügt. Dieser mystische Name ist

veröffentlicht, da er ohne vollständige Beherrschung seiner dreifachen

Aussprache für immer wirkungslos bleibt.

„Ist Eins“ bezieht sich auf die Nichtgetrenntheit von all dem, das

lebt und sein Dasein hat, sei es in einem aktiven oder passiven

Zustand. In einem Sinne ist Oeaohoo die wurzellose Wurzel von

Allem, daher eins mit Parabrahman; in einem andren Sinne ist es

ein Name für das geoffenbarte Eine Leben, die ewige lebendige

Einheit. Die „Wurzel“ bedeutet, wie bereits erklärt, reine Erkenntnis

(Sattva)7, ewige (nitya) unbedingte Realität, oder Sat (Satya), ob

wir es Parabrahman oder Mûlaprakriti nennen, denn diese sind

bloß die zwei Symbole des Einen. Das „Licht“ ist derselbe

allgegenwärtige geistige Strahl, welcher das göttliche Ei

durchdrungen und nunmehr befruchtet hat, und die kosmische

Materie zum Beginnen ihrer langen Reihe von Differentiationen

aufruft. Die „Flocken“ sind die erste Differentiation, und beziehen

sich wahrscheinlich auch auf jene kosmische Materie, welche für

den Ursprung der Milchstraße gilt – der Materie, die wir kennen.

Diese „Materie“, welche, nach der von den ursprünglichen Dhyâni-Buddhas

erhaltenen Offenbarung, während des periodischen

Schlafes des Weltalls von der äußersten Feinheit, die dem Auge

des vollkommenen Bodhisattva noch wahrnehmbar ist, ist, - diese

Materie, strahlend und kühl, wird beim ersten Wiedererwachen der

kosmischen Bewegung durch den Raum zerstreut; sie erscheint,

von der Erde aus gesehen, in Haufen und Klumpen, wie Flocken in

dünner Milch. Diese sind die Samen der zukünftigen Welten, der

„Sternstoff“.

STROPHE III – Fortsetzung.

_7 (1 of 3)40.Kommentar III

6. DIE WURZEL DES LEBENS WAR IN JEDEM TROPFEN DES OZEANS

DER UNSTERBLICHKEIT8 ENTHALTEN, UND DER OZEAN WAR

STRAHLENDES LCIHT, WELCHES FEUER, WÄRME UND BEWEGUNG WAR.

DAS DUNKEL VERSCHWAND UND WAR NICHT MEHR; ES VERSCHWAND

IN SEINEM EIGENEN WESEN, DEM KORPER VON FEUER UND WASSER,

VON VATER UND MUTTER.

Da die Wesenheit der Dunkelheit absolutes Licht ist, so wird Dunkelheit als die

geeignete sinnbildliche Darstellung des Zustandes des Weltalls während Pralaya,

dem Ausdrucke für absolute Ruhe, oder Nichtsein, wie es unsern endlichen

Gemütern vorkommt, genommen. „Feuer, Wärme und Bewegung“, von denen

hier gesprochen wird, sind natürlich nicht Feuer, Wärme und Bewegung der

Physik, sondern die zu Grunde liegenden Abstraktionen, die Noumena, oder die

Seele, der Wesenheit dieser materiellen Manifestationen – die „Dinge an sich“,

welche, wie die moderne Wissenschaft eingesteht, gänzlich der Instrumente des

Laboratoriums spotten, und welche selbst der Verstand nicht fassen kann,

obwohl er anderseits ebensowenig der Schlußfolgerung ausweichen kann, daß

diese zu Grunde liegenden Wesenheiten der Dinge existieren müssen. „Feuer

und Wasser, oder Vater und Mutter“ kann hier in der Bedeutung von göttlichem

Strahl und Chaos genommen werden. „Chaos, aus dieser Vereinigung mit dem

Geiste den Sinn erhaltend, leuchtete in Wonne, und so wurde der Protogonos

(das erstgeborene Licht) hervorgebracht“, sagt ein Fragment des Hermas.

Damascius nennt es Dis, den „Ordner aller Dinge“.9

7 „Das Urbild des Verstandes ist Sattva, das Shankara als Antaskarana

wiedergiebt. „Geläutert“, sagt er, „durch Opfer und andre heiligende

Handlungen.“ In der Katha, p. 148, giebt Shankara Sattva die Bedeutung von

Buddhi – ein gewöhnlicher Gebrauch des Wortes.“ (Bhagavadgîtâ, etc.,

übersetzt von Kâshinâth Trimbak Telang, M.A.; herausgegeben von Max

Müller, p. 193.) Was immer für Bedeutungen verschiedene Schulen dem

Worte geben mögen, Sattva ist der Name, der von den Geheimschülern der

Âryâsanga-Schule der dualen Monade, oder Âtma-Buddhi, gegeben wird, und

Âtma-Buddhi auf dieser Ebene entspricht Parabrahman und Mûlaprakriti auf

der höheren Ebene.

_7 (2 of 3)40.Kommentar III

8 Amrita.

9 Cory’s Ancient Fragments, p. 314.

_7 (3 of 3)40.Kommentar III

Nach den Rosenkreuzerischen Lehrsätzen, wie sie diesmal von

dem Profanen korrekt, wenn auch nur einen Teil betreffend,

behandelt und erklärt werden, sind „Licht und Dunkelheit an sich

identisch, und nur im menschlichen Gemüte teilbar“, und nach

Robert Fludd „nahm Dunkelheit Beleuchtung an, um sich sichtbar

zu machen“.10 Nach den Lehren des östlichen Occultismus ist

Dunkelheit die eine wahre Wirklichkeit, die Grundlage und Wurzel

des Lichtes, ohne welche das letztere sich niemals hätte

offenbaren können, ja nicht einmal existieren. Licht ist Stoff und

Dunkelheit reiner Geist. Dunkelheit in ihrer innewohnenden,

metaphysischen Grundlage ist subjektives und absolutes Licht;

während letzteres in all seinem scheinbaren Glanz und Pracht

bloße eine Menge von Schatten ist, da es niemals ewig sein kann

und bloß eine Illusion oder Mâyâ ist.

Selbst in der geistverwirrenden und wissenschaftermüdenden Genesis11 wird

Licht aus der Dunkelheit geschaffen – „und Finsternis war über dem Angesicht

der Tiefe“ – und nicht umgekehrt. „In ihr (in der Dunkelheit) war Leben; und das

Leben war das Licht der Menschen“12). Ein Tag mag kommen, an dem die

Augen der Menschen geöffnet sein mögen; und dann mögen sie besser als jetzt

den Vers im Evangelium Johannis verstehen, welcher sagt: “„und das Licht

scheint in der Finsternis, und die Finsternis begreift es nicht“. Sie werden sehen,

daß das Wort „Finsternis“ sich nicht auf das geistige Sehen des Menschen

bezieht, sondern thatsächlich auf Finsternis, auf das Absolute, daß das

vergängliche Licht nicht begreift (nicht erkennen kann), wie transcendent es auch

für menschliche Augen sein mag. Demon est Deus inversus. Der Teufel

wird jetzt von der Kirche „Finsternis“ genannt, während in der Bibel,

im Buche Job, er der „Sohn Gottes“, der helle Stern des frühen

Morgens, Lucifer, genannt wird. Es liegt eine ganze Philosophie

dogmatischer Geschicklichkeit in dem Grund, warum der erste

Erzengel, der aus den Tiefen des Chaos entsprang, Lux (Lucifer),

der leuchtende „Sohn des Morgens“ oder der manvantarischen

Dämmerung genannt wurde. Er wurde von der Kirche in Lucifer

oder Satan umgewandelt, weil er höher und älter als Jehovah ist,

und dem neuen Dogma geopfert werden musste.

STROPHE III. – Fortsetzung.

7. SIEHE, O LANOO13! DAS STRAHLENDE KIND DER BEIDEN, DIE

UNVERGLEICHLICHE FÜLLE DER HERRLICHKEIT – DER

_9 (1 of 3)40.Kommentar III

HELLE RAUM, WELCHER DER SOHN DES DUNKLEN RAUMES

IST, DER SICH AUS DEN TIEFEN DER GROSSEN DUNKLEN

GEWÄSSER ERHEBT. ES IST OEAOHOO, DER JÜNGERE, DER

*** 14(a). ER SCHEINT FORTAN WIE DIE SONNE; ER IST DER

FEURIGE GÖTTLICHE DRACHE DER WEISHEIT. EKA15 IST

CHATUR, UND CHATUR NIMMT TRI AN SICH UND DIE VEREINIGUNG

BILDET SAPTA, IN DEM DIE SIEBEN SIND, WELCHE TRIDASHA [16] , DIE

HEERSCHAREN UND LEGIONEN WERDEN. (b). SIEHE, WIE ER DEN

SCHLEIER HEBT UND IHN VON OSTEN NACH WESTEN ENTFALTET. ER

VERBIRGT DAS OBERE UND LÄSST DAS UNTERE ALS DIE GROSSE

ILLUSION SICHTBAR SEIN. ER BEZEICHNET DEN STRAHLENDEN [17] IHRE

PLÄTZE UND MACHT AUS DEM OBEREN [18] EIN UFERLOSES MEER VON

FEUER © UND AUS DEM EINEN GEOFFENBARTEN [19] DIE GROSSEN

GEWÄSSER.

(a) „Der helle Raum, der Sohn des dunklen Raumes“ entspricht dem Strahle,

der bei dem ersten Erzittern der neuen Dämmerung in die großen kosmischen

Tiefen drang, aus dem er differenziert wieder auftaucht als „Oeaohoo der

Jüngere“ (das „neue Leben“), um bis ans Ende des Lebenskreislaufes der

Keim aller Dinge zu sein.

Es ist „der unkörperliche Mensch, der in sich die göttliche Idee enthält,“ der

Erzeuger von Licht und Leben, um einen Ausdruck von Philo Judäus zu

gebrauchen.

Er wird „der feurige Drache der Weisheit“ genannt, erstens, weil er das ist, was

die griechischen Philosophen den Logos, das Wort des göttlichen Gedankens

nannten; und zweitens, weil in der esoterischen Philosophie diese erste

Manifestation, als die Synthese oder das Aggregat der universellen Weisheit,

Oeaohoo, der „Sohn der Sonne“, in sich die sieben schöpferischen Heerscharen

(Sephiroth) enthält, und somit die Essenz der geoffenbarten Weisheit ist. „Wer in

dem Lichte von Oeaohoo badet, wird niemals durch den Schleier der Mâyâ

getäuscht werden.“

10 Über Rosenkranz.

11 I, 2.

_9 (2 of 3)40.Kommentar III

12 Johannes I, 4.

13 Lanoo ist ein Schüler, ein Chelâ, der praktische Esoterik studiert.

14 „Den du jetzt kennst als Kwan-Shai-Yin.“ – Komment.

15 Eka ist eins, Chatur vier, Tri drei, und Sapta sieben.

[16] „Tridasha“ oder dreißig, dreimal zehn, spielt auf die vedischen Gottheiten

in runder Zahl an, oder genauer 33 – eine heilige Zahl. Sie sind die 12

Âdityas, die 8 Vasus, die 11 Rudras, und die 2 Ashvins – die Zwillingssöhne

von Sonne und Himmel. Dies ist die Wurzelzahl des indischen Pantheons,

welche 33 Karors, oder 330 Millionen von Göttern und Göttinnen zählt.

[17] Sternen.

[18] Dem oberen Raum.

[19] Element.

_9 (3 of 3)40.Kommentar III

„Kwan-Shai-Yin“ ist identisch und gleichwertig mit dem Sanskritwort

Avalokiteshvara und als solcher eine mannweibliche Gottheit, gleich dem

Tetragrammoton und all den Logois der Altertums. Nur von einigen Sekten in

China wird er anthropomorphisiert, und mit weiblichen Attributen dargestellt; in

seinem weiblichen Aspekt wird er Kwan-Yin, die Gottheit der Gnade, genannt die

„göttliche Stimme“. [20] Letztere ist die Schutzgottheit von Tibet und der Insel

Puto in China, wo beide Gottheiten eine Anzahl von Klöstern haben. [21]

Die höheren Götter des Altertums sind alle „Söhne der Mutter“, bevor sie

„Söhne des Vaters“ werden.

Die Logoi, wie Jupiter oder Zeus, Sohn von Kronos-Saturn, „unendlicher Zeit“

(Kâla), wurden ursprünglich als mannweiblich dargestellt.

Zeus wird die „schöne Jungfrau“ genannt, und Venus wird bärtig gemacht.

Apollo war ursprünglich zweigeschlechtig, ebenso ist es Brahmâ-Vâch im Manu

und den Purânen.

Osiris ist vertauschbar mit Isis, und Horus ist von beiden Geschlechtern.

Schließlich ist in St. Johannis Vision in der Offenbarung des Logos, der jetzt mit

Jesus in Verbindung gebracht ist, hermaphroditisch, denn er wird im Besitze von

weiblichen Brüsten geschildert.

Aber es giebt zwei Avalokiteshvaras in der Esoterik: den ersten und den

zweiten Logos.

Kein religiöses Symbol kann in unsern Tagen der Politik und Wissenschaft der

Entweihung, ja dem Spotte entgehen. Die Verfasserin hat im südlichen Indien

einen eingeborenen Konvertiten gesehen, welcher Pûjâ mit Opfergaben vor einer

Statue eines Jesus in Weiberkleidern und mit einem Ring in der Nase machte.

Auf die Frage nach der Bedeutung dieser Maskerade erhielten wir die Antwort,

das sei Jesu-Maria in eins vereint, und es sei dies mit Erlaubnis der Paters

geschehen, da der eifrige Convertit nicht genug Geld hatte, um zwei Statuen,

oder „Idole“, wie sie ein Anwesender, ein anderer jedoch nicht bekehrter Hindu,

sehr passend benannte, zu kaufen. Einem dogmengläubigen Christen wird dies

lästerlich erscheinen, aber der Theosoph und Occultist muß die Palme der Logik

dem Hindûconvertiten zuerkennen. Der esoterische Christos der Gnôsis ist

_01 (1 of 3)41.Kommentar III

natürlich ungeschlechtig, aber in der exoterischen Theologie ist er männlich und

weiblich.

(b) Der „Drache der Weisheit“ ist die Eins, das „Eka“ oder Saka. Es ist

merkwürdig, dass der Name Jehovah im Hebräischen auch Eins, Achad, sein

sollte. „Sein Name ist Achad“, sagen die Rabbiner. Die Philologen mögen

entscheiden, welches von beiden vom andern abgeleitet ist, linguistisch und

symbolisch: sicherlich nicht das Sanskrit. Der „Eine“ und der „Drache“ sind

Ausdrücke, die die Alten in Zusammenhang mit ihren entsprechenden Logois

gebrauchten. Jehovah – esoterisch Elohim – ist auch die Schlange oder der

Drache, welcher Eva versuchte; und der Drache ist eine alte Glyphe für das

Astrallicht (ursprüngliches Prinzip), „welches die Weisheit des Chaos ist“. Die

archaische Philosophie, die weder Gut noch Übel als fundamentale oder

unabhängige Macht anerkennt, sondern vom absoluten ALL (universelle

Vollendung ewiglich) ausgeht, verfolgt beides durch den Lauf der natürlichen

Entwicklung zu reinem Licht, das sich allmählich zur Form verdichtet, und somit

Stoff oder Übel wird. Es war den älteren und unwissenden Kirchenvätern

überlassen, die philosophische und hoch wissenschaftliche Idee dieses

Sinnbildes zu dem unsinnigen Aberglauben, genannt „Teufel“ zu erniedrigen. Sie

nahmen dies von den späteren Zoroastriern, welche Teufel (Devils) oder Übel

(Evil) in den indischen Devas erblickten, und das Wort Evil wurde eine doppelte

Umwandlung zu D’Evil (Diabolos, Diable, Diavolo, Teufel). Aber die Heiden

haben immer philosophische Unterscheidungskraft in ihren Symbolen gezeigt.

Das ursprüngliche Symbol der Schlange symbolisierte göttliche Weisheit und

Vollendung, und stand jederzeit für psychische Regeneration und Unsterblichkeit.

Daher nannte Hermes die Schlange das geistigste von allen Wesen; Moses,

initiiert in die Weisheit des Hermes, folgte ihm in der Genesis, die gnostische

Schlange mit den sieben Vokalen über ihrem Haupt war das Sinnbild der sieben

Hierarchieen der siebenfachen oder planetarischen Schöpfer.

Daher auch die indische Schlange Shesha oder Ananta, der Unendliche, ein

Name des Vishnu, und sein erstes Vâhana oder Fahrzeug, auf den

Urgewässern.

Diese Schlangen müssen jedoch ebenso wie die Logoi und die Hierarchieen

der Mächte eine von der anderen unterschieden werden.

_01 (2 of 3)41.Kommentar III

Shesha oder Ananta, das „Lager des Vishnu“, ist eine allegorische Abstraktion

und symbolisiert die unendliche Zeit im Raum, der den Keim enthält und

periodisch die Blüte dieses Keims, das geoffenbarte Weltall, ausstößt; während

die gnostische Ophis dieselbe dreifache Symbolik in ihren sieben Vokalen wie

der ein-, drei- und siebensilbige Oeaohoo der alten Lehre enthält; nämlich den

ersten unmanifestierten Logos, den zweiten Manifestierten, das Dreieck, welches

in die Vierheit oder Tetragrammaton übergeht; und die Strahlen des letzteren auf

der materiellen Ebene.

Aber alle machten einen Unterschied zwischen der guten und der bösen

Schlange (dem Astrallicht der Kabbalisten), - zwischen der ersteren, der

Verkörperung der göttlichen Weisheit in der Region des Geistigen, und der

letzteren, dem Übel, auf der Ebene des Stoffes. Denn das Astrallicht, oder der

Äther, der alten Heiden – der Name Astrallicht ist ganz modern – ist Geist-Materie.

Beginnend auf der rein geistigen Ebene, wird es mit dem Herabsteigen immer

gröber, bis es zur Mâyâ, oder der versuchenden und täuschenden Schlange auf

unserer Ebene wird.

[20] Die gnostische Sophia (Weisheit), die die „Mutter“ der Ogdoad (Aditi, in

einem gewissen Sinne, mit ihren acht Söhnen) ist, ist der heilige Geist und der

Schöpfer von allem, wie in den alten Systemen. Der „Vater“ ist eine viel

spätere Erfindung. Der älteste manifestierte Logos war überall weiblich – die

Mutter der sieben planetarischen Mächte.

[21] Siehe Chinese Buddhism, vom Rev. Joseph Edkins der immer korrekte

Thatsachen giebt, wenn auch seine Schlüsse sehr häufig irrtümlich sind.

_01 (3 of 3)41.Kommentar III

Jesus nahm die Schlange als ein Synonym, für Weisheit und es bildete dies

einen Teil seiner Lehre: „Seid weise wie die Schlangen“, sagt er. „Im Anfange,

bevor die Mutter zum Vater-Mutter wurde, bewegte sich der feurige Drache allein

in den Unendlichkeiten.“ [22] Das Aitareya-Brâhmana nennt die Erde Sarparâjni,

die „Schlangenkönigin“ und die „Mutter von allem, das sich bewegt“.

Bevor unsere Kugel eiförmig wurde (und ebenso das Weltall), „bewegte und

wand sich ein langer Streifen von kosmischem Staub [oder Feuernebel] wie eine

Schlange im Raume“. Der „Geist Gottes, der sich auf dem Chaos bewegt“, wurde

von jeder Nation in Gestalt einer feurigen Schlange symbolisiert, welche Feuer

und Licht auf die Urgewässer ausatmete, bis sie den Weltstoff ausgebrütet hatte

und ihm die ringförmige Gestalt einer Schlange mit ihrem Schwanze im Munde

hat annehmen lassen – wodurch nicht bloß Ewigkeit und Unendlichkeit, sondern

auch die kugelförmige Gestalt aller der innerhalb des Weltalls aus diesem

Feuernebel gebildeten Körper symbolisiert wird. Das Weltall, sowie auch Erde

und Mensch, werfen schlangengleich periodisch ihre alten Hüllen ab, um nach

einer Zeit der Ruhe neue anzunehmen. Die Schlange ist sicherlich kein weniger

graziöses oder unpoetischeres Bild als die Raupe und Puppe, aus denen der

Schmetterling hervorgeht, das griechische Sinnbild der Psyche, der

menschlichen Seele! Der Drache war ebenfalls ein Symbol des Logos bei den

Ägyptern, sowie bei den Gnostikern. Im Buche des Hermes erscheint Pymander,

der älteste und geistigste der Logoi des westlichen Continentes, dem Hermes in

Gestalt eines feurigen Drachens aus „Licht, Feuer und Flamme“. Pymander, der

personifizierte „göttliche Gedanke“, sagt:

Das Licht ist Ich, ich bin der Nous (das Gemüt oder Manu), ich bin dein Gott,

und ich bin weit älter als das menschliche Prinzip, welches aus dem Schatten

(Dunkelheit oder der verborgenen Gottheit) emportaucht. Ich bin der Keim des

Gedankens, das strahlende Wort, der Sohn Gottes. Alles, was also in dir sieht

und hört, ist das Verbum des Meisters; es ist der Gedanke (Mahat), welcher

Gott ist, der Vater. [23] Der himmlische Ozean, der Äther, .... ist der Atem des

Vaters, das lebengebende Prinzip, die Mutter, der heilige Geist .... denn diese

sind nicht getrennt, und ihre Vereinigung ist Leben.

Hier finden wir ein nicht mißzuverstehendes Echo der archaischen

Geheimlehre, wie sie jetzt dargelegt ist. Nur setzt letztere an die Spitze der

Evolution des Lebens nicht den „Vater“, der an dritte Stelle gehört und der „Sohn

der Mutter“ ist, sondern den „ewigen und unaufhörlichen Atem des ALL’s“. Mahat

(Verstand, Universalgemüt, Gedanke u. s. w.) erscheint als Vishnu, bevor es sich

_03 (1 of 3)41.Kommentar III

als Brahmâ oder Shiva offenbart, sagt der Sânkhya Sâra. [24] Somit hat es

verschiedene Aspekte, ebenso wie der Logos. Mahat heißt der Herr, in der

ersten Schöpfung, und ist in diesem Sinne universelle Erkenntnis oder göttlicher

Gedanke; aber „daß das Mahat, welches zuerst hervorgebracht wurde, (später)

Egoismus heißt, wenn es als (das Sichselbstfühlen als) „Ich“ geboren wird,

dieses wird als die zweite Schöpfung bezeichnet.“ [25] Und der Übersetzer (ein

fähiger und gelehrter Brâhmane, nicht ein europäischer Orientalist) erklärt in

einer Fußnote: „d. h. wenn Mahat sich in das Gefühl des „Selbstbewusstseins –

des Ichs – entwickelt, so nimmt es den Namen Egoismus an,“ was, in unsere

esoterische Ausdrucksweise übersetzt, bedeutet: wenn Mahat in das

menschlichen Manas (oder selbst in das der endlichen Götter) transformiert und

zur Aham-heit wird. Warum es das Mahat der zweiten Schöpfung ( oder der

neunten, der Kaumâraschöpfung des Vishnu Purâna) genannt wird, wird später

erklärt werden.

© Das „Feuermeer“ ist also das superastrale (d. h. noumenale) Licht, die erste

Ausstrahlung aus der Wurzel Mûlaprakriti, aus undifferenzierter kosmischer

Substanz, welche zur Astralmaterie wird. Es heißt auch die „feurige Schlange“,

wie oben beschrieben. Wenn der Schüler den Gedanken festhält, daß bloß Ein

allgemeines Urding ist, unendlich, ungeboren und unsterblich, und das alles

übrige – als in der Welt der Erscheinungen befindlich – von den Wirkungen in der

großen Welt herab bis zu denen in der kleinen, von übermenschlichen Wesen

herab bis zu den menschlichen und untermenschlichen, kurz die Gesamtheit des

gegenständlichen Daseins, bloß ebensoviele verschiedene unterschiedliche

Seiten und Umwandlungen (Wechselbeziehungen nennt man es jetzt) dieses

Einen sind, - dann wird die erste und hauptsächlichste Schwierigkeit

verschwinden, und die geheime Weltenlehre kann bemeistert werden. So gab es

in der ägyptischen wie in der indischen Götterlehre eine Verborgene Gottheit, die

EINE, und einen schöpferischen, mannweiblichen Gott; Shu war der Gott der

Erschaffung, und Osiris in seiner ursprünglichen ersten Form der Gott, „dessen

Name unbekannt ist.“ [26]

[22] Buch der Sarparâjni

[23] Unter „Gott, dem Vater“ ist hier unzweifelhaft das siebente Prinzip im

Menschen und Kosmos verstanden, welches Prinzip in seinem Wesen und

_03 (2 of 3)41.Kommentar III

seiner Natur untrennbar von dem siebenten kosmischen Prinzip ist. In einem

Sinne ist es der Logos der Griechen und der Avalokiteshvara der esoterischen

„Buddhisten“.

[24] Fitzedward Halls Ausgabe, in der Bibliotheca indica, p. 16.

[25] Anugîtâ, ch. XXVI, K. T. Telangs Übersetzung, p. 333.

[26] Siehe Mariettes Abydos, II. 63 und III, 413, 414, No. 1122.

_03 (3 of 3)41.Kommentar III

Alle Kabbalisten und Occultisten des Ostens und Westens anerkennen (a) die

Identität von „Vater-Mutter“ mit dem ursprünglichen Äther, oder Âkâsha

(Astrallicht); und (b) seine Homogeneität vor der Evolution des „Sohnes“,

kosmisch Fohats, denn er ist kosmische Elektricität. „Fohat härtet und zerstreut

die sieben Brüder“; [27] das heißt, die ursprüngliche elektrische Wesenheit –

denn die östlichen Occultisten bestehen darauf, daß die Elektricität eine

Wesenheit ist – elektrisiert den Urstoff oder die vorweltliche Materie zum Leben

und trennt sie in Atome, welche selbst wieder die Quelle alles Lebens und

Bewusstseins sind. „Es existiert ein universeller agent unique aller Formen und

des Lebens, genannt Od, Ob und Aour, [28] aktiv und passiv, positiv und negativ,

wie Tag und Nacht: er ist das erste Licht in der Schöpfung“ (Eliphas Levi) – das

„erste Licht“ der ursprünglichen Elohim, der Adam „männlich und weiblich“, oder

(wissenschaftlich) Elektrizität und Leben.

Die Alten stellten ihn als Schlange dar, denn „Fohat zischt, während er hin und

her gleitet“ (in Zickzacks). Die Kabalah bezeichnet ihn mit dem hebräischen

Buchstaben Teth, [korrekter Abdruck siehe Buch S.105], dessen Symbol die

Schlange ist, welche eine so hervorragende Rolle in den Mysterien spielte. Sein

universeller Wert ist neun, denn es ist der neunte Buchstabe des Alphabets, und

das neunte Thor von den fünfzig Portalen, oder Thorwegen, welche zu den

verborgenen Geheimnissen des Seins führen. Es ist der magische Agent par

excellence, und bezeichnet in der hermetischen Philosophie „Leben gegossen in

die Urmaterie“, die Wesenheit, welche alle Dinge zusammensetzt, und den Geist,

der ihre Form bestimmt. Aber es giebt zwei geheime hermetische Operationen,

eine geistig, die andere materiell, in Wechselbeziehung stehend und für immer

vereinigt. Hermes sagt nämlich:

Trenne die Erde vom Feuer, das Feine vom Groben .... das, was von der

Erde zum Himmel aufsteigt und wiederum vom Himmel zur Erde herabsteigt.

Es (das feine Licht) ist die starke Macht einer jeden Kraft, denn es bezwingt

jedes feine Ding und durchdringt jedes feste. So wurde die Welt geformt.

Zeno, der erste der Stoiker, war nicht der einzige, welcher lehrte, daß das

Weltall sich entwickelt und daß seine erste Substanz umgeformt wird, aus dem

Zustand des Feuers in den der Luft, dann in den des Wassers, u.s.w. Heraklit

von Ephesus behauptete, daß das eine Prinzip, welches allen Erscheinungen in

der Natur zu Grunde liegt, Feuer ist. Die Intelligenz, welche das Weltall bewegt,

ist Feuer, und Feuer ist Intelligenz. Und während Anaximenes dasselbe von der

Luft sagte, und Thales von Milet (600 v. Ch.) vom Wasser, versöhnt die

_05 (1 of 2)42.Kommentar III

esoterische Lehre alle diese Philosophen, indem sie zeigt, dass, obwohl ein jeder

Recht hatte, doch das System von keinem vollständig war.

[27] Buch des Dzyan, III.

[28] Od ist das reine lebensspendende Licht, oder die magnetische

Flüssigkeit; Ob, der Bote des Todes, gebraucht von den Zauberern, die

verderbliche üble Flüssigkeit; Aour ist die Synthese der beiden, das

eigentliche Astrallicht. Können die Philologen sagen, wieso Od – ein von

Reichenbach zur Benennung der Lebensflüssigkeit gebrauchter Ausdruck –

auch ein tibetanisches Wort ist, das Licht, Helligkeit, Strahlung bedeutet? Es

bedeutet auch „Himmel“ in einem occulten Sinn. Woher stammt das Wort?

Aber Âkâsha ist nicht genau Ether, sondern etwas viel Höheres als dieser, wie

gezeigt werden wird.

_05 (2 of 2)42.Kommentar III

STROPHE III. – Fortsetzung.

8. WO WAR DER KEIM, UND WO WAR JETZT DIE FINSTERNIS? WO IST

DER GEIST DER FLAMME, WELCHE IN DEINER LAMPE BRENNT, O LANOO!

DER KEIM IST TAT, UND TAT IST DAS LICHT, DER WEISSE STRAHLENDE

SOHN DES DUNKLEN VERBORGENEN VATERS.

Die Antwort auf die erste Frage, angedeutet durch die zweite,welche die

Erwiderung des Lehrers an den Schüler ist, enthält in einer einzigen Phrase eine

der wesentlichsten Wahrheiten der occulten Philosophie. Sie weist auf das

Dasein von Dingen hin, die, unerkennbar unsern physischen Sinnen, viel

wichtiger, reeller und dauerhafter sind, als jene, welche sich an die Sinne selbst

wenden. Bevor der Lanoo hoffen kann, das transscendental metaphysische

Problem zu verstehen, welches in der ersten Frage enthalten ist, muß er fähig

sein, die zweite zu beantworten; während die Antwort selbst, die er auf die zweite

giebt, ihm den Faden zur richtigen Beantwortung der ersten bietet.

In dem Sanskritkommentar zu dieser Strophe werden mannigfaltige Ausdrücke

für das verborgene und nicht offenbarte Prinzip gebraucht. In den ältesten

Handschriften der indischen Litteratur hat diese nichtoffenbarte abstrakte Gottheit

keinen Namen. Es wird allgemein „Dieses“ (Tat im Sanskrit) genannt, und

bedeutet alles, was ist, war und sein wird, oder was so vom menschlichen Gemüt

aufgenommen werden kann.

Unter diesen Beinamen – die natürlich nur der esoterischen Philosophie

angehören – wie: die „unergründliche Dunkelheit“, der „Wirbelwind“ u. s. w. wird

es auch genannt: „Es von dem Kâlahansa“, der „Kâla-ham-sa“ und selbst der

„Kâli Hamsa“ (der schwarze Schwan). Hier ist das m und n vertauschbar, beide

klingen wie das nasale französische an oder am. Wie im Hebräischen, so liefert

auch im Sanskrit manch ein geheimnisvoller heiliger Name dem profanen Ohre

nichts weiter als ein gewöhnliches und oft gemeines Wort, weil er

anagrammatisch oder anderweise versteckt ist. Dieses Wort Hansa, oder

Hamsa, bildet gerade so einen Fall. Hamsa ist so viel wie „A-ham-sa“, drei Silben

mit der Bedeutung „Ich bin Er“; während nach einer noch anderen Einteilung „So-ham“,

„Er [ist] Ich“, zu lesen ist. In diesem einen Wort ist für den, der die Sprache

der Weisheit versteht, das universale Mysterium, die Lehre von der Identität der

Menschenwesenheit mit der Gottwesenheit, enthalten. Daher die Glyphe und

Allegorie vom Kâlahansa (oder Hamsa), und der Name, welcher dem Brahman

(neutrum) und später dem männlichen Brahmâ gegeben wurde, nämlich Hamsa-http://

212.88.187.41/FTP/theosophie/Geheimlehre_07 (1 of 5)42.Kommentar III

vâhana, „er, der den Hamsa als sein Fahrzeug benützt“. Dasselbe Wort kann

auch gelesen werden „Kâlaham-sa“ oder „Ich bin Ich, in der Ewigkeit der Zeit“,

was dem biblischen oder richtiger zoroastrischen „Ich bin, der ich bin“ entspricht.

Dieselbe Lehre findet sich in der Kabalah, wofür der folgende Auszug aus einem

unveröffentlichten Manuskript des Herrn S. Liddell McGregor Mathers, des

gelehrten Kabbalisten, Zeugnis giebt.

Die drei Pronomina [korrekter Abdruck siehe Buch S.107], Hua, Atch, Ani – er,

du, ich – werden gebraucht, um die Ideen des Makroprosopus und

Mikrokrosopus in der hebräischen Kabalah zu symbolisieren. Hua, „er“ wird

auf den verborgenen und geheimen Makroprosopus; Ateh, „du“ auf den

Mikroprosopus; und Ani, „ich“ auf den letzteren, wenn er als sprechend

dargestellt wird, angewendet. (Siehe Lesser Holy Assembly, 204 ff.). Es ist zu

beachten, daß jeder dieser Namen aus drei Buchstaben besteht, von welchen

der Buchstabe Aleph [korrekter Abdruck siehe Buch S.107], A, den Schluß des

ersten Wortes Hua, und den Anfang von Ateh und Ani bildet, bildet, als ob er

das Bindeglied zwischen ihnen wäre. Aber [korrekter Abdruck siehe Buch

S.107] ist das Symbol der Einheit und infolgedessen der unveränderlichen

Idee des Göttlichen, welches durch alle diese wirkt. Aber hinter dem [korrekter

Abdruck siehe Buch S.107]in dem Namen Hua sind die Buchstaben [korrekter

Abdruck siehe Buch S.107] und [korrekter Abdruck siehe Buch S.107], die

Symbole der Zahlen sechs und fünf, des Männlichen und Weiblichen, des

Hexagramm und Pentagramm. Und die Zahlen dieser drei Worte, Hua, Ateh,

Ani, sind 12, 406 und 61, welche in die Schlüsselzahlen 3, 10 und 7 summiert

werden, nach der Kabalah der neun Kammern, welche eine Form der

exegetischen Regel der Temura ist.

Es ist nutzlos, eine vollständige Erklärung des Geheimnisses zu versuchen.

Materialisten und Männer der modernen Wissenschaft werden es niemals

verstehen, da man, um eine klare Vorstellung davon zu erhalten, vor allem

andern den Grundsatz einer allgemein ausgebreiteten, allgegenwärtigen, ewigen

Gottheit in der Natur anzuerkennen hat; zweitens das Geheimnis des wahren

Wesens der Elektricität ergründet haben muß; und drittens, den Menschen für

das siebenfache Symbol auf der irdischen Ebene von der Einen großen Einheit,

dem Logos, zu halten hat, welcher selbst wieder das siebenvokalige Zeichen, der

zum Wort krystallisierte Atem ist. [29] Wer an all dieses glaubt, muß auch an die

vielfältige Kombination der sieben Planeten des Occultismus und der Kabalah,

mit den zwölf Tierkreiszeichen glauben; und muß, wie wir es thun, jedem

_07 (2 of 5)42.Kommentar III

Planeten und jeder Konstellation einen Einfluß zuschreiben, der, nach den

Worten Herrn Ely Stars (eines französischen Astrologen) „demselben

eigentümlich ist, wohltätig oder übel, und dies je nach dem Planetengeist, der ihn

regiert, welcher seinerseits imstande ist, Menschen und Dinge, die sich in

Harmonie mit ihm befinden und mit welchen er irgendwelche Verwandtschaft hat,

zu beeinflussen“.

Aus diesen Gründen, und weil nur wenige an das Vorstehende glauben, kann

jetzt einzig und allein mitgeteilt werden, dass in beiden Fällen das Symbol des

Hansa (einerlei ob Ich, Er, Gans oder Schwan) ein wichtiges Symbol ist, das,

neben andern Dingen, göttliche Weisheit, Weisheit in der Dunkelheit,

unerreichbar den Menschen, versinnbildlicht. Für alle exoterischen Zwecke ist

Hansa, wie jeder Hindû weiß, ein fabelhafter Vogel, welcher (nach der Allegorie),

wenn man ihm Milch mit Wasser gemischt zur Nahrung gab, die beiden trennte,

die Milch trank und das Wasser übrigließ; somit innewohnende Weisheit

anzeigte, da Milch Geist und Wasser Stoff symbolisiert.

Daß diese Allegorie sehr alt ist und aus der allerfrühesten archaischen Periode

herstammt, zeigt die im Bhâgavata Purâna vorkommende Erwähnung einer

gewissen Kaste Namens Hamsa oder Hansa, die einst die „eine Kaste“ par

excellence war; als weit zurück in den Nebeln einer vergessenen Vergangenheit

unter den Hindûs bloß „Ein Veda, Eine Gottheit, Eine Kaste“ war. Es giebt auch

eine Kette in den Himâlayas, nach der Beschreibung in den alten Büchern

nördlich vom Berge Meru gelegen, mit Namen Hamsa, und in Zusammenhang

mit Ereignissen, die der Geschichte der religiösen Mysterien und Initiationen

angehören. Wenn in den exoterischen Texten und Übersetzungen der

Orientalisten Kâlahansa als das Fahrzeug von Brahmâ-Prajâpati angenommen

wird, so ist das ein vollständiges Missverständnis. Brahman, das neutrum, heißt

bei ihnen Kâla-hansa, und Brahmâ, der männliche, Hansa-vâhana, weil,

wahrhaftig! „sein Fahrzeug ein Schwan oder eine Gans ist.“ [30] Das ist eine rein

exoterische Erklärung. Esoterisch und logisch betrachtet: wenn Brahman, das

Unendliche, all das ist, als was es die Orientalisten beschreiben, und, in

Übereinstimmung mit den Vedântatexten, eine abstrakte Gottheit ist, die auf

keinerlei Weise durch die Beilegung irgendwelcher menschlicher Attribute

charakterisiert ist, und wenn zur selben Zeit behauptet wird, daß er oder es

Kâlahansa genannt wird – wie kann es dann jemals zum Vâhan oder Brahmâ,

des geoffenbarten endlichen Gottes werden? Es ist gerade das Umgekehrte.

„Schwan oder Gans“ (Hansa) ist das Symbol der männlichen oder zeitlichen

Gottheit, Brahmâ, der Emanation aus dem ursprünglichen Strahl, dazu bestimmt,

_07 (3 of 5)42.Kommentar III

als Vâhan oder Fahrzeug für den göttlichen Strahl zu dienen, der auf andere Art

sich im Weltall nicht offenbaren könnte, da er (antiphrastisch) selbst eine

Emanation der Dunkelheit ist – mindestens für unsern menschlichen Intellekt. Es

ist somit Brahmâ Kâlahansa und der Strahl Hansa-vâhana.

Was das somit gewählte seltsame Symbol anbelangt, so ist es

gleichermaßen bedeutungsvoll; die wahre mystische Bedeutung ist

die Idee einer universellen Matrix, gebildet von den ursprünglichen

Wassern der Tiefe, oder der Öffnung für die Aufnahme, und in der

Folge für die Aussendung, jenes Einen Strahles (des Logos), der in

sich die andern sieben zeugenden Strahlen oder Kräfte (die Logoi

oder Bildner) enthält. Daher wählten die Rosenkreuzer den

Wasservogel – sei es Schwan oder Pelikan [31] - mit sieben

Jungen als ein Symbol, das für die Religion eines jeden Landes

abgeändert und angepasst wurde.

Ain Suph heißt die „Feurige Seele des Pelikan“ im Buche der Zahlen. [32]

Er erscheint mit jedem Manvantara als Nârâyana, oder

Svâyambhuva, der Selbstexistierende, und, in das Weltenei

eindringend, taucht er am Ende der göttlichen Inkubation daraus

als Brahmâ, oder Prajâpati, der Vorfahre des zukünftigen Weltalls

hervor, in das er sich ausdehnt. Er ist Purusha (Geist), aber er ist

auch Prakriti (Stoff). Daher wird Prajâpati erst nach erfolgter

Selbstteilung in zwei Hälften – in Brahmâ-Vâch (die weibliche) und

Brahmâ-Virâj (die männliche) – zum männlichen Brahmâ.

[29] Die ist wiederum ähnlich der Lehre Fichtes und deutscher Pantheisten.

Ersterer verehrt Jesus als den großen Lehrer, der die Einheit des

Menschengeistes mit dem Gottesgeist oder Universellen Prinzip betonte (die

Advaita-Lehre). Es ist schwer, eine einzige Spekulation in der Metaphysik des

Westens zu finden, die nicht schon von der archaischen östlichen Philosophie

vorweggenommen wäre. Von Kant bis Herbert Spencer ist alles ein mehr oder

weniger entstelltes Echo von Dvaita-, Advaita- und Vedântalehren im

allgemeinen.

_07 (4 of 5)42.Kommentar III

[30] Vergleiche Dowsons Dictonary of Hindû Mythology, p.57.

[31] Ob die Gattung des Vogels cygnus, anser, oder pelecanus ist, thut nichts

zur Sache, da es ein Wasservogel ist, der auf den Wassern schwimmt und

sich bewegt wie der Geist, und dann von diesen Wassern hervorkommt, um

andere Wesen zu gebären. Die wahre Bedeutung des Symbols vom

achtzehnten Grade der Rosenkreuzer ist genau dieselbe, obwohl sie später

poetisch zu dem mütterlichen Gefühl des Pelikans gemacht wurde, der seine

Brust aufreißt, um seine sieben Jungen mit seinem Blute zu ernähren.

[32] Der Grund, warum Moses verbietet, den Pelikan und Schwan zu essen

(Deuteron., XIV. 16, 17), indem er beide zu den unreinen Vögeln rechnet, und

es gestattet „die großen Heuschrecken, Käfer und den Grashüpfer nach

seiner Art“ (Leviticus XI. 22) zu essen, ist ein rein physiologischer, und hat mit

mystischer Symbologie nur insofern zu thun, als das Wort „unrein“, wie jedes

andere Wort, nicht buchstäblich aufgefaßt werden sollte, denn es ist

esoterisch wie alles übrige, und kann ebenso gut „heilig“ bedeuten als auch

nicht. Es ist eine sehr anregende Blende in Zusammenhang mit gewissen

Äußerungen des Aberglaubens – z.B. des russischen Volkes, das die Taube

nicht zur Nahrung verwenden will; nicht weil sie „unrein“ ist, sondern weil der

„heilige Geist“ unter der Gestalt einer Taube erschienen sein soll.

_07 (5 of 5)42.Kommentar III

STROPHE III – Fortsetzung.

9. LICHT IST KALTE FLAMME, UND FLAMME IST FEUER,

UND FEUER BEWIRKT HITZE, WELCHE DAS WASSER GIEBT –

DAS WASSER DES LEBENS IN DER GROSSEN MUTTER. [33]

Man halte sich vor Augen, daß die Worte „Licht“, „Flamme“ und

„Feuer“ von den Übersetzern dem Wörterbuche der alten

„Feuerphilosophen“ [34] entnommen wurden, um die Bedeutung

der im Originale angewendeten archaischen Ausdrücke und

Symbole klarer wiederzugeben. Sonst würden sie einem

europäischen Leser vollständig unverständlich geblieben sein.

Einem Schüler des Occulten werden jedoch die obigen Ausdrücke

genügend klar sein.

All dies – „Licht“, „Flamme“, „Kälte“, „Feuer“, „Hitze“, „Wasser“ und

„Wasser des Lebens“ – sind auf unserer Ebene die Nachkommen

oder, wie ein moderner Physiker sagen würde, die Korrelationen

der Elektricität. Mächtiges Wort, und noch mächtigeres Symbol!

Heiliger Erzeuger nicht minder heiliger Nachkommenschaft; von

Feuer – dem Schöpfer, dem Erhalter und dem Zerstörer; von Licht

– der Wesenheit unserer göttlichen Vorfahren; von Flamme – der

Seele der Dinge. Elektricität, das Eine Leben auf der oberen Stufe

des Seins, und Astralflüssigkeit, Athanor der Alchimisten, auf der

unteren; Gott und Teufel, Gut und Böses.

Warum wird nun das Licht „kalte Flamme“ genannt? In der

Ordnung der kosmischen Entwicklung (wie sie die Occultisten

lehren) wird die Kraft, welche den Stoff nach dessen erster

Formung zu Atomen in Bewegung setzt, auf unserer Ebene von

kosmischer Wärme erzeugt; und vor dieser Periode bestand kein

Kosmos im Sinne von getrenntem Stoff. Der erste ursprüngliche

Stoff, ewig und gleichalterig mit dem Raume „welcher weder

Anfang noch Ende hat, [ist] weder heiss noch kalt, sondern ist von

seiner eigenen besonderen Natur“, sagt der Kommentar. Wärme

und Kälte sind relative Qualitäten und gehören den Bereichen der

geoffenbarten Welten an, welche alle aus der geoffenbarten Hyle

hervorgehen, welche, in ihrem absolut latenten Aspekt, als die

„kalte Jungfrau“ bezeichnet wird, und, zum Leben erwacht, als die

„Mutter“. Die alten westlichen kosmogonischen Mythen sagen, daß

zuerst nur kalter Nebel (der Vater) und der fruchtbare Schlamm (die

_09 (1 of 3)43.Kommentar III

Mutter, Ilys oder Hyle) waren, woraus die Weltschlange (Materie)

hervorkroch. [35] Ursprüngliche Materie ist somit, bevor sie aus der

Ebene des sich niemals Offenbarenden emportaucht und zur

pulsierenden Thätigkeit unter dem Anstoß von Fohat erwacht, bloß

„eine kalte Strahlung, farblos, formlos, gefühllos, und bar jeder

Qualität oder Aspekts“. So sind selbst ihre Erstgeborenen, die „vier

Söhne“, welche „Eins sind und Sieben werden“ – mit deren

Eigenschaften und Namen die alten östlichen Occultisten die vier

von den sieben ursprünglichen „Kraftcentren“ oder Atomen

benannten, welche sich später zu den großen kosmischen

„Elementen“ entwickeln, nun in die ungefähr siebzig der

Wissenschaft bekannten Unterelemente geteilt. Die vier

„ursprünglichen Naturen“ der ersten Dhyân Chohans sind die in

Ermanglung besserer Ausdrücke sogenannten âkâshischen,

etherischen, wässerigen und feurigen. Sie entsprechen, in der

Terminologie des praktischen Occultismus, den wissenschaftlichen

Definitionen von Gasen, welche – um sowohl Occultisten als Laien

eine klare Vorstellung zu vermitteln – als parahydrogenisch [36] ,

paraoxygenisch, oxyhydrogenisch und ozonisch, oder vielleicht

nitrozonisch definiert werden mögen; die letzteren Kräfte oder Gase

(im Occultismus übersinnliche, jedoch atomistische Substanzen)

sind die wirkungsvollsten und thätigsten, wenn sie auf der Ebene

der gröber differenzierten Materie wirken. Diese Elemente sind

zugleich elektropositiv und elektronegativ. Diese und noch viele

andere sind wahrscheinlich die fehlenden Bindeglieder der Chemie.

Sie sind unter anderen Namen in der Alchemie und den

Occultisten, welche mit phänomenalen Kräften arbeiten, bekannt.

Durch verbinden, und wiederverbinden, oder trennen der

„Elemente“ auf gewisse Art, mit Hilfe des Astralfeuers, werden die

größten Phänomene hervorgebracht.

[33] Chaos.

[34] Nicht der mittelalterlichen Alchimisten, sondern der Magier und

Feuerverehrer, von denen die Rosenkreuzer, oder die Philosophen per ignem,

die Nachfolger der Theurgisten, alle ihre Ideen in Bezug auf das Feuer als einem

mystischen und göttlichen Elemente geborgt haben.

[35] Isis Unveiled, I. 146.

_09 (2 of 3)43.Kommentar III

[36] „Para“ giebt den Sinn von jenseits, außerhalb.

_09 (3 of 3)43.Kommentar III

STROPHE III. – Fortsetzung.

10. VATER-MUTTER SPINNEN EIN GEWEBE, DESSEN OBERES ENDE AM

GEISTE [37] - DEM LICHTE DER EINEN FINSTERNIS – BEFESTIGT IST, UND

DESSEN UNTERES AM SCHATTENHAFTEN ENDE, DER MATERIE [38] . UND

DIESES GEWEBE IST DAS UNIVERSUM, GESPONNEN AUS DEN ZWEI

SUBSTANZEN, IN EINER VERBUNDEN, WELCHE SVABHÂVAT IST.

In der Mândukya Upanishad [39] heißt es: „wie eine Spinne ihr Gewebe auswirft

und wieder einzieht, wie Kräuter aus dem Boden hervorsprießen ... so stammt

das Weltall aus dem Unvergänglichen,“ Brahmâ, denn der „Keim des

unbekannten Dunkels“ ist das Material, aus dem alles evolviert wird und sich

entwickelt, „wie das Gewebe aus der Spinne, wie der Schaum aus dem Wasser“

u. s. w. Das ist nur anschaulich und wahr, wenn das Wort „Brahmâ“, der

„Schöpfer“, abgeleitet wird von der Wurzel brih, „zunehmen“ oder „sich

ausbreiten“. Brahmâ „breitet sich aus“ und wird zum Weltall, das aus seiner

eigenen Substanz gewoben ist.

Dieselbe Idee wurde von Goethe schön in den Worten ausgesprochen:

So schaff ich am sausenden Webstuhl der Zeit,

Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.

STROPHE III. – Fortsetzung.

11. Es [40] BREITET SICH AUS, WENN DER ATEM DES FEUERS [41] AUF

IHM HAFTET; ES ZIEHT SICH ZUSAMMEN, WENN DER ATEM DER MUTTER

[42] ES BERÜHRT. DANN TRENNEN SICH DIE SÖHNE [43] UND ZERTEILEN

SICH, UM AM ENDE DES GROSSEN TAGES IN DEN SCHOSS DER MUTTER

ZURÜCKZUKEHREN UND WIEDER EINS MIT IHR ZU WERDEN. WENN ES

[44] SICH ABKÜHLT, WIRD ES STRAHLEND. DIE SÖHNE BREITEN SICH

AUS UND ZIEHEN SICH ZUSAMMEN DURCH IHR EIGENES WESEN UND

HERZ; SIE UMARMEN DIE UNENDLICHKEIT.

Das Ausbreiten des Weltalls unter dem „Atem des Feuers“ ist sehr bedeutsam,

wenn im Lichte der Feuernebelperiode betrachtet, von der die moderne

Wissenschaft so viel spricht und in Wirklichkeit so wenig weiß.

Große Hitze zersprengt die zusammengesetzten Elemente und löst die

_11 43.Kommentar III

Himmelskörper in ihr ursprüngliches eines Element auf; wie der Kommentar

erklärt.

„Einmal in seinen ursprünglichen Bestandteil zersetzt, wird ein Körper, indem

er in die Anziehung und den Bereich eines Focus oder Centrums von Wärme

(Energie) kommt, deren viele im Raume hin und her geführt werden, sei er

lebendig oder tot, verflüchtigt und im „Schoße der Mutter“ zurückgehalten

werden, bis Fohat, indem er ein paar Haufen kosmischer Materie (Nebel)

sammelt, ihn durch seinen Anstoß aufs neue in Bewegung setzen, die nötige

Wärme entwickeln und es ihm dann überlassen wird, seinem eigenen neuen

Wachstum zu folgen“.

Das Ausbreiten und Einziehen des „Gewebes“ – d. i. des Weltstoffes oder der

Atome, deutet hier die pulsierende Bewegung an; denn die regelmäßige

Zusammenziehung und Ausdehnung des unendlichen und uferlosen Ozeans,

dessen, was wir an sich das Ding der Materie, emaniert von Svabhâvat, nennen

können, ist es, was die allgemeine Schwingung der Atome verursacht. Aber noch

etwas anderes wird damit angedeutet. Es zeigt, daß die Alten mit dem bekannt

waren, was jetzt die Verlegenheit vieler Gelehrter und insbesondere von

Astronomen ist, - mit der Ursache der ersten Erhitzung der Materie oder des

Weltstoffes, mit dem Paradoxon, daß Wärme durch

Erkältungszusammenziehung hervorgerufen werde, und mit anderen solchen

kosmischen Rätseln – denn es weist unzweideutig auf das Bekanntsein der Alten

mit solchen Phänomenen. „Es giebt innere Wärme und äußere Wärme bei jedem

Atome“ sagen die handschriftlichen Kommentare, welche der Schreiberin

zugänglich waren, „den Atem des Vaters (Geistes), und den Atem (oder Wärme)

der Mutter (Materie)“: und sie geben Erklärungen, welche zeigen, daß die

moderne Theorie des Erlöschens der Sonnenfeuer, durch den Wärmeverlust

infolge von Ausstrahlung, eine irrtümliche ist. Die Annahme ist sogar nach dem

eigenen Zugeständnisse der Gelehrten falsch. Denn, wie Professor Newcomb

[45] ausführt, „durch den Verlust von Wärme zieht sich ein gasförmiger Körper

zusammen, und die Wärmemenge, die durch die Zusammenziehung erzeugt

wird, übertrifft jene, welche er verlieren musste, um die Zusammenziehung

hervorzubringen“. Dieses Paradoxon, daß ein Körper um so heißer wird, je

größer die durch sein Kälterwerden bewirkte Zusammenziehung ist, hat zu

langen Auseinandersetzungen geführt. Der Überschuß an Wärme, so wird

geschlossen, geht durch Strahlung verloren, und anzunehmen, daß die

Temperatur nicht gleichmäßig mit einer Abnahme des Volumens bei

gleichbleibendem Drucke abnehme, hieße das Gesetz von Charles außer Acht

_11 (2 of 4)43.Kommentar III

lassen. Zusammenziehung bewirkt Wärme, das ist wahr; aber

Zusammenziehung (infolge von Abkühlung) ist nicht im Stande, den ganzen

Betrag von Wärme zu entwickeln, der zu irgend einer Zeit in der Masse existiert,

oder auch nur den Körper auf einer konstanten Temperatur zu erhalten, u. s. w.

Professor Winchell sucht das Paradoxon – das thatsächlich nur ein scheinbares

ist, wie J. Homer Lane [46] bewiesen hat – zu lösen, indem er „etwas außer der

Wärme“ andeutet. „Kann es nicht,“ so fragt er, „einfach eine Abstoßung zwischen

den Molekülen sein, die nach irgend einem Abstandsgesetz sich ändert?“ [47]

Aber auch das wird sich als unvereinbar erweisen, wenn nicht dieses „Etwas

außer der Wärme“ als „Unverursachte Wärme“, als „Atem des Feuers“, als

allschöpferische Kraft plus absoluter Intelligenz bezeichnet wird, was die

Naturwissenschaft kaum annehmen wird.

Mag sein wie immer, das Lesen dieser Strophe zeigt, daß dieselbe trotz ihrer

archaischen Ausdrucksweise wissenschaftlicher ist als die moderne

Wissenschaft selbst.

[37] Purusha.

[38] Prakriti.

[39] I, I. 7.

[40] Das Gewebe.

[41] Der Vater.

[42] Die Wurzel des Stoffes.

[43] Die Elemente mit ihren entsprechenden Kräften oder Intelligenzen.

[44] Das Gewebe.

[45] Popular Astronomy, p. 507, 508.

_11 (3 of 4)43.Kommentar III

[46] American Journal of Science, July, 1870.

[47] Winchell, World-Life, pp. 83-85.

_11 43.Kommentar III

STROPHE III. – Schluß.

12. DANN SENDET SVABHABAT FOHAT, UM DIE ATOME ZU HÄRTEN.

JEDES [48] IST EIN TEIL DES GEWEBES. [49] INDEM ES DEN

„SELBSTEXISTIERENDEN HERRN“ [50] WIE EIN SPIEGEL REFLEKTIERT,

WIRD JEDES DER REIHE NACH ZU EINER WELT. [51]

Fohat härtet die Atome, d. h. indem er denselben Energie einflößt, zerstreut er

die „Atome“, oder den Urstoff. „Er zerstreut sich selbst, indem er die Materie in

Atome zerstreut.“

Mit Hilfe Fohats werden die Ideen des Universalgemütes der Materie

aufgedrückt. Eine schwache Vorstellung von der Natur von Fohat kann aus der

Bezeichnung „kosmische Elektricität“ gewonnen werden, die manchmal darauf

angewendet wird; doch müssen in diesem Falle den allgemein bekannten

Eigenschaften der Elektricität noch andere hinzugefügt werden, einschließlich

der Intelligenz. Es ist interessant zu bemerken, daß die moderne Wissenschaft

zu dem Schlusse gekommen ist, daß jede Gehirnthätigkeit von elektrischen

Erscheinungen begleitet ist.

[48] Der Atome.

[49] Des Weltalls.

[50] Ursprüngliches Licht.

[51] Dies ist mit Rücksicht auf die Thatsache gesagt, daß die Flamme eines

Feuers unerschöpflich ist, und daß die Lichter des ganzen Weltalls an einem

einfachen Nachtlicht entzündet werden könnten, ohne dessen Flamme zu

vermindern.

_13a44.Kommentar IV

STROPHE IV.

1. HÖRET, IHR SÖHNE DER ERDE, AUF EURE LEHRER, DIE SÖHNE

DES FEUERS (a). LERNET; DASS ES WEDER ERSTES NOCH LETZTES

GIEBT; DENN ALLES IST EINE EINZIGE ZAHL, DIE AUS DER NICHT-ZAHL

HERVORGAGANGEN IST (b).

(a) Die Ausdrücke, die „Söhne des Feuers“, die „Söhne des Feuernebels“, und

dergleichen, bedürfen einer Erklärung. Sie hängen mit einem großen

ursprünglichen und universellen Geheimnis zusammen, und es ist nicht leicht,

dasselbe klar zu machen. Es giebt eine Stelle in der Bhagavadgîtâ, wo Krishna,

symbolisch und esoterisch sprechend, sagt:

„Ich will dir erklären unter welchen Umständen die Frommen, wenn sie die

Erde verlassen, dahin gehen, um entweder wieder geboren zu werden oder

nicht wiederzukommen. Feuer, Licht, Tag, die Zeit des zunehmenden Mondes,

das Halbjahr, wenn die Sonne hochsteht. Die, welche unter solchen

Umständen sterben, erkennen Brahma und gehen zu Brahma ein. Rauch,

Nacht, die Zeit des abnehmenden Mondes, die sechs Monate, wenn die

Sonne tief steht. Die Ergebenen, welche unter solchen Umständen von der

Welt scheiden, erlangen nur das Licht (oder Wohnung, auch das Astrallicht)

des Mondes und kehren wieder zurück (werden wiedergeboren).

Diese zwei Wege, der lichte und der düstere, sind als der Welt (oder dieses

großen Kalpas [Zeitalters] ewige Wege bekannt.

Der eine führt (einen Menschen) zur Nimmerwiederkehr, auf dem anderen

kehrt man wieder zurück. [1]

Nun sind diese Ausdrücke „Feuer“, „Licht“, „Tag“, „die Zeit des zunehmenden

Mondes“ u.s.w., sowie „Rauch“, „Nacht“ etc., welche nur zum Ziele des

Mondpfades leiten, ohne eine Kenntnis der Geheimlehre unverständlich. Es sind

dies alles Namen von verschiedenen Gottheiten, welche den kosmopsychischen

Kräften vorstehen. Wir sprechen oft von einer Hierarchie der „Flammen“, von den

„Söhnen des Feuers“ u.s.w. Shankarâchârya, der größte der esoterischen

Meister von Indien, sagt: Feuer bedeute eine Gottheit, welche der Zeit (Kâla)

vorsteht. Der geschickte Übersetzer der Bhagavadgîtâ, Kâshinâth Trimbak

Telang, M. A., aus Bombay, gesteht, daß er „keine klare Vorstellung von dem

Sinn dieser Verse habe“. Derselbe erscheint jedoch jenem als ganz klar, der die

occulte Lehre kennt. Diese Verse stehen in Beziehung zu dem mystischen Sinn

der Sonnen- und Mondsymbole. Die Pitris sind Mondgottheiten und unsere

_13b (1 of 3)44.Kommentar IV

Vorfahren, weil sie den physischen Menschen erschaffen haben. Die

Agnishvattas, die Kumâras (die sieben mystischen Weisen), sind

Sonnengottheiten, obwohl sie auch Pitris sind; und diese sind die „Former des

inneren Menschen“. Sie sind „die Söhne des Feuers“, weil sie die ersten Wesen,

in der Geheimlehre „Gemüter“ genannt, sind, die aus dem Urfeuer entwickelt

wurden. „Der Herr ist ein verzehrendes Feuer.“ [2] „Der Herr wird

geoffenbart werden mit seinen mächtigen Engeln in Feuerflammen.“ [3] Der

heilige Geist stieg auf die Apostel herab als „Zungen zerteilet wie von Feuer“; [4]

Vishnu wird auf Kalkî, dem weißen Rosse, als der letzte Avatâra inmitten von

Feuer und Flammen wiederkehren; und Sosiosh wird ebenfalls auf einem weißen

Pferde in einem „Wirbelsturm von Feuer“ herabsteigen. „Und ich sahe den

Himmel aufgethan, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß . und

sein Name heißt das Wort Gottes“ [5] inmitten von Feuerflammen. Feuer ist Äther

in seiner reinsten Form, und wird daher nicht als Materie betrachtet, sondern ist

die Einheit des Äthers – der zweiten, manifestierten Gottheit – in seiner

Universalität. Aber es giebt zwei „Feuer“, und in der occulten Lehre wird ein

Unterschied zwischen denselben gemacht. Das erstere, oder das rein formlose

und unsichtbare Feuer, verborgen in der centralen geistigen Sonne, wird als

dreifach bezeichnet (metaphysisch), während das Feuer des manifestierten

Kosmos siebenfach ist, sowohl im Weltall als in unserm Sonnensystem. „Das

Feuer der Erkenntnis verbrennt alle Handlung auf der Ebene der Täuschung“,

sagt der Kommentar. „Daher heißen jene, die es erlangt haben und befreit sind,

‘Flammen’.“ Indem er von den sieben Sinnen, die als Hotris, oder Priester,

symbolisiert sind, spricht, sagt Nârada in der Anugîtâ: „Somit sind diese sieben

[Sinne, Geruch und Geschmack und Farbe und Ton, u. s. w.] die Ursachen der

Befreiung“; und der Übersetzer fügt hinzu: „Eben von diesen sieben muß das

Selbst befreit werden. ‘Ich’ [in dem Satze ‘Ich bin frei von Eigenschaften’]

muß das Selbst bedeuten, nicht den Brâhmana, der spricht.“ [6]

[1] Kapitel VIII, 23-26. (Hartmanns Übersetzung. Anm. des Übers.)

[2] Deuteronom. IV. 24.

[3] 2. Thess., I., 7. 8.

[4] Apostelgesch., II. 3.

_13b (2 of 3)44.Kommentar IV

[5] Offenb., XIX. 13.

[6] Telangs Übersetzung, Sacred Books of the East, VIII. 278.

_13b (3 of 3)44.Kommentar IV

(b) Der Ausdruck „alles ist eine einzige Zahl, die aus der Nicht-Zahl

hervorgegangen ist“, bezieht sich wiederum auf jenen universellen und

philosophischen Lehrsatz, der soeben im Kommentar zu Vers 4 von Strophe III

erklärt wurde. Das, was absolut ist, ist natürlich Nicht-Zahl; aber in seiner

späteren Bedeutung hat es seine Anwendung sowohl in Zeit als Raum. Es

bedeutet, daß nicht bloß jeder Zuwachs von Zeit ein Teil eines größeren

Zuwachses ist, hinauf bis zur ins Unbestimmteste verlängerten Dauer, die der

menschliche Intellekt sich vorstellen kann, sondern auch, daß kein geoffenbartes

Ding anders als als Teil eines Ganzen gedacht werden kann; das

Gesamtaggregat ist das Eine geoffenbarte Weltall, das aus dem

Ungeoffenbarten oder Absoluten hervorgeht, welches Nicht-Sein oder „Nicht-Zahl“

genannt wird, zum Unterschiede vom Sein, oder der „Einen Zahl“.

STROPHE IV. – Fortsetzung.

2. HÖRET, WAS WIR, DIE ABKÖMMLINGE DER URSPRÜNGLICHEN

SIEBENHEIT, DIE WIR AUS DER URFLAMME GEBOREN SIND, VON

UNSERN VÄTERN GELERNT HABEN .

Dies wird in Buch II erklärt, und der Ausdruck „Urflamme“ bestätigt das im ersten

Abschnitte des vorstehenden Commentars zu Strophe IV Gesagte.

Der Unterschied zwischen den „ursprünglichen“ und den folgenden sieben

Bauleuten ist der, daß die ersteren der Strahl sind und die direkte Emanation der

ersten „heiligen Vier“, der Tetraktys, das ist des ewig selbstexistierenden Einen, -

ewig, man beachte das wohl, der Wesenheit, nicht der Manifestation nach, und

unterschieden von dem universellen Einen. Latent während des Pralaya und

aktiv während des Manvantara, gehen die „Ursprünglichen“ aus „Vater-Mutter“

(Geist-Hyle oder Ilys) hervor; während die andere, geoffenbarte Vierheit

und die Sieben aus der Mutter allein hervorgehen. Letztere ist die unbefleckte

Jungfrau-Mutter, die von dem universellen Geheimnis überschattet, nicht

geschwängert, ist – wenn sie aus ihrem Zustand von Laya oder

Undifferenziertheit emportaucht. In Wirklichkeit sind sie natürlich alle eines; aber

ihre Aspekte auf den verschiedenen Daseinsebenen sind verschieden.

Die ersten Ursprünglichen sind die höchsten Wesen auf der Stufenleiter des

Daseins. Sie sind die Erzengel des Christentums, jene, die sich weigern, zu

erschaffen oder vielmehr sich zu vermehren – wie Michael that in dem späteren

_15 (1 of 3)44.Kommentar IV

System, und wie die ältesten „aus der Seele geborenen Söhne“ des Brahmâ (die

Vedhâs) thaten.

STROPHE IV. – Fortsetzung.

3. AUS DEM GLANZE DES LICHTES, DAS AUS DEM EWIG DUNKLEN

STRAHLTE, ENTSPRANGEN IM RAUME DIE WIEDERERWACHTEN

ENERGIEEN; [7] DIE EINE AUS DEM EI, DIE SECHS UND DIE FÜNF (a).

DANN DIE DREI, DIE EINE, DIE VIER, DIE EINE, DIE FÜNF – DIE ZWEIMAL

SIEBEN, DIE GESAMTSUMME (b). UND DIESE SIND: DIE ESSENZEN, DIE

FLAMMEN, DIE ELEMENTE, DIE BAUMEISTER, DIE ZAHLEN ©, DAS

ARÛPA, [8] DAS RÛPA [9] UND DIE KRAFT ODER DER GOTTMENSCH – DIE

GESAMTSUMME. UND VON DEM GOTTMENSCHEN EMANIERTEN DIE

FORMEN, DIE FUNKEN, DIE HEILIGEN TIERE (d), UND DIE BOTSCHAFTER

DER HEILIGEN VÄTER [10] IM INNERN DER HEILIGEN VIER. [11]

(a) Dies bezieht sich auf die heilige Wissenschaft der Zahlen; so heilig in der

That, und so wichtig für das Studium des Occultismus, daß der Gegenstand

selbst in einem so umfangreichen Werke wie dem vorliegenden kaum gestreift

werden kann. Auf den Hierarchieen und den korrekten Zahlen dieser Wesen,

welche (für uns) außer in sehr seltenen Fällen unsichtbar sind, beruht das

Geheimnis des ganzen Weltalls. Die Kumâras z. B. heißen die „Vier“ – obwohl in

Wirklichkeit sieben an der Zahl – weil Sanaka, Sananda, Sanâtana und

Sanatkumâra die Haupt-Vaidhâtra (ihr Geschlechtsname) sind, welche dem

„vierfachen Geheimnis“ entsprangen. Um das Ganze klarer zu machen, müssen

wir uns um Erläuterungen an Lehrsätze wenden, die einigen unserer Leser

vertrauter sein werden, nämlich den Brâhmanischen.

[7] Dhyân Chohans.

[8] Formlose.

[9] Mit Körpern versehene.

[10] Pitris.

_15 (2 of 3)44.Kommentar IV

[11] Die Vier, in der occulten Zahlenreihe durch die Tetraktys, das heilige oder

vollkommene Quadrat, repräsentiert, ist bei den Mystikern jeder Nation und

Rasse eine heilige Zahl. Sie hat eine und dieselbe Bedeutung im

Brâhmanismus, Kabbalismus, und in den ägyptischen, chaldäischen und

anderen Zahlensystemen.

_15 (3 of 3)44.Kommentar IV

Nach Manu ist Hiranyagarbha=Brahmâ, der erste männliche, gebildet von der

unsichtbaren ursachenlosen Ursache zu einem „goldenen Ei, strahlend wie die

Sonne“, wie das Hindû Classical Dictionary sagt; Hiranyagarbha bedeutet den

goldenen, oder vielmehr strahlenden, Schoß oder Ei. Die Bedeutung stimmt

mißlich mit dem Beiworte „männlich“. Sicherlich ist die esoterische Bedeutung

des Satzes klar genug! Im Rig Veda heißt es: „Tat, der eine Herr aller

Wesen . das eine belebende Prinzip der Götter und Menschen,“ erstand, im

Anbeginne, in dem goldenen Schoße, Hiranyagarbha – der das Weltenei oder

die Sphäre unseres Universums ist. Dieses Wesen ist sicherlich androgyn, und

die Allegorie von Brahmâ, der sich in zwei teilt, und in einer seiner Hälften (der

weiblichen Vâch) sich selbst als Virâj erzeugt, ist ein Beweis dafür.

„Die Eine aus dem Ei, die Sechs und die Fünf“ geben die Zahl 1065, den Wert

des Erstgeborenen (späterhin des männlichen und weiblichen Brahmâ-Prajâpati),

der je nachdem den Zahlen 7 und 14 und 21 entspricht. Die Prajâpati, sowie die

Sephiroth, sind bloß sieben, einschließlich der synthetischen Sephira der

Dreiheit, aus der sie entspringen. So emanieren aus Hiranyagarbha, oder

Prajâpati, dem Dreieinen (der ursprünglichen vedischen Trimûrti, Agni, Vâyu, und

Sûrya) die anderen sieben, oder wiederum zehn, wenn wir die ersten drei,

welche in einem und als eins in drei existieren, abtrennen; alle aber sind in jenem

einen „Höchsten“, Parama, zusammengefaßt, das Guhya oder das „Geheime“,

und Sarvâtman, die „Oberseele“ genannt wird. „Die sieben Herren des Seins

liegen verborgen in Sarvâtman wie Gedanken in einem Gehirn.“

So ist es mit den Sephiroth.

Sie sind entweder sieben, wenn von der oberen Dreiheit, gekrönt von Kehter, ab

gerechnet, oder zehn – exoterisch.

Im Mahâbhârata sind die Prajâpati 21 an Zahl, oder zehn, sechs und fünf (1065),

dreimal sieben. [12]

(b) „Die Drei, die Eine, die Vier, die Eine, die Fünf“, zusammen – zweimal

sieben, repräsentieren 31415 – die numerische Hierarchie der Dhyân Chohans

von verschiedenem Range, und der inneren oder umgrenzten Welt. [13]

Beigemessen der Grenze des großen Kreises „Überschreite mich nicht“ – auch

der Dhyânipâsha, das „Seil der Engel“ genannt, das „Seil“, das den

phänomenalen vom noumenalen Kosmos trennt, welcher nicht in den Bereich

unseres gegenwärtigen objektiven Bewußtseins fällt – ist diese Zahl, wenn nicht

_17 (1 of 3)45.Kommentar IV

durch Umsetzung oder Erweiterung vergrößert, immer 31415, anagrammatisch

und kabbalistisch, da sie sowohl die Zahl des Kreises als auch des mystischen

Svastika, wiederum die „zweimal Sieben“, ist; denn in welcher Richtung wir auch

die zwei Reihen von Ziffern rechnen, ihre Quersumme giebt, Ziffer für Ziffer

getrennt addiert, einerlei ob von rechts oder links genommen, immer vierzehn.

Mathematisch repräsentieren sie die wohlbekannte mathematische Formel, daß

das Verhältnis des Durchmessers eines Kreises zu seinem Umfange gleich ist

dem von 1:3°1415927, oder dem Werte von p (pi), wie man es nennt.

Diese Ziffernreihe muß dieselbe Bedeutung haben, denn das 1:314159 und

wiederum das 1:3°1415927 sind in den geheimen Berechnungen zu Ausdrücken

für die verschiedenen Cyklen und Zeitalter des „Erstgeborenen“ ausgearbeitet,

zu 311 040 000 000 000 mit Bruchteilen, und geben dieselben 13415 mit Hilfe

eines Prozesses, mit dem wir uns gegenwärtig nicht zu beschäftigen haben.

Und es wäre zu zeigen, daß Herr Ralston Skinner, der Verfasser von The Source

of Measures, das hebräische Wort Alhim mit denselben Zahlenwerten liest –

indem er, wie gesagt, die Nullen wegläßt, und permutiert – 13514 : denn

[Symbolabbildung, siehe Buch] (a) ist 1; [Symbolabbildung, siehe Buch] (l) ist 3

(30); [Symbolabbildung, siehe Buch] (h) ist 5; Symbolabbildung, siehe Buch] (i)

ist 1 (10); und [Symbolabbildung, siehe Buch] (m) ist 4 (40); und anagrammatisch

·        31415, wie er es erklärt.

Während somit in der metaphysischen Welt der Kreis mit dem einen Mittelpunkt

darin keine Zahl hat und Anupâdaka – elternlos und zahlenlos genannt wird, weil

er keiner Berechnung unterliegen kann; ist in der geoffenbarten Welt das

Weltenei oder der Weltkreis umgeschrieben um die Gruppen, genannt Linie,

Dreieck, Fünfeck, zweite Linie und Viereck (oder 13514); und wenn der Punkt

eine Linie erzeugt hat und so zum Durchmesser wird, der für den androgynen

Logos steht, dann werden die Ziffern 31415 oder ein Dreieck, eine Linie, ein

Viereck, eine zweite Linie und ein Fünfeck. „Wenn der Sohn sich von der Mutter

trennt, wird er zum Vater,“ wobei der Durchmesser für die Natur, oder das

weibliche Prinzip, steht. Daher heißt es: „In der Welt des Seins befruchtet der

Eine Punkt die Linie, die jungfräuliche Matrix des Kosmos (die eiförmige Null),

und die unbefleckte Mutter gebiert die Form, die alle Formen in sich enthält.“

Prajâpati heißt der erste zeugende Männliche, und „der Gemahl seiner Mutter“.

[14] Dies giebt den Grundton für alle späteren „Göttlichen Söhne“ von

„Unbefleckten Müttern“.

_17 (2 of 3)45.Kommentar IV

[12] In der Kabalah sind dieselben Zahlen, nämlich 1065, der Wert von

Jehovah, da die Zahlenwerte der drei Buchstaben, die seinen Namen

zusammensetzen – Jod, Vau und zweimal He – beziehungsweise 10

([Symbolabbildung, siehe Buch]), 6 ([Symbolabbildung, siehe Buch]) und 5

([Symbolabbildung, siehe Buch]) sind; oder wieder dreimal sieben, 21. „Zehn

ist die Mutter der Seele, denn Leben und Licht sind darin vereint“ sagt

Hermes. „Denn die Einszahl ist geboren vom Geiste und die Zehnzahl vom

Stoffe (Chaos, weiblich); die Einheit hat die Zehn gemacht, die Zehn die

Einheit.“ (Buch der Schlüssel.) Mit Hilfe der Temura, der anagrammatischen

Methode der Kabalah, und der Kenntnis von 1065 (21) kann eine

Universalwissenschaft in Bezug auf den Kosmos und seine Geheimnisse

erlangt werden (Rabbi Vogel). Die Rabbis betrachten die Zahlen 10, 6 und 5

als die heiligsten von allen.

[13] Wir können dem Leser mitteilen, daß ein amerikanischer Kabbalist

neuerdings dieselbe Zahl für die Elohim ausgefunden hat. Sie kam zu den

Juden aus Chaldäa. Siehe „Hebrew Metrology“, in The Masonic Review, July,

1885, McMillan Lodge, No. 141.

[14] Dieselbe Ausdrucksweise finden wir in Ägypten. Maut bedeutet unter

anderem „Mutter“ und zeigt den Charakter, der ihr in der Dreiheit dieses

Landes beigelegt wurde. Sie war nicht weniger die Mutter als die Gattin des

Ammon, und einer der Haupttitel des Gottes war „der Gemahl seiner Mutter“.

Die Göttin Maut, oder Mût, wird angerufen als „Unsere Frau“, die „Königin des

Himmels“ und „der Erde“, „teilt also diese Titel mit den anderen mütterlichen

Gottheiten Isis, Hathor, u. s. w.“ (Maspero).

_17 (3 of 3)45.Kommentar IV

Eine starke Bekräftigung dessen ist die bedeutsame Thatsache, daß Anna, der

Name der Mutter der Jungfrau Maria, die nach der jetzigen Darstellung der

römisch-katholischen Kirche ihre Tochter auf unbefleckte Weise geboren hat

(„Maria ohne Sünde empfangen“), sich ableitet von dem chaldäischen Ana,

Himmel, oder Astrallicht, Anima Mundi; davon Anaitia, Devî-Durgâ, das Weib

Shivas, auch Annapurna, oder Kanyâ, die Jungfrau, heißt; Umâ-Kanyâ ist ihr

esoterischer Name, und bedeutet die „Lichtjungfrau“, Astrallicht in einem seiner

vielfachen Aspekte.

© Die Devas, Pitris, Rishis; die Suras und die Asuras; die Daityas und Âdityas;

die Dânavas und Gandharvas, u. s. w., u. s. w., haben alle ihre Synonyme in

unserer Geheimlehre, sowie in der Kabalah und der hebräischen Engellehre;

aber es ist nutzlos, ihre alten Namen anzugeben, da dadurch bloß Verwirrung

geschaffen würde. Viele derselben sind jetzt noch sogar in der christlichen

Hierarchie der göttlichen und himmlischen Kräfte zu finden. Alle diese Thronen

und Herrschaften, Tugenden und Fürstentümer, Cherubim, Seraphim und

Dämonen sind die modernen Kopieen uralter Prototypen. Allein die Symbolik in

ihren Namen, wenn sie auf Griechisch und Lateinisch traslitteriert und arrangiert

sind, genügt, um dies zu zeigen, wie wir auch im weiteren an verschiedenen

Fällen beweisen werden.

(d) Die „heiligen Tiere“ finden sich in der Bibel so gut wie in der Kabalah, und sie

haben ihre Bedeutung – und noch dazu eine sehr tiefe – im Buche der Ursprünge

des Lebens. Im Sepher Jetzirah heißt es: „Gott gravierte in die heiligen Vier den

Thron seiner Herrlichkeit, die Auphanim (die Räder oder Weltsphären), die

Seraphim, und die heiligen Tiere, als dienende Engel, und aus diesen (Luft,

Wasser und Feuer oder Ether) machte er seine Wohnung.“

Folgendes ist eine wörtliche Übersetzung aus der IXten und Xten Abteilung:

Zehn Zahlen ohne was? Eins: der Geist des lebendigen Gottes der da lebt

in Ewigkeit. Stimme und Geist und Wort, und das ist der heilige Geist. Zwei:

Luft aus dem Geiste. Er entwarf und schuf damit zweiundzwanzig Buchstaben

der Grundlage, drei Mütter, und sieben doppelte und zwölf einfache, und einen

Geist aus ihnen. Drei: Wasser aus dem Geiste; er entwarf und schuf damit das

Wüste und das Leere, den Schlamm und die Erde. Er entwarf sie als ein

Blumenbeet, schuf sie als eine Mauer, bedeckte sie wie ein Pflaster. Vier:

Feuer aus dem Wasser. Er entwarf und schuf damit den Thron der Herrlichkeit

und die Räder, und die Seraphim und die heiligen Tiere als dienende Engel,

_19 (1 of 2)45.Kommentar IV

und aus den dreien gründete er seine Wohnung, so wie es heißt. Er macht

seine Engel zu Geistern und seine Diener zu feurigen Flammen!

Die Worte „gründete er seine Wohnung“ zeigen klar, daß in der Kabalah, so wie

in Indien, die Gottheit als das Weltall betrachtet wurde, und in seinem Ursprung

nicht der außerweltliche Gott war, der sie jetzt ist.

So ward die Welt gemacht „durch drei Seraphim – Sepher, Saphar, und Sipur“

oder „durch Zahl, Zahlen, und Gezähltes“. Mit dem astronomischen Schlüssel

werden diese „heiligen Tiere“ zu den Zeichen des Tierkreises.

_19 (2 of 2)45.Kommentar IV

STROPHE IV. – Fortsetzung.

4. DIES WAR DIE HEERSCHAR DER STIMME, DER GÖTTLICHEN MUTTER

DER SIEBEN. DER FUNKEN DER SIEBEN SIND UNTERGEBEN UND

DIENEND DEM ERSTEN, DEM ZWEITEN, DEM DRITTEN, DEM VIERTEN,

DEM FÜNFTEN, DEM SECHSTEN UND DEM SIEBENTEN DER SIEBEN (a).

DIESE [15] WERDEN SPHÄREN, DREIECKE, WÜRFEL, LINIEN UND

BILDNER GENANNT; DENN SO STEHT DAS EWIGE NIDÂNA – DER DER OI-HA-

HOU (b). [16]

a) Diese Strophe giebt wieder eine kurze Analyse der Hierarchien der Dhyân-Chohans,

die in Indien Devas (Götter) genannt werden, oder der bewußten

intelligenten Kräfte in der Natur. Dieser Hierarchie entsprechen die

thatsächlichen Typen, nach denen die Menschheit eingeteilt werden kann; denn

die Menschheit als Ganzes ist in Wirklichkeit ein materialisierter, allerdings noch

unvollkommener Ausdruck derselben. Die „Heerschar der Stimme“ ist ein

Ausdruck, welcher in enger Beziehung zu dem Geheimnis von Ton und Rede als

einer Wirkung und einem Corollar der Ursache – des göttlichen Gedankens –

steht. Wie es P. Christian, der gelehrte Verfasser von der Historie de la Magie

und von L’Homme Rouge des Tuileriers, so schön dargelegt, bestimmen die von

jedem Individuum gesprochenen Worte, sowie sein Name, in großem Maße sein

zukünftiges Schicksal? Warum? Aus folgendem Grunde:

Wenn unsere Seele (Gemüt) einen Gedanken schafft oder emporruft, so gräbt

sich das sinnbildliche Zeichen dieses Gedankens in die Astralflüssigkeit ein,

welche der Aufnahmeort und sozusagen der Spiegel aller Manifestationen des

Seins ist.

Das Zeichen ist der Ausdruck des Dinges; das Ding ist die (verborgene oder

occulte) Kraft des Zeichens.

Ein Wort aussprechen heißt einen Gedanken hervorrufen und ihm

gegenwärtig machen: die magnetische Kraft der menschlichen Sprache ist der

Anfang einer jeden Manifestation in der occulten Welt. Einen Namen

aussprechen heißt nicht bloß ein Wesen (eine Entität) definieren, sondern

auch, es durch die Aussprechung des Wortes (Verbum) unter den Einfluß

einer oder mehrerer occulten Kräfte zu stellen oder zu verdammen. Für jeden

von uns sind die Dinge das, wozu sie das Wort macht, während wir sie

nennen. Das Wort (Verbum) oder die Rede eines jeden Menschen ist, ihm

_21 46.Kommentar IV

selbst ganz unbewußt, ein Segen oder ein Fluch; darum ist unsere

gegenwärtige Unkenntnis betreffs der Eigenschaften und Attribute der Idee,

sowie betreffs der Attribute und Eigenschaften der Materie, oft verderblich für

uns.

Jawohl, Namen (und Worte) sind entweder wohlthätig oder übelthätig; sie sind,

in gewissem Sinn, entweder vergiftend oder gesundmachend, entsprechend

den verborgenen Einflüssen, die von der höchsten Weisheit in ihre Elemente

gelegt wurden, das heißt, in die Buchstaben, die sie zusammensetzen, und in

die Zahlen, welche diesen Buchstaben entsprechen.

Dies ist streng richtig als eine esoterische Lehre, die von allen östlichen Schulen

des Occultismus angenommen ist. Im Sanskrit, sowie im Hebräischen und in

allen anderen Alphabeten, hat jeder Buchstabe seine occulte Bedeutung und

seinen Daseinsgrund: er ist eine Ursache und eine Wirkung einer

vorhergegangenen Ursache, und eine Verbindung von solchen bewirkt oft einen

höchst magischen Effekt. Die Vokale insbesondere enthalten die occultesten und

furchtbarsten Kräfte.

Die Mantras (esoterisch viel mehr magische als religiöse Anrufungen) werden

von den Brâhmanen gesungen, und ebenso das übrige der Veden und anderer

Schriften.

„Die Heerschar der Stimme“ ist das Vorbild der „Schar des Logos“ oder des

„Wortes“ im Sepher Jetzirah, das in der Geheimlehre die „Eine Zahl

hervorgegangen aus der Nichtzahl“ – dem Einen ewigen Prinzip – heißt. Die

esoterische Theogonie beginnt mit dem Einen Geoffenbarten (daher in

Gegenwart und Dasein nicht ewig, wenn auch ewig seiner Wesenheit nach), mit

der Zahl der Zahlen und des Gezählten – letzteres geht hervor aus der Stimme,

der weiblichen Vâch, „der mit den hundert Formen“, der Shatarûpâ, oder Natur.

Aus diese Zahl, 10, oder der schöpferischen Natur, der Mutter (im Occulten die

Null, oder „O“, die immer hervorbringt und vermehrt in Vereinigung mit der

Einheit „I“ oder dem Geiste des Lebens), entspringt das ganze Weltall.

In der Anugîtâ [17] wird ein Gespräch zwischen einem Brâhmana und seinem

Weibe über den Ursprung der Sprache und ihre occulten Eigenschaften

gegeben. Das Weib fragt, wie die Sprache ins Dasein trat, und was von beiden

früher war, die Sprache oder der Verstand. Der Brâhmane sagt ihr, daß der

Apâna (Inspirationsatem), wenn er die Oberhand gewinnt, jene Intelligenz,

welche Sprache und Worte nicht versteht, in den Zustand von Apâna verwandelt,

und dadurch den Verstand eröffnet. Dann erzählt er ihr eine Geschichte, ein

_21 (2 of 4)46.Kommentar IV

Zwiegespräch zwischen Sprache und Verstand. Beide kamen zum Selbst des

Seins (d. h. zu dem individuellen höheren Selbst, wie Nîlakantha meint; zu

Prajâpati, nach dem Kommentator Arjuna Mishra), und baten es, ihre Zweifel zu

zerstören, und zu entscheiden, welches von ihnen dem anderen voranging und

welches höher stehe als das andere. Darauf sprach der Herr: „Verstand (ist

höherstehend).“ Aber die Sprache antwortete dem Selbst des Seins und sagte:

„Ich gewähre wahrhaftig (euch) eure Wünsche,“ womit sie meinte, daß er durch

die Sprache erlange, was er begehre. Darauf hinwiederum sagte ihr das Selbst,

daß es zwei Verstande gebe, einen „beweglichen“ und einen „unbeweglichen“.

„Der unbewegliche ist bei mir,“ sprach er, „der bewegliche ist in deiner

Gewalt“ (nämlich der Sprache), auf der Ebene des Stoffes. „Diesem bist du

vorgesetzt.“

Aber insofern, o Schöne, als du kamst, um persönlich mit mir zu sprechen (auf

die Art, wie du es thatest, d. h. stolz), deshalb sollst du; o Sarasvatî! niemals

nach einer (starken) Ausatmung sprechen. Die Göttin Sprache (Sarasvatî,

eine spätere Form oder Aspekt von Vâch, auch die Gottheit des

Geheimstudiums, oder der esoterischen Weisheit) blieb thatsächlich immer

zwischen Prâna und Apâna stecken. Aber, o Edle! indem sie mit dem Apâna-Wind

(der Lebensluft) ging, obwohl gedrängt, ohne den Prâna

(Exspirationsatem), lief sie empor zu Prajâpati (Brahmâ), und sprach: „Sei

gnädig, o ehrwürdiger Herr!“ Dann erschien Prâna wieder und ernährte die

Sprache. Und daher spricht die Sprache niemals nach einer (starken)

Ausatmung. Sie ist immer geräuschvoll oder geräuschlos. Von diesen beiden

steht die geräuschlose höher als die geräuschvolle (Sprache) . Die

(Sprache), welche im Körper mit Hülfe von Prâna hervorgebracht wird, und die

dann zu Apâna geht (verwandelt wird) und dann dem Udâna (den physischen

Organen der Sprache) assimiliert wird verweilt schließlich im Samâna

(„beim Nabel in der Form des Tones, als der materiellen Ursache aller Worte,“

sagt Arjuna Mishra). So sprach früher die Sprache. Daher ist der Verstand

dadurch ausgezeichnet, daß er unbeweglich ist, und die Göttin (Sprache)

dadurch, daß sie beweglich ist.

Die obige Allegorie betrifft den Ursprung des occulten Gesetzes, welches

Schweigen in Bezug auf gewisse geheime und unsichtbare Dinge vorschreibt,

die bloß dem geistigen Verstande (dem sechsten Sinne) wahrnehmbar sind, und

welche nicht durch „geräuschvolle“ oder ausgesprochene Rede ausgedrückt

werden können.

Dieses Kapitel der Anugîtâ erklärt, nach Arjuna Mishra, Prânâyâma oder die

_21 (3 of 4)46.Kommentar IV

Regelung des Atems bei Yogaübungen. Dieses Verfahren, ohne vorhergehende

Erlangung von, oder mindestens volles Verständnis für die zwei höheren Sinne

( deren es sieben giebt, wie gezeigt werden wird), gehört jedoch vielmehr zum

niederen Yoga.

Der sogenannte Hatha ward und wird noch von den Arhats mißbilligt.

Er ist der Gesundheit schädlich, und kann allein sich niemals zu Râja Yoga

entwickeln. Die Geschichte wurde vorgebaracht, um zu zeigen, wie untrennbar in

der Metaphysik des Altertums intelligente Wesen, oder vielmehr „Intelligenzen“

mit allen Sinnen oder Funktionen, sowohl körperlichen als geistigen, verbunden

sind.

[15] Die Funken.

[16] Die Umstellung von Oeaohoo. Die buchstäbliche Bedeutung des Wortes

ist, bei den östlichen Occultisten des Nordens, ein kreisender Wind, ein

Wirbelsturm; aber in diesem Falle soll damit die unaufhörliche und ewige

kosmische Bewegung oder vielmehr die Kraft, die den Kosmos bewegt,

bezeichnet werden, welche Kraft stillschweigend für die Gottheit

angenommen, aber niemals genannt wird. Es ist das ewige Kârana, die

immerwirkende Ursache.

[17] VI. 15. Die Anugîtâ bildet einen Teil des Ashvamedha Parvan des

Mahâbhârata. Der Übersetzer der Bhagavadgîtâ in der Ausgabe Max-Müllers

hält sie für eine Fortsetzung der Bhagavadgîtâ. Ihr Original ist eine der

ältesten Upanishads.

_21 46.Kommentar IV

Die occulte Behauptung, daß es sieben Sinne im Menschen und in der Natur

gebe, so wie auch sieben Bewußtseinszustände sind, wird im selben Werke

bestätigt, Capitel VII, über Pratyâhâra (die Hemmung und Regelung der Sinne,

während Prânâyâma jene der „Lebenswinde“ oder des Atems ist). Der

Brâhmana sagt, indem er über die Institution der sieben Opferpriester (Hotris)

spricht: „Die Nase und das Auge, und die Zunge, und die Haut, und das Ohr als

fünfter (oder Geruch, Gesicht, Geschmack, Gefühl und Gehör), Verstand und

Intelligenz sind die sieben Opferpriester, welche getrennt aufgestellt sind,“ die

„obwohl sie in einem sehr kleinen Raume wohnen, (doch) einander nicht

wahrnehmen,“ auf dieser Sinnenebene, keiner, außer dem Verstande. Denn der

Verstand sagt: „Die Nase riecht nicht ohne mich, das Auge nimmt keine Farbe

wahr ohne mich, u. s. w. Ich bin der ewige Führer unter allen Elementen (d. h.

Sinnen). Ohne mich scheinen die Sinne niemals, gleich einer leeren Wohnung,

oder gleich Feuern, deren Flammen erloschen sind. Ohne mich verfehlen alle

Wesen, gleich einem halb getrockneten und halb feuchten Brennstoff, Qualitäten

oder Objekte wahrzunehmen, selbst wenn die Sinne in Thätigkeit sind. [18]

Dies bezieht sich natürlich nur auf den Verstand auf der sinnlichen Ebene. Der

geistige Verstand, der obere Teil oder Aspekt des unpersönlichen Manas, nimmt

keine Kenntnis von den Sinnen des physischen Menschen. Wie gut bekannt die

Alten mit der Wechselbeziehung der Kräfte und all den neuerdings entdeckten

Erscheinungen der geistigen und körperlichen Fähigkeiten und Verrichtungen

und noch mit vielen anderen Geheimnissen waren, kann man bei Lesung der

Abschnitte VII und VIII dieses unschätzbaren Werkes über Philosophie und

mystisches Wissen erfahren. Man sehe den Streit der Sinne wegen ihrer

gegenseitigen Überlegenheit und, wie sie Brahman, den Herrn aller Geschöpfe,

zu ihrem Schiedsrichter nehmen. „Ihr seid alle die größten und nicht die größten

(oder, wie Arjuna Mishra sagt, höher als die Gegenstände, und keiner vom

anderen unabhängig). Jeder von euch ist von den Eigenschaften des anderen

beherrscht. Alle sind die größten in ihrer eigenen Sphäre und alle unterstützen

einer den anderen. Es ist ein unbeweglicher (Lebenswind oder Atem, die

sogenannte Yogaeinatmung, welche der Atem des Einen oder höheren Selbst

ist). Dieser eine ist mein eigenes Selbst, aufgehäuft in vielen (Formen).“

Dieser Atem, Stimme, Selbst oder Wind (Pneuma?), ist die Vereinigung der

sieben Sinne, rein mit dem Verstande aufgefaßt aller niederen Gottheiten, und

esoterisch – die Siebenzahl und die „Heerschar der Stimme“.

(b) Zunächst sehen wir die kosmische Materie sich ausbreiten und sich zu

_23 (1 of 3)46.Kommentar IV

Elementen gestalten, welche gruppiert sind zur mystischen Vier innerhalb des

fünften Elementes – des Ethers, der „Verkleidung“ von Âkâsha, der Anima Mundi

oder Mutter des Kosmos. „Punkte, Linien, Dreiecke, Würfel, Kreise“ und

schließlich „Kugeln“ – warum und wieso? Weil, sagt der Kommentar, also das

erste Gesetz der Natur ist, und weil die Natur allüberall in allen ihren

Offenbarungen geometrisch vorgeht. Es giebt ein nicht nur dem Urstoffe,

sondern auch der manifestierten Materie unserer Erscheinungsebene

innewohnendes Gesetz, nach welchem die Natur ihre geometrischen Formen,

und sodann auch ihre zusammengesetzten Elemente in Wechselbeziehung

bringt, und innerhalb dessen auch keinen Platz für Zufall oder Glücksfall ist. Es

ist ein Grundgesetz im Occultismus, daß es keine Ruhe oder Aufhören von

Bewegung in der Natur giebt. [19]

Was Ruhe zu sein scheint, ist bloß Verwandlung von einer Form in eine andere,

und die Verwandlung von Substanz geht Hand in Hand mit der von Form – so

wenigstens lehrt uns die occulte Physik, die auf diese Art die Entdeckung der

„Erhaltung des Stoffes“ um eine beträchtliche Zeit vorweg genommen zu haben

scheint. Der alte Kommentar [20] zu Strophe IV sagt:

Die Mutter ist der feurige Fisch des Lebens. Sie verstreut ihren Laich und der

Atem (Bewegung) erwärmt und zeitigt ihn. Die Körner (des Laichs) werden bald

aneinander gezogen und bilden das Gerinnsel in dem Ozean (des Raumes). Die

größeren Flocken wachsen zusammen und empfangen neuen Laich – in feurigen

Punkten, Dreiecken und Würfeln, welche reifen, und zur bestimmten Zeit lösen

sich einige von den Flocken ab und nehmen kugelförmige Gestalt an, ein

Vorgang, den sie nur dann durchführen, wenn sie nicht von den anderen gestört

werden. Hierauf tritt Gesetz No. [korrekter Abdruck siehe Buch] in Thätigkeit.

Bewegung (der Atem) wird zum Wirbelwind und bringt sie zur Rotation. [21]

[18] Dies zeigt, daß die modernen Metaphysiker, mitsamt zu allen

vergangenen und gegenwärtigen Hegeln, Berkleys, Schopenhauern,

Hartmanns, Herbert Spencers und selbst den modernen Hylo-Idealisten als

Zugabe, nichts Besseres sind als die Schwachen Kopisten einer ehrwürdigen

Vorzeit.

[19] Die Kenntnis dieses Gesetzes ist es, die dem Arhat seine Siddhis oder

_23 (2 of 3)46.Kommentar IV

verschiedenen Phänomene auszuführen gestattet und hilft, wie Desintegration

von Materie, Beförderung von Gegenständen von einem Ort zu einem

anderen, u. s. w.

[20] Es sind dies alte Kommentare, die mit modernen Glossaren den Strophen

beigefügt sind, denn die Kommentare sind bei ihrer symbolischen Sprache

gewöhnlich ebenso schwer zu verstehen als die Strophen selbst.

[21] In einem polemischen wissenschaftlichen Werk, The modern Genesis (p.

48), sagt der Rev. W. B. Slaughter, gelegentlich einer Kritik des von den

Astronomen eingenommenen Standpunktes: „Es ist zu bedauern, daß die

Vertheidiger dieser (Nebel-)Theorie nicht ausführlicher in die Diskussion

darüber (über den Anfang der Rotation) eingetreten sind. Niemand läßt sich

herbei, uns die vernunftgemäße Erklärung davon zu geben. Wieso erteilt der

Vorgang der Abkühlung und Zusammenziehung einer Masse derselben eine

Rotationsbewegung?“ (Citiert von Winchell, World-Life, p. 94.) Die

materialistische Wissenschaft kann diese Frage niemals lösen. „Bewegung ist

ewig im Ungeoffenbarten, und periodisch im Geoffenbarten“ sagt ein occulter

Lehrsatz. „Wenn die durch das Herabsteigen der Flamme in den Urstoff

bewirkte Hitze die Teilchen desselben in Bewegung setzt, so wird diese

Bewegung zum Wirbelwind.“ Ein Tropfen Flüssigkeit nimmt Kugelgestalt an,

weil seine Atome sich um sich selbst drehen in ihrer letzten, unauflöslichen,

an sich seienden Wesenheit; unauflöslich zum mindesten für die

Naturwissenschaft. Die Frage wird später ausführlich behandelt.

_23 (3 of 3)46.Kommentar IV

STROPHE IV. – Fortsetzung.

5. DER OI-HA-HOU, WELCHER DIE DUNKELHEIT IST, DAS GRENZENLOSE,

ODER DIE NICHTZAHL, ÂDI-NIDNA SVABHAVAT, DER [Kreis; korrekter

Abdruck siehe Buch]: [22]

I. ÂDI-SANAT, DIE ZAHL, DENN ER IST EINS (a).

II. DIE STIMME DES WORTES, SVABVHÂVAT, DIE ZAHLEN,

DENN ER IST EINS UND NEUN. [23]

III. DAS „FORMLOSE QUADRAT“. [24]

UND DIESE DREI, EINGESCHLOSSEN IN DEM [korrekter Abdruck siehe

Buch], [25] SIND DIE HEILIGEN VIER; UND DIE ZEHN SIND DAS ARÛPA [26] -

UNIVERSUM (b). DANN KOMMEN DIE SÖHNE, DIE SIEBEN STREITER, DER

EINE, DER ACHTE, WELCHER WEGGELASSEN IST, UND SEIN ATEM,

WELCHER DER LICHTERZEUGER IST ©. [27]

(a) „Âdi-Sanat“, wörtlich übersetzt, ist der Erste oder „Uralte“, ein Name, der den

kabbalistischen „Alten der Tage“ und den „Heiligen Alten“ (Sephira und Adam

Kadmon) mit Brahmâ, dem Schöpfer, identifiziert, der neben seinen anderen

Namen und Titeln auch Sanat hieß.

„Svabhâvat“ ist die mystische Wesenheit, die plastische Wurzel der physischen

Natur – „Zahlen“, wenn manifestiert; die „Zahl“, in ihrer Einheit von Substanz, auf

der höchsten Ebene. Der Name wird von den Buddhisten gebraucht und ist ein

Synonym für die vierfältige Anima Mundi, die kabbalistische archetypische Welt,

aus der die schöpferischen, formenhaften und materiellen Welten hervorgehen;

und die Scintillae oder Funken – die verschiedenen anderen Welten, die in den

letzten dreien enthalten sind. Die Welten sind alle Herrscher oder Lenkern

unterworfen – den Rishis und Pitris der Hindûs, den Engeln der Juden und

Christen, den Göttern der Alten im allgemeinen.

(b) „[Kreis; korrekter Abdruck siehe Buch S. 125]“. Dies bedeutet, daß der

„grenzenlose Kreis“, die Null, zu einer Zahl bloß dann wird, wenn eine der

anderen neun Ziffern ihr vorangeht, und so ihren Wert und ihre Kraft offenbart;

das „Wort“ oder der Logos, in Vereinigung mit „Stimme“ und Geist [28] (dem

Ausdruck und der Quelle des Bewußtseins), steht für die neun Ziffern und bildet

somit mit der Null die Dekade, die in sich selbst das ganze Weltall enthält. Die

_25 47.Kommentar IV

Triade bildet die Tetraktys, oder „heilige Vier“, in dem Kreise, und das Quadrat in

dem Kreise ist die mächtigste aller magischen Figuren.

© Der „eine Zurückgewiesene“ ist die Sonne unseres Systems. Die exoterische

Version ist in den ältesten Sanskritschriften zu finden. Im Rigveda ist Aditi, die

„Grenzenlose“ oder der unendliche Raum – nach der Übersetzung von Max

Müller, die „sichtbare unendliche, dem bloßen Auge sichtbare (!!), die unendliche

Ausdehnung jenseits der Erde, jenseits der Wolken, jenseits des

Himmelsgewölbes“ – gleichbedeutend mit „Mutter-Raum“, gleichalterig mit

„Dunkelheit“.

Sie wird sehr zutreffend die „Mutter der Götter“ genannt, Deva-Mâtri, da aus

ihrem kosmischen Schoße alle Himmelskörper unseres Systems geboren

wurden – Sonne und Planeten. Daher wird sie allegorisch folgender Art

beschrieben: „Acht Söhne wurden geboren aus dem Körper der Aditi, sie nahte

den Göttern mit sieben, aber stieß hinweg den achten, Mârtânda,“ unsere Sonne.

Die sieben, Adityas genannten, Söhne sind, kosmisch oder astronomisch, die

sieben Planeten; und daß die Sonne aus ihrer Zahl ausgeschlossen ist, zeigt

klar, daß die Inder einen siebenten Planeten gekannt haben mögen, und

thatsächlich gekannt haben, ohne denselben Uranus [29] zu nennen.

Aber esoterisch und theologisch, sozusagen, sind die Âdityas, in ihren

ursprünglichen ältesten Bedeutungen, die acht und zwölf großen Götter des

indischen Pantheon. „Die Sieben erlauben den Sterblichen ihre Wohnungen zu

sehen, sich selbst aber zeigen sie nur den Arhats,“ sagt ein altes Sprichwort;

„ihre Wohnungen“ bedeuten hier die Planeten. Der alte Kommentar giebt die

folgende Allegorie und erklärt sie:

Acht Häuser wurden erbaut von der Mutter: acht Häuser für ihre acht göttlichen

Söhne; vier große und vier kleine. Acht glänzende Sonnen nach ihrem Alter und

Verdienste. Bal-i-lu (Mârtânda) war nicht befriedigt, obwohl sein Haus das größte

war. Er begann (zu handeln) wie die großen Elephanten. Er atmete (zog ein) in

seinen Magen die Lebensgeister seiner Brüder. Er suchte sie zu verschlingen.

Die vier größeren waren weit weg; weit, am Rande ihres Reiches. [30] Sie waren

nicht beraubt (beeinflußt) und lachten. Thu dein Schlecktestes, Herr, du kannst

uns nicht erreichen, sagten sie. Aber die kleineren weinten. Sie beklagten sich

bei der Mutter. Sie verbannte Bal-i-lu in den Mittelpunkt ihres Reiches, von wo er

sich nicht wegbewegen konnte.

Er wacht (seit damals bloß) und droht. Er verfolgt sie, indem er sich langsam um

_25 (2 of 4)47.Kommentar IV

sich selbst dreht; sie wenden sich rasch von ihm, und der folgt von ferne der

Richtung, in welcher seine Brüder sich auf dem Pfade bewegen, der ihre Häuser

umgiebt. [31] Von dem Tage an nährt er sich von dem Schweiße von dem Körper

seiner Mutter. Er füllt sich mit ihrem Atem und Auswurf. Daher verwarf sie ihn.

[22] Das [korrekte Abbildung siehe Buch S. 125], die unbekannte Größe.

[23] Was Zehn macht, oder die vollkommene Zahl, angewendet auf den

„Schöpfer“, den Namen, der der Gesamtheit der Schöpfer gegeben wurde,

welche von den Monotheisten in Einen verschmolzen wurden, wie die

„Elohim“, Adam Kadmon oder Sephira, die Krone – die androgyne Synthese

der zehn Sephiroth sind, welche in der popularisierten Kabalah das Symbol

des geoffenbarten Weltalls bilden. Die esoterischen Kabbalisten folgen jedoch

den östlichen Occultisten, trennen das obere Sephirothische Dreieck (oder

Sephira, Chokmah und Binah) von den übrigen, so daß sieben Sephiroth

übrig bleiben. Was Svabhâvat anbelangt, so erklären die Orientalisten den

Ausdruck dahin, daß er die universelle plastische Materie, ausgebreitet durch

den Raum, bedeute, vielleicht mit einem halben Seitenblick auf den Ether der

Wissenschaft. Die Occultisten aber identifizieren ihn mit „Vater-Mutter“ auf der

mystischen Ebene.

[24] Arûpa.

[25] Grenzenlosen Kreis.

[26] Subjektive, formlose.

[27] Bhâskara.

[28] Dies bezieht sich auf den abstrakten Gedanken und die konkrete Stimme,

oder die Manifestation desselben, die Wirkung der Ursache. Adam Kadmon,

_25 (3 of 4)47.Kommentar IV

oder Tetragrammaton, ist der Logos in der Kabalah. Daher entspricht diese

Triade in der letzteren dem höchsten Dreiecke von Kether, Chokmah und

Binah, letztere eine weibliche Kraft, und zur selben Zeit der männliche

Jehovah, als teilhabend an der Natur von Chokmah, oder männliche Weisheit.

[29] Die Geheimlehre lehrt, daß die Sonne ein centraler Stern und kein Planet

ist. Trotzdem kannten und verehrten die Alten sieben große Götter,

ausschließlich der Sonne und Erde. Was war dieser „Gott des Geheimnisses“,

den sie bei Seite setzten? Natürlich nicht Uranus, der erst 1781 von Herschel

entdeckt wurde. Aber konnte er nicht unter einem anderen Namen bekannt

sein? Ragon sagt: „Nachdem die occulten Wissenschaften durch

astronomische Berechnungen erfahren hatten, daß die Zahl der Planeten

sieben sein müsse, wurden die Alten dahin geführt, die Sonne in die Tonleiter

der himmlischen Harmonieen einzuführen, und sie den leeren Platz

einnehmen zu lassen. So schrieben sie jedesmal, wenn sie eine Einwirkung

bemerkten, welche keinem der bekannten sechs Planeten angehörte,

dieselbe der Sonne zu Der Irrtum scheint bedeutend, aber war es nicht in

den praktischen Resultaten, wenn die Astrologen den Uranus durch die

Sonne ersetzten, welche ein verhältnismäßig bewegungsloser

Centralstern ist, der sich bloß um seine Achse dreht und Zeit und Maß regelt;

und der nicht von seinen wahren Funktionen weggewendet werden

kann.“ (Maconnerie Occulte, p. 447.) Die Benennung der Wochentage ist

auch falsch. „Der Sonn-tag sollte Uranus-tag (Urani dies, Urandi) sein,“ fügt

der gelehrte Schriftsteller hinzu.

[30] Planetensystems.

[31] „Die Sonne dreht sich um ihre Achse beständig in derselben Richtung, in

der die Planeten in ihren einzelnen Bahnen kreisen,“ lehrt uns die Astronomie.

_25 47.Kommentar IV

Nachdem somit der „verstoßene Sohn“ unsere Sonne ist, so beziehen sich die

„Sonnensöhne“ offenbar, wie oben gezeigt, nicht bloß auf unsere Planeten,

sondern auf die Himmelskörper im allgemeinen. Sûrya, selbst bloß eine

Wiederspiegelung der centralen geistigen Sonne, ist das Vorbild aller jener

Körper, die nach ihm sich entwickelten. In den Veden heißt er Loka-Chakshuh,

das „Auge der Welt“ (unserer Planetenwelt), und er ist eine der drei

Hauptgottheiten. Er heißt gleicherweise der Sohn des Dyaus oder der der Aditi,

weil in Bezug auf esoterische Bedeutung kein Unterschied gemacht und kein

Spielraum für eine solche gelassen wird.

Daher wird er sowohl als von sieben Rossen als auch als von einem Rosse mit

sieben Häuptern gezogen dargestellt; ersteres bezieht sich auf seine sieben

Planeten, letzteres auf ihren einen gemeinsamen Ursprung aus dem Einen

kosmischen Element. Dieses „Eine Element“ heißt sinnbildlich das „Feuer“. Die

Veden lehren, daß „das Feuer wahrhaftig ist alle Gottheiten.“ [32]

Die Bedeutung der Allegorie ist klar, denn wir haben zu ihrer Erklärung sowohl

den Dzyan-Kommentar als auch die moderne Wissenschaft, wenn auch die

beiden in mehr als einer Einzelnheit voneinander abweichen. Die occulte Lehre

verwirft die aus der Nebeltheorie entstandene Hypothese, daß die (sieben)

großen Planeten aus der Centralmasse der Sonne hervorgegangen sind, zum

mindesten nicht aus dieser unserer sichtbaren Sonne. Die erste Verdichtung

kosmischen Stoffes fand natürlich um einen centralen Kern, um seine väterliche

Sonne statt; aber unsere Sonne, so wird gelehrt, trennte sich selbst einfach

früher ab als die anderen, wie sich die rotierende Masse zusammenzog, und ist

daher ihr älterer, größerer „Bruder“, und nicht ihr Vater. Die acht Adityas, die

„Götter“, sind alle aus der ewigen Substanz (der Kometenmaterie [33] - der

Mutter) geformt, oder aus dem „Weltstoff“, der zugleich das fünfte und sechste

kosmische Prinzip, der Upâdhi oder (die Grundlage der Universalseele, ist,

gerade so wie im Mikrokosmos Manas [34] der Upadhi von Buddhi [35] ist.

Es existiert da ein ganzes Gedicht über die prägenetischen Kämpfe, welche von

den heranwachsenden Planeten vor der endlichen Formung des Kosmos

ausgefochten wurden, und die anscheinend gestörte Lage der Systeme von

verschiedenen Planeten erklärt; denn die Ebenen der Satelliten von einigen

derselben (z. B. von Neptun und Uranus, von denen, wie es heißt, die Alten

nichts gewußt haben) sind übergekippt, so daß jene eine scheinbar rückläufige

Bewegung erhalten. Diese Planeten heißen die Kämpfer, die Baumeister, und

sind von der römischen Kirche als die Leiter der himmlischen Heerscharen

angenommen, was auf dieselben Traditionen hinweist. Hervorgegangen aus dem

kosmischen Raume, zog die Sonne, so wird uns gelehrt – vor der schließlichen

_27 (1 of 3)47.Kommentar IV

Formung der Hauptplaneten und der Ringbildung der Planeten-Nebel – in die

Tiefen ihrer Masse so viel kosmische Lebenskraft, als die konnte, und drohte ihre

schwächeren „Brüder“ zu verschlingen, bevor das Gesetz der Anziehung und

Abstoßung endgültig geordnet war; hierauf begann sie, sich von „der Mutter

Auswurf und Schweiß“ zu nähren; mit anderen Worten, von jenen Teilen des

Äthers (des „Atems der Universalseele“), von deren Dasein und

Zusammensetzung die Wissenschaft bis jetzt durchaus nichts weiß. Nachdem

eine Theorie dieser Art von Sir William Grove [36] aufgestellt worden ist, welcher

annimmt, daß die Systeme „sich allmählich verändern, durch atmosphärische

Zuwachse oder Entziehungen, oder durch Zunahmen und Abnahmen, die von

Nebelsubstanz herrühren,“ und wiederum, daß „die Sonne auf ihrer Reise durch

den Raum gasförmige Materie verdichten könne, wodurch Wärme erzeugt

würde“ – scheint die archaische Lehre wissenschaftlich genug zu sein, selbst in

diesem Zeitalter. [37]

Herr W. Mattieu Williams regte den Gedanken an, daß die zerstreute Materie

oder der Ether, welcher der Recipient der Wärmestrahlungen des Weltalls ist,

dadurch in die Tiefen der Sonnenmasse gezogen werde; indem er aus derselben

den schon vorher verdichteten und thermisch erschöpften Ether verdrängt, wird

er zusammengedrückt und giebt seine Wärme ab, um seinerseits wieder in

einem verdünnten und abgekühlten Zustand ausgestoßen zu werden, um einen

frischen Vorrat von Wärme zu absorbiren, die nach der Annahme des Genannten

auf solche Art von dem Ether aufgenommen und wiederum von den Sonnen des

Weltalls verdichtet und neu verteilt wird.

Dies ist so ziemlich eine der größten Annäherungen an die occulten Lehren, die

die Wissenschaft jemals ersonnen hat; denn der Occultismus erklärt es durch

den „toten Arm“, der von Mârtânda zurückgegeben wird, und durch seine

Ernährung mit dem „Schweiße und Auswurf“ von „Mutter Raum“. Was Neptun,

[38] Saturn und Jupiter nur wenig beeinflussen konnte, würde im Verhältnis so

kleine „Häuser“ wie Merkur, Venus und Mars getötet haben. Da Uranus vor dem

Ende des 18. Jahrhunderts nicht bekannt war, so muß der Name des vierten in

der Allegorie erwähnten Planeten für uns insoweit ein Geheimnis bleiben.

[32] Siehe Anugîtâ, Telang, X. 9; und Aitareya Brâhmana, Haug, p.1.

[33] Diese Wesenheit der Kometenmaterie besitzt nach der Lehre der

_27 (2 of 3)47.Kommentar IV

occulten Wissenschaft kein einziges von den chemischen oder physikalischen

Merkmalen, mit denen die moderne Wissenschaft vertraut ist. Sie ist homogen

in ihrer Urform außerhalb der Sonnensysteme, und differenziert sich gänzlich,

wenn sie die Grenzen des Gebietes unserer Erde überschreitet; verdorben

durch die Atmosphären der Planeten und die bereits zusammengesetzte

Materie des interplanetarischen Stoffes, ist sie heterogen bloß in unserer

manifestierten Welt.

[34] Manas – das Denkprinzip, oder die menschliche Seele.

[35] Buddhi – die göttliche Seele.

[36] Siehe Correlation of Physical Forces, 1843, p. 81; und Address to the

British Association, 1866.

[37] Sehr ähnliche Ideen waren jene von M. Mattieu Williams, in The Fuel of

the Sun; von Dr. V. William Siemens, On the Conservation of Solar Energy

(Nature, XXV, 440-444, March 9, 1882): und auch von Dr. P. Martin Duncan,

in einer Address, als Präsident der geologischen Gesellschaft, London, Mai,

1877. Siehe World-Life, von Alexander Winchell, LL. D., pp. 53 ff.

[38] Wenn wir Neptun sprechen, so thun wir das nicht als Occultistin, sondern

als Europäerin. Der wahre östliche Occultist wird behaupten, daß, während

viele noch unentdeckte Planeten in unserem System sind, Neptun nicht

wirklich demselben angehört, trotz seines scheinbaren Zusammenhanges mit

unserer Sonne und des Einflusses der letzteren auf ihn. Dieser

Zusammenhang ist mâyâvisch, imaginär; so sagen sie.

_27 (3 of 3)47.Kommentar IV

Der „Atem“ aller der „Sieben“ wird als Bhâskara, der Lichtmacher, bezeichnet,

weil sie (die Planeten) ursprünglich alle Kometen und Sonnen waren. Sie

evolvieren zu manvantarischem Leben aus dem ursprünglichen Chaos (jetzt das

Ding an sich der unauflösbaren Nebelflecke) durch Zusammenscharung und

Anhäufung der ursprünglichen Differentationen der ewigen Materie, in der

schönen Ausdrucksweise des Kommentars. „So kleideten sich die Söhne des

Lichts in das Gewebe der Dunkelheit.“ Sie werden allegorisch die „himmlischen

Schnecken“ genannt, weil ihre (für uns) formlosen Intelligenzen ungesehen ihre

Sternen- oder Planetenhäuser bewohnen, und dieselben sozusagen wie

Schnecken mit sich in ihrem Umlaufe herumtragen. Die Lehre vom gemeinsamen

Ursprunge aller Himmelskörper und Planeten wurde, wie wir sehen, von den

archaischen Astronomen betont, vor Kepler, Newton, Leibniz, Kant, Herschel und

Laplace. Wärme (der „Atem“), Anziehung und Abstoßung – die drei großen

Faktoren der Bewegung – sind die Bedingungen, unter denen alle Mitglieder

dieser ursprünglichen Familie geboren werden, sich entwickeln, und sterben; um

wiedergeboren zu werden nach einer Nacht des Brahmâ, während welcher die

ewige Materie periodisch in ihren ursprünglichen undifferenzierten Zustand

zurücksinkt.

Die allerverdünntesten Gase können dem modernen Physiker keine Vorstellung

von der Natur derselben geben. Zuerst Kraftcentren, differenzieren sich die

unsichtbaren Funken oder Uratome zu Molekülen und werden Sonnen – indem

sie allmählich in Objektivität treten – gasförmig, strahlend, kosmisch, und der

eine „Wirbelwind“ (oder Bewegung) giebt schließlich den Anstoß zur Form und

zur Anfangsbewegung, die von den nimmerruhenden „Atem“ – den Dhyân

Chohans – geregelt und unterhalten wird.

_2948.Kommentar IV

STROPHE IV. – Schluß.

6. DANN DIE ZWEITE SIEBEN, WELCHE DIE LIPIKA SIND,

HERVORGEBRACHT DURCH DIE DREI. [39] DER AUSGESTOSSENE SOHN

IST EINER. DIE „SONNENSÖHNE“ SIND UNZÄHLBAR.

Die „Lipika“, von dem Worte lipi, „schreiben“, bedeuten wörtlich die „Schreiber“.

[40] Mystisch stehen diese göttlichen Wesen mit Karma, dem Gesetze der

Wiedervergeltung im Zusammenhang, denn sie sind die Aufzeichner oder

Annalisten, welche auf die (für uns) unsichtbaren Tafeln des Astrallichtes, „der

großen Bildergallerie der Ewigkeit“, einen getreuen Bericht von jeder Handlung,

und selbst von jedem Gedanken, des Menschen einprägen: von allem, was in

dem phänomenalen Weltalle war, ist, oder jemals sein wird.

Wie es in Isis Unveiled heißt, ist diese göttliche und ungesehene Bildfläche das

Buch des Lebens.

Da die Lipika es sind, welche aus dem passiven universalen Gemüt den idealen

Plan des Weltalls in die Objektivität projizieren, nach welchem die „Baumeister“

den Kosmos nach jedem Pralaya wieder aufbauen, so entsprechen sie den

sieben Engeln der Gegenwart, welche sie Christen in den sieben

„Planetengeistern“ oder den „Geistern der Sterne“ wiedererkennen; und somit

sind sie die unmittelbaren Gehilfen der ewigen Ideenbildung – oder, wie Plato es

nennt, des „göttlichen Gedankens“. Die ewige Aufzeichnung ist kein

phantastischer Traum, denn wir begegnen denselben Aufzeichnungen in der

Welt des groben Stoffes. So sagt Dr. Draper:

Ein Schatten fällt nie auf eine Wand, ohne darauf eine dauernde Spur

zurückzulassen, welche durch Anwendung entsprechender Prozesse sichtbar

gemacht werden könnte. Die Bildnisse unserer Freunde oder

Landschaften mögen auf der empfindlichen Fläche vor dem Auge verborgen

sein, aber sie liegen bereit, sofort zu erscheinen, wenn entsprechende

Entwickler angewendet werden. Ein Gespenst ist verborgen auf einer Silber-

oder Glasfläche, bis wir es durch unsere Nekromantie in die Welt des

Sichtbaren treten lassen. Auf den Wänden unserer geheimsten Gemächer, wo

wir jedes Späherauge für vollkommen ferngehalten, und unsere

Zurückgezogenheit für niemals profanierbar halten, existieren die Spuren

unserer Handlungen, die Schattenrisse von allem, was wir gethan haben. [41]

1a (1 of 3)48.Kommentar IV

Die Doktoren Jevons und Babbage glauben, daß jeder Gedanke die

Gehirnteilchen verschiebt, und, indem er sie in Bewegung setzt, sie durch das

Universum zerstreut: sie glauben auch, daß „jedes Teilchen des bestehenden

Stoffes ein Verzeichnis von allem Geschehen sein muß“. [42] So hat die alte

Lehre angefangen, Bürgerrecht in den Spekulationen der wissenschaftlichen

Welt zu erlangen.

Die vierzig „Beisitzer“, welche in der Region von Amenti als die Ankläger der

Seele vor Osiris stehen, gehören derselben Klasse von Gottheiten an wie die

Lipika, und würden als mit ihnen übereinstimmend gelten, wären nicht die

ägyptischen Götter in ihrer esoterischen Bedeutung so wenig verstanden. Der

indische Chitragupta, der den Rechenschaftsbericht eines jeden Seelenlebens

aus seiner Aufzeichnung, genannt Agra-Sandhâni, herausliest; die Beisitzer, die

den ihren von dem Herzen des Verstorbenen ablesen, das ein offenes Buch vor

jedem Yama, Minos, Osiris, oder Karma wird, sind alle ebenso viele Kopieen und

Varianten der Lipika und ihrer astralen Aufzeichnungen. Nichtsdestoweniger sind

die Lipika Gottheiten, die nicht mit dem Tode, sondern mit dem ewigen Leben

zusammenhängen.

Da die Lipika mit dem Schicksale eines jeden Menschen und mit der Geburt

eines jeden Kindes zusammenhängen, dessen Leben bereits im Astrallichte

vorgezeichnet ist – nicht fatalistisch, sondern einfach weil die Zukunft, sowie die

Vergangenheit, in der Gegenwart ewig lebendig ist – so kann man von ihnen

auch sagen, daß sie einen Einfluß auf die Wissenschaft der Horoskopie

ausüben. Wir müssen die Wahrheit der letzteren zugeben, ob wir wollen oder

nicht. Denn wie einer der modernen Professoren der Astrologie bemerkt:

Nun, da uns die Photographie die chemische Wirkung des Sternensystems

geoffenbart hat, indem sie auf der empfindlich gemachten Platte des

Apparates Milliarden von Sternen und Planeten festhält, welche bisher der

Entdeckungsbemühungen der stärksten Fernrohre gespottet hatten, wird es

leichter, zu verstehen, wieso unser Sonnensystem bei der Geburt eines

Kindes das Gehirn desselben – jungfräulich gegenüber jedem Eindruck – auf

bestimmte Art und entsprechend der Kulmination dieser oder jener zodiakalen

Konstellation zu beeinflussen imstande ist. [43]

[39] Wort, Stimme und Geist.

1a (2 of 3)48.Kommentar IV

[40] Diese sidn die vier „Unsterblichen“, welche im Atharva Veda als die

„Wächter“ oder Hüter der vier Himmelsrichtungen erwähnt sind. (Siehe Kap.

LXXVI, 1-4 ff.)

[41] Conflict between Religion and Science, pp. 132 und 133.

[42] Priniples of Science, II. 455.

[43] Les Mystêres de l’Horoscope, Ely Star, p. XI.

1a (3 of 3)48.Kommentar V

STROPHE V

1. DIE URSPRÜNGLICHEN SIEBEN, DIE ERSTEN ATEMZÜGE DES

DRACHENS DER WEISHEIT, ERZEUGEN IHRERSEITS DURCH IHRE

HEILIGEN KREISENDEN ATEMZÜGE DEN FEURIGEN WIRBELWIND.

Dies ist vielleicht die am schwierigsten zu erklärende von allen Strophen. Ihre

Sprache ist bloß jenem verständlich, welcher in der östlichen Allegorie und ihrer

absichtlich dunklen Ausdrucksweise vollkommen bewandert ist. Die Frage wird

sicherlich aufgeworfen werden: „Glauben sie Occultisten an alle diese „Bauleute“,

„Lipika“ und „Söhne des Lichtes“ als an Wesenheiten, oder sind sie bloße

Bildersprache? Darauf erfolgt ebenso klar die Antwort: Bei entsprechender

Nachsicht mit der Bildersprache von personifizierten Kräften, müssen wir die

Existenz von solchen Wesenheiten zugestehen, wenn anders wir nicht die

Existenz einer geistigen Menschheit innerhalb der physischen Menschheit

verwerfen wollen. Denn die Scharen dieser Söhne des Lichtes, der aus der Seele

geborenen Söhne des ersten geoffenbarten Strahles des Unbekannten Alls, sind

gerade die Wurzel des geistigen Menschen. Wenn wir nicht an das

unphilosophische Dogma einer für jede menschliche Geburt eigens geschaffene

Seele – von denen seit „Adam“ täglich eine neue Lieferung einläuft – glauben

wollen, so müssen wir den occulten Lehren beistimmen. Dies wird an seinem

Orte erklärt werden. Laßt uns nun sehen, was die Bedeutung dieser occulten

Strophe sein mag.

Die Lehre besagt, daß, um ein göttlicher, vollbewusster Gott – ja, selbst der

höchste – zu werden, die geistigen Urintelligenzen durch den menschlichen

Zustand hindurchgehen müssen. Und wenn wir sagen „menschlich“, so bezieht

sich das nicht bloß auf unsere irdische Menschheit, sondern auf die Sterblichen,

die irgend eine Welt bewohnen, d. h. auf jene Intelligenzen, welche das

geeignete Gleichgewicht zwischen Stoff und Geist erreicht haben, so wie wir es

jetzt haben, immer, nachdem der Mittelpunkt der vierten Wurzelrasse der vierten

Runde überschritten war. Jede Wesenheit muß für sich selbst das Recht, göttlich

zu werden, durch Selbsterfahrung gewonnen haben. Hegel, der grosse, deutsche

Denker, muß diese Wahrheit gewusst oder intuitiv gefühlt haben, als er sagte,

daß das Unbewusste das Weltall bloß evolviert habe „in der Hoffnung, klares

Selbstbewußtsein zu erlangen“, mit anderen Worten, um Mensch zu werden;

denn das ist auch die geheime Bedeutung der oft wiederkehrenden purânischen

Phrase, daß Brahmâ beständig „von dem Verlangen bewegt sei, zu schaffen“.

Dies erklärt auch die verborgene kabbalistische Bedeutung des Ausspruches:

1b (1 of 2)49.Kommentar V

„Der Atem wird ein Stein; der Stein eine Pflanze; die Pflanze ein Tier; das Tier

ein Mensch; der Mensch ein Geist; und der Geist ein Gott.“ Die aus der Seele

geborenen Söhne, die Rishis, die Bauleute, u.s.w., waren alle Menschen –

einerlei von welchen Formen und Gestalten – in anderen Welten und in

vorangegangenen Manvantaras.

Da dieser Gegenstand so überaus mystisch ist, so ist es höchst schwierig, ihn

in allen Einzelheiten und Beziehungen zu erklären; denn das ganze Geheimnis

der evolutionellen Schöpfung ist darin enthalten. Ein Satz oder zwei in dieser

Shloka rufen lebhaft ähnliche Sinnsprüche in der Kabalah sowie die

Ausdrucksweise des königlichen Psalmisten [1] ins Gedächtnis. Beide, wenn sie

von Gott sprechen, lassen ihn den Wind zu seinem Boten machen und seine

„Diener zu Feuerflammen“. Aber in der esoterischen Lehre ist das figürlich

gebraucht. Der „feurige Wirbelwind“ ist der erglühende kosmische Staub, welcher

bloß magnetisch, wie die Eisenfeilspäne dem Magneten folgen, dem leitenden

Gedanken der „schöpferischen Kräfte“ folgt. Doch ist dieser kosmische Staub

etwas mehr; denn jedes Atom im Weltall hat die Möglichkeit des

Selbstbewußtseins in sich, und ist, gleich den Monaden des Leibniz, ein Weltall

in sich selbst, und für sich selbst.

Es ist ein Atom und ein Engel.

Im Zusammenhang hiermit sollte beachtet werden, daß eine der Leuchten der

modernen evolutionistischen Schule, Herr A. R. Wallace, gelegentlich der

Besprechung der Unzulänglichkeit der „natürlichen Auswahl“ als einzigen Faktors

in der Entwicklung des physischen Menschen, in der Praxis den ganzen hier

erörterten Punkt zugiebt. Er hält dafür, daß die Entwicklung des Menschen von

höheren Intelligenzen geleitet und gefördert wurde, deren Thätigkeit ein

notwendiger Faktor in dem Plane der Natur sei. Sobald aber die Wirkung dieser

Intelligenzen an einem Orte zugelassen ist, so ist es bloß eine logische Folge, sie

noch weiter auszudehnen. Keine bindende Grenzlinie kann da gezogen werden.

[1] Psalmen, CIV. 4.

1b (2 of 2)49.Kommentar V

STROPHE V – Fortsetzung.

2. DIESE MACHEN IHN ZUM BOTEN IHRES WILLENS (a). DER DZYU WIRD

FOHAT: DER SCHNELLE SOHN DER GÖTTLICHEN SÖHNE, DESSEN

SÖHNE DIE LIPIKA [2] SIND, ERFÜLLT IN KREISEBEWEGUNG SEINE

SENDUNG. FOHAT IST DAS PFERD, UND DER GEDANKE IST DER REITER.

[3] ER GEHT WIE DER BLITZ DURCH DIE FEURIGEN WOLKEN [4] (b); ER

NIMMT DREI UND FÜNF UND SIEBEN SCHRITTE DURCH DIE SIEBEN

OBEREN UND SIEBEN UNTEREN REGIONEN. [5] ER ERHEBT SEINE

STIMME; ER RUFT DIE UNZÄHLIGEN FUNKEN [6] ZUSAMMEN UND

VEREINIGT SIE ©.

(a) Dies zeigt, daß die „ursprünglichen Sieben“ als ihr Vehikel (Vâhana, oder

das manifestierte Subjekt, welches zum Symbol der dasselbe lenkenden Kraft

wird) Fohat gebrauchen, der infolgedessen der „Bote ihres Willens“ genannt wird

·        den „feurigen Wirbelwind“.

(b) „Dzyu wird Fohat“ – der Ausdruck erklärt sich selbst. Dzyu ist die eine

wirkliche (magische) Erkenntnis, oder occulte Weisheit; welche, da sie mit

ewigen Wahrheiten und ersten Ursachen sich befaßt, nahezu zur Allmacht wird,

wenn sie in der richtigen Richtung angewendet wird. Ihr Gegensatz ist Dzyu-mi,

das, was nur mit Illusionen und trügerischen Erscheinungen sich befaßt, so wie

unsere exoterischen modernen Wissenschaften. In diesem Falle ist Dzyu der

Ausdruck für die gesamte Weisheit der Dhyâni-Buddhas.

Da von dem Leser angenommen wird, daß er mit den Dhyâni-Buddhas nicht

bekannt ist, so ist es gut, sogleich zu sagen, daß es, nach den Orientalisten, fünf

Dhyânis giebt, welche die himmlischen Buddhas sind, deren Offenbarungen in

der Welt von Form und Stoff die menschlichen Buddhas sind. Esoterisch jedoch

sind die Dhyâni-Buddhas ihrer sieben, von denen sich bloß fünf bisher

manifestiert haben [7] , während zwei in der sechsten und siebenten Wurzelrasse

kommen sollen. Sie sind sozusagen die ewigen Vorbilder der Buddhas, welche

auf dieser Erde erscheinen, von denen ein jeder sein besonderes göttliches

Vorbild hat. So ist z. B. Amitâbha der Dhyâni-Buddha von Gautama Shâkyamuni,

indem er sich durch ihn offenbart, so oft diese große Seele sich auf Erden

inkarniert, wie Er es in Tzon-kha-pa [8] that. Als die Synthese der sieben Dhyâni-Buddhas

war Avalokiteshvara der erste Buddha (der Logos), und Amitâbha ist

der innere „Gott“ von Gautama, der in China Amida (Buddha) genannt wird.

3 (1 of 3)49.Kommentar V

Sie sind, wie Prof. Rhys Davids richtig feststellt, „die glorreichen Gegenbilder in

der mystischen Welt, frei von den erniedrigenden Bedingungen dieses

materiellen Lebens“ von einem jeden irdischen, sterblichen Buddha – die

befreiten Mânushi-Buddhas, die bestimmt sind, die Erde in dieser Runde zu

regieren.

Sie sind die „Buddhas der Betrachtung“ und sind alle „Anupâdaka“ (elternlos),

d. h. selbstgeboren aus der göttlichen Wesenheit. Die exoterische Lehre –

welche besagt, daß jeder Dhyâni-Buddha die Fähigkeit hat, aus sich selbst einen

gleichermaßen himmlischen Sohn zu erschaffen, einen Dhyâni-Bodhisattva, der,

nach dem Hinscheiden des Mânushi-Buddha, das Werk des letzteren zu Ende zu

führen hat – beruht auf der Thatsache, daß infolge der höchsten Initiation, die

von einem, der vom „Geiste des Buddha“ – dem die Orientalisten die Erschaffung

der fünf Dhyâni-Buddhas zuschreiben! – überschattet ist, ausgeführt wird, ein

Kandidat virtuell ein Bodhisattva wird, dazu gemacht von dem hohen Initiator.

© Fohat soll als einer der wichtigsten, wenn nicht der allerwichtigste Charakter

in der esoterischen Kosmogonie, genau beschrieben werden. Wie in der ältesten

griechischen Kosmogonie, die sich bedeutend von der späteren Mythologie

unterschied, Eros die dritte Person in der Urfreiheit: Chaos, Gaea, Eros ist –

entsprechend der kabbalistischen Dreiheit: Ain Suph, dem grenzenlosen All

(denn Chaos ist Raum, von [korrekter Abdruck siehe Buch S. 134], weit öffnen,

leer sein), Shekinah und dem Alten der Tage, oder dem heiligen Geist – so ist

Fohat ein Ding in dem noch ungeoffenbarten Weltall, und ein anderes in der

phänomenalen und kosmischen Welt. In der letzteren ist er jene occulte,

elektrische, vitale Kraft, die, unter dem Willen des schöpferischen Logos, alle

Formen vereinigt und zusammenbringt, indem sie ihnen den ersten Anstoß giebt,

der in der Zeit zum Gesetz wird. Aber im unmanifestierten Universum ist Fohat

nicht mehr diese, als Eros der spätere strahlende beflügelte Kupido oder

Liebesgott ist. Fohat hat da noch nichts mit Kosmos zu thun, da der Kosmos

noch nicht geboren ist, und die Götter noch in dem Schoße von „Mater-Mutter“

schlafen. Er ist eine abstrakte philosophische Idee. Er erzeugt sogar nichts

selbst; er ist bloß jene potentielle schöpferische Kraft, durch deren Wirkung das

Noumenon aller zukünftigen Phänomena sich sozusagen teilt, bloß um sich in

einer mystischen, übersinnlichen Handlung wieder zu vereinigen, und den

schöpferischen Strahl auszusenden. Wenn der „göttliche Sohn“ hervorbricht,

dann wird Fohat die treibende Kraft, die thätige Macht, die die Eins zur Zwei und

Drei werden läßt – auf der kosmischen Ebene der Manifestation. Das dreifache

Eine differentiiert sich in die vielen, und dann verwandelt sich Fohat in die Kraft,

3 (2 of 3)49.Kommentar V

welche die elementaren Atome zusammenführt und sie sich zusammenscharen

und verbinden läßt. Wir finden ein Echo dieser urzeitlichen Lehre in der älteren

griechischen Mythologie. Erebus und Nyx sind aus dem Chaos geboren, und

bringen unter der Einwirkung des Eros, ihrerseits Äther und Hemera, das Licht

der oberen, und das Licht der unteren oder irdischen Regionen hervor. Die

Dunkelheit erzeugt das Licht. Vergleiche damit in den Purânas Brahmâs Willen

oder „Begierde“ zu schaffen; und in der phönizischen Kosmogonie des

Sanchuniathon die Lehre, daß die Begierde, [korrekter Abdruck siehe Buch S.

135], der Ursprung der Schöpfung sei.

[2] Der Unterschied zwischen den Bauleuten, den Planetengeistern und den

Lipika darf nicht aus den Augen gelassen werden. (Siehe die Verse 5 und 6

dieses Kommentars.)

[3] Das heißt, er ist unter dem Einflusse ihres leitenden Gedankens.

[4] Die kosmischen Nebel.

[5] Die zukünftige Welt.

[6] Atome.

[7] Siehe A. P. Sinnett’s Esoteric Buddhism, 5te kommentierte Auflage, p. 171-

173.

[8] Der erste und größte tibetanische Reformator, der die „Gelbkappen“, die

Gelukpas, gründete. Er war geboren im Jahre 1355 n. Chr., in dem Distrikt

von Amdo, und war der Avatâra von Amitâbha, dem himmlischen Namen von

Gautama Buddha.

3 (3 of 3)49.Kommentar V

Fohat ist enge verwandt mit dem „Einen Leben“. Aus dem Unbekannten Einen,

der unendlichen Totalität, emaniert der geoffenbarte Eine, oder die periodische

manvantarische Gottheit; und diese ist das Universalgemüt, welches, getrennt

von seinem Ursprungsquell, der Demiurg oder schöpferische Logos der

westlichen Kabbalisten, und der viergesichtige Brahmâ der Hindureligion ist. In

seiner Gesamtheit in der esoterischen Lehre vom Standpunkt des geoffenbarten

göttlichen Gedankens betrachtet, repräsentiert er die Scharen der höheren

schöpferischen Dhyân Chohans. Gleichzeitig mit der Evolution der

Universalseele manifestiert sich die verborgene Weisheit von Âdi-Buddha – dem

Einen Höchsten und Ewigen – als Avalokiteshvara (oder geoffenbarter Îshvara),

welcher der Osiris der Ägypter, der Ahura-Mazda der Zoroastrier, der himmlische

Mensch der hermetischen Philosophen, der Logos der Platoniker und der Âtman

der Vedântisten ist. [9]

Durch die Wirkung der manifestierten Weisheit, oder des Mahat – repräsentiert

durch diese zahllosen Centren geistiger Energie im Kosmos – wird die

Wiederspiegelung der Universalseele, welche kosmische Ideenbildung und die

solche Ideenbildung begleitende intellektuelle Kraft ist, objektiv zum Fohat des

buddhistischen esoterischen Philosophen.

Fohat wirkt, entlang den sieben Prinzipien von Âkâsha dahineilend, auf die

manifestierte Substanz, oder das Eine Element, wie oben erklärt, und setzt,

indem er es in verschiedene Energiecentren differentiiert, das Gesetz der

kosmischen Evolution in Bewegung, welches, gehorsam der Ideenbildung des

Universalgemüts, alle die verschiedenen Daseinszustände im manifestierten

Sonnensystem in Existenz bringt.

Das Sonnensystem, das durch diese Thätigkeiten ins Dasein gerufen worden

ist, besteht aus sieben Prinzipien, wie alles andere innerhalb dieser Centren.

Also ist die Lehre der transhimâlayischen Esoterik. Doch hat jede Philosophie

ihre eigene Art, diese Prinzipien einzuteilen.

Fohat ist nun die personifizierte elektrische Lebenskraft, die transcendentale

verbindende Einheit aller kosmischen Energieen, auf den unsichtbaren sowohl

wie auf den geoffenbarten Ebenen, deren Wirkung – in einem immensen

Maßstabe – jener einer lebenden Kraft gleicht, die durch den Willen bei jenen

Phänomenen erschaffen wird, wo das scheinbar Subjektive auf das scheinbar

Objektive einwirkt und es zur Thätigkeit antreibt. Fohat ist nicht bloß das lebende

Symbol und Behältnis dieser Kraft, sondern er wird von den Occultisten als eine

5 (1 of 3)49.Kommentar V

Wesenheit betrachtet; die Kräfte, auf die er wirkt, sind kosmisch, menschlich und

irdisch, und üben ihren Einfluß auf jede entsprechende von diesen Ebenen. Auf

der irdischen Ebene wird sein Einfluß in der magnetischen und wirksamen Kraft

gefühlt, die durch das starke Verlangen des Magnetisierenden hervorgerufen

wird. Auf der kosmischen ist er gegenwärtig in der konstruktiven Kraft, welche in

der Formung der Dinge – vom Planetensystem herab bis zum Glühwurm und

bescheidenen Maßliebchen – den im Gemüt der Natur, oder im göttlichen

Gedanken, liegenden Plan mit Rücksicht auf die Entwicklung und das Wachstum

eines bestimmten Dinges ausführt. Er ist metaphysisch der objektivierte Gedanke

der Götter, das „fleischgewordene Wort“, auf einer niedereren Stufe, und der

Bote der kosmischen und menschlichen Ideenbildung; die aktive Kraft im

universalen Leben.

In seinem sekundären Aspekt ist Fohat die Sonnenenergie, die elektrische

Lebensflüssigkeit, und das erhaltende vierte Prinzip, die Tierseele der Natur,

sozusagen, oder – Elektricität.

Im Jahre 1882 wurde der Präsident der theosophischen Gesellschaft, Oberst

Olcott, zur Rede gestellt, weil er in einem seiner Vorträge behauptet hatte,

Elektricität sei Materie. So ist aber nichtsdestoweniger die Behauptung der

occulten Lehre. „Kraft“, „Energie“ mögen bessere Namen dafür sein, solange die

europäische Wissenschaft so wenig über ihre wahre Natur weiß; aber Stoff ist

sie, ebenso wie der Ether Stoff ist, wenn auch in der That einige Stufen von Ether

entfernt. Es erscheint lächerlich, den Schluß zu ziehen, ein Ding könne nicht

Stoff genannt werden, weil es für die Wissenschaft unwägbar sei. Elektricität ist

in dem Sinne „immateriell“, daß ihre Moleküle der Wahrnehmung und dem

Experiment nicht unterworfen sind; trotzdem kann sie – und der Occultismus

sagt, daß sie es ist – atomistisch sein; daher ist sie Materie. Aber selbst

angenommen, es sei unwissenschaftlich, von ihr in solchen Ausdrücken zu

sprechen: sobald die Elektricität in der Wissenschaft eine Quelle von Energie,

Energie einfach, und eine Kraft genannt wird – wo ist die Kraft oder die Energie,

die gedacht werden kann ohne einen Gedanken an Materie? Maxwell, ein

Mathematiker und eine der größten Autoritäten in Bezug auf Elektricität und ihre

Phänomene, sagte vor Jahren, Elektricität sei Materie, nicht bloße Bewegung.

„Wenn wir die Hypothese annehmen, daß die elementaren Substanzen aus

Atomen zusammengesetzt sind, so können wir der Schlußfolgerung nicht

entgehen, daß auch die Elektricität, die positive sowohl als die negative, in

abgegrenzte elementare Teile geteilt ist, welche sich als Elektricitätsatome

verhalten.“ [10] Wir wollen noch weiter gehen als dies, und behaupten, daß die

5 (2 of 3)49.Kommentar V

Elektricität nicht bloß Substanz ist, sondern dass sie ein Ausfluß aus einer

Wesenheit ist, welche weder Gott noch Teufel, sondern eine von jenen zahllosen

Wesenheiten ist, welche nach dem ewigen Gesetz von Karma unsere Welt

beherrschen und führen.

Um auf Fohat zurückzukommen, so steht derselbe in Beziehung zu Vishnu und

Sûrya, ersteren Gott in seiner älteren Bedeutung genommen, denn Vishnu ist

kein hoher Gott im Rig Veda. Der Name Vishnu kommt von der Wurzel vish,

„durchdringen“, und Fohat heißt der „Durchdringer“ und der Verfertiger, weil er

die Atome aus rohem Material formt. [11] In den heiligen Texten des Rig Veda ist

Vishnu auch „eine Offenbarung der Sonnenkraft und wird als die sieben

Regionen des Weltalls mit drei Schritten durchschreitend dargestellt“, sodaß der

vedische Gott wenig mit dem Vishnu der späteren Zeiten gemein hat. Die beiden

sind daher in dieser besonderen Gestalt identisch und einer ist die Kopie des

andern.

[9] T. Subba Row scheint denselben mit dem Logos zu identifizieren und ihn

also zu nennen. (Siehe seine Lectures on the Bhagavadgîtâ, im Theosophist,

vol. IX.)

[10] Helmholtz, Faraday Lecture, 1881.

[11] Es ist wohlbekannt, daß Sand, auf eine schwingende Metallplatte

gebracht, eine Reihe regelmäßiger Figuren verschiedenen Aussehens

annimmt. Kann die Wissenschaft eine vollständige Erklärung dieser

Thatsache geben?

5 (3 of 3)49.Kommentar V

Die drei und sieben „Schritte“ beziehen sich auf die vom Menschen bewohnten

sieben Sphären, nach der esoterischen Lehre, und ebenso auf die sieben

Regionen der Erde. Trotz der häufigen Einwendungen seitens solcher, die sich

Orientalisten dünken, wird in den exoterischen Schriften der Hindûs deutlich auf

die sieben Welten oder Sphären unserer Planetenkette Bezug genommen. Aber

wie sonderbar alle diese Zahlen mit ähnlichen Zahlen in anderen Kosmogonien

und mit ihren Symbolen verbunden sind, kann aus den Vergleichungen und

Parallelismen ersehen werden, die von Kennern der alten Religionen gemacht

worden sind. Die „drei Schritte des Vishnu“ durch die „sieben Regionen des

Weltalls“ des Rig Veda sind von den Kommentatoren verschiedenartig erklärt

worden, so als Feuer, Blitz und Sonne kosmisch, und als geschehen auf der

Erde, durch die Atmosphäre und den Himmel; mehr philosophisch – und im

astronomischen Sinne sehr korrekt deutet sie Aurnavâbha als die verschiedenen

Stellungen der Sonne: Aufgang, Mittag und Untergang. Die esoterische

Philosophie allein giebt eine deutliche Erklärung davon, obwohl der Zohâr es

sehr philosophisch und verständlich dargelegt hat. Es wird in diesem klar

dargelegt, daß im Anbeginn die Elohim (Alhim) Achad, „Eins“, oder die „Gottheit,

Eine in Vielen“ genannt wurden, eine sehr einfache Idee in pantheistischer

Auffassung – pantheistisch im philosophischen Sinn natürlich. Dann kam die

Änderung „Jehovah Elohim“, womit die Vielheit vereinigt und der erste Schritt

zum Monotheismus gemacht wurde. Nun ist die Antwort auf die Frage „Wieso ist

Jehovah Elohim?“ – „Durch drei Schritte“ von unten auf. Die Bedeutung ist klar.

Die Schritte sind symbolisch und sinnbildlich, wechselseitig und korrelativ, für

Geist, Seele und Körper (Mensch); für den Kreis, der in Geist, Seele der Welt

und Körper derselben (oder Erde) umgebildet wurde. Aus dem dem Menschen

unbegreiflichen Kreise der Ewigkeit heraustretend wird Ain Suph – das

kabbalistische Synonym für Parabrahman, für Zeroâna Akerne der Zoroastrier,

oder irgendwelches andere „Unerkennbare“ – zum „Einen“ (Achad, Eka, Ahu);

dann wird er (oder es) durch Evolution zu dem „Einen in den Vielen“, den Dhyâni-Buddhas

oder den Elohim oder wieder den Amshaspends umgebildet, während

sein dritter Schritt in die Erzeugung des Fleisches, oder Menschen, erfolgt. Und

vom Menschen, oder Jah-Hovah, „mann-weiblich“, wird die innere göttliche

Wesenheit auf der metaphysischen Ebene wiederum zu den Elohim.

Die Zahlen 3, 5 und 7 spielen, wie in Isis Unveiled gezeigt ist, eine

hervorragende Rolle in der spekulativen Freimaurerei.

Ein Bruder schreibt:

7 (1 of 3)50.Kommentar V

Es werden 3,5 und 7 Schritte gemacht, um den Rundgang darzustellen. Sie

bedeuten die drei Flächen 3, 3; 5, 3 und 7, 3; etc. etc. Man kann dies auch

folgendermaßen darstellen: 752/2=376*5, und 7635/2=3817*5 und der

Quotient von 20612/6561 Fuß als Ellenmaß ist das Maßverhältnis der großen

Pyramide.

Drei, fünf und sieben sind mystische Zahlen, und die letzte und die erste sind

bei den Maurern ebenso in Ansehen wie bei den Parsen, indem das Dreieck

überall ein Symbol der Gottheit ist. [12] Wie selbstverständlich, lassen Doktoren

der Theologie – z.B. Cassel – den Zohar die christliche Dreieinigkeit (!) erklären

und bekräftigen. Es ist jedoch letztere, welche ihren Ursprung im

[Symbolabbildung siehe Buch S. 138], in dem archaischen Occultismus und

Symbologie der Heiden, hatte. Die drei Schritte beziehen sich metaphysisch auf

das Herabsteigen des Geistes in die Materie, auf den Logos, der als ein Strahl in

den Geist fällt, dann in die Seele, und schließlich in die menschliche physische

Form des Menschen, in welcher er zum Leben wird.

Die kabbalistische Idee ist identisch mit der Esoterik der archaischen Periode.

Diese Esoterik ist das gemeinsame Eigentum aller, und gehört weder der

ârischen fünften Rasse, noch irgend einer ihrer zahlreichen Unterrassen. Sie

kann weder von den sogenannten Turaniern in Anspruch genommen werden,

den Ägyptern, Chinesen, Chaldäern, noch von irgend einer der sieben

Abteilungen der fünften Wurzelrasse, sondern gehört vielmehr der dritten und

vierten Wurzelrasse, deren Abkömmlinge wir in dem Keime der fünften, den

ersten Âriern, finden. Der Kreis war bei jeder Nation das Symbol des

Unbekannten – des „grenzenlosen Raumes“, des abstrakten Gewandes einer

ewig gegenwärtigen Abstraktion – der unerkennbaren Gottheit. Er repräsentiert

die grenzenlose Zeit in der Ewigkeit. Zeroâna Akerne ist auch der „grenzenlose

Kreis der unbekannten Zeit“, aus welchem Kreise das strahlende Licht

hervorschießt – die Universalsonne, oder Ormazd [13] - und der letztere ist

identisch mit Cronus, in seiner äolischen Form als eines der Kreises. Denn der

Kreis ist Sar und Saros, oder Cyklus. Es war der babylonische Gott, dessen

kreisförmiger Horizont das sichtbare Symbol des unsichtbaren war, während die

Sonne der Eine Kreis war, aus dem die kosmischen Scheiben hervorgingen, für

deren Führer er gehalten wurde. Zeroâna ist das Chakra oder der Kreis des

Vishnu, das geheimnisvolle Sinnbild, welches, nach der Definition eines

Mystikers, „eine Kurve ist, von der Art, daß dieselbe, wenn sie von irgend einem,

auch noch so kleinem Teile ihrer selbst in beliebiger Richtung fortgesetzt wird,

7 (2 of 3)50.Kommentar V

sich weitererstreckt und schließlich in sich selbst zurückkehrt, und eine und

dieselbe Kurve bilden wird – oder das, was wir einen Kreis nennen“. Keine

bessere Definition könnte so von dem natürlichen Symbol und der

einleuchtenden Natur der Gottheit gegeben werden, die, da sie ihren Umkreis

überall hat (als die Grenzenlose), auch ihren Mittelpunkt überall hat; mit andern

Worten, sie ist in jedem Punkte des Weltalls. Das unsichtbare Göttliche ist also

auch die Dhyân Chohans, oder die Rishis, die ursprünglichen Sieben, und die

Neun ausschließlich, und Zehn einschließlich ihrer sie vereinigenden Einheit, von

welcher ES zum Menschen schreitet.

[12] Siehe The Masonic Cyclopaedia, Mackenzie; und The Pythagorean

Triangle, Oliver.

[13] Ormazd ist der Logos, der „Erstgeborene“, und die Sonne.

7 (3 of 3)50.Kommentar V

Der Leser wird nun, wenn er zu Kommentar 4 der Strophe IV zurückgeht,

verstehen, warum, während das transhimâlayanische Chakra die Inschrift trägt

[Symbolabbildung siehe Buch S. 139] – Dreieck, erste Gerade, Quadrat, zweite

Gerade, und ein Pentagramm mit einem Punkte in der Mitte, entweder so

[Symbolabbildung siehe Buch S. 139], oder in einer andern Variation – der

kabbalistische Kreis der Elohim, wenn die Buchstaben des Wortes [korrekter

Abdruck siehe Buch S. 139] (Alhim oder Elohim) numerisch gelesen werden, die

berühmten Ziffern 13514, oder anagrammatisch 31415 offenbar werden läßt –

das astronomische [korrekter Abdruck siehe Buch S. 139] (pi), oder die

verborgene Bedeutung der Dhyâni-Buddhas, der Gebers, der Giburim, der

Kabiren, und der Elohim, die alle bedeuten: „Große Menschen“, „Titanen“,

„Himmlische Menschen“, und, auf der Erde, „Giganten“.

Die Sieben war eine heilige Zahl bei jeder Nation; aber keine wendete sie auf

physiologisch materialistischere Weise an als die Hebräer. Bei ihnen war 7

vorzugsweise die generative Zahl, und 9 die männliche kausative, und bildeten

diese, wie die Kabbalisten zeigen, den otz, [korrekter Abdruck siehe Buch S. 139]

(90, 70), oder „den Baum des Gartens von Eden“, die „doppelte

hermaphroditische Rute“ der vierten Rasse. Dies war das Symbol für das

„Allerheiligste“, die 3 und 4 der geschlechtlichen Trennung. Fast sämtliche 22

hebräischen Buchstaben sind rein phallische Symbole. Von den beiden

Buchstaben – wie oben gezeigt – ist der eine, das ayin, ein negativer weiblicher

Buchstabe, symbolisch ein Auge; der andere ein männlicher Buchstabe, tzâ, ein

Fisch-Haken oder –Gabel. Bei den Hindûs und Âriern im allgemeinen war die

Bedeutung mannigfach und bezog sich fast ausschließlich auf rein

metaphysische und astronomische Wahrheiten.

Ihre Rishis und Götter, ihre Dämonen und Heroen haben historische und

ethische Bedeutungen.

Hingegen wird uns von einem Kabbalisten, der in einem noch unpublizierten

Werke die Kabalah und den Zohar der ârischen Esoterik gegenüberstellt,

folgendes gesagt:

Die hebräische klare, kurze, bündige und exakte Sprechweise übertrifft weit

und über alle Maßen das zottelnde Wortgeschwätz der Inder – gerade so, wie

der Psalmist in Parallelismen sagt: „Mein Mund spricht mit meiner Zunge, ich

kenne nicht deine Zahlen“ (LXXI., 15) . Die indische Glyphe zeigt mit ihrer

9 (1 of 3)50.Kommentar V

Unzulänglichkeit in der vielen Beimengung von nebensächlichen Seiten

dasselbe erborgte Federkleid, das die Griechen (die lügenden Griechen)

hatten, und das die Freimaurerei hat: was bei der rauhen einsilbigen (und

scheinbaren) Armut des Hebräischen zeigt, daß letzteres aus einem viel

entlegeneren Altertum herstammt, als irgend eines von jenen, und daß dieses

die Quelle (!?) war, oder näher der alten Urquelle als irgend eines von ihnen.

Das ist ganz irrtümlich. Unser gelehrter Bruder und Korrespondent beurteilt die

indischen Religionssysteme anscheinend nach ihren Shâstras und Purânas,

wahrscheinlich nach den letzteren, und obendrein in ihren modernen

Übersetzungen, die sie bis zur Unkenntlichkeit entstellen. Wir müssen uns an

ihre philosophischen Systeme wenden, an ihre esoterische Lehre, wenn wir

einen Vergleichspunkt herstellen wollen. Ohne Zweifel kommt die Symbolik des

Pentateuch und selbst des neuen Testamentes aus derselben Quelle. Aber ist

die Pyramide des Cheops, deren Maße Professor Piazzi Smyth in Solomons

behauptetem und mythischem Tempel alle wieder fand, nicht sicher älteren

Datums als die mosaischen Bücher? Daher muß, wenn eine so große Identität,

wie behauptet wird, existiert, dieselbe von einem sklavischen Kopieren von Seite

der Juden herrühren, und nicht von Seite der Ägypter. Die Glyphen der Juden –

und selbst ihre Sprache, das Hebräische – sind nicht originell. Sie sind von den

Ägyptern entlehnt, von welchen Moses seine Weisheit erhalten hatte; von dem

Koptischen, der mutmaßlichen Verwandten, wenn nicht der Mutter des alten

Phönizischen; und von den Hyksos, ihren (angeblichen) Vorfahren, wie Josephus

zeigt. [14] Ja, aber wer waren die Hyksos-Hirten? Und wer waren die Ägypter?

Die Geschichte weiß nichts über diese Frage, und sie spekuliert und stellt

Theorieen auf aus den Tiefen der betreffenden Bewußtseinsinhalte ihrer

Historiker. [15] „Der Khamismus, oder das alte Koptische, stammt aus

Westasien, und enthält einige Keime des Semitischen, und legt dadurch Zeugnis

ab für die ursprüngliche Abstammungseinheit der ârischen und semitischen

Rassen“, sagt Bunsen, der die großen Ereignisse in Ägypten 9000 Jahre v. Ch.

Ansetzt. Thatsache ist, saß wir in der archaischen Esoterik und im ârischen

Denken eine großartige Philosophie finden, während wir in den hebräischen

Aufzeichnungen bloß den erstaunlichsten Scharfsinn in der Erfindung von

Apotheosen für Phallusdienst und sexuelle Theogonie finden.

Daß die Ârier ihre Religion niemals bloß auf physiologische Symbole stützten,

wie es die alten Hebräer gethan haben, kann aus den esoterischen indischen

9 (2 of 3)50.Kommentar V

Schriften gesehen werden. Daß diese Erzählungen ferner Blenden sind, zeigt

sich darin, daß sie sich gegenseitig widersprechen, indem fast in jedem Purâna

und epischen Gedicht eine andere Erklärung zu finden ist. Esoterisch gelesen

geben sie jedoch alle denselben Sinn. So zählt ein Bericht sieben Welten auf,

ausschließlich der niederen Welten, die auch sieben an der Zahl sind; diese

vierzehn oberen und unteren Welten haben nichts zu thun mit der Einteilung der

siebenfältigen Kette und gehören den rein ätherischen, unsichtbaren Welten an.

Diese werden anderwärts erwähnt werden. Für jetzt genüge der Hinweis, daß sie

absichtlich so erwähnt werden, als ob sie der Kette angehörten. „Eine andere

Aufzählung nennt die sieben Welten: Erde, Lufthimmel, Himmel, mittlere Region,

Platz der Geburt, Wohnung der Glücklichen, und Stätte der Wahrheit; sie stellt

die Söhne des Brahmâ in die sechste Abteilung, und behauptet, dass die fünfte,

oder Jana-loka, jene sei, in der die in dem allgemeinen Brande zerstörten Tiere

wiedergeboren werden.“ [16] Einige wirklich esoterischen Lehren werden in den

folgenden Kapiteln über Symbolik gegeben. Der hierfür Vorbereitete wird die

verborgene Bedeutung verstehen.

[14] Gegen Apion, I, 25.

[15] Siehe Isis Unveiled, II., 420-438.

[16] Siehe Dowson’s Hindû Classical Dictionary.

9 (3 of 3)50.Kommentar V

STROPHE V – Fortsetzung.

3. ER IST DER FÜHRENDE GEIST UND LEITER. WENN ER SEIN WERK

BEGINNT, SO TRENNT ER DIE FUNKEN DES UNTEREN REICHES [17] ,

WELCHE FREUDEZITTERND IN IHREN STRAHLENDEN WOHNUNGEN [18]

SCHWEBEN, UND BILDET AUS DIESEN DIE KEIME DER RÄDER. ER STELLT

SIE IN DIE SECHS RICHTUNGEN DES RAUMES, UND EINES IN DIE MITTE –

DAS HAUPTRAD.

„Räder“ sind, wie bereits erklärt, die Kraftcentren, um welche sich der

kosmische Urstoff ausbreitet, und, indem er durch alle die sechs Zustände der

Verdichtung hindurchgeht, wird derselbe sphäroidisch und wird schließlich in

Kugeln oder Sphären umgeformt. Es ist eines der Fundamentaldogmen der

esoterischen Kosmogonie, dass während der Kalpas (oder Äonen) des Lebens

die Bewegung, welche während der Perioden der Ruhe „durch jedes

schlummernde Atom pulsiert und zittert“, vom ersten Erwachen des Kosmos zu

einem neuen „Tage“ an eine immerfort wachsende Neigung zu kreisförmiger

Bewegung erhält. „Die Gottheit wird zum Wirbelwind“.

Man mag fragen, wie auch die Schreiberin nicht verfehlt hat zu fragen: Wer soll

die Erfahrung von dem Unterschied in der Bewegung machen, nachdem die

ganze Natur auf ihre Urwesenheit zurückgeführt ist, und niemand sein kann –

nicht einmal einer von den Dhyâni-Chohans, denn die sind alle in Nirvâna – der

es sehen könnte? Die Antwort darauf ist: Alles in der Natur muß nach Analogie

beurteilt werden. Obwohl die höchsten Gottheiten (Erzengel oder Dhyâni-Buddhas)

nicht imstande sind, die Geheimnisse zu durchdringen, welche allzu

ferne jenseits unseres Planetensystems und des sichtbaren Kosmos liegen, so

gab es doch in alten Zeiten große Seher und Propheten, die befähigt waren, das

Geheimnis von Atem und Bewegung rückblickend zu empfinden, wie die

Weltsysteme ruhten und in ihren periodischen Schlaf versenkt waren.

Die Räder werden auch Rotae – die bewegenden Räder der himmlischen

Sphären, die teilnehmen an der Erschaffung der Welt – genannt, wenn die

Bedeutung die des belebenden Prinzipes der Sterne und Planeten ist, denn in

der Kabalah werden sie durch die Auphanim, die Engel der Sphären und Sterne,

von denen sie die belebenden Seelen sind, repräsentiert. [19]

_41 (1 of 2)51.Kommentar V

[17] Die mineralischen Atome.

[18] Gasartigen Wolken.

[19] Siehe Kabbalah Denudata, „De Anima“, p. 113.

_41 (2 of 2)51.Kommentar V

Dieses Gesetz von der Wirbelbewegung in der Urmaterie ist eine der ältesten

Vorstellungen der griechischen Philosophie, deren erste historischen Weisen

nahezu alle Initiierte der Mysterien waren. Die Griechen hatten sie von den

Ägyptern, und letztere von den Chaldäern, welche die Schüler der Brâhmanen

der esoterischen Schule gewesen waren. Leucippus, und Democritus von

Abdera – der Schüler der Magier – lehrten, daß diese kreisende Bewegung der

Atome und Sphären seit Ewigkeit existierte. [20] Hicetas, Heraclides, Ecphantus,

Pythagoras und alle seine Schüler, lehrten die Rotation der Erde; und Âryabhata

in Indien, Aristarchus, Selecus, und Archimedes berechneten ihre Revolution

ebenso wissenschaftlich wie die Astronomen von heute; während die Theorie der

elementaren Wirbel dem Anaxagoras bekannt war und von ihm 500 Jahre v. Ch.

behauptet wurde, oder ungefähr 2000 Jahre, bevor sie von Galileo, Descartes,

Swedenborg, und schließlich, mit geringen Modifikationen, von Sir W. Thomson

[21] wieder aufgenommen wurde. Alle solche Erkenntnis ist, wenn man nur

gerecht sein will, ein Echo der archaischen Lehre, welche zu erklären nunmehr

versucht wird. Wieso Menschen der letzten paar Jahrhunderte zu denselben

Ideen und Schlussfolgerungen gekommen sind, die als unumstößliche

Wahrheiten vor Dutzenden von Jahrtausenden in der Verborgenheit der Adyta

gelehrt wurden, ist eine Frage, die getrennt behandelt wird. Einige wurden dazu

geleitet durch den natürlichen Fortschritt in der Naturwissenschaft und durch

unabhängige Beobachtung; andere – wie Copernicus, Swedenborg und einige

andere – verdankten, trotz ihrer großen Gelehrsamkeit, ihre Kenntnis viel mehr

intuitiven, als – auf dem gewöhnlichen Wege durch regelrechte Studien

entwickelten – erworbenen Ideen. Daß Swedenborg, der unmöglich irgend etwas

von den esoterischen Ideen des Buddhismus gewußt haben konnte, unabhängig

der occulten Lehre in seinen allgemeinen Vorstellungen nahe gekommen ist,

zeigt sich an seinem Aufsatz über die Wirbeltheorie. In Clissolds Übersetzung

desselben, angeführt von Prof. Winchell, [22] finden wir folgende

Zusammenfassung:

Die erste Ursache ist das Unendliche oder Unbegrenzte. Dieses giebt dem

ersten Endlichen oder Begrenzten Existenz. (Der Logos in seiner

Manifestation und das Weltall.) Das, was eine Grenze erzeugt, ist analog der

Bewegung. (Siehe oben Strophe I.) Die erzeugte Grenze ist ein Punkt, dessen

Wesen Bewegung ist; aber da sie ohne Teile ist, so ist diese Wesenheit nicht

wirkliche Bewegung, sondern bloß ein conatus dazu. (In unserer Lehre ist es

kein „conatus“, sondern eine Wandlung von ewiger Schwingung in der

unmanifestierten, zu Wirbelbewegung in der phänomenalen oder

manifestierten Welt.) Aus diesem ersten entstehen Ausdehnung, Raum, Figur,

_43 (1 of 5)51.Kommentar V

und Aufeinanderfolge oder Zeit. Wie in der Geometrie ein Punkt eine Linie,

eine Linie eine Fläche, und eine Fläche einen Körper erzeugt, so strebt hier

der Drang des Punktes nach Linien, Flächen und Körpern. Mit anderen

Worten, das Weltall ist in ovo im ersten natürlichen Punkt enthalten.

Die Bewegung, nach der der Drang strebt, ist die kreisförmige, weil der Kreis

die vollkommenste aller Figuren ist . „Die vollkommenste Figur der oben

beschriebenen Bewegung muß die beständig kreisförmige sein; das heißt, sie

muß vom Centrum zur Peripherie und von der Peripherie zum Centrum

fortschreiten.“ [23]

Das ist reiner und einfacher Occultismus.

Mit den sechs „Richtungen des Raumes“ ist hier das „doppelte Dreieck“

gemeint, die Berührung und Verschmelzung von reinem Geist und Materie, vom

Arûpa und Rûpa, deren Symbol die Dreiecke sind. Dieses doppelte Dreieck ist

ein Zeichen des Vishnu; es ist das Siegel Solomons, und das Shrî-Antara der

Brâhmanen.

STROPHE V – Fortsetzung.

4. FOHAT ZIEHT SPIRALLINIEN, UM DAS SECHSTE MIT DEM SIEBENTEN

·        DER KRONE – ZU VEREINIGEN (a). EINE HEERSCHAR DER SÖHNE DES

LICHTS STEHT IN JEDEM WINKEL, UND DIE LIPIKA IN DEM MITTLEREN

RAD (b). SIE [24] SAGEN: „DIES IST GUT“. DIE ERSTE GÖTTLICHE WELT IST

FERTIG, DIE ERSTE, DIE ZWEITE. [25] DANN REFLEKTIERT SICH DAS

„GÖTTLICHE ARÛPA“ [26] IN CHHÂYÂ LOKA, [27] DEM ERSTEN GEWANDE

VON ANUPÂDAKA ©.

(a) Dieses Ziehen von „Spirallinien“ bezeiht sich sowohl auf die Evolution der

Prinzipien des Menschen als auch der Natur; eine Evolution, die stufenweise

stattfindet, sowie alles andere in der Natur. Das sechste Prinzip im Menschen

(Buddhi, die göttliche Seele) ist, wenn auch in unseren Vorstellungen ein bloßer

Atem, noch immer etwas Materielles im Vergleich zu dem göttlichen Geist

(Âtmâ), dessen Träger oder Vehikel es ist. Fohat, in seiner Eigenschaft als

göttliche Liebe (Eros), die elektrische Kraft der Affinität und Sympathie, versucht

nach der allegorischen Darstellung, den reinen Geist, den vom Einen Absoluten

untrennbaren Strahl, in Vereinigung mit der Seele zu bringen, welche beide im

Menschen die Monade, und in der Natur das erste Bindeglied zwischen dem

ewig Unbedingten und dem Geoffenbarten bilden.

_43 (2 of 5)51.Kommentar V

„Die erste ist jetzt die zweite [Welt]“ – der Lipikas – bezieht sich ebendarauf.

(b) Die „Heerschar“ in jedem Winkel ist die Schar der englischen Wesen (Dhyân

Chohans), die bestimmt sind, Lenker und Wächter zu sein über jede betreffende

Region, vom Anfange bis zum Ende eines Manvantara. Sie sind die „mystischen

Wächter“ der christlichen Kabbalisten und Alchimisten, und beziehen sich

symbolisch sowie kosmogonisch auf das Zahlensystem des Universums. Die

Zahlen, mit denen diese himmlischen Wesen in Zusammenhang stehen, sind

außerordentlich schwierig zu erklären, da jede Zahl sich auf verschiedene

Gruppen bestimmter Ideen bezieht, je nach der besonderen Gruppe von

„Engeln“, die sie repräsentieren soll. Hierin liegt der Knoten in dem Studium der

Symbolik, dem gegenüber so viele Gelehrte, unfähig ihn zu lösen, es vorzogen,

damit zu verfahren wie Alexander mit dem Gordischen Knoten; daher als direktes

Resultat irrtümliche Vorstellungen und Lehren!

© Die „Erste ist die Zweite“, weil die „Erste“ in Wirklichkeit nicht als solche

gezählt oder betrachtet werden kann, denn die Erste ist der Bereich der Dinge an

sich in ihrer Urmanifestation, die Schwelle zur Welt der Wahrheit, oder Sat, durch

welche die direkte Energie, die aus der Einen Wirklichkeit ausstrahlt – aus der

namenlosen Gottheit – uns erreicht. Hier ist wiederum der unübersetzbare

Ausdruck Sat (Seinheit) geeignet, zu einer irrtümlichen Vorstellung zu verleiten,

da das, was manifestiert ist, nicht Sat sein kann, sondern etwas Phänomenales

ist, nichts Ewiges, ja in Wahrheit nicht einmal etwas Immerwährendes. Es ist

gleichalt und gleichzeitig mit dem Einen Leben, „zweitlos“, aber als eine

Manifestation ist es doch Mâyâ – wie das übrige. Diese „Welt der Wahrheit“ kann

mit den Worten des Kommentars bloß beschrieben werden als „ein heller Stern,

der herabsank von dem Herzen der Ewigkeit; die Leuchte der Hoffnung, an deren

Sieben Strahlen die Sieben Welten des Seins hängen“. Wahrlich, so ist es; denn

diese sind die Sieben Lichter, deren Widerscheine die menschlichen

unsterblichen Monaden sind – der Âtmâ, oder der strahlende Geist eines jeden

Geschöpfes in der menschlichen Familie. Zuerst, dieses siebenfache Licht, dann

die „göttliche Welt“ – die zahllosen Lichter, entzündet an dem Urlichte – die

Buddhis, oder formlosen göttlichen Seelen, der letzten Arûpa (formlosen) Welt;

die „Gesamtsumme“ in der geheimnisvollen Sprache der alten Strophe. Der

Katechismus läßt den Meister also den Schüler fragen:

„Erhebe dein Haupt, o Lanoo; siehst du eines, oder zahllose Lichter ober dir

brennen an dem dunklen Mitternachtshimmel?“

_43 (3 of 5)51.Kommentar V

„Ich fühle eine Flamme, o Gurudeva, ich sehe zahllose ungetrennte Funken in

derselben scheinen.“

„Du sprachest wohl. Und nun blicke umher und in dich selbst. Fühlst du das

Licht, das in dir brennt, irgendwie verschieden von dem Lichte, das in deinen

Menschenbrüdern scheint?“

„Es ist keineswegs verschieden, obwohl der Gefangene von Karma in Ketten

gehalten wird, und obwohl seine äußeren Gewande den Unwissenden verleiten,

zu sagen, ‘Deine Seele und Meine Seele’.“

[20] „Die Lehre von der Rotation der Erde um ihre Achse wurde von dem

Pythagoräer Hicetas gelehrt, wahrscheinlich bereits 500 v. Chr. Sie wurde

auch von seinem Schüler Ecphantus, und von Heraclides, einem Schüler des

Plato, gelehrt. Die Unbeweglichkeit der Sonne und die Bahnbewegung der

Erde wurden von Aristarchus von Samos bereits 281 v. Chr. als mit den

Beobachtungsthatsachen übereinstimmende Annahmen nachgewiesen. Die

heliocentrische Theorie wurde auch ungefähr 150 v. Chr. von Seleucus aus

Seleucia am Tigris gelehrt. (Sie wurde 500 v. Chr. von Pythagoras gelehrt. –

H. P. B.) Es heißt auch, daß Archimedes in einem Psammites betitelten Werk

die heliocentrische Theorie vortrug. Die Kugelgestalt der Erde wurde

ausdrücklich gelehrt von Aristoteles, welcher als Beweis die Gestalt des

Erdschattens auf dem Monde bei Finsternissen anführte. (Aristoteles, De

Coelo, lib. II, cap. XIV.) Dieselbe Idee wurde von Plinius verteidigt. (Nat. Hist.,

II., 65.) Diese Ansichten scheinen für mehr als ein Jahrtausend in

Vergessenheit geraten zu sein .“

(Winchell, World-Life, 551-2.)

[21] On Vortex Atoms.

_43 (4 of 5)51.Kommentar V

[22] Op. Cit., 567.

[23] Auszug aus Principia Rerum Naturalium.

[24] Die Lipika.

[25] Das heißt: Die erste ist jetzt die zweite Welt.

[26] Das formlose Universum des Gedankens.

[27] Die schattenhafte Welt der Urform oder des Intellektuellen.

_43 (5 of 5)51.Kommentar V

Die wurzelhafte Einheit der letzten Wesenheit eines jeden Bestandteils der

zusammengesetzten Dinge in der Natur – vom Sterne bis zum mineralischen

Atom, vom höchsten Dhyân Chohan bis zum kleinsten Infusorium, in der vollsten

Bedeutung des Wortes, und einerlei, ob auf geistige, intellektuelle oder physische

Welten angewendet – diese Einheit ist das eine fundamentale Gesetz in der

occulten Wissenschaft. „Die Gottheit ist schrankenlose und unendliche

Ausdehnung“ sagt ein occulter Satz: daher der Name Brahmâ, wie bereits

bemerkt. [28]

Es liegt eine tiefe Philosophie dem ältesten Dienste der Welt zu Grunde, dem

Dienste der Sonne und des Feuers. Von allen der Naturwissenschaft bekannten

Elementen ist Feuer dasjenige, das beständig einer genauen Analyse gespottet

hat.

Es wird zuversichtlich behauptet, daß die Luft ein Gemenge ist, das die Gase

Sauerstoff und Stickstoff enthält. Wir betrachten das Weltall und die Erde als

Materie, die aus bestimmten chemischen Molekülen zusammengesetzt ist. Wir

sprechen von den ursprünglichen zehn Erden, und geben einer jeden einen

griechischen oder lateinischen Namen. Wir sagen, daß Wasser eine chemische

Verbindung von Sauerstoff und Wasserstoff ist. Aber was ist Feuer? Es ist die

Verwirklichung einer Verbrennung, wird uns gewichtig geantwortet. Es ist Wärme

und Licht und Bewegung, und eine Wechselwirkung von physischen und

chemischen Kräften im allgemeinen. Und diese wissenschaftliche Definition wird

philosophisch ergänzt durch eine theologische in Websters Dictionary, welches

Feuer erklärt als „das Werkzeug der Bestrafung, oder die Bestrafung der

Unbußfertigen in einem anderen Zustand“ – einem „Zustand“, nebenbei bemerkt,

der als ein geistiger angenommen wird; aber leider würde die Gegenwart von

Feuer anscheinend ein zwingender Beweis für seine materielle Natur sein. Doch

sagt Professor Bain, indem er von dem Irrtum spricht, Erscheinungen für einfach

zu halten, weil sie alltäglich sind:

Sehr gewöhnliche Thatsachen scheinen selbst keine Erklärung zu brauchen

und Erklärungsmittel für alles zu sein, was mit ihnen verglichen werden kann.

So hält man das Kochen und Verdampfen einer Flüssigkeit für ein sehr

einfaches Phänomen, das keiner Erklärung bedarf und eine befriedigende

Erklärung für seltenere Phänomene abgiebt. Daß Wasser auftrocknen soll, ist

für den ununterrichteten Verstand ein vollkommen verständliches Ding:

_45 (1 of 3)52.Kommentar V

während für den mit der Naturwissenschaft vertrauten der flüssige Zustand

ein anormaler und unerklärlicher ist. Die Entzündung eines Feuers durch eine

Flamme ist eine große wissenschaftliche Schwierigkeit, aber nur wenige

Leute denken so. [29]

Was sagt die esoterische Lehre in Bezug auf Feuer?

„Feuer ist, im Himmel wie auf der Erde, die vollkommenste und reinste

Reflexion der Einen Flamme. Es ist Leben und Tod, der Ursprung und das Ende

eines jeden materiellen Dings. Es ist göttliche Substanz.“ Somit zeigen nicht bloß

die Feuerverehrer, die Parsen, sondern selbst die wandernden wilden Stämme

von Amerika, die sich „aus dem Feuer geboren“ nennen, mehr Wissenschaft in

ihrem Glauben und mehr Wahrheit in ihrem Aberglauben, als alle Spekulationen

der modernen Physik und Gelehrsamkeit. Der Christ, welcher sagt: „Gott ist ein

lebendiges Feuer“ und von pfingstlichen „feurigen Zungen“ und von dem

„brennenden Busch“ des Moses spricht, ist ebenso sehr Feuerverehrer wie

irgend ein anderer „Heide“. Von den Mystikern und Kabbalisten definierten die

Rosenkreuzer das Feuer am korrektesten. Nimm eine Fünfgroschenlampe,

erhalte sie nur mit Öl versorgt, und du wirst im stande sein, an ihrer Flamme alle

Lampen, Kerzen und Feuer der ganzen Welt anzuzünden, ohne diese Flamme

zu verringern. Wenn die Gottheit, die Wurzeleinheit, eine ewige und unendliche

Substanz ist, die niemals aufgezehrt wird („der Herr dein Gott ist ein

verzehrendes Feuer“), dann scheint es nicht vernünftig zu sein, die occulte Lehre

für gar so unphilosophisch zu halten, wenn sie sagt: „So wurden geformt die

Arûpa und Rûpa (Welten): aus dem Einen Lichte Sieben Lichter, aus jedem der

Sieben, siebenmal Sieben,“ u. s. w., u. s. w.

[28] Im Rig Veda finden wir die Namen Brahmanaspati und Brihaspati mit

einander abwechselnd und einander gleichwertig. Siehe auch die

Brihadâranyaka Upanishad; Brihaspati ist eine Gottheit, die der „Vater der

Götter“ genannt wird.

[29] Logic, II. 125.

_45 (2 of 3)52.Kommentar V

_45 (3 of 3)52.Kommentar V

STROPHE V – Fortsetzung.

5. FOHAT MACHT FÜNF SCHRITTE [30] (a) UND BILDET EIN

BEFLÜGELTES RAD IN JEDEM WINKEL DES VIERECKS FÜR DIE VIER

HEILIGEN UND IHRE SCHAREN [31] (b).

(a) Die „Schritte“ beziehen sich, wie bereits im letzten Kommentar erklärt ist,

sowohl auf die kosmischen als auch auf die menschlichen Prinzipien – welche

letzteren nach der exoterischen Einteilung aus drei (Geist, Seele und Körper) und

nach der esoterischen Rechnung aus sieben Prinzipien (drei Strahlen aus der

Wesenheit, und vier Aspekten) bestehen. [32] Jene, welche Herrn Sinnetts

Esoteric Buddhism studiert haben, werden die Benennung leicht erfassen. Es

giebt zwei esoterische Schulen jenseits der Himâlayas, oder vielmehr eine

Schule, die in zwei Abteilungen geteilt ist – eine für die inneren Lanoos, die

andere für die äußeren oder halb laienmäßigen Chelâs; die erste lehrt eine

siebenfältige, die andere eine sechsfältige Einteilung der menschlichen

Prinzipien.

Von einem kosmischen Gesichtspunkte aus beziehen sich die „fünf Schritte“,

welche Fohat macht, hier auf die fünf oberen Ebenen von Bewusstsein und Sein,

während die sechste und siebente (nach abwärts gezählt) die astrale und die

irdische, oder die zwei niederen Ebenen sind.

(b) Vier „beflügelte Räder in jedem Winkel für die vier Heiligen und ihre

Armeen (Scharen)“. Diese sind die „vier Mahârâjahs“ oder großen Könige der

Dhyân Chohans, die Devas, von denen ein jeder einem der vier Kardinalpunkte

vorsteht. Sie sind die Regenten, oder Engel, welche über die kosmischen Kräfte

von Nord, Süd, Ost und West herrschen – Kräfte, von denen eine jede eine

bestimmte occulte Eigenschaft hat. Diese Wesen stehen auch in Beziehung zum

Karma, da letzteres physische und materielle Agenten braucht, um seine

Beschlüsse auszuführen, so wie z. B. die vier Windgattungen, wie die

Wissenschaft eingestandenermaßen zugiebt, ihre entsprechenden üblen und

wohlthätigen Einflüsse auf die Gesundheit der Menschheit und eines jeden

lebenden Dinges haben. Es giebt eine occulte Philosophie in der römisch-katholischen

Lehre, welche die verschiedenen öffentlichen Unglücksereignisse,

wie Krankheitsepidemieen, Kriege, und so fort, auf die unsichtbaren „Sendboten“

von Nord und West zurückführt. „Die Herrlichkeit Gottes kommt auf dem Wege

des Ostens“ sagt Ezekiel; während Jeremias, Isaias, und der Psalmist ihren

Leser versichern, daß alles Übel unter der Sonne vom Norden und Westen

_47 52.Kommentar V

kommt – was, auf die jüdische Nation angewendet, wie eine unleugbare

Prophezeiung klingt. Und das begründet auch die Erklärung des St. Ambrosius

[33] , daß wir genau aus diesem Grunde „den Nordwind verfluchen, und uns

während der Taufceremonie (siderisch) gegen Westen wenden, um desto besser

jenem abschwören zu können, der ihn bewohnt; wonach wir uns dann gegen

Osten wenden.“

Der Glaube an die vier Mahârâjahs – die Regenten der vier Kardinalpunkte –

war allgemein und ist noch jetzt Glaube der Christen, welche dieselben, nach St.

Augustin, „englische Tugenden“ und „Geister“ nennen, wenn sie sie selbst

aufzählen, und „Teufel“, wenn sie von den Heiden genannt werden. Aber wo ist

in diesem Falle der Unterschied zwischen Heiden und Christen? Der gelehrte

Vossius sagt:

Obwohl der heilige Augustin gesagt hat, daß jedes sichtbare Ding in dieser

Welt eine englische Tugend als Aufseher bei sich hat, so sind da doch nicht

Individuen, sondern ganze Gattungen von Dingen zu verstehen, indem jede

solche Gattung thatsächlich ihren besonderen Engel als Wächter hat. Hierin

stimmt er überein mit allen Philosophen . Für uns sind diese Engel von

den Objekten getrennte Geister während sie für die (heidnischen)

Philosophen Götter waren. [34]

Betrachten wir das von der römisch-katholischen Kirche für die „Geister der

Sterne“ eingeführte Ritual, so sehen diese „Göttern“ verdächtigerweise ähnlich,

ja sie wurden weder von den alten, noch von den modernen heidnischen Haufen

mehr geehrt und verehrt als jetzt in Rom von den hoch kultivierten katholischen

Christen.

Dem Plato folgend erklärte Aristoteles, daß der Ausdruck [korrekter Abdruck

siehe Buch S. 148] bloß in dem Sinne von unkörperlichen Prinzipien verstanden

worden sei, die in jede der vier großen Abteilungen der Welt eingesetzt worden

seien, um sie zu überwachen. Somit beten die Heiden nicht mehr an und

verehren nicht mehr die Elemente und die (imaginären) Kardinalpunkte als die

Christen., sondern sie verehren die „Götter“, welche über die einzelnen

herrschen. Für die Kirche giebt es zwei Arten von siderischen Wesen, Engel und

Teufel. Für den Kabbalisten und Occultisten giebt es nur eine Klasse, und weder

Occultist noch Kabbalist macht einen Unterschied zwischen den „Rektoren des

_47 (2 of 4)52.Kommentar V

Lichtes“ und den „Rectores Tenebrarum“ oder Kosmokratoren, die die römische

Kirche sich sofort in den „Rektoren des Lichtes“ einbildet und entdeckt, sobald

einer von diesen mit einem andern Namen bezeichnet wird, als mit dem sie ihn

anredet. Es ist nicht der Rektor, oder Mahârâjah, welcher bestraft oder belohnt,

mit oder ohne „Gottes“ Erlaubnis und Auftrag, sondern der Mensch selbst – seine

Thaten, oder Karma, ziehen individuell und kollektiv (wie es zeitweilig mit ganzen

Nationen der Fall ist) jede art von Übel und Unheil an. Wir erzeugen Ursachen,

und diese erwecken die entsprechenden Kräfte in der siderischen Welt, welche

magnetisch und unwiderstehlich von jenen, welche solche Ursachen erzeugen,

angezogen werden und auf sie zurückwirken; einerlei, ob diese Personen die

handelnden Übelthäter sind oder bloß „Denker“ die Unheil brüten. Denn der

Gedanke ist Stoff, so lehrt uns die moderne Wissenschaft; und „jedes Teilchen

des bestehenden Stoffes muß ein Verzeichnis von allem Geschehenen sein“, wie

die Herren Jevons und Babbage in ihren Principles of Science den Profanen

sagen. Die moderne Wissenschaft wird mit jedem Tage mehr in den Mahlstrom

des Occultismus gezogen – zweifelsohne unbewußt, aber doch sehr merklich.

„Gedanke ist Stoff“: aber natürlich nicht im Sinne des deutschen Materialisten

Moleschott, der uns versichert, „Gedanke sei Bewegung von Materie“ – eine

Behauptung von nahezu beispielloser Absurdität. Gedankenzustände und

Körperzustände stehen an sich in vollständigem Gegensatz. Aber das berührt

nicht den Satz, daß jeder Gedanke, abgesehen von seiner physischen

Begleiterscheinung (Gehirnänderung) einen objektiven – wenn auch für uns

übersinnlich objektiven – Aspekt auf der Astralebene aufweist. [35]

[30] Nachdem er bereits die ersten drei gemacht hat.

[31] Wörtlich: Armeen

[32] Die vier Aspekte sind der Körper, sein Leben oder seine Lebenskraft, und

der „Doppelgänger“ des Körpers – die Dreiheit, welche mit dem Tode der

Person verschwindet – und das Kâma Rûpa, welches in Kâma Loka sich

auflöst.

[33] Über Amos, IV.

_47 (3 of 4)52.Kommentar V

[34] Theol. Cir., I. VII.

[35] Siehe The Occult World, pp. 89, 90

_47 52.Kommentar V

Die zwei Haupttheorien der Wissenschaft über die Beziehungen zwischen

Geist und Materie sind Monismus und Materialismus. Diese beiden decken das

ganze Feld negativer Psychologie mit Ausnahme der quasi-occulten

Anschauungen der deutschen pantheistischen Schulen.

Die Ansichten unserer gegenwärtigen wissenschaftlichen Denker über die

Beziehungen zwischen Geist und Stoff lassen sich auf die folgenden zwei

Hypothesen reduzieren. Diese zeigen, daß beide Ansichten gleicherweise die

Möglichkeit einer unabhängigen, vom physischen Gehirn, durch welches sie

funktioniert, unterschiedenen Seele ausschließen. Sie sind:

1. Materialismus, die Theorie, welche Gedankenerscheinungen als das Produkt

molekularer Änderungen im Gehirne betrachtet; d. i. als das Ergebnis einer

Umwandlung von Bewegung in Gefühl(!). Die rohere Schule ging einstens so

weit, das Gemüt mit einer „besonderen Art von Bewegung“(!!) zu identifizieren,

aber diese Ansicht wird jetzt glücklicherweise von den meisten Männern der

Wissenschaft selbst für absurd gehalten.

2. Monismus, oder die Lehre von der einzigen Substanz, ist die feinere Form

negativer Psychologie, die von einem ihrer Vertreter, Professor Bain, trefflich

„vorsichtiger Materialismus“ genannt wird. Diese Lehre, welche sehr viele

Zustimmung findet und zu ihren Vertretern Männer wie Lewes, Spencer, Ferrier

und andere zählt, nimmt zwar im allgemeinen Denken und geistige Phänomene

als mit der Materie radikal kontrastierend an, betrachtet sie aber als die zwei

Seiten oder Aspekte einer und derselben Substanz in gewissen von ihren

Zuständen.

Gedanke steht als Gedanke, sagen sie, in gänzlichem Gegensatz zu

materiellen Phänomenen, aber er darf auch bloß betrachtet werden als „die

subjektive Seite der Nervenbewegung“ – gleichgültig was unsere gelehrten

Herren darunter verstehen.

Um jedoch zu dem Kommentar über die vier Mahârâjahs zurückzukehren, so

trennte in den ägyptischen Tempeln, nach Clemens Alexandrinus, ein

ungeheurer Vorhang das Tabernakel von dem Versammlungsplatz.

Ebendasselbe hatten die Juden.

Bei beiden wurde der Vorhang über fünf Pfeiler (das Pentagramm) gezogen, die

esoterisch unsere fünf Sinne und die fünf Wurzelrassen symbolisierten, während

_49 (1 of 3)53.Kommentar V

die vier Farben des Vorhangs die vier Weltgegenden und die vier irdischen

Elemente darstellten. Das ganze war eine allegorisches Symbol. Durch die vier

erhabenen Beherrscher der vier Striche und Elemente können unsere fünf Sinne

der verborgenen Wahrheiten der Natur gewahr werden, und es ist durchaus nicht

so, wie Clemens es darstellen möchte, daß die Elemente per se es waren, die

die Heiden mit göttlicher Erkenntnis oder der Kenntnis Gottes ausgestattet

hätten. [36] Während das ägyptische Emblem geistig war, war das jüdische rein

materialistisch und verehrte in der That bloß die blinden Elemente und die

imaginären „Striche“. Denn was wäre der Sinn des viereckigen Tabernakels, das

Moses in der Wüste errichtete, wenn es nicht dieselbe kosmische Bedeutung

hätte? „Du sollst einen Vorhang machen von blau, purpur und scharlach .

fünf Pfeiler von Sittimholz für den Vorhang vier eherne Ringe in den vier

Ecken davon Bretter von feinem Holze für die vier Seiten, Nord, Süd, West

und Ost des Tabernakels mit Cherubim von künstlerischer Arbeit.“ [37] Das

Tabernakel und der viereckige Hof, die Cherubim und alles übrige waren genau

so wie in den ägyptischen Tempeln.

Die Quadratform des Tabernakels bedeutete genau dasselbe, was sie bis zum

heutigen Tage noch in ödem exoterischen Dienste der Chinesen und Tibetaner

bedeutet – die vier Kardinalpunkte bezeichnen dasselbe wie die vier Seiten der

Pyramiden, Obelisken und anderer solcher quadratischer Bauten. Josephus

bemüht sich, das ganze zu erklären. Er bemerkt, daß die Pfeiler des Tabernakels

dieselben waren, wie die zu Tyrus den vier Elementen errichteten, welche auf

Füßen ruhten, deren vier Winkel nach den vier Himmelsrichtungen gewendet

waren; und fügt hinzu, „die Ecken der Säulenfüße trugen die vier Zeichen des

Tierkreises,“ welche dieselbe Orientierung ausdrückten. [38]

Diese Idee läßt sich verfolgen in den zoroastrischen Höhlen, in den

Felsentempeln von Indien, und in allen heiligen quadratischen Gebäuden des

Altertums, die bis heute erhalten geblieben sind. Dies wird bestimmt von Layard

nachgewiesen, der die vier Kardinalpunkte, und die vier Urelemente, in der

Religion eines jeden Landes wiederfindet, in Gestalt viereckiger Obelisken, der

vier Seiten der Pyramiden, etc. etc.

[36] So paßt der Satz: „Natura Elementorum obtinet revelationem Dei“

(Clemens, Stromata, IV. 6), auf beides oder auf keines. Siehe die Zends, II.

228, und Plutarch De Iside, verglichen von Layard in der Acadêmie des

_49 (2 of 3)53.Kommentar V

Inscriptions, 1854, Vol. XV.

[37] Exodus, XXVI, XXVII.

[38] Antiquit., I. VIII, cap. XXII.

_49 (3 of 3)53.Kommentar V

Die vier Mahârâjahs waren die Regenten und Direktoren dieser Elemente und

ihrer Striche.

Wenn der Schüler mehr von ihnen wissen will, so braucht er bloß die Vision des

Ezekiel (Kap. 1) mit dem, was vom chinesischen Buddhismus bekannt ist, wenn

auch nur in der exoterischen Darstellung, zu vergleichen, und die äußere Gestalt

diese „großen Könige der Devas“ zu untersuchen. Nach der Meinung des Rev.

Joseph Edkins „präsidiert jeder einzelne über einen der vier Kontinente, in die die

Inder die Welt einteilen. Jeder führt eine Armee geistiger Wesen, um die

Menschheit und den Buddhismus zu schützen.“ [39] Abgesehen von der

Bevorzugung des Buddhismus sind die vier Himmlischen genau dasselbe. Die

Inder teilen jedoch zufällig die Welt in sieben Kontinente, exoterisch ebenso gut

wie esoterisch; und ihre vier kosmischen Devas sind ihrer achte, und präsidieren

den acht Kompassstrichen und nicht den Kontinenten.

Die „Vier“ sind die Beschützer der Menschheit und auch die Agenten von Karma

auf Erden, während die Lipikas mit der Zukunft der Menschheit zu thun haben.

Zu7gleich sind sie die vier lebendigen Geschöpfe, „welche gestaltet sind wie ein

Mensch“, in der Vision des Ezekiel, die von den Bibelübersetzern „Cherubim“,

„Seraphim“ u. s. w. genannt werden; von den Occultisten „beflügelte Kugeln“,

„feurige Räder“; und in dem Hindûpantheon mit einer Anzahl verschiedener

Namen. Alle die Gandharvas, die „süßen Sänger“, die Asuras, Kinnaras, und

Nâgas, sind die allegorischen Beschreibungen der vier Mahârâjahs. Die

Seraphim sind die feurigen Schlangen des Himmels, die wir in einer Stelle finden,

die den Berg Meru beschreibt als „die erhabene Masse der Herrlichkeit, den

verehrungswürdigen Aufenthaltsort von Göttern und himmlischen

Chorsängern . unerreichbar für sündige Menschen ... weil von Schlangen

bewacht“. Sie heißen die Rächer, und die „beflügelten Räder“.

Nachdem ihre Mission und ihr Charakter erklärt sind, lasst uns sehen, was die

christlichen Bibelerklärer von den Cherubim sagen. „Das Wort bedeutet im

Hebräischen „Fülle der Erkenntnis“; diese Engel heißen so wegen ihrer

auserlesenen Kenntnisse, und wurden daher zur Bestrafung von Menschen

gebraucht, welche sich göttliche Kenntnis anmaßten.“ (Interpretiert von Cruden

in seiner Concordance, nach Genesis III.24.) Sehr gut; und so unbestimmt die

Belehrung auch ist, zeigt sie doch, dass der Cherub, der nach dem „Fall“ an das

Thor des Gartens von Eden gestellt wurde, den ehrwürdigen Interpreten die Idee

nahe legte von einer Bestrafung in Zusammenhang mit verbotener Wissenschaft

oder göttlicher Erkenntnis – die gewöhnlich zu einem anderen „Fall“ führt,

_51 (1 of 3)53.Kommentar V

nämlich zu dem der „Götter“ oder Gottes in der Wertschätzung des Menschen.

Da jedoch der gute alte Cruden nichts von Karma wußte, so sei ihm verziehen.

Aber die Allegorie ist bedeutsam. Vom Meru, dem Aufenhalte der Götter, bis zum

Eden ist die Entfernung sehr gering, und von den indischen Schlangen zu den

sieben ophitischen Cherubim, deren dritter der Drache war, ist der Abstand noch

geringer, denn beide bewachten den Eingang zum Reiche der geheimen

Erkenntnis. Ezekiel beschreibt überdies deutlich die vier kosmischen Engel:

Ich sah, und siehe, ein ungestümer Wind eine Wolke und ein Feuer,

welches sie einhüllte und aus der Mitte davon kam es gestaltet wie vier

lebendige Geschöpfe sie waren gestaltet wie ein Mensch. Und ein

jegliches hatte vier Angesichter und vier Flügel das Angesicht eines

Menschen [40] und das Angesicht eines Löwen das Angesicht eines

Ochsen, und das Angesicht eines Adlers Als ich die vier lebendigen

Geschöpfe so sah, siehe das stand ein Rad auf der Erde mit seinen vier

Angesichtern als wäre ein Rad in der Mitte des Rades denn der Geist

des lebendigen Geschöpfes war in dem Rade. [41]

Es giebt drei Hauptgruppen der Bauleute, und ebensoviele der Planetengeister

und der Lipika, und jede Gruppe teilt sich wieder in sieben Untergruppen. Selbst

in einem so umfangreichen Werke wie dem vorliegenden ist es unmöglich, in

eine genaue Untersuchung auch nur der drei Hauptgruppen einzugehen, da das

einen eigenen Band erfordern würde. Die Bauleute sind die Repräsentanten der

ersten „aus der Seele geborenen“ Wesenheiten, daher der ursprünglichen Rishi-Prajâpati;

auch der sieben großen Götter Ägyptens, deren Haupt Osiris ist; der

sieben Amshaspends der Zoroastrier, mit Ormazd an ihrer Spitze; der „sieben

Geister des Angesichts“; der sieben von der ersten Dreiheit getrennten Sephirot,

etc. etc. [42] Sie erbauen, oder vielmehr bauen wieder auf ein jedes „System“

nach der „Nacht“. Die zweite Gruppe der Bauleute ist der Architekt unserer

Planetenkette ausschließlich; und die dritte, der Vorfahr unserer Menschheit –

das makrokosmische Vorbild des Mikrokosmos.

Die Planetengeister sind die beseelenden Geister der Sterne im allgemeinen

und der Planeten im besonderen. Sie regeln die Schicksale der Menschen, die

alle unter einer oder der anderen ihrer Konstellationen geboren sind; die zweiten

und dritten Gruppen, die andern Systemen angehören, haben dieselben

Funktionen, und alle beherrschen verschiedene Bereiche in der Natur. In dem

exoterischen Hindûpantheon sind sie die Schutzgottheiten, welche den acht

Kompassstrichen vorstehen – den vier Haupt- und den vier zwischenliegenden

_51 (2 of 3)53.Kommentar V

Richtungen – und heißen Lokapâlas, „Stützen oder Hüter der Welt“ (in unserm

sichtbaren Kosmos), von welchen Indra (Ost), Yama (Süd), Varuna (West) und

Kuvera (Nord) die hervorragenden sind, ihre Elephanten und Gattinnen gehören

natürlich der Phantasie und nachträglichem Einfalle an, obwohl alle von ihnen

eine occulte Bedeutung haben.

[39] Chinese Buddhism, p. 216.

[40] „Mensch“ wurde hier gesetzt für „Drache“. Vergleiche die ophitischen

Geister. Die von der römisch-katholischen Kirche anerkannten Engel, die

diesen Ansichten entsprechen, waren bei den Ophiten: Drache-Raphael;

Löwe-Michael, Stier oder Ochs-Uriel, und Adler-Gabriel. Die vier bilden die

Gesellschaft der vier Evangelisten, und stehen an der Spitze der Evangelien.

[41] Ezekiel, I.

[42] Da die Juden, ausgenommen die Kabbalisten, keine Namen für Ost,

West, Süd und Nord hatten, so drückten sie diese Ideen mit Worten aus von

den Bedeutungen: vorn, hinten, rechts und links, und verwechselten sehr oft

exoterisch die Ausrücke, und machten so die Blenden der Bibel noch

verwirrter und schwieriger auszulegen. Fügt man dazu die Thatsache, daß

von den siebenundvierzig Übersetzern von König Jakobs Bibel „bloß drei

hebräisch verstanden, und zwei von diesen starben, bevor die Psalmen

übersetzt waren“ (Royal Masonic Cyclopaedia), so wird man leicht begreifen,

wie viel Vertrauen der englischen Version der Bibel entgegengebracht werden

kann. In diesem Werke ist im allgemeinen die römisch-katholische Douayer-Übersetzung

benützt.

_51 (3 of 3)53.Kommentar V

Die Lipika, von denen eine Beschreibung in Kommentar 6 zu Strophe IV

gegeben ist, sind die Geister des Weltalls, während die Bauleute bloß unsere

eigenen planetarischen Gottheiten sind. Die ersteren gehören dem occultesten

Teile der Kosmogenesis an, der hier nicht mitgeteilt werden kann. Ob die

Adepten – selbst die höchsten – diese Engelschar vollständig in ihrer dreifachen

Abstufung kennen, oder bloß die unterste, welche mit den Aufzeichnungen

unserer Welt zusammenhängt, ist die Schreiberin nicht vorbereitet zu sagen,

doch möchte sie sich eher der letzteren Ansicht zuneigen. Von ihrem höchsten

Grade wird bloß ein Ding gelehrt: die Lipika stehen in Verbindung mit Karma –

sie sind die direkten Aufzeichner desselben. Das Symbol für heilige und geheime

Erkenntnis war im Altertum allgemein ein Baum, worunter auch eine Schrift

oder eine Aufzeichnung verstanden wurde. Daher das Wort Lipika, die Schreiber

oder Schriftführer; die Drachen, Symbole der Weisheit, welche die Bäume der

Erkenntnis hüten, der „Gold“apfelbaum der Hesperiden, die „üppigen Bäume“

und Vegetationen des Berges Meru, von Schlangen bewacht. Junos

Hochzeitsgabe an Jupiter, ein Baum mit goldener Frucht, ist eine andere Form

der Darbietung des Apfels vom Baume der Erkenntnis von Seite Evas an Adam.

STROPHE V – Schluß.

6. DIE LIPIKA UMSCHREIBEN DEN TRIANGEL, DEN ERSTEN, [43] DEN

WÜRFEL, DEN ZWEITEN, UND DAS PENTAGON INNERHALB DES EIES [44]

(a). ES IST DER RING, WELCHER „ÜBERSCHREITE MICH NICHT“ GENANNT

WIRD FÜR JENE, WELCHE AB- UND AUFSTEIGEN; [45] WELCHE WÄHREND

DES KALPA DEM GROSSEN TAGE „SEI MIT UNS“ ENTGEGENSCHREITEN

(b)SO WURDEN DAS ARÛPA UND DAS RÛPA [46] GEBILDET; AUS

EINEM LICHT, SIEBEN LICHTER; VON JEDEM DER SIEBEN, SIEBENMAL

SIEBEN LICHTER. DIE RÄDER HÜTEN DEN RING . .

Die Strophe schreitet fort mit einer genauen Einteilung der Klassen der

englischen Hierarchie. Aus der Gruppe der Vier und Sieben emanieren die aus

der Seele geborenen Gruppen der Zehn, der Zwölf, der Einundzwanzig, etc., alle

diese wieder geteilt in Untergruppen von Heptaden, Enneaden, Dodekaden, und

so weiter, bis der Gedanke sich nicht mehr zurechtfindet in der endlosen

Aufzählung von himmlischen Scharen und Wesen, von denen jedes seine

bestimmte Aufgabe in der Regierung des sichtbaren Kosmos während dessen

Existenz hat.

(a) Die esoterische Bedeutung des ersten Satzes der Shloka ist die, dass die

_53 (1 of 3)54.Kommentar V

sogenannten Lipika, die Führer des karmischen Hauptbuches, eine

unüberschreitbare Schranke zwischen dem persönlichen Ego und dem

unpersönlichen Selbst, dem Ding an sich und der väterlichen Quelle des

ersteren, aufrichten. Daher die Allegorie. Die umgrenzen die manifestierte Welt

der Materie mit dem Ringe „Überschreite mich nicht“. Diese Welt ist das objektive

Symbol des Einen, das auf den Ebenen der Illusion in die Vielen geteilt ist, von

Âdi (dem „Ersten“) oder Eka (der „Eins“); und dieses Eine ist das kollektive

Aggregat oder die Gesamtheit der Hauptschöpfer oder Architekten dieses

sichtbaren Weltalls. Im hebräischen Occultismus ist ihr Name sowohl Achath,

femininum, „Eine“, als Achad, „Einer“ wiederum, aber masculinum.

Die Monotheisten missbrauchten, und missbrauchen noch, die tiefe Esoterik

der Kabalah, indem sie den Namen, unter dem die Eine höchste Wesenheit

bekannt ist, auf die Manifestation derselben, die Sephiroth-Elohim, anwenden,

und diese Jehovah nennen. Aber das ist ganz willkürlich und gegen alle Vernunft

und Logik, da das Wort Elohim ein Nomen pluralis ist, identisch mit dem

Pluralwort Chiim, mit dem es oft zusammengesetzt ist. Der Satz im Sepher-Yetzirah

und anderwärts „Achath-Ruach-Elohim-Chiim“ bezeichnet die Elohim im

besten Falle als androgyn, das weibliche Element geradezu als vorherrschend,

da er zu lesen wäre: „Eine ist Sie der Geist der Elohim des Lebens“.

Wie gesagt, Achath (oder Echath) ist weiblich, und Achad (oder Echad) ist

männlich, und beide bedeuten eins.

Obendrein sind in der occulten Metaphysik genau gesprochen zwei „Eins“ – die

Eins auf der unerreichbaren Ebene der Absolutheit und Unendlichkeit, über die

keine Spekulation möglich ist; und die zweite Eins auf der Ebene der

Emanationen.

Erstere kann niemals emanieren noch geteilt werden, da sie ewig, absolut und

unveränderlich ist; aber die zweite, sozusagen die Reflexion der ersten Einen

(denn sie ist der Logos, oder Îshvara, im Weltalle der Illusion), kann es.

Sie emaniert aus sich selbst – wie die obere Sephirothische Triade die

niederen sieben Sephiroth emaniert – sie sieben Strahlen oder Dhyân Chohans;

mit andern Worten, das Homogene wird zum Heterogenen, die Protyle

differenziert sich in die Elemente. Aber diese können, außer bei ihrer Rückkehr in

ihr Urelement, niemals den Laya, oder Nullpunkt, überschreiten. Dieser

metaphysische Lehrsatz kann schwerlich besser beschrieben werden als in T.

_53 (2 of 3)54.Kommentar V

Subba Row’s Bhagavadgîtâ-Vorlesungen:

Mûlaprakriti (der Schleier von Parabrahman) wirkt als die eine Energie durch

den Logos (oder Îshvara). Nun ist Parabrahman die eine Wesenheit, aus

der ein Energiezentrum ins Dasein tritt, das ich für jetzt den Logos nennen

werde. Es heißt das Verbum bei den Christen, und es ist der göttliche

Christos, der ewig im Schoße seines Vaters ist. Von den Buddhisten wird es

Avalokiteshvara genannt In fast jeder Lehre hat man die Existenz eines

Zentrums geistiger Energie formuliert, welches ungeboren und ewig ist, und

welches im Schoße von Parabrahman existiert zur Zeit des Pralaya, und als

ein Zentrum bewusster Energie hervortritt zur Zeit kosmischer Thätigkeit.

[47]

Denn, wie der Vortragende in vorhinein bemerkte, Parabrahman ist nicht dies

oder das es ist nicht einmal Bewußtsein, da es nicht mit Materie oder irgend

etwas Bedingtem in Beziehung gebracht werden kann. Es ist nicht Ich und ist

nicht Nicht-Ich, ja nicht einmal Âtmâ, sondern fürwahr die eine Quelle aller

Manifestationen und Daseinsarten.

[43] Die vertikale Linie oder die Ziffer I.

[44] Kreises.

[45] Auch für jene, welche u. s. w.

[46] Die formlose Welt und die Welt der Formen.

[47] Theosophist, Febr., 1877, p. 303.

_53 (3 of 3)54.Kommentar V

Somit trennen nach dieser Allegorie die Lipika die Welt (oder Ebene) des

reinen Geistes von der Materie. Jene, welche „ab- und aufsteigen“ – die sich

inkarnierenden Monaden, und die Menschen, die nach Reinigung und

„Aufsteigen“ streben, aber das Ziel noch nicht ganz erreicht haben – können den

Kreis „Überschreite mich nicht“ bloß am Tage „Sei mit uns“ überschreiten; an

jenem Tage, an dem der Mensch sich befreit von den Banden der Unwissenheit,

und die Nicht-Getrenntheit des Egos innerhalb seiner Persönlichkeit – die er

fälschlich für seine eigene hielt – von dem Universalen Ego (Anima Supra-Mundi)

vollständig erkennt, wodurch er in diese Eine Wesenheit versinkt, um nicht bloß

eins zu werden mit „Uns“, den manifestierten universellen Leben, die da sind ein

Leben, sondern zu eben diesem Leben selbst werden.

Astronomisch erweist sich somit der Ring „Überschreite mich nicht“, den die

Lipika ziehen um „das Dreieck, die erste Eins, das Viereck, die zweite Eins, und

das Fünfeck“, um diese Figuren zu umschreiben, wiederum als Symbol von

31415 oder dem in mathematischen Tafeln fortwährend gebrauchten

Koeffizienten, dem Werte pi, indem die geometrischen Figuren für die

numerischen Ziffern stehen. Nach den allgemeinen philosophischen Lehren ist

dieser Ring jenseits der Region der sogenannten Nebel der Astronomie. Das ist

aber eine ebenso falsche Idee wie die in den purânischen und andern

exoterischen Schriften gegebene Topographie und Beschreibung von den 1008

Welten der Devaloka-Welten und Firmamente.

Es giebt natürlich Welten, nach den esoterischen wie nach den profanen

wissenschaftlichen Lehren, in so unberechenbaren Entfernungen, daß das Licht

der nächsten derselben, obwohl es soeben unsere modernen „Chaldäer“

getroffen hat, sein Lichtgestirn lange vor dem Tage verlassen haben mag, an

dem die Worte „Es werde Licht“ ausgesprochen wurden; aber das sind nicht

Welten der Devaloka-Ebene, sondern solche in unserm Kosmos.

Der Chemiker geht bis zum Laya oder Nullpunkt der Ebene des Stoffes, mit

dem er zu thun hat, und bleibt dort stehen. Der Physiker oder der Astronom

rechnet Billionen von Meilen jenseits der Nebel, und dann bleibt er auch stehen.

Auch der halbinitiierte Occultist wird sich diesen Layapunkt als auf irgend einer

Ebene befindlich vorstellen, welche, wenn auch nicht physisch, so doch dem

menschlichen Intellekt noch vorstellbar ist. Aber der voll Initiierte weiß, daß der

Ring „Überschreite mich nicht“ weder eine Lokalität ist, noch nach der Entfernung

gemessen werden kann, sondern dass er in der Unbedingtheit der Unendlichkeit

besteht.

_55 (1 of 3)54.Kommentar V

In dieser „Unendlichkeit“ des vollen Initiierten, giebt es weder Höhe, Breite

noch Dicke, sondern alles ist unergründbare Tiefe, die hinabreicht vom

Physischen bis zum „Para-metaphysischen“. Mit dem Worte „hinab“ ist

wesenhafte Tiefe gemeint – „nirgends und überall“ – nicht Tiefe im physischen

Stoffe.

Wenn man die exoterischen und plump anthropomorphischen Allegorieen

populärer Religionen aufmerksam durchforscht, so kann man selbst in diesen die

Lehre, die in dem von den Lipika bewachten Kreise „Überscheite mich nicht“

verkörpert ist, angedeutet sehen. So findet man sie selbst in den Lehren der

vedântistischen Sekte der Visishthadvaita, der am hartnäckigsten

anthropomorphisierenden von ganz Indien. Denn wir lesen von der erlösten

Seele, daß sie, nachdem sie Moksha – einen Zustand von Wonne im Sinne von

„Erlösung von Bandha“ oder Gebundensein – erreicht hat, Wonne genießt an

einem Orte mit Namen Paramapada, welcher Ort nicht materiell ist, sondern aus

Suddasattva bereitet ist, aus der Substanz, aus der der Körper des Îshvara –

des „Herrn“ – geformt ist. Dort sind die Muktas oder Jîvâtmâs (Monaden), welche

Moksha erlangt haben, niemals wieder den Qualitäten von Materie oder von

Karma unterworfen. „Aber wenn sie es zum Zwecke, der Welt Gutes zu

erweisen, vorziehen, so könne sie sich auf der Erde inkarnieren. [48] Der Weg

von dieser Welt zum Paramapada oder den immateriellen Welten heißt

Devayâna. Wenn jemand Moksha erlangt hat, und der Körper stirbt:

Geht der Jîva (Seele) mit Sûkshma Sharîra [49] vom Herzen des Körpers zum

Brahmarandhra am Scheitel des Hauptes, indem er die Sushumnâ

durchwandert, einen Nerven, der das Herz mit dem Brahmarandhra verbindet.

Der Jîva durchbricht den Brahmarandhra und geht durch die Sonnenstrahlen

in die Region der Sonne (Sûryamandala). Dann geht er, durch einen dunklen

Fleck in der Sonne, zum Paramapada . Der Jîva wird auf seinem Wege

geleitet durch die höchste durch Yoga erlangte Weisheit. [50] Der Jîva

schreitet so fort zu Paramapada mit Hilfe der Ativâhikas (Träger im

Durchgang), bekannt unter den Namen Archi Ahas . Âditya, Prajâpati,

etc. Die hier erwähnten Archis u. s. w. sind gewisse reine Seelen, etc., etc.

[51]

[48] Diese freiwilligen Reinkarnationen werden in unserer Lehre als Nirmâqnakâyas

_55 (2 of 3)54.Kommentar V

bezeichnet – die überlebenden geistigen Prinzipien der Menschen.

[49] Sûkshma Sharîra, „traumartiger“ illusorischer Körper, mit welchem die

niederen Dhyânis der himmlichen Hierarchie bekleidet sind.

[50] Man vergleiche diesen esoterischen Satz mit der gnostischen Lehre in

der Pistis-Sophia (Erkenntnis-Weisheit), in welcher Abhandlung Sophia

(Achamôth) dargestellt wird als verloren in den Wassern des Chaos (Materie),

auf ihrem Wege zum höchsten Licht, und Christos als sie befeiend und ihr

zum rechten Weg verhelfend. Man bemerke wohl, daß „Christos“ bei den

Gnostikern das unpersönliche Prinzip bedeutete, den Âtmâ des Universums,

und den Âtmâ in jedermanns Seele – und nicht Jesus; obwohl in dem alten

koptischen Manuskripte im Britischen Museum, „Christos“ durch „Jesus“ und

andere Worte ersetzt ist.

[51] A Catechism of the Visishthadvaita Philosophy, von N. Bhâshyacharya, F.

T.S., ehemals Pandit der Adyar-Bibliothek.

_55 (3 of 3)54.Kommentar V

Keine Geister mit Ausnahme der „Aufzeichner“ (Lipika) haben jemals die

verbotene Grenze dieses Ringes überschritten oder werden sie überschreiten vor

dem Tage des nächsten Pralaya, denn sie ist die Grenze, welche das Endliche –

wie unendlich es auch für den menschlichen Blick sein möge – vom wahrhaft

Unendlichen trennt. Die als „aufsteigend und herabsteigend“ erwähnten Geister

sind daher die „Scharen“ von den unbestimmterweise sogenannten

„himmlischen Wesen“. Aber sie sind thatsächlich nichts von der Art. Sie sind

Wesen höherer Welten in der Hierarchie des Seins, so unermesslich hoch, saß

sie (für uns) als Götter, und kollektiv als – Gott, erscheinen müssen. Aber ebenso

müssen wir sterbliche Menschen der Ameise vorkommen, welche nach dem

Maßstabe ihrer eigenen Fähigkeiten urteilt. Die Ameise mag auch, nach allem,

was wir wissen, den rächenden Finger eines persönlichen Gottes in der Hand

des kleinen Missethäters erblicken, der, unter dem Antrieb von Unfug, in einem

Augenblick ihren Ameisenhügel, die Arbeit vieler Wochen – langer Jahre in der

Chronologie der Insekten – zerstört. Die Ameise, die das schmerzlich empfindet,

mag auch, wie der Mensch, das unverdiente Unheil einer Verkettung von

Vorsehung und Sünde zuschreiben, und darin die Folge der Sünde ihre ersten

Vorfahrs erblicken. Wer weiß es und wer kann es bestätigen oder ableugnen?

Die Weigerung, im ganzen Sonnensystem irgend welche andern vernünftigen

und intellektuellen Wesen, außer uns selbst auf der menschlichen Ebene, gelten

zu lassen, ist die größte Selbstüberhebung unserer Zeit. Das einzige, was die

Wissenschaft zu behaupten das Recht hat, ist, daß es keine unsichtbaren

Intelligenzen giebt, die unter denselben Umständen leben wie wir. Sie kann nicht

kurzweg die Möglichkeit ableugnen, daß es Welten innerhalb von Welten gebe,

unter Bedingungen, die gänzlich verschieden sind von jenen, die die Natur

unserer Welt ausmachen; noch kann sie leugnen, daß es eine gewisse

beschränkte Kommunikation zwischen einigen dieser Welten und unserer

eigenen geben möge. Der größte Philosoph europäischer Geburt, Immanuel

Kant, versichert uns, daß eine solche Kommunikation keineswegs

unwahrscheinlich sei.

Ich gestehe, daß ich sehr geneigt sei, das Dasein immaterieller Naturen in der

Welt zu behaupten, und meine Seele selbst in die Klasse dieser Wesen zu

versetzen . Es wird künftig, ich weiß nicht, wo oder wann, noch bewiesen

werden, daß die menschliche Seele auch in diesem Leben in einer

unauflöslich verknüpften Gemeinschaft mit allen immateriellen Naturen der

Geisterwelt stehe, daß sie wechselweise in diese wirke und von ihnen

Eindrücke empfange. [52]

_57 (1 of 2)55.Kommentar V

Der höchsten dieser Welten, so wird uns gelehrt, gehören die sieben Klassen

der rein göttlichen Geister an; den sechs niedrigeren gehören Hierarchieen an,

die gelegentlich vom Menschen gesehen und gehört werden können, und welche

mit ihrer irdischen Nachkommenschaft in Verkehr stehen; mit einer

Nachkommenschaft, die unauflöslich mit ihnen verbunden ist, indem jedes

Prinzip im Menschen seine direkte Quelle in der Natur diese grossen Wesen hat,

die uns einzeln mit den entsprechenden unsichtbaren Elementen in uns

versehen. Die Naturwissenschaft ist willkommen, wenn sie über den

physiologischen Mechanismus der lebenden Wesen spekuliert, und ihre

fruchtlosen Anstrengungen fortsetzt in Versuchen, unsere Gefühle, unsere

Empfindungen, seelische und geistige, in Funktionen ihrer organischen Träger

aufzulösen. Nichtsdestoweniger ist alles, was in dieser Richtung jemals wird

erreicht werden können, bereits gethan, und die Wissenschaft kann nicht mehr

weiter gehen. Sie steht vor einer toten Mauer, auf deren Fläche sie, wie sie

vermeint, große physiologische und psychische Entdeckungen vorzeichnet, von

denen sich aber eine jede späterhin als nichts Besseres als ein von ihren

wissenschaftlichen Phantasieen und Illusionen gesponnenes Spinnennetz

erweisen wird. Der Analyse und den Untersuchungen der physiologischen

Wissenschaft sind bloß die Gewebe unseres objektiven Körpergerüstes

unterworfen. Die sechs höheren Prinzipien darin werden jederzeit der Hand

entschlüpfen, die von einer Gesinnung geleitet wird, welche absichtlich die

occulten Wissenschaften ignoriert und verwirft. Alles, was die moderne

physiologische Forschung in Zusammenhang mit psychologischen Problemen

gezeigt hat, und der Natur der Dinge nach hat zeigen können, ist, dass alle

Gedanken, Sinnesempfindungen und Gefühlserregungen von einer Umstellung

der Moleküle gewisser Nerven begleitet sind. Die von Wissenschaftlern vom

Schlage eines Büchner, Vogt und anderer gezogene Schlussfolgerung, daß

Gedanke Molekularbewegung sei, zwingt dazu, die Thatsache unseres

subjektiven Bewusstseins zu einer vollständigen Abstraktion zu machen.

[52] Träume eines Geistersehers, zitiert von C. C. Massey, in seiner Vorrede

zu v. Hartmanns Spiritismus.

_57 (2 of 2)55.Kommentar V

(b) Der große Tag „Sei mit uns“ ist nun ein Ausdruck, dessen einziger Wert in

seiner buchstäblichen Übersetzung liegt. Seine Bedeutung kann nicht so leicht

einer Öffentlichkeit enthüllt werden, die mit den mystischen Sätzen des

Occultismus, oder vielmehr der esoterischen Weisheit oder des „Budhismus“

unbekannt ist.

Es ist ein dem letzteren eigentümlicher Ausdruck, und ebenso dunkel für den

Profanen wie der der Ägypter, die ihn den Tag „Komme zu uns“ nannten, was mit

dem ersteren identisch ist – obwohl das Wort „sei“ in diesem Sinne noch besser

durch einen der beiden Ausdrücke „bleibe“ oder „ruhe mit uns“ ersetzt werden

mag, da es sich auf jene lange Periode der Ruhe bezieht, welche Paranirvâna

genannt wird. „Le Jour de, Viens â nous’ ! C’est le jour ou Osiris a dit au Soleil :

Viens !1 Je le vois rencontrant le Soleil dans l’Amenti. » [53]

Die Sonne steht hier für den Logos (oder Christos, oder Horus) als der

centralen Wesenheit synthetisch, und als einer zerstreuten Wesenheit von

ausgestrahlten Wesen, die der Substanz, aber nicht der Wesenheit nach

verschieden sind. Denn, wie es der über die Bhagavadgîtâ Vortragende

ausdrückt, „es darf nicht vermutet werden, daß der Logos bloß ein einzelnes

Energiecentrum ist, das von Parabrahman geoffenbart ist. Es giebt unzählige

andere. Ihre Zahl ist nahezu unendlich, in dem Schosse von Parabrahman“.

Daher die Ausdrücke „der Tag Komme zu uns“ und „der Tag Sei mit uns“, u. s.

w. Gerade so wie das Quadrat das Symbol der vier heiligen Kräfte oder Macht –

Tetraktys – ist, so zeigt der Kreis die Grenze in der Unendlichkeit, die kein

Mensch, selbst nicht im Geiste, kein Deva und kein Dhyân Chohan überschreiten

kann. Die Geister jener, welche während des Verlaufes der cyklischen Evolution

„ab- und aufsteigen“, werden die „eisenumgürtete Welt“ erst am Tage ihrer

Annäherung an die Schwelle von Paranirvâna überschreiten. Wenn sie es

erreichen, werden sie im Schoße von Parabrahman, oder der „unbekannten

Dunkelheit“ ruhen, die dann für sie alle zum Lichte werden wird, während der

ganzen Periode des Mahâpralaya, der „großen Nacht“, nämlich von 311 040 000

000 000 Jahren des Versunkenseins in Brahman. Der Tag „Sei mit uns“ ist diese

Periode der Ruhe, oder Paranirvâna. Er entspricht dem Tage des jüngsten

Gerichtes der Christen, welcher in der Religion derselben traurig vermaterialisiert

worden ist. [54]

Wie nach der exoterischen Interpretation der ägyptischen Riten die Seele einer

jeden verstorbenen Person – vom Hierophanten bis hinab zum heiligen Stier Apis

·        ein Osiris wurde, osirifiziert wurde, (während jedoch die Geheimlehre lehrt, daß

_59 (1 of 2)55.Kommentar V

die wirkliche Osirifizierung das Los einer jeden Monade erst nach 3000 Cyklen

der Existenz ist); so ist es im gegenwärtigen Falle. Die Monade, geboren aus der

Natur und der wirklichen Wesenheit der „Sieben“ (wobei ihr höchstes Prinzip

sofort in das siebente kosmische Element eingeschlossen wird), hat ihren

siebenfachen Kreislauf durch den Cyklus des Seins und der Formen, vom

höchsten bis zum niedersten, zu vollenden; und dann wiederum vom Menschen

zum Gott. An der Schwelle von Paranirvâna nimmt sie ihre ursprüngliche

Wesenheit wieder an und wird wieder einmal zum Absoluten.

[53] Le Livre des Morts, Paul Pierret, Chap. XVII, p. 61.

[54] Siehe auch wegen weiterer Angaben bezüglich dieses eigentümlichen

Ausdruckes: der Tag „Komme zu uns“, The Funerary Ritual of the Egyptians,

vom Viscount de Rougê.

_59 (2 of 2)55.Kommentar VI

STROPHE VI.

1. DURCH DIE KRAFT DER MUTTER DER GNADE UND ERKENNTNIS (a),

KWAN-YIN – DER „DREIHEIT“ VON KWAN-SHAI-YIN, WELCHE IN KWAN-YIN-TIEN

WOHNT (b) – FOHAT, DER ATEM IHRER ABKOMMENSCHAFT, DER

SOHN DER SÖHNE, WELCHER AUS DEM UNTEREN ABGRUNDE [1] DIE

ILLUSIVE FORM VON SEIN-TSCHAN [2] UND DIE SIEBEN ELEMENTE

HERVORGERUFEN HAT:

Diese Strophe ist aus dem chinesischen Text übersetzt, und die Namen, die als

die Äquivalente der Originalworte gegeben sind, sind beibehalten. Die wirkliche

esoterische Nomenklatur kann nicht gegeben werden, da sie den Leser bloß

verwirren würde. Die brahmanische Lehre halt keine Äquivalente dafür. Vâch

scheint in vielen Aspekten der chinesischen Kwan-Yin nahezukommen, aber es

giebt keine regelrechte Verehrung der Vâch unter diesem Namen in Indiern, wie

es eine für Kwan-Yin in China giebt. Kein exoterisches System hat jemals einen

weiblichen Schöpfer angenommen, und so wurde vom Anbeginne der populären

Religionen an das Weib als dem Manne nachstehend betrachtet und behandelt.

Bloß in China und Ägypten wurden Kwan-Yin und Isis auf gleiche Stufe mit den

männlichen Göttern gestellt. Die Esoterik kennt beide Geschlechter nicht. Ihre

höchste Gottheit ist ebenso geschlechtslos als formlos, wieder Vater noch

Mutter; und ihre ersten geoffenbarten Wesen, himmlische und irdische

gleicherweise, werden bloß stufenweise androgyn, um schließlich sich in

unterschiedene Geschlechter zu trennen.

(a) „Die Mutter der Gnade und Erkenntnis“ heißt die „Dreiheit“ von Kwan-Shai-Yin,

weil sie in ihren metaphysischen und kosmischen Wechselbeziehungen

„Mutter, Weib und Tochter“ des Logos ist, gerade so, wie sie in späteren

theologischen Übersetzungen „Vater, Sohn und (weiblicher) heiliger Geist“ – die

Shakti oder Energie – die Wesenheit der Drei, wurde. So ist in der Esoterik der

Vedântisten Daiviprakriti, das Licht, das durch Îshvara, den Logos, [3]

manifestiert wird, zu einer und derselben Zeit die Mutter und auch die Tochter

des Logos oder Verbum des Parabrahman; während in der der

transhimâlayanischen Lehren es – in der Hierarchie ihrer allegorischen und

metaphysischen Theogonie – die „Mutter“ oder abstrakte ideale Materie,

Mûlaprakriti, die Wurzel der Natur, ist, vom metaphysischen Standpunkt eine

Korrelation von Âdi-Budha, manifestiert im Logos, Avalokiteshvara; und vom rein

occulten und kosmischen, Fohat, der „Sohn des Sohns“, die androgyne Energie,

die aus diesem „Lichte des Logos“ resultiert, welche sich auf der Ebene des

objektiven Weltalls als die verborgene sowie als die offenbare Elektricität

_60 (1 of 2)55.Kommentar VI

manifestiert – die das Leben ist.

T. Subba Row sagt:

Evolution beginnt durch die intellektuelle Energie des Logos, nicht bloß

wegen der in Mûlaprakriti eingeschlossenen Wirkungsmöglichkeiten. Dieses

Licht des Logos ist das Bindeglied zwischen objektiver Materie und dem

subjektiven Gedanken von Îshvara (oder Logos). Es heißt in verschiedenen

buddhistischen Büchern Fohat. Es ist das einzige Instrument, mit welchem der

Logos wirkt. [4]

[1] Chaos.

[2] Unserm Weltall.

[3] The Theosophist, Febr., 1877, p. 305.

[4] Op. Cit.,p. 306.

_60 (2 of 2)55.Kommentar VI

(b) „Kwan-Yin-Tien“ bedeutet der „melodische Himmel des Tons“, die Wohnung

von Kwan-Yin, oder der „göttlichen Stimme“.

Diese „Stimme“ ist ein Synonym des Verbum oder Wortes, „Rede“, als der

Ausdruck des Gedankens.

So mag die Verwandtschaft und selbst die Abstammung der hebräischen Bath-Kol,

der „Tochter der göttlichen Stimme“, oder das Verbum oder des männlichen

und weiblichen Logos, des „himmlischen Menschen“, oder Adam Kadmon, der

zur selben Zeit Sephira ist, verfolgt werden.

Die letztere wurde sicherlich anticipiert von der indischen Vâch, der Göttin der

Sprache oder des Wortes. Denn Vâch – die Tochter und der weibliche Teil, wie

dargelegt wurde, von Brahmâ, eine, „die von den Göttern erzeugt ist“ – ist, in

Gemeinschaft mit Kwan-Yin, mit Isis (auch die Tochter, das Weib und die

Schwester des Osiris) und mit andern Gottheiten, der weibliche Logos, so zu

sagen, die Göttin der aktiven Kräfte, das Wort, die Stimme oder Ton und Rede.

Wenn Kwan-Yin die „melodische Stimme“ ist, so ist Vâch „die melodische Kuh,

die Nahrung und Wasser [das weibliche Prinzip] zu melken giebt . die uns

Nahrung und Unterhalt gewährt“, als Mutter Natur. Sie ist verbündet in dem

Schöpfungswerk mit Prajâpati. Sie ist männlich und weiblich ad libitum, wie Eva

und Adam. Und sie ist eine Form von Aditi – dem höher als Aether stehenden

Prinzip – von Âkâsha, der Synthese von allen Kräften in der Natur. Somit sind

Vâch und Kwan-Yin beide die magische Kraft des occulten Tones in der Natur

und im Aether – welche „Stimme“ Sien-Tchan, die illusive Form des Weltalls, aus

dem Chaos und den sieben Elementen hervorruft.

So teilt nach der Darstellung des Manu Brahmâ (auch der Logos) seinen Körper

in zwei Teile, einen männlichen und einen weiblichen, und erzeugt in dem

letzteren, welcher Vâch ist, Virâj, der er selbst oder wiederum Brahmâ ist. Ein

gelehrter Vedântaoccultist spricht von dieser „Göttin“ wie folgt, indem er die

Ursache erklärt, warum Îshvara (oder Brahmâ) Verbum oder Logos genannt wird;

warum er in der That Sabda Brahmann genannt wird:

Die Erklärung, die ich Ihnen zu geben im Begriffe bin, wird durchaus mystisch

erscheinen; wenn sie aber mystisch ist, so hat sie, wenn richtig verstanden,

eine gewaltige Bedeutung. Unsere alten Schriftsteller sagten, dass Vâch von

vierfacher Art ist. (siehe den Rig-Veda und die Upanishaden.) Vaikharî Vâch

ist die, die wir aussprechen. Jede Art von Vaikharî Vâch existiert in ihrer

_61 (1 of 2)56.Kommentar VI

Madhyama, weiter in ihrer Pashyanti, und schließlich in ihrer Paraform. [5] Der

Grund, warum dieser Pranava Vâch genannt wird, ist der, daß die vier

Prinzipien des großen Kosmos diesen vier Formen der Vâch entsprechen.

Nun existiert das ganze manifestierte Sonnensystem in seiner Sûkshmaform

in dem Licht oder der Energie des Logos, weil dessen Energie aufgefangen

und auf die kosmische Materie übertragen wird, der ganze Kosmos in

seiner objektiven Form ist Vaikharî Vâch, das Licht des Logos ist die

Madhyamaform, und der Logos selbst ist die Pashyantiform, und

Parabrahman der Paraaspekt dieser Vâch. Im Licht dieser Erklärung müssen

wir versuchen, gewisse Behauptungen zu verstehen, die von verschiedenen

Philosophen dahin gemacht wurden, daß der manifestierte Kosmos das als

Kosmos manifestierte Verbum ist. [6]

[5] Madhya wird etwas genannt, dessen Anfang und Ende unbekannt ist, und

Para bedeutet unendlich. Diese Ausdrücke beziehen sich alle auf

Unendlichkeit und Einteilung der Zeit.

[6] Op. Cit., p. 307.

_61 (2 of 2)56.Kommentar VI

STROPHE VI. – Fortsetzung.

2. DER SCHNELLE UND STRAHLENDE BRINGT DIE SIEBEN LAYA [7]

CENTREN HERVOR (a), WELCHE UNÜBERWINDLICH SIND BIS ZUM

GROSSEN TAGE „SEI MIT UNS“; ER STELLT DAS UNIVERSUM AUF DIESE

EWIGEN GRUNDSTEINE, UND UMGIEBT SIEN-TCHAN MIT DEN

ELEMENTAREN KEIMEN (b).

(a) Die sieben Layacentren sind die sieben Nullpunkte, das Wort Null in

demselben Sinne angewendet, wie es die Chemiker thun. Es bedeutet in der

Esoterik einen Punkt, von dem an die Differentiation gerechnet zu werden

beginnt. Von diesen Centren aus – hinter welchen uns die esoterische

Philosophie die schattenhaften metaphysischen Umrisse der „Sieben Söhne“ des

Lebens und Lichtes, der Sieben Logoi der hermetischen und aller andern

Philosophen, erkennen läßt, - beginnt die Differentiation der Elemente, welche in

die Zusammensetzung unseres Sonnensystems eingehen. Es wurde oft gefragt,

welches die exakte Definition von Fohat und seinen Kräften und Funktionen sei,

da er oft die eines persönlichen Gottes, entsprechend der Auffassung der

populären Religionen, auszuüben scheint. Die Antwort ist gerade im Kommentar

zu Strophe V gegeben worden. Wie in den Bhagavadgîtâ-Vorlesungen gut

gesagt ist: „Der ganze Kosmos muß notwendigerweise in der Quelle von Energie

existieren, aus der dieses Licht (Fohat) emaniert.“ Ob wir die Prinzipien im

Kosmos und Menschen als sieben oder bloß als vier zählen, die Kräfte von und

in der physischen Natur sind sieben; und es wird von derselben Autorität erklärt:

„Prajnâ, oder die Fähigkeit der Wahrnehmung, existiert in sieben verschiedenen

Aspekten, die sieben Zuständen der Materie entsprechen.“ Denn „geradeso wie

ein menschliches Wesen aus sieben Prinzipien zusammengesetzt ist, so existiert

die differenzierte Materie im Sonnensystem in sieben verschiedenen Zuständen.

[8] Das gilt auch von Fohat. Fohat hat, wie bereits gezeigt, verschiedene

Bedeutungen. Er heißt der „Erbauer der Bauleute“, da die Kraft, die er

personifiziert, unsere siebenfache Kette geformt hat. Er ist Eins und Sieben, und

ist auf der kosmischen Ebene hinter allen solchen Manifestationen wie Licht,

Wärme, Ton, Adhäsion, etc., etc., und ist der „Geist“ der Elektricität, die das

Leben des Weltalls ist. Als eine Abstraktion wollen wir ihn das Eine Leben

nennen; als von einer objektiven und evidenten Realität sprechen wie von einer

siebenfachen Stufenleiter der Offenbarung, die an der obersten Sprosse mit der

Einen unerkennbaren Kausalität beginnt, und als allgegenwärtiges Gemüt und

Leben, das einem jeden Atom von Materie immanent ist, endet. Somit weisen,

während die Wissenschaft von ihrer Evolution durch gefühllose Materie, blinde

_63 (1 of 3)56.Kommentar VI

Kraft und sinnlose Bewegung spricht, die Occultisten auf intelligentes Gesetz und

fühlendes Leben, und fügen hinzu, daß Fohat der leitende Geist von all diesem

ist. Doch ist er durchaus kein persönlicher Gott, sondern die Emanation jener

anderen Kräfte hinter ihm, welche die Christen die „Sendboten“ ihres Gottes (in

Wirklichkeit der Elohim, oder vielmehr eines der Sieben Schöpfer, welche Elohim

genannt werden) und wir die Sendboten der Ursöhne des Lebens und Lichtes

nennen.

(b) Die „elementaren Keime“, mit denen er Sien-Tchan (das Weltall) aus Tien-Sin

(dem „Himmel des Gemütes“ oder dem, was absolut ist) füllt, sind die Atome der

Wissenschaft und die Monaden des Leibniz.

STROPHE VI. – Fortsetzung.

3. VON DEN SIEBEN [9] IST ZUERST EINES OFFENBAR UND SECHS

VERBORGEN; DANN ZWEI OFFENBAR UND FÜNF VERBORGEN; DREI

OFFENBAR UND VIER VERBORGEN; VIER KOMMEN HERVOR UND DREI

SIND GEHEIM; VIER UND EIN TSAN [10] OFFENBAR UND ZWEI UND EIN

HALBES VERBORGEN; SECHS WERDEN OFFENBAR UND EINS BESEITIGT

(a). SCHLIESSLICH DREHEN SICH SIEBEN KLEINE RÄDER, WOVON DAS

EINE DAS ANDERE GEBIERT (b).

(a) Obwohl diese Strophen sich auf das ganze Weltall nach einem Mahâpralaya

(allgemeiner Auflösung) sich beziehen, so bezieht sich doch dieser Satz, wie

jeder Schüler des Occultismus sehen kann, durch Analogie auch auf die

Entwicklung und schließliche Bildung der ursprünglichen (obwohl

zusammengesetzten) sieben Elemente auf unserer Erde. Von diesen sind jetzt

vier Elemente vollständig offenbar, während das fünfte – Ether – es nur teilweise

ist, da wir kaum in der zweiten Hälfte der vierten Runde sind, und sich das fünfte

Element infolgedessen vollständig erst in der fünften Runde manifestieren wird.

Die Welten, einschließlich unserer eigenen, wurden, als Keime, natürlich

ursprünglich aus dem Einen Element in seinem zweiten Zustande – „Vater-Mutter“,

der Seele der differenzierten Welt, nicht, was von Emerson die

„Oberseele“ genannt wird – evolviert, einerlei, ob wir es mit der modernen

Wissenschaft kosmischen Staub und Feuernebel nennen, oder mit dem

Occultismus Âkâsha, Jîvâtmâ, göttliches Astrallicht, oder die „Seele der Welt“.

Aber diesem ersten Zustand der Evolution folgte nach entsprechender zeit der

nächste. Keine Welt und kein Himmelskörper könnte auf der objektiven Ebene

gebildet werden, wenn nicht bereits die Elemente von ihrer ursprünglichen in

_63 (2 of 3)56.Kommentar VI

Laya ruhenden Ilys differenziert wären. „In Laya ruhen“ ist ein Synonym für

Nirvâna. Es ist in der That die nirvânische Zersetzung aller Substanzen, die nach

einem Lebenskreislauf in die Verborgenheit ihrer ursprünglichen Zustände

versinken. Es ist der leuchtende, aber körperlose Schatten des Stoffes, welcher

war, das Reich der Negativität – in welchem während ihrer Ruheperiode die

aktiven Kräfte des Weltalls verborgen liegen.

[7] Vom Sanskritwort Laya, dem Punkt der Materie, wo jegliche Differentiation

aufgehört hat.

[8] Fife Years of Theosophy, Art. “Personal and Impersonal God”, p. 200.

[9] Elementen.

[10] Bruchteil.

_63 (3 of 3)56.Kommentar VI

Nun wird, wo von Elementen die Rede ist, den Alten der beständige Vorwurf

gemacht, daß sie „ihre Elemente als einfach und unzersetzbar annahmen“. Die

Schatten unserer prähistorischen Vorfahren könnten den modernen Physikern

das Kompliment zurückgeben, nachdem jetzt neue Entdeckungen in der Chemie

Herrn W. Crookes, F.R.S., dahin geführt haben, zuzugestehen, daß die

Wissenschaft noch tausend Meilen von einer Kenntnis der zusammengesetzten

Natur des einfachsten Moleküls entfernt ist. Von ihm lernen wir, daß ein Ding wie

ein wirklich einfaches gänzlich homogenes Molekül eine terra incognita in der

Chemie ist. „Wo sollen wir die Grenzlinie ziehen?“ fragt er; „ist kein Ausweg aus

dieser Schwierigkeit? Müssen wir die elementaren Examina so schwierig

machen, daß nur 60 oder 70 Kandidaten bestehen, oder müssen wir die

Prüfungsthore so weit öffnen, daß die Zahl der Zulassungen nur durch die Zahl

der Bewerber begrenzt wird?“ Und dann giebt der gelehrte Chemiker schlagende

Beispiele.

Er sagt:

Nehmen wir den Fall von Yttrium. Es hat sein bestimmtes Atomgewicht, es

verhielt sich in jeder Hinsicht als ein einfacher Körper, als ein Element, zu dem

wir zwar hinzugeben, von dem wir aber nichts wegnehmen konnten. Wenn

aber dieses Yttrium, dieses vermutete homogene Ganze, einer bestimmten

Spaltungsmethode unterworfen wird, so wird es in Teile zerlegt, die

untereinander nicht absolut identisch sind, und die eine Abstufung in den

Eigenschaften zeigen. Oder nehmen wir den Fall von Didym. Hier war ein

Körper, der alle anerkannten Merkmale eines Elementes aufwies. Es war mit

großer Schwierigkeit von anderen Körpern, die ihm in ihren Eigenschaften

sehr nahe kamen, geschieden worden, und während dieses kritischen

Verfahrens wurde es einer sehr strengen Bearbeitung und sehr genauen

Untersuchung unterzogen. Da kam aber dann ein anderer Chemiker, der den

vermeintlich homogenen Körper nach einem besonderen Spaltungsprozeß

behandelte und ihn in die zwei Körper Praseodym und Neodym zerlegte,

zwischen welchen gewisse Unterschiede bemerkbar sind. Und selbst jetzt

noch haben wir keine Gewissheit, dass Neodym und Praseodym einfache

Körper sind. Im Gegenteil, sie zeigen gleichermaßen Symptome von

Spaltbarkeit. Wenn nun auf diese Art bei entsprechender Behandlung entdeckt

wird, daß ein mutmaßliches Element verschiedenartige Moleküle enthält, so

sind wir gewiß berechtigt zu fragen, ob nicht ähnliche Resultate auch bei

anderen Elementen, vielleicht bei allen Elementen, erhalten würden, wenn

das richtige Verfahren eingeschlagen würde. Wir könnten sogar fragen, wo der

_65 57.Kommentar VI

Prozeß der Ausscheidung aufhören soll – ein Prozeß, der natürlicherweise

Variationen zwischen den individuellen Molekülen einer jeden Spezies

voraussetzt. Und bei diesen aufeinanderfolgenden Trennungen finden wir

natürlich Körper, die einander immer näher und näher kommen.“ [11]

Nochmals, dieser Vorwurf gegen die Alten ist eine unverantwortbare Behauptung.

Auf jeden Fall können ihre initiierten Philosophen schwerlich von einer solchen

Beschuldigung getroffen werden, nachdem sie es sind, die Allegorien und

religiöse Mythen vom Anbeginn an ersonnen haben. Wären sie der

Heterogeneität ihrer Elemente unkundig gewesen, so hätten sie keine

Personifikation von Feuer, Luft, Wasser, Erde und Äther gehabt; ihre kosmischen

Götter und Göttinen wären niemals mit solcher Nachkommenschaft gesegnet

gewesen, mit so vielen Söhnen und Töchtern, Elementen, die aus und in jedem

respektiven Element geboren sind. Alchimie und occulte Phänomene wären ein

Betrug und ein Fallstrick gewesen, selbst in der Theorie, wenn die Alten nicht

bekannt gewesen wären mit den Wirkungsmöglichkeiten und wechselseitigen

Kraftäußerungen und Eigenschaften eines jeden Elementes, das in die

Zusammensetzung von Luft, Wasser, Erde und selbst Feuer eintritt – wovon das

letztere bis zum heutigen Tage eine terra incognita für die moderne Wissenschaft

ist, die gezwungen ist, es Bewegung, Entwicklung von Licht und Wärme,

Zustand von Verbrennung zu nennen – kurz, es in Unkenntnis seiner Natur nach

seinen äußeren Erscheinungen zu definieren.

Was aber die moderne Wissenschaft nicht zu bemerken scheint, ist, daß, wenn

auch jene einfachen chemischen Atome differenziert gewesen sein mögen – die

die archaische Philosophie als „die Schöpfer ihrer eigenen Eltern“, Väter, Brüder,

Gatten ihrer Mütter, und diese Mütter als die Töchter ihrer eigenen Söhne

bezeichnet wie zum Beispiel Aditi und Daksha – daß differenziert, wie diese

Elemente im Anbeginn waren, sie doch nicht die der Wissenschaft bekannten

zusammengesetzten Körper waren, wie sie es jetzt sind. Weder Wasser, Luft

noch Erde (ein Synonym für feste Körper im allgemeinen) existierten in ihrer

gegenwärtigen Form, die drei einzigen Zustände der Materie repräsentierend, die

von der Wissenschaft anerkannt sind; denn alle diese und selbst Feuer sind

bereits wieder verbundene Hervorbringungen der Atmosphären vollständig

geformter Globen, so daß in den ersten Perioden der Bildung der Erde sie etwas

vollständig sui generis waren. Jetzt, da die Bedingungen und Gesetze, die unser

Sonnensystem regieren, voll entwickelt sind, und die Atmosphäre der Erde,

sowie die eines jeden andern Globus so zu sagen eine Retorte für sich geworden

_65 (2 of 4)57.Kommentar VI

ist, findet, wie die occulte Wissenschaft lehrt, im Raume ein beständiger

Austausch von Molekülen, oder vielmehr von Atomen statt, sie zu jedem

Planeten in bestimmten Beziehungen sehen und dem entsprechend ihre

Verbindungsäquivalente auf jedem Planeten ändern. Einige Männer der

Wissenschaft, und zwar solche gerade unter den größten Physikern und

Chemikern, beginnen diese Thatsache zu vermuten, die durch Zeitalter den

Occultisten bekannt gewesen ist. Das Spektroskop zeigt bloß die

wahrscheinliche Ähnlichkeit (nach äußerem Augenschein) von irdischer und

siderischer Substanz; es ist nicht im stande, irgendwie weiter zu gehen, oder zu

zeigen, ob oder ob nicht die Atome gegen einander physikalisch und chemisch

auf gleiche Weise und unter denselben Bedingungen gravitieren, wie sie es auf

unserm Planeten angenommenermaßen thun. Die Temperaturabstufungen, vom

höchsten bis zum niedersten vorstellbaren Grade, mögen in und für das ganze

Weltall als ein und dieselben angenommen werden; nichtdestoweniger sind die

Eigenschaften, abgesehen von denen der Dissociation und Reassociation, auf

jedem Planeten verschieden; und so treten Atome in neue Existenzformen ein,

die die Naturwissenschaft weder ahnt noch erkennen kann. Wie bereits in Five

Years of Theosophie [12] gesagt, ist z. B. die Wesenheit der Kometenmaterie

„gänzlich verschieden von allen chemischen und physikalischen Merkmalen, mit

denen die größten Chemiker und Physiker der Erde bekannt sind“. Und selbst

diese Materie erfährt während ihres rapiden Durchganges durch unsere

Atmosphäre eine gewisse Veränderung in ihrer Natur.

So differieren nicht bloß die Elemente unseres Planeten, sondern auch die aller

seiner Schwestern in unserm Sonnensystem, in ihren Kombinationen ebenso

weit von einander, als von den kosmischen Elementen jenseits unserer solaren

Grenzen. Dies wird wiederum bekräftigt durch denselben Mann der Wissenschaft

in seinem oben angezogenen Vortrage, der Clerk Maxwell citiert, welcher sagt,

„daß die Elemente nicht absolut homogen sind“.

Er schreibt:

Es ist schwer, sich eine Vorstellung von Auslese und Ausstoßung von

Mittelvarietäten zu machen, denn wohin können diese eliminierten Moleküle

gegangen sein, wenn, wie wir Grund haben zu glauben, der Wasserstoff etc.

der Fixsterne aus Molekülen zusammengesetzt ist, die in jeder Hinsicht mit

den unseren identisch sind. .Vor allem dürfen wir diese absolute

molekülare Identität in Frage stellen, nachdem wir bisher keine anderen Mittel

gehabt haben, zu einem Schlusse zu kommen, außer die durch das

_65 (3 of 4)57.Kommentar VI

Spektroskop gelieferten, während es zugestanden ist, daß, um die Spektra

zweier Körper genau vergleichen und unterscheiden zu können, dieselben

unter identischen Zuständen von Temperatur, Druck und allen anderen

physikalischen Bedingungen untersucht werden sollten. Wir haben im

Sonnenspektrum mit Gewissheit Strahlen gesehen, die wir nicht im stande

waren zu identifizieren.

Daher können die Elemente unseres Planeten nicht als ein Normalmaßstab für

den Vergleich mit den Elementen in andern Welten genommen werden.

Thatsächlich hat jede Welt ihren Fohat, der in ihrer eigenen Wirkungssphäre

allgegenwärtig ist. Aber es sind ebensoviele Fohats, als es Welten giebt, alle

verschieden an Kraft und Stufe der Emanation. Die individuellen Fohats bilden

einen universalen, kollektiven Fohat – die Aspekt-Entität der einen absoluten

Nicht-Entität, die da ist absolute Sein-heit, Sat. „Millionen und Billionen von

Welten werden bei jedem Manvantara hervorgebracht“ – wird gesagt. Daher muß

es viele Fohats geben, die wir als bewusste und intelligente Kräfte betrachten.

Solches zweifelsohne zum Ärger von wissenschaftlichen Gemütern.

Nichtsdestoweniger betrachten die Occultisten, die gute Gründe dafür haben, all

die Kräfte der Natur als wahrhaftige, wenn auch übersinnliche, Zustände von

Materie; und als der Wahrnehmung von Wesen, die mit den erforderlichen

Sinnen ausgerüstet sind, zugängliche Objekte.

[11] Ansprache des Präsidenten an die Royal Society of Chemists, März,

1888.

[12] p. 242.

_65 57.Kommentar VI

In seinem ursprünglichen, jungfräulichen Zustand eingeschlossen in dem Schoße

der Ewigen Mutter, ist jedes Atom, sobald es über die Schwelle ihres Bereiches

geboren ist, zu unaufhörlicher Differenziation verurteilt. „Die Mutter schläft, doch

sie atmet fortwährend.“ Und jeder Atemzug sendet hinaus auf die Ebene der

Offenbarungen ihre proteusartigen Hervorbringungen, die, von der

ausströmenden Welle dahingetragen, von Fohat verstreut, und nach oder

jenseits dieser oder einer andern Planetenatmosphäre getrieben werden. Einmal

von der letzteren eingefangen, ist das Atom verloren; seine ursprüngliche

Reinheit ist für immer dahin, wenn nicht das Schicksal es dissociiert, indem es

dasselbe zu einem „ausfließenden Strom“ (ein occulter Ausdruck, der einen von

dem in dem gewöhnlichen Worte liegenden ganz verschiedenen Vorgang

bedeutet) hinleitet, wo es dann vom neuen in jenes Grenzgebiet gebracht werden

kann, wo es früher zu Grunde ging, und indem es sich nicht in den Raum

oberhalb, sondern in den Raum innerhalb flüchtet, in einen differentialen

Gleichgewichtszustand gebracht und glücklich wieder absorbiert werden kann.

Sollte ein wahrhaft gelehrter Occultist und Alchimist ein „Leben und Abenteuer

eines Atoms“ schreiben, so würde er dadurch sich die höchste Geringschätzung

des modernen Chemikers sichern, allerdings vielleicht auch dessen spätere

Dankbarkeit. In der That würde ein solcher imaginärer Chemiker, wenn er zufällig

intuitiv wäre und für einen Augenblick aus der gewohnten Schablone der streng

„exakten Wissenschaft“ heraustreten würde, wie es die alten Alchimisten thaten,

für seine Kühnheit belohnt werden. Mag sein wie immer, „Der Atem von Vater-Mutter

tritt hervor kalt und strahlend, und wird heiß und verdorben, um wieder

kalt und gereinigt zu werden in dem ewigen Schoße des inneren Raumes“, sagt

der Kommentar. Der Mensch zieht kalte reine Luft ein auf der Bergspitze, und

stößt sie unrein, heiß und verändert wieder aus. Da die höhere Atmosphäre

eines jeden Globus dessen Mund und die niedere dessen Lunge ist, so atmet der

Mensch unseres Planeten bloß den „Auswurf der Mutter“, daher „ist er verdammt,

daran zu sterben“. Derjenige, der den trägen Sauerstoff zu Ozon allotropisieren

würde, bis zum Grade alchimistischer Aktivität, indem er ihn auf sein reines

Wesen reduziert (wofür es Mittel giebt), würde damit einen Ersatz für ein

„Lebenselixir“ entdecken und für den praktischen Gebrauch zubereiten.

(b) Der Vorgang, bezeichnet als die „kleinen Räder, wovon das eine das andere

gebiert,“ findet in der sechsten Region von oben statt, und auf der Ebene der

allermateriellsten Welt von allen im manifestierten Kosmos – auf unserer

irdischen Ebene. Diese „sieben Räder“ sind unsere Planetenkette. Unter

„Rädern“ sind gewöhnlich die verschiedenen Sphären und Kraftcentren gemeint;

aber in diesem Falle beziehen sie sich auf unsern siebenfachen Ring.

_67 (1 of 2)57.Kommentar VI

STROPHE VI. – Fortsetzung.

4. ER ERBAUT SIE ALS ABBILDER ÄLTERER RÄDER, [13] UND BEFESTIGT

SIE AUF UNVERGÄNGLICHEN MITTELPUNKTEN (a).

WIE WERDEN SIE VON FOHAT ERBAUT? ER SAMMELT DEN FEURIGEN

STAUB. ER MACHT KUGELN VON FEUER, LÄUFT DURCH UND UM

DIESELBEN HERUM, UND VERSIEHT SIE MIT LEBEN, DANN SETZT ER SIE

IN BEWEGUNG, DIESE IN DIESER, JENE IN JENER RICHTUNG. SIE SIND

KALT, ER MACHT SIE HEISS. SIE SIND TROCKEN, ER MACHT SIE FEUCHT.

SIE LEUCHTEN, ER FÄCHELT UND KÜHLT SIE AB (b). SO ARBEITET FOHAT

VON EINER DÄMMERUNG ZUR ANDEREN, DURCH SIEBEN EWIGKEITEN.

[14]

(a) Die Welten werden erbaut „als Abbilder älterer Räder“ – d. i. jener, die in

früheren Manvantaras existierten und in Pralaya eingingen; denn das Gesetz für

Geburt, Wachstum und Verfall von jedem Ding im Kosmos, von der Sonne bis

zum Glühwurm im Grase, ist Eines. Es geschieht ein immerdauerndes

Vervollkommnungswerk mit jeder neuen Erscheinung, aber die Substanz,

Materie und Kräfte sind alle ein und dieselben. Und dieses Gesetz wirkt auf

jedem Planeten durch untergeordnete und wechselnde Gesetze.

Die „Unvergänglichen [Laya] Mittelpunkte“ sind von großer Wichtigkeit, und ihre

Bedeutung muß vollständig verstanden werden, wenn wir eine klare Vorstellung

von der archaischen Kosmogonie, deren Theorien jetzt in den Occultismus

übergangen sind, haben wollen. Gegenwärtig möge eins festgestellt sein. Die

Welten sind weder auf, noch ober noch in den Layacentren erbaut, indem der

Nullpunkt ein Zustand, nicht ein mathematischer Punkt ist.

[13] Welten.

[14] Eine Periode von 311 040 000 000 000 Jahren nach brâhminischen

Berechnungen.

_67 (2 of 2)57.Kommentar VI

(b) Man halte sich vor Augen, dass es von Fohat, der konstruktiven Kraft der

kosmischen Elektricität, metaphorisch heißt, er sei, wie Rudra aus dem Haupte

des Brahmâ, „aus dem Gehirne des Vaters und dem Busen der Mutter“

entsprungen, und habe sich dann in ein Männliches und in ein Weibliches

verwandelt, d. h. sich selbst zu positiver und negativer Elektricität polarisiert. Er

hat Sieben Söhne, welche seine Brüder sind. Fohat wird gezwungenermaßen

von Zeit zu Zeit geboren, so oft zwei seiner „Söhne-Brüder“ zu enger Berührung

sich hingeben – einerlei ob Umarmung oder Kampf.

Um das zu vermeiden, vereinigt er und bindet zusammen jene von

ungleichartiger Natur, und trennt jene von ähnlichen Temperamenten. Dies

bezieht sich, wie jedermann sehen kann, natürlich auf durch Reibung erzeugte

Elektricität, und auf das Gesetz von der Anziehung zwischen Gegenständen von

ungleichnamiger, und Abstoßung zwischen solchen von gleichnamiger Polarität.

Die Sieben Söhne-Brüder jedoch repräsentieren und personifizieren die sieben

Formen von kosmischem Magnetismus, genannt im praktischen Occultismus die

„Sieben Radikale“, deren zusammenwirkende und thätige Nachkommenschaft

unter andern Energien: Elektricität, Magnetismus, Ton, Licht, Wärme, Kohäsion

u. s. w. sind. Die occulte Wissenschaft definiert alle diese als übersinnliche

Wirkungen in ihrem verborgenen Verhalten und als objektive Phänomene in der

Sinnenwelt; die ersteren erfordern abnorme Fähigkeiten, um sie wahrzunehmen,

die letzteren sind mit unsern gewöhnlichen körperlichen Sinnen erkennbar. Sie

alle gehören an und sind die Manifestationen von noch übersinnlicheren

geistigen Qualitäten, die nicht durch wirkliche und bewußte Ursachen dargestellt,

sondern diesen angehörig sind. Eine Beschreibung solcher Wesenheiten zu

versuchen, wäre schlechter als nutzlos. Der Leser muß sich vor Augen halten,

dass nach unserer Lehre, welche dieses phänomenale Weltall als eine große

Illusion betrachtet, ein Körper um so mehr Realität erreicht, je näher er der

Unbekannten Substanz ist, da er damit um so weiter von dieser Welt der Mâyâ

entfernt ist. So besitzen diese Körper, obwohl ihre molekulare Konstitution auf

dieser Bewusstseinsebene aus ihren Manifestationen nicht reduzierbar ist,

nichtsdestoweniger vom Standpunkt eines Adept-Occultisten eine bestimmte

objektive, wenn nicht materielle, Struktur in dem relativ noumenalen – als

Gegensatz zum phänomenalen – Universum. Männer der Wissenschaft mögen

sie Kraft oder Kräfte, erzeugt von Materie, nennen, oder „Bewegungsarten“,

wenn sie wollen; der Occultismus sieht in diesen Wirkungen Elementale (Kräfte),

und in den direkten sie erzeugenden Ursachen, intelligente göttliche Arbeiter. Der

innige Zusammenhang dieser Elemente, die von der unfehlbaren Hand der

Beherrscher geleitet sind, mit den Elementen der reinen Materie – ihrer

Korrelation, wie wir sie nennen könnten – hat unsere irdischen Phänomene, wie

_69 (1 of 3)21:02:25.Kommentar VI

Licht, Wärme, Magnetismus etc., etc., zur Folge. Natürlich werden wir niemals

mit den amerikanischen Substanzialisten [15] übereinstimmen, die jede Kraft und

Energie – sei es Licht, Wärme, Elektricität oder Kohäsion – eine „Entität“ nennen;

denn das würde dasselbe sein, wie den Lärm, der durch das Rollen der Räder

eines Wagens hervorgebracht wird, eine Entität zu nennen – und so den „Lärm“

mit dem „Kutscher“ außerhalb, und der leitenden „Meisterintelligenz“ innerhalb

des Vehikels zu vermengen und zu identifizieren. Wir aber geben gewiß diesen

Namen den „Kutschern“ und diesen führenden „Intelligenzen“, den herrschenden

Dhyân Chohans, wie gezeigt worden ist. Die Elementale, die Naturkräfte, sind die

thätigen, wenn auch unsichtbaren oder vielmehr unwahrnehmbaren sekundären

Ursachen, und selber die Wirkungen von primären Ursachen hinter dem Schleier

aller irdischen Phänomene. Elektricität, Licht, Wärme u. s. w. sind treffend die

„Gespenster und Schatten von Stoff in Bewegung“ genannt worden, d. h.

übersinnliche Zustände der Materie, von denen wir bloß die Wirkungen erkennen

können. Um nun das oben gemachte Gleichnis weiter auszumalen, so ist die

Lichtempfindung dem Geräusch der rollenden Räder zu vergleichen – eine rein

phänomenale Wirkung, die keine Existenz außerhalb des Beobachters hat. Die

unmittelbare erregende Ursache der Empfindung ist dem Kutscher vergleichbar –

ein übersinnlicher Zustand von Stoff in Bewegung, eine Naturkraft oder ein

Elemental. Aber hinter dieser – geradeso wie der Eigentümer des Wagens den

Kutscher von innen aus leitet – steht die höhere oder noumenale Ursache, die

Intelligenz, aus deren Wesenheit diese Zustände der „Mutter“ ausstrahlen und

zahllose Milliarden von Elementalen oder psychischen Naturgeistern erzeugen,

gerade so, wie ein jeder Tropfen Wasser seine körperlichen, äußerst kleinen

Infusorien erzeugt.

Fohat ist es, der die Übertragung der Prinzipien von einem Planeten zum andern,

von einem Stern zu einem andern Tochter-Stern lenkt. Wenn ein Planet stirbt, so

werden seine beseelenden Prinzipien zu einem Laya- oder schlummernden

Centrum mit potentieller aber latenter Energie übertragen, welches dadurch zum

Leben erweckt wird und sich zu einem neuen siderischen Körper zu gestalten

beginnt.

Es ist sehr merkwürdig, daß die Physiker, während sie ihre gänzliche

Unwissenheit in Bezug auf die wahre Natur selbst der irdischen Materie

eingestehen – indes ursprüngliche Substanz mehr wie ein Traum als wie eine

nüchterne Realität betrachtet wird – sich nichtsdestoweniger zu Richtern über

diese Materie aufwerfen, und behaupten, zu wissen, was sie in verschiedenen

Kombinationen thun kann und nicht thun kann. Die Wissenschaftler kennen diese

_69 (2 of 3)21:02:25.Kommentar VI

Materie kaum bis zur Tiefe der Haut und doch wollen sie dogmatisieren. Sie ist

eine „Bewegungsart“ und nichts weiter! Aber die „Kraft“, die dem Atem einer

lebenden Person innewohnt, wenn dieselbe einen Staubfleck vom Tische

wegbläst, ist auch zweifellos eine „Bewegungsart“. Sie ist unleugbar nicht eine

Eigenschaft des Stoffes, oder der Teilchen des Fleckens, und sie emaniert aus

der lebenden und denkenden Entität, welche atmet, sei der Impuls nun bewußt

oder unbewußt geschehen. In der That, die Materie – etwas, von dem bisher

nichts bekannt ist – mit einer innewohnenden Eigenschaft, genannt Kraft, über

den Natur noch weniger bekannt ist, auszustatten, heißt eine noch viel ernstere

Schwierigkeit schaffen als die, die in der Annahme einer Intervention unserer

„Naturgeister“ bei jedem natürlichen Phänomen liegt.

[15] Siehe die Scientific Arena, ein monatliches Journal, gewidmet der

gangbaren philosophischen Lehre und ihrer Beziehung auf das religiöse

Denken des Zeitalters. New-York: A. Wilford Hall, Ph. D., LL. D., Herausgeber

Juli, August und September, 1886.

_69 (3 of 3)21:02:25.Kommentar VI

Die Occultisten – die, wenn sie sich korrekt ausdrücken würden, nicht sagen, daß

die Materie, sonder bloß, daß die Substanz oder Wesenheit der Materie (d. i.

Mûlaprakriti, die Wurzel von allem) unzerstörbar und ewig ist – behaupten, daß

alle sogenannten Naturkräfte, Elektricität, Magnetismus, Licht, Wärme, etc., etc.,

weit entfernt davon, Bewegungsarten materieller Teilchen zu sein, in esse, d.h. in

ihrer schließlichen Konstitution, die differenzierten Aspekte jener Universalen

Bewegung sind, die in den ersten Seiten dieses Bandes besprochen und erklärt

worden ist. Wenn von Fohat gesagt wird, daß er sieben Layacentren

hervorbringe, so bedeutet das, daß für formengebende und schöpferische

Zwecke das große Gesetz – Theisten mögen es Gott nennen – seine beständige

Bewegung an sieben unsichtbaren Punkten innerhalb des Gebietes des

geoffenbarten Weltalls hemmt oder vielmehr modifiziert. „Der große Atem gräbt

den Raum entlang sieben Gruben in Laya, um sie während des Manvantara

kreisen zu lassen,“ sagt der occulte Katechismus.

Wir haben gesagt, Laya sei das, was die Wissenschaft den Nullpunkt oder die

Nulllinie nennen könnte; der Bereich der absoluten Negativität, oder der einen

realen absoluten Kraft, des Noumenon des siebenten Zustandes von dem, was

wir in Unwissenheit als „Kraft“ benennen und anerkennen; oder wiederum das

Ding an sich der undifferenzierten kosmischen Substanz, welche selber für die

endliche Wahrnehmung ein unerreichbarer und unerkennbarer Gegenstand ist;

die Wurzel und Basis aller Zustände von Objektivität und auch Subjektivität; die

neutrale Achse, nicht einer von den vielen Aspekten, sondern ihr Centrum. Es

mag zur Erläuterung der Bedeutung dienen, wenn wir versuchen, uns ein

„neutrales Centrum“ vorzustellen – den Traum von jenen, die das Perpetuum

mobile entdecken möchten. Ein „neutrales Centrum“ ist, unter einem

Gesichtspunkt, der Grenzpunkt irgend einer gegebenen Gruppe von Sinnen. Man

stelle sich also zwei aufeinanderfolgende Ebenen der Materie vor; jede von

diesen entspricht einer zugehörenden Gruppe von Wahrnehmungsorganen. Wir

sind gezwungen, zuzugestehen, dass zwischen den zwei Stoffebenen ein

unaufhörlicher Austausch stattfindet; und wenn wir die Atome und Moleküle

sagen wir der niederen auf ihrer Umwandlung aufwärts verfolgen werden sie an

einen Punkt gelangen, wo sie gänzlich aus dem Bereich der Fähigkeiten, die wir

auf der niederen Ebene gebrauchen, heraustreten.

Thatsächlich entschwindet für uns die Materie der niederen Ebene hier unserer

Wahrnehmung – oder vielmehr, sie tritt in die höhere Ebene ein, und der Zustand

der Materie, der einem solchen Übergangspunkt entspricht, muß sicherlich

besondere und nicht leicht zu entdeckende Eigenschaften besitzen. Sieben

_71 (1 of 3)21:02:26.Kommentar VI

solche „neutrale Centren“ [16] werden nun von Fohat hervorgebracht, der, wenn,

wie Milton sagt:

Guter Grund gelegt (ist), darauf zu bauen .

die Materie zur Thätigkeit und Entwicklung erweckt.

Das Uratom (Anu) kann weder in seinem prägenetischen, noch in einem

primogenetischen Zustand vervielfältigt werden; daher heißt es die

„Gesamtsumme“, selbstverständlich figürlich, weil diese „Gesamtsumme“

unendlich ist.

Das, was für den Physiker, der bloß die Welt der sichtbaren Ursachen und

Wirkungen kennt, der Abgrund des Nichts ist, ist für den Occultisten der

grenzenlose Raum des göttlichen Plenum. Neben vielen andern Einwendungen

gegen die Lehre von einer endlosen Evolution und Involution oder Reabsorption

des Kosmos, einem Prozesse, der nach der brâhminischen und esoterischen

Lehre ohne Anfang und Ende ist, wird dem Occultisten gesagt, es könne nicht so

sein, da „nach allen Geständnissen der modernen wissenschaftlichen Physik die

Natur notwendigerweise abläuft“. Wenn das Bestreben der Natur „abzulaufen“ für

einen so starken Einwand gegen die occulte Kosmogonie gehalten werden soll,

so könnten wir fragen; wie erklären eure Positivisten und Freidenker und

Wissenschaftler die Phalanx aktiver Sternsysteme rund um uns her? Sie hatten

eine Ewigkeit, um in derselben „abzulaufen“; warum ist da nicht der Kosmos eine

große, träge Masse? Selbst der Mond wird bloß hypothetischerweise für einen

toten Planeten, für „abgelaufen“ gehalten, und die Astronomie scheint nicht mit

vielen solchen toten Planeten bekannt zu sein. [17] Die Frage ist unbeantwortbar.

Aber abgesehen davon ist zu beachten, dass die Idee, daß der Bestand

„transformierbarer Energie“ in unserm kleinen System zu Ende gehen werde,

einfach auf der falschen Vorstellung von einer „weißglühenden heißen Sonne“,

die beständig ihre Wärme ohne Ersatz in den Raum hinausstrahlt, beruht. Darauf

antworten wir, daß die Natur abläuft und von der objektiven Ebene verschwindet,

bloß um nach einer Zeit der Ruhe aus der subjektiven wieder aufzutauchen und

von neuem emporzusteigen.

[16] Das, glauben wir, ist der Name, welcher von J. W. Keely in Philadelphia,

dem Erfinder des berühmten „Motor“, der, wie seine Bewunderer gehofft

_71 (2 of 3)21:02:26.Kommentar VI

hatten, bestimmt ist, die bewegende Kraft des Weltalls zu revolutionieren, für

das angewendet wird, was er auch „ätherische Centren“ nennt.

[17] Der Mond ist nur insoweit tot, als es seine inneren Prinzipien betrifft, d. h.

psychisch und geistig, wenn auch diese Behauptung sinnwidrig erscheint.

Physisch ist er nur, wie ein halbgelähmter Körper sein mag. Im Occultismus

wird er passend als die „wahnsinnige Mutter“, die große siderische Närrin

bezeichnet.

_71 (3 of 3)21:02:26.Kommentar VI

Unser Kosmos und unsere Natur werden bloß ablaufen, um nach jedem Pralaya

auf einer vollkommeneren Ebene wiederzuerscheinen. Die Materie der östlichen

Philosophen ist nicht die „Materie“ und Natur der westlichen Metaphysiker. Denn

was ist Materie? Und vor allem, was ist unsere wissenschaftliche Philosophie

anderes als das, als welches sie von Kant so gerecht und so höflich definiert

worden ist, „die Wissenschaft von den Grenzen unserer Erkenntnis? Wohin

haben die vielen Versuche der Wissenschaft, alle Phänomene des organischen

Lebens durch bloße physische und chemische Manifestationen zu binden, zu

verknüpfen und zu definieren, dieselbe gebracht? Zu allgemeiner Spekulation –

bloßen Seifenblasen, von denen eine nach der andern geplatzt ist, bevor die

Männer der Wissenschaft wirkliche Thatsachen entdecken durften. All dies wäre

vermieden worden, und der Fortschritt der Erkenntnis wäre mit Riesenschritten

erfolgt, wenn nur die Wissenschaft und ihre Philosophie sich dessen enthalten

hätte. Hypothesen bloß au Grund der einseitigen Kenntnis ihrer „Materie“

anzunehmen. Das Verhalten von Uranus und Neptun – deren Satelliten,

beziehungsweise vier und einer an der Zahl, sich in ihren Bahnen, wie man sich

das dachte, von Osten nach Westen bewegten, während alle andern Satelliten

ihre Umläufe von West nach Ost machen – ist ein sehr gutes Beispiel, da es

zeigt, wie unverlässlich alle Spekulationen a priori sind, selbst wenn man sie auf

die strengste mathematische Analyse gründet. Die berühmte Hypothese von der

Bildung unseres Sonnensystems aus nebelartigen Ringen, die von Kant und

Laplace aufgestellt worden war, beruhte hauptsächlich auf der Annahme, daß

alle Planeten in derselben Richtung umlaufen. Laplace, in dem er sich auf diese

zu seiner Zeit mathematisch bewiesene Thatsache verließ und nach der

Wahrscheinlichkeitstheorie rechnete, bot eine Wette von drei Milliarden gegen

eins an, dass der nächste zu entdeckende Planet in seinem System dieselbe

Eigentümlichkeit einer nach Osten gerichteten Bewegung haben werde. Die

unveränderlichen Gesetze der wissenschaftlichen Mathematik wurden „durch

weitere Erfahrungen und Beobachtungen überwältigt.“ Diese Idee von Laplace’s

Irrtum ist noch allgemein bis zum heutigen Tage die herrschende; aber einigen

Astronomen ist es schließlich gelungen zu beweisen (?), daß der Irrtum der war,

Laplace’s Behauptung als einen Irrtum hinzunehmen; und es werden jetzt

Schritte gemacht, das Versehen zu korrigieren, ohne die allgemeine

Aufmerksamkeit zu erregen. Viele solche unangenehme Überraschungen sind

noch im Vorrat für Hypothesen selbst von rein physikalischem Charakter. Was für

weitere Enttäuschungen mögen da nicht erst kommen in Fragen

transcendentaler occulter Natur? Auf jeden Fall lehrt der Occultismus, daß die

sogenannte „umgekehrte Rotation“ eine Thatsache ist.

Wenn kein physischer Intellekt im stande ist, die Sandkörner zu zählen, die ein

_73 (1 of 3)21:02:28.Kommentar VI

paar Meilen Meeresstrandes bedecken, oder die innerste Natur und Wesenheit

dieser Körner zu ergründen, wenn sie greifbar und sichtbar auf der Hand des

Naturforschers liegen, wie kann irgend ein Materialist die Gesetze abgrenzen, die

die Veränderungen in den Zuständen und dem Sein der Atome im ursprünglichen

Chaos regieren, oder irgend etwas Sicheres über Fähigkeiten und

Wirkungsvermögen der Atome und Moleküle vor und nach ihrer Bildung zu

Welten zu wissen. Diese wechsellosen und ewigen Moleküle – viel zahlloser im

Raume als der Sand am Meeresstrand – können in ihrer Konstitution

verschieden sein an den Grenzen ihrer Daseinsebenen, so wie die

Seelensubstanz sich von ihrem Vehikel, dem Körper, unterscheidet. Jedes Atom

hat sieben Ebenen des Seins oder Daseins, wird uns gelehrt; und jede Ebene

wird von ihren specifischen Gesetzen der Evolution und Absorption regiert.

Unbekannt mit irgend welchen,, wenn auch nur approximativen chronologischen

Daten, die als Ausgangspunkte dienen könnten, treiben Astronomen, Geologen

und Physiker bei dem Versuch, das Alter unseres Planeten oder des Beginnes

unseres Sonnensystems zu bestimmen, mit jeder neuen Hypothese weiter und

weiter hinweg von den Ufern der Thatsächlichkeit in die unergründlichen Tiefen

der spekulativen Ontologie. [18] Das Gesetz der Analogie im Bauplane zwischen

den transsolaren Systemen und den solaren Planeten erstreckt sich nicht

notwendigerweise auf die endlichen Bedingungen, denen jeder sichtbare Körper

auf dieser unserer Daseinsebene unterworfen ist. In der occulten Wissenschaft

ist dieses Gesetz der Analogie der erste und wichtigste Schlüssel zur

kosmischen Physik; aber er muß bis in seine kleinsten Einzelheiten studiert und

„siebenmal umgedreht“ werden, bevor man zu ihrem Verständnis gelangt. Die

occulte Philosophie ist die einzige Wissenschaft, die das lehren kann. Wie kann

da einer die Wahrheit oder Unwahrheit des Satzes der Occultisten: „der Kosmos

ist ewig in seiner unbedingten Gesamtheit, und endlich bloß in seinen bedingten

Offenbarungen“ abhängig machen von der einseitigen physikalischen Erklärung,

daß „die Natur notwendigerweise abläuft“? [19]

[18] Die Occultisten jedoch, die das vollste Vertrauen zu ihren eigenen

exakten astronomischen und mathematischen Aufzeichnungen haben,

berechnen das Alter der Menschheit, und behaupten, daß die Menschen (als

getrennte Geschlechter) in dieser Runde gerade seit 18 618 727 Jahren

existieren, wie die brâhminischen Lehren und sogar einige indische Kalender

_73 (2 of 3)21:02:28.Kommentar VI

erklären.

[19] Die Kommentare zu den Strophen werden wieder aufgenommen auf S.

213

_73 (3 of 3)21:02:28.Kommentar VI

EINE ABSCHWEIFUNG.

Mit diesem Verse endet jener Teil der Strophen, der sich auf die Kosmogonie des

Weltalls nach dem letzten Mahâpralaya, oder universaler Auflösung, bezieht, der

bei seinem Eintreten jedes differenzierte Ding aus dem Raume hinausfegt, Götter

so gut wie Atome, wie ebensoviele dürre Blätter. Von diesem Verse an haben die

Strophen bloß mit unserm Sonnensystem im allgemeinen, mit den

Planetenketten darin schlußfolgerungsweise, und mit der Geschichte unseres

Globus (des Vierten und seiner Kette) speciell zu thun. Alle Verse, die in diesem

Bande noch folgen, beziehen sich bloß auf die Entwicklung von und auf unserer

Erde. In Bezug auf letztere wird ein seltsamer Satz – seltsam natürlich nur vom

modernen wissenschaftlichen Standpunkt aus – behauptet, der mitgeteilt werden

soll.

Aber bevor dem Leser gänzlich neue und einigermaßen überraschende Theorien

vorgesetzt werden, müssen wir dieselben mit ein paar erklärenden Worten

einleiten. Dies ist unbedingt notwendig, da diese Theorieen nicht nur mit der

modernen Wissenschaft in Widerspruch stehen, sondern auch in gewissen

Punkten früheren Behauptungen [20] anderer Theosophen widersprechen,

welche für ihre Erklärungen und Wiedergaben dieser Lehren dieselbe Autorität

als Gewähr angeben, wie wir.

Dies kann die Idee hervorrufen, dass zwischen den Auslegern einer und

derselben Lehre ein ausgesprochener Widerspruch bestehe; während der

Unterschied in Wirklichkeit in der Unvollständigkeit der Mitteilungen seinen Grund

hat, die den früheren Schreibern gegeben wurden, welche nun in ihrem

Bemühen, dem Publikum ein vollständiges System vorzulegen, einige irrtümliche

Schlussfolgerungen zogen und verfrühten Spekulationen sich hingaben. So darf

der Leser, der bereits ein Schüler der Theosophie ist, nicht überrascht sein, in

diesen Blättern die Richtigstellung gewisser Behauptungen zu finden, die in

verschiedenen theosophischen Werken gemacht worden sind, und ebenso die

Erklärung gewisser Punkte, die dunkel geblieben waren, weil sie

notwendigerweise unvollständig gelassen wurden. Zahlreich sind die Fragen, die

selbst der Verfasser von Geheimbuddhismus, dem besten und genauesten von

allen diesen Werken, nicht berührt hat.

Anderseits hat selbst er verschiedene falsch aufgefasste Begriffe eingeführt, die

jetzt in ihrem wahren mystischen Lichte dargestellt werden müssen, soweit die

gegenwärtige Schreiberin dies zu thun im stande ist.

_75 (1 of 2)21:02:28.Kommentar VI

Lassen wir daher eine kurze Unterbrechung eintreten zwischen den soeben

erklärten Versen und den folgenden, denn die kosmischen Perioden, welche sie

trennen, sind von unermeßlicher Dauer. Dies wird uns genügend Zeit geben,

einen Blick aus der Vogelschau auf einige der Geheimlehre angehörenden

Punkte zu werfen, welche der Öffentlichkeit in einer mehr oder weniger

ungewissen und manchmal mißverstandenen Beleuchtung vorgeführt worden

sind.

[20] In Esoteric Buddhism und Man: Fragments of Forgotten History.

_75 (2 of 2)21:02:28.Kommentar VI

EIN PAAR FRÜHERE MISSVERSTÄNDNISSE BETREFFEND PLANETEN, RUNDEN UND MENSCHEN.

Unter den elf ausgelassenen Strophen ist eine, die eine vollständige Beschreibung giebt von der Bildung der

Planetenketten, einer nach der andern, nachdem die erste kosmische und atomistische Differentiation in dem

ursprünglichen Akosmismus begonnen hatte. Es ist müßig, von „Gesetzen, die erwachen, wenn die Gottheit

Anstalten trifft, zu schaffen“ zu sprechen, denn „Gesetze“, oder vielmehr das Gesetz, sind ewig und unerschaffen;

und hinwiederum ist die Gottheit das Gesetz und umgekehrt. Weiter entfaltet das eine ewige Gesetz alles in der

(zukünftigen) geoffenbarten Natur nach einem siebenfältigen Prinzip; unter anderm die zahllosen zirkularen

Weltenketten, zusammengesetzt aus sieben Globen, abgestuft auf den vier niederen Ebenen der Formenwelt,

während die drei andern dem archetypischen Universum angehören. Von diesen sieben ist bloß einer, der

niederste und materiellste von diesen Globen, innerhalb unserer Ebene oder Wahrnehmungsfähigkeit, während

die sechs andern außerhalb derselben liegen und daher für das irdische Auge unsichtbar sind.

Jede solche Weltenkette ist die Nachkommenschaft und das Erzeugnis einer anderen, niederen, und toten Kette

·        ihre Reinkarnation, sozusagen, Um es klarer zu machen: das wird uns gesagt, daß jeder der Planeten – von

denen bloß sieben heilige genannt wurden, weil sie von den höchsten Regenten oder Göttern beherrscht werden,

und durchaus nicht deshalb, weil die Alten nichts von den andern wußten [21] - einerlei, ob bekannt oder

unbekannt, eine Siebenheit ist, ebenso wie die Kette, der die Erde angehört. Zum Beispiel sind alle solche

Planeten, wie Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, etc., etc., oder unsere Erde ebenso sichtbar für uns, wie

unsere Kugel wahrscheinlich für die Bewohner, wenn es solche giebt, der andern Planeten es ist, weil sie alle auf

derselben Ebene sind; während die oberen Mitgloben aller dieser Planeten auf andern Ebenen ganz außerhalb

jener unserer irdischen Sinne sind. Da ihre relativen Positionen weiter unten gegeben sind, und auch in dem

Diagramm, das den Kommentaren zu Vers 6 von Strophe VI beigegeben ist, so sind ein paar erklärende Worte

alles, was gegenwärtig notwendig ist. Die unsichtbaren Begleiter entsprechen merkwürdigerweise dem, was wir

die „Prinzipien“ im Menschen nennen. Die sieben befinden sich auf drei materiellen Ebenen und einer geistigen

Ebene, und entsprechen den drei Upâdhis (materiellen Grundlagen) und einem geistigen Vehikel (Vâhana) von

unsern sieben Prinzipien in der menschlichen Einteilung. Wenn wir uns, zum Zwecke klarerer innerer Auffassung,

die menschlichen Prinzipien nach dem folgenden Schema angeordnet vorstellen, erhalten wir das hier beigefügte

Diagramm von Entsprechungen:

DIAGRAMM I

_76 (1 of 2)21:02:29.Kommentar VI

Da wir hier vom Allgemeinen zum Besonderen fortzuschreiten, anstatt die induktive oder aristotelische Methode

anzuwenden, so sind die Zahlen verkehrt. Geist ist an erster Stelle aufgezählt, statt wie es in der Regel geschieht,

aber in Wahrheit nicht geschehen sollte, an siebenter.

[21] In den geheimen Büchern werden viel mehr Planeten aufgezählt, als in modernen astronomischen

Werken.

_76 (2 of 2)21:02:29.Kommentar VI

Die Prinzipien, wie sie gewöhnlich nach dem Vorgange von Esoteric Buddhism

und anderen Werken benannt werden, sind: 1. Âtmâ; 2. Buddhi (Geistseele); 3.

Manas (Menschenseele); 4. Kâma Rûpa (Vehikel der Begierden und

Leidenschaften); 5. Prâna; 6. Linga Sharîra; 7. Sthûla Sharîra.

Die dunklen Horizontallinien der niederen Ebenen sind die Upâdhis in dem Falle

der menschlichen Prinzipien, und die Ebenen im Falle der Planetenkette.

Natürlich stellt in Bezug auf die menschlichen Prinzipien das Diagramm

dieselben nicht ganz ordnungsgemäß auf, doch zeigt es die Entsprechung und

Analogie, auf die hiermit aufmerksam gemacht wird. Wie der Leser sehen wird,

ist es ein Fall von Herabsteigen in die Materie, die Anpassung – sowohl im

mystischen als im physischen Sinn – der beiden, und ihre Vermischung für den

großen zukünftigen „Kampf ums Dasein“, der die beiden Wesenheiten erwartet.

„Wesenheit“ mag als ein sonderbarer Ausdruck erscheinen, wenn er für einen

Globus gebraucht wird, aber die alten Philosophen, die in der Erde ein mächtiges

„Tier“ sahen, waren in ihrer Generation weiser als unsere modernen Geologen in

der ihren; und Plinius, der die Erde unsere gütige Amme und Mutter nannte, das

einzige Element, das dem Menschen nicht feindlich ist, sprach wahrer als Watts,

der in seiner Phantasie in ihr den Fußschemel Gottes sah. Denn die Erde ist bloß

der Fußschemel des Menschen für sein Aufsteigen zu höheren Regionen; der

Vorhof –

 . zu

erhabnen Hallen,

Durch den die Menge

wogend stets sich

drängt.

Aber das zeigt nur, wie wunderbar die occulte Philosophie allen Dingen in der

Natur gerecht wird, und um wie viel logischer ihre Lehrsätze sind als die

lebenslosen, hypothetischen Spekulationen der Naturwissenschaft.

Wenn der Mystiker so viel gelernt hat, wird er besser vorbereitet sein, die occulte

Lehre zu verstehen, obwohl sie jeder akademische Jünger der modernen

Wissenschaft für abgeschmakten Unsinn halten mag und wahrscheinlich auch

halten wird. Der Schüler des Occultismus aber hält dafür, dass die gegenwärtig

diskutierte Theorie viel philosophischer und wahrscheinlicher ist als irgend eine

andere. Sie ist auf jeden Fall logischer als die neulich aufgestellte Theorie, die

aus dem Mond einen ausgeworfenen Teil unserer Erde machte, der ausgestoßen

wurde, als die letztere ein flüssiger Weltkörper, eine geschmolzene, bildsame

_77 (1 of 2)21:02:29.Kommentar VI

Masse war.

Herr Samuel Laing, der Verfasser von Modern Science and Modern Thought,

sagt:

Die astronomischen Schlussfolgerungen sind Theorien, die auf derart

unsicheren Daten basiert sind, dass sie einerseits in einigen Fällen

unglaublich kurze Resultate geben, wie 15 Millionen Jahre für den ganzen

abgelaufenen Bildungsprozeß des Sonnensystems, und in anderen wieder

fast unglaublich lange, wie im Falle der Annahme, daß der Mond

weggeschleudert wurde, als die Erde eine Rotationszeit von drei Stunden

hatte, während die höchste thatsächliche Verlangsamung, die sich aus den

Beobachtungen ableiten lässt, 600 Millionen Jahre erfordern würde, um für sie

eine Rotation von dreiundzwanzig Stunden statt der von vierundzwanzig zu

bekommen. [22]

Und wenn die Physiker auf solchen Spekulationen beharren, warum soll die

Chronologie der Inder als übertrieben verlacht werden?

[22] P. 48.

_77 (2 of 2)21:02:29.Kommentar VI

Es wird ferner gesagt, saß die Planetenketten ihre Tage und ihre Nächte haben –

d. h. Perioden von Aktivität oder Leben, und von Unthätigkeit oder Tod – und sich

am Himmel so verhalten wie die Menschen auf Erden: sie erzeugen

ihresgleichen, altern und erlöschen als Persönlichkeiten, während bloß ihre

geistigen Prinzipien in ihrer Nachkommenschaft als ihr überlebender Teil

fortleben.

Auch ohne die sehr schwierige Arbeit zu versuchen, den ganzen Prozeß in allen

seinen kosmischen Einzelheiten zu veröffentlichen, kann genug gesagt werden,

um eine beiläufige Idee davon zu geben. Wenn eine Planetenkette in ihrer letzten

Runde ist, so sendet ihre Kugel A, bevor sie schließlich ausstribt, alle ihre

Energie und ihre Prinzipe in ein neutrales Centrum latenter Kraft, in ein

Layacentrum, und beseelt damit einen neuen Kern von undifferenzierter

Substanz oder Materie, d. h. ruft ihn zu Aktivität und giebt ihm Leben. Nehmen

wir an, ein solcher Prozeß habe in der lunaren Planetenkette stattgefunden;

nehmen wir noch des Beweises halber an – obwohl die unten citierte Theorie

Herrn Darwins in letzter Zeit umgestürzt worden ist, wenn auch die Thatsache

noch keine Bekräftigung durch mathematischen Kalkül erfahren hat – dass der

Mond viel älter ist als die Erde. Man stelle sich die sechs Mitgloben des Mondes

vor – Äonen früher, bevor der erste von unsern sieben Globen evolviert worden

war – genau in derselben gegenseitigen Lage, wie sie die Mitgloben unserer

Kette jetzt in Bezug auf unserer Erde einnehmen. [23]

Es wird nunmehr leicht sein, sich weiter vorzustellen, dass Kugel A der

Mondkette Kugel A der Erdkette beseelt und – stirbt; daß die nächste Kugel B

der ersten ihre Energie Kugel B der neuen Kette zusendet; daß sodann Kugel C

der lunaren ihre Tochtersphäre C der terristrischen Kette erzeugt; daß dann der

Mond (unser Satellit) in die niedrigste Kugel unserer Planetenkette – Kugel D,

unsere Erde – all sein Leben, seine Energie und seine Kräfte ausströmt; und

nachdem er sie in ein neues Centrum übertragen hat, thatsächlich ein toter

Planet wird, in welchem seit der Geburt unseres Globus die Rotation nahezu

aufgehört hat.

Der Mond ist unleugbar der Satellit unserer Erde; aber das entkräftet nicht die

Theorie, daß er der Erde alles bis auf seinen Leichnam gegeben hat. Damit sich

Darwins Theorie bewähre, mußten außer der bereits umgestürzten Hypothese

andere noch ungereimtere Spekulationen ersonnen werden. Der Mond, heißt es,

hat sich nahezu sechsmal schneller abgekühlt als die Erde. [24] „Wenn die Erde

14 000 000 Jahre alt ist, seit ihrer Verkrustung, so isst der Mond nur elf und zwei

_79 (1 of 3)21:02:30.Kommentar VI

drittel Millionen Jahre alt seit diesem Zustand „etc. Und wenn unser Mond

einfach von unserer Erde weggespritzt ist, warum kann keine ähnliche

Schlussfolgerung für die Monde der andern Planeten aufgestellt werden? Die

Astronomen „wissen es nicht“. Warum sollen Venus und Merkur keine Trabanten

haben, und wodurch wurden sie, wenn sie existieren, gebildet? Die Astronomen

wissen es nicht, weil, sagen wir, die Wissenschaft nur einen Schlüssel besitzt,

um die Geheimnisse der Natur zu eröffnen – den Schlüssel der Materie; während

die occulte Philosophie sieben Schlüssel hat und das erklärt, was die

Wissenschaft zu sehen verfehlt. Merkur und Venus haben keine Satelliten, aber

sie hatten „Eltern“ geradeso wie die Erde.

Beide sind viel älter als die Erde, und bevor die letztere ihre siebente Runde

erreicht, wird ihre Mutter, der Mond, sich in dünne Luft aufgelöst haben, wie es

mit den Monden der andern Planeten geschehen ist, oder nicht geschehen ist, je

nachdem, da es Planeten giebt, die mehrere Monde haben – wieder ein Rätsel,

das kein Ödipus der Astronomie gelöst hat.

Der Mond ist jetzt der erkaltete, übriggebliebene Rest, der Schatten, der dem

neuen Körper nachgezogen wird, in welchen seine lebenden Kräfte und

Prinzipien übergeleitet worden sind. Er ist verdammt, durch lange Zeitalter immer

die Erde zu verfolgen, von seinem Sprossen angezogen zu werden und ihn

anzuziehen. Beständig vampirisiert von seinem Kind, rächt er sich dadurch an

ihm, dass er es durch und durch mit dem verderblichen, unsichtbaren und

vergifteten Einflusse durchtränkt, der von der occulten Seite seiner Natur

ausstrahlt. Denn er ist ein toter, aber doch ein lebender Körper. Die Teilchen

seines zerfallenden Körpers sind voll aktiven und destruktiven Lebens, obwohl

der Körper, den sie gebildet hatten, seelenlos und leblos ist. Daher sind seine

Ausstrahlungen gleichzeitig wohlthätig und verderbenbringend – ein Umstand,

der seine Parallele auf Erden darin findet, dass Gras und Pflanzen nirgends

saftiger und üppiger sind, als auf Gräbern, während zu gleicher Zeit die Grabfeld-

oder Leichenausdünstungen tötlich wirken. Und gleich allen Ghûls oder

Vampiren ist der Mond der Freund der Zauberer und der Feind der

Unbedachtsamen. Von den Urvorzeiten der thessalischen Hexen bis zu einigen

der gegenwärtigen Tântrikas von Bengalen waren seine Natur und Eigenschaften

einem jeden Occultisten bekannt, aber sind dem Physiker ein verschlossenes

Buch geblieben.

Also ist der Mond vom astronomischen, geologischen und physikalischen

Standpunkt aus. Was seine metaphysische und psychische Natur anbelangt, so

muß dieselbe in diesem Werke ebenso ein occultes Geheimnis bleiben, wie sie

_79 (2 of 3)21:02:30.Kommentar VI

es in dem Esoteric Buddhism betiteltem Buche geblieben ist, trotz der daselbst

etwas sanguinisch aufgestellten Behauptung: „es ist jetzt nicht mehr viel

Mysteriöses übrig gelassen in dem Rätsel der achten Sphäre“. [25] Es sind das

in der That Gegenstände, „bezüglich derer die Adepten sehr zurückhaltend in

ihren Mitteilungen an uninitiierte Schüler sind“, und nachdem sie obendrein

niemals irgendwelche darüber publizierte Spekulationen sanktioniert oder

gestattet haben, so ist es um so besser, je weniger darüber gesagt wird.

Doch mag es, ohne den verbotenen Boden der „achten Sphäre“ zu betreten, von

Nutzen sein, einige ergänzende Thatsachen betreffs der Ex-Monaden der

Mondkette – der „lunaren Ahnen“ – festzustellen, da diese eine führende Rolle in

der folgenden Anthropogenesis spielen. Dies bringt uns geradenwegs auf die

siebenfältige Konstitution des Menschen; und da vor kurzem einige Diskussion

über die beste zu adoptierende Klassifikation für die Einteilung der

mikrokosmischen Wesenheit entstanden ist, werden hier zwei Systeme beigefügt

mit der Absicht, die Vergleichung zu erleichtern. Die unten beigefügte kurze

Abhandlung stammt aus der Feder des Herrn T. Subba Row, eines gelehrten

Vedântisten. Er zieht die brahmanische Einteilung des Râja Yoga vor, und von

einem metaphysischen Gesichtspunkt aus ist er in vollem Recht. Da es aber eine

Frage einfacher Wahl und Zweckmäßigkeit ist, so halten wir uns in diesem

Werke an die altehrwürdige Klassifikation der transhimâlayischen „Esoterischen

Arhatschule“. Die folgende Tabelle und ihr erklärender Text sind ein Abdruck aus

dem Theosophist, und sind auch in Five Years of Theosophy [26] enthalten.

[23] Siehe, in Geheimbuddhismus, „die Konstitution des Menschen“ und die

„Planetenkette“.

[24] Winchells World-Life.

[25] P. 113 (5te Auflage).

[26] pp. 185-6.

_79 (3 of 3)21:02:30.Kommentar VI

DIE SIEBENFÄLTIGE EINTEILUNG IN VERSCHIEDENEN INDISCHEN

SYSTEMEN.

Wir geben unten in tabellarischer Form die von den Buddhisten und

Vedântalehrern adoptierte Klassifikation der Prinzipien der Menschen.

„ESOTERIC BUDDHISM“ VEDÂNTA TÂRAKA RÂJA YOGA

1. Sthûla Sharîra. Annamayakosha.

[1]

Sthûlopâdhi. [2] 2. Prâna. [3]

Prânamayakosha.

3. Das Vehikel von Prâna.

[4]

4. Kâma Rûpa.

Mânomayakosha.

Sûkshmopâdhi.

5. Gemüt.

(a) Wollen und

Gefühle etc.

(b) Vijnanam. Vijnanamayakosha.

6. Geistige Seele. [5] Ânandamayakosha. Kâranopâdhi.

7. Âtmâ. Âtmâ. Âtmâ.

Aus der voranstehenden Tabelle ist zu sehen, daß das dritte Prinzip in der

buddhistischen Klassifikation in der vedântischen Einteilung nicht getrennt

erwähnt ist, da es bloß das Vehikel von Prâna ist. Man wird auch sehen, daß

das vierte Prinzip in dem dritten Kosha (Gehäuse) eingeschlossen ist, da

_81 (1 of 3)21:02:31.Kommentar VI

dieses Prinzip bloß das Vehikel der Willenskraft ist, welche bloß eine Energie

des Gemütes ist. Es muß ferner beachtet werden, daß der Vijnânamayakosha

als vom Mânomayakosha getrennt betrachtet wird, da eine Teilung geschieht

nach dem Tode zwischen dem niederen Teil des Gemütes, sozusagen,

welcher eine engere Verwandtschaft mit dem vierten Prinzip als mit dem

sechsten und mit seinem höheren Teil hat, welcher sich an das letztere

anschließt, und welcher thatsächlich die Basis für die höhere geistige

Individualität des Menschen ist.

Wir können hier auch unsere Leser darauf aufmerksam machen, daß die in

der letzten Spalte erwähnte Einteilung für alle praktischen Zwecke, welche mit

Râja Yoga zusammenhängen, die beste und einfachste ist. Obwohl sieben

Prinzipien im Menschen sind, giebt es doch bloß drei verschiedene Upâdhis

(Grundlagen), in deren jedem sein Âtmâ unabhängig von den übrigen zu

wirken vermag.

Diese drei Upâdhis können von einem Adepten getrennt werden, ohne sich

selbst zu töten.

Die sieben Prinzipien kann er nicht voneinander trennen, ohne seine

Konstitution zu zerstören.

Der Schüler wird jetzt besser darauf vorbereitet sein, einzusehen, daß zwischen

den drei Upâdhis des Râja Yoga und dessen Âtmâ, und unsern drei Upâdhis,

Âtmâ und den weiteren drei Abteilungen in Wirklichkeit nur sehr wenig

Unterschied ist. Da obendrein ein jeder Adept im cishimâlayischen wie im

transhimâlayischen Indien, von der Patanjali -, der Âryâsanga – oder der

Mahâyâna-Schule, ein Râja Yogi werden muß, so muß er infolgedessen die

Târaka Raja Yoga Einteilung in Prinzip und Theorie annehmen, einerlei welcher

Klassifikation er sich für praktische und occulte Zwecke bedient. So macht es

sehr wenig aus, ob man von den drei Upâdhis mit ihren drei Aspekten und Âtmâ,

der ewigen und unsterblichen Synthese, spricht, oder sie die „Sieben Prinzipien“

nennt.

Zum Nutzen jener, welche die Lehre von den siebenfältigen Weltenketten im

solaren Kosmos nicht gelesen oder, wenn sie sie in den theosophischen

Schriften gelesen haben, dieselbe nicht klar verstanden haben, sei die Lehre im

folgenden kurz zusammengestellt.

1. Alles im metaphysischen sowohl wie im physischen Universum ist siebenfach.

Daher werden jedem siderischen Körper, jedem Planeten, sei er sichtbar oder

unsichtbar, sechs begleitende Globen zugeschrieben. Die Evolution des Lebens

_81 (2 of 3)21:02:31.Kommentar VI

schreitet auf diesen sieben Globen oder Körpern vor, vom ersten bis zum

siebenten, in sieben Runden oder Cyklen.

2. Diese Globen werden durch einen Prozeß gebildet, den die Occultisten die

„Wiedergeburt einer Planetenkette (oder Ringes)“ nennen. Wenn die siebente

und letzte Runde eines solchen Ringes eingetreten ist, so beginnt der höchste

oder erste Globus, A, gefolgt von allen übrigen bis hinab zum letzten, statt in eine

gewisse Periode der Ruhe – oder „Verdunkelung“, wie in den früheren Runden –

einzutreten, auszusterben. Die planetarische Auflösung (Pralaya) ist nahe und

ihre Stunde hat geschlagen; jeder Globus hat sein Leben und seine Energie auf

einen andern Planeten zu übertragen. [27]

3. Unsere Erde als die sichtbare Repräsentantin ihrer unsichtbaren höheren

Mitgloben, ihrer „Herren“ und „Prinzipien“, hat, ebenso wie die andern, durch

sieben Runden zu leben. Während der ersten drei bildet und konsolidiert sie sich;

während der vierten gewinnt sie Festigkeit und verhärtet; während der letzten

drei kehrt sie stufenweise in ihre erste ätherische Form zurück: sie wird

sozusagen vergeistigt.

[1] Kosha ist wörtlich „Gehäuse“, das Gehäuse des Prinzipes.

[2] Sthûla-upâdhi, oder Basis des Prinzipes.

[3] Leben.

[4] Der Astralkörper, oder Linga Sharîra.

[5] Buddhi.

[27] Siehe Diagramm II, p. 195.

_81 (3 of 3)21:02:31.Kommentar VI

4. Ihre Menschheit entwickelt sich vollständig erst in der vierten – unserer

gegenwärtigen Runde. Bis zu diesem vierten Lebenscyklus wird sie bloß in

Ermanglung eines angemesseneren Ausdruckes als „Menschheit“ bezeichnet.

Gleich der Raupe, die zur Puppe und zum Schmetterling wird, geht während der

ersten Runde der Mensch, oder vielmehr das, was zum Menschen wird, durch

alle Formen und Reiche; und während der zwei folgenden Runden durch alle

menschlichen Gestalten hindurch. Angelangt auf unserer Erde mit dem Beginne

der vierten, ist in der gegenwärtigen Reihe von Lebenscyklen und Rassen der

Mensch die erste Form, die auf derselben erscheint, indem ihm bloß das

Mineralreich und das Pflanzenreich vorausgehen – ja auch das letztere hat seine

weitere Evolution durch den Menschen zu entwickeln und fortzusetzen. Dies wird

in Band II erklärt werden. Während der drei zukünftigen Runden wird die

Menschheit, wie der Globus, auf dem sie lebt, immer dahin streben, ihre

ursprüngliche Form wieder anzunehmen, die einer Dhyân Chohanischen Schar.

Der Mensch strebt, ein Gott und dann – Gott zu werden, so wie jedes andere

Atom in Weltall.

Bereits mit dem Anbeginne der zweiten Runde schreitet die Evolution auf einem

ganz verschiedenen Wege vorwärts. Nur während der ersten Runde geschieht

es, dass der (himmlische) Mensch ein menschliches Wesen auf Kugel A wird,

(wiederum wird) ein Mineral, eine Pflanze, ein Tier, auf Kugel B und C, etc. Der

Vorgang ändert sich gänzlich von der zweiten Runde an; aber Sie haben Klugheit

gelernt und ich rate Ihnen, nichts zu sagen, bevor die Zeit, es zu sagen,

gekommen ist [28]

5. Jeder Lebenscyklus auf Kugel D (unserer Erde) [29] ist zusammengesetzt aus

sieben Wurzelrassen. Sie beginnen mit der ätherischen und enden mit der

geistigen, auf der doppelten Reihe der physischen und moralischen Evolution –

vom Anfange der irdischen Runde an bis zu ihrem Schlusse. Die eine ist eine

„planetarische Runde“ von Kugel A bis zu Kugel G, der siebenten; die andere die

„Globusrunde“, oder die irdische.

Dies ist sehr gut beschrieben im Geheimbuddhismus, und braucht gegenwärtig

keine weitere Erläuterung.

6. Die erste Wurzelrasse, d. i. die ersten „Menschen“ auf Erden (abgesehen von

der Form) waren die Nachkommen der „himmlischen Menschen“, mit Recht in

der indischen Philosophie die „Mondvorväter“ oder die Pitris genannt, deren es

sieben Klassen oder Hierarchieen giebt. Da alles dieses in den folgenden

_83 (1 of 3)21:02:31.Kommentar VI

Abteilungen und in Band II genügend erklärt werden wird, so braucht davon hier

nicht mehr gesagt zu werden.

Aber die zwei bereits erwähnten Werke, die beide über Gegenstände aus der

occulten Lehre handeln, bedürfen einer besonderen Bemerkung. Esoteric

Buddhism ist in theosophischen Kreisen und selbst der äußeren Welt viel zu wohl

bekannt, als daß es notwenig wäre, des langen auf deine Verdienste hier

einzugehen. Es ist ein ausgezeichnetes Buch, und hat noch Ausgezeichneteres

geleistet. Aber das ändert nichts an der Thatsache, daß es einige Leser dazu

verleitet hat, sich eine falsche Vorstellung von der östlichen Geheimlehre zu

bilden. Weiter scheint es vielleicht ein bißchen zu materialistisch zu sein.

Man, welches später kam, war ein Versuch, die archaische Lehre von einem

mehr idealen Standpunkt aus darzustellen, einige Visionen in und aus dem

Astrallicht zu übersetzen, und einige Lehren, die teilweise aus den Gedanken

eines Meisters gesammelt, aber unglücklicherweise mißverstanden worden

waren, wiederzugeben. Dieses Werk spricht auch von der Evolution der ersten

Menschenrassen auf Erden, und enthält einige ausgezeichnete Blätter

philosophischen Charakters. Aber so weit ist es bloß ein interessanter kleiner

mystischer Roman. Er hat seine Bestimmung nicht erfüllt, weil die Bedingungen,

die zu einer richtigen Übersetzung solcher Visionen erforderlich sind, nicht

gegeben waren. Der Leser darf sich daher nicht wundern, wenn unsere Bände

diesen früheren Beschreibungen in verschiedenen Einzelheiten widersprechen.

Esoterische Kosmogonie im allgemeinen, und die Entwicklung der menschlichen

Monade im besonderen sind so wesentlich verschieden in diesen zwei Büchern,

und in anderen theosophischen Werken, die unabhängig von Anfängern

geschrieben worden sind, daß es unmöglich ist, in dem gegenwärtigen Werke

fortzufahren, ohne diese zwei früheren Bände speziell zu erwähnen, denn beide

haben eine Anzahl von Bewunderern – insbesondere Geheimbuddhismus. Die

Zeit für die Erklärung einiger in dieser Richtung gelegenen Dinge ist gekommen.

Missverständnissen ist nun durch die ursprünglichen Lehren Einhalt zu thun und

sind sie richtigzustellen. Wenn das eine der genannten Werke eine allzu

ausgesprochene Vorliebe für die materialistische Wissenschaft hat, so ist das

andere entschieden zu idealistisch und zeitweilig phantastisch.

Aus der – für westliches Denken ziemlich unverständlichen – Lehre, die von den

periodischen Verdunkelungen und aufeinanderfolgenden Runden der Globen

entlang ihrer kreisartigen Ketten handelt, wurden die ersten Verlegenheiten und

Missverständnisse geboren. Ein solches bezieht sich auf die „Fünft“- und sogar

„Sechstrunder“. Jene, welche wußten, daß einer Runde ein langer Pralaya

vorausgeht und nachfolgt, eine Ruhepause, welche einen unüberschreitbaren

Abgrund zwischen zwei Runden schafft, so lange, bis die Zeit für einen erneuten

_83 (2 of 3)21:02:31.Kommentar VI

Lebenscyklus kommt, konnten den „Trugschluß“, von „Fünft- und Sechst-Rundern“

in unserer vierten Runde zu sprechen, nicht verstehen. Gautama

Buddha – daran wurde festgehalten – war ein „Sechstrunder“, Plato und einige

andere große Philosophen und Denker waren „Fünftrunder“. Wie kann das sein?

Ein Meister lehrte und bestätigte, dass es selbst jetzt solche „Fünftrunder“ auf der

Erde gebe; und obwohl verstanden war, daß die Menschheit noch in der vierten

Runde sei, schien er doch an einer anderen Stelle zu sagen, daß wir in der

fünften wären. Auf das wurde von einem anderen Lehrer eine „apokalyptische

Antwort“ gegeben: „Ein paar Regentropfen machen keinen Monsun, obwohl sie

ihn verkünden“ . „Nein, wir sind nicht in der fünften Runde, aber Fünftrunder

sind hereingekommen seit den letzten paar Jahrtausenden.“

Das war ärger als das Rätsel der Sphinx!

[28] Auszug aus den Briefen des Lehrers über verschiedene Gegenstände.

[29] Wir haben mit den anderen Globen in diesem Werke nicht anders als

gelegentlich zu thun.

_83 (3 of 3)21:02:31.Kommentar VI

Schüler des Occultismus zwangen ihre Gehirne zur wildesten Spekulationsarbeit.

Eine beträchtliche Zeit hindurch versuchten sie, den Ödipus zu übertrumpfen und

die beiden Behauptungen in Übereinstimmung zu bringen.

Und da die Meister schweigend blieben wie die steinerne Sphinx selbst, wo

wurden sie der „Inkonsequenz“, des „Widerspruchs“ und der „Diskrepanz“

beschuldigt. Aber sie ließen einfach die Spekulationen ihren Fortgang haben, in

der Absicht, eine Lektion zu erteilen, die das westliche Denken gewaltig braucht.

In ihrem Dünkel und Anmaßung, und in ihrer Gewohnheit, jede metaphysische

Idee und Bezeichnung zu materialisieren, ohne irgendwelchen Spielraum für

östliche Metapher oder Allegorie zu gestatten, hatten die Orientalisten Wirrwarr

aus der indischen exoterischen Philosophie gemacht, und das Gleiche thaten

nun mit Bezug auf esoterische Lehren die Theosophen. Es ist einleuchtend, daß

die letzteren bis heute gänzlich verfehlten, die Bedeutung des Ausdruckes „Fünft-

und Sechstrunder“ zu verstehen. Aber sie ist einfach folgende: jede Runde

bewirkt eine neue Entwicklung, und sogar einen vollständigen Wechsel in der

intellektuellen, psychischen, geistigen und physischen Konstitution des

Menschen; alle diese Prinzipien entwickeln sich nach einer beständig

ansteigenden Stufenleiter.

Daraus folgt, daß jene Personen, die, wie Confucius und Plato, psychisch,

intellektuell und geistig den höheren Ebenen der Evolution angehörten, in

unserer vierten Runde so waren wie der durchschnittliche Mensch in der fünften

Runde sein wird, deren Menschheit dazu bestimmt ist, sich auf dieser

Stufenleiter der Entwicklung unermesslich höher zu befinden, als unsere

derzeitige Menschheit ist. Ähnlich war Gautama Buddha – die inkarnierte

Weisheit – noch höher und größer als alle die Menschen, die wir als sogenannte

„Fünftrunder“ erwähnt haben, und so werden Buddha und Shankarâchârya

allegorisch als „Sechstrunder“ bezeichnet. Somit ist wiederum verborgene

Weisheit in der Bemerkung, die damals als „ausweichend“ bezeichnet wurde, -

„ein paar Regentropfen machen noch keinen Monsun, obwohl sie ihn verkünden“.

Und nun wird die Wahrheit von folgender Bemerkung, in Esoteric Buddhism,

ganz augenscheinlich sein:

Es ist unmöglich, die verwickelten Thatsachen einer gänzlich fremden

Wissenschaft, wenn sie dem ungeübten Verstande zum ersten Male vorgelegt

werden, mit all ihren eigentümlichen Einschränkungen und regelwidrigen

Entwickelungen vorzubringen . Wir müssen uns begnügen, vorerst die

allgemeinen Regeln zu fassen und von den Ausnahmen später zu handeln,

und insbesondere ist das der Fall bei einem Studium, bei dem die mit ihm in

Zusammenhang stehenden, allgemein befolgten traditionellen Lehrmethoden

_85 (1 of 2)21:02:32.Kommentar VI

darnach sterben, jede neue Idee dem Gedächtnisse durch Hervorrufung von

Verwirrung einzuprägen, der zum Schlusse abgeholfen wird.

Da der Verfasser dieser Bemerkung selbst, wie er sagt, ein „ungeübter Verstand“

für den Occultismus war, so führten ihn seine eigenen Schlüsse, und seine

bessere Bekanntheit mit den modernen astronomischen Spekulationen als mit

den archaischen Lehren ganz naturgemäß und ihm selbst unbewußt dahin,

einige Mißverständnisse mehr von Einzelheiten als von irgend einer „allgemeinen

Regel“ zu begehen. Ein solches soll nun betrachtet werden.

Es ist eine Kleinigkeit, doch ist es darnach angethan, manchen Anfänger zu

falschen Vorstellungen zu verleiten. Da aber die missverstandenen Gedanken

der früheren Auflagen in den Anmerkungen zur fünften Auflage verbessert

wurden, so kann die sechste durchgesehen und vervollkommnet sein. Es waren

verschiedene Gründe für solche Mißverständnisse. Sie waren veranlaßt durch

die Zwangslage, in der sich die Lehrer befanden, Antworten geben zu müssen,

die dann als „ausweichend“ angesehen wurden, nachdem die Fragen zu

hartnäckig gestellt wurden, als daß man sie hätte unbeachtet lassen können,

während sie andererseits nur teilweise beantwortet werden konnten. Trotz dieser

Lage wurde das Geständnis, daß „ein halber Laib besser ist als gar kein Brot“ nur

zu oft mißverstanden, und schwerlich so gewürdigt, wie es hätte geschehen

sollen. Ein Resultat davon war, dass manchmal seitens der europäischen

Laienchelas willkürlichen Spekulationen gehuldigt wurde. Unter diesen waren

das „Geheimnis der achten Sphäre“ in ihrer Beziehung zum Mond, und die

irrtümliche Behauptung, dass zwei der oberen Globen der Erdkette zwei von

unseren wohlbekannten Planeten seien: „außer der Erde giebt es nur zwei

andere Welten unserer Kette, welche sichtbar sind . Mars und

Merkur .“ [30]

[30] Esoteric Buddhism, p. 136.

_85 (2 of 2)21:02:32.Kommentar VI

Als das gegenwärtige Werk begonnen wurde, wandte sich die Schreiberin in der sicheren

Voraussetzung, daß die Spekulation über Mars und Merkur ein Mißverständnis war, brieflich an die

Lehrer um Aufklärung und eine maßgebende Angabe. Beides kam zu rechter Zeit, und wörtliche

Auszüge daraus sind hier gegeben.

„. Es ist vollkommen richtig, daß Mars sich gegenwärtig in einem Zustand von Verdunkelung

befindet, und Merkur eben beginnt, daraus hervorzugehen. Sie können hinzufügen, dass Venus in

ihrer letzten Runde ist . Wenn weder Merkur noch Venus Monde haben, so kommt das daher .

und auch, weil Mars zwei Monde hat, auf die er kein Recht hat . Phobos, der vermutete „innere“

Satellit, ist überhaupt kein Satellit. Somit stimmen die alte Bemerkung von Laplace und die jetzige von

Faye nicht überein, wie Sie sehen. (Lesen Sie „Comptes Rendus“, T. XC, p. 569.) Phobos hält eine zu

kurze Periode ein, und es muß daher ‘irgend ein Mangel in der Grundidee dieser Theorie liegen’, wie

Faye richtig bemerkt . Hinwiederum sind beide (Mars und Merkur) siebenfältige Ketten, ebenso

unabhängig von den siderischen Herren und Oberen der Erde, wie Sie unabhängig sind von den

„Prinzipien“ des Däumling (Tom Thumb) – die vielleicht seine sechs Brüder waren, mit oder ohne

Nachtmützen . ‘Befriedigung der Neugierde ist für manche Menschen das Ende der Erkenntnis’

sagte Bacon, welcher ebenso Recht hatte, diesen Gemeinplatz als selbstverständlich anzunehmen,

als jene, die vor ihm damit vertraut waren, Recht hatten, die WEISHEIT von der Kenntnis abzuzäunen,

und Grenzen festzustellen für das, was auf einmal hinausgegeben werden soll. Bedenken Sie:

 .

Kenntnis weilt

In Köpfen voll

Gedanken

anderer,

Weisheit im

Herzen, das

den eignen

lauscht.

„Sie können das niemals zu tief den Gemütern jener einprägen, denen sie etwas von den

esoterischen Lehren beibringen.“

Hier sind weitere Auszüge aus einem anderen, von derselben Autorität geschriebenen, Briefe.

Diesmal ist es zur Antwort auf einige Einwendungen, die den Lehrern vorgelegt wurden. Sie beruhen

auf äußerst wissenschaftlichen, und ebenso nichtigen, Schlussfolgerungen über die Ratsamkeit des

Versuches, die esoterischen Theorieen mit den Spekulationen der modernen Wissenschaft zu

vereinbaren, und waren geschrieben von einem jungen Theosophen als eine Warnung gegen die

„Geheimlehre“ und mit Bezugnahme auf denselben Gegenstand. Er hatte erklärt, daß, wenn es solche

_89 (1 of 3)21:02:32.Kommentar VI

Miterden gebe, „so könnten sie nur ein kleines Bißchen weniger materiell sein als unsere Kugel.“ Wie

kam es dann, daß man sie nicht sehen konnte? Die Antwort war:

„. Würden psychische und geistige Lehren vollständiger verstanden, so würde es nahezu

unmöglich, eine solche Widersinnigkeit sich auch nur vorzustellen. So lange man sich nicht weniger

Mühe giebt, das Unvereinbare zu vereinbaren – das heißt, die metaphysischen und geistigen

Wissenschaften mit der Physik oder Naturwissenschaft, wobei „Natur“ für sie (die Männer der

Wissenschaft) ein Synonym von jener Materie ist, die in die Wahrnehmung ihrer körperlichen Sinne

fällt – ist kein Fortschritt wirklich zu erreichen. Unser Globus ist, wie vom Anfang an gelehrt wurde,

am Grunde des herabsteigenden Bogens, wo die Materie unserer Wahrnehmungen sich in ihrer

gröbsten Form darstellt Daher ist es nur vernunftgemäß, daß die Globen, welche unsere Erde

überschatten, auf verschiedenen und höheren Ebenen sein müssen. Kurz gesagt, als Globen sind sie

in Vereinigung zu einer Masse, aber nicht in Wesenseinheit mit unserer Erde, und gehören somit

einem ganz andern Bewußtseinszustand an. Unser Planet ist, wie alle, die wir sehen, dem

besonderen Zustande seines Menschengeschlechtes angepaßt, dem Zustande, welcher uns

befähigt, mit bloßem Auge die Himmelskörper zu sehen, welche mit unserer irdischen Ebene und

Substanz gleichwesentlich sind, geradeso wie ihre beziehungsweisen Bewohner, die Jovianer,

Martianer und anderen, unsere Kleine Welt wahrnehmen können, weil unsere Bewußtseinsebenen,

zwar dem Grade nach verschieden, aber der Art nach gleich, in derselben Schichte der differenzierten

Materie liegen .Was ich schrieb, war: ‘Der kleinere Pralaya betrifft bloß unsere kleinen Schnüre

von Globen. (Wir nannten Ketten „Schnüre“ in jenen Tagen der Sprachenverwirrung.) Zu einer

solchen Schnur gehört unsere Erde.’ Dies hätte klar zeigen sollen, dass die anderen Planeten auch

„Schnüre“ oder KETTEN sind Wenn er (nämlich der Opponent) auch nur einen schwachen

Schattenriß eines solchen „Planeten“ auf einer höheren Ebene wahrnehmen will, so muß er vor allem

die dünnen Wolken von Astralmaterie, die zwischen ihm und der nächsten Ebene stehen, abwerfen.“

So wird offenbar, wieso wir, selbst mit Hilfe unserer besten Teleskope, das, was außerhalb unserer

materiellen Welt liegt, nicht wahrnehmen können. Jene allein, die wir Adepten nennen, die wissen, wie

sie ihren geistigen Blick zu dirigieren und ihr Bewusstsein – sowohl physisch als psychisch – auf

andere Daseinsebenen zu übertragen haben, sind im stande, maßgebend über solche Dinge zu

sprechen. Und sie sagen uns verständlich:

„Führe das Leben, welches notwendig ist zur Erlangung solcher Erkenntnis und Kräfte, und Weisheit

wird naturgemäß zu dir kommen. Wenn immer du fähig bist, dein Bewußtsein mit einer der sieben

Saiten des „universalen Bewußtseins“ harmonisch zu stimmen, mit jenen Saiten, die über das

Schallbrett des Kosmos laufen, schwingend von einer Ewigkeit zur anderen; wenn du vollkommen die

„Harmonie der Sphären“ studiert hast, dann erst wirst du volle Freiheit haben, dein Wissen mit jenen

zu teilen, bei denen es mit Sicherheit geschehen kann.

Unterdessen sei klug.

Gieb nicht die großen Wahrheiten, die das Erbteil der Rassen der Zukunft sind, unserer jetzigen

Generation.

_89 (2 of 3)21:02:32.Kommentar VI

Versuche nicht, das Geheimnis von Sein und Nichtsein vor jenen zu entschleiern, die unfähig sind, die

verborgene Bedeutung zu sehen von Apollos Heptachord, der Leier des strahlenden Gottes, die in

jeder einzelnen von ihren sieben Saiten Geist, Seele und Astralkörper des Kosmos wohnen hat, deren

Schale allein in die Hände der modernen Wissenschaft gefallen ist . Sei klug, sagen wir, klug und

weise, und vor allem trage Sorge um das, woran jene, die von dir lernen, glauben; damit sie nicht,

indem sie sich selbst täuschen, andere täuschen, . denn also ist das Schicksal einer jeden

Wahrheit, mit der die Menschen noch nicht vertraut sind . Lieber lasse die Planetenketten und

andere über- und unterkosmische Geheimnisse ein Traumland bleiben für jene, welche weder sehen

können, noch glauben, daß andere es können.“

Es ist zu bedauern, daß nur wenige von uns diesen weisen Rat befolgt haben, und daß so manche

unschätzbare Perle, so manches Juwel der Weisheit, einem Feinde hingeworfen worden ist, der,

unfähig, dessen Wert zu verstehen, sich abgewendet und uns zerrissen hat.

„Stellen wir uns vor“ – schrieb derselbe Meister an seine beiden „Laienchelâs“, wie er den Verfasser

von „Geheimbuddhismus“ und noch einen anderen Herrn, der für einige Zeit dessen Mitschüler war,

nannte, stellen wir uns vor, dass unsere Erde einer aus einer Gruppe von sieben Planeten oder

menschentragenden Welten ist (Die ‘sieben Planeten’ sind die heiligen Planeten des Altertums

und sind alle siebenfach.) Nun erreicht der Lebensimpuls A, oder vielmehr das, was bestimmt ist, A zu

werden, und das bis dahin nichts ist als kosmischer Staub (ein Layacentrum) .“ etc.

In diesen ersten Briefen, in welchen Bezeichnungen erfunden und Worte geprägt werden mußten,

werden die „Ringe“ sehr oft zu „Runden“ und die „Runden“ zu „Lebenscyklen“ und umgekehrt.

Einem Korrespondenten, der eine „Runde“ einen „Weltring“ nannte, schrieb der Lehrer: „Ich glaube,

das wird zu einer weiteren Verwirrung führen. Wir sind übereingekommen, den Durchgang einer

Monade von Kugel A zu Kugel G oder Z eine Runde zu nennen Der „Weltring“ ist korrekt .

Raten Sie Herrn dringend, erst über eine Nomenklatur ins Reine zu kommen, bevor er irgendwie

weiter geht.“

_89 (3 of 3)21:02:32.Kommentar VI

Trotz dieser Übereinkunft schlichen sich zahlreiche Missverständnisse infolge

dieser Verwirrung in die ersten Lehren. Selbst die „Rassen“ wurden gelegentlich

mit den „Runden“ und „Ringen“ vermengt, und führten zu ähnlichen Mißgriffen in

Mensch: Bruchstücke von vergessener Wahrheit. Vom Anbeginn hatte der

Meister geschrieben:

„Da mir nicht gestattet ist, Ihnen die ganze Wahrheit zu geben oder die Zahl von

isolierten Fraktionen zu veröffentlichen bin ich nicht im stande, Sie zu

befriedigen.“

Das war in Beantwortung der Fragen: „Wenn wir recht verstehen, so ist die

Gesamtexistenz vor der Menschenperiode 637,“ etc., etc. Auf alle Fragen

betreffend Zahlen war die Antwort: „Versuchen Sie das Problem von 777

Inkarnationen zu lösen . Obwohl ich verpflichtet bin, die Information

vorzuenthalten, .so wird es doch, wenn sie das Problem selbst ausarbeiten

sollten, meine Pflicht sein, es Ihnen zu sagen.“

Aber es wurde niemals ausgearbeitet, und die Resultate waren – unaufhörliche

Verwirrung und Mißverständnisse. Selbst die Lehre von der siebenfältigen

Konstitution der Himmelskörper und des Makrokosmos – aus der die

siebenfältige Einteilung des Mikrokosmos oder Menschen entspringt – ist bis jetzt

eine der alleresoterischesten gewesen. In alten Zeiten wurde sie gewöhnlich bloß

bei der Initiation zugleich mit den heiligsten Zahlen der Cyklen mitgeteilt. Nun ist,

wie in einer der theosophischen Zeitschriften [31] festgestellt wurde, die

Enthüllung des ganzen Systems der Kosmogonie nicht ins Auge gefaßt, ja sogar

nicht einen Augenblick für möglich gehalten worden, zu einer Zeit, als ein paar

Bruchstücke von Information sparsam hinausgegeben wurden, als Antwort auf

Briefe, die vom Verfasser von Esoteric Buddhism geschrieben waren, in welchen

derselbe eine Menge Fragen stellte. Darunter waren Fragen über solche

Probleme, daß kein MEISTER, wie hoch und unabhängig er auch sein möge, das

Recht hätte, zu antworten und damit der Welt die altehrwürdigsten und

archaischesten Geheimnisse der alten Tempelkollegien zu enthüllen.

Daher wurden nur ein paar Lehren in breiten Umrissen veröffentlicht, während

Einzelnheiten beharrlich vorenthalten blieben, und alle Anstrengungen, die

gemacht wurden, um mehr Aufschluß darüber herauszulocken, wurden

systematisch vom Anbeginn vereitelt. Das war vollkommen natürlich. Von den

vier Vidyâs, aus den sieben Erkenntniszweigen, die in den Purânen erwähnt sind

·        nämlich: Yajna Vidyâ, die Vollziehung religiöser Zeremonieen in der Absicht,

gewisse Resultate hervorzubringen; Mahâ Vidyâ, die große (magische) Kenntnis,

die jetzt zu Tântrikadienst herabgesunken ist; Guhya Vidyâ, die Wissenschaft

von den Mantras und ihrem richtigen Rhythmus oder Singweise, von mystischen

_91 (1 of 2)21:02:33.Kommentar VI

Beschwörungen, etc.; Âtmâ Vidyâ, oder die wahre geistige und göttliche Weisheit

·        ist es bloß die letztere, die ein endgültiges und absolutes Licht auf die Lehren

der drei zuerst genannten werfen kann. Ohne die Hilfe von Âtmâ Vidyâ bleiben

die anderen drei nichts Besseres als oberflächliche Wissenschaften,

geometrische Größen, die Länge und Breite, aber keine Dicke haben. Sie sind

wie Seele, Glieder und Gemüt eines schlafenden Menschen, fähig mechanischer

Bewegungen, chaotischer Träume und selbst des Schlafwandelns, des

Hervorbringens sichtbarer Wirkungen, aber bloß angetrieben von instinktiven,

nicht von intellektuellen Ursachen, am allerwenigsten von voll bewußten

geistigen Impulsen. Ein guter Teil der drei zuerst genannten Wissenschaften

kann veröffentlicht und erklärt werden. Aber wenn nicht durch Âtmâ Vidyâ der

Schlüssel zu ihren Lehren geliefert wird, werden sie für immer wie die Fragmente

eines verstümmelten Textbuches bleiben, wie die Schatten großer Wahrheiten,

undeutlich wahrgenommen von den allergeistigsten, aber aus allen Verhältnissen

verzerrt durch jene, welche jeden Schatten an die Wand nageln möchten.

[31] Lucifer, May, 1888.

_91 (2 of 2)21:02:33.Kommentar VI

Dann wurde wieder eine große Verwirrung in den Gemütern der Schüler

hervorgerufen durch die unvollständige Darlegung der Lehre von der Evolution

der Monaden. Um vollständig realisiert zu werden, müssen sowohl dieser

Prozeß wie der der Geburt der Globen viel mehr von ihrem metaphysischen

aspekt aus untersucht werden, als von dem, was man einen statistischen

Standpunkt nennen könnte, welcher Figuren und Zahlen in sich begreift, deren

weiter Gebrauch selten gestattet wird. Unglücklicherweise sind es nur wenige,

die geneigt sind, diese Lehren bloß metaphysisch zu behandeln. Selbst der beste

der westlichen Schriftsteller auf dem Gebiete unserer Lehre erklärt in seinem

Werke, wo er von der Evolution der Monaden spricht, daß „wir uns auf reine

Metaphysik der Art jetzt nicht einlassen.“ [32] Und in einem solchen Falle, wie der

Lehrer in einem Briefe an ihn bemerkt: „Wozu dieses Predigen unserer Lehren,

all dieses Berganklimmen und Gegenstromschwimmen? Wozu soll der

Westen lernen vom Osten das, was niemals den Anforderungen der

speziellen Geschmacksrichtungen der Ästhetik entsprechen kann? Und er lenkt

die Aufmerksamkeit seines Korrespondenten „auf die schrecklichen

Schwierigkeiten, auf die wir (die Adepten) bei jedem Versuche stoßen, den wir

machen, um unsere Metaphysik dem westlichen Denken zu erklären.“

Und da mag er wohl; denn außerhalb der Metaphysik ist keine occulte

Philosophie, keine Esoterik möglich. Es ist das gerade so, als wollte man

versuchen, Sehnsucht und Neigung, Liebe und Haß, das verborgenste und

heiligste Wirken in Seele und Gemüt eines lebenden Menschen durch

anatomische Beschreibung des Brustkastens und Gehirnes seines toten Körpers

zu erklären.

Laßt uns nun zwei Sätze untersuchen, die oben erwähnt, aber im

Geheimbuddhismus kaum gestreift wurden, und sie, soweit es in unserer Macht

liegt, ergänzen.

[32] Esoteric Buddhism (5th ed.), p. 46.

_93a21:02:34.Kommentar VI

ERGÄNZENDE THATSACHEN UND ERKLÄRUNGEN BETREFFS DER GLOBEN

UND DER MONADEN.

Zwei Behauptungen, die in dem oben genannten Werke gemacht sind, müssen

beachtet und die Ansichten des Verfassers angeführt werden. Die erste lautet

wie folgt:

Die geistigen Monaden vollenden nicht vollständig ihre mineralischen

Existenz auf Kugel A, vollenden sie dann auf Kugel B, und so fort. Sie

durchlaufen mehreremal den ganzen Kreislauf als Minerale, und dann wieder

mehreremal herum als Pflanzen, und mehreremal als Tiere. Wir unterlassen

es für diesmal absichtlich, auf Zahlen einzugehen, u.s.w., u.s.w. [33]

Das war weise, diesen Weg einzuschlagen, angesichts der großen

Zurückhaltung, die in Bezug auf Figuren und Zahlen bewahrt wurde. Diese

Verschwiegenheit ist jetzt teilweise verlassen worden; aber es wäre vielleicht

besser gewesen, wenn die richtigen Zahlen in Bezug auf die Runden und

Entwicklungskreisläufe damals entweder vollständig veröffentlicht oder gänzlich

zurückgehalten worden wären. Herr Sinnett begriff diese Schwierigkeit wohl, als

er sagte:

Aus Gründen, die für den Außenstehenden nicht leicht zu erraten sind, geben

die Besitzer des occulten Wissens ganz besonders ungern numerische Daten

in Bezug auf Kosmogonie, obwohl es für den Uninitiierten schwer zu verstehen

ist, warum dieselben zurückgehalten werden sollen. [34]

Daß solche Gründe vorhanden waren, ist einleuchtend. Nichtsdestoweniger sind

dieser Verschwiegenheit die meisten konfusen Ideen einiger östlicher sowohl als

westlicher Schüler zuzuschreiben. Die Schwierigkeiten auf dem Wege zur

Annahme der besonderen in Betracht kommenden Lehrsätze erschienen groß,

gerade wegen des Fehlens aller Daten, auf die man sich hätte stützen können.

Aber das war es eben. Denn, wie die Meister oft erklärt haben, Figuren, die zu

den occulten Berechnungen gehören, können nicht gegeben werden – außerhalb

des Kreises der verpflichteten Chelâs, und selbst diese können die Regeln nicht

brechen.

Um die Dinge klarer zu machen, kann, ohne die mathematischen Aspekte der

Lehre zu berühren, der gegebene Unterricht erweitert und können einige dunkle

punkte aufgehellt werden. Da die Entwicklung der Globen und die der Monaden

so eng verknüpft sind, wollen wir aus den beiden Lehren eine einzige machen.

_93b (1 of 2)21:02:34.Kommentar VI

In Bezug auf die Monaden wird der Leser ersucht, sich vor Augen zu halten, daß

die östliche Philosophie das westliche theologische Dogma von einer für jedes

neugeborene Kind neu geschaffenen Seele verwirft, da es ebenso

unphilosophisch als in der Ökonomie der Natur unmöglich ist. Es muß eine

begrenzte Anzahl von Monaden sein, die sich entwickeln und zu immer größerer

Vollkommenheit heranwachsen, indem sie in jedem neuen Manvantara viele

aufeinanderfolgende Persönlichkeiten sich assimilieren. Das ist unbedingt

notwendig angesichts der Lehren von Wiedergeburt und Karma, und der

stufenweisen Rückkehr der menschlichen Monade zu ihrer Quelle – der

absoluten Gottheit. Somit sind die Scharen der mehr oder weniger

vorgeschrittenen Monaden zwar fast unberechenbar, aber doch endlich, wie alles

in diesem Weltall der Differentation und Endlichkeit.

Wie in dem doppelten Diagramm der menschlichen Prinzipien und der

aufsteigenden Globen der Weltenketten [35] gezeigt ist, besteht eine ewige

Verkettung con Ursachen und Wirkungen, und eine vollkommene Analogie,

welche durch alle Linien der Evolution hindurchläuft und sie miteinander

verbindet. Eins erzeugt das andere – Globen wie Persönlichkeiten. Aber fangen

wir beim Anfange an.

Der allgemeine Umriß des Prozesses, durch den die aufeinanderfolgenden

Planetenketten gebildet werden, ist soeben gegeben worden. Um zukünftigen

Missverständnissen vorzubeugen, sollen einige weitere Einzelnheiten gebracht

werden, die auch Licht auf die Geschichte der Menschheit auf unserer eigenen

Kette, der Nachkommenschaft von der des Mondes, werfen wird.

[33] Op. cit., p.49.

[34] Op. cit., p.140.

[35] Oben p. 177.

_93b (2 of 2)21:02:34.Kommentar VI

In dem gegenüberstehenden Diagramm stellt Fig. 1. die Mondkette von sieben

Globen am Anfang ihrer siebenten oder letzten Runde dar; während Fig. 2. die

zukünftige, aber noch nicht in Existenz getretene Erdkette darstellt. Die sieben

Globen einer jeden Kette sind in ihrer cyklischen Reihenfolge unterschieden

durch die Buchstaben A bis G; die Globen der Erdkette sind ferner bezeichnet

mit einem Kreuze (+), dem Symbol der Erde.

DIAGRAMM II.

Nun muß daran erinnert werden, daß die Monaden in ihrem Kreislauf um irgend

eine siebenfältige Kette sich in sieben Klassen oder Hierarchien teilen, je nach

ihren betreffenden Zuständen von Entwicklung, Bewußtsein und Verdienst.

Verfolgen wir nun die Ordnung ihres Erscheinens auf Kugel A, in der ersten

Runde. Die Zeiträume zwischen den Erscheinungen dieser Hierarchieen auf

irgend einem Globus sind so bemessen, daß, wenn Klasse 7, die letzte, auf

Globus A erscheint, Klasse 1, die erste, gerade auf Globus B übergegangen ist;

und so weiter, Schritt um Schritt, rund um die Kette.

Hinwieder, in der siebenten Runde der Mondkette, wenn Klasse 7, die letzte,

Globus A verläßt, so beginnt dieser Globus, statt in Schlaf zu versinken, wie er

es in früheren Runden gethan, zu sterben (in seinen planetarischen Pralaya

einzugehen); [36] und im Sterben überträgt er der Reihe nach, wie soeben

gesagt, seine Prinzipien, oder Lebenselemente und Energie, etc., eines nach

dem andern, nach einem neuen Layacentrum, welches die Bildung von Globus A

der Erdkette beginnt. Ein ähnlicher Prozeß findet für jeden der Globen der

Mondkette statt, einem nach dem andern, indem jeder einen neuen Globus der

_95 (1 of 3)21:02:35.Kommentar VI

Erdkette bildet.

Unser Mond war der vierte Globus der Reihe, und war auf derselben

Wahrnehmungsebene als unsere Erde. Aber Globus A der Mondkette ist nicht

vollständig „tot“, bevor nicht die ersten Monaden der ersten Klasse von Globus G

oder Z, dem letzten der Mondkette, in das Nirvâna übergegangen sind, welches

sie zwischen den beiden Ketten erwartet; und ähnliches gilt wie gesagt für alle

die anderen Globen, indem ein jeder die Geburt des entsprechenden Globus der

Erdkette veranlaßt.

Ferner, wenn Globus A der neuen Kette fertig ist, so inkarniert sich die erste

Klasse oder Hierarchie von der Mondkette auf ihm in dem niedersten Reiche,

und so weiter der Reihe nach. Das Resultat davon ist, daß bloß die erste Klasse

der Monaden den menschlichen Entwicklungszustand während der ersten Runde

erreicht, indessen die zweite Klasse, auf jedem Globus, welche später ankommt,

nicht Zeit hat, diese Stufe zu erreichen. Somit erreichen die Monaden der Klasse

2 den Anfang der menschlichen Stufe erst in der zweiten Runde, und so fort bis

hinauf zur Mitte der vierten Runde. Aber an diesem Punkt – und in dieser vierten

Runde, in der die menschliche Stufe vollständig entwickelt sein wird – schießt

sich das „Thor“ zum Menschenreich; und von da an ist die Zahl der

„menschlichen“ Monaden, d. h. der Monaden auf der menschlichen Stufe der

Entwicklung abgeschlossen. Denn die Monaden, welche die menschliche Stufe

bis zu diesem Augenblick nicht erreicht haben, werden sich, eben wegen der

Entwicklung der Menschheit selbst, so weit hinten befinden, daß sie die

menschliche stufe erst am Schlusse der siebenten und letzten Runde erreichen

werden. Sie werden daher auf dieser Kette keine Menschen sein, sondern die

Menschheit eines zukünftigen Manvantara bilden, und dadurch belohnt werden,

daß sie „Menschen“ auf einer höheren Kette werden, wodurch sie ihre karmische

Entschädigung erhalten.

Hierin giebt es bloß eine einzige Ausnahme, und zwar aus sehr guten Gründen,

von der wir später sprechen werden.

Das aber erklärt den Unterschied in den Rassen.

Es wird somit klar, wie vollkommen die Analogie zwischen den Naturvorgängen

im Kosmos und im individuellen Menschen ist. Der letztere durchlebt seinen

Lebenscyklus und stirbt. Seine höheren Prinzipien, die in der Entwicklung einer

Planetenkette den ihren Kreislauf durchmachenden Monaden entsprechen,

_95 (2 of 3)21:02:35.Kommentar VI

gehen in Devachan ein, entsprechend dem Nirvâna und den Ruhezuständen, die

zwischen zwei Ketten liegen. Die niederen Prinzipien des Menschen werden mit

der Zeit desintegriert, und von der Natur wiederum zur Bildung neuer

menschlicher Prinzipien verwendet; derselbe Vorgang findet auch statt bei der

Desintegration und Bildung von Welten. Analogie ist somit der sicherste Führer

zum Verständnis der occulten Lehren.

Dies ist eines von den „sieben Geheimnissen“ des Mondes, und es ist jetzt

enthüllt. Die sieben „Geheimnisse“ heißen bei den japanischen Yamabooshis, bei

den Mystikern der Lao-Tzesekte und den asketischen Mönchen von Kioto die

Dzenodoo – die „sieben Juwelen“; nur sind die japanischen und chinesischen

buddhistischen Asketen womöglich noch zurückhaltender, ihr „Wissen“

herauszugeben, als die Hindûs.

[36] Der Occultismus teilt die Perioden der Ruhe (Pralaya) in verschiedene

Gattungen: da ist der individuelle Pralaya eines jeden Globus, wenn

Menschheit und Leben auf den nächsten übergehen – also sieben kleinere

Pralayas in jeder Runde; der planetarische Pralaya, wenn sieben Runden

vollendet sind; der solare Pralaya, wenn das ganze System an seinem Ende

steht; und schließlich der universelle Pralaya, Mahâ oder Brahmâ Pralaya, am

Schlusse eines Zeitalters des Brahmâ. Dies sind die Hauptpralayas oder

„Zerstörungsperioden“. Es giebt noch viele kleinere, aber mit diesen haben wir

uns gegenwärtig nicht zu befassen.

_95 (3 of 3)21:02:35.Kommentar VI

Aber wir dürfen den Leser die Monaden nicht aus den Augen verlieren lassen

und er muß über die Natur derselben aufgeklärt werden, soweit das gestattet ist,

ohne das Gebiet der höchsten Mysterien zu betreten, deren letztes und

endgültiges Wort zu kennen die Schreiberin auf keinerlei Weise behauptet.

Die monadische Schar kann ungefähr in drei große Klassen eingeteilt werden:

1. Die am meisten entwickelten Monaden – die lunaren Götter oder „Geister“, in

Indien die Pitris genannt – deren Beruf es ist, in der ersten Runde den ganzen

dreifachen Cyklus der mineralischen, pflanzlichen und tierischen Reiche in ihren

ätherischesten, dünnsten und rudimentärsten Formen zu durchlaufen, um sich

darin zu kleiden und sich die Natur der neugebildeten Kette zu assimilieren. Sie

sind jene, die zuerst die menschliche Form erreichen – wenn von einer Form im

Gebiete des nahezu Subjektiven die Rede sein kann – auf Kugel A in der ersten

Runde. Sie sind es daher, welche das menschliche Element während der

zweiten und dritten Runde leiten und repräsentieren, und schließlich beim

Beginne der vierten Runde ihre Schatten für die zweite Klasse, oder jene, die

nach ihnen kommen, evolvieren.

2. Jene Monaden, welche die menschliche Stufe zuerst während der

dreiundeinhalb Runden erreichen, und „Menschen“ werden.

3. Die Nachzügler, die Monaden, welche sich verspätet haben, und die wegen

karmischer Hindernisse die menschliche Stufe in diesem Cyklus der Runde

überhaupt nicht erreichen werden, mit einer einzigen Ausnahme, von der

anderwärts die Rede sein wird, wie bereits versprochen.

Wir waren oben gezwungen, das irreführende Wort „Menschen“ zu gebrauchen,

und das ist ein klarer Beweis dafür, wie wenig irgend eine europäische Sprache

geeignet ist, so feine Unterscheidungen auszudrücken.

Es ist einleuchtend, dass diese „Menschen“ nicht den Menschen von heutzutage

glichen, weder an Form noch an Natur. Warum dann, kann gefragt werden, sie

überhaupt „Menschen“ nennen? Weil es in keiner westlichen Sprache einen

anderen Ausdruck giebt, der die beabsichtigte Idee annähernd wiedergiebt. Das

Wort „Menschen“ zeigt wenigstens an, daß diese Wesen „Manus“ waren,

denkende Wesenheiten, wie sehr sie auch an Form und Denkfähigkeit von uns

verschieden waren. Aber in Wirklichkeit waren sie, in Bezug auf Geistigkeit und

Denkfähigkeit vielmehr „Götter“ als „Menschen“.

_97 (1 of 3)21:02:35.Kommentar VI

Dieselbe Sprachschwierigkeit begegnet uns bei der Beschreibung der „Stufen“,

welche die Monade emporsteigt. Metaphysisch gesprochen ist es natürlich eine

Sinnwidrigkeit, von „Entwicklung“ einer Monade zu sprechen, oder zu sagen,

dass sie zum „Menschen“ wird. Aber jeder Versuch, metaphysische Genauigkeit

der Rede einzuhalten, beim Gebrauch einer solchen Sprache, wie der unseren,

würde mindestens drei weitere Bände dieses Werkes notwendig machen, und

würde einen Aufwand von Wortwiederholungen nach sich ziehen, der bis zum

äußersten ermüdend wäre. Es ist einleuchtend, daß eine Monade weder

vorwärtsschreiten noch sich entwickeln, oder auch nur durch die Wechsel der

Zustände, durch die sie hindurchgeht, affiziert werden kann. Sie ist nicht von

dieser Welt oder Ebene, und kann nur einem unzerstörbaren Stern göttlichen

Lichts und Feuers verglichen werden, der auf unsere Erde herabgeworfen ist, als

eine Rettungsplanke für die Persönlichkeiten, in denen er wohnt. Es ist Sache

der letzteren, sich an dieselbe zu klammern, und, also teilnehmend an seiner

göttlichen Natur, Unsterblichkeit zu erlangen. Sich selbst überlassen, wird sich

die Monade an niemanden klammern, sondern, wie die Planke, zu einer anderen

Inkarnation fortgetrieben werden von dem rastlosen Strome der Evolution.

Nun wird die Evolution der äußeren Form, oder des Körpers, um die astrale

herum, durch die irdischen Kräfte bewirkt, ebenso wie es in den niederen

Reichen der Fall ist; aber die Evolution des inneren, oder wirklichen, Menschen

ist rein geistig. Es ist jetzt nicht mehr ein Durchgehen der unpersönlichen

Monade durch viele und verschiedene Formen der Materie – begabt im besten

Falle mit Instinkt und Bewußtsein auf einer ganz anderen Ebene – wie im Falle

der äußeren Evolution, sondern eine Reise der „Pilgerseele“ durch verschiedene

Zustände nicht bloß der Materie, sondern des Selbstbewußtseins und der

Selbstwahrnehmung, oder der Wahrnehmung aus bewußter Auffassung. Die

Monade taucht aus ihrem Zustande geistiger und intellektueller Unbewusstheit

empor; und, die beiden ersten Ebenen – die zu nahe dem Absoluten sind, als

daß sie irgend welche Wechselbeziehung mit etwas auf einer niedrigeren Ebene

zuließen – überspringend, begiebt sie sich direkt auf die Ebene der

Gedankenthätigkeit. Aber es giebt keine Ebene im ganzen Universum mit einem

breiteren Rand – und weiteren Thätigkeitsgebiet, mit solchen fast endlosen

Abstufungen der perzeptiven und apperzeptiven Eigenschaften, als diese

Ebene, die ihrerseits wieder eine angemessene kleinere Ebene für jede „Form“

hat, von der mineralischen Monade aufwärts bis zu der Zeit, wenn diese Monade

durch Entwicklung zur göttlichen Monade erblüht. Aber alle diese Zeit hindurch

ist sie doch eine und dieselbe Monade, deren Unterschiede bloß in ihren

Inkarnationen liegen, während ihrer beständig aufeinanderfolgenden Cyklen von

teilweiser oder gänzlicher Verdunkelung des Geistes, oder teilweiser oder

_97 (2 of 3)21:02:35.Kommentar VI

gänzlicher Verdunkelung des Stoffes – zwei polaren Gegensätzen – je nachdem

sie emporsteigt in die Gebiete innerlicher Spiritualität, oder hinabsteigt in die

Tiefen der Materialität.

Kehren wir zum Esoteric Buddhism zurück. Die zweite Behauptung bezieht sich

auf die enorme Periode, welche zwischen die mineralische Epoche auf Kugel A

und die Menschenepoche zu liegen kommt, wobei der Ausdruck

„Menschenepoche“ verwendet wird, weil es notwendig ist, jenem vierten Reiche,

welches auf das Tierreich folgt, einen Namen zu geben, obwohl in Wahrheit der

Mensch auf Kugel A, während der ersten Runde, kein Mensch, sondern bloß sein

Urbild, oder dimensionsloses Bild, aus den Astralregionen ist. Der Satz lautet

folgendermaßen:

Die volle Entwicklung der mineralischen Epoche auf Kugel A bereitet den Weg

für die vegetabilische Entwicklung, und sobald diese beginnt, strömt der

mineralische Lebensimpuls auf Kugel B über. Sodann, wenn die

vegetabilische Entwicklung auf Kugel A vollendet ist und die animalische

Entwicklung beginnt, so strömt der vegetabilische Lebensimpuls auf Kugel B

über und der mineralische geht auf Kugel C weiter. Schließlich kommt der

menschliche Lebensimpuls nach Kugel A. [37]

Und so geht es weiter durch drei Runden, um sodann nachzulassen, und

schließlich an der Schwelle unserer Kugel, in der vierten Runde, aufzuhören; weil

die menschliche Periode (die des wahren physischen Menschen der Zukunft), die

siebente, jetzt erreicht ist. Das ist klar, denn wie gesagt:

Es giebt Entwicklungsvorgänge, die dem mineralischen Reiche

vorangehen, und so geht eine Woge der Entwicklung, sogar verschiedene

Wogen der Entwicklung, der mineralischen Woge in ihrem Fortschreiten rund

um die Sphären voran. [38]

[37] pp.48, 49.

[38] Ebendaselbst.

_97 (3 of 3)21:02:35.Kommentar VI

Und nun haben wir einen anderen Artikel, „die mineralische Monade“, aus Five

Years of Theosophy zu citieren:

Es giebt sieben Reiche. Die erste Gruppe umfasst drei Stufen von

Elementalen, oder im Entstehen begriffenen Kraftcentren – von der ersten

Stufe der Differentiation von (aus) Mûlaprakriti (oder vielmehr Pradhâna,

ursprünglicher gleichartiger Materie) an bis zum dritten Grade derselben – d.

h. von vollständiger Unbewußtheit bis zum halben Empfindungsvermögen; die

zweite oder höhere Gruppe umfaßt die Reiche vom Pflanzenreiche bis zum

Menschen; das Mineralreich bildet somit den Central- oder Wendepunkt

innerhalb der stufen der „Monadischen Wesenheit“, betrachtet als eine sich

entwickelnde Energie. Drei (subphysische) Stufen auf der elementalen Seite;

das Mineralreich; drei Stufen auf der objektiven physischen [39] Seite – das

sind die (ersten oder vorläufigen) sieben Glieder der Evolutionskette. [40]

„Vorläufig“ heißen sie, weil sie vorbereitend sind; und, obwohl sie thatsächlich

der natürlichen Entwicklung angehören, würden sie korrekter als die

unternatürliche Evolution bezeichnet werden. Dieser Vorgang macht auf seiner

Stufenleiter Halt bei der dritten, an der Schwelle der vierten Stufe, wo er, auf der

Ebene der natürlichen Entwicklung, zum ersten thatsächlich in der Richtung zum

Menschen gelegenen Stadium wird, und somit mit den drei elementalen Reichen

die Zehn, die sephirotische Zahl bildet. An diesem Punkt beginnt:

Ein Herabsteigen des Geistes in die Materie, dem ein Emporsteigen in der

physischen Entwicklung entspricht; ein Wiederaufsteigen aus den tiefsten

Tiefen der Materialität (des Minerals) gegen den status quo ante, mit einer

entsprechenden Verflüchtigung des konkreten Organismus – aufwärts zu

Nirvâna, dem Verschwindungspunkt der differentiierten Materie. [41]

So wird es einleuchtend, warum das, was im Esoteric Buddhism treffend

„Entwicklungswoge“ und „mineralischer, vegetabilischer, animalischer und

Menschen-Impuls“ genannt wird, an der Thüre unseres Globus, bei seinem

vierten Cyklus oder Runde, stille hält. An diesem punkte wird die kosmische

Monade (Buddhi) dem âtmischen Strahle vermählt und zu seinem Vehikel; d. h.

Buddhi wird zu einer bewußten Wahrnehmung von ihm (Âtman) erwachen, und

betritt damit die erste Sprosse einer neuen siebenfältigen Leiter der Evolution,

die sie vielleicht zur zehnten, von der niedrigsten nach aufwärts gezählt, des

sephirotischen Baumes, zur Krone, führen wird.

Alles im Weltall folgt der Analogie. „Wie oben, so unten“; der Mensch ist der

_99 (1 of 3)21:02:36.Kommentar VI

Mikrokosmos des Universums. Was auf der geistigen Ebene stattfindet,

wiederholt sich auf der kosmischen Ebene. Konkretion folgt den Spuren der

Abstraktion; dem Höchsten muß das Niederste entsprechen, das Materielle dem

Geistigen. So entsprechen der sephirotischen Krone, oder oberen Triade, die

drei elementalen Reiche, die dem mineralischen vorhergehen, [42] und welche,

um die Sprache der Kabbalisten zu gebrauchen, in der kosmischen

Differentiation den Welten von Form und Stoff, von der übergeistigen bis zur

urbildlichen, entsprechen.

Das ist nun eine Monade? Und in welcher Beziehung steht sie zu einem Atom?

Die folgende Erklärung beruht auf den Erklärungen, die als Antwort auf diese

Fragen in dem oben citierten Artikel, „die mineralische Monade“, geschrieben von

der Verfasserin, gegeben wurden. Auf die zweite Frage wurde geantwortet:

Durchaus in keiner zu dem Atome oder dem Moleküle, wie es gegenwärtig in

der wissenschaftlichen Vorstellung existiert. Sie kann weder mit den

mikroskopischen Organismen verglichen werden, die einst unter die

polygastrischen Infusorien klassifiziert wurden und jetzt für vegetabilisch

gehalten und unter die Algen gezählt werden; noch ist sie genau die Monas

der Peripatetiker. Physisch oder konstitutionell unterscheidet sich die

mineralische Monade natürlich von der menschlichen Monade, welche nicht

physisch ist, und deren Konstitution durch chemische Symbole und Elemente

nicht dargestellt werden kann. [43]

[39] „Physisch“ bedeutet hier differentiiert für kosmische Zwecke oder Werke;

diese „physische Seite“ ist nichtsdestoweniger, wenn auch objektiv für die

Wahrnehmung von Wesen höherer Ebenen, für uns auf unserer Ebene ganz

subjektiv.

[40] P. 276ff.

[41] Ebendaselbst.

[42] Siehe Diagramm, op. cit., p. 277.

[43] Op. cit., pp. 273-274.

_99 (2 of 3)21:02:36.Kommentar VI

_99 (3 of 3)21:02:36.Kommentar VI

Kurz gesagt, ebenso wie die geistige Monade Eine, universal, grenzenlos und

ungeteilt ist, obwohl ihre Strahlen das bilden, was wir in unserer Unwissenheit die

„individuellen Monaden“ der Menschen nennen, so ist auch die mineralische

Monade – die sich auf der entgegengesetzten Krümmung des Zirkels befindet –

auch Eine, und aus ihr gehen die zahllosen physischen Atome hervor, welche die

Wissenschaft als individualisiert zu betrachten anfängt.

Wie anders könnte man dem evolutionellen und spiralen Fortschritte unserer

vier Reiche gerecht werden und denselben mathematisch erklären? Die

Monade ist die Verbindung der letzten zwei Prinzipien im Menschen, des

sechsten und siebenten, und genau gesprochen bezeichnet der Ausdruck

„menschliche Monade“ bloß die duale Seele (Âtma-Buddhi), nicht allein ihr

höchstes geistiges belebendes Prinzip Âtmâ. Nachdem aber die geistige

Seele, wenn sie von letzterem (Âtmâ) getrennt ist, keine Existenz, kein Sein

haben könnte, so wurde sie also benannt . Nun ist die monadische, oder

vielmehr kosmische Wesenheit, wenn ein solcher Ausdruck im mineralischen,

vegetabilischen und animalischen gestattet ist, obwohl sie durch alle Reihen

der Entwicklung, vom niedersten elementalen bis zum Devareiche, dieselbe

ist, doch dem Maßstabe des Fortschreitens nach verschieden. Es wäre sehr

irreführend, sich eine Monade als eine getrennte Wesenheit vorzustellen, die

sich langsamen Weges auf einem bestimmten Pfade durch die niederen

Reiche dahinschleppt, und nach unermesslichen Reihen von Wandlungen zu

einem menschlichen Wesen erblüht; kurz, dass die Monade eines Humboldt

auf die Monade eines Atoms Hornblende zurückdatiert. Statt zu sagen: eine

„mineralische Monade“, wäre die korrektere Ausdrucksweise der

physikalischen Wissenschaft, die jedes Atom differenziert, natürlich die

gewesen, sie als „die Monade, die sich in jener Form von Prakriti manifestiert,

welche das Mineralreich genannt wird,“ zu bezeichnen.

Das Atom, wie es in der gewöhnlichen wissenschaftlichen Hypothese

dargestellt wird, ist nicht ein Teil eines Etwas, der von einem psychischen

Etwas belebt wird, bestimmt, nach Äonen in einen Menschen

aufzublühen.

Aber es ist eine konkrete Manifestation der universellen Energie, die

selber noch nicht individualisiert worden ist; eine folgemäßige

Manifestation der einen universellen Monade. Der Ocean der Materie teilt

sich nicht in seine möglichen und ihn zusammensetzenden Tropfen,

bevor nicht die Schwingung des Lebensimpulses die Entwicklungsstufe

_01 21:02:37.Kommentar VI

des Menschengeschlechtes erreicht.

Die Neigung zur Trennung in individuelle Monaden nimmt stufenweise zu, und

in den höheren Tieren kommt sie fast zu Ende. Die Peripatetiker wendeten

das Wort Monas auf den ganzen Kosmos an, im pantheistischen Sinne; und

die Occultisten, während sie diese Idee der Bequemlichkeit halber aufnehmen,

unterscheiden die fortschreitenden Stufen der Evolution des Konkreten aus

dem Abstrakten mit Ausdrücken, von denen die „mineralische, vegetabilische,

animalische Monade“ Beispiele sind. Das Wort bedeutet einfach, daß die

Flutwelle geistiger Entwicklung gerade diesen Bogen ihres Umlaufes

durchläuft. Die „monadische Wesenheit“ beginnt sich im Pflanzenreich

unmerklich in der Richtung nach individuellem Bewußtsein zu differenzieren.

Da sie Monaden unzusammengesetzte Dinge sind, wie Leibniz richtig

definierte, so ist es die geistige Wesenheit, die sie in ihren Abstufungen der

Differentiation belebt, wodurch die Monade eigentlich gebildet wird – nicht

durch atomistische Aggregation, welche bloß das Vehikel und die Substanz

ist, durch welche die niederen und höheren Grade von Intelligenz

durchdringen. [44]

Leibniz betrachtete die Monaden als elementare und unzerstörbare Einheiten,

versehen mit der Macht, in bezug auf andere Einheiten zu geben und zu

empfangen, und so alle geistigen und körperlichen Phänomene zu veranlassen.

Er ist es, der den Ausdruck Apperception erfand, der zugleich mit Nerven- (nicht

Perception, sondern vielmehr) Sensation, den monadischen Bewußtseinszustand

durch alle die Reiche hinauf bis zum Menschen bezeichnet.

So mag es falsch sein, nach streng metaphysischen Regeln, Âtmâ-Buddhi eine

Monade zu nennen, da nach materialistischer Betrachtungsweise sie dual und

daher zusammengesetzt ist. Aber sowie Materie Geist ist, und umgekehrt; und

nachdem das Weltall und die dasselbe beseelende Gottheit undenkbar sind als

getrennt von einander; so ist es auch der Fall mit Âtmâ-Buddhi. Die letztere ist

das Vehikel des ersteren, so daß Buddhi im selben Verhältnis zu Âtmâ steht, wie

Adam Kadmon, der kabbalistische Logos, zu Ain Suph, oder Mûlaprakriti zu

Parabrahman.

Und nun noch einige Worte über den Mond.

Was sind, so mag gefragt werden, die „lunaren Monaden“, von denen eben die

Rede war? Die Beschreibung der sieben Klassen der Pitris wird später erfolgen,

aber jetzt mögen einige allgemeine Erklärungen gegeben werden. Es muß

jedermann klar sein, dass sie Monaden sind, welche, nachdem sie ihren

Lebenscyklus auf der Mondkette, die niedriger ist als die Erdkette, beendet

_01 (2 of 4)21:02:37.Kommentar VI

haben, auf der letzteren sich inkarniert haben. Hier hätten wir aber noch einige

weitere Einzelnheiten hinzuzufügen, obwohl sie zu nahe an verbotenes Gebiet

angrenzen, als dass sie vollständig behandelt werden könnten. Das letzte Wort

des Mysteriums wird bloß Adepten mitgeteilt; es kann aber festgestellt werden,

dass unser Satellit bloß der grobe Körper seiner unsichtbaren Prinzipien ist. Wie

wir sehen, dass es sieben Erden giebt, so giebt es auch sieben Monde, von

denen bloß der letzte sichtbar ist; dasselbe gilt von der Sonne, deren sichtbarer

Körper eine Mâyâ genannt wird, eine Reflexion, gerade so wie es der Körper des

Menschen ist. „Die wirkliche Sonne und der wirkliche Mond sind ebenso

unsichtbar wie der wirkliche Mensch“, sagt ein occulter Spruch.

Es mag im Vorbeigehen bemerkt werden, daß nach alledem jene Alten noch so

verrückt waren, die zuerst die Idee von den „sieben Monden“ in Umlauf setzten.

Denn obwohl diese Vorstellung jetzt bloß als ein astronomisches Zeitmaß

betrachtet wird, in einer sehr materialisierten Form, so können doch unter der

Schale liegend noch die Spuren einer tief philosophischen Idee verfolgt werden.

In Wirklichkeit ist der Mond bloß in einer Hinsicht ein Satellit der Erde, nämlich in

der, daß physisch der Mond um die Erde umläuft. Aber in jeder anderen

Beziehung ist es die Erde, die der Satellit des Mondes ist, und nicht umgekehrt.

So verblüffend die Behauptung erscheinen mag, ist sie doch nicht ohne

Bestätigung seitens der Wissenschaft.

Sie wird augenscheinlich gemacht durch die Gezeiten, durch die cyklischen

Wechsel in vielen Krankheitsformen, die mit den Mondphasen zusammenfallen;

sie kann verfolgt werden im Wachstum der Pflanzen, und sie ist sehr

hervortretend in den Erscheinungen der menschlichen Empfängnis und

Schwangerschaft. Die Bedeutung des Mondes und sein Einfluß auf die Erde

wurden in jeder alten Religion anerkannt, insbesondere in der jüdischen, und

wurde von vielen Beobachtern psychischer und physischer Phänomene bemerkt.

Hingegen ist, soweit der Wissenschaft bekannt ist, die Einwirkung der Erde auf

den Mond auf die physische Anziehung beschränkt, die denselben zum

Durchlaufen seiner Bahn zwingt. Und sollte ein Gegner einwenden, daß diese

Thatsache allein genügender Beweis dafür ist, dass der Mond wahrhaftig der

Trabant der Erde auch auf anderen Wirkungsebenen sie, so kann man ihm mit

der Frage entgegnen, ob eine Mutter, die immer um die Wiege ihres Kindes

umhergeht, um über dasselbe Wache zu halten, ihrem Kinde untergeordnet und

von ihm abhängig ist? Obwohl sie in einem Sinn sein Satellit ist, so ist sie doch

sicherlich älter und vollständiger entwickelt, als das Kind, das sie bewacht.

_01 (3 of 4)21:02:37.Kommentar VI

[44] Op. cit., pp. 274-275.

_01 21:02:37.Kommentar VI

Der Mond ist somit, der die größte und wichtigste Rolle spielt, sowohl bei der

Bildung der Erde selbst als bei der Bevölkerung derselben mit menschlichen

Wesen. Die lunaren Monaden, oder Pitris, die Vorfahren des Menschen, werden

in Wirklichkeit zum Menschen selbst. Sie sind die Monaden, die in den Kreislauf

der Entwicklung auf Kugel A eintreten, und die, indem sie die Ketten der Globen

umlaufen, die menschliche Form evolvieren, wie soeben gezeigt wurde. Am

Anfange der menschlichen Stufe der vierten Runde dieses Globus lassen sie aus

den „affengleichen“ Formen, die sie in der dritten Runde evolviert hatten, ihre

astralen Ebenbilder „heraussickern“.

Und diese subtile, feinere Form ist es, die als das Modell dient, um welches die

Natur den physischen Menschen aufbaut. Diese Monaden, oder göttlichen

Funken, sind somit die Mondvorfahren, die Pirtis selbst; denn diese Mondgeister

sind „Menschen“ geworden, damit ihre Monaden eine höhere Ebene von

Thätigkeit und Selbstbewußtsein erlangen mögen, d. i. die Ebene der Mânasa-Putras,

jener, welche die „sinnenlosen“ Schalen, die von den Pitris geschaffen

und beseelt sind, mit „Gemüt“ begaben, in dem letzteren Teile der dritten

Wurzelrasse.

Auf dieselbe Art werden die Monaden, oder Egos, der Menschen, der siebenten

Runde unserer Erde, nachdem unsere eigenen Globen A, B, C, D, etc. mit ihrer

Lebensenergie fortgehend andere Layacentren beseelt und dadurch zum Leben

gerufen haben, bestimmt zu leben und zu handeln auf einer noch höheren

Daseinsebene – auf dieselbe Art werden die Erdvorfahren jene schaffen, welche

höher emporgelangen werden als sie selbst.

Es wird nunmehr klar, daß es in der Natur einen dreifachen Entwicklungsplan für

die Bildung der drei periodischen Upâdhis giebt; oder vielmehr drei verschiedene

Pläne der Evolution, welche in unserem System an jedem Punkte unentwirrbar

verwoben und vermengt sind. Es sind dies die monadische (oder geistige), die

intellektuelle und die physische Evolution. Diese sind die drei endlichen Aspekte,

oder die Reflexionen auf dem Felde der kosmischen Illusion, von Âtmâ, dem

siebenten, der Einen Wirklichkeit.

1. Die Monadische hat, wie der Name in sich schließt, mit dem Wachstum und

der Entwicklung zu noch höheren Phasen der Thätigkeit der Monaden zu thun, in

Vereinigung mit:

2. Der Intellektuellen, repräsentiert durch die Mânasa-Dhyânis (die solaren

_03 (1 of 3)21:02:37.Kommentar VI

Devas, oder die Agnishvatta Pitris), die „Geber von Intelligenz und Bewußtsein“

für den Menschen, und:

3. Der Physischen, repräsentiert durch die Chhâyâs der lunaren Pitris, um

welche die Natur den gegenwärtigen physischen Körper verdichtet hat. Dieser

Körper dient als das Vehikel für das „Wachstum“, um ein irreführendes Wort zu

gebrauchen, und die – durch Manas, und durch die Anhäufung von Erfahrungen

ermöglichten – Umwandlungen des Endlichen in das Unendliche, des

Vergänglichen in das Ewige und Absolute.

Jedes von diesen drei Systemen hat seine eigenen Gesetze, und ist beherrscht

und geleitet von verschiedenen Gruppen der höchsten Dhyânis oder Logoi.

Jedes repräsentiert sich in der Konstitution des Menschen, des Mikrokosmos von

dem großen Makrokosmos; denn die Vereinigung dieser drei Ströme in ihm ist

es, die ihn zu dem zusammengesetzten Wesen macht, das er jetzt ist.

Die Natur, die Kraft der physischen Evolution, hätte niemals ohne Leitung

Intelligenz entwickeln können; sie kann bloß „sennenlose Formen“ erschaffen,

wie ais unserer Anthropogenesis zu ersehen sein wird. Die lunaren Monaden

können nicht vorwärtsschreiten, denn sie haben bisher noch nicht genügende

Berührung mit den von der „Natur“ geschaffenen Formen gehabt, im ihnen das

Ansammeln von Erfahrungen vermittelst derselben zu gestatten. Die Mânasa-Dhyânis

sind es, welche die Kluft ausfüllen, und sie repräsentieren die

evolutionelle Kraft von Intelligenz und Gemüt, dem Bindeglied zwischen Geist

und Stoff – in dieser Runde.

Man muß sich auch vor Augen halten, daß sie Monaden, welche in den

evolutionären Cyklus auf Kugel A eintreten, in der ersten Runde, von sehr

verschiedenem Entwicklungsgrad sind. Dadurch wird die Sache etwas

kompliziert. Wollen wir übersichtlich zusammenfassen.

Die am meisten entwickelten, die lunaren Monaden, erreichen den menschlichen

Keimzustand in der ersten Runde; sie werden irdische, wenn auch sehr

ätherische, menschliche Wesen gegen das Ende der dritten Runde, bleiben auf

dem Globus während der „Verdunklungs“periode, als der Samen für die

zukünftige Menschheit in der vierten Runde, und werden so die Pioniere der

Menschheit am Beginne dieser, der gegenwärtigen vierten Runde. Andere

erreichen die menschliche Stufe erst während späterer Runden, nämlich in der

zweiten, dritten oder in der ersten Hälfte der vierten Runde. Und schließlich

_03 (2 of 3)21:02:37.Kommentar VI

werden die allerverspätetsten – d. i. jene, welche noch nach dem mittleren

Wendepunkt der vierten Runde tierische Formen innehaben – überhaupt nicht

Menschen während dieses Manvantara.

Sie werden zum Rande der Menschheit erst am Schlusse der siebenten Runde

gelangen, um ihrerseits nach dem Pralaya von älteren Pionieren, den Vorfahren

der Menschheit, oder der Samenmenschheit (Shista), nämlich von den

Menschen, welche an der Spitze von allem an der Ende dieser Runden stehen

werden, in eine neue Kette eingeführt zu werden.

Der Schüler braucht schwerlich eine weitere Erklärung betreffs der Rolle, welche

die vierte Kugel und die vierte Runde in dem Plane der Evolution spielt.

_03 (3 of 3)21:02:37.Kommentar VI

Aus den vorhergehenden Diagrammen, welche mutatis mutandis auf Runden,

Globen und Rassen anwendbar sind, wird man sehen, daß das vierte Glied einer

Reihe eine Ausnahmsstellung einnimmt. Ungleich den übrigen, hat die vierte

keine „Schwester“kugel auf derselben Ebene mit ihr selbst, und bildet somit den

Stützpunkt der „Wage“, die durch die ganze Kette repräsentiert ist. Sie ist die

Sphäre öder schließlichen evolutionären Ausgleichungen, die Welt der

karmischen Wage, die Halle der Gerechtigkeit, wo die Bilanz gezogen wird, die

die zukünftige Laufbahn der Monade während des Restes ihrer Inkarnationen in

dem Cyklus bestimmt. Und daher kommt es, dass, nachdem dieser mittlere

Wendepunkt in dem großen Cyklus überschritten ist – d. h. nach dem

Mittelpunkte der vierten Rasse in der vierten Runde unseres Globus – keine

Monaden mehr in das Menschenreich eintreten können. Das Thor ist für diesen

Cyklus geschlossen und die Bilanz gezogen. Denn wäre es anders – wäre für

jedes der zahllosen Milliarden von Menschenwesen, die dahingegangen sind,

eine neue Seele erschaffen worden, und hätte es keine Reinkarnation gegeben –

so würde es in der That schwierig, für die entkörperten „Geister“ Raum zu

beschaffen; noch könnte der Ursprung und die Ursache des Leidens jemals

begründet werden. Die Unkenntnis in Bezug auf die occulten Lehrsätze, und die

Aufzwingung falscher Begriffe unter der Maske religiöser Erziehung waren es,

die den Materialismus und Atheismus als einen Protest gegen die angebliche

göttliche Ordnung der Dinge hervorgerufen haben.

Die einzigen Ausnahmen von der soeben festgestellten Regel bilden die

„stummen Rassen“, deren Monaden bereits auf der menschlichen Stufe stehen,

kraft der Thatsache, daß diese „Tiere“ später kamen als der Mensch und selbst

zur Hälfte von ihm abstammen; ihre letzten Abkömmlinge sind die anthropoiden

und andere Affen. Diese „menschlichen Bilder“ sind in Wahrheit bloß die

verzerrten Kopieen der ersten Menschheit. Doch dem wird im folgenden Bande

volle Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Der Kommentar, in großen Zügen wiedergegeben, sagt:

1. Jedes Atom auf Erden und jeder Punkt (Atom) im Raume strebt in seinem

Drängen nach Selbst-Bildung dem Vorbild zu folgen, dass ihm im „himmlischen

Menschen“ vorgestellt ist . Seine (des Atoms) Involution und Evolution, sein

äußeres und inneres Wachsen und Sichentwickeln, haben alle ein und dasselbe

Ziel – den Menschen; den Menschen, als die höchste physische und letzte Form

auf dieser Erde; die „Monade“, in ihrer absoluten Totalität und erwachten Zustand

·        als den Gipfelpunkt der göttlichen Inkarnationen auf Erden.

_05 (1 of 3)21:02:38.Kommentar VI

2. Die Dhyânis (Pitris) sind jene, welche ihr Bhûta (ihre Abbilder) aus sich selbst

entwickelt haben, welches Rûpa (Form) das Vehikel von Monaden (siebenten

und sechsten Prinzipien) geworden ist, welche ihren Wanderungskreislauf in den

drei vorhergehenden Kalpas (Runden) vollendet haben. Dann wurden sie (die

astralen Abbilder) die Menschen der ersten menschlichen Rasse der Runde.

Aber sie waren noch nicht vollständig, und waren sinnenlos.

Dies wird im folgenden erklärt werden. Indessen hat der Mensch – oder vielmehr

seine Monade auf Erden vom ersten Anfange dieser Runde an existiert. Aber, bis

herauf zu unserer eigenen fünften Rasse, haben sie äußeren Gestalten, welche

jene göttlichen astralen Abbilder bedeckten, sich mit jeder Unterrasse geändert

und konsolidiert; die Form und der körperliche Aufbau der Fauna änderten sich

zur selben Zeit, da sie den immer wechselnden Lebensbedingungen auf dieser

Kugel angepaßt werden mußten, während der geologischen Perioden ihres

Bildungscyklus. Und so werden sie fortfahren, sich mit jeder Wurzelrasse zu

ändern, und mit jeder Haupt-Unterrasse, hinab bis zur letzten von der siebenten

in dieser Runde.

3. Der innere, jetzt verborgene, Mensch war damals (im Anbeginn) der äußere

Mensch. Die Nachkommenschaft der Dhyânis (Pitris), war er „der Sohn, der

seinem Vater gleicht.“

Wie Lotus, dessen äußere Gestalt stufenweise die Form des in ihm selbst

befindlichen Vorbildes annimmt, so entwickelte sich die Form des Menschen im

Beginne von innen nach außen.

Nach dem Cyklus, in welchem der Mensch begann, seine art nach der Weise des

gegenwärtigen Tierreiches fortzupflanzen, geschah das Umgekehrte.

Der menschliche Fötus durchläuft jetzt in seinen Umwandlungen alle Formen,

welche das körperliche Gerüst des Menschen durch die drei Kalpas (Runden)

annahm, während der versuchsweisen Anstrengungen nach plastischer

Gestaltung, durch sinnenlose, weil unvollkommene, Materie, rund um die

Monade auf ihren blinden Wanderungen. Im gegenwärtigen Zeitalter ist der

körperliche Embryo eine Pflanze, ein Reptil, ein Tier, bevor er schließlich zum

Menschen wird, der seinerseits in sich selbst sein eigenes ätherisches Gegenbild

entwickelt.

Im Anbeginn war es dieses Gegenbild (der Astralmensch), welches, weil

sinnenlos, in die Maschen der Materie verwickelt wurde.

Aber dieser „Mensch“ gehört der vierten Runde an. Wie gezeigt, hatte die

Monade während der drei vorhergehenden Runden jede Übergangsform durch

jedes Naturreich durchlaufen, durchreist und war darin eingekerkert gewesen.

Aber die Monade, welche menschlich wird, ist nicht der Mensch. In dieser Runde

·        mit Ausnahme der höchsten auf den Menschen folgenden Säugetiere, der

_05 (2 of 3)21:02:38.Kommentar VI

Anthropoiden, die bestimmt sind, in dieser unserer Rasse auszusterben, wo dann

ihre Monaden befreit und in die astralen menschlichen Formen, oder die

höchsten Elementale der sechsten und siebenten Rasse übergehen werden, und

hierauf in die niedersten menschlichen Formen der fünften Runde – werden

keine Einheiten irgend eines der Reiche weiter von Monaden belebt, die

bestimmt sind, auf ihrer nächsten Stufe menschlich zu werden, sondern bloß von

den niederen Elementalen ihrer entsprechenden Reiche. Diese „Elementale“

werden ihrerseits menschliche Monaden werden erst nach dem nächsten großen

planetarischen Manvantara.

_05 (3 of 3)21:02:38.Kommentar VI

Thatsächlich inkarnierte die letzte menschliche Monade sich vor dem Beginne

der fünften Wurzelrasse. Die Natur wiederholt sich niemals; daher haben die

Anthropoiden unserer Zeit niemals existiert seit der Mitte der Miocänperiode, wo

sie, wie alle Mischrassen, anfingen, eine Neigung zu zeigen, die im Verlaufe der

Zeit immer ausgeprägter wurde, zum Typus ihres ersten Ahnen, des riesenhaften

schwarzen und gelben Lemuro-Atlantiers, zurückkehren. Das „fehlende Glied“ zu

suchen, ist nutzlos.

Für die Gelehrten des Schlusses der sechsten Wurzelrasse, in Millionen und

Millionen von Jahren von jetzt ab, werden unsere modernen Rassen, oder

vielmehr deren Fossilien als solche von kleinen unbedeutenden Affen erscheinen

·        als eine erloschene Species des Genus Homo.

So bilden die Anthropoiden eine Ausnahme, weil sie von der Natur nicht

beabsichtigt waren, sondern unmittelbar Produkt und Schöpfung des

„unvernünftigen“ Menschen sind. Die Hindûs schreiben den Affen göttliche

Abstammung zu, weil die Menschen der dritten Rasse Götter von einer anderen

Ebene waren, welche zu „unvernünftigen“ Sterblichen geworden waren. Dieser

Gegenstand wurde bereits in Isis Unveiled vor zwölf Jahren berührt, so klar, als

es damals möglich war. Der Leser wird dort auf die Brâhmanen verwiesen, falls

er die Ursache der Achtung, die dieselben für die Affen hegen, wissen möchte.

Er (der Leser) würde vielleicht lernen – wenn anders der Brâhmane ihn einer

Erklärung für würdig erachtet – daß der Hindû im Affen nur das sieht, was er

nach Manus Wunsch sehen sollte: die Umwandlung von Arten, die mit der der

Menschenfamilie am direktesten verknüpft sind – einen Bastardzweig, der

dem eigenen Stamm vor der schließlichen Vollendung des letzteren

aufgepropft wurde. Er würde ferner lernen, daß in den Augen den gebildeten

„Heiden“ der geistige oder innere Mensch ein Ding ist, und sein irdischer

körperlicher Sarg ein anderes.

Jene physische Natur, jene große Zusammensetzung von Korrelationen

physischer Kräfte, die immer in der Richtung nach Vollendung dahinschleicht,

muß sich mit dem zur Verfügung stehenden Material behelfen; sie modelt und

modelt um im Weiterschreiten, und indem sie im Menschen den Höhepunkt

ihres Wirkens vollendet, bietet sie ihn allein als ein geeignetes Tabernakel für

die Überschattung des göttlichen Geistes. [45]

Ferner wird ein deutsches wissenschaftliches Werk in einer Fußnote auf

derselben Seite erwähnt. Dieselbe besagt:

Ein hannoverscher Gelehrter hat neulich ein Werk unter dem Titel: Über die

_07 (1 of 3)21:02:39.Kommentar VI

Auflösung der Arten durch natürliche Zuchtwahl veröffentlicht, in welchem er

mit großem Scharfsinn zeigt, daß Darwin vollständig im Irrtum war, als er den

Menschen auf den Affen zurückführte. Im Gegenteil, er behauptet, dass der

Affe es war, der sich aus dem Menschen entwickelte.

Er zeigt, daß im Anbeginne die Menschheit moralisch und physisch Typus und

Vorbild unserer gegenwärtigen Rasse und unserer Menschenwürde war,

durch ihre Formenschönheit, Regelmäßigkeit der Gestalt, Entwicklung des

Schädels, Adel der Gefühle, Heroismus der Impulse, Erhabenheit der idealen

Begriffe. Das ist eine rein brâhminische, buddhistische und kabbalistische

Lehre. Sein Buch ist reichlich illustriert mit Diagrammen, Tafeln, etc. Es

behauptet, dass die stufenweise moralische und physische Erniedrigung und

Abnahme des Menschen leicht durch die ethnonogischen Umwandlungen bis

auf unsere Zeit herab verfolgt werden kann. Und, wie ein Teil bereits zu Affen

degeneriert ist, so werden den Kulturmenschen von heutzutage schließlich,

unter der Wirkung des unentrinnbaren Gesetzes der Notwendigkeit, eben

solche Abkömmlinge folgen. Wenn wir die Zukunft nach der wirklichen

Gegenwart beurteilen, so erscheint es sicherlich als möglich, daß eine derart

ungeistige und materialistische Rasse eher als Simia enden wird denn als

Seraph.

Obwohl aber die Affen vom Menschen abstammen, so ist es doch sicherlich nicht

der Fall, daß die menschliche Monade, welche einmal die Höhe der Menschheit

erreicht hat, jemals wieder in Form eines Tieres sich verkörpert.

Der Cyklus der „Metempsychose“ ist für die menschliche Monade geschlossen,

denn wir sind in der vierten Runde und der fünften Wurzelrasse. Der Leser wird

sich vor Augen zu halten haben – auf jeden Fall ein solcher, der sich mit dem

Geheimbuddhismus bekannt gemacht hat – daß die Strophen, welche in diesem

und im nächsten Bande folgen, bloß von der Entwicklung in unserer vierten

Runde sprechen. Die letztere ist der Cyklus des Wendepunktes, nach welchem

die Materie, die ihre untersten Tiefen erreicht hat, anfängt, nach aufwärts zu

streben und vergeistigt zu werden, mit jeder neuen Rasse und mit jedem frischen

Cyklus. Der Schüler möge sich daher in acht nehmen und nicht dort einen

Widerspruch sehen, wo keiner ist, denn in Esoteric Buddhism wird von Runden

im allgemeinen gesprochen, während hier bloß die vierte, oder unsere

gegenwärtige Runde gemeint ist. Damals war es das Werk der Formung; jetzt ist

es das der Wiederformung und Vervollkommnung durch Entwicklung.

_07 (2 of 3)21:02:39.Kommentar VI

[45] II. 278-279.

_07 (3 of 3)21:02:39.Kommentar VI

Zum Schlusse müssen wir, um diese Abschweifung bezüglich verschiedener,

aber unumgänglicher, Missverständnisse zum Abschluß zu bringen, uns auf eine

Behauptung in Esoteric Buddhism beziehen, die einen sehr verhängnisvollen

Eindruck auf die Ansichten vieler Theosophen hervorgebracht hat. Ein

unglücklicher Satz aus dem eben erwähnten Werke wird beständig vorgebracht,

um den Materialismus der Lehre zu beweisen. Der Verfasser sagt in Bezug auf

den Fortschritt der Organismen auf den Globen:

Das Mineralreich wird nicht mehr das Pflanzenreich entwickeln als die

Erde fähig war, den Menschen aus den Affen zu entwickeln, bevor sie einen

Impuls empfing. [46]

Ob dieser Satz den Gedanken des Verfassers buchstäblich wiedergiebt, oder ob

er einfach, wie wir es glauben, ein lapsus calami ist, mag eine offene Frage

bleiben.

Wir haben wirklich mit Verwunderung die Thatsache wahrgenommen, daß

Esoteric Buddhism von einigen Theosophen so wenig verstanden wurde, daß sie

durch ihn zu dem Glauben verführt wurden, daß er durchaus die darwinistische

Evolution unterstütze, und insbesondere die Theorie von der Abstammung des

Menschen von einem pithekoiden Ahnen. So schreibt ein Mitglied: „Ich vermute,

daß sie bemerken, daß dreiviertel der Theosophen und selbst der

Außenstehenden sich einbilden, daß, soweit die Evolution des Menschen in

Betracht kommt, Darwinismus und Theosophie sich küssen.“ Nichts von der Art

wurde jemals gedacht, noch ist, soweit wir wissen, irgend welche große

Berechtigung dazu in Esoteric Buddhism.

Es wurde wiederholt festgestellt, daß die Evolution, wie sie von Manu und Kapila

gelehrt wurde, die Grundlage der modernen Lehren war; aber weder Occultismus

noch Theosophie haben jemals die wilden Theorien der heutigen Darwinisten

verfochten – am allerwenigsten die Abstammung des Menschen vom Affen.

Hierüber später mehr! Aber man hat bloß Seite 47 des genannten Werkes

aufzuschlagen, um den Satz zu finden:

Der Mensch gehört einem Reiche an, das von dem der Tiere scharf getrennt

ist.

Es ist sehr sonderbar, daß mit einem so klaren und unzweideutigen Ausspruche

vor sich irgend ein aufmerksamer Schüler hätte irregeführt werden sollen, wenn

er nicht geneigt ist, den Verfasser eines groben Widerspruches zu beschuldigen.

Jede Runde wiederholt das Entwicklungswerk der vorhergehenden Runde auf

_09 (1 of 3)21:02:39.Kommentar VI

einer höheren Stufe. Mit der Ausnahme einiger höherer Anthropoiden, wie bereits

erwähnt, ist das monadische Einströmen, oder die innere Evolution,

abgeschlossen – bis wieder zum nächsten Manvantara. Es kann nie zu oft

wiederholt werden, daß die vollentwickelten menschlichen Monaden zuerst

verabschiedet sein müssen, bevor die neue Ernte von Kandidaten auf dieser

Kugel zum Beginne des nächsten Cyklus erscheint. Somit ist hier eine

Ruhepause; und das ist der Grund, warum, während der vierten Runde, der

Mensch auf der Erde früher erscheint als irgend eine Tierschöpfung, wie

beschrieben werden wird.

Aber es wird noch betont, dass der Verfasser von Esoteric Buddhism

ununterbrochen „Darwinismus gepredigt“ habe. Gewisse Stellen scheinen

zweifellos diese Vermutung zu unterstützen. Außerdem sind die Occultisten

selber bereit, der darwinischen Hypothese teilweise Richtigkeit zuzugestehen in

späteren Einzelnheiten, in Nebengesetzen der Evolution, und nach dem

Wegmittelpunkt der vierten Rasse. Von dem, was stattgefunden hat, kann die

Naturwissenschaft in Wirklichkeit nichts wissen, denn solche Dinge liegen

gänzlich außerhalb der Sphäre ihrer Untersuchungen. Hingegen haben die

Occultisten niemals zugegeben, noch werden sie jemals zugeben, daß der

Mensch ein Affe in dieser oder irgend einer anderen Runde war; oder dass er

jemals trotz aller möglichen „Affenartigkeit“ einer gewesen sein könne. Dies wird

von ebenderselben Autorität bezeugt, von der der Verfasser von Esoteric

Buddhism seine Mitteilungen erhalten hatte.

So für jene, die den Occultisten folgende Zeilen aus dem obengenannten Buche

entgegenhalten:

Es genügt zu zeigen, daß wir uns einen Lebensimpuls, welcher mineralische

Formen hervorbringt, als von derselben Art von Impulsen, wie den, der das

Emporheben einer Rasse von Affen zu einer Rasse von rudimentären

Menschen veranlaßt, ebenso vernünftigerweise vorstellen können – und

müssen, wenn wir überhaupt über diese Dinge reden wollen.

Jenen, die diese Stelle als ein Zeichen von „entschiedenem Darwinismus“

vorbringen, antworten die Occultisten mit einem Hinweis auf die Erklärung des

Meisters, des Lehrers von Herrn Sinnett, welche diesen Zeilen widersprechen,

wenn sie in dem Sinne, den man ihnen beilegt, geschrieben wären. Eine Kopie

dieses Briefes wurde der Schreiberin, zugleich mit anderen, vor zwei Jahren

(1886) gesendet, mit für Anführung in der Geheimlehre bestimmten beigefügten

Randbemerkungen. Er beginnt mit einer Betrachtung über die Schwierigkeiten,

die der westliche Schüler erfährt, wenn er einige früher mitgeteilte Thatsachen

_09 (2 of 3)21:02:39.Kommentar VI

mit der Evolution des Menschen aus den animalischen, d. i. aus den

mineralischen, vegetabilischen und animalischen Reichen in Übereinstimmung

zu bringen versucht, und rät dem Schüler, sich an die Lehre von der Analogie

und den Entsprechungen zu halten. Dann berührt er das Mysterium, daß die

Devas, und selbst Götter, durch Zustände hindurchzugehen haben, die gemäß

Übereinkunft als „Immetallisation, Inherbation, Inzoonisation und endlich

Inkarnation“ bezeichnet wurden, und erklärt dies durch die Andeutung der

Notwendigkeit von Fehlern selbst in den ätherischen Rassen des Dhyân

Chohans. In Bezug hierauf sagt er:

„Diese ‘Fehler’ sind zuweit vorgeschritten und vergeistigt, als dass sie gewaltsam

aus der Dhyân Chohanschaft in den Wirbel einer neuen ursprünglichen Evolution

durch die niederen Reiche zurückgeworfen werden könnten .“

Hierauf wird nur ein Wink gegeben über das Geheimnis, das in der Allegorie von

den gefallenen Asuras enthalten ist, welcher im zweiten Bande weiter ausgeführt

und erklärt werden wird. Wenn Karma sie auf der Stufe der menschlichen

Evolution erreicht hat:

„Werden sie es bis auf den letzten Tropfen aus der bitteren Schale der

Wiedervergeltung zu trinken haben. Dann werden sie eine aktive Kraft und

vermischen sich mit den Elementalen, den vorgeschrittenen Wesenheiten des

rein animalischen Reiches, um nach und nach den vollen Typus der Menschheit

zu entwickeln.“

[46] p. 48.

_09 (3 of 3)21:02:39.Kommentar VI

Diese Dhyân Chohans gehen nicht durch die drei Reiche, wie es die niederen

Pitris thun, noch inkarnieren sie sich im Menschen vor der dritten Wurzelrasse.

Die Lehre lautet folgendermaßen:

Runde I. Der Mensch in der ersten Runde und ersten Rasse auf Kugel D,

unserer Erde, war ein ätherisches Wesen (ein lunarer Dhyâni, als Mensch), nicht-intelligent,

aber über-geistig; und dem entsprechend, nach dem Gesetze der

Analogie, auch in der ersten Rasse der vierten Runde. In jeder der

nachfolgenden Rassen und Unterrassen, wird er mehr und mehr zu einem

eingeschlossenen oder inkarnierten Wesen, ist aber noch vorwiegend

ätherischEr ist geschlechtslos, und gleich Tier und Pflanze entwickelt er

ungeheure Körper entsprechend seiner gröberen Umgebung.

„Runde II. Er (der Mensch) ist noch gigantisch und ätherisch, aber wird leiblich

fester und verdichteter; ein mehr körperlicher Mensch, aber noch immer weniger

intelligent als geistig (1), denn das Gemüt entwickelt sich langsamer und

schwieriger als das Körpergerüst .“

„Runde III. Er hat jetzt einen vollkommen konkreten oder kompakten Körper,

zuerst die Form eines riesigen Affen, und ist jetzt mehr intelligent, oder besser

gesagt schlau, als geistig. Denn er hat auf dem abwärts steigenden Bogen jetzt

einen Punkt erreicht, wo seine ursprüngliche Geistigkeit verfinstert und in den

Schatten gestellt wird von der auftauchenden Verstandesthätigkeit (2). In der

letzten Hälfte der dritten Runde nimmt seine riesenhafte Gestalt ab, und sein

Körper vervollkommnet sich im Gewebe, und der wird ein vernünftigeres Wesen,

obwohl noch mehr ein Affe als ein Deva (All dieses wiederholt sich fast ganz

genau in der dritten Wurzelrasse der vierten Runde).“

„Runde IV. Der Intellekt hat eine enorme Entwicklung in dieser Runde. Die

(bisher) stummen Rassen erlangen unsere (gegenwärtige) menschliche Rede

auf diesem Globus, auf welchem, von der vierten Rasse an, die Sprache

vervollkommnet wird und die Kenntnisse wachsen. Auf diesem Wegmittelpunkt

der vierten Runde (wie der vierten oder atlantischen Wurzelrasse) überschreitet

die Menschheit den Achsenpunkt des kleineren manvantarischen Cyklus die

Welt geht schwanger mit den Resultaten intellektueller Aktivität und geistiger

Abnahme .“

Dies ist aus dem authentischen Briefe; das folgende sind die späteren

Bemerkungen und beigegebenen Erklärungen, von derselben Hand als

Fußnoten hingesetzt.

„(1) Der Originalbrief enthielt allgemeine Belehrung – einen „Blick aus der

_11 21:02:40.Kommentar VI

Vogelschau“ – und gab nichts in seinen Einzelnheiten.Von einem

„körperlichen Menschen“ zu sprechen und dabei den Satz auf die ersten Runden

zu beschränken, hieße zu den wunderlichen und vom Augenblick eingegebenen

„Hautröcken“ zurückzusinken. Die erste „Natur“, der erste „Körper“, das erste

„Gemüt“ auf der ersten Wahrnehmungsebene auf dem ersten Globus in der

ersten Runde war gemeint. Denn Karma und Evolution haben:

„Unerhörte

Gegensätze

eingedämmt in unsrer

Art,

Aus verschiedenen

Naturen [47]

wunderbar

gemischt .“

„(2) Setzen Sie dafür: Er hat jetzt den Punkt erreicht (durch Analogie und so wie

die dritte Wurzelrasse in der vierten Runde), wo seine (des Engel-Menschens)

ursprüngliche Geistigkeit verfinstert und in den Schatten gestellt wird von der

auftauchenden menschlichen Verstandesthätigkeit, und Sie haben die richtige

Version au die Nagelprobe .“

Dies, Text, Worte und Sätze in Klammern, und erklärende Fußnoten, sind alles

Worte des Lehrers. Es ist einleuchtend, daß ein enormer Unterschied in der

Bedeutung solcher Ausdrücke wie „Objektivität“ und „Subjektivität“, „Materialität“

und „Spiritualität“ existieren muß, wenn man dieselben Worte auf verschiedene

Ebenen des Daseins und der Wahrnehmung anwendet. All dieses muß in seinem

relativen Sinn genommen werden. Und daher ist es wenig zu verwundern, wenn

seinen eigenen Spekulationen überlassen ein Schriftsteller in Irrtum verfallen ist,

der in diesen obstrusen Lehren vollkommen unerfahren war, so sehr er auch

darnach bestrebt war, zu lernen. Auch war der Unterschied zwischen den

Runden und Rassen in den empfangenen Briefen nicht genügend definiert,

nachdem nichts der Art vorher erfordert war, wenn auch der gewöhnliche östliche

Schüler den Unterschied augenblicklich herausgefunden hätte. Um übrigens aus

einem Brief des Meisters zu citieren:

„Die Lehren wurden mitgeteilt unter Protest . Sie waren so zu sagen

geschmuggelte Güter und als ich bloß mehr einem Korrespondenten

gegenüberstand, hatte der andere, Herr , alle Karten bereits derart

_11 (2 of 4)21:02:40.Kommentar VI

durcheinandergeworfen, daß wenig zu sagen übrig blieb, ohne das Gesetz zu

übertreten.“

Theosophen, „die es angeht“, werden verstehen, was gemeint ist.

Das Ergebnis von alledem ist, daß in den Briefen niemals etwas gesagt worden

ist, das die Versicherung bekräftigt hätte, dass die verkehrte moderne Theorie

von der Abstammung des Menschen von einem mit dem Affen gemeinsamen

Ahnen, von einem Athropoiden von der wirklich tierischen Art, von der occulten

Lehre jemals gelehrt oder von irgend einem Adepten geglaubt worden wäre,

ausgenommen metaphorisch. Bis zum heutigen Tage ist die Welt voller von

affenartigen Menschen als die Wälder von menschenartigen Affen. Der Affe ist in

Indien heilig, weil sein Ursprung den Initiierten wohl bekannt ist, trotzdem er unter

einem dichten Schleier von Allegorie verborgen wird. Hanumâna ist der Sohn des

Pavana (Vâyu, des „Gottes des Windes“) von der Anjanâ, dem Weibe eines

Ungeheuers mit Namen Kesarî; übrigens wird seine Genealogie verschieden

angegeben. Der Leser, der sich das vor Augen hält, wird im zweiten Bande an

verschiedenen Orten die ganze Erklärung dieser geistreichen Analogie finden.

Die „Menschen“ der dritten Rasse (welche sich trennten), waren „Götter“ durch

ihre Geistigkeit und Reinheit, obwohl sinnenlos und noch ohne Verstand als

Menschen.

Diese „Menschen“ der dritten Rasse, die Vorfahren der Atlantier, waren gerade

solche affenartige, intellektuell unvernünftige Riesen wie jene Wesen, welche

während der dritten Runde die Menschheit repräsentierten. Moralisch

unverantwortlich, waren es diese „Menschen“ der dritten Rasse, welche durch

ununterschiedene Vermischung mit Tierarten, die niedriger standen als sie

selbst, dieses fehlende Glied schufen, welches Zeitalter später (erst in der

Tertiärperiode) der entfernte Ahne des wirklichen Affen wurde, wie wir ihn jetzt in

der Familie der Pithekoiden finden.

Und wenn dies als im Widerspruch mit der Behauptung gefunden wird, welche

die Tiere als später als den Menschen hinstellt, so wird der Leser ersucht, sich

vor Augen zu halten, daß bloß die Mutterkuchen bildenden Säugetiere gemeint

sind. In jenen Tagen gab es Tiere, von denen sich die Zoologie der unsern nichts

träumen lässt; und die Arten von Fortpflanzung deckten sich nicht mit den Ideen,

welche die moderne Physiologie von dem Gegenstand hat. Es ist nicht ganz und

gar angemessen, solche Fragen öffentlich zu berühren, aber es ist durchaus kein

Widerspruch oder Unmöglichkeit darinnen.

Somit verkündeten die früheren Lehren, so unbefriedigend, unbestimmt und

_11 (3 of 4)21:02:40.Kommentar VI

bruchstückweise sie auch waren, doch nicht die Entwicklung des „Menschen“

aus dem „Affen“. Auch behauptet der Verfasser von Esoteric Buddhism dies

nirgends in seinem Werke mit den gleichen Worten; aber infolge seiner Vorliebe

für moderne Wissenschaft bedient er sich einer Sprache, die vielleicht eine

solche Schlussfolgerung rechtfertigen mag. Der Mensch, welcher der vierten, der

atlantischen, Rasse voranging, war, so sehr er auch körperlich wie ein

„gigantischer Affe“ ausgesehen haben mag, wie „die Nachahmung des

Menschen ohne die Lebensweise eines Menschen“, doch ein denkender und

bereits sprechender Mensch. Der Lemuro-Atlantier war eine hoch zivilisierte

Rasse, und wenn an die Tradition gelten läßt, die eine bessere Geschichte ist als

die spekulative Fiktion, welche jetzt unter diesem Namen geht, so stand er höher

als wir jetzt stehen mit all unseren Wissenschaften und der herabgesunkenen

Civilisation des Tages: auf jeden Fall war der Lemuro-Atlantier des Schlusses der

dritten Rasse so.

Und jetzt wollen wir zu den Strophen zurückkehren.

[47] Die Naturen der sieben Hierarchieen oder Klassen von Pitris oder Dhyân

Chohans, die unsere Natur und Körper zusammensetzen, sind hier gemeint.

_11 21:02:40.Kommentar VI

STROPHE VI. – Fortsetzung.

5. IN DER VIERTEN [48] (a) WIRD DEN SÖHNEN BEFOHLEN, IHRE

EBENBILDER ZU SCHAFFEN. EIN DRITTEL WEIGERT SICH - ZWEI [49]

GEHORCHEN. DER FLUCH IST AUSGESPROCHEN (b); SIE WERDEN IN

DER VIERTEN [50] GEBOREN WERDEN. SIE WERDEN LEIDEN UND LEIDEN

VERURSACHEN. DIES IST DER ERSTE KAMPF ©.

Die volle Bedeutung dieser Shloka kann erst verstanden werden nach der

Lesung der beigegebenen ins Einzelne gehenden Erklärungen in der

Anthropogenesis und ihren Kommentaren in Band II. Zwischen diesem Vers und

Vers 4 dehnen sich lange Zeiträume; und nun schimmert die Dämmerung und

der Sonnenaufgang eines anderen Äon. Das auf unserem Planeten aufgeführte

Drama steht am Beginne seines vierten Aktes; aber zum Zweck eines klareren

Verständnisses des ganzen Spieles wird sich der Leser zurückwenden müssen,

bevor er vorwärts schreiten kann. Denn dieser Vers gehört der in den

archaischen Bänden gegebenen allgemeinen Kosmogonie an, während Band II

einen ins Einzelne gehenden Bericht über die „Schöpfung“ oder vielmehr Bildung

der ersten Menschenwesen geben wird, denen die zweite Menschheit, und dann

die dritte folgt; oder, wie sie genannt werden: die erste, zweite und dritte

Wurzelrasse. Wie die jetzt feste Erde im Anfange eine Kugel von flüssigem Feuer

war, von Feuerstaub und ihr protoplasmisches Phantom, so auch der Mensch.

(a) Was unter der Bezeichnung die „vierte“ zu verstehen ist, wird bloß auf Grund

der Kommentare als die Vierte Runde erklärt. Es kann aber ebenso gut vierte

Ewigkeit wie vierte Runde bedeuten, oder selbst unsere vierte Kugel. Denn die

letztere ist, wie wiederholt gezeigt werden wird, die vierte Sphäre auf der vierten

oder niedersten Ebene des materiellen Lebens. Und es trifft sich so, daß wir in

der vierten Runde sind, in deren Mittelpunkt das vollkommene Gleichgewicht

zwischen Geist und Materie stattfinden mußte.

In dieser Periode geschah es – wie wir sehen werden, während des

Höhepunktes der Civilisation und Kenntnisse, und auch der menschlichen

Intellektualität, der vierten, der atlantischen Rasse – dass die Menschheit infolge

der schließlichen Krisis des physiologisch-spirituellen Ausgleiches der Rassen

sich nach zwei diametral entgegengesetzten Pfaden hin abzweigte: dem

Rechter- und Linkerhand-Pfad der Erkenntnis oder Vidyâ. Mit den Worten des

Kommentars:

_13 (1 of 2)21:02:41.Kommentar VI

So wurden die Keime der weißen und schwarzen Magie in jenen Tagen gesäet.

Die Samen lagen einige Zeit verborgen, um erst während der ersten Periode der

fünften (unserer Rasse) hervorzusprießen.

Der Kommentar sagt in der Erklärung der Shloka:

Die heiligen Jünglinge (die Götter) weigerten sich, sich zu vermehren und eine

Art nach ihrem Vorbilde, nach ihrer Art, zu schaffen. „Sie sind keine geeigneten

Formen (Rûpas) für uns. Sie müssen wachsen.“ Sie weigern sich, in die Chhâyâs

(Schatten oder Ebenbilder) derer, die unter ihnen stehen, einzugehen. So

herrschte selbstsüchtiges Gefühl von Anfang an, selbst unter den Göttern, und

das Auge der karmischen Lipikas heftete sich auf sie.

Sie hatten dafür in späteren Geburten zu leiden. Wie die Strafe die Götter

erreichte, wird in Band II zu sehen sein.

[48] Runde, oder Revolution des Lebens und Seins rund um die sieben

kleineren Räder.

[49] Dritteile.

[50] Rasse.

_13 (2 of 2)21:02:41.Kommentar VI

Es ist eine allgemeine Überlieferung, dass vor dem physiologischen „Fall“ die

Fortpflanzung der Art, sowohl der menschlichen wie der tierischen, durch den

Willen der Schöpfer oder ihrer Nachkommenschaft stattfand. Dies war der Fall

des Geistes in die Zeugung, nicht der Fall des sterblichen Menschen. Es wurde

bereits festgestellt, daß der Geist, um selbstbewusst zu werden, durch jeden

Daseinscyklus hindurchgehen muß, was seinen Kulminationspunkt auf Erden im

Menschen findet. Geist an sich ist eine unbewußte negative Abstraktion. Seine

Reinheit ist ihm wesentlich innewohnend, nicht durch Verdienst erworben; daher

ist es , wie bereits gezeigt, (um der höchste Dhyân-Chohan werden zu können)

für jedes Ego notwendig, volles Selbstbewußtsein als ein menschliches, d. i.

bewußtes Wesen, das für uns im Menschen zusammengefaßt erscheint, zu

erlangen. Die jüdischen Kabbalisten, welche urteilen, daß kein Geist der

göttlichen Hierarchie angehören kann, wenn nicht Ruach (Geist) mit Nephesh

(lebender Seele), vereinigt ist, wiederholen bloß die östliche esoterische Lehre:

Ein Dhyâni muß Âtma-Buddhi sein; sobald Buddhi-Manas von dem unsterblichen

Âtmâ, dessen Vehikel sie (Buddhi) ist, sich loslöst, geht Âtman in Nichtsein ein,

welches das unbedingte Sein ist.

Das bedeutet, daß der rein nirvânische Zustand ein Durchgangszustand des

Geistes auf seiner Heimkehr zu der idealen Abstraktion der Sein-heit ist, welche

keine Beziehung zu der Ebene hat, auf der unser Weltall seinen Kreislauf

vollendet.

(b) „Der Fluch ist ausgesprochen“ bedeutet in diesem Falle nicht, daß irgend ein

persönliches Wesen, Gott oder höherer Geist ihn ausgesprochen hat, sondern

einfach, daß die Ursache geschaffen worden war, die nur schlechte Wirkungen

hervorbringen konnte; und daß die Wirkungen dieser karmischen Ursache die

wesen, welche den Gesetzen der Natur entgegengehandelt und so deren

regelmäßigen Fortschritt verhindert hatten, nur in schlechte Inkarnationen, somit

in Leiden, führen konnten.

© „Es gab viele Kämpfe“, alle hinweisend auf geistige, kosmische und

astronomische Ausgleichskämpfe, aber hauptsächlich auf die geheimnisvolle

Entwicklung des Menschen, wie er jetzt ist. Die Kräfte oder reinen Wesenheiten,

denen „befohlen war zu schaffen“ beziehen sich auf ein Geheimnis, das, wie

bereits gesagt, anderwärts erklärt ist. Es ist dies nicht bloß eines der

verborgensten Geheimnisse der Natur – jenes der Zeugung, über dessen Lösung

die Embryologen vergebens ihre Köpfe zusammengesteckt haben – sondern

zugleich eine göttliche Funktion, welche das große religiöse, oder richtiger

gesagt dogmatische, Mysterium des sogenannten „Falles“ der Engel in sich

begreift. Wenn die Bedeutung dieser Allegorie aufgeklärt sein wird, wo wird sich

zeigen, dass Satan und seine trotzige Schar sich bloß deshalb geweigert haben,

_15 (1 of 3)21:02:41.Kommentar VI

den körperlichen Menschen zu schaffen, um die unmittelbaren Erlöser und

Erschaffer des göttlichen Menschen zu werden. Die symbolische Lehre ist nicht

allein mystisch und religiös – sie ist rein wissenschaftlich, wie später zu sehen

sein wird. Denn anstatt ein rein blind funktionierendes, von dem unergründlichen

Gesetze getriebenes und geleitetes Medium zu bleiben, beanspruchte und

erzwang der „rebellische“ Engel sein Recht auf selbständiges Urteil und Willen,

sein Recht auf freies Handeln und auf Verantwortlichkeit, sintemal Mensch und

Engel gleichermaßen dem karmischen Gesetze unterstehen.

Gelegentlich der Erklärung der kabbalistischen Anschauungen sagt der

Verfasser New Aspects of Life von den gefallenen Engeln:

Nach der symbolischen Lehre wurde der Geist aus einem einfachen

Ausführungsorgane Gottes in einem entwickelten und entwickelnden Wirken

zu einem wollenden Wesen, und er fiel, indem er seinen eigenen Willen an

Stelle des göttlichen Wunsches beachtete. Daher sind das Reich und Gebiet

der Geister und des geistigen Handelns, welche aus dem Geisteswillen

strömen und dessen Erzeugnis sind, außerhalb und im Gegensatze und

Widerspruche mit dem Reiche der Seelen und des göttlichen Handelns. [51]

Soweit ganz gut; aber was meint der Verfasser mit dem folgenden:

Als der Mensch erschaffen wurde, da war er menschlich in seiner Konstitution,

mit menschlichen Neigungen, menschlichen Hoffnungen und Bestrebungen.

Aus diesem Zustande fiel er – in den viehischen und wilden.

Dies steht im direkten Gegensatze zu unserer östlichen Lehre und selbst zur

kabbalistischen Auffassung, soweit wir sie verstehen, und zur Bibel selbst. Es

sieht aus wie mit Materialismus und Substantialismus gefärbte positive

Philosophie, obwohl es ziemlich schwierig ist, über die Meinung des Verfassers

sich vollkommen sicher zu fühlen. Ein Fall jedoch „aus dem natürlichen in das

übernatürliche und das tierische“ – übernatürlich dies Mal in der Bedeutung von

rein geistig – schließt das in sich, was wir andeuten.

Das neue Testament spricht von einem dieser „Kämpfe“ wie folgt:

Und es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten mit

dem Drachen, und der Drache stritt und sein Engel, und siegeten nicht, auch

ward ihre Stätte nicht mehr gefunden im Himmel. Und es ward ausgeworfen

der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas, der

_15 (2 of 3)21:02:41.Kommentar VI

die ganze Welt verführet. [52]

Die kabbalistische Wiedergabe derselben Geschichte findet sich im Codex

Nazaraeus, der heiligen Schrift der Nazarener, der wirklich mystischen Christen

Johannes des Täufers, und der Initiierten des Christos. Bahak Zivo, dem „Vater

der Genien“, wird aufgetragen, die Geschöpfe zu bilden – zu „schaffen“. Da er

aber „den Orkus nicht kennt“, so misslingt ihm das, und er ruft Fetahil, einen

noch reineren Geist, zu Hilfe, der es noch schlechter macht. Dies ist eine

Wiederholung des Fehlers der „Väter“, der Herren des Lichtes, die einer nach

dem andern fehlen. [53]

[51] p. 235.

[52] Offenb., XII. 7-9.

[53] Siehe Band II, Vers 17.

_15 (3 of 3)21:02:41.Kommentar VI

Wir wollen jetzt aus unseren früheren Bänden citieren: [54]

Dann tritt auf die Schöpfungsbühne der Geist [55] (der Erde, wie er genannt

wird, oder die Seele, Psyche, welche St. Jakob „teuflisch“ nennt), der niedere

Teil der Anima Mundi oder des Astrallichtes. (Siehe den Schluß dieser

Strophe.) Bei den Nazarenern und den Gnostikern war dieser Geist weiblich.

Da die Geistin der Erde sah, daß wegen Fetahil [56] dem neuesten Menschen

(dem spätesten), der Glanz „geändert“ war, und dass an Stelle des Glanzes

„Abnahme und Schaden“ existierte, so erweckte sie Karabtanos, [57] „welcher

rasend und ohne Sinn und Urteilskraft war“ und sprach zu ihm: „Erhebe ich,

siehe, der Glanz (das Licht) des neuesten Menschen (Fetahil) hat versagt

(Menschen hervorzubringen oder zu schaffen), die Abnahme seines Glanzes

ist sichtbar. Erhebe dich und komme zu deiner Mutter (dem Spiritus) und

befreie dich von dem Schranken, durch die du festgehalten bist, und die weiter

sind, als die ganze Welt.

Hierauf folgt die Vereinigung der rasenden und blinden Materie, geleitet von

den Einschmeichelungen des Geistes (nicht des göttlichen Atems, sondern

des astralen Geistes, welcher durch seine doppelte Wesenheit bereits mit

Materie befleckt ist); und, da der Antrag der Mutter angenommen wurde, so

empfängt der Geist „sieben Figuren“, und die sieben stellaren (Planeten),

welche auch die sieben Todsünden darstellen, die Nachkommenschaft einer

von ihrer göttlichen Quelle (dem Geiste) getrennten Astralseele und der

Materie, des blinden Dämons der Lust. Da er dies sah, streckte Fetahil seine

Hand gegen den Abgrund der Materie aus und sprach: „Möge die Erde

existieren, gerade so wie die Wohnung der Kräfte existiert hat.“ Indem er seine

Hand in das Chaos tauchte, welches er verdichtete, schuf er unseren Planeten.

Der Codex fährt dann fort zu erzählen, wie Bahak Zivo vom Spiritus getrennt

wurde, und die Genien oder Engel von den Empörern. [58] Dann nennt (der

größte) Mano, [59] welcher bei dem größten Ferho weilt, Kebar Zivo (bekannt

auch unter dem Namen Nebat Iavar bar Iufin Ifafin) den Halm und die Ranke

der Nahrung des Lebens [60] - und er sagt, da er das dritte Leben ist und die

trotzigen und wahnsinnigen Genien bedauert, „wegen der Größe ihres

Ehrgeizes: „Herr der Genien [61] (Äonen), siehe was die Genien (die

rebellischen Engel) thun und über was sie beraten. [62] Sie sagen: ‘Laßt uns

die Welt hervorrufen und laßt uns die „Kräfte“ ins Dasein rufen. Die Genien

sind die Fürsten (Principes), die Söhne des Lichtes, aber du bist der Bote des

Lebens’.“

_17 21:02:42.Kommentar VI

Und um dem Einflusse der sieben „böse veranlagten“ Prinzipien

entgegenzuwirken, bringt der Nachkomme des Spiritus, Kebar Zivo (oder

Cabar Zio), der mächtige Herr des Glanzes, sieben andere Leben (die

Kardinaltugenden) hervor, die in ihrer eigenen Form und ihrem eigenen Licht

„von der Höhe herab [63] scheinen, und so das Gleichgewicht zwischen Gut

und Böse, Licht und Finsternis wiederherstellen.

Hier findet man eine Wiederholung der früheren allegorischen dualen Systeme,

wie des zoroastrischen, und entdeckt einen Keim der dogmatischen und

dualistischen Religionen der Zukunft, einen Keim, der in der kirchlichen

Christenheit zu einem so üppigen Baume herangewachsen ist. Es ist bereits der

Umriß der beiden „Höchsten“ – Gottes und Satans. Aber in den Strophen findet

sich keine solche Idee.

Die meisten der westlichen christlichen Kabbalisten – insbesondere Eliphas Lêvi

·        thaten in ihrem Bestreben, die occulten Wissenschaften mit den kirchlichen

Dogmen in Einklang zu bringen, ihr Bestes, das „Astrallicht“ einzig und

vorwiegend zum Plerôma der älteren Kirchenväter, zum Aufenthalte der Scharen

der gefallenen Engel, der Archônten und Kräfte zu machen. Jedoch ist das

Astrallicht, obwohl es nur der niedere Aspekt des Absoluten ist, dennoch dual. Es

ist die Anima Mundi, und sollte niemals anders betrachtet werden, außer für

kabbalistische Zwecke. Der Unterschied, der zwischen seinem „Lichte“ und

seinem „lebendigen Feuer“ besteht, sollte höhere Aspekt dieses „Lichtes“, ohne

den bloß stoffliche Kreaturen hervorgebracht werden können, ist dieses

lebendige Feuer, und sein siebentes Prinzip. In Isis Unveiled wird gelegentlich

einer vollständigen Beschreibung desselben festgestellt:

Das Astrallicht oder die Anima Mundi ist dual und zweigeschlechtig. Der

(ideale) männliche Teil desselben ist rein göttlich und geistig, er ist Weisheit,

er ist Geist oder Purusha; während der weibliche Teil (der Spiritus der

Nazarener) in einem Sinne mit Stoff befleckt ist, thatsächlich Stoff ist, und

daher bereits böse ist. Es ist das Lebensprinzip eines jeden lebenden

Geschöpfes, und liefert die Astralseele, den fluidischen Perisprit für die

Menschen, Tiere, Vögel der Lüfte, und jedes Lebewesen. Die Tiere haben nur

den verborgenen Keim der höchsten unsterblichen Seele in sich. Diese

letztere wird sich bloß nach einer Reihe von endlosen Evolutionen entwickeln;

die Lehre von diesen Evolutionen ist in dem kabbalistischen Satze enthalten:

„Ein Stein wird zu einer Pflanze, eine Pflanze zu einem Tier, ein Tier zu einem

Menschen, ein Mensch zu einem Geiste, und der Geist zu einem Gotte.“ [64]

_17 (2 of 4)21:02:42.Kommentar VI

Die sieben Prinzipien der östlichen Initiierten waren nicht erklärt worden, als Isis

entschleiert geschrieben wurde, sondern bloß die drei kabbalistischen Gesichter

der halb exoterischen Kabalah. [65] Aber diese enthalten die Beschreibung der

mystischen Naturen der ersten Gruppe der Dhyân-Chohans in dem regimen

ignis, der Region und „Herrschaft (oder Regierung) des Feuers“, die in drei

Klassen geteilt und durch die erste vereinigt ist, was vier oder die „Tetraktys“

ausmacht. Wenn man die Kommentare aufmerksam studiert, wird man dieselbe

Progression in den englischen Naturen finden, nämlich von den passiven

hinunter zu den aktiven; die letzten dieser Wesen sind ebenso nahe dem

Ahamkâra Element – der Region oder Ebene, wo die Ichheit oder Ich-bin-heit

hervorzutreten anfängt – als die ersten nahe der undifferenzierten Wesenheit.

Die ersteren sind arûpa, unkörperlich; die letzteren rûpa, körperlich.

[54] Isis Unveiled, I. 299, 300. Vgl. auch Dunlap, Sôd: the Son of the Man. pp.

51 ff.

[55] Auf Grund der Autorität des Irenäus, des Justinus Martyr und des Codex

selbst zeigt Dunlap, daß die Nazarener den „Geist“ in seiner Verbindung mit

unserer Erde als eine weibliche und böse Kraft betrachteten.

[56] Fetahil ist identisch mit der Schar der Pitirs, die den „Menschen

erschufen“ bloß als „Schale“. Er war bei den Nazarenern der König des

Lichtes, und der Schöpfer; aber in diesem Falle ist er der unglückliche

Prometheus, welchem es nicht gelingt, das lebende Feuer festzuhalten, das

zur Bildung der göttlichen Seele notwendig ist, da er den geheimen Namen

nicht kennt, den unaussprechlichen und unmittelbaren Namen der

Kabbalisten.

[57] Der Geist des Stoffes und der Lust; Kâma Rûpa minus Manas (Gemüt).

[58] Codex Nazaräus, II. 233.

_17 (3 of 4)21:02:42.Kommentar VI

[59] Dieser Mano der Nazarener ähnelt auffallend dem indischen Manu, dem

himmlischen Menschen des Rig Veda.

[60] „Ich bin ein rechter Weinstock und mein Vater ein Weingärtner.“ Joh. XV.

1.

[61] Bei den Gnostikern war Christus, sowie Michael, der mit ihm in einigen

Beziehungen wesensgleich ist, der „Führer der Äonen.“

[62] Codex Nazaräus, I. 135.

[63] Siehe die Kosmogonie des Pherekydes.

[64] I. 301, Fußnote.

[65] Sie finden sich jedoch in dem chaldäischen Buche der Zahlen.

_17 21:02:42.Kommentar VI

In Band II desselben Werkes [66] werden die philosophischen Systeme der

Gnostiker und der ursprünglichen Judenchristen, der Nazarener und Ebioniten,

vollständig betrachtet. Sie zeigen die Ansichten, die man in jenen Tagen

außerhalb des Kreises der mosaischen Juden über Jehovah hatte. Er wurde von

allen Gnostikern viel mehr mit dem bösen, als mit dem guten Prinzipe

identifiziert. Für sie war er Ilda-Baoth, der „Sohn der Finsternis“, dessen Mutter,

Sophia Achamôth, die Tochter der Sophia, der göttlichen Weisheit – des

weiblichen heiligen Geistes der frühen Christen – der Âkâsha, war; Sophia

Achamôth personifizierte das niedere Astrallicht oder den Ether. Das Astrallicht

steht im selben Verhältnisse zu Âkâsha und Anima Mundi, wie Satan zur Gottheit

steht. Sie sind ein und dasselbe Ding, gesehen unter zwei Aspekten, dem

geistigen und dem psychischen – dem superetherischen oder Bindeglied

zwischen Materie und reinem Geist – und dem physischen. [67] Ilda Baoth – ein

zusammengesetzter Name, gebildet aus Ilda ([korrekter Abdruck siehe Buch]),

Kind, und Baoth; das letztere von [korrekter Abdruck siehe Buch], ein Ei, und

[korrekter Abdruck siehe Buch], Chaos, Leerheit, Leere oder Einsamkeit; oder

das Kind geboren in dem Eie des Chaos, wie Brahmâ – oder Jehovah, ist

einfach einer der Elohim, der sieben schöpferischen Geister, und einer der

niederen Sephiroth. Ilda Baoth erzeugt aus sich selbst sieben andere Götter,

„Sternengeister“, oder die Mondvorfahren, [68] denn sie sind alle dasselbe. [69]

Sie sind alle nach seinem eigenen Bilde, die „Geister des Angesichtes“, und

einer der Reflex des anderen, und werden um so dunkler und materieller, je mehr

sie der Reihe nach sich von ihrem Ursprunge entfernen.

Sie bewohnen auch sieben Regionen, die stiegenförmig angeordnet sind, denn

ihre Stufen gehen auf- und abwärts auf der Stufenleiter von Geist und Stoff. [70]

Bei Heiden und Christen, bei Hindûs und Chaldäern, bei griechischen wie

römischen Katholiken – die Texte variieren ein wenig in ihrer Erklärung – waren

sie überall die Genien der sieben Planeten, und der sieben planetarischen

Sphären unserer siebenfältigen Kette, von denen die Erde die niedrigste ist. Dies

verbindet die „stellaren“ und „lunaren“ Geister mit den höheren Planetenengeln,

und mit den Saptarshis, den sieben Rishis der Sterne, bei den Indern – als

untergeordnete Engel oder Boten, als Emanationen dieser Rishis auf der

absteigenden Leiter. So waren in der Anschauung der philosophischen Gnostiker

der Gott und die Erzengel beschaffen, die jetzt von den Christen verehrt werden!

Die „gefallenen Engel“ und die Legende vom „Kampf im Himmel“ sind somit

ihrem Ursprunge nach rein heidnisch und kommen aus Indien via Persien und

Chaldäa. Die einzige Bezugnahme auf sie im christlichen Kanon findet sich in der

_19 (1 of 3)21:02:43.Kommentar VI

Offenbarung, XII, wie oben vor einigen Seiten citiert.

So wächst „Satan“, sobald er nicht mehr in dem abergläubischen, dogmatischen,

unphilosophischen Kirchengeiste betrachtet wird, zu dem großartigen Bilde

empor von einem, der aus einem irdischen einen göttlichen Menschen macht;

der demselben durch den langen Cyklus des Mahâkalpa das Gesetz des Geistes

des Lebens giebt und ihn befreit von der Sünde der Unwissenheit, somit vom

Tode.

STROPHE VI. – Fortsetzung.

6. DIE ALTEREN RÄDER DREHTEN SICH HINAB UND HINAUF (a) DER

MUTTER-LAICH ERFÜLLTE DAS GANZE. [71] ES FANDEN KÄMPFE STATT

ZWISCHEN DEN SCHÖPFERN UND DEN ZERSTÖRERN, UND KÄMPFE UM

DEN RAUM; DER SAME ERSCHIEN UND ERSCHIEN BESTÄNDIG VON

NEUEM (b). [72]

(a) Hier müssen wir, nachdem wir einstweilen unsere Abschweifungen beendet

haben – die, so sehr sie auch den Fluß der Erzählung unterbrechen mögen, doch

für die Aufklärung des ganzen Planes notwendig sind – wieder einmal zur

Kosmogonie zurückkehren. Der Ausdruck „ältere Räder“ bezieht sich auf die

Welten oder Globen unserer Kette, wie sie während der früheren Runden waren.

Der Inhalt der vorliegenden Strophe findet sich, bei esoterischer Erklärung, in

kabbalistischen Werken vollständig wieder. Darin wird sogar die Geschichte der

Entwicklung der zahllosen Kugeln zu finden sein, die nach einem periodischen

Pralaya sich evolvieren, aus altem Material in neue Formen wiedergebildet. Die

ehemaligen Kugeln zerfallen und erscheinen auf neue, für eine neue

Lebensphase verwandelt und vervollkommnet. In der Kabalah werden die Welten

mit Funken verglichen, die hervorsprühen unter dem Hammer des großen

Baumeisters – Gesetz, des Gesetzes, das alle niedrigeren Schöpfer beherrscht.

[66] Op. cit., II. 183 ff.

[67] Wegen des Unterschiedes zwischen Nous, der höheren göttlichen

Weisheit, und Psyche, der niederen und irdischen, siehe St. Jacob, III. 15-17.

[68] Jehovahs Verbindung mit dem Mond in der Kabalah ist den Schülern

_19 (2 of 3)21:02:43.Kommentar VI

wohlbekannt.

[69] Wegen der Nazarener siehe Isis Unveiled, II. 131 und 132. Die wahren

Nachfolger des wahren Christos waren alle Nazarener und Christianer, und

waren die Gegner der späteren Christen.

[70] Siehe das Diagramm der lunaren Kette von sieben Welten, p. 195, wo,

wie in unserer eigenen und jeder anderen Kette, die oberen Welten geistig

sind, während die niedrigste, sei es Mond, Erde oder irgend ein anderer

Planet, von der Materie verdunkelt ist.

[71] Den ganzen Kosmos. Der Leser wird daran erinnert, daß in den Strophen

Kosmos oft bloß unser eigenes Sonnensystem bedeutet, und nicht das

unendliche Weltall.

[72] Dies ist rein astronomisch.

_19 (3 of 3)21:02:43.Kommentar VI

Das folgende vergleichende Diagramm zeigt die Gleichheit der beiden Systeme, des kabbalistischen und des

östlichen. Die drei oberen sind die drei höheren Ebenen des Bewusstseins, die in beiden Schulen bloß den

Intitiierten enthüllt und erklärt werden; die unteren stellen die vier niederen Ebenen dar – die niedrigste ist unsere

Ebene oder das sichtbare Weltall.

Diagramm III.

Diese sieben Ebenen entsprechen den sieben Bewußtseinszuständen im Menschen. Es ist seine Sache, die drei

höheren Zustände in ihm mit den drei höheren Ebenen im Kosmos in Gleichklang zu bringen. Aber bevor er den

Versuch des Gleichstimmens machen kann, muß er die drei „Sitze“ zu Leben und Thätigkeit erwecken. Und wie

viele sind fähig, sich auch nur ein oberflächliches Verständnis zu eröffnen der Âtmâ Vidyâ (Geist-Erkenntnis), oder

dessen, was die Sufis Rohanî nennen! [73]

_21 (1 of 3)21:02:43.Kommentar VI

(b) „Der Same erschien und erschien beständig von neuem.“ Hier steht „Same“ für den „Weltenkeim“, den die

Wissenschaft als in hochgradig verdünntem Zustande befindliche stoffliche Teilchen betrachtet, die occulte Physik

hingegen als „geistige Teilchen“, d. h. als übersinnlichen Stoff, der in einem Zustande ursprünglicher

Differentiation existiert. Um den Unterschied zu sehn und zu würdigen – die ungeheure Kluft, die den irdischen

Stoff von den feineren Graden des übersinnlichen Stoffes trennt – sollte jeder Astronom, jeder Chemiker und

Physiker ein Psychometer sein, um das Mindeste zu sagen; er sollte im stande sein, für sich selbst den

Unterschied zu fühlen, an den zu glauben er jetzt sich weigert. Frau Elizabeth Denton, eine der gelehrtesten sowie

eine der materialistischesten und skeptischsten Frauen ihrer Zeit – die Gemahlin Professor Dentons, des

wohlbekannten amerikanischen Geologen und Verfasser von The Soul of Things – war trotz ihres Skeptizismus

einer der wundervollsten Psychometer.

Folgende Beschreibung giebt sie während eines ihrer Experimente.

Ein Stückchen von einem Meteoriten wurde in einer Umhüllung an ihre Stirne gehalten, und, ohne es zu wissen,

was der Inhalt derselben war, sagte sie:

Was für ein Unterschied zwischen dem, was wir hier als Stoff kennen und dem, was dort wie Stoff aussieht! In

dem einen sind die Elemente so grob und so eckig, daß ich mich wundere, daß wir sie überhaupt ertragen

können, noch viel mehr, daß wir wünschen können, unsere gegenwärtigen Beziehungen zu ihm fortzusetzen;

in dem andern sind alle Elemente so verfeinert, sind sie so befreit von diesen großen rauen Eckigkeiten, die

die Elemente hier charakterisieren, so daß ich jenen um ebenso viel mehr als den unsern für die wirkliche

Existenz halten muß. [74]

In der Theogonie ist jeder Samen ein ätherischer Organismus, aus dem sich späterhin ein himmlisches Wesen,

ein Gott, entwickelt.

Im „Anbeginn“ entwickelt sich das, was in der mystischen Ausdrucksweise „kosmisches Verlangen“ genannt wird,

zu Absolutem Licht. Nun wäre Licht ohne irgendwelchen Schatten absolutes Licht; mit anderen Worten absolute

Finsternis, wie die Physik zu beweisen sucht. Dieser „Schatten“ erscheint in der Form ursprünglicher Materie,

allegorisiert – wenn man will – in der Gestalt des Geistes von schöpferischem Feuer oder Wärme. Wenn die

Wissenschaft die poetische Form und Allegorie verwirft, und es vorzieht, darin den ursprünglichen „Feuernebel“ zu

sehen, so ist ihr das gerne erlaubt. Ob so oder so, ob Fohat oder die berühmte Kraft der Wissenschaft – namenlos

und ebenso schwer zu definieren wie unser Fohat selbst – hat dieses Etwas „das Weltall veranlaßt, sich in

kreisförmiger Bewegung zu bewegen“, wie Plato sagt; oder, wie die occulte Lehre es ausdrückt:

Die Centralsonne veranlasst Fohat, den ursprünglichen Staub in die Form von Bällen zu sammeln, ihn

anzutreiben, sich in konvergierenden Richtungen zu bewegen, und schließlich zusammenzurücken und sich zu

einer Masse zu vereinigen Im Raume zerstreut, ohne Ordnung und System, prallen die Weltkeime vor ihrer

schließlichen Vereinigung häufig aneinander, und nach derselben werden sie Wanderer (Kometen). Dann

beginnen die Kämpfe und Streite. Die älteren (Körper) ziehen die jüngeren an sich, während andere sie

zurückstoßen. Viele gehen zu Grunde, indem sie von ihren stärkeren Genossen verschlungen werden. Die,

welche entkommen, werden zu Welten. [75]

_21 (2 of 3)21:02:43.Kommentar VI

[73] Zur klareren Einsicht in das Obige siehe „Saptaparna“ im Index.

[74] Op. cit., III. 346.

[75] Buch des Dzyan.

_21 (3 of 3)21:02:43.Kommentar VI

Bei sorgfältiger Untersuchung und Überlegung wird man dies für so

wissenschaftlich finden, als es die Wissenschaft, selbst in unserer letzten Zeit,

machen kann. Man hat uns versichert, daß verschiedene moderne Werke

spekulativer Phantasie über solche Kämpfe ums Dasein am Sternenhimmel

bestehen, insbesondere in deutscher Sprache. Es freut uns, dies zu hören, denn

unseres ist eine im Dunkel uralter Zeiten verlorene Lehre. Wir haben dieselbe in

Isis Unveiled [76] ausführlich behandelt, und die Idee von einer der

darwinistischen ähnlichen Evolution vom Kampf ums Dasein und um die

Herrschaft, und vom „Überleben des Tauglichsten“ unter den Scharen oben wie

unter den Scharen unten zieht sich durch beide Bände unseres früheren Werkes,

das 1876 geschrieben wurde.

Aber die Idee gehört nicht uns, sondern dem Altertum an. Selbst die purânischen

Schriftsteller haben ihre Allegorie mit kosmischen Thatsachen und menschlichen

Ereignissen geistreich verwoben. Jeder Symbologe kann ihre astrokosmischen

Anspielungen herausfinden, selbst wenn er nicht fähig sein sollte, ihre volle

Bedeutung zu erfassen. Die großen „Kämpfe um Himmel“ in den Purânen; die

Titanenkämpfe bei Hesiod und anderen klassischen Schriftstellern; die „Kämpfe“

zwischen Osiris und Typhon in der ägyptischen Mythe; und selbst jene in den

skandinavischen Legenden, sie alle beziehen sich auf denselben Gegenstand.

Die nordische Mythologie bezeichnet ihn als die Schlacht der Flammen, der

Muspelsöhne, die auf dem Wigredfelde kämpften. Alle diese Kämpfe beziehen

sich auf Himmel und Erde, und haben eine doppelte, oft sogar eine dreifache

Bedeutung und esoterischen Anwendung auf die oberen sowie auf die unteren

Dinge. Sie beziehen sich oft auf astronomische, theogonische und menschliche

Kämpfe; auf die Anpassung der Bahnen, und der Suprematie unter Nationen und

Stämmen. Der „Kampf ums Dasein“ und das „Überleben des Tauglichsten“

herrschten zu höchst vom Beginne der Manifestation des Kosmos im Dasein,

und konnten dem beobachtenden Auge der alten Weisen schwerlich entgehen.

Daher die unaufhörlichen Kämpfe Indras, des Gottes des Firmamentes, mit den

Asuras – die von hohen Göttern zu kosmischen Dämonen degradiert worden

waren – und mit Vritra oder Ahi; die Kämpfe, die zwischen Sternen und

Sterngruppen, zwischen Monden und Planeten – die späterhin als Könige und

Sterbliche inkarniert waren – ausgefochten wurden. Daher auch der Streit um

Himmel seitens Michael und seiner Schar gegen den Drachen – Jupiter und

Lucifer Venus – als ein Dritteil der Sterne der trotzigen Schar in den Raum

gestürzt und „ihre Stätte nicht mehr gefunden wurde im Himmel.“

Wie wir vor langer Zeit geschrieben haben:

Dies ist der Grundstein und das Fundament der geheimen Cyklen. Es zeigt,

_23 (1 of 2)21:02:44.Kommentar VI

dass die Brâhmanen und Tanaim über die Schöpfung und Entwicklung

der Welt ganz nach Art Darwins spekulierten, und daß beide ihm und seiner

Schule die natürliche Zuchtwahl, die allmähliche Entwicklung und die

Umwandlung der Arten vorweggenommen haben. [77]

Es gab alte Welten, welche vergingen, von den neuen besiegt, etc. etc. Die

Behauptung, dass alle Welten (Sterne, Planeten, etc.) – sobald ein Kern

ursprünglicher Substanz im Laya (=undifferenzierten) Zustande durch die

freigewordenen Prinzipien eines soeben verstorbenen Himmelkörpers beseelt

worden ist – zuerst Kometen werden, und sodann Sonnen, um sich zu

bewohnbaren Welten abzukühlen, ist eine Lehre, die so alt ist wie die Rishis.

So lehren die geheimen Bücher, wie wir sehen, ausdrücklich eine Astronomie,

welche selbst von der modernen Spekulation nicht verworfen würde, wenn

letztere die Lehren derselben vollkommen verstehen könnte.

Denn die archaische Astronomie und die alte wissenschaftliche Physik und

Mathematik sprachen Ansichten aus, die mit denen der modernen Wissenschaft

gleichlautend sind, und von denen viele von weitaus größerer Tragweite waren.

Ein „Kampf ums Dasein“ und ein „Überleben des Tauglichsten“ in den oberen

Welten und hier unten auf unserem Planeten werden ausdrücklich gelehrt. Doch

würde diese Lehre von der Wissenschaft zwar nicht vollständig verworfen, aber

sicherlich als zusammenhängendes Ganzes zurückgewiesen werden. Denn sie

behauptet, dass es bloß sieben selbstgeborene ursprüngliche „Götter“ gab, die

aus dem dreieinigen Einen hervorgegangen sind. Mit anderen Worten, sie meint,

daß alle Welten oder Weltkörper in beständiger, strenger Analogie eines aus

dem anderen gebildet werden, nachdem die ursprüngliche Manifestation beim

Beginne des großen Zeitalters vollendet ist.

[76] Siehe den Index unter den Worten: „Evolution“, „Darwin“, „Kapila“, „Kampf

ums Dasein“, etc.

[77] Isis Unveiled, II. 260.

_23 (2 of 2)21:02:44.Kommentar VI

Das war ein großer Irrtum. Aber die Schuld daran ist ebenso sehr der

Ungestimmtheit und Unvollständigkeit der Antwort des Meisters beizumessen wie

der Frage des Schülers selbst, welche gleichermaßen vag und unbestimmt war.

Es wurde gefragt: „Welche Planeten, von denen, die der gewöhnlichen

Wissenschaft bekannt sind, außer Merkur, gehören unserem Weltensystem an?“

Nun, wenn unter „Weltensystem“ unsere Erdkette oder „Schnur“ im Gedanken

des Fragers beabsichtigt war, statt des „solaren Weltsystems“, wie es hätte sein

sollen, dann war die Antwort natürlich geeignet, mißverstanden zu werden. Denn

die Antwort war: „Mars, etc., und vier andere Planeten, von denen die

Astronomie nichts weiß. Weder A, B, noch Y, Z sind bekannt, noch können sie

durch physikalische Mittel, seien diese auch noch so vervollkommnet, gesehen

werden.“

Das ist klar: (a) Die Astronomie weiß bis jetzt in Wirklichkeit nichts von den

Planeten, weder von den alten, noch von den in neuer Zeit entdeckten.

(b) Kein Mitplanet von A bis Z, d. h. kein oberer Globus irgend einer Kette im

Sonnensystem, kann gesehen werden; mit Ausnahme natürlich von allen

Planeten, die an vierter Stelle stehen, wie unsere Erde, der Mond, etc., etc. Was

Mars, Merkur und die „vier anderen Planeten“ anbelangt, so stehen sie zu der

Erde in einem Verhältnis, von dem kein Meister oder hoher Occultist jemals

sprechen, noch weniger seine Natur erklären wird.

In demselben Briefe wird von einem der Lehrer die Unmöglichkeit dem Verfasser

von Esoteric Buddhism ausdrücklich kundgegeben: „Versuchen Sie zu

verstehen, daß Sie mir Fragen stellen, die zur höchsten Initiation gehören; daß

ich Ihnen (bloß) einen allgemeinen Überblick geben kann, daß ich aber in

Einzelnheiten einzugehen weder wage, noch will .“ Die Schreiberin besitzt

Kopieen von allen jemals eingelangen oder abgesendeten Briefen, mit

Ausnahme von ein paar privaten – „in denen keine Lehre war,“ wie der Meister

sagt. Da es ihre Pflicht war, im Anfange, gewisse nicht berührte Punkte zu

beantworten oder zu erklären, so ist es mehr als wahrscheinlich, daß, trotz der

vielen Anmerkungen auf diesen Kopieen, die Schreiberin in ihrer Unkenntnis des

Englischen und in ihrer Furcht, zu viel zu sagen, die gegebene Information

verpfuscht haben mag. In allem und jedem Falle nimmt sie die ganze Schuld

daran auf sich. Aber es ist ihr unmöglich zu erlauben, daß Schüler irgend länger

unter falschen Eindrücken verbleiben oder glauben, daß der Fehler in dem

esoterischen System liege.

_87 (1 of 3)21:02:44.Kommentar VI

Es sei daher nunmehr klar ausgesprochen, daß die vorgebrachte Theorie

unmöglich ist, mit oder ohne das weitere Beweismaterial, das die moderne

Astronomie liefern würde. Die physikalische Wissenschaft kann bestätigende,

wenn auch sehr unsichere, Beweise nur in Bezug auf Himmelskörper beibringen,

die sich auf derselben Ebene der Materialität befinden wie unser objektives

Universum. Mars und Merkur, Venus und Jupiter, sowie jeder bisher entdeckte

oder noch zu entdeckende Planet, sind alle per se die Repräsentanten auf

unserer Ebene von solchen Ketten. Wie es ausdrücklich in einem der zahlreichen

Briefe von Herrn Sinnetts Lehrer heißt: „es giebt andere und unzählbare

manvantare Ketten von Globen, welche intelligente Wesen tragen, sowohl

innerhalb als außerhalb unseres Sonnensystems.“ Aber weder Mars noch Merkur

gehören zu unserer Kette. Sie sind, zugleich mit anderen Planeten, siebenfache

Einheiten in der großen Schar von Ketten unseres Systems, und sind alle ebenso

sichtbar, wie ihre oberen Globen unsichtbar sind.

Wenn noch weiter vorgebracht wird, daß gewisse Ausdrücke in den Briefen des

Lehrers geeignet waren, zu Irrtum zu verleiten, so ist die Antwort: Amen; das

waren sie. Der Autor von Esoteric Buddhism verstand das wohl, als er schrieb,

also seien „die traditionellen Lehrmethoden durch Hervorrufung von

Verwirrung“, der sie abhelfen oder nicht, je nachdem. Auf jeden Fall, wenn mit

Nachdruck betont wird, daß dies früher hätte erklärt und die wahre Natur der

Planeten so veröffentlicht werden können, so wie es jetzt geschieht, so lautet die

Antwort: Man fand es damals nicht ratsam, also zu thun, da es den Anlaß zu

einer Reihe von weiteren Fragen gegeben hätte, die ihrer esoterischen Natur

halber niemals hätten beantwortet werden können, wodurch nur Verlegenheiten

geschaffen worden wären. Es war vom Anfang an erklärt und seither wiederholt

bestätigt worden: 1. Daß kein Theosoph, nicht einmal als angenommener Chelâ,

geschweige denn ein Laienschüler, erwarten könne, daß ihm die Geheimlehre

durchaus und vollständig erklärt werde, bevor er sich der Brüderschaft durch

unwiderrufliches Gelöbnis verpflichtet und mindestens eine Initiation

durchgemacht habe, weil keine Figuren und Zahlen der Öffentlichkeit übergeben

werden können, da Figuren und Zahlen der Schlüssel zum esoterischen System

sind. 2. Daß das, was enthüllt wurde, bloß die esoterische Zusammenkittung von

dem war, was in nahezu allen exoterischen Schriften der Weltreligionen –

vorwiegend in den Brâhmanas und den Upanishads der Veden, und selbst in den

Purânen – enthalten ist.

Es war ein kleiner Teil von dem, was jetzt viel vollständiger in den vorliegenden

_87 (2 of 3)21:02:44.Kommentar VI

Bänden veröffentlicht wird; und selbst das ist sehr unvollständig und

bruchstückweise.

_87 (3 of 3)21:02:44.Kommentar VI

Die Geburt der Himmelskörper im Raume wird verglichen mit einer Pilgerschar

beim Feste der Feuer. Sieben Asketen erscheinen an der Schwelle des Tempels

mit sieben brennenden Weihrauchkerzen. An der Flamme derselben entzündet

die erste Reihe der Pilger ihre Weihrauchfackeln. Hierauf beginnt jeder Asket

seine Kerze um seinen Kopf in der Luft herumzuwirbeln und versieht die übrigen

mit Feuer.

So ist es auch mit den Himmelskörpern.

Ein Layacentrum wird durch die Feuer eines anderen „Pilgers“ entzündet und

zum Leben erweckt, worauf das neue „Centrum“ in den Raum hinauseilt und ein

Komet wird. Erst wenn er seine Geschwindigkeit und damit seinen feurigen

Schweif verliert, läßt sich der feurige Drache zu ruhigem und stetigem Leben

nieder, als ordentlicher respektabler Bürger der himmlischen Familie. Daher heißt

es:

Geboren in den unergründlichen Tiefen des Raumes aus dem homogenen

Element, die Weltseele genannt, beginnt jeder Kern kosmischer Materie, wie er

plötzlich ins Dasein hinausgestoßen wird, sein Leben unter den feindlichsten

Umständen. Durch eine zahllose Reihe von Zeitaltern hat er sich einen Platz in

den Unendlichkeiten zu erkämpfen. Er kreist rundumher, zwischen dichteren und

bereits gefestigten Körpern, er bewegt sich ruckweise, drängt nach einem

bestimmten Punkt oder einem Centrum, von dem er angezogen wird, und

versucht gleich einem Schiffe, das in ein mit Riffen und blinden Klippen

übersäetes Fahrwasser gezogen wird, andere Körper zu vermeiden, die ihn der

Reihe nach anziehen oder abstoßen. Viele gehen zu Gunde, indem ihre Masse

durch stärkere Massen aufgelöst wird, und zwar, wenn sie in ein System

getragen werden, hauptsächlich in den unersättlichen Mägen der verschiedenen

Sonnen. Jene, die sich langsamer bewegen und in eine elliptische Bahn

gedrängt werden, sind zu früherer oder späterer Vernichtung verurteilt. Andere,

die sich in parabolischen Bahnen bewegen, entgehen wegen ihrer

Geschwindigkeit gewöhnlich der Zerstörung.

Einige besonders kritische Leser werden vielleicht denken, daß diese Lehre, daß

alle Himmelskörper durch den kometarischen Zustand hindurchgehen müssen, in

Widerspruch stehe mit der soeben gemachten Behauptung, daß der Mond die

Mutter der Erde ist. Sie werden vielleicht wähnen, es sei Intuition nötig, um

beides miteinander in Einklang zu bringen. Aber in Wahrheit ist keine Intuition

notwendig. Was weiß die Wissenschaft von den Kometen, ihrer Entstehung,

ihrem Wachstum, und ihrem schließlichen Verhalten? Nichts – absolut nichts!

Und was liegt so Unmögliches darin, daß ein Layacentrum – ein Klumpen

_25 (1 of 3)21:02:45.Kommentar VI

kosmischen Protoplasmas, homogen und latent – wenn es plötzlich belebt oder

angefeuert wird, aus seinem Bette im Raume fortrast und durch die

unergründlichen Tiefen dahinwirbelt, um seinen homogenen Organismus durch

eine Anhäufung und Aufnahme differenzierter Elemente zu verstärken? Und

warum soll ein solcher Komet sich nicht seßhaft machen, leben, und zum

bewohnten Balle werden?

„Der Wohnungen Fohats sind viele“ – heißt es. „Er stellt seine vier feurigen

(elektropositiven) Söhne in die vier Kreise;“ diese Kreise sind der Äquator, die

Ekliptik, und die zwei Parallelkreise in Deklination oder die Wendekreise, über

deren Klimata die vier mystischen Wesen als Herrscher gesetzt sind. Dann

weiter: „Andere Sieben (Söhne) sind beauftragt, über die sieben heißen, und die

sieben kalten Lokas (die Höllen der orthodoxen Brâhmanen) an den beiden

Spitzen des Eies der Materie (unserer Erde und ihrer Pole) zu herrschen.“ Diese

sieben Lokas heißen anderwärts die „Ringe“ oder die „Kreise“. Die Alten zählten

sieben Polarkreise, anstatt zwei, wie die Europäer thun; denn es heißt, daß zum

Berge Meru, welcher der Nordpol ist sieben goldene und sieben silberne Stufen

hinführen.

Die sonderbaren Behauptungen in einer der Strophen, daß „die Gesänge des

Fohat und seiner Söhne STRAHLEND waren wie die Mittagssonne in

Verbindung mit dem Mond“ und daß die Vier Söhne, auf dem mittleren vierfachen

Kreise, „ihres Vaters Gesänge SAHEN und seinen sonnig-mondigen Glanz

HÖRTEN“, werden im Kommentar mit folgenden Worten erklärt: „Die Bewegung

der fohatischen Kräfte an den zwei kühlen Enden (Nord- und Südpol) der Erde,

die einen vielfarbigen Strahlenglanz des Nachts zur Folge hat, besitzt

verschiedene Eigenschaften von Âkâsha (Ether), Farbe ebenso gut wie Ton.“

„Ton ist das Charakteristikon von Âkâsha (Ether): er erzeugt Luft, deren

Eigenschaft Berührung ist; welche (durch Reibung) Farbe und Licht erzeugt.“ [78]

Das Obige wird vielleicht für archaischen Unsinn gehalten werden, aber der

Leser wird es besser verstehen, wenn er sich an die Nord- und Südlichter

erinnert, welche genau an den Centren der erdelektrischen und erdmagnetischen

Kräfte auftreten. Es heißt, daß die zwei Pole die Speicher, die Behälter und

zugleich Ausscheidestellen der kosmischen und irdischen Lebenskraft

(Elektricität) sind, durch deren Übermaß die Erde, wenn sie diese beiden

natürlichen Sicherheitsventile nicht hätte, schon längst in Stücke zersprengt

worden wäre. Gleichzeitig existiert eine Theorie, die neuerdings zum Axiom

geworden ist, daß die Erscheinung der Polarlichter von starken Tönen, wie

_25 (2 of 3)21:02:45.Kommentar VI

pfeifen, zischen und knacken, begleitet ist und dieselben verursacht. Siehe in

Prof. Humboldts Werken über Nordlicht, und seinen Briefwechsel in Bezug auf

die strittige Frage.

[78] Vishnu Purâna.

_25 (3 of 3)21:02:45.Kommentar VI

STROPHE VI. – Schluß.

7. MACHE DEINE BERECHNUNGEN, LANOO, WENN DU DAS WAHRE

ALTER DEINES KLEINEN RADES [79] ERFAHREN WILLST. DIE VIERTE

SPEICHE DESSELBEN IST UNSERE MUTTER [80] (a). ERLANGE DIE VIERTE

FRUCHT AUF DEM VIERTEN WEGE DER ERKENNTNIS DIE ZUM NIRVÂNA

FÜHRT; DANN WIRST DU VERSTEHEN, DENN DU WIRST SEHEN (b) .

(a) Das „kleinere Rad“ ist unsere Kette von Sphären, und die „vierte Speiche“ ist

unsere Erde, die vierte in der Kette. Sie ist eine von jenen, auf die der „heiße

(positive) Atem der Sonne“ einen direkten Einfluß hat.

Die sieben fundamentalen Umwandlungen der Globen oder himmlischen

Sphären, oder vielmehr die der Stoffteilchen, aus denen sie zusammengesetzt

sind, werden wie folgt beschrieben: 1. homogen; 2. luftförmig und strahlend

gasartig; 3. flockig (nebelartig); 4. atomistisch, etherisch – Beginn von

Bewegung, daher von Differentiation; 5. keimartig, feurig – differentiiert, aber

bloß aus den Keimen der Elemente in ihren ersten Zuständen zusammengesetzt,

von welchen Zuständen sie nach ihrer vollständigen Entwicklung auf unserer

Erde ihrer sieben haben; (6) vierfältig, dampfartig – die zukünftige Erde; (7) kalt

und wegen des Bezuges von Leben und Licht von der Sonne abhängig.

Dieses Alter zu berechnen, wie der Schüler in dieser Strophe aufgefordert wird,

ist jedoch ziemlich schwierig, da uns die Zahlen des großen Kalpas nicht

gegeben sind, und uns nicht erlaubt ist, die unserer kleineren Yugas zu

veröffentlichen, ausgenommen ihre näherungsweise Dauer. „Die älteren Räder

drehten sich eine Ewigkeit und eine halbe Ewigkeit“, heißt es. Wir wissen, daß

unter „Ewigkeit“ der siebente Teil von 311 040 000 000 000 Jahren, oder eines

Zeitalters Brahmâs verstanden ist. Aber was damit weiter? Wir wissen auch, um

einen Anfang zu machen, daß wir, wenn wir obige Zahl als unsere Grundlage

annehmen, vor allem von den 100 Jahren des Brahmâ, oder den 311 040 000

000 000 Jahren, zwei Jahre auszuscheiden haben, die von den Sandhyâs

(Dämmerungen) eingenommen werden, wonach 98 bleiben, da wir diese auf die

mystische Kombination 14x7 zu bringen haben. Aber wir haben keine Kenntnis

davon, an welchem genauen Zeitpunkt die Entwicklung und Bildung unserer

kleinen Erde begann. Daher ist es unmöglich, ihr Alter zu berechnen, wenn uns

nicht die Zeit ihrer Geburt gegeben ist – welche uns die Lehrer insoweit zu geben

sich weigern. Am Schlusse dieses Bandes und in Band II werden jedoch einige

chronologische Andeutungen gegeben werden. Wir müssen uns weiter daran

erinnern, daß sich das Gesetz der Analogie ebenso gut bei den Welten, als beim

Menschen bewährt; und daß, ebenso wie „die Eins (Gottheit) wird Zwei (Deva

_27 21:02:46.Kommentar VI

oder Engel), und Zwei wird Drei (oder Mensch),“ etc., uns auch gelehrt wird, daß

die Flocken (der Weltstoff) zu Wanderern (Kometen) werden; diese werden zu

Sternen; und die Sterne (die Centren der Wirbel) zu unserer Sonne und unseren

Planeten – um es kurz zu sagen.

Dies kann nicht so unwissenschaftlich sein, nachdem Descartes ebenfalls

glaubte, daß „die Planeten sich um ihre Achsen drehen, weil sie einstmals

leuchtende Sterne, die Centren von Wirbeln waren.“

(b) Es werden in den exoterischen Werken vier Grade der Initiation aufgezählt,

die im Sanskrit der Reihe nach als Srotâpanna, Sakridâgâmin, Anâgâmin und

Arhan bekannt sind; die vier Pfade zu Nirvâna, in dieser unserer vierten Runde,

tragen dieselben Bezeichnungen. Der Arhan ist, obwohl er Vergangenheit,

Gegenwart und Zukunft sehen kann, doch nicht der höchste initiierte; denn der

Adept selbst, der initiierte Kandidat, wird zum Chelâ (Schüler) eines höheren

Initiierten. Noch drei höhere Grade muß der Arhan erringen, der den Gipfel der

Leiter der Arhatschaft erreichen will. Es existieren solche, welche ihn in dieser

unserer fünften Rasse erklommen haben, aber die zur Erlangung dieser höheren

Grade notwendigen Fähigkeiten werden im gewöhnlichen Asketen erst am Ende

dieser Wurzelrasse, und in der sechsten und siebenten, vollständig entwickelt

sein. So wird es immer Initiierte und Profane geben bis zum Ende dieses

kleineren Manvantara, des gegenwärtigen Lebenscyklus. Die Arhats des

„Feuernebels“, von der siebenten Sprosse, sind bloß eine Staffel von der

Wurzelbasis ihrer Hierarchie, der höchsten auf Erden und unserer irdischen

Kette. Diese „Wurzelbasis“ hat einen Namen, der in unsere Sprache nur mittelst

verschiedener zusammengesetzter Worte übersetzt werden kann – der „ewig –

lebende – menschliche – Feigenbaum“. Diese „wunderbare Wesen“ senkte sich

herab aus einer „hohen Region“, so sagen sie, im ersten Teil des dritten

Zeitalters, vor der Trennung der Geschlechter in der dritten Rasse.

Diese dritte Rasse wird manchmal kollektiv die „Söhne des passiven Yoga“

genannt, d. h. sie wurde unbewußt von der zweiten Rasse hervorgebracht, von

welcher man, da sie intellektuell unthätig war, annimmt, daß sie beständig in eine

Art leerer oder abstrakter Contemplation versunken war, wie es die Bedingungen

des Yogazustandes erfordern. In dem ersten oder früheren Teile des Daseins

dieser dritten Rasse, als sie noch in ihrem Zustande von Reinheit war, erzeugten

die „Söhne der Weisheit“, welche, wie wir sehen werden, in dieser Wurzelrasse

sich inkarnierten, mittelst Kriyâshakti eine Nachkommenschaft, welche die

„Söhne von Ad“ oder vom „Feuernebel“, die „Söhne von Willen und Yoga“ etc.

genannt wurde. Sie war eine bewußte Hervorbringung, da ein Teil der Rasse

bereits mit dem göttlichen Funken geistiger, höherer Intelligenz beseelt war.

Diese Nachkommenschaft war keine Rasse. Sie war zuerst ein wunderbares

_27 (2 of 4)21:02:46.Kommentar VI

Wesen, genannt der „Initiator“ und nach ihm die Gruppe halb-göttlicher und halb-menschlicher

Wesen. „Bei Seite gesetzt“ in der archaischen Genesis für gewisse

Zwecke waren sie jene, von denen es heißt, daß die höchsten Dhyânis – „Munis

und Rishis aus früheren Manvantaras“ – sich in ihnen inkarniert hatten, um die

Pflanzschule für zukünftige menschliche Adepten zu bilden, auf dieser Erde und

während des gegenwärtigen Cyklus. Diese „Söhne von Willen und Yoga“ waren

so zu sagen auf unbefleckte Art geboren und blieben, wie erklärt, gänzlich

getrennt von der übrigen Menschheit.

Das eben erwähnte „Wesen“, welches namenlos bleiben muß, ist der Baum, von

dem sich in späteren Zeitaltern alle großen historisch bekannten Weisen und

Hierophanten, wie der Rishi Kapila, Hermes, Enoch, Orpheus u.s.w. abgezweigt

haben. Als objektiver Mensch ist er die geheimnisvolle (für den Profanen – die

immer unsichtbare, aber immer gegenwärtige) Persönlichkeit, über die im Osten

zahlreiche Legenden existieren, besonders unter den Occultisten und den

Schülern der heiligen Wissenschaft. Er ist es, der die Form wechselt, aber immer

derselbe bleibt. Und er ist es auch wiederum, der die geistige Herrschaft über

alle initiierten Adepten der ganzen Welt inne hat. Er ist, wie gesagt, der

„Namenlose Eine“, der so viele Namen hat, und dessen Namen und wahre Natur

trotzdem unbekannt sind. Er ist der „Initiator“, genannt das „GROSSE OPFER“.

Denn an der Schwelle des LICHTES sitzend, blickt er in dasselbe aus dem

Kreise der Dunkelheit, den er nicht überschreiten will; noch will er seinen Posten

verlassen vor dem letzten Tage dieses Lebenscyklus. Warum bleibt der einsame

Wächter auf seinem selbsterwählten Posten? Warum sitzt er an der Quelle der

ursprünglichen Weisheit, von der er nicht länger mehr trinkt, weil er nichts zu

lernen hat, das er nicht wüsste – fürwahr, weder auf dieser Erde noch in ihrem

Himmel? Weil die einsamen Pilger mit wunden Füßen, auf ihrer Rückreise in ihre

Heimat, bis zum letzten Augenblick niemals sicher sind, ihren Weg nicht zu

verlieren, in dieser grenzenlosen Wüste von Illusion und Materie, genannt das

Erdenleben. Weil er gerne einem jeden Gefangenen, dem es gelungen ist, sich

von den Banden des Fleisches und der Illusion zu befreien, den Weg zeigen

möchte zu jener Region der Freiheit und des Lichtes, aus der er sich selbst

freiwillig verbannt hat. Weil er, kurz gesagt, sich selbst zum Wohle der

Menschheit geopfert hat, obwohl nur wenige Auserwählte Vorteil ziehen könne

aus dem GROSSEN OPFER.

Unter der unmittelbaren, stillen Leitung dieses MAHÂ-GURU wurden alle

anderen weniger göttlichen Lehrer und Unterweiser des Menschengeschlechts

vom ersten Erwachen des menschlichen Bewusstseins an die Führer der ersten

Menschheit. Durch diese „Söhne Gottes“ erlernte die kindliche Menschheit ihre

ersten begriffe von allen Künsten und Wissenschaften, sowie von der geistigen

_27 (3 of 4)21:02:46.Kommentar VI

Erkenntnis; und sie sind es, die den ersten Grundstein gelegt haben für alten

Civilisationen, die unsere moderne Generation von Schülern und Gelehrten in so

traurige Verlegenheit versetzen.

[79] Kette.

[80] Erde.

_27 21:02:46.Kommentar VI

Mögen jene, die diese Behauptung bezweifeln, mit irgend welchen anderen

gleich vernünftigen Gründen das Geheimnis das außerordentlichen Wissens, das

die Alten besaßen, erklären – die, wie einige vorgeben, sich aus niederen und

tierartigen Wilden, den „Höhlenmenschen“ des paläolithischen Zeitalters,

entwickelt hatten!

Mögen sie sich beispielsweise solchen Werke zuwenden, wie denen des

Vitruvius Pollio aus dem augusteischen Zeitalter über Architektur, in welchen alle

Proportionsregeln dieselben sind, die in alter Zeit bei den Initiationen gelehrt

wurden, wenn sie sich mit dieser wahrhaft göttlichen Kunst bekannt machen

wollen, und den tiefen esoterischen Sinn, der in jeder Regel und jedem Gesetze

der Proportion verborgen liegt, verstehen wollen. Kein Mensch, der von einem

paläolithischen Höhlenbewohner abstammt, könnte jemals eine solche

Wissenschaft ohne Beihilfe entwickeln, selbst nicht in Jahrtausenden von

Gedanken und intellektueller Evolution. Die Schüler jener inkarnierten Rishis und

Devas der dritten Wurzelrasse waren es, die ihr Wissen – von einer Generation

zur anderen- an Ägypten überlieferten und an Griechenland mit seinem

verlorenen Kanon der Proportion; gerade so, wie die Schüler der initiierten der

vierten, der Atlantier, sie ihren Cyklopen übergaben, den „Söhne der Cyklen“

oder des „Unendlichen“, von welchen der Name auf die noch späteren

Generationen gnostischer Priester überging.

Diese göttlichen Vollkommenheit der Architekturverhältnisse ist es zu

verdanken, daß die Alten jene Wunderwerke aller folgenden Zeitalter erbauen

konnten, ihre Tempel, Pyramiden, Höhlentempel, Kromlechs, Steinhügel und

Altäre als Zeugen von dem Besitze maschineller Kräfte und mechanischer

Kenntnisse, mit denen verglichen die moderne Kunstfertigkeit wie ein

Kinderspiel ist, und welche diese Geschicklichkeit selbst als die „Werke der

hundertarmigen Riesen“ bezeichnet. [81]

Moderne Baumeister mögen diese Regeln nicht gänzlich vernachlässigt haben,

aber sie haben genug empirische Neuerungen hinzugefügt, um die richtigen

Verhältnisse zu zerstören. Vitruv ist es, der der Nachwelt die Regeln für den

Aufbau der griechischen Tempel gab, die den unsterblichen Göttern errichtet

wurden, und die zehn Bücher über Architektur des Markus Vitruvius Pollio, eines

Mannes, der, kurz gesagt, ein Initiierter war, können nur esoterisch studiert

werden. Die Druidensteine, die Dolmen, die Tempel Indiens, Ägyptens und

Griechenlands, die Türme, und die 127 europäischen Städte, die vom

französischen Institut als „cyklopischen Ursprungs“ befunden wurden, sind alle

das Werk initiierter Priester-Architekten – der Nachkommen von jenen, die zuerst

_29 (1 of 2)21:02:46.Kommentar VI

von den „Söhnen Gottes“ unterrichtet und mit Recht die „Baumeister“ genannt

wurden. Folgendes sagt die anerkennende Nachwelt von diesen Nachkommen:

Sie verwendeten weder Mörtel noch Cement, noch Stahl oder Eisen, um ihre

Steine zu behauen; und doch waren diese so kunstvoll bearbeitet, daß an

vielen Stellen die Fugen kaum sichtbar sind, obwohl viele von den Steinen,

wie in Peru, 38 Fuß lang, 18 Fuß breit und 6 Fuß dick sind; und in den Wällen

der Festung von Cuzko befinden sich Steine von noch größerer Masse. [82]

Wiederum:

Der Brunnen von Syene, erbaut vor 5400 Jahren, als dieser Punkt genau unter

dem Wendekreise lag, was jetzt nicht mehr der Fall ist, war so gegraben,

dass genau im Moment der Sonnenwende zu Mittag die ganze

Sonnenscheibe auf seiner Oberfläche reflektiert zu sehen war – ein Werk, das

die vereinte Geschicklichkeit aller Astronomen von Europa nicht im stande

wäre zu vollbringen. [83]

Obwohl diese Gegenstände in Isis Unveiled kaum angedeutet wurden, so wird es

doch gut sein, den Leser daran zu erinnern, was dort [84] über eine heilige Insel

in Centralasien gesagt ist, und ihn wegen weiterer Einzelheiten auf den Abschnitt

hinzuweisen, welcher unter dem Titel „Die Söhne Gottes und die heilige Insel“

der Strophe IX des zweiten Bandes beigegeben ist. Einige weitere Erklärungen

mögen jedoch, wenn sie auch nur bruchstückweise hingeworfen sind, dem

Schüler behilflich sein, einen kleinen Einblick in das vorliegende Geheimnis zu

erlangen.

[81] Kenealy, Book of God, p. 118.

[82] Acosta, VI, 14.

[83] Kenealy, ebendaselbst.

[84] I. 587-93.

_29 (2 of 2)21:02:46.Kommentar VI

Um mindestens eine Einzelheit bezüglich dieser geheimnisvollen „Söhne Gottes“ in

klaren Worten mitzuteilen: die hohen Dvijas, die initiierten Brâhmanen des Altertums

behaupteten von diesen Brahmaputras abzustammen, während der moderne Brâhmane

die niederen Kasten buchstäblich daran glauben lassen möchte, daß sie (die

Brâhmanen) unmittelbar aus dem Munde Brahmâs hervorgegangen seien. So ist die

esoterische Lehre; und sie fügt noch hinzu, dass, obwohl jene (selbstverständlich

geistigen) Nachkommen der „Söhne von Willen und Yoga“ mit der Zeit in

entgegengesetzte Geschlechter geteilt wurden, ebenso wie später auch ihre

„Kriyâshakti“ Vorfahren, daß doch ihre entarteten Nachkommen bis zum heutigen Tage

Verehrung und Achtung für die Zeugungshandlung bewahrt haben und sie noch immer

im Lichte einer religiösen Ceremonie betrachten, während die civilisierten Nationen sie

für eine rein tierische Funktion halten.

Man vergleiche die westlichen Anschauungen und Übung in Bezug auf diese Dinge mit

den Anordnungen Manus betreffend die Gesetze für den Grihastha und das eheliche

Leben.

Der wahre Brâhmane ist somit thatsächlich der, „dessen sieben Vorväter den Saft der

Mondpflanze (Soma) getrunken haben“, und der ein „Trisuparna“ ist, da er das

Geheimnis der Veden verstanden hat.

Und bis zum heutigen Tage wissen solche Brâhmanen, daß während der ersten

Anfänge dieser Rasse die geistigen Ideen derselben ohne allen Zusammenhang mit

ihrer körperlichen Umgebung waren, weil der psychische und physische Intellekt

schlummerten und das Bewußtsein noch nicht entwickelt war; daß der göttliche Mensch

in seiner tierischen – wenn auch äußerlich menschlichen – Form wohnte; daß, wenn

Instinkt in ihm war, kein Selbstbewußtsein kam, um die Finsternis des latenten fünften

Prinzipes zu erhellen. Als die Herren der Weisheit, durch das Gesetz der Evolution

getrieben, in ihm den Funken des Bewußtseins versenkten, so war die erste Regung,

welche dieser zu Leben und Thätigkeit erweckte, ein Gefühl der Solidarität, des

Einsseins mit seinen geistigen Schöpfern. Wie die erste Regung des Kindes seiner

Mutter und Ernährerin gilt, so neigten sich die ersten Bestrebungen des erwachenden

Bewußtseins im ursprünglichen Menschen jenen zu, deren Elemente er in sich selbst

fühlte, und welche doch draußen und von ihm unabhängig waren. Aus diesem Gefühle

entsprang Hingebung, und wurde zur ersten und vornehmsten Triebkraft in seiner Natur;

denn sie ist die einzige, welche in seinem Herzen natürlich und ihm angeboren ist, und

die wir ebenso im menschlichen Kindchen wie im tierischen Jungen finden. Dieses

Gefühl unbezähmbarer naturtriebartiger Sehnsucht im Urmenschen beschreibt herrlich,

um man kann sagen intuitiv, Carlyle, indem er ausruft:

Das große antike Herz – wie gleicht es dem eines Kindes in seiner Einfalt, wie dem

1 (1 of 3)21:02:47.Kommentar VI

eines Mannes in seiner ernsten Erhabenheit und Tiefe! Der Himmel ruht über ihm, wo

immer er geht oder steht auf Erden, und macht ihm die ganze Erde zu einem

mystischen Tempel und jedes irdische Geschäft zu einer Art von Gottesdienst.

Flüchtige Schimmer heller Kreaturen blitzen im Sonnenschein des Alltags; Engel

schweben noch und tragen Gottes Botschaften unter die Menschen Staunen

und Wunder umgeben den Menschen; er lebt in einem Element des Wunders.

[85] Ein großes Gesetz der Pflicht, hoch wie diese zwei Unendlichkeiten

(Himmel und Hölle), das alles andere als nichtig erscheinen ließ, das alles andere

vernichtete – es war eine Wirklichkeit, und ist noch immer eine: nur die Umkleidung

ist tot, sein Wesen lebt durch alle Zeiten und durch alle Ewigkeit!

Es lebt unbestreitbar, und hat mit all seiner unausrottbaren Stärke und Kraft in dem

Herzen des asiatischen Âriers, unmittelbar von der dritten Rasse her, durch deren erste

aus der Seele geborenen Söhne, die Früchte von Kriyâshakti geregelt. Während die Zeit

dahinrollte, brachte die heilige Kaste der Initiierten, zwar selten, von Zeitalter zu

Zeitalter, solche vollkommene Geschöpfe hervor; innerlich abgesonderte Wesen, obwohl

äußerlich dieselben, wie jene, welche sie hervorbrachten.

Es war in der Kindheit der dritten ursprünglichen Rasse:

Und ein

Geschöpf

erhabenerer

Art,

Es fehlte noch,

und ward daher

geplant,

Bewußt im

Denken,

umfangreicherer

Brust,

Geformt zum

Herrn der ganzen

andern Welt.

Es wurde ins Dasein gerufen als ein bereiter und vollkommener Träger der sich inkarnierenden

Bewohner höherer Sphären, die fortan in diesen Formen ihren Aufenthalt nahmen, geboren vom

geistigen Willen und der natürlichen göttlichen Kraft im Menschen. Es war ein Kind des reinen

Geistes, in seinem Gemüte ohne irgendwelche färbende Beimischung eines irdischen Elementes.

Nur sein Körpergebäude gehörte der Zeit und dem Leben an, denn es nahm seine Intelligenz

1 (2 of 3)21:02:47.Kommentar VI

unmittelbar von oben. Es war der lebendige Baum der göttlichen Weisheit, und kann daher dem

Weltenbaume der nordischen Legenden verglichen werden, der nicht welken und sterben kann,

bevor die letzte Schlacht des Lebens geschlagen ist, während seine Wurzeln die ganze Zeit von

dem Drachen Nîdhöggr benagt wird. Denn ebenso wurde auch der Körper des ersten und heiligen

Sohnes von Kriyâshakti vom Zahne der Zeit benagt, während die Wurzeln seines inneren Wesens

für immer unverwelklich und stark blieben, weil sie im Himmel wuchsen und sich ausbreiteten,

und nicht auf Erden. Er war der erste der Ersten, und er war der Same aller anderen. Es gab

andere Söhne der Kriyâshakti, die durch eine zweite geistige Anstrengung hervorgebracht

wurden, aber der erste blieb bis zu diesem Tage der Same der göttlichen Erkenntnis, der Eine und

höchste unter den irdischen „Söhnen der Weisheit“. Über diesen Gegenstand können wir nicht

mehr sagen, außer daß wir hinzufügen, daß es in jedem Zeitalter – ja sogar in dem unsern – große

Intellekte gegeben hat, die das Problem richtig verstanden haben.

[85] Das, was für den Blick des ursprünglichen Menschen natürlich war, ist erst für

uns zum Wunder geworden; und das, was für ihn ein Wunder war, könnte niemals in

unserer Sprache ausgedrückt werden.

1 (3 of 3)21:02:47.Kommentar VI

Aber wie kommt unser physischer Körper zu dem Zustande von Vollkommenheit, in dem

er jetzt gefunden wird? Durch Millionen von Jahren der Evolution, selbstverständlich,

aber niemals durch den Tierzustand oder von Tieren her, wie der Materialismus lehrt.

Denn wie Carlyle sagt:

Die Wesenheit unseres Seins, das Geheimnisvolle in uns, das sich selbst „Ich“

nennt – ach, was für Worte haben wir für solche Dinge? – ist ein Atem des Himmels;

das höchste Wesen offenbart sich im Menschen. Dieser Körper, diese Fähigkeiten,

dieses unser Leben, ist es nicht alles ein Gewand jenes Namenlosen?

Der „Atem des Himmels“ oder vielmehr der Atem des Lebens, der in der Bibel

Nephesch genannt wird, ist in jedem Tiere, in jedem belebten Stäubchen und in

jedem mineralischen Atom. Aber keines von diesen hat gleich dem Menschen ein

Bewußtsein von der Natur dieses „höchsten Wesens“ [86] , weil keines diese

göttliche Harmonie in seiner Form hat, wie sie der Mensch besitzt. Es ist so, wie

es Novalis gesagt und keiner seither es besser gesagt hat, und wie es Carlyle

wiedergiebt:

Es giebt bloß einen Tempel im Weltall und der ist der Körper des Menschen. Nichts ist

heiliger als diese hohe Form Wir berühren den Himmel, wenn wir unsere Hand

auf einen menschlichen Körper legen! Dies klingt wie eine bloße Redeblume; aber es

ist nicht so. Wenn wohl überlegt, wird es sich als eine wissenschaftliche Thatsache

erweisen; als der Ausdruck der thatsächlichen Wahrheit der Sache. Wir sind das

Wunder der Wunder – das große unergründliche Geheimnis [87]

[86] Es giebt keine Nation auf der Welt, in der das Gefühl der Andacht oder

der religiösen Mystik entwickelter und hervorleuchtender wäre als beim

indischen Volke. Man sehe, was Max Müller über dieses eigentümliche

Verhalten und dieses nationale Gepräge in seinen Werken sagt. Es ist dies

ein unmittelbares Erbe von den ursprünglichen bewußten Menschen der

dritten Rasse.

[87] Lectures on Heroes.

3a21:02:48.Kommentar VII

STROPHE VII.

1. SIEHE DEN ANFANG DES FÜHLENDEN FORMLOSEN LEBENS (a).

ZUERST DAS GÖTTLICHE [1] (b), DAS EINE VON DEM MUTTERGEISTE; [2]

DANN DAS GEISTIGE [3] ©; [4] DIE DREI VON DEM EINEN (d), DIE VIER

VON DEM EINEN (e), UND DIE FÜNF (f), VON WELCHEN DIE DREI, DIE

FÜNF UND DIE SIEBEN (g). DIESE SIND DIE DREIFACHEN UND DIE

VIERFACHEN ABWÄRTS STEIGENDEN; DIE AUS DER SEELE GEBORENEN

SÖHNE [5] DES ERSTEN HERRN, DIE LEUCHTENDEN SIEBEN. [6] SIE SIND

ES, WELCHE DA SIND: DU, ICH, ER, O LANOO! SIE WACHEN ÜBER DICH

UND DEINE MUTTER, BHÛMI. [7]

(a) Die Hierarchie der schöpferischen Kräfte wird esoterisch in sieben (vier und

drei) geteilt, innerhalb der zwölf großen Ordnungen, die in den zwölf Zeichen des

Tierkreises aufgezeichnet sind; die Sieben der sich offenbarenden Stufenleiter

stehen ferner mit den sieben Planeten in Zusammenhang. Alle diese erfahren

eine Unterteilung in zahllose Gruppen göttlich-geistiger, halbgeistiger, und

etherischer Wesen.

Die Haupthierarchieen unter diesen sind angedeutet in der großen Vierheit oder

den „vier Körpern und den drei Fähigkeiten“, exoterisch, des Brahmâ, und der

Panchâsya, der fünf Brahmâs, oder der fünf Dhyâni-Buddhas im buddhistischen

System.

Die höchste Gruppe setzt sich zusammen aus den sogenannten göttlichen

Flammen, die auch als die „feurigen Löwen“ und die „Löwen des Lebens“

bezeichnet werden, deren Esoterik in dem Tierkreiszeichen des Löwens

wohlverwahrt liegt. Sie ist der Kernkörper der oberen göttlichen Welt. Sie sind die

formlosen feurigen Atem, in einem Aspekt wesensgleich mit der oberen

sephirothischen Dreiheit, welche von den Kabbalisten in die archetypische Welt

versetzt wird.

Dieselbe Hierarchie, mit denselben Zahlen, findet sich auch im japanischen

System, in den „Anfängen“, wie sowohl von den Sinto als von den buddhistischen

Sekten gelehrt wird. In diesem System geht die Anthropogenesis der

Kosmogenesis voran, indem das Göttliche sich in das Menschliche herabsenkt

und unterwegs in seinem Herabsteigen in die Materie das sichtbare Weltall

erschafft; die legendenhaften Persönlichkeiten, so bemerkt ehrfurchtsvoll Omoie,

„sind zu verstehen als die feststehende Verkörperung der höheren (geheimen)

3b (1 of 3)21:02:48.Kommentar VII

Lehre, und ihrer erhabenen Wahrheiten.“ Dieses alte System in voller

Ausführlichkeit darzulegen, würde zu viel Raum erfordern; ein paar Worte

hierüber werden jedoch keineswegs ungelegen sein. Das folgende ist eine kurze

Übersicht über diese Anthropo-Kosmogenesis, und zeigt, wie

engübereinstimmend die getrenntesten Nationen eine und dieselbe archaische

Lehre wiederhallten.

Als alles noch Chaos (Kon-ton) war, erschienen drei geistige Wesen auf der

Bühne der zukünftigen Schöpfung: 1. Ame no ani naka nushi no Kami, der

„göttliche Monarch des centralen Himmels“; 2. Taka mi onosubi no Kami, der

„erhabene, kaiserliche göttliche Sproß von Himmel und Erde“; und 3. Kamu mi

musubi no Kami, der „Sproß der Götter“, einfach.

Diese waren ohne Form oder Substanz – unsere Arûpadreiheit – da weder die

himmlische noch die irdische Substanz sich bereits differenziert hatte, „noch die

Wesenheit der Dinge geformt worden war.“

(b) Im Zohar – der, wie er jetzt von Moses de Leon mit Hilfe von syrischen und

chaldäischen christlichen Gnostikern im 13. Jahrhundert geordnet und neu

herausgegeben, und noch später von vielen christlichen Händen korrigiert und

revidiert worden ist, nur um ein geringes weniger exoterisch ist als die Bibel

selbst – erscheint dieses „göttliche (Vehikel)“ nicht länger mehr, wie es sich im

chaldäischen Buch der Zahlen findet. Wahr genug, Ain Suph, das absolute

endlose Nichtding, benützt auch die Form des Einen, des geoffenbarten

„himmlischen Menschen“ (der ersten Ursache) als Wagen (Mercabah im

Hebräischen, Vâhana im Sanskrit) oder Vehikel, um in die phänomenale Welt

herabzusteigen und sich in derselben zu offenbaren. Aber die Kabbalisten

erklären weder, wieso das Absolute irgend etwas benützen oder irgend welche

Eigenschaft bethätigen kann, nachdem es als ein Absolutes aller Eigenschaften

bar ist; noch erklären sie, daß es in Wirklichkeit die erste Ursache (Platons

Logos), die ursprüngliche und ewige Idee ist, welche sich durch Adam Kadmon,

den zweiten Logos, sozusagen offenbart.

Im Buche der Zahlen wird erklärt, daß Ain (En oder Aiôr) das einzige

selbstexistierende ist, während seine „Tiefe“, der Bythos der Gnostiker, genannt

Propatôr, bloß periodisch ist. Der letztere ist Brahmâ, als von Brahman oder

Parabrahman differenziert. Er ist die Tiefe, die Quelle des Lichtes, oder der

Propatôr, welcher der unmanifestierte Logos ist, oder die abstrakte Idee, und

nicht Ain Suph, dessen Strahl den Adam Kadmon – „männlich und weiblich“ –

3b (2 of 3)21:02:48.Kommentar VII

oder den geoffenbarten Logos, das objektive Universum, als seinen Wagen

benützt, um sich durch diesen zu offenbaren. Aber im Zohar lesen wir die

folgende Widersinnigkeit: „Senior occultatus est, et absconditus; Mikroprosopus

manifestus est, et non manifestus.“ [8] Das ist falsch, weil Mikroprosopus oder

der Mikrokosmos bloß während seiner Manifestationen existieren kann, und

während der Mahâpralayas zerstört ist. Rosenroths Kabbala ist keine

Richtschnur, sondern sehr häufig ein Rätsel.

[1] Vehikel.

[2] Âtman.

[3] Âtmâ-Buddhi, Geist-Seele. Dies bezieht sich auf die kosmischen Prinzipien.

[4] Wiederum.

[5] Avalokiteshvara.

[6] Baumeister. Die sieben schöpferischen Rishis, die jetzt mit dem Sternbilde

des großen Bären in Verbindung gebracht werden.

[7] Erde.

[8] Rosenroth, Liber Mysterii. IV. 1.

3b (3 of 3)21:02:48.Kommentar VII

Die erste Ordnung sind die Göttlichen. Wie im japanischen System, so werden in

der ägyptischen und einer jeden alten Kosmogonie, an dieser göttlichen Flamme

(der „Einen“) die drei absteigenden Gruppen entzündet. Während sie ihr

potentielles Sein on der höheren Gruppe haben, werden sie jetzt bestimmte und

getrennte Wesenheiten. Diese heißen die Jungfrauen des Lebens, die große

Illusion, etc., etc., und zusammengefaßt der sechseckige Stern.

Der letztere ist in fast jeder Religion das Symbol des Logos als der ersten

Emanation. Er ist das Zeichen des Vishnu in Indien, das Chakra oder Rad; und

die Glyphe des Tetragrammaton, von „Ihm dem Vierbuchstabigen“ in der

Kabalah, oder metaphorisch die „Glieder des Mikroprosopus“, welche

beziehungsweise zehn und sechs sind.

Die späteren Kabbalisten jedoch, insbesondere die christlichen Mystiker, haben

diesem herrlichen Symbol arg mitgespielt.

In der That wurde der Mikroprosopus – der, philosophisch gesprochen, gänzlich

verschieden ist von dem unmanifestierten Logos, der „eins mit dem Vater“ ist –

schließlich durch jahrhundertlange unablässige Anstrengungen der Sophistik und

der Paradoxen dahin gebracht, für ein mit Jehovah, oder dem einen lebendigen

Gott (!), gehalten zu werden, während doch Jehovah nichts weiter ist als Binah,

eine weibliche Sephira. Diese Thatsache kann dem Leser nicht zu oft eingeprägt

werden. Denn die „zehn Glieder“ des himmlischen Menschen sind die zehn

Sephiroth; aber der erste himmlische Mensch ist der unmanifestierte Geist des

Weltalls und sollte zum Mikroprosopus erniedrigt werden, dem kleineren Gesicht

oder Antlitz, dem Vorbilde des Menschen auf der irdischen Ebene. Der

Mikroprosopus ist, wie soeben gesagt, der manifestierte Logos, und deren giebt

es viele. Doch davon später! Der sechseckige Stern bezieht sich auf die sechs

Kräfte oder Mächte der Natur, die sechs Ebenen, Prinzipien, etc., etc., die alle in

dem siebenten oder dem Mittelpunkte des Sterns ihre Vereinigung finden. Alle

diese jedoch, einschließlich der oberen und unteren Hierarchieen, emanieren aus

der himmlischen Jungfrau, der großen Mutter in allen Religionen, der

Androgynen, der Sephira Adam Kadmon. Sephira ist die Krone, Kether, bloß in

dem abstrakten Prinzip, als ein mathematisches x, oder die unbekannte Größe.

Auf der Ebene der differenzierten Natur ist sie das weibliche Gegenstück des

Adam Kadmon, des ersten Androgynen. Die Kabalah lehrt, daß die Worte „Fiat

Lux“ [9] sich auf die Bildung und Evolution der Sephiroth, beziehen, und nicht auf

Licht im Gegensatz zu Finsternis. Rabbi Simeon sagt:

O Genossen, Genossen, der Mensch als eine Emanation war zugleich Mann

5 (1 of 3)21:02:49.Kommentar VII

und Weib, Adam Kadmon fürwahr, und das ist der Sinn der Worte “Es werde

Licht. Und es ward Licht.“ Und das ist der zwiefache Mensch. [10]

In seiner Einheit ist das ursprüngliche Licht das siebente oder höchste Prinzip,

Daiviprakriti, das Licht des ungeoffenbarten Logos. Aber in seiner Differentation

wird es zu Fohat, oder den „sieben Söhnen“. Ersteres wird symbolisiert durch

den Mittelpunkt des doppelten Dreiecks; die letzteren durch das Sechseck selbst,

oder die sechs „Glieder“ des Mikroprosopus, deren siebentes Malkuth ist, die

„Braut“ der christlichen Kabbalisten, oder unsere Erde. Daher sie Ausdrücke:

Das erste nach dem Einen ist göttliches Feuer; das zweite Feuer und Ether; das

dritte ist zusammengesetzt aus Feuer, Ether und Wasser; das vierte aus Feuer,

Ether, Wasser und Luft. Das Eine hat nichts zu thun mit den menschentragenden

Globen, sondern mit den inneren unsichtbaren Sphären. Die Erstgeborenen sind

das LEBEN, das Herz und der Pulsschlag des Universums; die Zweiten sind sein

GEMÜT oder Bewusstsein.

Diese Elemente des Feuers, der Luft, u. s. w., sind nicht unsere

zusammengesetzten Elemente; und dieses „Bewußtsein“ hat keine Beziehung zu

unserm Bewußtsein. Das Bewußtsein des „Einen Geoffenbarten“ ist, wenn nicht

absolut, so doch unbedingt. Mahat, das universale Gemüt, ist die erste

Hervorbringung des schöpferischen Brahmâ, aber auch von Pradhâna, der

undifferenzierten Materie.

© Die zweite Ordnung der himmlischen Wesen, jene aus Feuer und Ether,

entsprechend dem Geiste und der Seele, oder Atmâ-Buddhi, deren Namen

Legion ist, sind noch formlos, aber schon ausgesprochener „substantiell“. Sie

sind die erste Differentation in der zweiten Evolution oder „Schöpfung“ – einem

irreführenden Worte. Wie der Name zeigt, sind sie die Vorbilder der sich

inkarnierenden Jîvas oder Monaden, und sind zusammengesetzt aus dem

feurigen Geiste des Lebens. Sie sind es, durch welche gleich einem reinen

Sonnenstrahl der Strahl hindurchgeht, welcher von ihnen mit seinem zukünftigen

Vehikel, der göttlichen Seele, der Buddhi, versehen wird. Sie haben unmittelbar

mit den Scharen der höheren Welt unseres Systems zu thun. Aus diesen

zweifaltigen Einheiten emanieren die „Dreifaltigen“.

[9] Genesis, I.

[10] Auszüge aus dem Zohar, pp. 13-15.

5 (2 of 3)21:02:49.Kommentar VII

5 (3 of 3)21:02:49.Kommentar VII

In der japanischen Kosmogonie sind es die eben genannten Dreifaltigen, welche,

wenn aus der chaotischen Masse ein eiartiger Kern emportaucht, der den Keim

und die Möglichkeit alles universellen sowie alles terrestrischen Lebens in sich

hat, sich differenzieren. Das männliche etherische Prinzip (Yo) steigt empor, und

das weibliche, gröbere und materielle Prinzip (In) wird in das substantielle Weltall

gestürzt, wenn eine Trennung zwischen dem himmlischen und dem irdischen

geschieht. Aus diesem, dem weiblichen, der Mutter, wird das erste rudimentäre

objektive Wesen geboren. Es ist ätherisch, ohne Form oder Geschlecht, und

doch werden aus ihm und der Mutter die sieben göttlichen Geister geboren, aus

denen die sieben „Schöpfungen“ emanieren werden; gerade so, wie im Codex

Nazaräus aus Karabtanos und dem mütterlichen Spiritus die sieben „böse

veranlagten“ (materiellen) Geister geboren werden.

Es wäre zu langwierig, hier die japanischen Namen zu geben, aber übersetzt

stehen sie in folgender Ordnung:

1. Der „unsichtbare Ehelose“, welche der schöpferische Logos des

nichtschaffenden „Vaters“ ist, oder die offenbar gemachte schöpferische

Möglichkeit des letzteren.

2. Der „Geist (oder Gott) der strahlenlosen Tiefen (des Chaos)“, welcher zur

differenzierten Materie oder zum Weltstoff wird; auch das Mineralreich.

3. Der „Geist des Pflanzenreiches“, der „reichlichen Vegetation“.

4. Der „Geist der Erde“ und „der Geist der Sandwüsten“; ein Wesen von

doppelter Natur, indem der erstere die Möglichkeit des männlichen Elementes,

der letztere die des weiblichen Elementes in sich enthält. Diese beiden waren

eins, weil sie noch dessen unbewußt waren, daß sie zwei sind.

In dieser Dualität waren enthalten (a) Isu no gai no Kami, das männliche, dunkle

und muskulöse Wesen; und (b) Eku gai no Kami, das weibliche, schöne und

schwächere oder zartere Wesen. Dann:

5. und 6. Die Geister, welche androgyn oder doppelgeschlechtig waren.

7. Der siebente Geist, der letzte, welcher aus der „Mutter“ emanierte, erscheint

als die erste ausgesprochen männliche und weibliche göttlich-menschliche Form.

7 (1 of 3)21:02:49.Kommentar VII

Dies war die siebente „Schöpfung“, wie in den Purânen, wo der Mensch die

siebente Schöpfung des Brahmâ ist.

Diese, Tsanagi-Tsanami, stiegen in das Weltall hinab über die himmlische

Brücke, die Milchstraße, und als „Tsanagi tief unten eine chaotische Masse von

Wolken und Wasser sah, warf er seinen Juwelenspeer in die Tiefen, und

trockenes Land erschien. Dann trennten sich die beiden, um Onokoro, die neu

erschaffene Inselwelt, zu erforschen.“ (Omoie.)

So sind die japanischen exoterischen Fabeln, die Rinde, welche den Kern

derselben einen Wahrheit der Geheimlehre umschließt.

(d) Die dritte Ordnung entspricht dem Âtmâ-Buddhi-Manas, oder Geist, Seele

und Intellekt; und sie heißen die „Triaden“.

(e) Die vierte Ordnung sind substanzielle Wesenheiten. Diese ist die höchste

Gruppe unter den Rûpas (atomistischen Formen). Sie ist die Pflanzschule der

menschlichen, bewussten, geistigen Seelen. Sie heißen die „unvergänglichen

Jîvas“ und bilden durch die unter ihnen liegende Ordnung die erste Gruppe der

ersten siebenfältigen Schar – das große Geheimnis des menschlichen,

bewussten und intellektuellen Wesens. Denn das letztere ist das Feld, in

welchem in seiner Privation der Keim verborgen liegt, der in die Zeugung fallen

wird. Dieser Keim wird zur geistigen Kraft in der physischen Zelle werden, welche

die Entwicklung des Embryo leitet, und welche die Ursache der Vererbung der

Fähigkeiten und aller der dem Menschen innewohnenden Eigenschaften ist. Die

darwinische Theorie von der Vererbung der erworbenen Fähigkeiten wird jedoch

vom Occultismus weder gelehrt noch angenommen. Die Entwicklung schreitet

nach dem letzteren nach ganz anderen Regeln vor; das körperliche evolviert

nach der esoterischen Lehre allmählich aus dem geistigen, gedanklichen und

psychischen. Diese innere Seele der physischen Zelle – das „geistige Plasma“,

das das Keimplasma beherrscht – ist der Schlüssel, der eines Tages die Thore

zu der terra incognita des Biologen, die jetzt das dunkle Geheimnis der

Embryologie genannt wird, öffnen muß. Es ist beachtenswert, daß die moderne

Chemie, während sie die Theorie von substantiellen und unsichtbaren Wesen,

welche Engel, Elementale, u. s. w., genannt werden, als einen Aberglauben

sowohl des Occultismus als auch der Religion verwirft – ohne natürlich in die

Philosophie dieser unkörperlichen Wesenheiten Einblick genommen oder auch

nur darüber nachgedacht zu haben, durch Beobachtung und Entdeckung

unbewußt gezwungen worden ist, dasselbe Progressionsverhältnis und dieselbe

7 (2 of 3)21:02:49.Kommentar VII

Ordnung in der Evolution der chemischen Atome anzuerkennen und zu

adoptieren, wie sie der Occultismus für seine Dhyânis ebenso wie für seine

Atome annimmt, da sein erstes Gesetz die Analogie ist.

7 (3 of 3)21:02:49.Kommentar VII

Wie oben gesehen, ist die allererste Gruppe der Rûpa-Engel aus vier Elementen

bestehend, indem einer jeden in absteigender Ordnung ein Element

hinzugegeben wird. So sind auch die Atome, in der Phraseologie der Chemie,

monatomisch, diatomisch, triatomisch, tetratomisch, etc., nach abwärts

fortschreitend. Man möge sich daran erinnern, daß Feuer, Wasser und Luft des

Occultismus oder die sogenannten „Elemente der ursprünglichen Schöpfung“

nicht die zusammengesetzten Elemente sind, die sie auf Erden sind, sondern

noumenale homogene Elemente – die Geister der vorigen. Dann folgen die

siebenfachen Gruppen oder Scharen. Würde man sie mit den Atomen in einem

Diagramm parallellaufend eintragen, so würde man sehen, daß die Naturen

dieser Wesen auf ihrer abwärts gerichteten Stufenleiter des Fortschreitens den

zusammengesetzten Elementen in Bezug auf Analogie mathematisch genau

entsprechen. Dies bezieht sich natürlich bloß auf von Occultisten angelegte

Diagramme; denn würde die Reihe der englischen Wesen mit der Reihe der

chemischen Elemente der Wissenschaft in eine Parallele gestellt – vom

hypothetischen Helium herunter bis zum Uranium – so würde man natürlich

finden, daß sie nicht übereinstimmen. Denn die letzteren haben auf der astralen

Ebene nur die vier niedersten Ordnungen zu entsprechenden – die drei höheren

Prinzipien im Atom oder vielmehr Molekül oder chemischen Element sind bloß

dem Auge des initiierten Dangma wahrnehmbar. Aber dann, wenn die Chemie

selbst den richtigen Weg zu finden wünschte, so müsste sie ihre tabellarische

Anordnung nach der der Occultisten korrigieren – etwas, das zu thun sie sich

weigern dürfte. Nach der esoterischen Philosophie entspricht jedes körperliche

Teilchen seinem über ihm stehenden Ding an sich – dem Wesen, zu dessen

Wesenheit es gehört – und ist von ihm abhängig; und, oben so wie untern,

evolviert das Geistige aus dem Göttlichen, das Seelisch-gedankliche aus dem

Geistigen – von seiner niederen Ebene aus durch das Astrale befleckt – indem

die ganze belebte und (scheinbar) unbelebte Natur in paralleler Richtung sich

entwickelt, und seine Eigenschaften von oben ebenso gut wie von unten herleitet.

Die Zahl sieben bedeutet in ihrer Anwendung auf den oben erwähnten Ausdruck

einer siebenfältigen Schar nicht bloß sieben Wesenheiten, sondern sieben

Gruppen oder Scharen, wie bereits erklärt. Die höchste Gruppe, die Asuras, die

in Brahmâs erstem Körper geboren sind, der sich in „Nacht“ verwandelte, sind

siebenfältig, d. h. sie sind wie die Pitris in sieben Klassen geteilt, von welchen

drei körperlos (arûpa) sind und vier mit Körpern versehen. [11] Sie sind

thatsächlich mit größerer Richtigkeit unsere Pitris (Vorväter), als die Pitris,

welche den ersten physischen Menschen projiciierten.

(f) Die fünfte Ordnung ist eine sehr geheimnisvolle, da sie mit dem

mikrokosmischen Pentagon, dem fünfeckigen Stern, in Verbindung steht,

9 (1 of 3)21:02:50.Kommentar VII

welches den Menschen darstellt. In Indien und Ägypten wurden diese Dhyânis

mit dem Krokodil in Verbindung gebracht und ihre Wohnung ist im Steinbock.

Das sind aber in der indischen Astrologie vertauschbare Ausdrücke, denn das

zehnte Zeichen des Tierkreises, welches Makara heißt, wird ungenau übersetzt

mit „Krokodil“. Das Wort selbst wird im Occultismus auf verschiedene Art

interpretiert, wie weiter unten gezeigt werden soll. In Ägypten wurde der

Versorbene – dessen Symbol das Pentagramm oder der fünfzackige Stern ist,

dessen Zacken die Glieder eines Menschen repräsentieren – sinnbildlich als in

ein Krokodil verwandelt dargestellt. Sebekh, oder Sevekh (oder der „Siebente“)

ist, wie Herr Gerald Massey sagt, der ihn als den Typus der Intelligenz

nachweist, in Wirklichkeit ein Drache, und kein Krokodil. Er ist der „Drache der

Weisheit“, oder Manas, die menschliche Seele, das Gemüt, das intelligente

Prinzip, das in der esoterischen Philosophie das fünfte Prinzip genannt wird.

Der verstorbene „Osirifizierte“ des Totenbuches oder Rituals spricht unter der

Glyphe eines mumienförmigen Gottes mit einem Krokodilkopf:

Ich bin das Krokodil, das bei dem Schrecken den Vorsitz führt, ich bin der

Krokodilgott, bei der Ankunft seiner Seele unter den Menschen. Ich bin der

Krokodilgott, gebracht zur Zerstörung.

Eine Anspielung auf die Zerstörung der göttlichen geistigen Reinheit, wenn der

Mensch die Erkenntnis von Gut und Böse erlangt; auch auf die „gefallenen“

Götter oder Engel einer jeden Theogonie.

Ich bin der Fisch des großen Horus. (Wie Makara das „Krokodil“ ist, das

Vehikel des Varuna.) Ich bin untergetaucht in Sekhem. [12]

Dieser letzte Satz bestätigt und wiederholt die Lehre des esoterischen

„Buddhismus“, denn er spielt unmittelbar auf das fünfte Prinzip (Manas) an, oder

vielmehr auf den geistigen Teil von der Wesenheit desselben, welcher

untertaucht in, absorbiert wird von, und eins gemacht wird mit Âtmâ-Buddhi, nach

dem Tode des Menschen. Denn Sekhem ist die Residenz oder der Loka des

Gottes Khem (Horus-Osiris, oder Vater und Sohn); daher das Devachan von

Âtmâ-Buddhi. Im Totenbuche wird der Verstorbene dargestellt, wie er mit Horus-Thot

in Sekhem eingeht und „als reiner Geist daraus auftaucht.“ So sagt der

Verstorbene:

Ich sehe die Formen von (mir, als von verschiedenen) Menschen, die sich

ewig verwandeln. Ich kenne dieses (Kapitel). Derjenige, der es kennt .

9 (2 of 3)21:02:50.Kommentar VII

nimmt alle Arten von lebenden Formen an. [13]

Und indem er mit einer magischen Formel das in der ägyptischen Esoterik

sogenannte „Herz der Vorfahren“, oder das reinkarnierende Prinzip, das

permanente Ego anredet, sagt der Verstorbene:

O mein Herz, Herz meiner Vorfahren, das du notwendig bist für meine

Verwandlungen, trenne dich nicht von mir vor dem Hüter der Leitern. Du

bist meine Persönlichkeit in meiner Brust, göttlicher Genosse, der du über

meine Fleische (Körper) wachst. [14]

In Sekhem liegt das „geheimnisvolle Gesicht“ verborgen, oder der wirkliche

Mensch, der unter der täuschenden Persönlichkeit verborgen ist, das dreifache

Krokodil von Ägypten, das Symbol der höheren Dreieinigkeit, oder der

menschlichen Triade, Âtmâ, Buddhi und Manas.

Eine von den Erklärungen der wirklichen, wenn auch versteckten Bedeutung

dieser ägyptischen religiösen Glyphe ist leicht. Das Krokodil ist als erstes daran,

die verzehrenden Feuer der Morgensonne zu erwarten und ihnen zu begegnen,

und kam sehr bald dazu, die Sonnenhitze zu personifizieren. Wenn die Sonne

aufging, so war das wie die Ankunft, auf Erden und unter den Menschen, von der

„göttlichen Seele, welche die Götter beseelt“. Daher die sonderbare Symbolik.

Die Mumie legte den Kopf eines Krokodils an, um zu zeigen, daß sie eine von

der Erde ankommende Seele war.

[11] Siehe Vishnu Purâna, Buch I.

[12] Kap. LXXXVIII.

[13] Kap LXIV. 29, 30.

[14] Ebenda. 34, 35.

9 (3 of 3)21:02:50.Kommentar VII

In den alten Papyris wird das Krokodil Sebekh (Siebentes) genannt; das Wasser

symbolisiert auch esoterisch das fünfte Prinzip; und, wie bereits erwähnt, zeigt

Herr Gerald Massey, daß das Krokodil die „siebente Seele, die höchste von

sieben – der unsichtbare Seher“ war. Selbst exoterisch ist Sekhem die Residenz

des Gottes Khem, und Khem ist Horus, der den Tod seines Vaters Osiris rächt,

somit die Sünden des Menschen bestraft, wenn er eine entkörperte Seele wird.

So wurde der verstorbene Osirifizierte zum Gott Khem, welcher „erntet auf dem

Felde von Aanru“; das heißt, er erntet entweder seinen Lohn oder seine Strafe,

denn dieses Feld ist der himmlische Ort (Devachan), wo dem Verstorbenen

Weizen gegeben wird, die Nahrung der göttlichen Gerechtigkeit. Von der fünften

Gruppe der himmlischen Wesen wird angenommen, daß sie in sich die doppelten

Attribute sowohl der geistigen als auch der physischen Aspekte des Weltalls

enthält; die zwei Pole sozusagen von Mahat, der universalen Intelligenz, und die

doppelte Natur des Menschen, die geistige und die körperliche. Daher ist ihre

Zahl fünf, die verdoppelt und zu zehn gemacht sie mit Makara verbindet, dem

zehnten Zeichen des Tierkreises.

(g) Die sechste und siebente Ordnung haben Anteil an den niederen

Eigenschaften der Vierheit.

Sie sind bewusste ätherische Wesenheiten, ebenso unsichtbar wie der Ether die

wie die Zweige eines Baumes aus der ersten centralen Gruppe der Vier

hervorkommen und ihrerseits sich in zahllose Seitengruppen verzweigen, deren

niedrigere zahllose Arten und Spielarten der Naturgeister oder Elementale sind;

von den formlosen und unsubstantiellen – den idealen Gedanken ihrer Schöpfer

·        hinab zu den atomistischen, wenn auch für die menschliche Wahrnehmung

unsichtbaren Organismen.

Die letzteren werden als die „Geister der Atome“ betrachtet, denn sie sind die

erste Stufe (nach rückwärts) von dem körperlichen Atom – fühlende, wenn nicht

intelligente Geschöpfe. Sie sind alle dem Karma unterworfen, und haben es

durch jeden Cyklus abzuarbeiten. Denn, wie die Lehre sagt, giebt es im Weltall

keine so bevorzugten Wesen, weder in unserem System noch in anderen, weder

in den äußeren noch in den inneren Welten, [15] wie die Engel der westlichen

Religion und der jüdischen.

Ein Dhyân Chohan muß zu einem solchen werden; er kann nicht als ein

vollendeter Engel geboren werden oder plötzlich auf der Ebene des Lebens

erscheinen. Die himmlische Hierarchie des gegenwärtigen Manvantara wird sich

im nächsten Lebenscyklus in höhere vollkommenere Welten versetzt finden, und

wird einer neuen Hierarchie Platz machen, die aus den Auserwählten unserer

Menschheit zusammengesetzt sein wird. Das Sein ist ein endloser Cyklus

innerhalb der Einen unbedingten Ewigkeit, in der sich zahllose innere, endliche

_41 (1 of 2)21:02:50.Kommentar VII

und bedingte Cyklen, dahinbewegen. Götter, die als solche geschaffen wären,

würden durch ihr Gottsein kein persönliches Verdienst an den Tag legen. Eine

solche Klasse von Wesen – vollkommen bloß vermöge einer besonderen, ihnen

innewohnenden unbefleckten Natur – würde angesichts der leidenden und

ringenden Menschheit und selbst der niederen Schöpfung das Symbol einer

ewigen Ungerechtigkeit sein, die ihrem Charakter nach ganz satanisch, ein

beständiges Verbrechen wäre. Sie ist eine Geseztwidrigkeit und eine

Unmöglichkeit in der Natur. Daher müssen sich die „Vier“ und die „Drei“ ebenso

inkarnieren wie alle anderen Wesen. Diese sechste Gruppe bleibt obendrein

nahezu untrennbar vom Menschen, der von ihr alles bis auf sein höchstes und

sein niederstes Prinzip empfängt, oder bis auf seinen Geist und seinen Körper;

die fünf mittleren menschlichen Prinzipien sind die echte Wesenheit dieser

Dhyânis. Paracelsus nennt sie die Flagae; die Christen, die Schutzengel; die

Occultisten, die Vorfahren oder Pitris. Sie sind die sechsfältigen Dhyân-Chohans,

die die sechs geistigen Elemente in der Zusammensetzung ihrer Körper haben –

thatsächlich Menschen minus dem physischen Körper.

Der göttliche Strahl, der Âtman allein, geht unmittelbar aus dem Einen hervor.

Was auf die Frage, wieso dies sein kann? Wieso ist es möglich, sich

vorzustellen, daß diese „Götter“ oder Engel zur selben Zeit ihre eigenen

Emanationen und ihre persönlichen Selbste sein können? Ist das in demselben

Sinne, wie in der materiellen Welt, wo der Sohn auf eine Art sein Vater ist, da er

sein Blut, Bein von seinem Bein und Fleisch von seinem Fleisch ist? Darauf

antworten die Lehrer: So ist es wahrhaftig. Aber es muß einer tief in das

Geheimnis des Seins eindringen, bevor er diese Wahrheit völlig erfassen kann.

[15] Wenn eine Welt eine „höhere Welt“ genannt wird, so ist sie nicht höher

auf Grund ihrer Lage, sondern weil sie nach Eigenschaft oder Wesenheit

vollkommener ist. Doch wird eine solche Welt von den Profanen gewöhnlich

als „Himmel“ aufgefasst und über unsere Köpfe verlegt.

_41 (2 of 2)21:02:50.Kommentar VII

STROPHE VII. – Fortsetzung.

2. DER EINE STRAHL VERVIELFÄLTIGT DIE KLEINEREN STRAHLEN. DAS

LEBEN IST EHER DA ALS DIE FORM, UND DAS LEBEN ÜBERDAUERT DAS

LETZTE ATOM. [16] DURCH DIE UNZÄHLIGEN STRAHLEN ZIEHT SICH DER

LEBENSSTRAHL, DER EINE, WIE EIN FADEN DURCH VIELE JUWELEN. [17]

Diese Shloka beschreibt die Vorstellung – und zwar eine rein vedântistische, wie

bereits anderwärts erklärt – von einem Lebensfaden, Sûtrâtmâ, der sich durch

aufeinanderfolgende Generationen hindurchzieht. Wie nun kann dies erklärt

werden? Indem wir zu einem Gleichnisse, zu einem gewöhnlichen Bilde unsere

Zuflucht nehmen, das allerdings notwendigerweise unvollkommen ist, wie es alle

uns zu Gebote stehenden Analogien sein müssen. Bevor wir jedoch dazu unsere

Zuflucht nehmen, möchte ich fragen, ob es irgend einem von uns unnatürlich,

geschweige denn „übernatürlich“ vorkommt, wenn wir den Vorgang des

Heranwachsens und der Entwicklung der Frucht zu einem gesunden Kindchen

von mehreren Pfunden Gewicht betrachten? Aus was geschieht die Entwicklung?

Aus der Furchung eines außerordentlichen kleinen Eies und aus einem

Samentierchen! Und später sehen wir das Kindchen sich zu einem sechs Schuh

hohen Manne entwickeln! Dies bezieht sich auf atomistische und körperliche

Ausdehnung vom mikroskopisch kleinen zu etwas überaus großem; von dem für

das bloße Auge unsichtbaren zum sichtbaren und objektiven.

Die Wissenschaft hat alles dieses in Betracht gezogen, und ich kann wohl sagen,

dass ihre embryologischen, biologischen und physiologischen Theorieen

genügend korrekt sind, soweit die exakte Beobachtung des Materials reicht.

Nichtsdestoweniger sind die beiden schwierigsten Fragen der embryologischen

Wissenschaft – nämlich, welche Kräfte bei der Bildung der Frucht in Thätigkeit

sind, und was die Ursache der „Vererbung“ von körperlicher, moralischer und

intellektueller Ähnlichkeit ist, niemals entsprechend beantwortet worden; noch

werden sie jemals gelöst werden, bevor nicht die Gelehrten sich herablassen, die

occulten Theorien anzunehmen. Wenn aber dieses körperliche Phänomen

niemanden in Erstaunen versetzt, abgesehen davon, daß es die Embryologen in

Verlegenheit bringt, warum sollte unser intellektuelles und inneres Wachstum, die

Entwicklung des menschlich-geistigen zum göttlich-geistigen, für unmöglicher

gehalten werden oder unmöglicher erscheinen, als das andere?

Die Materialisten und Evolutionisten der darwinistischen Schule wären übel

beraten, wenn sie die neulich ausgearbeiteten Theorien Professor Weissmanns,

_43 (1 of 3)21:02:51.Kommentar VII

des Verfassers der Beiträge zur Descendenzlehre, über das eine von den oben

bezeichneten zwei Geheimnissen der Embryologie, welches er, wie es scheint,

gelöst zu haben vermeint, annehmen würden; denn, wenn dasselbe vollständig

gelöst sein wird, wird die Wissenschaft in das Gebiet des wahrhaft Occulten

eingetreten sein, und den Bereich der Verwandlung, wie Darwin sie lehrte, für

immer verlassen haben. Die zwei Theorieen sind vom Standpunkte des

Materialismus unvereinbar. Von dem der Occultisten aus betrachtet, löst jedoch

die neue Theorie alle Geheimnisse. Jene, die mit der Entdeckung Professor

Weissmanns, der seinerzeit ein eifriger Darwinist war, noch nicht bekannt sind,

sollten sich beeilen, das Versäumnis gut zu machen. Der deutsche Embryolog

und Philosoph schreitet über die Köpfe der Griechen Hippokrates und Aristoteles

hinweg so recht zurück in die Lehren der alten Ârier und zeigt, wie eine

außerordentlich kleine Zelle, eine aus Millionen anderer, die an der Formung

eines Organismus arbeiten, allein und ohne Unterstützung durch fortwährende

Spaltung und Vermehrung das genaue Bild des künftigen Menschen oder Tieres

mit seinen körperlichen, intellektuellen und psychischen Eigenschaften bestimmt.

Diese Zelle ist es, welche dem Antlitze und der Form des neuen Individuums die

Züge der Eltern oder irgend eines entfernten Vorfahrs aufdrückt; diese Zelle ist

es wiederum, welche ihm die intellektuellen und gemütlichen Idiosynkrasien

seiner Väter überliefert, und so fort. Dieses Plasma ist der unsterbliche Teil

unserer Körper, der sich in einem Prozesse von aufeinanderfolgenden

Assimilationen entwickelt. Darwins Theorie, welche die Keimzelle als die Essenz

oder den Extrakt aus allen anderen Zellen betrachtete, ist bei Seite gesetzt; sie

ist nicht im stande, die Vererbung zu begründen. Es giebt bloß zwei Wege, das

Geheimnis der Erblichkeit zu erklären: entweder ist die Substanz der Keimzelle

mit der Fähigkeit ausgestattet, den ganzen Cyklus von Verwandlungen zu

durchlaufen, die zum Aufbau eines getrennten Organismus und dann zur

Reproduktion identischer Keimzellen führen; oder diese Keimzellen haben ihren

Ursprung überhaupt nicht in dem Körper des Individuums, sondern gehen

unmittelbar aus der urväterlichen Keimzelle hervor, die vom Vater auf den Sohn

lange Generationen hindurch überging.

Diese letzte Hypothese hat Weissmann aufgenommen und ausgearbeitet, und

auf diese Zelle führt er den unsterblichen Teil im Menschen zurück. So weit, so

gut; und wenn diese nahezu richtige Theorie angenommen wird, wie werden

dann die Biologen die erste Erscheinung dieser ewigdauernden Zelle erklären?

Wenn nicht der Mensch „wuchs“ wie der unsterbliche „Topsy“, und überhaupt

nicht geboren wurde, sondern aus den Wolken gefallen ist, wie wurde diese

Keimzelle in ihm hervorgebracht?

_43 (2 of 3)21:02:51.Kommentar VII

Ergänzt das oben erwähnte körperliche Plasma, die „Keimzelle“ des Menschen

mit allen ihren stofflichen Möglichkeiten durch das „geistige Plasma“ sozusagen,

oder das Fludium, das die fünf niederen Prinzipien der sechs Prinzipien

aufweisenden Dhyâni enthält – und ihr habt das Geheimnis, wenn ihr geistig

genug seid, es zu verstehen.

[16] Der Form, des Sthûla Sharîra, des äußeren Körpers.

[17] Perlen.

_43 (3 of 3)21:02:51.Kommentar VII

Nun zu dem versprochenen Gleichnis:

Wenn der Same des tierischen Mannes in den Boden des tierischen Weibes

gestreut wird, so kann dieser Same doch nicht keimen, wenn er nicht durch die

fünf Kräfte (das Fluidum oder die Emanation der Prinzipien) des sechsfältigen

Himmlischen Menschen befruchtet worden ist. Daher wird der Mikrokosmos als

ein Fünfeck innerhalb des sechseckigen Sternes, des Makrokosmos, dargestellt.

[18]

Die Wirkungen von Jîva auf dieser Erde sind von fünffachem Charakter. Im

mineralischen Atom steht er in Zusammenhang mit den niedrigsten Prinzipien

der Geister der Erde (der sechsfachen Dhyânis); im vegetabilischen Teilchen mit

ihrem zweiten – dem Prâna (Leben); im Tiere mit all diesem plus dem dritten und

vierten; im Menschen muß der Keim die Früchte von allen fünfen erhalten. Sonst

wird er als nicht über dem Tiere stehend geboren. [19]

So ist allein im Menschen der Jîva vollständig. Was sein siebentes Prinzip

anbelangt, so ist dieses bloß einer von den Strahlen der universalen Sonne,

denn jedes vernünftig Geschöpf empfängt bloß ein zeitweiliges Lehen an dem,

was zu seiner Quelle zurückzukehren hat. Was den physischen Körper

anbelangt, so ist derselbe aus den niedrigsten irdischen Lebewesen durch

physikalische, chemische und physiologische Evolution aufgebaut; „die

Gepriesenen haben nichts zu thun mit den Reinigungen der Materie,“ sagt die

Kabalah in dem chaldäischen Buch der Zahlen.

Das läuft auf folgendes hinaus:

Die Menschheit in ihrer ersten urbildlichen, schattenhaften Form ist die

Nachkommenschaft der Elohim des Lebens, oder der Pitris; in ihrem qualitativen

und physischen Aspekt ist sie der unmittelbare Nachwuchs der „Vorfahren“, der

niedersten Dhyânis oder Geister der Erde; ihre moralische, psychischen und

geistige Natur verdankt sie einer Gruppe von göttlichen Wesen, deren Name und

Eigenschaften im zweiten Bande werden gegeben werden. In ihrer

Zusammenfassung sind die Menschen das Kunstwerk von Scharen

verschiedener Geister; im einzelnen die Tabernakel dieser scharen und

gelegentlich und individuell die Vehikel von einigen derselben. In unserer

gegenwärtigen, allmateriellen fünften Rasse ist der irdische Geist der vierten

noch stark in uns; aber wir nähern uns der Zeit, in der das Pendel der

Entwicklung seine Schwingung entschieden nach aufwärts wenden und die

Menschheit in Bezug auf Geistigkeit auf gleiche Höhe mit der ursprünglichen

dritten Wurzelrasse bringen wird. Während ihrer Kindheit war die Menschheit

_45 21:02:52.Kommentar VII

vollständig aus dieser englischen Schar zusammengesetzt, aus welcher die

bewohnenden Geister waren, welche die ungeheuerlichen und riesigen irdischen

Hüllen der vierten Rasse beseelten, die von zahllosen Myriaden von Lebewesen

erbaut und zusammengesetzt waren, wie es auch jetzt unsere Körper sind.

Dieser Satz wird weiter unten in dem vorliegenden Kommentar erklärt werden.

Die Wissenschaft, die die Wahrheit nur verschwommen erblickt, mag im

menschlichen Körper Bakterien und andere Kleinwesen finden und in ihnen

zufällige und abnorme Besucher erblicken, denen Krankheiten zugeschrieben

werden. Der Occultismus – der in jedem Atom oder Molekül, gehöre es nun

einem Mineral oder einem Menschenkörper an, oder der Luft, dem Feuer oder

dem Wasser, ein Lebewesen erblickt – behauptet, daß unser ganzer Körper aus

solchen Lebewesen aufgebaut ist, gegen welche sich die kleinste

mikroskopische Bakterie an Größe verhält, wie ein Elefant zu den winzigen

Infusorien. – Die oben erwähnten „Hüllen“ haben sich in Bezug auf Gewebe und

Symmetrie der Form vervollkommnet, indem sie mit der Kugel, die sie trägt,

wuchsen und sich entwickelten, aber die körperliche Vervollkommnung hat auf

Kosten des geistigen Inneren Menschen und der Natur stattgefunden. Die drei

mittleren Prinzipien der Erde und des Menschen wurden mit jeder Rasse

materieller; die Seele trat zurück, um dem physischen Intellekt Platz zu machen;

die Essenz der Elemente wurde zu den materiellen und zusammengesetzten

Elementen, die man jetzt kennt.

Der Mensch ist weder das vollkommene Produkt „Gottes, des Herrn“, noch

könnte er es jemals sein; sondern er ist das Kind der Elohim, die so willkürlich

zur Einzahl und zum männlichen Geschlecht umgewandelt worden sind. Die

ersten Dhyânis, denen aufgetragen war, den Menschen nach ihrem Ebenbilde zu

„schaffen“, konnten bloß ihre Schatten werfen, als ein zartes Modell, welches die

Naturgeister des Stoffes ausarbeiten mussten. Der Mensch ist ohne allen Zweifel

körperlich aus dem Staube der Erde geformt, aber seiner Schöpfer und Zurichter

waren viele. Auch kann man nicht sagen, daß „Gott, der Herr, ihm den

lebendigen Odem in seine Nase blies“, wenn man nicht diesen Gott für eins mit

dem „Einen Leben“ erklärt, das allgegenwärtig ist, wenn auch unsichtbar, und

wenn man nicht „Gott“ dieselbe Handlungsweise zuschreibt in Bezug auf eine

jede „lebendige Seele“, welche die Lebens-Seele (Nephesh) ist, und nicht der

göttliche Geist (Ruach), welcher allein dem Menschen einen göttlichen Grad von

Unsterblichkeit zusichert, welchen kein Tier als solches jemals in diesem

Inkarnationscyklus erlangen könnte. Daß der „Atem des Lebens“ mit dem

unsterblichen „Geiste“ vermengt worden ist, ist eine Folge der unangemessenen

Unterscheidungen, welche die Juden und jetzt unsere westlichen Metaphysiker

_45 (2 of 4)21:02:52.Kommentar VII

aufgestellt haben, die nicht im stande sind, einen mehr als dreieinigen Menschen

(Geist, Seele, Körper) zu verstehen und daher anzunehmen. Das geht auch

unmittelbar die protestantischen Theologen an, welche bei der Übersetzung

eines gewissen Verses des vierten Evangeliums [20] den Sinn desselben

vollständig verkannt haben. Diese Mißübersetzung lautet: „Der Wind bläset, wo

er will,“ an Stelle von: „Der Geist gehet, wo er will,“ wie es auch im Original, und

auch in der Übersetzung der griechisch-orientalischen Kirche heißt.

Der gelehrte und sehr philosophische Verfasser der New Aspects of Life versucht

seinem Leser einzuprägen, dass Nephesh Chiah (die lebendige Seele) nach der

hebräischen Auffassung:

Hervorging aus oder erzeugt wurde durch das Eingießen des Geistes oder Odems des

Lebens in den das Leben fühlenden Körper des Menschen, und diesen Geist in dem

dadurch gebildeten Selbst zu entheben und sein Stelle einzunehmen hatte, so daß der

Geist in die lebendige Seele einging, aus den Augen verloren wurde und darein

verschwand.

Der menschliche Körper, so glaubt er, sollte als eine Matrix betrachtet werden, in

welcher und aus welcher die Seele, die er höher zu stellen scheint als den Geist,

entwickelt wird. Funktionell betrachtet und vom Standpunkte der Thätigkeit aus

steht die Seele in dieser endlichen und bedingten Welt der Mâyâ unleugbar

höher. Die Seele, so sagt er, „wird zuletzt von dem belebten Körper des

Menschen hervorgebracht.“ Somit setzt der Verfasser „Geist“ (Âtmâ) einfach

gleich dem „Atem des Lebens“. Die östlichen Occultisten werden gegen diese

Behauptung Einspruch erheben, denn sie beruht auf der irrtümlichen Vorstellung,

daß Prâna und Âtmâ oder Jîvâtmâ ein und dasselbe Ding sind. Der Verfasser

unterstützt seine Beweisführung, indem er zeigt, dass bei den alten Hebräern,

Griechen und selbst Lateinern Ruach, Pneuma und Spiritus „Wind“ bedeuten,

und zwar bei den Juden unleugbar und bei den Griechen und Römern sehr

wahrscheinlich; denn das griechische Wort Anemos (Wind) und das lateinische

Wort Animus (Seele) haben eine verdächtige Verwandtschaft.

Das ist sehr weit hergeholt. Aber das richtige Schlachtfeld für die Entscheidung

dieser Frage ist schwer zu finden, da Dr. Pratt ein praktischer nüchterner

Metaphysiker zu sein scheint, eine Art kabbalistischer Positivist, während die

östlichen Metaphysiker, insbesondere die Vedântisten, alle Idealisten sind. Die

Occultisten gehören ebenfalls der extremen esoterischen Vedântaschule an, und

obwohl sie das Eine Leben (Parabrahman) den Großen Atem und den

Wirbelwind nennen, so trennen sie doch das siebente Prinzip vollständig von der

_45 (3 of 4)21:02:52.Kommentar VII

Materie, und bestreiten, daß es irgend eine Beziehung oder Verbindung mit

derselben habe.

[18] [korrekter Abdruck siehe Buch S. 244], ein Werk über occulte

Embryologie, Buch I.

[19] Nämlich als geborner Idiot.

[20] Johannes, III. 8

_45 21:02:52.Kommentar VII

So ist die Philosophie über die psychischen, geistigen und intellektuellen

Beziehungen des Menschen zu seinen körperlichen Funktionen in einer fast

unauflösbaren Verwirrung. Weder die alte ârische noch die ägyptische

Psychologie werden jetzt richtig verstanden; auch können sie nicht assimiliert

werden, ohne daß man die esoterische siebenfältige, oder zum mindesten die

vedântistische fünfteilige Einteilung der inneren Prinzipien des Menschen

annimmt. Unterläßt man das, so wird es für immer unmöglich sein, die

metaphysischen und rein psychischen, ja sogar physiologischen Beziehungen

zwischen den Dhyân Chohans oder Engeln auf der einen Ebene und der

Menschheit auf der anderen zu verstehen.

Bis jetzt sind keine östlichen (ârischen) esoterischen Werke veröffentlicht, aber

wir haben die ägyptische Papyri, welche klar von den sieben Prinzipien, oder den

„sieben Seelen des Menschen“ sprechen. Das Totenbuch giebt eine vollständige

Liste von den „Wandlungen“, welche jeder Verstorbene erfährt, während er sich

dieser Prinzipien, eines nach dem anderen, entkleidet, die zum Zwecke der

Deutlichkeit zu ätherischen Wesenheiten oder Körpern materialisiert sind. Wir

müssen ferner jene, welche zu zeigen versuchen, daß die alten Ägypter keine

Reinkarnation lehrten, daran erinnern, daß es heißt, daß die „Seele“ (das Ego

oder Selbst) des Verstorbenen in Ewigkeit lebt: sie ist unsterblich „gleichalterig

und zugleich verschwindend mit der Sonnenbarke“, das heißt, den Kreislauf der

Notwendigkeit hindurch. Die Seele taucht auf aus dem Tiaou, dem Bereich der

Ursache des Lebens, und vereinigt sich bei Tage mit den auf Erden lebenden,

um jede Nacht nach Tiaou zurückzukehren. Das stellt die periodischen

Existenzen des Ego dar. [21]

Der Schatten, die Astralform, wird vernichtet, „von der Uräusschlange

verschlungen“, [22] die Manen werden vernichtet, die beiden Zwillinge (das vierte

und fünfte Prinzip) auseinandergetrieben werden; aber der Seelenvogel, „die

göttliche Schwalbe, und der Uräus der Flamme“ (Manas und Âtmâ-Buddhi)

werden in Ewigkeit leben, denn sie sind die Gatten der Mütter.

Eine andere bedeutsame Analogie zwischen der ârischen oder brâhmanischen

und der ägyptischen Esoterik. Die erstere nennt die Pitris die „Mondvorfahren“

des Menschen, und die Ägypter machen den Mondgott, Taht-Esmun, zum ersten

menschlichen Vorvater.

Dieser Mondgott „repräsentierte die sieben Naturkräfte, die ihm vorangingen,

und in ihm als seine sieben Seelen zusammengefasst waren, deren

Offenbarer er selbst als der achte war. (Daher die achte Sphäre.) Die

_47 (1 of 2)21:02:52.Kommentar VII

sieben Strahlen der chaldäischen .Heptakis oder Jao, auf den gnostischen

Steinen, bedeuten dieselbe Siebenheit von Seelen. Die erste Form der

mystischen Sieben fand man am Himmel abgebildet durch die sieben

Hauptsterne des großen Bären, des Sternbildes, welches die Ägypter der

Mutter der Zeit und der sieben elementalen Kräfte zuteilten.“ [23]

Wie jedem Inder wohl bekannt ist, repräsentiert dieses selbe Sternbild in Indien

die sieben Rishis, und heißt Riksha, und Chitrashikandinas.

Gleiches allein erzeugt Gleiches. Die Erde giebt dem Menschen seinen Körper,

die Götter (Dhyânis) geben ihm seine fünf inneren Prinzipien, den psychischen

Schatten, von dem diese Götter oft das belebende Prinzip sind. Der Geist

(Âtmân) ist Einer, und ungetrennt. Er ist nicht im Tiaou.

Denn was ist der Tiaou? Die häufige Bezugnahme auf denselben im Totenbuche

birgt ein Geheimnis. Tiaou ist der Pfad der nächtlichen Sonne, die untere

Halbkugel, oder die infernale Region der Ägypter, die von ihnen in die

verborgene Seite des Mondes verlegt wurde.

[21] Kap. CXLVIII.

[22] Ebenda, CXLIX. 51.

[23] The Seven Souls of Man, p. 2; ein Vortrag von Gerald Massey.

_47 (2 of 2)21:02:52.Kommentar VII

Das menschliche Wesen kam nach ihrer Esoterik aus dem Monde – zu gleicher

Zeit ein dreifaches Geheimnis, astronomisch, physiologisch und psychisch; es

durchschritt den ganzen Daseinskreislauf, und kehrte dann zu seinem

Geburtsorte zurück, bevor es wieder aus demselben hervorging. So wird der

Verstorbene dargestellt, wie er im Westen ankommt, sein Gericht vor Osiris

erfährt, dann als der Gott Horus aufersteht, und rund um den Sternenhimmel

kreist, was eine allegorische Assimilation an Ra, die Sonne, ist; wenn er dann die

Nut, den himmlischen Abgrund, durchquert hat, kehrt er wiederum nach Tiaou

zurück; eine Assimilation an Osiris, der als der Gott des Lebens und der

Fortpflanzung den Mond bewohnt. Plutarch [24] erwähnt, dass die Ägypter ein

Fest feierten mit Namen „Der Eintritt des Osiris in den Mond“. Im Ritual [25] wird

Leben nach dem Tode versprochen; und die Erneuerung des Lebens wird unter

den Schutz von Osiris-Lunus gestellt, weil der Mond infolge seines

allmonatlichen Zunehmens, Abnehmens, Verschwindens und Wiedererscheinens

das Symbol der Lebenserneuerungen oder Reinkarnationen war. Im Dankmoe

[26] heißt es: „O Osiris-Lunus, der du dir deine Erneuerung erneuerst.“ Und

Sabekh sagt zu Seti I: [27] „Du erneuerst dich wie der Gott Lunus als kleines

Kind.“ Noch besser wird es erklärt in einem Papyrus des Louvre: [28] „Paarungen

und Empfängnisse erfolgen zahlreich, wenn er (Osiris-Lunus) an diesem Tage

am Himmel gesehen wird.“ Osiris sagt: „O alleiniger glänzender Strahl des

Mondes! Ich gehe hervor aus den kreisenden Scharen (der Sterne) . Öffne

mir den Tiaou für den Osiris N. Ich will hervorgehen bei Tage um zu thun, was

ich unter den Lebenden zu thun habe“ [29] – d. h. Empfängnisse zu bewirken.

Osiris war der „Gott, welcher in der Zeugung offenbar wird“, denn die Alten

kannten viel besser als die Neuen die wirklichen occulten Einflüsse des

Mondkörpers auf die Geheimnisse der Empfängnis. In den ältesten Systemen

finden wir den Mond immer männlich. So ist bei den Indern Sôma eine Art von

himmlischem Don Juan, ein „König“, und der Vater, obgleich illegitim, von

Buddha-Weisheit. Dies bezieht sich auf occulte Erkenntnis, eine Weisheit, die

durch eine vollständige Vertrautheit mit lunaren Mysterien, einschließlich jener

der geschlechtlichen Zeugung, gewonnen wird. Und später, als der Mond mit

weiblichen Gottheiten in Verbindung gebracht wurde, mit Diana, Isis, Artemis,

Juno, etc., rührte diese Verbindung ebenfalls her von einer vollständigen

Kenntnis der Physiologie und der weiblichen Natur in physischer sowie

psychischer Hinsicht.

Wenn den Scharen der Zerlumpten und Armen in den Sonntagsschulen anstatt

nutzloser Lektionen aus der Bibel Astrologie gelehrt würde – soweit wenigstens,

_49 (1 of 3)21:02:53.Kommentar VII

als die occulten Eigenschaften des Mondes und sein verborgenen Einflüsse auf

die Zeugung in Betracht kommen – so wäre nur wenig Grund zur Sorge wegen

Anwachsens der Bevölkerung, noch zur Zufluchtnahme zu der fragwürdigen

Literatur der Malthusianisten zwecks seiner Hemmung. Denn der Mond und

seine Konjunktionen regeln die Empfängnisse, und jeder Astrologe in Indien weiß

das. Während der früheren Rassen, und endlich zum Beginne der jetzigen

wurden jene, welche eheliche Beziehungen pflogen während gewisser

Mondphasen, welche diese Beziehungen unfruchtbar machten, als Zauberer und

Sünder angesehen. Nun sind aber selbst jene Sünden des Altertums, die aus

einem Mißbrauch der occulten Kenntnisse entsprangen, den Verbrechen von

heutzutage augenscheinlich vorzuziehen, die infolge gänzlicher Unkenntnis

solcher occulter Einflüsse verübt werden.

Aber ursprünglich waren Sonne und Mond die einzigen sichtbaren und durch ihre

Wirkungen sozusagen greifbaren, psychischen und physiologischen Gottheiten –

Vater und Sohn – während der Raum oder die Luft im allgemeinen, oder jene

Ausdehnung des Himmels, die die Ägypter Nut nannten, der verborgene Geist

oder Atem der beiden war. Vater und Sohn waren in ihren Funktionen

vertauschbar, und wirkten in ihren Einflüssen auf die irdische Natur und

Menschheit harmonisch zusammen; daher wurden sie als eins betrachtet,

obwohl sie als personifizierte Wesenheiten zwei waren. Sie waren beide

männlich und beide hatten ihr bestimmtes, wenn auch zusammenarbeitendes

Werk in der begründenden Erzeugung der Menschheit. So viel von dem

astronomischen und kosmischen Standpunkt betrachtet und in symbolischer

Sprache ausgedrückt, die später in unseren letzten Rassen theologisch und

dogmatisch wurde. Aber hinter diesem Schleier kosmischer und astrologischer

Symbole lagen die occulten Geheimnisse der Anthropographie und der

ursprünglichen Genesis des Menschen. Und hierin wird und kann keine Kenntnis

der Symbole noch selbst der Schlüssel zu der nachsintflutlichen symbolischen

Sprache der Juden helfen, ausgenommen in Bezug auf das, was in nationalen

Schriften für exoterischen Gebrauch niedergelegt worden ist; denn die

Gesamtsumme dessen, gleichwohl klug verschleiert, war bloß der geringste Teil

der wirklichen ursprünglichen Geschichte eines jeden Volkes und bezog sich

obendrein oft, wie in den hebräischen Schriften, bloß auf das irdisch menschliche

und nicht auf das göttliche Leben der betreffenden Nation. Dieses seelische und

geistige Element gehörte den MYSTERIEN und der INITIATION an. Es gab

Dinge, die niemals auf Rollen aufgezeichnet wurden, die aber, wie in

Centralasien, auf Felsen und in unterirdischen Krypten eingegraben wurden.

_49 (2 of 3)21:02:53.Kommentar VII

[24] De Iside et Osiride, XLIII.

[25] Kap XLI.

[26] IV. 5.

[27] Mariettes Abydos. Tafel 51.

[28] P. Pierret, Êtudes Êgyptologiques.

[29] Ritual, Kap. II.

_49 (3 of 3)21:02:53.Kommentar VII

Nichtsdestoweniger hat es eine Zeit gegeben, zu der die ganze Welt „einer

Sprache und einer Erkenntnis“ war, und der Mensch mehr von seinem Ursprunge

wußte, als er jetzt weiß; und so wußte er auch, daß Sonne und Mond, eine so

wichtige Rolle sie auch in der Zusammensetzung, dem Wachstum und der

Entwicklung des menschlichen Körpers spielen, doch nicht die unmittelbaren

veranlassenden Urheber seiner Erscheinungen auf Erden waren; denn diese

Urheber sind in Wahrheit die lebendigen und intelligenten Kräfte, die von den

Occultisten Dhyân Chohans genannt werden.

In Bezug hierauf sagt uns ein sehr gelehrter Bewunderer der jüdischen Esoterik:

Die Kabalah sagt ausdrücklich, daß Elohim eine „allgemeine Abstraktion“ ist;

das, was wir in der Mathematik einen konstanten Koeffizienten“ oder eine

„allgemeine Funktion“ nennen, welche in jede Konstruktion eingeht, welche

nicht partikulär ist; das ist, nach dem allgemeinen Verhältnis von 1 zu 31415,

den (Astro-Dhyânischen und) Elohistischen Ziffern.

Hierauf antwortet der östliche Occultist: Ganz recht! sie sind eine Abstraktion für

unsere körperlichen Sinne. Für unsere geistigen Wahrnehmungen jedoch und für

unser inneres geistiges Auge sind die Elohim oder Dhyânis nicht mehr eine

Abstraktion, als unsere Seele und unser Geist eine solche für uns sind. Verwirf

das eine und du verwirfst das andere, denn das, was die überlebende Wesenheit

in uns ist, ist teilweise die unmittelbare Ausstrahlung derselben und ist teilweise

jene himmlischen Wesenheiten selbst. Eins ist sicher: die Juden waren

vollkommen vertraut mit Zauberei und verschiedenen verderblichen Kräften; aber

mit Ausnahme einiger ihrer großen Propheten und Seher, wie Daniel und

Ezechiel – Enoch gehörte als ein generischer Charakter einer weit entfernten

Rasse und überhaupt keiner besonderen Nation, sondern einer jeden an –

wußten sie nur wenig von dem wirklichen, göttlichen Occultismus, noch wollten

sie sich damit beschäftigen; ihr Nationalcharakter war von allem abgewendet,

was nicht unmittelbare Bedeutung für ihre eigenen volklichen, stammlichen und

individuellen Vorteile hatte – Zeugen dafür sind ihre eigenen Propheten, und die

Flüche, welche dieselben gegen die „hartnäckige Rasse“ donnerten. Aber selbst

die Kabalah zeigt klar die unmittelbare Beziehung zwischen den Sephiroth oder

Elohim und den Menschen.

Wenn es daher für uns erwiesen sein wird, daß die kabbalistische Identifikation

von Jehovah mit Binah, einer weiblichen Sephira, noch eine andere, eine

subocculte Bedeutung hat, dann und erst dann werden die Occultisten bereit

sein, die Palme der Vollendung an den Kabbalisten abzutreten. Bis dahin

_51 21:02:53.Kommentar VII

erklären wir, nachdem Jehovah in dem abstrakten Sinne eines „einen lebendigen

Gottes“ eine einzeln stehende Zahl, eine metaphysische Erdichtung ist, und eine

Wirklichkeit nur dann, wenn er an seinen richtigen Platz als eine Emanation und

eine Sephira gestellt wird – daß wir ein Recht haben, zu behaupten, daß der

Zohar, wie es zum mindesten das Buch der Zahlen beweist, ursprünglich, bevor

die christlichen Kabbalisten ihn entstellt hatten, dieselbe Lehre verkündigte, und

noch verkündigt, wie wir; das heißt, er läßt den Menschen nicht aus einem

himmlischen Menschen emanieren, sondern aus einer siebenfältigen Gruppe von

himmlischen Menschen oder Engeln, geradeso wie in Pymander, dem göttlichen

Gedanken.

STROPHE VII. – Fortsetzung.

3. WENN DIE EINS ZUR ZWEI WIRD, DANN ERSCHEINT DIE DREIHEIT (a),

UND DIE DREI SIND [30] EINS; UND DIES IST UNSER FADEN, O LANOO,

DAS HERZ DER MENSCHENPFLANZE, SAPTAPARNA GENANNT (b).

(a) „Wenn die Eins zur Zwei wird, dann erscheint die Dreiheit“: nämlich wenn

das Eine Ewige seinen Wiederschein in die Region der Manifestation herabsenkt,

so differenziert dieser Wiederschein, der Strahl, das Wasser des Raumes; oder

in den Worten des Totenbuches: „Das Chaos hört auf, durch das Aufblitzen des

Strahles des Urlichtes, das die gänzliche Finsternis zerstreut mit Hilfe der großen

magischen Kraft des Wortes der (centralen) Sonne.“ Das Chaos wird männlich-weiblich,

und Wasser, vom Lichte ausgebrütet, und das dreifältige Wesen geht

hervor als sein „Erstgeborenes“. „Ra (oder Osiris-Ptah) erschafft seine eigenen

Glieder (wie Brahmâ), indem er die Götter erschafft, die bestimmt sind, seine

Phasen zu personifizieren“, während des Cyklus. [31] Der ägyptische Ra, der aus

der Tiefe hervortritt, ist die göttliche Universalseele in ihrem manifestierten

Aspekt, und dasselbe ist Nârâyana, der Purusha, „verborgen im Âkâsha und

gegenwärtig im Ether“.

Dies ist die metaphysische Erklärung, und bezieht sich auf die Uranfänge der

Evolution, oder, wie wir lieber sagen möchten, der Theogonie. Die Bedeutung der

Strophe, wenn sie von einem anderen Standpunkt in ihrer Beziehung zu dem

Geheimnis des Menschen und seines Ursprungs erklärt wird, ist noch schwerer

zu verstehen. Um sich eine klare Vorstellung von dem zu machen, was unter der

Eins, die zur Zwei wird, und dann in die Dreiheit verwandelt wird, zu verstehen

ist, muß sich der Schüler mit dem, was wir Runden nennen, vollständig vertraut

machen. Wenn er auf Esoteric Buddhism – den ersten Versuch, den Umriß der

_51 (2 of 4)21:02:53.Kommentar VII

archaischen Kosmogonie annähernd zu skizzieren – zurückgeht, wird er finden,

daß unter einer Runde eine reihenweise Entwicklung der entstehenden

stofflichen Natur der sieben Kugeln unserer Kette [32] mit ihren mineralischen,

pflanzlichen und tierischen Reichen verstanden ist; der Mensch gehört in das

letztere und steht an der Spitze desselben, während der ganzen Periode eines

Lebenscyklus, wie er von den Brâhmanen als ein „Tag Brahmâs“ bezeichnet

würde. Eine Runde ist, kurz gesagt, eine Umdrehung des „Rades“ (unserer

Planetenkette), das aus sieben Kugeln besteht, oder aus sieben getrennten

„Rädern“, die diesmal in einem anderen Sinne zu verstehen sind. Wenn die

Entwicklung hinab in die Materie von Kugel A bis Kugel G sich bewegt hat, so ist

es eine Runde. In der Mitte des vierten Umlaufes, der unsere gegenwärtige

Runde ist, „hat die Evolution den Höhepunkt physischer Entwicklung erreicht, ihr

Werk durch den vollkommenen physischen Menschen gekrönt, und von diesem

Punkt an beginnt ihr Streben in der Richtung nach dem Geistigen“. All dies

bedarf nur geringer Wiederholung, da es in Geheimbuddhismus wohl erklärt ist.

Was aber kaum berührt worden ist, und von dem das Wenige, was gesagt

worden war, viele irregeführt hat, ist der Ursprung des Menschen, und auf diesen

möge jetzt ein etwas helleres Licht geworfen werden, gerade genug, um die

Strophe verständlicher zu machen, da der Vorgang vollständig erst an seinem

gehörigen Platze, in Band II erklärt werden wird.

[30] Verbunden zur.

[31] a. a. O., XVII. 4.

[32] Verschiedene feindliche Kritiker geben sich Mühe nachzuweisen, daß in

unseren früheren Bänden, in Isis Entschleiert, die sieben Prinzipien des

Menschen, oder die siebenfältige Zusammensetzung unserer Kette nicht

gelehrt worden seien. Obschon in jenem Werke die Lehre bloß angedeutet

werden konnte, so finden sich nichtsdestoweniger verschiedene Stellen, in

denen die siebenfältige Zusammensetzung sowohl des Menschen als auch

der Kette offen erwähnt wird. Gelegentlich der Besprechung der Elohim (II.

420) heißt es: „Sie bleiben über dem siebenten Himmel (oder der geistigen

Welt), denn sie sind es, die nach den Kabbalisten der Reihe nach die sechs

_51 (3 of 4)21:02:53.Kommentar VII

stofflichen Welten, oder richtiger Versuche von Welten gebildet hatten, die

unserer eigenen vorausgingen, welche, wie sie sagen, die siebente ist.“ Unser

Globus ist in dem Diagramm, das die Kette versinnbildlicht, natürlich der

siebente und niedrigste; obwohl er, da die Evolution dieser Globen cyklisch

geschieht, der vierte auf dem absteigenden Bogen der Materie ist. Und

wiederum (II. 367) steht geschrieben: „Nach ägyptischen Begriffen, sowie

nach denen aller anderen auf Philosophie begründeten Glauben, war der

Mensch nicht bloß eine Vereinigung von Seele und Körper, er war eine

Dreiheit, wenn man den Geist hinzufügte. Außerdem ließ ihn diese Lehre

bestehen aus Körper, Astralform oder Schatten, Tierseele, .

höherer Seele, und irdischer Intelligenz (und) einem sechsten Prinzip

etc.etc.“ – das siebente ist GEIST. So klar sind diese Prinzipien erwähnt, daß

man selbst im Index (II. 683) die „Sechs Prinzipien des Menschen“ findet,

indes das siebente, streng genommen die Vereinigung der sechs, und nicht

ein Prinzip, sondern ein Strahl des absoluten ALLS ist.

_51 21:02:53.Kommentar VII

Nun ist jede Runde auf der absteigenden Leiter bloß eine Wiederholung in

konkreter Form von der ihr vorhergehenden Runde, gerade so, wie jeder Globus,

herunter bis zu unserer vierten Sphäre, der thatsächlichen Erde, eine gröbere

und materiellere Kopie der mehr schattenhaften Sphäre ist, die ihr, überall der

Reihe nach, auf den drei höheren Ebenen vorausgeht. [33] Auf ihrem Wege nach

aufwärts, in ihrem emporstrebenden Bogen vergeistigt und veräthert sozusagen

die Evolution die allgemeine Natur von allem, indem sie dieselbe auf die gleiche

Stufe bringt, auf welcher der Zwillingsglobus auf dem entgegengesetzten Bogen

steht; das Resultat ist, daß, wenn in irgend einer Runde der siebente Bogen

erreicht ist, die Natur von alledem, was sich entwickelt, in den Zustand

zurückkehrt, in dem es sich an seinem Ausgangspunkt befunden hat – plus,

jedesmal, einem neuen und höheren Grad in den Zuständen des Bewußtseins.

Somit wird es klar, daß der sogenannte „Ursprung des Menschen“ in dieser

unserer gegenwärtigen Runde oder Lebenskreisbahn auf diesem Planeten

denselben Platz in derselben Ordnung einnehmen muß – abgesehen von auf

Ort- und Zeitbedingungen begründeten Einzelheiten – wie in der vorhergehenden

Runde. Hinwiederum muß erklärt und in Erinnerung gebracht werden, daß, wie

das Werk einer jeden Runde, wie gesagt wird, einer andern Gruppe von

sogenannten Schöpfern oder Baumeistern zugeteilt ist, das Gleiche von dem

eines jeden Globus gilt; das heißt, es ist unter der Aufsicht und Leitung von

besonderen Bildnern und Wächtern – den verschiedenen Dhyân-Chohans.

Das Wort „Schöpfer“ zu gebrauchen ist unrichtig, da keine andere Religion, nicht

einmal die Sekte der Visishthadvaitîs in Indien, eine Sekte, die sogar

Parabrahman anthropomorphisiert, an eine Schöpfung ex nihilo glaubt, wie es

die Christen und Juden thun, sondern nur an eine Entwicklung aus vorher

bestandenen Materialien. – Die Gruppe der Hierarchie, der aufgetragen worden

war, die Menschen zu „erschaffen“, ist also eine besondere Gruppe; doch

entwickelte sie den schattenhaften Menschen in diesem Cyklus ebenso, wie eine

höhere und noch geistigere Gruppe ihn in der dritten Runde entwickelt hatte.

Aber da sie die sechste auf der absteigenden Leiter der Geistigkeit ist – die letzte

und siebente sind die Erdgeister (Elementale), die stufenweise seinen

physischen Körper formen, bilden und verdichten – so entwickelt diese sechste

Gruppe nicht mehr als die schattenhafte Form des zukünftigen Menschen, ein

spinnwebendünnes, kaum sichtbares, durchsichtiges Abbild ihrer selber. Die

Aufgabe der fünften Hierarchie – der geheimnisvollen Wesen, die dem Sternbilde

Steinbock, Makara oder „Krokodil“ in Indien und Ägypten vorstehen – ist es, die

leere und ätherische tierische Form zu beseelen und aus ihr den vernünftigen

Menschen zu machen. Es ist das einer von den Gegenständen, über welche nur

_53 (1 of 3)21:02:54.Kommentar VII

sehr wenig der allgemeinen Öffentlichkeit gesagt werden kann. Es ist fürwahr ein

Mysterium, aber nur für jenen, der im stande ist, das Dasein intellektueller und

bewußter geistiger Wesen im Weltall zu verwerfen und volles Bewußtsein nur auf

den Menschen zu beschränken, und das auch nur als eine „Funktion des

Gehirns“. Es giebt viele unter diesen geistigen Wesenheiten, welche sich im

Menschen seit dessen erstem Erscheinen körperlich inkarniert haben, und

welche doch trotz alledem ebenso unabhängig wie zuvor in den Unendlichkeiten

des Raumes existieren.

Um es klarer zu machen: eine solche unsichtbare Wesenheit kann auf der Erde

körperlich anwesend sein, ohne jedoch ihren Stand und ihre Funktionen in den

übersinnlichen Regionen aufzugeben. Wenn dies einer Erklärung bedarf, so

können wir nicht Besseres thun, als den Leser an ähnliche Fälle im sogenannten

„Spiritismus“ zu erinnern; obwohl solche Fälle sehr selten sind, wenigstens was

die Natur der Wesenheit anbelangt, die sich inkarniert oder von dem Medium

zeitweilig Besitz nimmt. Denn die sogen. „Geister“, welche gelegentlich von den

Körpern der Medien Besitz ergreifen können, sind nicht die Monaden oder

höheren Prinzipien entkörperter Persönlichkeiten. Solche „Geister“ können bloß

entweder Elementare sein oder – Nirmânakâyas. Gerade so wie gewisse

Personen, sei es kraft einer eigenartigen Organisation oder vermöge der Macht

erworbener mystischer Erkenntnis, an einem Orte in ihrem „Doppelgänger“

gesehen werden können, während ihr Körper viele Meilen weit entfernt ist; so

kann dasselbe im Falle von höheren Wesen eintreten.

Der Mensch ist, philosophisch betrachtet, seiner äußeren Form nach einfach ein

Tier, das kaum vollkommener ist als sein affenartiger Vorfahr in der dritten

Runde. Er ist ein lebender Körper, nicht ein lebendes Wesen, da die

Vergegenwärtigung des Daseins, das „Ego sum“, Selbstbewusstsein voraussetzt,

und ein Tier bloß unmittelbares Bewusstsein oder Instinkt haben kann. Die Alten

verstanden dies so gut, dass selbst die Kabbalisten aus Seele und Körper zwei

voneinander unabhängige Leben machten. In den New Aspects of Life stellt der

Verfasser die kabbalistische Lehre fest:

Sie hielten dafür, dass funktionell Geist und Materie von einander

entsprechender Undurchsichtigkeit und Dichte sich zu verbinden streben, und

dass die daraus hervorgehenden erschaffenen Geister im entkörperten

Zustand auf einer Stufenleiter angeordnet sind, in welcher die verschiedenen

Undurchsichtigkeiten und Durchsichtigkeiten des elementalen oder

unerschaffenen Geistes sich wiederholten. Und dass diese Geister im

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entkörperten Zustand elementalen Geist und elementalen Stoff, deren

Zustände den ihren entsprechen, an sich ziehen, sich aneignen, verdauen und

assimilieren Sie lehrten daher, daß ein großer Unterschied in den

Zuständen der erschaffenen Geister existiert; und daß bei der engen

Verbindung zwischen der Welt des Geistes und Welt des Stoffes die

undurchsichtigeren Geister im entkörperten Zustand nach den dichteren Teilen

der materiellen Welt gezogen werden und daher gegen den Erdmittelpunkt

hinstreben, wo sie die ihrem Zustande am meisten angepassten Bedingungen

vorfinden; während die durchsichtigeren Geister in die den Planeten

umgebende Aura übergehen und die allerverfeinertsten ihre Wohnung in dem

Monde desselben finden. [34]

[33] Siehe Diagramm III. p. 221.

[34] Pp. 340-351. „Genesis of the Soul“

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Dies bezieht sich ausschließlich auf unsere elementalen Geister, und hat nichts

zu thun mit den planetarischen, siderischen, kosmischen oder interetherischen

intelligenten Kräften, oder „Engeln“, wie sie von der römischen Kirche genannt

werden. Die jüdischen Kabbalisten, insbesondere die praktischen Occultisten, die

sich mit ceremonieller Magie befassten, beschäftigten sich bloß mit den Geistern

der Planeten und den sogenannten „Elementalen“. Daher umfasst das Obige

bloß einen Teil der esoterischen Lehre.

Die Seele, deren körperliches Vehikel die astrale, etherisch-substanzielle Hülle

ist, könnte sterben und der Mensch doch auf Erden leben bleiben. Das will

sagen, die Seele könnte sich selbst befreien und das Tabernakel aus

verschiedenen Gründen verlassen, wie wegen Wahnsinn, geistiger und

physischer Verkommenheit etc. Die Möglichkeit, daß die „Seele“ – das ist das

ewige Geistige Ego – in den unsichtbaren Welten weilt, während ihr Körper

lebend auf der Erde weiter geht, ist eine hervorragend occulte Lehre,

insbesondere in der chinesischen und buddhistischen Philosophie. Es giebt viele

seelenlose Menschen unter uns, denn dieses Ereignis findet sowohl in

verruchten Materialisten wie in Personen statt, „die in der Heiligkeit fortschreiten

und niemals zurückkehren“.

Daher können das, was lebende Menschen (Initiierte) thun können, die Dhyânis,

die keinen physischen Körper haben, der sie hindern würde, noch viel besser

thun. Dies war der Glaube der Vorsintflutlichen, und wird rasch der der modernen

intellektuellen Gesellschaft im „Spiritismus“, ebenso wie in der griechischen und

römischen Kirche, die das Überallsein ihrer Engel lehren. Die Zoroastrier

betrachteten ihre Amshaspends als duale Wesenheiten (Ferouers), und

schreiben diese Dualität – zum mindesten in de esoterischen Philosophie – allen

geistigen und unsichtbaren Bewohnern der zahllosen, für unser Auge sichtbaren

Welten des Raumes zu. In einer Bemerkung des Damascius (sechstes

Jahrhundert) über die chaldäischen Orakel finden wir vorzügliches

Beweismaterial für die Universalität dieser Lehre, denn er sagt: „In diesen

Orakeln sind die sieben Kosmokratoren der Welt [die Weltpfeiler], die auch von

St. Paulus erwähnt werden, doppelt; die eine Reihe ist beauftragt, die oberen

Welten, die geistige und die siderische, zu beherrschen, und die andere, die

Welten des Stoffes zu leiten und zu überwachen.“ So ist auch die Meinung des

Jamblichus, der einen offenbaren Unterschied macht zwischen den Erzengeln

und den Archonten. [35]

Das Obige kann natürlich auf die Unterscheidung angewendet werden, welche

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zwischen den Graden oder Ordnungen der geistigen Wesen gemacht wird, und

in diesem Sinne sucht die römisch-katholische Kirche den Unterschied zu

interpretieren und zu lehren; denn während die Erzengel nach ihrer Lehre göttlich

und heilig sind, brandmarkt sie ihre „Doppelgänger“ als Teufel. Aber das Wort

Ferouer ist nicht in diesem Sinne zu verstehen, denn es bedeutet einfach die

verkehrte oder die entgegengesetzte Seite eines Attributes oder einer Qualität.

Wenn daher der Occultist sagt, dass „Dämon die Umkehrung Gottes ist“ – das

Übel die Kehrseite der Münze – so meint er nicht zwei getrennte Wirklichkeiten,

sondern zwei Aspekte oder Facetten derselben Einheit. Aber der beste Mensch

der Welt würde, Seite an Seite mit einem Erzengel – wie er in der Theologie

beschrieben wird – als ein böser Feind erscheinen. Daher ist ein gewisser Grund

vorhanden, den niedrigeren „Doppelgänger“ zu missachten, der viel tiefer in die

Materie eingetaucht ist, als sein Original. Aber ebenso wenig ist wieder Grund

vorhanden, sie als Teufel zu betrachten, und gerade das ist es, was die

römischen Katholiken gegen alle Vernunft und Logik behaupten.

Diese Identität des Geistes mit seinem materiellen „Doppelgänger“ – im

Menschen ist es umgekehrt – erklärt noch besser die in diesem Werke bereits

angedeutete Verwirrung in den Namen und Individualitäten, sowie in den Zahlen,

der Rishis und Prajâpatis; insbesondere in jenen des Satya Yuga und der

mahâbhâratischen Periode. Sie wirft auch ein weiteres Licht auf die Lehre der

Geheimwissenschaft in Bezug auf die Wurzel – und Samen – Manus. Nicht nur

diese Stammväter unserer Menschheit, sondern auch ein jedes menschliche

Wesen, so wird uns gelehrt, hat sein Vorbild in den geistigen Sphären, welches

Vorbild die höchste Wesenheit seines siebenten Prinzipes ist. So werden aus

den sieben Manus vierzehn, der Wurzel-Manu ist die erste Ursache, und der

Samen-Manu seine Wirkung; und vom Satya Yuga (dem ersten Stadium) bis zur

heroischen Periode werden diese Manus oder Rishis einundzwanzig an Zahl.

(b) Der Schlußsatz dieser Shloka zeigt, wie uralt der Glaube und die Lehre ist,

daß der Mensch siebenfältig in seiner Zusammensetzung ist. Der „Faden“ des

Seins, der den Menschen belebt, und durch alle seine Persönlichkeiten, oder

Wiedergeburten auf dieser Erde, hindurchgeht – eine Anspielung auf den

Sûtrâtmâ – der Faden, an welchem obendrein alle seine „Geister“ aufgereiht

sind, ist gesponnen aus der Wesenheit der Dreifältigen, der Vierfältigen und der

Fünffältigen, welche alle vorhergehenden enthalten. Panchâshikha ist, in

Übereinstimmung mit dem Padma Purâna, [36] einer von den sieben Kumâras,

welche nach dem Shveta Dvîpa gehen, um Vishnu zu verehren. Wir werden

später sehen, welcher Zusammenhang besteht zwischen den „ehelosen“ und

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keuschen Söhnen des Brahmâ, welche sich weigern, „sich zu vermehren“, und

den irdischen Sterblichen. Einstweilen ist es einleuchtend, daß sich somit die

„Menschenpflanze Saptaparna“ auf die sieben Prinzipien bezieht, und daß der

Mensch mit dieser siebenblättrigen Pflanze verglichen wird, die den Buddhisten

so heilig ist. Die ägyptische Allegorie im Totenbuch, die von der „Belohnung der

Seele“ handelt, ist ebenso auf unsere Siebenheitslehre hinweisend als poetisch.

Dem Verstorbenen wird ein Stück Landes in dem Gefilde von Aanru zugewiesen,

wo selbst die Manen, die vergötterten Schatten der Toten, als Ernte dessen, was

sie durch ihre Handlungen im Leben gesäet haben, das sieben Ellen hohe Korn

einsammeln, welches in einem in sieben und vierzehn Teile geteilten Gebiete

wächst. Dieses Korn ist die Nahrung, von der sie leben und gedeihen, oder die

sie töten wird in Amenti, in dem Reiche, von dem das Aanrufeld ein Gebiet ist.

Denn der Verstorbene wird, wie es in dem Hymnus [37] heißt, darinnen entweder

zerstört, oder wird ein reiner Geist für die Ewigkeit, infolge der „siebenmal

siebenundsiebzig Leben“, die er auf Erden zugebracht hat oder noch zubringen

muß. Die Idee von dem als „Frucht unserer Handlungen“ gereiften Korn ist sehr

anschaulich.

[35] De Mysteriis, II. 3.

[36] Asiatic Researches, XI. 99, 100.

[37] Kap. XXXII. 9.

_55 (3 of 3)21:02:54.Kommentar VII

STROPHE VII. – Fortsetzung.

4. DIE WURZEL IST ES, WELCHE NIE STIRBT, DIE DREIZÜNGIGE FLAMME DER VIER DOCHTE (a) . DIE DOCHTE SIND DIE FUNKEN, WELCHE

AUS DER DREIZÜNGIGEN FLAMME, [38] WELCHE DEN SIEBEN ENTSPRINGT, IHRE FLAMME ERHALTEN, DIE STRAHLEN UND FUNKEN VON

EINEM MONDE, WELCHE SICH IN DEN FLIEHENDEN WELLEN ALLER FLÜSSE DER ERDE [39] WIEDERSPIEGELN (b).

(a) Die „dreizüngige Flamme, welche nie stirbt“ ist die unsterbliche geistige Triade, Âtmâ, Buddhi und Manas, oder richtiger die Frucht des letzteren,

assimiliert von den beiden ersteren nach jedem irdischen Leben. Die „vier Dochte“, welche ausgehen und verlöscht werden, sind die Vierheit, die vier

niedern Prinzipien, einschließlich des Körpers.

„Ich bin die dreidochtige Flamme und meine Dochte sind unsterblich,“ sagt der Verstorbene. „Ich gehe ein in den Bereich von Sekhem [des Gottes, dessen

Hand den von der entkörperten Seele hervorgebrachten Samen der Handlung aussäet], und ich gehe ein in die Region der Flammen, welche ihre

Widersacher vernichtet haben [d. h. von den Sünde erzeugenden Vier Dochten frei geworden sind].“ [40]

„Die dreizüngige Flamme der vier Dochte“ entspricht den vier Einheiten und den drei Zweiheiten des sephirothischen Baumes.

(b) Ebenso wie Milliarden heller Funken auf den Wassern eines Oceans tanzen, über dem einer und derselbe Mond scheint, so funkeln und tanzen unsere

vergänglichen Persönlichkeiten – die täuschenden Hüllen des unsterblichen monadischen Egos – auf den Wogen der Mâyâ. Sie erscheinen und dauern,

ebenso wie die Tausenden der von den Mondstrahlen hervorgebrachten Funken so lange als die Königin der Nacht ihren Glanz auf die „fliehenden Wellen“

des Lebens ausstrahlt, durch die Periode eines Manvantara; und dann verschwinden sie, und bloß die „Strahlen“ – die Symbole unserer ewigen Geistigen

Egos – bleiben lebendig, wieder versenkt in ihre mütterliche Quelle und, wie sie es zuvor waren, mit derselben eins.

STROPHE VII. – Fortsetzung.

5. DER FUNKE HÄNGT VON DER FLAMME AN DEM FEINSTEN FADEN VON FOHAT HERAB. ER DURCHWANDERT DIE SIEBEN WELTEN DER

MÂYÂ (a). ER HÄLT IN DER ERSTEN [41] AN UND IST EIN METALL UND EIN STEIN; ER WANDERT IN DIE ZWEITE [42] UND SIEHE – ER IST EINE

PFLANZE; DIE PFLANZE WIRBELT DURCH SIEBEN VERÄNDERUNGEN UND WIRD EIN GEWEIHTES TIER [43] (b).

VON DEN VEREINIGTEN EIGENSCHAFTEN DIESER WIRD MANU, [44] DER DENKER GEBILDET.

WER BILDET IHN? – DIE SIEBEN LEBEN UND DAS EINE LEBEN ©. WER VOLLENDET IHN? – DER FÜNFFACHE LHA. UND WER VOLLENDET DEN

SCHLIESSLICHEN KÖRPER? – FISCH, SÜNDE UND SOMA [45] (d).

_57 (1 of 3)21:02:55.Kommentar VII

(a) Die Phrase „durch die sieben Welten der Mâyâ“ bezieht sich hier auf die sieben Globen der Planetenkette und auf die sieben Runden, oder die

neunundvierzig Stationen aktiver Existenz, die vor dem „Funken“ oder der Monade am Beginne eines jeden großen Lebenscyklus oder Manvantara liegen.

Der „Faden von Fohat“ ist der oben erwähnte Faden des Lebens.

Es bezieht sich das auf das größte Problem der Philosophie – auf die physische und substanzielle Natur des Lebens, dessen unabhängige Natur von der

modernen Wissenschaft geleugnet wird, weil diese Wissenschaft unfähig ist, sie zu verstehen. Bloß die Anhänger der Reinkarnationslehre und die

Karmagläubigen nehmen einigermaßen wahr, dass das ganze Geheimnis des Lebens in der ununterbrochenen Reihe seiner Offenbarungen liegt, einerlei

ob diese innerhalb oder getrennt vom physischen Körper vor sich gehen. Denn selbst wenn:

Leben,

dem Dom

vielfärb’gen

Glases

gleich,

Trübet

den

weißen

Glanz der

Ewigkeit –

so bildet es doch selbst einen wesentlichen Bestandteil dieser Ewigkeit; denn das Leben allein kann das Leben verstehen.

[38] Ihrer oberen Dreiheit.

[39] Bhûmi oder Prithivî.

[40] Totenbuch, I. 7. Vergl. auch Mysteries of Rostan.

[41] Im ersten Reiche.

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[42] Im zweiten Reiche.

[43] Der erste Schatten des körperlichen Menschen.

[44] Mensch.

[45] Mond.

_57 (3 of 3)21:02:55.Kommentar VII

Was ist diese „Funke“, der „von der Flamme herabhängt“? Es ist Jîva, die

Monade in Verbindung mit Manas, oder vielmehr dessen Duft – das, was von

jeder Persönlichkeit, falls sie verdienstvoll ist, übrig bleibt, und hängt von Âtmâ-Buddhi,

der Flamme, an dem Faden des Lebens herab. Auf welche Art auch die

Interpretation geschieht, und in welche Zahl von Prinzipien das menschliche

Wesen auch eingeteilt wird, es kann leicht gezeigt werden, daß diese Lehre von

allen alten Religionen bestätigt wird, von der vedischen bis zur ägyptischen, von

der zoroastrischen bis zur jüdischen. Was die letztere anbelangt, so liefern die

kabbalistischen Werke reichlichen Beweis für diese Behauptung. Das ganze

System der kabbalistischen Zahlen beruht auf der göttlichen Siebenheit, die von

der Dreiheit herabhängt, und so die Zehnheit bildet, und deren Permutationen 7,

5, 4 und 3, welche schließlich alle in die Eins selbst versinken; ein end- und

schrankenloser Kreis.

Wie der Zohar sagt;

Die Gottheit (die ewig unsichtbare Gegenwart) offenbart sich durch die zehn

Sephiroth, welche ihre hervorstrahlenden Zeugen sind. Die Gottheit gleicht

dem Meere, welches einen Strom ausfließen läßt, genant Weisheit, dessen

Wasser in einen See fallen, welcher Intelligenz genannt wird. Aus dem Becken

gehen gleich sieben Kanälen die sieben Sephiroth hervor . Denn zehn ist

gleich sieben: die Zehnheit enthält vier Einheiten und drei Zweiheiten.

Die zehn Sephiroth entsprechen den Gliedern des Menschen.

Als ich (die Elohim) den Adam Kadmon bildete, da schoß der Geist des

Ewigen aus seinem Körper, wie ein Wetterleuchten, das zugleich auf den

Wogen der sieben Millionen Himmel aufleuchtete, und meine zehn

Glanzgestalten waren seine Glieder.

Aber weder das Haupt noch die Schultern von Adam Kadmon können gesehen

werden; daher lesen wir in der Siphra Dtzenioutha, dem „Buche des verborgenen

Geheimnisses“:

Im Anbeginne der Zeit, nachdem die Elohim (die „Söhne des Lichtes und

Lebens“, oder die Bauleute) aus der ewigen Wesenheit die Himmel und die

Erde gestaltet hatten, bildeten sie die Welten zu je sechsen.

Die siebente ist Malkuth, welche unsere Erde [46] auf ihrer Ebene, und die

niedrigste auf allen andern Ebenen bewußter Existenz ist. Das chaldäische Buch

_59 (1 of 3)21:02:56.Kommentar VII

der Zahlen enthält eine ins einzelne gehende Erklärung von allem diesen.

Die erste Dreiheit des Körpers von Adam Kadmon (die drei oberen Ebenen

der sieben) [47] kann nicht gesehen werden, bevor die Seele in der

Gegenwart des Alten der Tage steht.

Die Sephiroth dieser oberen Dreiheit sind: „1. Kether (die Krone), dargestellt

durch die Stirn des Makroprosopus; 2. Chokmah (Weisheit, ein männliches

Prinzip), durch seine rechte Schulter; und 3. Binah (Intelligenz, ein weibliches

Prinzip), durch seine linke Schulter.“ Dann kommen die sieben Glieder oder

Sephiroth auf den Ebenen der Manifestation; die Gesamtheit dieser vier Ebenen

wird dargestellt durch Mikroprosopus, das kleinere Gesicht, oder

Tetragrammaton, das „vierbuchstabige“ Geheimnis. „Die sieben geoffenbarten

und die drei verborgenen Glieder sind der Körper der Gottheit.“

Somit ist unsere Erde, Malkuth, sowohl die siebente als auch die vierte Welt;

ersteres, wenn man von der ersten Kugel oben an zählt, letzteres, wenn nach

Ebenen gezählt. Sie wird erzeugt von der sechsten Kugel oder Sephira, genannt

Yezud, „Grundlegung“, oder, wie es im Buche der Zahlen heißt, „durch Yezud

befruchtet Er (Adam Kadmon) die ursprüngliche Heva (Eva oder unsere Erde).“

In mystischer Sprache wiedergegeben, ist dies die Erklärung, warum Malkuth,

genannt die untere Mutter, Matrone, Königin, und das Reich der Grundlegung,

als die Braut des Tetragrammaton, oder Mikroprosopus (des zweiten Logos), des

himmlischen Menschen, dargestellt wird. Wenn sie von aller Unreinheit befreit

ist, wird sie mit dem geistigen Logos vereint werden, d. i. in der siebenten Rasse

der siebenten Runde – nach der Wiedergeburt, am Tage des „Sabbath.“ Denn

der „siebente Tag“ hat wiederum eine occulte Bedeutung, von der sich unsere

Theologen nichts träumen lassen.

Wenn Matronitha, die Mutter, getrennt und Angesicht zu Angesicht vor den

König gebracht wird, in der Vollkommenheit des Sabbath, so werden alle

Dinge ein Körper. [48]

„Ein Körper werden“ bedeutet, daß Alles wieder einmal in das Eine Element

wiederaufgesaugt wird, wobei die Geister der Menschen zu Nirvânîs, und die

Elemente von allem andern vom neuen das werden, was sie früher waren –

Protyle oder undifferenzierte Substanz. „Sabbath“ bedeutet Ruhe, oder Nirvâna.

Er ist nicht der „siebente Tag“ nach sechs Tagen, sondern eine Periode, deren

Dauer jener der sieben „Tage“ gleichkommt, oder irgend einer Periode, die aus