Theosophical Society,
Die Geheimlehre Band I
DIE GEHEIMLEHRE
VON H. P. BLAVATSKY
DIE VEREINIGUNG VON WISSENSCHAFT
RELIGION UND PHILOSOPHIE
BAND I
KOSMOGENESIS
A
KOSMISCHE EVOLUTION
VERLAG J.J. COUVREUR - DEN HAAG
-
AUS DEM ENGLISCHEN DER DRITTEN
AUFLAGE
ÜBERSETZT VON DR. PHIL. ROBERT
FROEBE
Vorrede . .
Einleitung .
Die Notwendigkeit eines solchen
Buches . .
Das hohe Alter der Dokumente und Handschriften
Was das Buch
beabsichtigt .
Vorwort . .
Die ältesten Handschriften der Welt und ihre Symbolik
Leben .
Die Geheimlehre - Pantheismus -
Atheismus . .
“Raum” in allen Religionen und im Occultismus . Sieben kosmische Elemente - sieben Rassen der
Menschheit .
Die drei Sätze der Geheimlehre .
Dzyan .. .
Sieben Strophen aus dem Buche
des
Dzyan
Weltalls .
Universalgemüt
Die Ursachen des Seins .
Die sieben erhabenen
Herren . .
Die Ursachen des
Daseins
Die Eine Form des
Daseins .
Âlaya, die
Universalseele
Kann das Endliche das
Unendliche
erfassen?
Differentiation . .
Das Absolute kennt sich selbst
nicht . .
Der Keim des
Lebens . . .
Astrallicht ist nicht Anima
Mundi
Der
Gottesgedanke .
Das Erwachen des
Kosmos . .
Die Welt, ein flüchtiger
Schatten ..
Symbole der
Natur . .
Das Buttern des
Ozeans
Dunkelheit und
Licht
Androgyne
Gottheiten .
Schlangensymbol .
Der magische
Agent
Ich bin der ich
bin . .
Ursprüngliche
Differentiationen . .
Das Gewebe des
Daseins .
Bewußte
Elektricität
Die siebenfältigen
Hierarchien . .
Die sieben mystischen
Sinne .
Das Vehikel des
Weltalls .
Die Unbefleckten
Empfängnisse . .
Die Kraft von Sprache und
Ton .
Die Sieben
Sinne . .
Kreis
Feuer, das große Symbol der
Gottheit .
Die Sternensöhne des
Lichtes .. .
Die göttlichen
Geschichtsschreiber .
Fohat, das Kind der
siebenfältigen
Hierarchien
Die himmlischen
Buddhas ...
Die Theogonie der Schöpfer . ..
Die proteusartige
Geistessubstanz . .
Die Wechselbeziehung der
Götter .
Die sieben
Welten .. .
Naturwissenschaften
.
Flamme ..
Die beflügelten
Räder
Monismus und
Materialismus .
Die vier
Himmlischen .
Lipika . .
Der Ring “Überschreite
nicht”
Der Gott des Menschen und der
Gott der
Ameise .
Der Tag “Komm zu
uns” . .
Unsere Welt, ihr Wachstum und
ihre
Entwicklung . .
Das Mysterium des weiblichen
Logos . .
Von der Nicht-Zahl zur Zahl
Sieben . .
Waren die Alten unwissend in
den
Naturwissenschaften? . .
Der Schlaf der ewigen
Mutter .
Die kosmische Ebene, eine
Illusion .
Ursprüngliche Substanz -eine
Realität .
_Inhaltsverzeichnis (4 of 19)22.Die Geheimlehre Band I
- Inhaltsverzeichnis
Irrtum .
Eine Abschweifung . .
Ein paar frühere
Mißverständnisse betreffend Planeten,
Runden und Menschen .
Absteigende und
wiederaufsteigende
Zustände . ....
Austausch von
Lebensprinzipien . .
Verschiedene und doch
übereinstimmende
Ansichten
Die Wanderungen des
Ego . .
Eine Wiederherstellung von
Thatsachen .
Wie die Frage, so die
Antwort .
Brief .
777
Monaden .
Globen und der Monaden .. .
Die Übertragung von
Lebenselementen .
Die monadische Schar .
Die elementaren Reiche . .
Atome
Mondvorfahren .
Die vierte Kugel . ...
Mensch oder Affe; wer war
zuerst? .
Eine irrige Meinung .
Der Brief eines Meisters
Die vorläufige Erschaffung des
Menschen . .
Die erste Ursache der
Sünde .
Der Codex Nazaräus wiederholt
die
Allegorie . .
Ilda-Baoth-Jehovah . .
Die sieben Ebenen . .
Der Streit im Himmel .
Die Geburt der Welten : .
Die sieben Grade der
Initiation .
Der verlorene Kanon der
Proportion . .
Der Urprung der Hingebung .. .
Die schöpferischen Kräfte
Die Eltern des Menschen auf
Erden . .
Eine Urspungsflamme, zahllose
Flammen
Lehren in
Gegenüberstellung .
Die Hierarchien der
Geister .
Naturgeister oder
Elementale .
Das Geheimnis des Seins
Die Abstammung des
Menschen . .
Die “sieben Seelen” in der
Ägyptologie
Der
Mondgott
Jehovah eine weibliche
Sephirah .
Der Ursprung des Menschen .
Dii sunt demones inversi
Die unsterbliche Wurzel
Chaldäische Metaphysik .
Die wahre und die falsche
Kabbalah . .
Occulte und kabbalistische
Doktrinen . .
Kabbalisten und Occultisten
verschiedener
Meinung . .
Der Geist allein ist auf Erden
hilflos .
Die “Verschlinger” .
Die vier Dimensionen des
Raumes .
Oceane von Kohlensäure
Der große magische Agent
Âkasha ist nicht Ether
Atome sind unsichtbare
Lebewesen .
Occulte Chemie .
Die feurigen Leben . .
Der Mensch, der Schatten seines
Vorbildes . .
Die Erde vom Himmel aus
bevölkert .
Die ‘Wiederkunft” .
Übersicht
Die Upanishads .
Eine Rekapitulation . .
Die leitende Intelligenz des
Weltalls . .
Die Einheit des Alls in der
Natur .
Die drei Weltalle .
Die Materie ist der Schatten
des
Geistes .
Der Yliaster des
Paracelsus . .
Der christianisierte
Hermes
Das Ewige allein ist
wirklich . .
Aphorismen .
Auszüge aus einem östlichen
privaten, bisher geheimen
Kommentar . .
Yogakräfte .
Âkasha .
Nichts Neues unter der
Sonne . .
ZWEITER TEIL.
DIE ENTWICKLUNG DER SYMBOLIK.
Symbolik und
Ideographie
Katzensymbol .
Die magische Kraft des
Tones . ..
Die
Mysteriensprache .
_Inhaltsverzeichnis (7 of 19)22.Die Geheimlehre Band I
- Inhaltsverzeichnis
Die Mysteriensprache und ihre
Schlüssel .
Ägyptens zahlreiche
Religionen . .
Die Masse der grossen
Pyramide .
Die Quadratur des
Kreises . ... .
Die Wahrheit muß schließlich
siegen ...
Moses und der Binsenkorb
kopiert nach
Sargon .
Occulte Zahlen .
Die Identität der alten
Symbole .
Die “satanischen”
Rassen
Ursprüngliche Substanz und
göttlicher
Gedanke .
Der göttliche
Gedanke .
Die universale
Illusion .
Pater Omnipotens
Äther
Die Kosmogenesis des
Manu .
Die sieben
Prakritis .
Die Götter der
“Genesis”
Das mystische
Feuer . .
Der Äther .
_Inhaltsverzeichnis (8 of 19)22.Die Geheimlehre Band I
- Inhaltsverzeichnis
Chaos: Theos:
Kosmos .. .. .. .
Die Seele der
Welt
Die Geburt des
Gemütes . .. .
Elemente
Ueber die verborgene Gottheit,
ihre Symbole und
Glyphen
Die Gnosis des
Markus .
Das große
Gemüt
Symbole der schöpferischen
Kräfte .
Die internationale
Wechselbeziehung der
Götter . .
Alte
Symbologie .
Das Weltenei . .
Ei und Arche . .
Sonnengottheiten .
Feurige Schlangen
Die beflügelte
Kugel
Zwei Aspekte von “Gott” .
Die Tage und Nächte des
Brahma .
Drei Arten von
Pralaya
Die Wiederaufsaugung von
Allem .
Ein kabbalistischer
Schlüssel . .
Der Anbruch der
Nacht . .
Die Rückkehr des
Moru
Der Lotus als ein universales
Symbol .. . .
Das Ideelle wird
materiell .
Hebräischer
Anthropomorphismus
Semit . . .
Der Buchstabe M . .
Der Mond: Deus Lunus,
Phoebe .
Der christliche
Mondgott . .
Der physiologische Schlüssel
zum
Mondsymbol . .
Der “doppelte
Schoß” . .
Eine Allegorie aus dem
Zohar . .
Hekate-Luna, das Gegenbild des
Jehovah .
Der doppelgeschlechtige
Mond . .
Die Würde von
Sais . .
Vorhistorischer
Katholizismus . .
Identität der
Typologie . .
Baum-, Schlangen- und
Krokodilverehrung . .
Die Schlange, das Symbol der
Initiation .
Der Ashvattha-Baum
“Siebenen”
Logos . ..
. .
Demon est deus
inversus
Kein Leben ohne
Tod .
Theologische
Etymologien ..
Die verläumdeten
Engel .
Der Streit der
Götter .
Kritik von Wilsons
Kritik
Die Täuschung der
Götter
Die Theogonie der
schöpferischen
Götter . .
Jehovah ist nicht die höchste
Gottheit . .
Die ursprüngliche Theogonie der
Vedantisten .
Synonyme des
Logos .
“Weibliche”
Logoi . .
Die pythagoräische
Idee
Das Alter der
Pyramiden
Götter .
Unglaublich, aber
wahr
Dieselbe Idee im
Konfuzianismus .
Das Geheimnis der
Schwärze .
Gott ist unser höheres
Selbst . .
Schöpfungen
Die sieben Schöpfungen der
Puranen
Die
Ogdoade .
Die primäre und die sekundäre
Schöpfung .
Viele Darstellungen der einen
Wahrheit .
Die sieben
Schöpfungen
Wer die Kumaras sind
Die “jungfräulichen
Asketen” . .
Wichtigkeit der Zahl
Sieben .
Die vier
Elemente . .
Elementen . .
Die kosmischen
Götter
St. Paulus glaubte an kosmische
Götter . .
Jehovah, ein Gott der
Elemente .
Astarte und die Jungfrau
Maria .
Physische Kräfte, die Träger
der
Elemente .
.
Einbildung
Krinolinen, oder das
Drachengewand? .
DRITTER TEIL.
ZUSÄTZE.
Über occulte und moderne
Wissenschaft .
Gründe für diese
Zusätze
Kräfte sind Devas und
Genien . .
Licht ist zugleich Geist und
Stoff .
Die modernen Physiker spielen
blinde
Kuh .
“Ist das Licht ein Körper oder
nicht?” . .
Eine Blütenlese
widerspruchsvoller
Hypothesen . .
Actio in
distans .
Ansichten . .
_Inhaltsverzeichnis (13 of 19)22.Die Geheimlehre Band
I - Inhaltsverzeichnis
Ist Gravitation ein
Gesetz? .
Gravitation oder was
sonst? .
Jehovah, einer von den
Elohim . .
Newton einst und Newton
jetzt .
Beständige
Bewegung .
Ideen .
Die Ursache der
Rotation
Die Rotationstheorieen in der
Wissenschaft . .
Unvereinbare Systeme .
Wissenschaftliche Irrwege . .
Die Paradoxa der
Wissenschaft . .
Kräfte sind Wirklichkeiten . .
Die Masken der
Wissenschaft .
Akademische
Mißbenennungen . .
Das Festhalten des
Lichtes .
Was ist
Kraft?
Einig über die
Uneinigkeit . .
Die mystischen
Strahlen
Die Ursachen und die
Wirkungen .
Was ist ein
Atom? . .
Chemische
Götter
Ein Angriff auf die
wissenschaftliche Theorie der Kraft
durch einen Mann der
Wissenschaft
Dr. Richardsons
Ketzerei
Der Geist und die Seele des
Kosmos . .
Leben, Kraft, oder
Gravitation . .
Sonnenkraft und Erdkraft .
Pantheismus und
Monotheismus .
Die sieben physischen
Sinne . .
Der Baum des Lebens .
Was ist der Nervenether? .
Das Lebensprinzip . .
Sonnentheorie . .
Das Herz des Sonnensystems
Die Quintessenz des
Kosmos ..
Die ursprüngliche
Grundlage . .
Elemente und Nichtelemente .
Was ist die leitende
Kraft? .
Ein wissenschaftlicher
Merkurstab .
Occultismus in der
Chemie
Die kommende Kraft .
Ein unbewußter Occultist . .. .
Occulte Mysterien und die
Gesellschaft .
Grenzen der
Entdeckungen .
Keely’s Ether .
Eine verfrühte
Entdeckung ..
Was ist die neue
Kraft?
Über die Elemente und
Atome . .
Der Wirbel der
Seele
Der ewige Pilgrim . .
Buddhas der drei
Welten
Das Palladium der
Weisheit . .
Uranus und
Neptun . .
Cyklischer Fall der
Götter
Denken in modernem
Gewande . .
Chemie und occulte
Wissenschaft .
Die Dreiheit in der
Einheit .
Die Genesis der
Elemente .
Die Puranen gegen die Royal
Society .
Wissenschaftliche und
esoterische Beweise für, und
Einwürfe gegen die moderne
Nebeltheorie ....
Moderne Wissenschaft und
Occultismus . .
Kräfte sind
Emanationen
Unbeantwortbare
Fragen
Was sind die
Nebelflecke? . .
Kometenmaterie .
Was ist ursprüngliche
Materie? .
Die zukünftige
Synthese
Sind die Kräfte Bewegungsarten
oder
Intelligenzen? . .
Kant und der
Occultismus
Das Gemüt in der
Natur
Occulte und physikalische
Wissenschaft .
Die Mehrheit der
Welten
Die Geologie des
Enoch
Götter, Monaden und
Atome .
Wer sind die
Blinden?
Der mathematische
Punkt . .
Raum, Kraft und
Stoff
Hirngespinnste .
Atomische
Seelen . .
Die Chemie der
Zukunft
Ârische und westliche
Wissenschaft
Hermes oder
Huxley? .
Occultismus .
Leibnitz .
Monade .
Geist und Stoff sind
Eins
Cyklische Evolution und
Karma .
Ist der Mensch ein Gott oder
ein
Tier? .
Der Schwung des
Karma
Das Netzwerk des
Schicksal
Cyklische Räder innerhalb
Rädern .
Karma-Nemesis
. .
Alte und moderne
Prophezeiungen . .
Astrologie eine
Wissenschaft .
Der Tierkreis und sein hohes
Alter
Der Tierkreis in der
Bibel
Hohes Alter des
Zodiaks .
Der Tierkreis und. die
Erzväter .
Das Zeichen des
Jonas
Chaldäisch-jüdische
Götter .
Der Drache und der
Stier
Bailly‘s
Schlußfolgerungen
Der Beginn des
Kaliyuga
Indische astronomische
Methoden .
Die arischen Inder
gerechtfertigt .
Übersicht der
Lage . .
Die exakte Wissenschaft - der
Verneinung .
Kräfte sind
Götter . .
Die anderen Namen des
Fohat .
Legende und
Geschichte
Die Verfasserin - richtiger gesagt: die Schreiberin,
hält es für notwendig, die lange
Verzögerung, die das Erscheinen dieses Werkes erfahren
hat, zu entschuldigen.
Sie wurde verursacht durch Unwohlsein und durch die Größe
des Unternehmens.
Selbst die nunmehr herausgegebenen zwei Bände führen
den Entwurf nicht
vollständig aus, und erörtern auch nicht erschöpfend
die in ihnen behandelten
Gegenstände. Eine große Menge
Materials wurde bereits vorbereitet, das die
Geschichte des Occultismus,
insoferne sie in den Biographien der großen
Adepten der Arischen Rasse
enthalten ist, behandelt, und den Einfluß der
occulten Philosophie auf die Lebensführung, wie sie
ist oder sein sollte, zeigt.
Sollten die vorliegenden Bände eine günstige Aufnahme
erfahren, so wird keine
Anstrengung gespart werden, um den Entwurf des Werkes
in seiner Gänze
durchzuführen. Der dritte Band ist vollständig fertig,
der vierte nahezu.
Es muß noch erwähnt werden, daß dieser Plan nicht ins
Auge gefaßt war, als die
Vorbereitung des Werkes zuerst angekündigt wurde. Nach
der ursprünglichen
Ankündigung war es beabsichtigt, daß die “Geheimlehre”
eine berichtigte und
erweiterte Bearbeitung von “Isis entschleiert” sein
solle. Es fand sich aber bald,
daß die Erläuterungen, welche zu denen noch
hinzugefügt werde n konnten, die in
dem letztgenannten und anderen esoterische
Wissenschaft behandelnden
Werken bereits der Welt gegeben worden, so beschaffen
waren, daß sie eine
andere Art der Behandlung erforderten; und daher enthalten
die vorliegenden
Bände alles in allem keine zwanzig aus “Isis
entschleiert” entnommenen Seiten.
Die Verfasserin hält es nicht für nötig, die Nachsicht
ihrer Leser und Kritiker für die
vielen Mängel des litterarischen Stils, und für das
unvollkommene Englisch, das in
diesen Blättern gefunden werden mag, zu erbitten, sie
ist eine Ausländerin, und
ihre Kenntnis der Sprache wurde erst im späteren Alter
erworben.
Die englische Sprache wendete sie deshalb an, weil sie
das weitverbreitetste
Mittel zur Mitteilung der Wahrheiten darstellt, welche
der Welt vorzulegen ihre
Pflicht geworden ist.
Diese Wahrheiten werden in keinem Sinne als eine Offenbarung
vorgebracht;
noch beansprucht die Verfasserin die Stellung einer
Enthüllerin einer jetzt zum
erstenmale in der Weltgeschichte veröffentlichten
mystischen Lehre. Denn der
Inhalt dieses Werkes findet sich in Tausenden von
Bänden zerstreut, in den
Schriften der großen asiatischen und alten
europäischen Religionen verborgen
unter Hieroglyphe und Symbol, und wegen dieser
Verhüllung bisher unbeachtet
gelassen. Nunmehr wird der Versuch gemacht, die
ältesten Lehrsätze zu
_Vorrede 23.Vorrede
sammeln und ans ihnen ein harmonisches und
unzerstückeltes Ganzes zu
machen. Nur insofern ist die Schreiberin besser daran
als ihre Vorgänger, daß sie
nicht zu persönlichen Speculationen und Theorien ihre
Zuflucht zu nehmen
brauchte. Denn dieses Werk ist eine teilweise
Darlegung dessen, was ihr selbst
von weiter vorgeschrittenen Schülern gelehrt worden,
nur in einigen Einzelheiten
ergänzt durch die Ergebnisse eigenen Studiums und
Beobachtens.
Die Veröffentlichung vieler der hier aufgestellten
Thatsachen war notwendig
gemacht worden durch die wilden und phantastischen
Spekulationen, denen viele
Theosophen und Schüler des Mysticismus während der
letzten paar Jahre sich
hingegeben haben, indem sie versuchten, ein (ihrer
Einbildung nach)
vollständiges Gedankensystem mit Hilfe der wenigen
ihnen bis dahin mitgeteilten
Thatsachen auszuarbeiten.
Es ist unnötig,
auseinanderzusetzen, daß dieses Buch nicht die Geheimlehre in
ihrer Gänze ist, sondern eine
ausgewählte Anzahl von Fragmenten ihrer
Fundamentallehrsätze, wobei besondere Aufmerksamkeit
gewissen Thatsachen
gewidmet wurde, die von verschiedenen Schriftstellern
aufgegriffen und bis zur
vollkommenen Unkenntlichkeit der Wahrheit entstellt
worden sind.
Hingegen ist es vielleicht wünschenswert, unzweideutig
festzustellen, daß die in
diesen Bänden, wenn auch noch so fragmentarisch und
unvollständig enthaltenen
Lehren weder der indischen, der zoroastrischen, der
chaldäischen oder der
ägyptischen Religion, noch dem Buddhismus, Islam,
Judentum oder Christentum
ausschließlich angehören. Die Geheimlehre ist die
Essenz von allen diesen. Die in
ihrem Anbeginn aus ihr entsprungenen verschiedenen
religiösen Systeme werden
nunmehr in ihr ursprüngliches Element zurückgeleitet,
aus dem jedes Mysterium,
und Dogma entsprossen ist, sich entwickelt hat lind
ins Sinnliche herabgezogen
worden ist.
Es ist mehr als wahrscheinlich, daß das Buch von einem
großen Teile des
Publikums für einen Roman der wildesten Art gehalten
wird; denn wer hat jemals
von einem Buche des Dzyan gehört?
Die Verfasserin ist daher vollständig darauf
vorbereitet, alle Verantwortung für den
Inhalt dieses Werkes zu übernehmen, ja selbst der
Anschuldigung, das Ganze
erfunden zu haben, ins Gesicht zu sehen. Daß es viele
Unzulänglichkeiten hat,
weiß sie gar wohl; alles, was sie für dasselbe
verlangt, ist, daß, so romantisch
diese neue Genesis auch vielen erscheinen mag, doch
logischer Zusammenhang
und Consequenz dieselbe auf jeden Fall berechtigen,
den “praktischen
_Vorrede (2 of 4)23.Vorrede
Hypothesen”, wie sie die moderne Wissenschaft so
bereitwillig annimmt, gleich
geachtet zu werden. Ferner beansprucht das Werk
Beachtung, nicht durch
Berufung auf irgend eine dogmatische Autorität,
sondern weil es sich eng an die
Natur hält, und die Gesetze der Einheitlichkeit und
Analogie zur Richtschnur
nimmt.
Die Absicht dieses Werkes kann also dahin festgestellt
werden: zu zeigen, daß die
Natur nicht “ein zufälliges Zusammentreffen von
Atomen” ist, und, dem Menschen
seinen richtigen Platz im Weltenplan zuzuweisen, die
uralten Wahrheiten, welche
die Basis aller Religionen sind, aus Erniedrigung zu
befreien, und bis zu einem
gewissen Grade die fundamentale Einheit, aus der sie
alle entsprungen sind,
aufzudecken; schließlich zu zeigen, daß die
Wissenschaft moderner Civilisation
niemals der occulten Seite der Natur nahegekommen ist.
Wenn dies in irgend welchem Maße erfüllt worden ist,
ist die Verfasserin zufrieden.
Das Buch ist im Dienste der Menschheit geschrieben,
und von der Menschheit
und den zukünftigen Generationen muß es beurteilt
werden. Seine Verfasserin
anerkennt keinen niedrigeren Appellhof. An
Beschimpfung ist sie gewöhnt; mit
Verdrehung ist sie täglich bekannt; über Verleumdung
lächelt sie in schweigender
Verachtung.
De minimis non curat lex.
London, Oktober 1888.
Vorrede zur
dritten und durchgesehenen Auflage.
Bei der Vorbereitung dieser Auflage für den Druck
haben wir darnach gestrebt,
kleinere Einzelheiten in litterarischer Form zu
verbessern, ohne an wichtigere
Dinge überhaupt zu rühren. Hätte H. P. Blavatsky die
Herausgabe der. neuen
Auflage erlebt, so würde sie dieselbe ohne Zweifel in
sehr beträchtlichem Maße
verbessert und vermehrt haben. Daß dies nicht
geschehen ist, ist einer der vielen
kleineren Verluste, die durch den einen großen Verlust
verursacht worden sind.
Linkische Ausdrücke, eine Folge unvollständiger
Kenntnis des Englischen, sind
verbessert, die meisten Citate verificiert und genaue
Verweisungen gegeben
worden - eine Arbeit, die viel Mühe in sich schloß, da
die Verweisungen in den
_Vorrede (3 of 4)23.Vorrede
früheren Ausgaben oft sehr
ungenau waren; ein einheitliches System der
Transskription von
Sanskritworten wurde eingeführt. Indem wir die bei den
westlichen Orientalisten
beliebteste Form als für den gewöhnlichen Leser
irreführend verwarfen - haben
wir die in unserem englischen Alphabet nicht
vorhandenen Konsonanten durch
Kombinationen wiedergegeben, die ihren
Klangwert annähernd ausdrücken, und haben bei den
Vokalen die Längen, wo
immer sie vorkommen, sorgfältig eingesetzt. In einigen
Fällen haben wir
Anmerkungen in den Text einverleibt, aber dies ist
sehr sparsam geschehen und
nur dann, wenn sie offenbar einen Teil desselben
bildeten.
Wir haben zur Unterstützung der Schüler einen
reichhaltigen Index beigefügt, und
ihn separat gebunden, damit das Nachschlagen desselben
erleichtert werde. Für
die darin niedergelegte große Arbeit sind wir und alle
Schüler Schuldner des Herrn
A. J. Faulding.
ANNIE BESANT.
G. R. S. MEA D.
London, 1893.
_Vorrede 23
.
„Freundlich zu hören, gütig zu
beurteilen.”
Shakespeare.
Seit dem Erscheinen
theosophischer Litteratur in England ist es zur Gewohnheit
geworden. die Lehre derselben als “Esoterischen
Buddhismus” zu bezeichnen.
Und, einmal angewöhnt, wie ein altes, auf tägliche
Erfahrung begründetes
Sprüchwort sagt, „eilt Irrtum den Abhang hinunter,
während Wahrheit mühselig
ihren Weg bergauf zu klimmen
hat.”
Alte Wahrworte sind oft die
weisesten. Das menschliche Gemüt kann schwerlich
von Vorurteil vollständig frei
bleiben, und endgültige Meinungen werden oft
gebildet, bevor eine gründliche
Untersuchung eines Gegenstandes nach allen
seinen Gesichtspunkten hin stattgefunden hat. Es ist
das gesagt mit Beziehung
auf das vorherrschende doppelte Mißverständnis (a)
Theosophie auf Buddhismus
zu beschränken, und (b) die Sätze der von Gautama, dem
Buddha, gepredigten
Religionsphilosophie mit den im “Esoterischen
Buddhismus” in großen Zügen
entworfenen Lehren zu vermengen. Etwas Irrtümlicheres
als das läßt sich
schwerlich vorstellen. Es hat unsere Feinde in die
Lage gesetzt, eine wirksame
Waffe gegen die Theosophie zu finden, indem, wie ein
hervorragender Pali-Gelehrter
sehr treffend sich
ausdrückte, das erwähnte Buch “weder Esoterik noch
Buddhismus” enthielt. Die in
Herrn Sinnetts Buch dargestellten esoterischen
Wahrheiten haben mit dem
Augenblicke der Veröffentlichung aufgehört,
esoterisch zu sein; auch enthielt es nicht die
Religion Buddhas, sondern einfach
einige wenige Sätze aus einer
bisher verborgenen Lehre, die nun in den
vorliegenden Bänden durch
viel mehr ihrer Art ergänzt, erweitert und erklärt
werden. Aber selbst die
letzteren, obwohl sie viele Fundamentalsätze der
GEHEIMLEHRE des Ostens bekannt machen, lieben doch nur
eine kleine Ecke
des dunklen Schleiers. Denn keiner, auch nicht der größte
lebende Adept, hätte
dazu die Erlaubnis oder könnte - selbst wenn er wollte
einer spottenden,
ungläubigen Welt ohne Unterschied das bekannt geben,
was vor ihr durch lange
Zeitalter und Generationen so wirksam verborgen
gehalten worden ist.
“Esoterischer Buddhismus” war ein ausgezeichnetes Werk mit einem sehr
unglücklichen Titel, obwohl es nichts weiter bedeutete
als der Titel dieses Werkes,
“Geheimlehre”.
Er erwies sich als unglücklich, da die Leute immer die
Gewohnheit haben, Dinge eher nach ihrem Äußeren als
nach ihrer Bedeutung zu
_ (1 of 3)23
beurteilen; und weil der Irrtum jetzt so allgemein
geworden ist, daß selbst die
meisten Mitglieder- der theosophischen Gesellschaft
Opfer desselben
Mißverständnisses geworden sind. Von Anbeginn jedoch
wurde durch Brahminen
und andere Einspruch gegen den Titel erhoben; und,
gerecht gegen mich selbst,
muß ich hinzufügen, daß “Esoterischer Buddhismus”
mir als vollendeter Band
vorgelegt wurde, und daß ich gänzlich unaufmerksam war
für die Art, wie der
Verfasser das Wort “Budh-ismus” zu schreiben
beabsichtigte. Dies ist direkt
denen zur Last zu legen welche - als die ersten, die
den Gegenstand zur
öffentlichen Kenntnis zu bringen hatten - es
vernachlässigten, den Unterschied
hervorzuheben zwischen “Buddhismus”- dem religiösen
Ethiksysteme, das von
dem erhabenen Gautama gepredigt und nach seinem Titel
eines Buddha, “eines
Erleuchteten”, benannt wurde, und Budhismus, von Budha,
Weisheit oder
Kenntnis (Vidya), Fähigkeit des Erkennens, von
der Sanskritwurzel budh, wissen.
Wir indischen Theosophen sind selbst die wirklichen
Schuldigen, obwohl wir
seiner Zeit unser Bestes thaten, das Versehen zu
korrigieren1. Diese
bedauerliche irrtümliche Benennung wäre leicht zu
vermeiden gewesen; es hätte
bloß die Schreibweise geändert werden müssen und wäre
nach allgemeinem
Übereinkommen “Budhismus” an Stehle von “Buddhismus”
auszusprechen und zu
schreiben gewesen. Auch ist der letztere Ausdruck
weder richtig geschrieben
noch ausgesprochen, da er Buddhaïsmus heißen sollte,
und seine Anhänger
„Buddhaïsten”.
Diese Erklärung ist unumgänglich notwendig zum Beginne
eines Werkes wie des
vorliegenden. Die Weisheitsreligion ist das Erbe von
allen Nationen des
Erdenrunds, obwohl im “Geheimbuddhismus”2 die
Behauptung aufgestellt war:
“vor zwei Jahren (d. i. 1883) kannten weder ich noch
irgend ein anderer Europäer
auch nur das Alphabet der Wissenschaft, welche hier
zum erstenmale in
wissenschaftliche Darstellung gebracht ist” u. s. w.
Dieser Irrtum muß sich durch
Unbedachtsamkeit eingeschlichen haben. Denn die
gegenwärtige Schreiberin
wußte alles, was im esoterischen Buddhismus “enthüllt”
wurde, und noch viel
mehr, - viele Jahre bevor es ihre Pflicht wurde
(in 1880) einen kleinen Teil der
Geheimlehre zwei europäischen Herren
mitzuteilen, von denen einer der
Verfasser von “Esoteric Buddhism” war; und
sicherlich hat die Schreiberin dieses
das unbestreitbare, wenn auch, für sie, etwas
zweideutige Vorrecht, eine
Europäerin ihrer Geburt und Erziehung nach zu sein.
Ferner wurde ein
beträchtlicher Teil der von Herrn Sinnett erklärten
Philosophie in Amerika, sogar
bevor “Isis entschleiert” veröffentlicht war,
zwei Europäern und meinem Kollegen
Oberst H. S. Olcott gelehrt. Von den drei Lehrern,
welche der letztere Herr gehabt
hatte, war der eine ein ungarischer Initiierter, der
zweite ein Ägypter, der dritte ein
Hindu. Da er die Erlaubnis dazu hatte, hat Oberst
Olcott einige dieser Lehren auf
_ (2 of 3)23
verschiedene Weise veröffentlicht; wenn die anderen
zwei solches nicht gethan
haben, so war es einfach deshalb, weil es ihnen nicht
erlaubt wurde, indem ihre
Zeit für öffentliche Arbeit noch nicht gekommen war.
Aber für andere ist sie es,
und das Erscheinen von Herrn Sinnetts verschiedenen
interessanten Büchern ist
ein sichtbarer Beweis für diese Thatsache. Es ist
ferner über alles wichtig, sich vor
Augen zu halten, daß kein theosophisches Buch nur den
mindesten höheren Wert
durch eine angebliche
Autorität erhält.
1) Siehe Theosophist Juni
1883 .
2) Vorrede der
Originalausgabe.
_ (3 of 3)23
Âdi, oder Âdhi
Budha, die Eine oder die Erste und Höchste Weisheit, ist ein von
Âryasarnga in seinen geheimkundigen Abhandlungen, und
jetzt von allen
Mystikern des nördlichen Buddhismus gebrauchter
Ausdruck. Es ist ein
Sanskritwort, und eine von den frühesten Âriern der
unbekannten Gottheit erteilte
Bezeichnung, indem das Wort “Brahmâ” sich in den Veden
und den frühzeitigen
Werken nicht findet. Es bedeutet die absolute
Weisheit, und Âdibhuta wird von
Fitzedward Hall mit “die uranfängliche unerschaffene
Ursache von Allem”
übersetzt. Äonen von unsagbarer Dauer müssen vergangen
sein, bevor die
Bezeichnung Buddha derart vermenschlicht war, so zu
sagen, um es zu gestatten,
daß der Ausdruck auf Sterbliche angewendet und
schließlich einem zugeeignet
wurde, dessen unvergleichliche Tugenden und Erkenntnis
ihn den Titel eines
“Buddhas der unbegrenzten Weisheit” erlangen ließen. Bodha
bedeutet den
angeborenen Besitz von göttlichem Intellekt oder
Einsicht; Buddha die Erlangung
derselben durch persönliche Anstrengungen und
Verdienst; während Buddhi die
Fähigkeit des Erkennens ist, der Kanal, durch welchen
die göttliche Erkenntnis
das Ego erreicht, das Unterscheidungsvermögen von Gut
und Böse, auch das
“göttliche Bewußtsein”, und die .“geistige Seele”, die
die Trägerin von Âtma ist.
“Wenn Buddhi unseren Sondersinn aufzehrt (ihn
zerstört) mit allen seinen Vikaras,
so wird Avalokiteshvara uns offenbar, und Nirvana,
oder Mukti, ist erreicht,” indem
Mukti dasselbe ist wie Nirvana, nämlich Freiheit von
den Netzen von Mâyâ oder
Illusion. Bodhi ist gleicherweise der Name
eines besonderen Trancezustandes,
genannt Samâdhi, während dessen das Subjekt den
Höhepunkt geistiger
Erkenntnis erreicht.
Unweise sind jene, welche in ihren blinden und in
unserem Zeitalter
unzeitgemäßen Haß gegen Buddhismus, und, infolge
dessen, gegen Budhismus,
die esoterischen Lehren desselben (die auch die der
Brâhmanen sind), einfach
deshalb leugnen, weil der Name an, für sie als
Monotheisten schädliche,
Doktrinen denken läßt. Unweise ist der richtige
Ausdruck für diesen Fall. Denn
allein die esoterische Philosophie ist geeignet, in
diesem Zeitalter krassen und
unlogischen Materialismus, den wiederholten Angriffen
auf all und jedes, was der
Mensch in seinem inneren geistigen Leben für das
Teuerste und Heiligste hält,
Widerstand zu leisten. Der
wahre Philosoph, der Schüler der esoterischen
Weisheit, verliert
Persönlichkeiten, dogmatische Meinungen und spezielle
Religionen vollständig aus
den Augen. Ferner versöhnt die esoterische
Philosophie alle Religionen,
entkleidet jede ihrer äußeren, menschlichen
Gewänder, und zeigt die Wurzel einer jeden als
identisch mit der jeder anderen
großen Religion. Sie beweist die Notwendigkeit eines
göttlichen absoluten
Prinzips in der Natur. Sie leugnet die Gottheit nicht
mehr, als sie die Sonne
leugnet. Esoterische Philosophie hat niemals Gott in
der Natur zurückgewiesen,
_I(1 of 3)24. Einleitung noch die Gottheit als das
absolute und abstrakte Ens. Sie weigert sich bloß,
irgendwelche Götter der sogenannten monotheistischen
Religionen anzunehmen,
Götter, die der Mensch nach seinem eigenen Bild und
Gleichnis erschaffen hat,
als eine lästerliche und traurige Karikatur des
Ewig-Unerkennbaren. Des weiteren
umfassen die Aufzeichnungen, die wir dem Leser vorzulegen
beabsichtigen, die
esoterischen Lehren der ganzen Welt seit dem Anfange
unserer Menschheit, und
der buddhistische Occultismus nimmt darin bloß seinen
gebührenden Platz ein,
und nicht mehr. In der That sind die
geheimwissenschaftlichen Teile des Dan oder
Janna (Dhyâna)1von
Gautamas Metaphysik - so großartig sie auch dem mit den
Sätzen der Weisheitsreligion des Altertums
Unvertrauten erscheinen mögen - bloß
ein sehr kleiner Teil des
Ganzen. Der indische Reformator beschränkte seine
öffentlichen Lehren auf die
rein moralische und physiologische Seite der
Weisheitsreligion, auf Ethik
und den Menschen allein. „Unsichtbare und
unkörperliche” Dinge, das
Geheimnis des Seins außerhalb unserer irdischen
Sphäre, ließ der große Lehrer in seinen öffentlichen Vorträgen
gänzlich unberührt,
indem er die verborgenen Wahrheiten für einen
auserwählten Kreis seiner Arhats
vorbehielt. Die letzteren erhielten ihre Initiation in
der berühmten Saptaparna-Höhle
(der Sattapanni des Mahâvansa), nahe dem Berge Baibhâr
(dem Webhâra
der Pâlimanuskripte). Diese Höhle war in Râjâgriha,
der alten Hauptstadt von
Magadha, und war die Chetahöhle des Fa-hian, wie von
einigen Archäologen
richtig vermutet wurde2.
Zeit und die menschliche Einbildungskraft machten
kurzen Prozeß mit der
Reinheit und Philosophie dieser Lehren, nachdem sie
einmal aus dem geheimen
und geheiligten Kreis der Arhats, während des
Verlaufes ihres Bekehrungswerkes,
in den für metaphysische Ideen weniger als Indien
vorbereiteten Boden verpflanzt
worden waren, nämlich nach ihrer Übertragung nach
China, Japan, Siam und
Birma. Wie mit der ursprünglichen Reinheit dieser
großen Offenbarungen
verfahren wurde, kann bei dem Studium einiger der
sogenannten „esoterischen”
buddhistischen Schulen des Altertumes in ihrem
modernen Gewande gesehen
werden, nicht nur in China und anderen buddhistischen
Ländern im allgemeinen,
sondern sogar in nicht wenigen Schulen in Tibet, die
der Obhut von uninitiierten
Lamen und mongolischen
Neuerern überlassen worden sind.
1) Dan, jetzt in
moderner chinesischen und tibetanischer Phonetik zu Chhan
geworden, ist die allgemeine
Bezeichnung für die esoterischen Schulen und
ihre Litteratur. In den alten
Büchern wird das Wort Janna definiert als “sein
Selbst durch Meditation und Erkenntnis
zu reformieren”, eine zweite innere
_I(2 of 3)24
Geburt. Daher Dzan,
phonetisch Djan, das Buch des Dzyan. Siehe Edkins,
Chinese Buddhism, p. 129, Note.
2) Herr Beglor, Oberingenier
in Buddhagaya und hervorragender Archäolog,
hat, wie wir glauben, als
erster dies entdeckt.
_I(3 of 3)24
Der Leser ist somit gebeten, sich den sehr bedeutenden
Unterschied zwischen
orthodoxem Buddhismus
- d. i. den öffentlichen Lehren Gautamas des Buddha,
und seinem esoterischen Budhismus vor Augen zu halten.
Seine Geheimlehre war
gleichwohl in keiner Weise von der der iniitiierten
Brâhminen seiner Zeit
verschieden. Der Buddha war ein Kind des ârischen
Bodens, ein geborner Hindû,
ein Kshatriya und ein Schüler der Zweimal—Geborenen
(der initiierten Brâhminen)
oder Dvîjas. Seine Lehren
konnten daher von denen der letzteren nicht
verschieden sein, denn die
ganze buddhistische Reform bestand einzig in der
Veröffentlichung eines Teiles
von dem, was vor jedermann außerhalb des
„Zauberkreises“ der Asketiker und Tempelinitiierten
geheim gehalten worden war.
Nicht im stande, alles zu lehren, was ihm
mitgeteilt worden war - infolge seiner
Gelübde - gab der Buddha, obwohl er eine auf dem
Fundamente der wahren
esoterischen Wissenschaft aufgebaute Philosophie lehrte,
der Welt bloß ihren
äußeren materiellen Körper und behielt die Seele für
seine Auserwählten. Viele
Sinologen unter den Orientalisten haben voll einer
„Seelenlehre” gehört. Keiner
davon scheint ihre wirkliche Bedeutung und Wichtigkeit
verstanden zu haben.
Diese Lehre wurde geheim - vielleicht zu geheim -
aufbewahrt im Heiligtum. Das
Geheimnis, das ihr Hauptdogma und Trachten - Nirvâna -
verhüllte, hat die
Neugierde jener Gelehrten, die es studierten, derart
auf die Probe gesetzt und
angefacht, daß sie, unfähig es logisch und
befriedigend zu lösen, indem sie den
gordischen Knoten aufknüpften,
denselben durchhieben durch die Erklärung,
Nirvâna bedeute absolute
Vernichtung.
Gegen das Ende des ersten
Viertels dieses Jahrhunderts erschien eine bestimmte
Klasse von Litteratur auf dem
Schauplatze, deren Richtung eine mit jedem Jahr
schärfer werdende Prägung
zeigte. Basiert, sozusagen, auf den schulgemäßen
Untersuchungen der
Sanskritisten und Orientalisten überhaupt, wurde sie für
wissenschaftlich gehalten. Indische,
ägyptische, und andere alte Religionen,
Mythen und Embleme ließ man jedwede Bedeutung haben,
die der Symbologe
eben brauchte, und bot so oft die rohe äußere Form
an Stelle des inneren Sinnes.
Werke, sehr bemerkenswert durch ihre genialen Deduktionen
und Spekulationen,
die, wie die Syllogismen von mehr als einem Sanskrit-
oder Pâligelehrten, in
einem circulus vitiosus, vorgefaßte
Schlußfolgerungen an Stelle von Prämissen
setzten, erschienen in rascher Reihenfolge, und
überfluteten die Bibliotheken mit
Dissertationen, die mehr von Phallus- und
Geschlechtsdienst als von wirklicher
Symbologie handelten und von denen eine der anderen
widersprach.
Dies ist vielleicht der wahre Grund, warum die
Erlaubnis gebeten wurde, den
Umriß einiger weniger fundamentaler Wahrheiten der
Geheimlehre der Vorzeit
_ (1 of 9)25
jetzt an’s Licht zu bringen, nach langen Jahrtausenden
des tiefsten Schweigens
und Geheimhaltens. Ich sage mit Bedacht „einige wenige
Wahrheiten”, denn das,
was ungesagt bleiben muß, fände auch in hundert
solcher Bände keinen Platz,
noch könnte es der gegenwärtigen Generation von
Sadducäern mitgeteilt werden.
Aber selbst das wenige,
nunmehr Gegebene, ist besser als ein gänzliches
Schweigen über diese
Lebenswahrheiten. Die Welt von heutzutage, in ihrem
wahnsinnigen Rennen ins
Unbekannte - das mit dem Unerkennbaren zu
verwechseln der Physiker nur
zu sehr bereit ist, so oft das Problem seiner
Fassungskraft spottet, - schreitet rapid auf der der
Spiritualität entgegengesetzten
Ebene vorwärts. Sie ist eine weite Arena geworden, ein
wahres Thal der
Zwietracht und des ewigen Streites, eine Totenstadt,
in der die höchsten und
heiligsten Bestrebungen unserer Geistseele begraben
liegen. Diese Seele wird mit
jeder neuen Generation mehr gelähmt und abgezehrt. Die
„liebenswürdigen
Ungläubigen und wohlerzogenen Ruchlosen” der
Gesellschaft, von denen Greeley
spricht, kümmern sich wenig um die Wiederbelebung der
toten Wissenschaften
der Vergangenheit; aber es giebt eine schöne Minorität
von ernsten Schülern, die
berechtigt sind, die wenigen Wahrheiten, die ihnen
jetzt gegeben werden können,
zu lernen; und jetzt viel mehr als vor zehn
Jahren, als „Isis entschleiert“ erschien,
und selbst als die späteren Versuche, die Geheimnisse
der esoterischen
Wissenschaft zu erklären, veröffentlicht wurden.
Eine von den gewichtigsten und vielleicht die
ernsteste Einwendung gegen die
Korrektheit und Verläßlichkeit des ganzen Werkes
werden die einleitenden
Strophen sein. Wie können die in denselben enthaltenen
Behauptungen verifiziert
werden? In der That, wenn auch ein großer Teil der
sanskritischen, chinesischen
und mongolischen Werke, die in den vorliegenden Bänden
citiert werden, einigen
Orientalisten bekannt sind, so ist doch das Hauptwerk,
das, aus dem die Strophen
mitgeteilt sind, nicht im Besitze der europäischen
Bibliotheken. Das Buch des
Dzyan (oder Dzan)
ist unsern Philologen gänzlich unbekannt, oder zum
mindesten haben sie von demselben nicht unter seinem
gegenwärtigen Namen
gehört. Das ist natürlich ein großes Hindernis für jene,
die die von der offiziellen
Wissenschaft vorgeschriebenen Forschungsmethoden
befolgen; aber für die
Schüler des Occultismus und für jeden echten
Occultisten wird das von geringer
Bedeutung sein. Der wesentliche Inhalt der
veröffentlichten Lehren findet sich
übrigens in Hunderten und Tausenden von
Sanskritmanuskripten zerstreut, von
denen einige bereits übersetzt sind - in der
Auslegung, wie üblich, entstellt -
andere noch warten, bis die Reihe an sie kommt. Jeder
Gelehrte hat daher
Gelegenheit, die hier aufgestellten Behauptungen zu
verifizieren, und die meisten
Citate zu kontrollieren. Einige wenige neue Thatsachen
(neu bloß für den
profanen Orientalisten) und- aus den Kommentaren
angeführte Stellen werden
_ (2 of 9)25
sich als schwierig zu verfolgen erweisen. Verschiedene
der Lehren sind auch
bisher nur mündlich überliefert worden, doch selbst
diese finden sich jedesmal
angedeutet in den nahezu
zahllosen Bänden brâhmanischer, chinesischer und
tibetanischer Tempellitteratur.
Wie auch immer das sein, und
was auch für übelwollende Kritik die Schreiberin
erwarten möge, eine Thatsache
ist ganz sicher. Die Mitglieder verschiedener
esoterischen Schulen, deren Hauptsitz jenseits des
Himâlaya sich befindet, und
deren Zweige in China, Japan, Indien, Tibet und selbst
in Syrien, und auch in
Südamerika anzutreffen sind, behaupten, die Gesamtheit
aller heiligen und
philosophischen Werke in Handschrift oder Druck in
ihrem Besitze zu haben: alle
Werke in der That, die jemals geschrieben worden sind,
in jeglicher Sprache und
Schriftgattung, seit die Kunst des Schreibens begonnen
hat; von den
ideographischen Hieroglyphen herab bis zum Alphabet
des Kadmus und zum
Devanâgarîalphabet.
Es wurde beständig behauptet, daß immer seit der
Zerstörung der
alexandrinischen Bibliothek1 jedes Werk von der Art,
daß es den Profanen zur
endlichen Entdeckung und zum Verständnis einiger der
Mysterien der
Geheimwissenschaft hätte leiten können, durch die
vereinten Anstrengungen der
Mitglieder der Brüderschaften eifrig aufgesucht wurde.
Es wird ferner von denen,
die wissen, hinzugefügt, daß, einmal aufgefunden,
solche Werke, mit Ausnahme
dreier Exemplare, die erhalten und sicher verwahrt
wurden, alle zerstört wurden.
In Indien wurden die letzten dieser kostbaren Manuskripte
während der Regierung
des Kaisers Akbar in Sicherheit gebracht und
verborgen.
Prof. Max Müller zeigt, daß weder Bestechungen noch
Drohungen Akbars von den
Brâhmanen den ursprünglichen Text der Veden erpressen
konnte; und brüstet
sich trotzdem, daß europäische Orientalisten ihn
haben2. Daß Europa den
vollständigen Text besitzt, ist sehr zweifelhaft, und die Zukunft mag für die
Orientalisten sehr unangenehme Überraschungen vorrätig
haben.
Es wird ferner behauptet, daß jedes heilige Buch
dieser Art, dessen Text nicht
hinreichend durch Symbolik verschleiert war, oder das
irgendwelche direkte
Bezugnahme auf die alten Mysterien enthielt, bis auf
das letzte Exemplar zerstört
wurde, nachdem es sorgfältig in cryptographischen
Zeichen, geeignet, der Kunst
der besten und scharfsinnigsten Paläographen Trotz zu
bieten, kopiert worden
war. Während Akbars Regierung halfen einige fanatische
Höflinge, ungehalten
über des Kaisers sündhaftes Forschen in den Religionen
der Ungläubigen, selber
_ (3 of 9)25
den Brâhmanen, ihre Manuskripte zu verbergen. Ein
solcher war Badáoni, welcher
einen unverhüllten Abscheu gegen Akbars Manie für
götzendienerische
Religionen trug.
Badáoni schreibt in seinem Muntakhab at Tawarikh:
Da sie (die Shramanas und
Brâhminen) andere gelehrte Männer in ihre
Abhandlungen über Moral, über
Natur- und Religionswissenschaften,
übertreffen und einen hohen
Grad erreichen in ihrer Kenntnis der Zukunft, in
geistiger Kraft und menschlicher Vollkommenheit,
erbrachten sie auf Vernunft
und Zeugnis gegründete
Beweiseund prägten ihm ihre Lehren so fest
ein, .daß niemand jetzt in
Sr. Majestät einen Zweifel zu erregen
vermöchte, selbst wenn Berge
zu Staub zerfallen und die Himmel entzwei
reißen sollten . Se. Majestät fand Geschmack an den
Untersuchungen über
die Sekten dieser Ungläubigen, die nicht zu zählen
sind, so zahlreich sind sie,
und die eine Unmenge geoffenbarter Bücher3
haben.
Dieses Werk „wurde geheim gehalten und erst unter der
Regierung Jahángirs
veröffentlicht”.
Auch in all den großen und reichen Lamaserien giebt es
unterirdische Krypten und
Höhlenbibliotheken, in den Felsen gehauen, sobald die
Gonpa und Lhakhang in
den Bergen gelegen sind. Hinter dem westlichen
Tsaydam, in den einsamen
Pässen des Kuen-lun sind verschiedene solche
Verstecke. Entlang dem Rücken
des Altyn-tag, dessen Boden kein europäischer Fuß so
weit betreten hat, liegt ein
gewisser Weiler, verloren in einer tiefen
Bergschlucht. Es ist ein kleiner Haufe von
Häusern, ein Dörfchen vielmehr als ein Kloster, mit einem
armselig aussehenden
Tempel darin, und einem alten Lama, einem Einsiedler,
der in der Nähe wohnt,
um ihn zu bewachen. Pilger sagen, daß die darunter
liegenden unterirdischen
Galerien und Hallen eine Sammlung von Büchern
enthalten, deren Anzahl, nach
den gegebenen Listen, zu groß ist, um Raum selbst im
Britischen Museum zu
finden.
Nach derselben Überlieferung
waren die jetzt wüsten Gebiete des wasserlosen
Landes von Tarim - einer echten
Wildnis im Herzen von Turkestan - vor alters
bedeckt mit blühenden und
wohlhabenden Städten. Gegenwärtig mildern kaum
ein paar grünende Oasen ihre
traurige Einsamkeit. Eine davon, die das Grab einer
großen, vom sandigen Boden der
Wüste verschlungenen und begrabenen Stadt
bedeckt, gehört niemand, wird aber oft von Mongolen
und Buddhisten besucht.
Die Überlieferung spricht ebenfalls von ungeheueren
unterirdischen Räumen, von
großen Korridoren angefüllt mit Ziegeln und Cylindern.
Es mag ein müssiges
_ (4 of 9)25
Gerücht, und es mag auch eine wirkliche Thatsache
sein.
All dies wird sehr wahrscheinlich ein Lächeln des
Zweifels hervorrufen. Doch
möge der Leser, bevor er die Wahrhaftigkeit dieser
Berichte verwirft, innehalten
und die folgenden wohlbekannten Thatsachen überlegen.
Die gemeinsamen
Nachforschungen der Orientalisten, und insbesondere
die Arbeiten der letzten
Jahre seitens der Gelehrten der vergleichenden
Philologie und der
Religionswissenschaft haben dahin geführt, zur
Gewißheit zu machen, daß eine
ungeheure, unberechenbare Anzahl von Manuskripten und
selbst von gedruckten
Werken, von
denen man weiß, daß sie existiert haben, jetzt nicht mehr zu finden
ist. Sie
sind verschwunden, ohne die geringste Spur zurückzulassen. Wären es
bedeutungslose Werke gewesen, so möchte man sie wohl
im natürlichen Verlauf
der Zeit dem zugrundegehen überlassen haben, und
selbst ihre Namen würden im
menschlichen Gedächtnis verwischt worden sein. Aber
dem ist nicht so; denn die
meisten derselben enthielten, wie jetzt ermittelt ist,
die wahren Schlüssel zu
Werken, die jetzt noch vorhanden sind, und die für den
Großteil ihrer Leser ohne
diese
ergänzenden Bände von Kommentaren und Erklärungen vollständig
unverständlich sind.
Solche sind zum Beispiele die Werke des Lao-tse, des
Vorgängers des Confucius.
Man sagt, er habe neunhundertunddreißig Bücher über
Ethik und Religionen, und
siebzig über Magie geschrieben, alles zusammen eintausend.
Seine Hauptwerk
jedoch, der Tao-te-king, das Herz seiner Lehre,
und die heilige Schrift der Tao-sse,
enthält, wie Stanislaus Julien zeigt, bloß „ungefähr
5000 Worte”,4 kaum ein
Dutzend Seiten; doch findet Prof. Max Müller: „der
Text ist ohne Kommentare
unverständlich, so daß Herr Julien mehr als sechzig
Kommentatoren zum Zwecke
der Übersetzung zu Rate zu ziehen hatte, von denen der
früheste bis ins Jahr 163
v. Ch. zurückgeht,” und nicht früher, wie wir
sehen.
Während der vier und ein halb Jahrhunderte, welche
diesem frühesten der
Kommentatoren vorhergingen, war reichlich Zeit, die
wahre Lao-tse-Lehre für alle,
ausgenommen seine initiierten Priester, zu
verschleiern. Die Japaner, unter denen
jetzt die Gelehrtesten der Priester und Nachfolger des
Lao-tse zu finden sind,
lachen einfach über die Mißgriffe und Hypothesen der
europäischen
Chinaforscher; und die Überlieferung betätigt, daß die
den westlichen Sinologen
zugänglichen Kommentare nicht die wirklichen occulten
Aufzeichnungen sind,
sondern absichtliche Verschleierungen, und daß die
wahren Kommentare
ebensowohl als fast alle Texte seit langer Zeit für
die Augen der Profanen
verschwunden sind.
Über die Werke des Confucius lesen wir:
Wenn wir uns nach China wenden, so finden wir die
Religion des Confucius
begründet auf die fünf King- und vier Shu-Bücher,
die, an sich von
beträchtlichem Umfang, von mächtigen Kommentaren
umgeben sind, ohne die
selbst die größten Gelehrten es nicht wagen würden, die
Tiefe ihres heiligen
Kanon zu ergründen.5
Aber sie haben sie nicht ergründet - und das ist die
Klage der Confucianisten, wie
ein sehr gelehrtes Mitglied dieser Körperschaft, in Paris,
im Jahre 1881 beklagte.
Wenden sich unsere Gelehrten zur alten Litteratur der
semitischen Religionen, zu
den Schriften voll Chaldäa, der älteren Schwester und
Lehrerin, wenn nicht Quelle
der Mosaischen Bibel, der
Grundlage und des Ausgangspunktes des
Christentums, was finden sie?
Das Andenken der alten
Religionen von Babylon zu verewigen, die umfangreiche
Reihe astronomischer Beobachtungen der chaldäischen
Magier aufzuzeichnen,
die Überlieferung über ihre
herrliche und hervorragend occulte Litteratur zu
rechtfertigen; was ist da jetzt
übrig? Bloß ein paar Fragmente, angeblich von
Berosus.
Diese jedoch sind fast wertlos,
selbst als ein Anhaltspunkt betreffs des Charakters
dessen, was entschwunden ist;
denn sie gingen durch die Hände seiner
Ehrwürden des Bischofs von Cäsarea - dieses
selbsteingesetzten Censors und
Herausgebers der heiligen Urkunden von andrer Leute
Religionen - und sie tragen
zweifellos bis heute den Stempel seiner hervorragend
wahrhaften und
vertrauenswürdigen Hand. Denn was ist die Geschichte
dieser Abhandlung über
die einstmals großartige Religion von Babylon?
Von Berosus, einem Priester des Tempels von Belus, für
Alexander den Großen
in griechischer Sprache geschrieben, nach den
astronomischen und
chronologischen Aufzeichnungen, die von den Priestern
dieses Tempels
aufbewahrt wurden, und eine Periode von 200000 Jahren
umfaßten, ist sie jetzt
verloren.
Im ersten Jahrhundert v. Chr. machte Alexander
Polyhistor eine Reih von
Auszügen daraus - ebenfalls verloren.
Eusebius (270-340 n. Chr.) benützte diese Auszüge bei
der Abfassung seines
Chronicon.
Die Punkte der Ähnlichkeit, fast der Identität,
zwischen den jüdischen und
chaldäischen Schriften6 machten die letzteren für
Eusebius höchst gefährlich, in
seiner Rolle eines Verteidigers und Vorkämpfers des
neuen Glaubens, welcher
die vorangegangenen Schriften,
und mit ihnen eine absurde Chronologie,
adoptiert hatte.
Nun ist es ziemlich sicher, daß
Eusebius die ägyptischen synchronistischen Tafeln
des Manetho nicht verschonte -
so sehr, daß Bunsen7 ihn höchst skrupelloser
_ (6 of 9)25
Geschichtsverstümmlung anklagt, und Sokrates, ein
Geschichtsschreiber des
fünften Jahrhunderts, sowie Syncellus, Vicepatriarch
von Konstantinopel, im
Anfange des achten Jahrhunderts, beide ihn als den
unverschämtesten und
rücksichtslosesten Fälscher
brandmarken.
Ist es da wahrscheinlich, daß
er mit den chaldäischen Urkunden zarter
umgegangen sei, welche bereits
die neue, so voreilig angenommene Religion
bedrohten.
Somit ist, mit Ausnahme dieser
mehr als zweifelhaften Bruchstücke, die ganze
heilige Litteratur der Chaldäer
den Augen der Profanen ebenso vollständig
entschwunden wie die versunkene
Atlantis. Einige Thatsachen, die in der
Geschichte des Betusus enthalten waren, sind weiter
unten mitgeteilt und mögen
auf den wahren Ursprung der gefallenen Engel,
personifiziert. durch Bel und den
Drachen, ein helles Licht werfen.
Wendet er sich nun dem ältesten Denkmal ârischer
Litteratur, dem Rig-Veda zu,
so wird der Studierende, wenn er darin streng den
Daten folgt, die die erwähnten
Orientalisten selbst liefern, finden, daß, obwohl der
Rig-Veda bloß ungefähr 10
580 Verse oder 1028 Hymnen
enthält, er doch, trotz den Brâhmanas und der
Menge von Glossen und
Commentaren, bis zum heutigen Tage nicht richtig
verstanden wird. Warum das?
Offenbar deshalb, weil die Brâhmanas, „die
scholastischen und ältesten Abhandlungen über die
ursprünglichen Hymnen,”
selbst wieder einen Schlüssel
verlangen, welchen die Orientalisten sich zu
beschaffen verfehlten.
Was sagen ferner die Gelehrten
über die buddhistische Litteratur? Besitzen sie
dieselbe vollständig?
Sicherlich nicht. Trotz der 325 Bände des Kanjur und des
Tanjur der nördlichen Buddhisten, von denen jeder Band. wie
es heißt, „vier bis
fünf Pfund wiegt,” ist in Wahrheit nichts über den,
wirklichen Lamaïsmus bekannt.
Auch der heilige Kanon der südlichen Kirche soll nach
dem Saddharmâlankâra8
29368000 Buchstaben enthalten, oder, ausschließlich
der Abhandlungen und
Kommentare ,,fünf oder sechsmal den Betrag des in der Bibel
enthaltenen
Stoffes,“ indem die letztere, nach Professor Max
Müller, nur 3567180 Buchstaben
enthält.
Ungeachtet nun dieser „325
Bände“ (in Wirklichkeit sind es 333. Kanjur enthält
nämlich 108, Tanjur 225
Bände) „haben die Übersetzer, statt uns richtige
Übersetzungen zu liefern, dieselben mit ihren eigenen
Kommentaren vermengt,
um die Dogmen ihrer verschiedenen Schulen zu
rechtfertigen.“9 Ferner sagt der
Professor seinen Hörern: „nach der von den
buddhistischen Schulen, sowohl des
Südens als des Nordens, erhaltenen Tradition umfaßte
der heilige buddhistische
Kanon ursprünglich 80000 oder 84000 Abhandlungen, aber
die meisten derselben
gingen verloren, sodaß bloß 6000 übrig blieben.”
„Verloren“ wie gewöhnlich für die
Europäer. Aber wer kann ganz sicher sein, daß sie
ebenso für die Buddhisten und
Brâhminen verloren sind?
Betrachten wir, wie geheiligt
den Buddhisten jede Zeile ist, die über Buddha und
das gute Gesetz geschrieben
ist, so erscheint der Verlust von nahezu 76000
Abhandlungen wunderbar. Wäre es
vice versa, so würde jeder mit dem
natürlichen Lauf der Ereignisse vertraute die
Behauptung unterschreiben, daß von
diesen 76 000 fünf- oder sechstausend Abhandlungen
während der Verfolgungen
in und Auswanderungen aus Indien hätten zerstört werden
können. Aber nachdem
es gut festgestellt ist, daß buddhistische Arhats
ihren religiösen Exodus, zum
Zwecke der Verbreitung des neuen Glaubens jenseits
Kashmirs und der
Himâlayas, bereits im Jahre 300 vor unserer Ära begannen10
und China im Jahre
61 n. Chr.11 erreichten, als Kashyapa, auf die
Einladung des Kaisers Ming-ti,
dahinkam, um den „Sohn des Himmels” mit den Lehrsätzen
des Buddhismus
bekannt zu machen, so erscheint es sonderbar, die
Orientalisten von so einem
Verlust als von etwas thatsächlich Möglichem sprechen
zu hören. Sie scheinen
auch nicht einen Augenblick die Möglichkeit zuzugeben,
daß die Texte bloß für
den Westen und für sie selbst verloren sein können;
oder daß die Asiaten die
unvergleichliche Frechheit haben könnten, ihre
heiligsten Aufzeichnungen den
Fremden unerreichbar zu machen, somit sich zu weigern,
selbe der Profanation
und dem Mißbrauch von Rassen, die sogar so „weit
erhaben“ über ihnen sind, zu
überlassen.
1) siehe Isis Unveiled,
Vol. 11, p.27.
2) Introduction to the
Science of Religion. p. 23.
3) Ain i Akbari,
übersetzt vom Dr. Blochmann. citiert von Max Müller, op. cit.
4) Tao-te-king, p. XXVII.
5) Max Müller, op. cit.
p. 114.
6) Aufgefunden und bewiesen
erst jetzt, durch die Entdeckungen von George
Smith (siehe sein “Chaldean
account of Genesis”); und was, dank diesem
_ (8 of 9)25
armenischem Fälscher, alle “civilisierten Völker”
durch mehr als 1500 Jahre
verleitete, die jüdischen Derivationen für direkte göttliche
Offenbarung zu halten!
8) Spence Hardy, The Legends and Theories of the
Buddhists,” p.66.
9) E. Schlagintweit, Buddhism in Tibet, p.77.
10) Lassen (“Indische Altertumskunde” Bd. II, p. 1072)
erwähnt ein in der
Kailâsakette erbautes Kloster um 37. v. Chr, und
General Cunningham ein noch
früheres.
11) Reverend J. Edkins, Chinese Buddhism, p.
87.
_ (9 of 9)25
Infolge des erklärten Bedauerns und zahlreicher
Geständnisse seitens fast eines
jeden Orientalisten1 kann das Publikum hinlänglich überzeugt
sein, daß (a) die
Erforscher alter Religionen in der That sehr wenige
Daten haben, auf denen sie
solche Schlußfolgerungen aufbauen könnten, wie sie es
gewöhnlich bezüglich der
alten Glaubenslehren thun, und (b) ein solcher Mangel
an Daten sie nicht im
mindesten vom Dogmatisieren abhält. Man sollte glauben
daß, dank der
zahlreichen in den Klassikern und in einer Anzahl
alter Schriftsteller erhaltenen
Berichte über ägyptische Theogonie und Mysterien,
wenigstens die Riten und
Dogmen des Pharaonischen Ägyptens gut verstanden sein
sollten; besser auf
jeden Fall als die allzu abstrusen Philosophien und
der Pantheismus Indiens, von
dessen Religion und Sprache Europa vor Beginn des
gegenwärtigen Jahrhunderts
kaum eine Ahnung hatten. Den Nil entlang und hin über
die Fläche des ganzen
Landes stellen bis zur Stunde, und werden jährlich und
täglich nette Reste
ausgegraben, die uns beredt ihre eigene Geschichte
erzählen.
Doch ist dem nicht so.
Der gelehrte Oxforder Philologe gesteht selbst die
Wahrheit ein mit den Worten:
Noch sehen wir die Pyramiden
stehen, und die Ruinen von Tempeln und
Labyrinthen, ihre Wände
bedeckt mit Hieroglypheninschriften und mit den
sonderbaren Darstellungen von
Göttern und Göttinnen. - Auf Papyrusrollen,
welche dem Zahn der Zeit zu trotzen scheinen, haben
wir sogar Fragmente von
dem, was man die heiligen Bücher der Ägypter nennen
könnte. Jedoch, obwohl
vieles in den alten Aufzeichnungen dieser
geheimnisvollen Rasse entziffert
worden ist, sind die Haupttriebfeder der ägyptischen
Religion und die
ursprüngliche Bedeutung ihres Ceremoniendienstes noch
lange nicht
vollständig uns erschlossen.”2
Auch hier sind wiederum die geheimnisvollen
hieroglyphischen Dokumente
erhalten, aber die Schlüssel, durch die sie allein
verständlich werden, sind
verschwunden.
So wenig sind thatsächlich
unsere größten Ägyptologen mit den
Beerdigungsgebräuchen der
Ägypter und den äußerlichen Zeichen für den
Unterschied des Geschlechtes
der Mumien bekannt, daß es zu den albernsten
Irrtümern geführt hat. Erst vor ein bis zwei Jahren
wurde ein solcher in Boulaq,
Kairo, entdeckt. Eine Mumie, welche für die eines
Weibes eines unbedeutenden
Pharaoh gehalten wurde, erwies sich, dank einer
Inschrift, die sich auf einem um
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den Hals hängenden Amulet fand, als die des Sesostris
- des größten Königs von
Ägypten!
Nichtsdestoweniger, nachdem er gefunden hatte, daß
„ein natürlicher
Zusammenhang zwischen Sprache und Religion bestellt”;
daß es zweitens „eine
gemeinsame arische
Religion gab vor der Teilung der ârischen Rasse, eine
gemeinsame semitische
Religion vor der Teilung der semitischen Rasse, und eine
gemeinsame turanische
Religion vor der Teilung der chinesischen und der
anderen zur turanischen Klasse gehörenden Stämme”;
nachdem er thatsächlich
nur „drei alte Religionscentren” und „drei
Sprachcentren” entdeckt hatte, und
obwohl er über den Ursprung dieser primitiven
Religionen und Sprachen in
vollständiger Unkenntnis ist, zögert der Professor
nicht zu erklären: „daß eine
wahrhaft historische Basis für eine
wissenschaftliche Behandlung dieser
Hauptreligionen der Welt” erlangt worden ist!
Eine „wissenschaftliche Behandlung” eines Gegenstandes
ist noch keine Gewähr
für „historische Basis”; und im Besitz so spärlicher
Daten ist kein Philologe, und
sei er auch einer der hervorragendsten, berechtigt,
seine eigenen
Schlußfolgerungen für historische Thatsachen
auszugeben. Zweifelsohne hat
dieser ausgezeichnete Orientalist durchaus zur
Befriedigung der Welt bewiesen,
daß mit Rücksicht auf das Grimmsche Gesetz der
Lautverschiebung Odin und
Buddha zwei verschiedene Persönlichkeiten sind, eine
von der anderen
vollständig unterschieden, und hat das wissenschaftlich
gezeigt. Wenn er jedoch
die Gelegenheit ergreift, um mit demselben Atemzuge zu
sagen, daß Odin „als die
höchste Gottheit während einer dem Zeitalter des Veda
und Homer weit
vorangehenden Periode verehrt wurde”,3 so hat er dafür
nicht die geringste
„historische Basis”, sondern er macht Geschichte
und Thatsache seinen eigenen
Schlußfolgerungen dienstbar, was sehr
„wissenschaftlich” sein mag - nach der
Anschauung eines Orientalisten, was aber sehr weit von
der Linie thatsächlicher
Wahrheit entfernt ist. Die einander widerstreitenden
Ansichten bezüglich der
Chronologie der Veden, seitens der
verschiedenen hervorragenden Philologen
und Orientalisten, von Martin Haug an bis zu Herrn Max
Müller selbst sind ein
handgreiflicher Beweis dafür, daß die Behauptung keine
„historische” Unterlage
hat, indem „innere Evidenz” sehr oft ein Irrlicht ist,
statt eines sicheren
Leuchtturmes, nach dem man sich richten könnte. Keinen
besseren Beweis hat
auch die Wissenschaft der modernen vergleichenden
Mythologie, um zu zeigen,
daß jene gelehrten Schriftsteller, welche etwa während
des letzten Jahrhunderts
betonten, es müsse, „Fragmente einer ursprünglichen
Offenbarung gegeben
haben, die den Vorfahren des gesammten
Menschengeschlechtes verliehen .
und in den Tempeln Griechenlands und Italiens
aufbewahrt worden sind”, gänzlich
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im Unrecht waren. Denn das ist es auch, was alle die
östlichen Initiierten und
Pundits von Zeit zu Zeit der Welt verkündigt haben.
Während ein hervorragender
singhalesischer Priester der Verfasserin versicherte,
es sei wohl bekannt, daß die
wichtigsten zum heiligen Kanon gehörigen
buddhistischen Traktate in den
europäischen Pundits unzugänglichen Ländern und
Plätzen verborgen
aufgespeichert worden seien, versicherte der jetzt
verstorbene Svâmi Dayanand
Sarasvatî, der größte Sanskritist seiner Zeit in
Indien, einige Mitglieder der
theosophischen Gesellschaft derselben Thatsache mit
Bezug auf alte
brâhmanische Werke. Als man ihm sagte, daß Professor
Max Müller den Hörern
seiner Vorlesungen erklärt habe: die Theorie „es
sei eine ursprüngliche
übernatürliche Offenbarung den Vätern des Menschengeschlechtes verliehen
worden, findet gegenwärtig nur wenige Verteidiger“- da
lachte der heilige und
gelehrte Mann. Seine Antwort war bedeutsam. „Wenn Herr
,Moksh Mooller‘, wie
er den Namen aussprach, ein Brâhmine wäre, und käme zu
mir, so würde ich ihn
zu einer Guaptahöhle (einer geheimen Krypta)
nahe bei Okhee Math im Himâlaya
führen, wo er bald herausfinden würde, daß, was die
Kâlapani (die schwarzen
Wasser des Oceans) von Indien nach Europa durchquerte,
bloß Brocken von
verworfenen Kopien einiger Stellen aus unseren
heiligen Büchern sind. Es gab
eine „ursprüngliche Offenbarung“ und sie existiert
noch, noch wird sie für immer
für die Welt verloren sein, sondern sie wird
wiedererscheinen, wenn auch die
Mlechchhas versteht sich zu warten haben werden.”
Weiter über diesen Punkt befragt, wollte er nicht mehr
sagen. Dies geschah zu
Meerut, im Jahre 1880.
Ohne Zweifel war die Mystifikation, mit der im letzten
Jahrhundert zu Kalkutta von
Seite der Brâhminen dem Oberst Wilford und Sir William
Jones mitgespielt wurde,
eine grausame. Aber sie war wohlverdient und niemand
war in der Sache mehr zu
tadeln als die Missionäre und Oberst Wilford selbst.
Die ersteren, nach dem
Zeugnis von Sir William Jones selbst4 waren albern
genug. zu behaupten, daß
„die Hindûs selbst jetzt noch nahezu Christen seien,
weil ihre Brahmâ, Vishnu und
Mahesha nichts anderes als die christliche
Dreieinigkeit seien.“.5 Es war eine gute
Lektion. Es machte die Orientalisten doppelt
vorsichtig; aber vielleicht hat es
einige von ihnen wieder zu scheu gemacht, und hat
infolgedessen das Pendel der
vorgefaßten Schlüsse zu weit in der entgegengesetzten
Richtung schwingen
lassen. Denn „diese erste Lieferung vom brâhmanischen
Markte”, ausgeführt auf
Nachfrage des Oberst Wilford,
hat jetzt eine augenscheinliche Nötigung und
Verlangen in den
Orientalisten hervorgerufen, nahezu jedes archaische
Sanskritmanuskript für so
modern zu erklären, daß die Missionäre volle
Rechtfertigung finden, wenn sie sich die Gelegenheit
zu nutze machen. Daß sie
so thun und zwar soweit irgend ihre Verstandeskräfte
reichen, zeigt sich in den
_2 (3 of 20)27
jüngsten absurden Versuchen, zu beweisen, daß die
ganze pûranische
Geschichte von Krishna ein von den Brâhminen an der
Bibel begangenes Plagiat
sei! Aber
die Thatsachen, die der Oxforder Professor in seinen Vorlesungen
betreffs der jetzt berüchtigten Einschaltungen (zum
Nutzen und später zur Sorge
des Obersten Wilford) anführt, widerstreiten durchaus
nicht den Schlüssen, zu
denen jemand, der die
Geheimlehre studiert, unvermeidlich gelangen muß.
Denn wenn die Ergebnisse
zeigen, daß weder das neue noch selbst das alte
Testament irgend etwas der älteren Religion der Brâhmanen und
Buddhisten
entlehnt hat, so folgt noch nicht, daß nicht die Juden
alles, was sie wußten, den
chaldäischen Aufzeichnungen entlehnt haben, welch
letztere später von Eusebius
verstümmelt wurden. Was die Chaldäer anbelangt, so
erhielten sie ihr
ursprüngliches Wissen sicher von den Brâhmanen, denn
Rawlinson zeigt einen
unleugbaren vedischen Einfluß auf die frühere
Mythologie von Babylon, und
Oberst Vans Kennedy hat vor langer Zeit mit Recht
erklärt, daß Babylonien von
Anbeginn an der Sitz sanskritischer und brâhmanischer
Gelehrsamkeit war. Aber
alle diese Beweise müssen ihren Wert verlieren angesichts
der in jüngster Zeit
von Prof. Max Müller ausgearbeiteten Theorie. Worin
sie besteht, ist allgemein
bekannt. Der Kodex der phonetischen Gesetze wurde
nunmehr zu einem
Universalauflösungsmittel für jede Identifikation oder
„Verwandtschaft” zwischen
den Göttern von vielen Nationen. So haben, obwohl die
Mutter des Merkur
(Budha, Thot-Hermes, etc.) Maia war, die Mutter
Gautama Buddhas auch Mâyâ,
und die Mutter von Jesus, desgleichen Mâyâ (Täuschung,
denn Maria ist Mare,
das Meer, symbolisch für die große Täuschung) - doch
diese drei Gestalten
keinen Zusammenhang, noch können sie irgend einen
haben, seit Bopp „seinen
Kodex der phonetischen
Gesetze aufgestellt hat”.
Bei ihren Bemühungen, die
vielen Fäden ungeschriebener Geschichte zu
sammeln, ist es ein kühner
Schritt für unsere Orientalisten, a priori alles zu
leugnen, was nicht mit ihren besonderen
Schlußfolgerungen zusammenpaßt. So
wird, während täglich neue Entdeckungen gemacht werden
von großen Künsten
und Wissenschaften, die weit zurück in der Nacht der
Zeit bestanden haben,
selbst die Kenntnis der Schrift einigen der ältesten
Nationen abgesprochen, und
ihnen Barbarei statt Kultur zugetraut. Und doch sind
die Spuren einer ungeheuren
Civilisation, selbst in Zentralasien, noch zu finden. Diese
Civilisation ist unleugbar
prähistorisch.
Und wie ist Civilisation möglich ohne irgend welche Form von
Litteratur, ohne Annalen oder Chroniken? Gesunder
Menschenverstand allein
sollte die unterbrochenen Verbindungen in der
Geschichte der entschwundenen
Nationen ergänzen. Der riesenhafte ununterbrochene
Wall von Gebirgen, welche
das ganze Tafelland von Tibet einschließen, vom
Oberlaufe des Flusses Khuan-http://
212.88.187.41/FTP/theosophie/Geheimlehre_2 (4 of 20)27
Klé bis hinunter zu den Kara-korum-bergen, war Zeuge
einer tausendjährigen
Kultur, und hätte den Menschen eigenartige Geheimnisse
zu erzählen. Die
östlichen und zentralen Teile dieser Gegenden - der
Nan-chan und der Altyn-tag,
waren einmal mit Städten bedeckt, die sehr wohl mit
Babylon wetteifern konnten.
Eine ganze geologische Periode
ist über das Land hinweggegangen, seit jene
Städte den letzten Atemzug
gethan, wie die Hügel von Triebsand und der
unfruchtbare und nunmehr tote
Boden der ungeheuren Centralebenen des
Beckens von Tarim bezeugen.
Die Grenzländer allein sind dem
Reisenden oberflächlich bekannt. Innerhalb jener
sandigen Tafelländer giebt es Wasser, und finden sich
frische blühende Oasen,
wohin kein europäischer Fuß sich gewagt oder den jetzt
trügerischen Boden
betreten hat. Unter diesen grünenden Oasen giebt es
einige, welche selbst dem
eingeborenen uneingeweihten Reisenden vollkommen
unzugänglich sind. Orkane
mögen „den Sand aufreißen lind ganze Ebenen
hinwegschwemmen“, sie sind
machtlos, das zu zerstören, was ihnen unerreichbar ist.
Erbaut tief in den Eingeweiden der Erde sind jene
unterirdischen Magazine sicher;
und da ihre Eingänge verborgen liegen, so ist wenig zu
befürchten, daß irgend
jemand sie entdecken sollte, selbst wenn verschiedene
Armeen in die sandigen
„Nicht ein Teich, nicht ein
Busch, nicht ein Haus ist
zu sehn,
„Und die Berge als wilde Mauern
umstehn
„Die verdorrten Flächen des
Wüstenlands .
Aber es ist nicht notwendig,
den Leser durch die Wüste zu senden, wenn
dieselben Beweise einer alten Civilisation selbst in
verhältnismäßig bevölkerten
Gegenden desselben Landes zu finden sind. Die Oase von
Tchertchen zum
Beispiel, ungefähr 4000 Fuß über dem Niveau des
Flusses Tchertchen-Darya
gelegen, ist jetzt in jeder Richtung von Ruinen
archaischer Städte umgeben. Dort
repräsentieren etliche 3000 menschliche Wesen die
Überbleibsel von ungefähr
100 untergegangenen Nationen
und Rassen, deren bloße Namen unseren
jetzigen Ethnologen unbekannt
sind. Ein Anthropologe würde sich in großer
Verlegenheit fühlen, sie zu
klassifizieren, einzuteilen und untereinzuteilen;
umsomehr als die respektiven
Abkömmlinge aller dieser antediluvianischen
Rassen und Stämme selbst so
wenig von ihreneigenen Vorfahren wissen, als
wenn sie aus dem Mond gefallen wären. Befragt über
ihre Herkunft antworten sie,
daß sie nicht wissen, woher ihre Väter gekommen sind,
aber daß sie gehört
haben, daß ihre ersten oder frühesten Menschen von den
großen Schutzgeistern
_2 (5 of 20)27
dieser Wüste beherrscht wurden.
Dies mag auf Rechnung von
Unwissenheit und Aberglauben gesetzt werden, aber
vom Standpunkte der Geheimlehre aus kann ihre Antwort
auf urzeitlicher
Überlieferung beruhen.
Bloß der Stamm von Khoorassan behauptet, lange vor den
Tagen Alexanders aus
dem heutigen Afghanistan
gekommen zu sein und bringt Volkssagen zur
Bekräftigung dessen vor.
Der russische Reisende, Oberst
(jetzt General) Prjevalsky, fand ganz nahe der
Oase von Tchertchen die Ruinen zweier enormer Städte,
von denen die ältere,
nach der Lokaltradition, vor 3000 Jahren von einem
Helden und Riesen zerstört
wurde; und die andere von Mongolen im zehnten
Jahrhundert unserer Aera.
„Der Ort der beiden Städte ist jetzt, infolge des
Triebsandes und des
Wüstenwindes, mit seltsamen und verschiedenartigen
Überresten bedeckt, mit
zerbrochenem Porzellan, mit
Küchengeräten und Menschenknochen. Die
Eingeborenen finden oft
Kupfer- und Goldmünzen, eingeschmolzene
Silberbarren, Diamanten und
Türkise und, was das Merkwürdigste ist
zerbrochenes Glas Särge ans einem nicht verfaulenden
Holz oder Material,
mit prächtig erhaltenen einbalsamierten Leichen ....
Die männlichen Mumien
sind alle außerordentlich hohe kräftig gebaute
Menschen mit langem wallenden
Haar Eine Gruft wurde aufgefunden mit zwölf darin sitzenden
Toten. Ein
andermal entdeckten wir in einem einzelnen Sarge ein
junges Mädchen. Ihre
Augen waren mit goldenen Scheiben geschlossen, und die
Kinnladen von
einem goldenen Reifen festgehalten, der unter dem
Kinne beginnend über den
Scheitel des Kopfes lief. Gekleidet war es in ein
enganliegendes wollenes
Gewand, sein Busen mit goldenen Sternen bedeckt, die
Füße unbekleidet
gelassen.6
Der berühmte Reisende fügt hinzu, daß sie während
ihres ganzen Weges den
Fluß Tchertchen entlang Sagen über dreiundzwanzig
Städte hörten, die seit
Jahrhunderten unter dem Triebsand der Wüsten vergraben
lägen. Dieselbe
Überlieferung besteht am Lob-nor und in der Oase von
Kerya.
Die Spuren einer solchen Civilisation, und diese und
ähnliche Überlieferungen
geben uns das Recht, andern von gebildeten und
gelehrten Eingeborenen von
Indien und der Mongolei verbürgten Volkssagen Glauben
zu schenken, wenn sie
von ungeheuren Bibliotheken sprechen, die, dem Sande
zugleich mit
verschiedenen Überresten alter magischer Lehre
abgewonnen, alle sicher
geborgen sind.
Um zu wiederholen: Die Geheimlehre war die allgemein
verbreitete Religion der
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alten und prähistorischen Welt. Beweise für ihre
Ausbreitung, authentische
Aufzeichnungen ihrer Geschichte, eine vollständige Kette
von Dokumenten, die
ihren Charakter und ihre Gegenwart in jedem Lande
zeigen, sowie die Lehren
aller ihrer großen Adepten, bestehen bis zum heutigen
‘Page in den verborgenen
Krypten der im Besitze der geheimen Brüderschaft
befindlichen Bibliotheken.
Diese Behauptung wird mehr glaublich durch die
Betrachtung folgender
Thatsachen: der Tradition, daß Tausende von alten
Pergamenten gerettet wurden,
als die Alexandrinische Bibliothek zerstört wurde; der
Tausende von
Sanskritwerken, die in Indien unter der Regierung
Akbars verschwanden; der
allgemeinen Tradition in China und Japan, daß die
echten alten Texte mitsammt
den Kommentaren, die allein sie verständlich machen
und die viele tausende von
Bänden betragen, seit langem für profane Hände
unerreichbar geworden sind; des
Verschwindens der ausgedehnten heiligen und occulten
Litteratur von Babylon;
des Verlustes jener Schlüssel; die allein die tausend
Rätsel der ägyptischen
Hieroglyphenaufzeichnungen lösen konnten; der
indischen Überlieferung, daß die
wirklichen geheimen Kommentare, die allein die Veden
verständlich machen, zwar
den profanen Augen nicht länger sichtbar, doch für den
Initiierten noch erhalten
sind, verborgen in geheimen Höhlen und Krypten; und
eines gleichartigen
Glaubens bei den Buddhisten in Bezug auf ihre geheimen
Bücher.
Die Occultisten versichern, daß alle diese noch
existieren, sicher vor den
plündernden Händen des Westens, um in einem
erleuchteteren Zeitalter wieder zu
erscheinen, auf welches, in der
Ausdrucksweise des verstorbenen Svâmi
Dayanand Sarasvatî, „die
Mlechchhas (die Ausgestoßenen, Barbaren, die
außerhalb des Bereiches der
arischen Kultur befindlichen) zu warten haben
werden”.
Denn es ist nicht die Schuld
der Initiierten, daß diese Dokumente jetzt für den
Profanen „verloren” sind, noch
war ihr Verfahren durch Selbstsucht diktiert oder
durch irgend ein Verlangen, die lebenspendende heilige
Lehre zu monopolisieren.
Es gab Teile der Geheimwissenschaft, die für
unzählbare Zeitalter dem profanen
Blick verborgen bleiben mußten. Aber das geschah, weil
ein Mitteilen von
Geheimnissen von so furchtbarer Bedeutung an eine
unvorbereitete Menge
gleichbedeutend damit wäre, einem Kinde in einem
Pulvermagazin eine
brennende Kerze in die Hand zu geben.
Die Antwort auf eine Frage, die oft in den Gemütern
von Schülern aufgetaucht ist,
wenn sie auf Behauptungen wie
die obige stoßen, mag hier füglich skizziert
werden.
„Wir können,” sagen sie, „die
Notwendigkeit einsehen, vor dem großen Haufen
solche Geheimnisse wie Vril, oder die
felsenzerstörende Kraft, entdeckt von J. W.
Keely aus Philadelphia, geheimzuhalten, aber wir
können nicht verstehen, wie
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irgend eine Gefahr aus der Enthüllung solcher rein
philosophischen Lehren, wie z.
Die Gefahr war folgende: Lehren, wie die von der
Planetenkette, oder von den
sieben Rassen, geben sofort einen Schlüssel zur
Erkenntnis der siebenfältigen
Natur des Menschen, denn jedes Prinzip steht in
Wechselbeziehung zu einer
Ebene, einem Planeten und einer Rasse; und die
menschlichen Prinzipien sind,
auf jeder Ebene, in Wechselbeziehung zu siebenfältigen
occulten Kräften, von
denen die der höheren Ebenen von furchtbarer Gewalt
sind. Somit giebt jede
siebenfältige Einteilung zugleich einen Schlüssel zu
furchtbaren occulten Kräften,
deren Mißbrauch der Menschheit unberechenbares Unheil
bringen würde: einen
Schlüssel, der vielleicht keiner ist für die
gegenwärtige Generation - besonders
nicht für die Westlichen, insofern sie gerade durch
ihre Blindheit und ihren
unwissenden materialistischen Unglauben an das Occulte
geschützt sind; aber
einen Schlüssel, der dennoch ein sehr realer in den
ersten Jahrhunderten der
christlichen Ära gewesen wäre für Leute, die von der
Thatsächlichkeit des
Okkultismus vollständig überzeugt waren, und in einen
Cyklus der Erniedrigung
eintraten, der sie für den
Mißbrauch occulter Kräfte und für Zauberei der
schlechtesten Art geeignet
machte.
Die Dokumente wurden verborgen,
das ist wahr; aber aus der Wissenschaft selbst
und ihrem thatsächlichen Bestande wurde seitens der
Hierophanten der Tempel,
in denen die MYSTERIEN immer zu einer Schulung und zu
einem Ansporn zur
Tugend gemacht wurden, niemals ein Geheimnis gemacht.
Das sind sehr alte
Neuigkeiten, die wiederholt von den großen Adepten
bekannt gemacht wurden,
von Pythagoras und Plato an bis herab zu den
Neuplatonikern. Sie waren die
neue Religion der Nazarener, die eine Änderung zum
Schlechten bewirkte - in der
Politik von Jahrhunderten. Ferner ist es eine
wohlbekannte sehr sonderbare
Thatsache, die der Verfasserin von einem einer
russischen Gesandtschaft
jahrelang attachiert gewesenen ehrwürdigen Herrn
bestätigt wurde, -nämlich, daß
in den kaiserlichen Bibliotheken von St. Petersburg
verschiedene Dokumente sich
befinden, ans denen hervorgeht, daß selbst noch in den
Tagen, als Freimaurerei
und geheime Gesellschaften von Mystikern ungehindert
in Rußland blühten,
nämlich Ende des vorigen und Anfangs des jetzigen
Jahrhunderts, mehr als ein
russischer Mystiker über das Uralgebirge nach Tibet
reiste, um Wissen und
Initiation in den unbekannten Krypten von Centralasien
zu finden. Und mehr als
einer kehrte Jahre darnach zurück, mit einem reichen
Schatze von Kenntnissen,
wie sie ihm niemals irgendwo in Europa hätten
mitgeteilt werden können.
Verschiedene Fälle könnten angeführt und wohlbekannte
Namen genannt werden,
wenn nicht eine solche Publizität den noch lebenden
Verwandten der genannten
ehemaligen Initiierten unangenehm sein könnte. Wer
immer Einblick in die
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Annalen und Geschichte der Freimaurerei in den
Archiven der russischen
Hauptstadt nimmt, wird sich selbst der behaupteten
Thatsache vergewissern
können.
Dies ist eine Bekräftigung dessen, was bereits oftmals
und unglücklicherweise zu
indiskret behauptet worden ist. Anstatt der Menschheit
zum Wohle zu gereichen,
haben die giftigen Beschuldigungen wissentlicher
Erdichtung und absichtlichen
Betruges, die gegen jene geschleudert wurden, die bloß
eine wahrhaftige, wenn
auch wenig bekannte Tatsache verfochten haben, bloß
den Verleumdern
schlechtes Karma verursacht. Nun aber ist das Unheil
geschehen, und sollte das
Wahre nicht länger verleugnet werden, was immer auch
die Folgen sein mögen.
Ist Theosophie eine neue Religion? frägt man uns.
Keineswegs, sie ist weder eine
„Religion“, noch ist ihre Philosophie „neu”, denn, wie
bereits gesagt, ist sie so alt
wie der denkende Mensch. Ihre Lehrsätze werden jetzt
nicht zum erstenmal
veröffentlicht, sondern sie wurden vorsichtig mehr als
einem europäischen
Initiierten bekannt gemacht und von ihm weiter
gelehrt, - insbesondere von dem
verstorbenen Ragon.
Mehr als ein großer Gelehrter hat festgestellt, daß es
niemals einen
Religionsgründer gegeben hat, einerlei ob Ârier, Semit
oder Turanier, der eine
neue Religion erfunden oder eine neue Wahrheit
enthüllt hätte. Alle diese Gründer
waren bloß Überlieferer, keine originalen
Lehrer. Sie waren die Urheber neuer
Formen und Interpretationen, während die Wahrheiten,
auf denen ihre Lehren
beruhten, so alt wie die Menschheit waren. Sie wählten
sich eine oder mehrere
dieser großen Wahrheiten - als Wirklichkeiten bloß dem
Auge des wahren Weisen
und Sehers sichtbar - aus den vielen, die, dem
Menschen im Anbeginne mündlich
geoffenbart, in den Adytis der Tempel durch Initiation
während der Mysterien und
durch persönliche Überlieferung bewahrt und erhalten
wurden, und enthüllten
diese Wahrheiten den Massen. So erhielt jede Nation
der Reihe nach einige der
erwähnten Wahrheiten unter dem Schleier ihrer eigenen
lokalen und speziellen
Symbolik, was sich im Laufe der Zeit zu einem mehr
oder weniger
philosophischen Kultus, zu einem Pantheon in
mythischer Vermummung
entwickelte. Daher ist Confucius, ein sehr alter
Gesetzgeber nach historischer
Chronologie, wenn auch ein sehr moderner Weiser in der
Geschichte der Welt,
von Dr. Legge7 emphatisch als Überlieferer,
nicht als Schöpfer, dargestellt. Er
selbst aber sagt: „Ich überliefere bloß, ich kann
nicht neue Dinge erschaffen. Ich
glaube an die Alten und daher liebe ich sie.8
Die Verfasserin liebt sie auch, und daher glaubt sie
an die Alten, und an die
modernen Erben ihrer Weisheit. Und indem sie an beide
glaubt, so überliefert sie
jetzt das von ihr selbst empfangene und gelernte allen
jenen, die es annehmen
wollen. Was jene anbelangt, die ihr Zeugnis verwerfen
mögen - also die große
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Majorität -, so will sie gegen dieselben keinen Groll
liegen, denn jene werden
ihrerseits ebenso Recht haben, abzuleugnen, wie sie,
zu behaupten, da beide auf
die Wahrheit von zwei vollständig verschiedenen
Standpunkten blicken. In
Übereinstimmung mit den Regeln kritischer
Schulgelehrsamkeit hat der Orientalist
a priori jeden
Beweis zu verwerfen, den er selbst nicht vollständig verifizieren
kann. Und wie kann ein westlicher Schulgelehrter auf
Hörensagen hin das
annehmen, von dem er nichts weiß?
In der That ist das in diesen Bänden gegebene
ebensosehr mündlichen, als
geschriebenen Unterweisungen entnommen. Dieser erste
Teil der esoterischen
Lehren beruht auf Strophen, welche Aufzeichnungen
eines der Ethnologie
unbekannten Volkes sind; es wird behauptet, daß sie in
einer Sprache
geschrieben sind, die in der Nomenklatur der Sprachen
und Dialekte, mit denen
die Philologie vertraut ist, fehlt; es wird gesagt,
daß sie aus einer Quelle stammen,
die von der Wissenschaft zurückgewiesen wird (dem
Occultismus); und schließlich
werden sie durch eine Vermittelung angeboten, die von
allen jenen, welche
unwillkommene Wahrheiten hassen, oder irgend ein
spezielle Steckenpferd
eigenen Besitzes zur verteidigen haben, unaufhörlich
vor der Welt diskreditiert
wird. Daher mag - und muß vorläufig - die Verwerfung
dieser Lehren erwartet
werden. Keiner, der sich selbst einen „Gelehrten”
nennt, sei es in was immer für
einem Gebiete der exakten Wissenschaft,
wird sich gestatten, diese Lehren
ernsthaft zu beachten. Sie
werden in diesem, aber auch nur in diesem,
Jahrhundert verlacht und a
priori verworfen werden. Denn im zwanzigsten
Jahrhundert unserer Ära
werden die Schulgelehrten anfangen, anzuerkennen,
daß die Geheimlehre weder erfunden noch übertrieben.
sondern im Gegenteil
einfach skizziert worden ist; und schließlich, daß
ihre Lehren noch vor die Veden
zurückreichen. Das ist nicht die Anmaßung einer
Prophezeiung, sondern einfach
eine auf der Kenntnis von
Thatsachen beruhende Behauptung.
In jedem Jahrhundert wird ein
Versuch gemacht, der Welt zu zeigen. daß
Occultismus kein leerer
Aberglaube sei.
Nachdem einmal das Thor ein
wenig offen stehen durfte, wird es mit. jedem neuen
Jahrhundert weiter geöffnet
werden. Die Zeiten sind reif für eine ernstere
Erkenntnis als bisher gestattet war, wenn auch selbst
jetzt noch in nur sehr engen
Grenzen. Sind nicht auch die Veden selbst noch
vor fünfzig Jahren verlacht,
verworfen und „eine moderne Fälschung“ genannt worden?
Wurde nicht seiner
Zeit Sanskrit nach Lemprière und anderen Gelehrten für
einen vom Griechischen
abstammenden Dialekt erklärt? Um 1820, erzählt uns
Prof. Max Müller, waren alle
heiligen Bücher der Brâhmanen, der Magier und der Buddhisten
nahezu
unbekannt, in ihrer bloßen Existenz angezweifelt, und
es gab nicht einen einzigen
Gelehrten, der eine Zeile des Veda des Zend
Avesta, oder der
_2 (10 of 20)27
buddhistischen Tripitaka hätte übersetzen
können, und jetzt erweisen sich die
Vedas als das Werk des frühesten Altertums, dessen Erhaltung
fast auf ein
Wunder hinausläuft.“
Das gleiche wird über die
geheime archaische Lehre gesagt werden, wenn
Beweise für die Unleugbarkeit
ihrer Existenz und Aufzeichnungen gegeben
werden. Aber Jahrhunderte
wird es dauern, bevor viel mehr von derselben
veröffentlicht wird. Von den Schlüsseln zu den
Geheimnissen des Tierkreises als
für die Welt nahezu verloren gegangenen sprechend,
bemerkte die Verfasserin in
Isis Unveiled vor
ungefähr zehn Jahren: „Der genannte Schlüssel muß siebenmal
umgedreht werden, bevor das ganze System enthüllt ist.
Wir wollen ihm bloß eine
Drehung geben, und damit dem Profanen einen flüchtigen
Blick in das Geheimnis
gestatten. Glücklich der, der das Ganze versteht!“
Dasselbe mag von dem ganzen esoterischen System gesagt
werden. Eine
Umdrehung des Schlüssels, und nicht mehr, wurde in lsis
Unveiled gegeben. Viel
mehr wird in den vorliegenden Bänden erklärt. In jenen
Tagen kannte die
Schreiberin kaum die Sprache, in der das Werk
geschrieben war, und die
Eröffnung vieler Dinge, von denen jetzt frei
gesprochen wird, war verboten. Im
zwanzigsten Jahrhundert mag ein erfahrener und weit
besser tauglicher Schüler
von den Meistern der Weisheit gesendet werden, um
endgültige und
unwiderlegliche Beweise für die Existenz einer,
Gupta-Vidyâ genannten,
Wissenschaft zu geben; sowie dafür, daß, wie die einst
geheimnisvollen Quellen
des Nils, so die jetzt der Welt bekanntgemachte Quelle
aller Religionen und
Philosophieen durch viele Zeitalter den Menschen
vergessen und verloren war,
aber schließlich gefunden
worden ist.
Ein Werk wie dieses soll nicht
durch eine einfache Vorrede, sondern eher durch
einen ganzen Band eingeleitet
werden, welcher Thatsachen, nicht bloße
Erörterungen giebt, denn DIE GEHEIMLEHRE ist nicht
eine Abhandlung, oder
eine Reihe von vagen Theorieen, sondern enthält alles,
was der Welt in diesem,
Jahrhundert mitgeteilt werden
kann.
Es wäre schlechter als
nutzlos, in diesen Blättern einfach jene Teile der
esoterischen Lehren, die
nunmehr der Gefangenschaft entronnen sind, zu
veröffentlichen, ohne zuvor die Echtheit und
Authenticität, - auf jeden Fall die
Wahrscheinlichkeit - der
Existenz solcher Lehren begründet zu haben.
Behauptungen, wie sie jetzt
gemacht werden sollen, müssen als von
verschiedenen Autoritäten
verbürgt erwiesen werden: von denen der alten
Philosophen, der Klassiker und selbst gewisser
gelehrter Kirchenväter, von denen
_2 (11 of 20)27
einige diese Lehren kannten, weil sie sie studiert und
darüber geschriebene
Werke gesehen und gelesen hatten, während andere
derselben persönlich in die
alten Mysterien initiiert waren, während derer
Abhaltung die geheimen Lehren
allegorisch dargestellt wurden. Die Verfasserin wird historische
und
vertrauenswürdige Namen anzuführen und wohlbekannte
Autoren zu citieren
haben, alte und neue, von anerkannter Fälligkeit,
guter Urteilskraft und
Wahrheitsliebe, sowie einige der berühmten Meister der
geheimen Künste und
Wissenschaft nennen müssen, zugleich mit den
Geimnissen der letzteren, wie sie
dem Publikum in ihrer sonderbaren archaischen Form
veröffentlicht oder vielmehr
teilweise vorgelegt werden.
Wie hat dies zu geschehen? auf
welchem Wege kann dieses Ziel am leichtesten
erreicht werden? das war die
immer wiederkehrende Frage. Um unsere Absicht
klarer zu machen, wollen wir
ein Gleichnis versuchen. Ein Tourist, der aus einem
wohldurchforschten Lande
kommend plötzlich das Grenzgebiet einer terra
incognita erreicht,
die durch eine furchtbare Mauer unüberschreitbarer Felsen
eingezäunt und dem Blicke verschlossen ist, mag noch
immerhin sich weigern,
seine beabsichtigte Forschung für vereitelt zu
erklären. Weiteres Eindringen ist
verwehrt. Doch kann er, wenn er auch die
geheimnisvolle Gegend nicht persönlich
besuchen kann, immerhin Mittel finden, sie aus der
nächsten ihm erreichbaren
Nähe zu durchforschen. Unterstützt durch seine
Kenntnis der hinter ihm liegenden
Landschaften kann er eine allgemeine und ziemlich
korrekte Idee von dem Anblick
hinter der Mauer erhalten, wenn er nur den höchsten
Gipfel der vor ihm liegenden
Höhen erklimmt. Einmal hier, kann er nach Belieben
darauf blicken und das, was
er nur verschwommen sieht, mit dem, was er eben unten
zurückgelassen,
vergleichen, da er nun, dank seiner Anstrengungen,
über dem Gebiete der Nebel
und der wolkengekrönten Klippen sich befindet.
Ein solcher Standpunkt für vorläufige Beobachtung, für
jene, welche ein
genaueres Verstehen der im Texte gegebenen Geheimnisse
der präarchaischen
Perioden anstreben, kann in diesen zwei Bänden
derselben nicht geboten werden.
Aber wenn der Leser Geduld hat, den gegenwärtigen
Zustand von Glauben und
Glaubensbekenntnissen in Europa betrachtet, ihn mit
dem, was von den der
christlichen Ära unmittelbar vorangehenden und
folgenden Zeitaltern geschichtlich
bekannt ist, vergleicht und kontrolliert, so wird er
dies alles in einem späteren
Band dieses Werkes finden.
In diesem letzteren Bande wird eine kurze
Rekapitulation aller hervorragenden,
geschichtlich bekannten Adepten gemacht und der
Verfall der Mysterien
beschrieben werden, nach welchem das Verschwinden und
die schließliche und
systematische Auslöschung der wahren Natur der
Initiation und der heiligen
_2 (12 of 20)27
Wissenschaft aus dem Gedächtnisse der Menschen begann.
Von dieser Zeit an
wurden ihre Lehren occult und Magie segelte nur zu oft
unter dem ehrwürdigen
aber häufig irreführenden Namen hermetischer
Philosophie. Während wirklicher
Occultismus unter den Mystikern der unserer Ära vorangehenden
Jahrhunderte
vorherrschend gewesen war, so folgten Magie, oder
vielmehr Zauberei, mit ihren
occulten Künsten, dem Beginne des Christentums.
Wie groß und zelotisch auch die fanatischen
Anstrengungen während jener frühen
Jahrhunderte waren, jede Spur der geistigen und
intellektuellen Arbeit der Heiden
vergessen zu machen, so mißglückten sie doch; aber
derselbe Geist des dunklen
Dämons der Frömmelei und Unduldsamkeit hat seither
jederzeit systematisch
jedes in vorchristlichen Perioden geschriebene helle
Blatt verfälscht. Selbst in
ihren unsicheren Aufzeichnungen hat die Geschichte
genug von dem erhalten,
was geblieben ist, um ein unparteiisches Licht auf das
Ganze zu werfen. So möge
denn der Leser eine kleine Weile mit der Schreiberin
auf dem erwählten
Aussichtspunkt verweilen. Er ist gebeten, seine ganze
Aufmerksamkeit dem
Jahrtausend der vorchristlichen und der
nachchristlichen Perioden zuzuwenden,
welches durch das Jahr Eins der Geburt Christi in zwei
Hälften geteilt wird. Dieses
Ereignis - ob historisch richtig oder nicht - wurde
jedenfalls dazu verwendet, uni
als erstes Signal zur Aufrichtung mannigfaltiger
Bollwerke gegen jede Möglichkeit
der Rückkehr oder auch nur der flüchtigen Betrachtung
der verhaßten Religionen
der Vergangenheit zu dienen; - verhaßt und gefürchtet,
da sie ein so grelles Licht
werfen auf die neue und absichtlich verhüllte
Interpretation dessen, was als
„Neues Testament” bekannt ist.
So übermenschlich die Anstrengungen der frühen
Kirchenväter waren, die
Geheimlehre selbst aus dem Gedächtnis der Menschen zu
tilgen, so mißlangen
doch alle. Die Wahrheit kann niemals getötet werden,
daher das Mißlingen, jede
Spur dieser alten Weisheit völlig von der
Erdoberfläche zu verwischen, und jeden
für sie eintretenden Zeugen zu fesseln und zu knebeln.
Man denke bloß an die
Tausende und vielleicht Millionen von verbrannten
Manuskripten, von
Monumenten, die mit ihren allzu indiskreten
Inschriften und gemalten Symbolen
zu Staub pulverisiert wurden, an die Banden früher Eremiten
und Asketen, die in
den Ruinenstädten von Ober- -und Unterägypten
umherstreiften, in der Wüste und
im Gebirge, in Thälern und Hochlanden, suchend und
zerstörungslüstern nach
allen Obelisken oder Säulen, Rollen oder Pergamenten,
die sie in ihre Gewalt
bekommen konnten, wenn sie nur das Symbol des Tau oder
irgend ein anderes
Zeichen trugen, das der neue Glaube geborgt und sich
angeeignet hatte - und
man wird klar einsehen, wieso es kommt, daß so wenig
von den Aufzeichnungen
der Vergangenheit übriggeblieben ist. Fürwahr, die
feindlichen Geister des
_2 (13 of 20)27
Fanatismus, im frühen und mittelalterlichen
Christentum und im Islam, liebten es
von Anbeginn, in Dunkelheit und Unwissenheit zu
wollnen; und beide machten
„ .. die Sonne wie Blut, die
Erde zum Grab,
das Grab zur Hölle, die Hölle
noch finstrer und
trüber!“
Beide Glaubensbekenntnisse
gewannen ihre Proselyten mit der Spitze des
Schwertes, beide bauten ihre Kirchen auf zum Himmel
ragenden Hekatomben
menschlicher Schlachtopfer. Über dem Eingangsthore zum
ersten Jahrhundert
unserer Ära, erglühten unheilvoll die verhängnisvollen
Worte: „DAS KARMA VON
ISRAEL.“ Über den Portalen unseres eigenen mag der
zukünftige Seher andere
Worte erblicken, hindeutend auf das Karma infolge von
trügerisch erfundener
Geschichte, absichtlich verdrehten Ereignissen; und
von großen Charakteren, die
von der Nachwelt verleumdet, und zwischen den beiden
Karren des Jagannâtha
Bigotterie und Materialismus - zur Unkenntlichkeit
verstümmelt wurden, von denen
die eine zu viel annimmt, der andere alles ableugnet.
Weise ist der, der den
goldenen Mittelweg einhält. der an die ewige
Gerechtigkeit der Dinge glaubt.
Im Faizi Diwán, dem „Zeugen der wundervollen Reden
eines Freidenkers, der
tausend Sekten angehört,“ heißt es:
„In der Versammlung am Tage der Auferstehung, wenn
vergangene Dinge
vergeben werden, werden die Sünden der Ka’bah vergeben
werden, um des
Staubes der christlichen Kirchen willen.”
Darauf erwidert Prof. Max Müller:
„Die Sünden des Islam sind so wertlos wie der Staub
der Christenheit; am Tage
der
Auferstehung werden Muhammedaner sowie Christen die Eitelkeit ihrer
religiösen Lehren einsehen. Menschen kämpften der Religion halber auf Erden;
im Himmel werden sie herausfinden, daß es nur eine
wahre Religion giebt - die
Mit anderen Worten - „Es IST KEINE RELIGION (ODER
GESETZ) HÖHER ALS
DIE WAHRHEIT“ -- (SATYÂT NÂSTI PARO DHARMAH) -- das
Motto des
Mahârâjah von Benares, adoptiert von der
Theosophischen Gesellschaft.
Wie bereits in der Vorrede gesagt, ist die
GEHEIMLEHRE nicht - wie ursprünglich
beabsichtigt - eine Umänderung von „Isis
entschleiert”. Sie ist eher ein
erklärendes Buch dazu, und, obwohl vollständig
unabhängig von dem früheren
Werk, ein notwendiges Corollarium dazu. Vieles im
früheren Werk enthalten
_2 (14 of 20)27
Gewesene konnte schwerlich von den Theosophen jener
Tage verstanden
werden. DIE GEHEIMLEHRE will nun so manches Problem
beleuchten, das in
dem ersten Werk ungelöst geblieben ist, namentlich in
den einleitenden Seiten,
die niemals verstanden worden
sind.
In den beiden Bänden der Isis,
die sich einfach mit den Philosophieen innerhalb
unserer historischen Zeiten und
mit der diesbezüglichen Symbolik der
untergegangenen Nationen beschäftigten, konnte bloß
ein flüchtiger Blick auf das
Panorama des Occultismus geworfen werden. In dem
vorliegenden Werk wird
eine ins einzelne gehende Kosmogonie und die Evolution
der vier Rassen, die
unserer Menschheit der
fünften Rasse vorangingen, veröffentlicht, und nun
erklären zwei umfangreiche
Bände, was einzig auf der ersten Seite von Isis
entschleiert, sowie in einigen wenigen hie und da in dem Werke
verstreuten
Anspielungen, erwähnt wurde.
Auch konnte der weitläufige Katalog der
archaischen Wissenschaften in
den vorliegenden Bänden nicht in Angriff
genommen werden, bevor wir nicht so gewaltige Probleme
wie kosmische und
planetarische Evolution und die stufenweise
Entwickelung der geheimnisvollen
Menschheiten und Rassen, die unserer „adamischen“
Menschheit vorangegangen
sind, erledigt haben. Daher hat der gegenwärtige
Versuch, einige Geheimnisse
der esoterischen Philosophie zu erklären, in Wahrheit
nichts mit dem früheren
Werk zu thun.
Es möge der Schreiberin erlaubt sein, das Gesagte
durch ein Beispiel zu erläutern.
Band I der Isis beginnt mit der Bezugnahme auf
„ein altes Buch”:
„so sehr alt, daß unsere modernen Altertumsforscher
eine unbegrenzte Zeit
über seinen Blättern nachsinnen könnten, und doch noch
nicht über die Natur
des Stoffes, auf den es geschrieben ist, übereinstimmen
würden. Es ist das
einzige noch existierende Originalexemplar. Das
älteste hebräische Dokument
über occulte Wissenschaft - die Siphrah Dzeniouta
wurde daraus kompiliert,
und zwar zu einer Zeit, als das frühere bereits in dem
Lichte einer litterarischen
Reliquie betrachtet wurde. Eine seiner Illustrationen
stellt die göttliche Essenz
ausgehend von ADAM10 dar, wie sie als leuchtender
Bogen fortschreitet, um
einen Kreis zu formen; und dann, nachdem er den
höchsten Punkt seines
Umkreises erreicht hat, neigt sich die
unaussprechliche Herrlichkeit wieder
abwärts, und kehrt zur Erde zurück, einen höheren
Typus der Menschheit in
ihrem Wirbel mit sich bringend. Je näher und näher sie
unserem Planeten
kommt, desto dunkler und dunkler wird die Emanation, bis
schließlich bei
Berührung des Bodens sie so schwarz wie die Nacht
ist.”
Das sehr alte Buch ist das Originalwerk, aus dem die
vielen Bände des Kiu-ti
kompiliert wurden. Nicht bloß die letzteren und die Siphrah
Dzeniouta, sondern
_2 (15 of 20)27
selbst der Sepher Jetzirah11, das Werk, das von
den hebräischen Kabbalisten
ihrem Patriarchen Abraham (!) zugeschrieben wird, das
Buch Shu-king, Chinas
ursprüngliche Bibel, die heiligen Bücher des
ägyptischen Thoth-Hermes, die
Purânen in
Indien, und das chaldäische Buch der Zahlen und der Pentateuch
selbst, sind alle von diesem kleinen ursprünglichen
Buch hergeleitet.
Die Überlieferung berichtet, es sei in Senzar niedergeschrieben
worden, in der
geheimen priesterlichen Sprache, nach den Worten der
göttlichen Wesen, welche
es den Söhnen des Lichtes diktierten, in Centralasien,
gerade am Anfange der
fünften (unserer) Rasse; denn es gab eine Zeit, da
seine Sprache (das Senzar)
den Initiierten aller Nationen bekannt war, als die
Voreltern der Tolteken sie
ebenso leicht verstanden als die Bewohner des
verlorenen Atlantis, welche sie
ihrerseits von den Weisen der dritten Rasse, den
Mânushis, ererbten, welche sie
direkt von den Devas der zweiten und ersten Rasss
lernten. Die Illustration, von
der in Isis die Rede ist, bezieht sich auf die
Evolution dieser Rassen und unserer
Menschheit der vierten und fünften Rasse in dem
Vaivasvata Manvantara oder
Runde; jede Runde ist zusammengesetzt aus dem Yugas
der sieben Perioden der
Menschheit; vier derselben sind nunmehr durchlaufen in
unserm Lebenscyklus,
der Mittelpunkt der fünften ist nahezu erreicht. Diese
Illustration ist symbolisch,
wie jedermann leicht einsehen kann, und durchläuft ihr
Gebiet von Anbeginn an.
Dieses alte Buch beschreibt die kosmische Evolution
und erklärt den Ursprung
von allem auf Erden, einschließlich den physischen
Menschen, giebt die wahre
Geschichte der Rassen von der ersten bis herab
zur fünften (unserer) Rasse, und
geht nicht weiter. Es schließt mit dem Anfange des
Kali Yuga gerade vor 4989
Jahren, beim Tode Krishnas, des
leuchtenden Sonnengottes, des einstmals
lebenden Helden und
Reformators.
Aber es existiert noch ein
anderes Buch. Keiner seiner Besitzer betrachtet es als
sehr alt, da es mit dem dunklen
Zeitalter geboren, ebenso alt ist als dieses,
nämlich ungefähr 5000 Jahre. In
von jetzt an ungefähr neun Jahren endet der
erste Cyklus der ersten fünf
Jahrtausende, der mit dem großen Cyklus des
Kaliyuga begann. Und dann wird die letzte
Prophezeiung, die in diesem Buch
(dem ersten Bande der prophetischen Aufzeichnung für
das schwarze Zeitalter)
enthalten ist, in Erfüllung gehen. Wir haben nicht
lange zu warten, und viele von
uns werden Zeugen sein des Heraufdämmerns des neuen
Cyklus, mit dessen
Ende nicht wenige Abrechnungen zwischen den Rassen
ausgeglichen und
geregelt sein werden. Band II der Prophezeiungen ist
nahezu fertig, nachdem er
seit der Zeit von Buddhas großem Nachfolger
Shankarâchârya in Vorbereitung
war.
Ein wichtigerer Punkt ist, zu
beachten, einer, der zuvorderst in der Reihe der für
_2 (16 of 20)27
die Existenz einer ursprünglichen, universellen
Weisheit gegebenen Beweise steht
·
zum mindesten für
die christlichen Kabbalisten und Schüler. Die Lehren waren,
wenigstens teilweise, verschiedenen Kirchenvätern
bekannt. Es wird, auf rein
historischer Grundlage, behauptet, daß Origenes,
Synesius, und sogar Clemens
Alexandrinus, selbst in die
Mysterien initiiert gewesen waren, bevor sie dem
Neuplatonismus der
Alexandrinischen Schule den der Gnostiker unter dem
christlichen Schleier
hinzufügten. Mehr als das: einige der Lehren der
Geheimschulen - obwohl durchaus nicht alle - wurden im
Vatikan aufbewahrt, und
wurden seither zu einem wesentlichen Bestandteil der
Mysterien, in der Gestalt
entstellter Zusätze, die von der lateinischen Kirche
zu dem ursprünglichen
christlichen Programm gemacht wurden. Ein solcher ist
das jetzt materialisierte
Dogma von der unbefleckten Empfängnis. Dies erklärt
die großen Verfolgungen,
die seitens der römisch-katholischen Kirche gegen
Occultismus, Freimaurerei und
heterodoxen Mysticismus im allgemeinen in Bewegung
gesetzt wurden.
Die Tage Konstantins waren der letzte Wendepunkt in
der Geschichte, die Periode
des höchsten Kampfes, der in der westlichen Welt damit
endete, daß die alten
Religionen zu Gunsten einer neuen, auf ihren eigenen
Leibern aufgerichteten,
erdrosselt wurden. Von damals an wurde der Ausblick in
die weit entfernte
Vergangenheit, jenseits der Sintflut und dem Garten
Eden, gewaltsam und
unbarmherzig mit allen erlaubten und unerlaubten
Mitteln dem indiskreten Blick
der Nachwelt verschlossen. Jeder Ausweg wurde
versperrt, jede erreichbare
Aufzeichnung zerstört. Aber genug bleibt noch übrig,
selbst unter so
verstümmelten Aufzeichnungen, um uns zu rechtfertigen,
wenn wir behaupten,
daß in ihnen jede mögliche Gewißheit von dem
thatsächlichen Bestande einer
Ursprungslehre enthalten ist. Bruchstücke haben
geologische und politische
Umwälzungen überlebt, um die Geschichte zu erzählen;
und jedes überlebende
giebt den Beweis, daß die jetzt geheime Weisheit
einstens der eine Brunnen, die
immerfliessende ununterbrochene Quelle war, aus der
alle die kleinen Ströme -
die späteren Religionen aller Nationen - vom ersten
bis zum letzten gespeist
wurden. Diese Periode, mit Buddha und Pythagoras als
dem einen und mit den
Neuplatonikern und Gnostikern als dem andern
Endpunkte, ist der einzige in der
Geschichte übrig gelassene Brennpunkt, in dem zum
letzten Male die glänzenden
Strahlen des vergangenen Äonen entströmenden Lichtes
sich sammeln,
unverdunkelt von der Hand von Bigotterie und
Fanatismus.
Dies erklärt die Notwendigkeit, unter der die
Schreiberin sich abmühte, immer die
aus der grauesten Vergangenheit mitgeteilten
Thatsachen durch der historischen
Periode entnommene Zeugnisse zu erläutern, selbst auf
die Gefahr hin, wiederum
des Mangels an Methode und System beschuldigt zu
werden. Keine andern Mittel
_2 (17 of 20)27
waren zur Hand. Das Publikum muß bekannt gemacht
werden mit den
Anstrengungen vieler Weltadepten, initiierter Dichter
und klassischer Schriftsteller
eines jeden Zeitalters, in den Urkunden der Menschheit
wenigstens die Kenntnis
von dem Bestande einer solchen Philosophie, wenn schon
nicht thatsächlich die
von ihren Lehrsätzen, zu erhalten.
Die Initiierten von 1888 würden in der That
unverständlich und selbst eine
anscheinend unmögliche Fabel bleiben, würde nicht
gezeigt, daß gleiche lnitiierte
in jedem andern Zeitalter der Geschichte gelebt haben.
Dies könnte bloß
geschehen durch Anführung von Kapitel und Vers, wo
sich diese großen
Charaktere erwähnt finden, denen eine lange und
unbegrenzbare Reihe anderer
berühmter antediluvianischer und postdiluvianischer
Meister in den Künsten
voranging und folgte. So allein könnte, auf halb
traditioneller und halb historischer
Grundlage, gezeigt werden, daß die Kenntnis des
Occulten und die Kräfte, die sie
dem Menschen verleiht, nicht alles miteinander
Erdichtungen sind, sondern daß
sie so alt sind als die Welt selbst. Meinen Richtern,
ergangenen und zukünftigen -
seien sie nun ernste litterarische Kritiker, oder jene
heulenden Derwische der
Litteratur, die ein Buch nach der Popularität oder
Unpopularität des Namens
seines Verfassers beurteilen, die, kaum einen Blick
auf seinen Inhalt werfend, wie
todbringende Bacillen sich auf die schwächsten
Punkte der Körper stürzen - habe
ich daher nichts zu sagen. Noch will ich mich
herbeilassen, jene - glücklicherweise
sehr wenig zahlreichen - verrückten Verleumder zu
beachten, welche in der
Hoffnung, die öffentliche Aufmerksamkeit dadurch auf
sich zu ziehen, daß sie
jeden Schriftsteller, dessen
Name besser bekannt ist als ihr eigener,
verunglimpfen, bei seinem
bloßen Schatten schäumen und kläffen. Nachdem
diese zuerst Jahre lang
behauptet hatten, daß die Lehren, die im Theosophist
vorgetragen wurden, und die im esoterischen Buddhismus
gipfelten, alle von der
gegenwärtigen Schreiberin erfunden worden sein,
kehrten sie schließlich ihren
Standpunkt um, und denunzierten Isis entschleiert und
das Übrige als ein Plagiat
aus Éliphas Lévi (!), Paracelsus (!!) und mirabile
dictu, aus Buddhismus und
Brâhmanismus (!!!). Ebensogut könnte man Renan
beschuldigen, seine Vie de
Jésus aus
den Evangelien gestohlen zu haben, und Max Müller seine „heiligen
Bücher des Ostens“ oder seine „Splitter” aus den Philosophieen der Brâhmanen
oder Gautamas, des Buddhas. Dem Publikum im
allgemeinen und den Lesern der
GEHEIMLEHRE möchte ich wiederholen, was ich von jeher
betont habe und was
ich jetzt in die Worte Montaignes kleide:
Meine Herren,
„ich habe hier bloß aus gepflückten Blumen einen Strauß gemacht,
und nichts
eigenes hinzugefügt als den Faden, der sie verbindet.”
Reißt den „Faden” in Stücke und zerteilt ihn in
Schnitzel, wenn ihr wollt. Den
_2 (18 of 20)27
Strauß von Thatsachen werdet ihr niemals im Stande
sein zu beseitigen. Ihr könnt
sie bloß unbeachtet lassen, und nichts weiter.
Wir wollen schließen mit einem Abschiedswort
betreffend diesen ersten Band. In
einer Einleitung, die das Vorwort von Kapiteln bildet,
die hauptsächlich
Kosmogenie behandeln, mögen gewisse vorgebrachte Dinge
nicht am Platze
erscheinen, aber eine weitere Überlegung außer den
bereits mitgeteilten hat mich
dahin gebracht, sie zu berühren. Jeder Leser wird
unvermeidlich die gemachten
Behauptungen vom Standpunkt seiner eigenen Kenntnis,
Erfahrung und
Bewußtsein, gestützt auf das, was er bereits gelernt
hat, beurteilen.
Diesen Umstand muß sich die Schreiberin beständig vor
Augen halten: daher
auch die häufigen Bezugnahmen in diesem ersten Buch
auf Gegenstände, welche
genau genommen in einen späteren Teil dieses Werkes gehören,
die aber nicht
mit Stillschweigen übergangen werden konnten, wenn
anders nicht der Leser
thatsächlich auf dieses Werk wie auf ein Feeenmärchen,
auf eine Ausgeburt
irgend eines modernen Gehirns, blicken sollte.
So soll das Vergangene helfen, das Gegenwärtige zu
realisieren, und dasletztere,
das Vergangene besser zu würdigen. Die Irrtümer des
Tages müssen erklärt und
hinweggespült werden, doch ist es mehr als
wahrscheinlich - undreicht im
gegenwärtigen Fall an Gewißheit - daß wieder einmal
das Zeugnislanger Zeitalter
und der Geschichte auf niemand sonst als auf den sehr
Intuitiven einen Eindruck
machen wird - was so viel heißt, als auf sehr wenige.
Aber in diesem, wie in allen
ähnlichen Fällen, mögen sich die Wahren und dieGläubigen
damit trösten, daß sie
den skeptischen modernen Sadducäer mit dem
mathematischen Beweis und
Denkmal seiner verstockten Halsstarrigkeit und
Bigotterie beschenken. Irgendwo
in den Archiven der französischen Akademie liegt noch
das berühmte Gesetz der
Wahrscheinlichkeiten, von gewissen Mathe-matikern zum
Nutzen der Skeptiker
nach einem algebraischen Prozeß ausge-arbeitet. Der
Gedankengang ist
folgender: wenn zwei Personen eine Thatsache bezeugen
und damit jeder von
ihnen derselben 5/6 Gewißheit verleiht, so ist die
Gewißheit dieser Thatsache
sodann 35/36, das heißt, die Wahrscheinlichkeit davon
verhält sich zur
Unwahrscheinlichkeit wie 35 zu 1. Drei solche
Zeugnisse zusammen geben eine
Gewißheit von 215/216. Das Übereinstimmen von zehn
Personen, von denen jede
eine Gewißheit von ½ giebt, erzeugt eine Gewißheit von
1023/1024 etc. etc. Der
Occultist möge sich eine solche Gewißheit genügen
lassen, und nicht weiter
besorgt sein.
_2 (19 of 20)27
2) Op. cit., p. 119.
3) Op. cit., p. 318.
4) Asiatic Researches, I, 272.
5) Siehe Max Müller, op. cit.,
p 288ff. Dies bezieht sich auf die geschickte
Fälschung (auf Blättern, die in alte purânische
Manuskripte eingefügt wurden), in
korrektem und archaischem Sanskrit, mit allem, was die
Pundits von Oberst
Wilford über Adam und Abraham, Noah und seine drei
Söhne u. s. w., gehört
hatten.
6) Aus einem Vortrage von N. M. Prjevalsky.
7) Lün-Yü (§ 1a); Schott, Chinesische Litteratur,
p. 7; citiert von Max Müller.
9) Op. cit. p. 257.
10) Der Name ist in dem Sinne
des griechischen Wortes (korrekter Abdruck im
Buch) gebraucht.
11) Rabbi Jehoshua Ben
Chananea, welcher ungefähr 72 n. Chr. starb, erklärte
offen, daß er “Wunder” mit
Hilfe des Buches Sepher Jetzirah gewirkt habe, und
forderte jeden Zweifler heraus. Franck, indem er den
babylonischen Talmud citiert,
nennt zwei andere Thaumaturgen, die Rabbis Chanina und
Oshoi, (Siehe
Jerusalem Talmud Sanhedrin cap. 7 etc.; und Franck, Die Kabbalah, pp. 55,
56.)
Viele der mittelalterlichen Occultisten, Alchemisten
und Kabbalisten behaupteten
dasselbe; und selbst der verstorbene moderne Magus,
Éliphas Lévi, erklärt es
öffentlich in seinen Büchern über Magie.
_2 (20 of 20)27.Vorwort
Vorwort.
Ein archaisches Manuskript - eine Sammlung von
Palmblättern, durch ein
besonderes unbekanntes Verfahren für Wasser, Feuer und
Luft undurchdringlich
gemacht - befindet sich vor dem Auge der Schreiberin.
Auf der ersten Seite ist
eine fleckenlose weiße Scheibe, auf einem stumpfen,
schwarzen Grunde. Auf der
folgenden Seite dieselbe Scheibe, aber mit einem Punkt
in der Mitte. Die erste, so
weiß der Schüler, bedeutet den Kosmos in der Ewigkeit,
vor dem Wiedererwachen
der noch schlummernden Energie, der Emanation des
Wortes in späteren
Systemen. Der Punkt in der vorher fleckenlosen
Scheibe, dem Raume und der
Ewigkeit in Pralaya, bezeichnet das Herandämmern der
Differentiation. Er ist der
Punkt in dem Weltenei, dessen Keim zum Universum, zum
All, zum
schrankenlosen, periodischen Kosmos werden wird - ein
Keim, der periodisch und
abwechselnd latent und aktiv ist. Der eine Kreis ist
göttliche Einheit, aus der alles
hervorgeht, in die alles zurückkehrt: Sein Umfang ein
gezwungenermaßen
beschränktes Symbol, mit Rücksicht auf die
Beschränktheit des menschlichen
Gemütes -bedeutet die abstrakte, immer unerkennbare
GEGENWART und seine
Ebene die Universalseele, wenn auch die beiden eins
sind. Daß bloß die Fläche
der Scheibe weiß und der Grund ringsherum schwarz ist,
zeigt klar, daß ihre
Ebene die einzige Erkenntnis ist, die, obgleich sie
noch undeutlich und nebelhaft
ist, vom Menschen erreicht werden kann. Dies ist die
Ebene, auf der die
manvantarischen Manifestationen beginnen, denn diese
SEELE ist es, in der
während Pralaya, der göttliche Gedanke1 schlummert,
worin der Plan jeder
zukünftigen Kosmogenie und Theogenie verborgen liegt.
Das ist das EINE LEBEN, ewig, unsichtbar, doch
allgegenwärtig, ohne Anfang
oder Ende, doch periodisch in seinen regelmäßigen
Manifestationen - zwischen
welchen Perioden das dunkle Geheimnis des Nichtseins
herrscht; unbewußt, doch
absolutes Bewußtsein; unrealisierbar, doch die eine
selbstexistierende Realität;
fürwahr „ein Chaos für den Sinn, ein Kosmos für die
Vernunft”. Sein einziges
absolutes Attribut, welches ES SELBST ist, ewige,
unaufhörliche Bewegung, wird
in esoterischer Sprache der große Atem2 genannt, das
ist die beständige
Bewegung des Weltalls, im Sinne von unbegrenztem,
allgegenwärtigem Raum.
Was bewegungslos ist, kann nicht göttlich sein. Aber
da ist auch nichts
thatsächlich und wirklich Bewegungsloses innerhalb der
Universalseele. Nahezu
fünf Jahrhunderte v. Chr. behauptete Leucippus, der
Lehrer des Demokritus, daß
der Raum von Ewigkeit mit Atomen erfüllt sei, durch
unaufhörliche Bewegung in
_1 (1 of 2)27.Vorwort
Thätigkeit gesetzt, welch letztere im entsprechenden
Verlauf der Zeit, wenn diese
Atome sich zusammenhäufen, Rotationsbewegung, und
durch gegenseitige
Zusammenstöße seitliche Bewegung hervorbringt. Epikur
und Lukretius lehrten
dasselbe, nur fügten sie zur seitlichen Bewegung der
Atome die Idee der Affinität -
eine occulte Lehre. -1)
Es ist schwerlich nötig, den Leser nochmals daran zu
erinnern, daß der
Ausdruck „göttlicher Gedanke“ ebenso wenig als der vom
„Universalen Gemüth“
auch nur beiläufig einen intellektuellen Vorgang,
verwandt mit solchen, wie der
Mensch sie bietet, darstellt. Das „Unbewußte”, nach v.
Hartmann, gelangte zu
dem weiten Schöpfungs- -oder vielmehr Evolutionsplan „durch
eine hellsehende
Weisheit, höher als alles Bewußtsein”, was in der
Vedântasprache absolute
Weisheit heißen würde. Nur jene, welche es an sich
selbst erfahren, wie hoch
Intuition sich über die langsamen Prozesse des
schlußweisen Denkens
emporschwingt, können sich eine ganz schwache
Vorstellung von dieser
absoluten Weisheit machen, die die Ideen von Zeit und
Raum überschreitet.
Gemüt, wie wir es kennen, ist auflösbar in
Bewußtseinszustände von
verschiedener Dauer, Stärke, Zusammengesetztheit u. s.
w., die alle schließlich
auf Empfindung beruhen, welche hinwiederum Mâjâ ist.
Empfindung setzt
hinwiederum notwendigerweise Beschränkung voraus. Der
persönliche Gott des
orthodoxen Theismus nimmt wahr, denkt und wird durch
Gemütsbewegungen
beeinflußt; er bereut und fühlt „grimmigen Zorn”. Aber
der Begriff solcher
Gemütszustände involviert offenbar das undenkbare
Postulat der Externalität der
erregenden Reize; nicht zu sprechen von der
Unmöglichkeit, Unveränderlichkeit
einem Wesen zuzuschreiben, dessen Gemütsbewegungen mit
den Ereignissen m
den von ihm geleiteten Welten schwanken. Die
Vorstellungen von einem
persönlichen Gott als unveränderlich und unbegrenzt
sind also unpsychologisch
und, was schlimmer ist, unphilosophisch.
2) Plato erweist sich als Initiierten, wenn er in
Kratylos sagt, daß [im Buch
nachzulesen]
von [im Buch nachzulesen] „sich bewegen”, „laufen” abgeleitet ist,
indem die ersten Astronomen, welche die Bewegungen der
Himmelskörper
beobachteten, die Planeten [im Buch nachzulesen],
die Götter, nannten. Später
brachte das Wort einen anderen Ausdruck - [im Buch
nachzulesen] - der Atem
_1 (2 of 2)27.Vorwort
Vom Anbeginn des Erbteiles des Menschen, von dem
ersten Erscheinen der
Erbauer der Kugel, auf der er lebt, an, wurde die ungeoffenbarte
Gottheit erkannt
und betrachtet unter ihrem einzigen philosophischen
Aspekt, als universale
Bewegung, als der Schauer des schöpferischen Atem in
der Natur. Der
Occultismus faßt die eine Existenz folgendermaßen
zusammen:
„Gottheit ist
ein geheimes, lebendes (oder sich bewegendes) Feuer, und die
ewigen Zeugen
dieser ungesehenen Gegenwart sind Licht, Wärme, Feuchtigkeit”
·
eine Dreiheit,
die jede Erscheinung in der Natur in sich schließt und verursacht.1
Intrakosmische Bewegung ist ewig und unaufhörlich;
kosmische Bewegung - die
sichtbare oder die der Wahrnehmung unterworfene - ist
endlich und periodisch.
Als eine ewige Abstraktion ist sie das
Ewig—Gegenwärtige; als eine Manifestation,
ist sie sowohl in Richtung der Zukunft als in der der
Vergangenheit endlich, und
die beiden sind das Alpha und
Omega der aufeinanderfolgenden
Rekonstruktionen. Kosmos -
als Ding an sich - hat nichts mit den kausalen
Beziehungen der phänomenalen
Welt zu thun. Bloß mit Bezug auf die
intrakosmische Seele, den idealen Kosmos in dem
unveränderlichen göttlichen
Gedanken, können wir sagen: „Sie hatte niemals einen
Anfang noch wird sie ein
Ende haben.” Mit Bezug auf ihren Körper oder auf
kosmische Organisation kann
zwar nicht gesagt werden., es sei ein erstes
Weltgebäude gewesen, oder werde je
ein letztes geben, doch mag bei jedem neuen Manvantara
ihre Organisation als
die erste und letzte in ihrer Art betrachtet werden,
da sie jedesmal auf einer
höheren Ebene ins Dasein tritt .
Vor nur wenigen Jahren wurde gesagt:
„Die Geheimlehre lehrt, ebenso wie Buddhismus und
Brâhmanismus, und
selbst die Kabbala, daß eine unendliche und unbekannte
Wesenheit von aller
Ewigkeit her existiert, und in regelmäßiger und
harmonischer Aufeinanderfolge
entweder passiv oder aktiv ist. In der poetischen
Ausdrucksweise des Malau
werden diese Zustände die „Tage” und die „Nächte” des
Brahmâ genannt.
Letzterer ist entweder „wachend” oder „schlafend”. Die
Svâbhâvikas, oder
Philosophen der ältesten Schule des Buddhismus, die
noch in Nepaul existiert,
spekulieren bloß über den aktiven Zustand dieser
„Wesenheit”, von ihnen
Svabhâvat genannt, und halten es für närrisch, über
die abstrakte und
„unerkennbare” Macht in ihrem passiven Zustand
Theorieen aufzustellen.
Daher werden sie sowohl von den christlichen Theologen
als von den
modernen Wissenschaftern als Atheisten bezeichnet, da
keines von den beiden
im stande ist, die tiefsinnige Logik ihrer Philosophie
zu verstehen. Die ersteren
gestatten keinen anderen Gott als die personifizierten
sekundären Mächte,
_2 (1 of 5)28.Vorwort
welche das sichtbare Weltall ausgearbeitet haben, und
welche bei ihnen zu
dem anthropomorphischen Gott der Christen wurden - dem
männlichen
Jehovah, daherbrausend unter Donner und Blitz.
Andererseits wieder begrüßt
die rationalistische Wissenschaft die Buddhisten und
Svâbhâvikas als die
„Positivisten” der Urzeit.
Wenn wir die Philosophie der letzteren nur einseitig
betrachten, so mögen
unsere Materialisten in ihrer Art recht haben.
Die Buddhisten behaupten, daß es keinen Schöpfer giebt,
sondern nur eine
Unendlichkeit schöpferischer Kräfte, welche in ihrer
Gesamtheit die eine ewige
Substanz bilden, deren Wesen unerforschlich - mithin
kein Gegenstand der
Spekulation irgend eines wahren Philosophen sei.
Sokrates weigerte sich unwandelbar, das Geheimnis des
Universalwesens zu
erörtern, und doch hätte niemals jemand daran gedacht,
ihn des Atheismus zu
beschuldigen, ausgenommen jene,
die es auf seinen Untergang abgesehen
hatten.
Mit dem Beginne einer aktiven
Periode, sagt die Geheimlehre, geschieht nach
ewigem und unveränderlichem
Gesetze eine Ausdehnung dieser göttlichen
Wesenheit von außen nach innen
und von innen nach außen, und das
phänomenale oder sichtbare Universum ist die letzte
Wirkung der langen Kette
kosmischer Kräfte, die derart fortschreitend in
Bewegung gesetzt werden. Auf
gleiche Weise findet, wenn
der passive Zustand wieder beginnt, eine
Zusammenziehung der
göttlichen Wesenheit statt, und das vorausgegangene
Schöpfungswerk wird
allmählich und fortschreitend aufgelöst. Das sichtbare
Universum wird zersetzt, sein Material zerstreut, und
„Finsternis”, einsam und
allein, brütet wieder einmal über der Fläche der
„Tiefe”. Um ein Gleichnis der
Geheimbücher, welches diese Idee noch klarer machen wird,
anzuwenden, so
ruft ein Ausatmen der „unbekannten Wesenheit” die Welt
hervor, und ein
Einatmen läßt sie wieder verschwinden. Dieser Vorgang
fand statt seit aller
Ewigkeit. und unser gegenwärtiges Weltall ist bloß
eines in einer unendlichen
Diese Stelle wird, so weit als
möglich, in dem gegenwärtigen Werke erklärt
werden.
Obwohl sie, wie sie jetzt
vorliegt, nichts dem Orientalisten Neues enthält, so mag
doch ihre esoterische
Interpretation eine ziemliche Menge von dem westlichen
Schüler gänzlich unbekannt
Gebliebenem enthalten.
_2 (2 of 5)28.Vorwort
Die erste Zeichnung ist eine einfache Scheibe, [Symbolabbildung,
siehe Buch].
Die zweite in dem archaischen
Symbol zeigt eine Scheibe mit einem Punkt
darinnen, [Symbolabbildung,
siehe Buch] - die erste Differentiation in den
periodischen Manifestationen
der all-ewigen Natur, geschlechtsloses und
unendliches „Aditi in Tat”3, oder potentieller Raum im
abstrakten Raum. In seinem
dritten Zustand verwandelt sich der Punkt in einen
Durchmesser,
[Symbolabbildung, siehe Buch]. Dies symbolisiert nunmehr eine göttliche
unbefleckte Mutter-Natur innerhalb der allumfassenden
absoluten Unendlichkeit.
Wenn die Durchmesserlinie von einer vertikalen
durchkreuzt wird
[Symbolabbildung, siehe Buch], so wird es zum Weltenkreuz. Die Menschheit hat
ihre dritte Wurzelrasse erreicht; es ist das Zeichen
für den Beginn des Ursprungs
des menschlichen Lebens. Wenn der Umkreis verschwindet
und bloß ein
[Symbolabbildung, siehe Buch] zurückläßt, so ist dies ein Zeichen. daß der Fall
des Menschen in die Materie vollendet ist, und die
vierte Rasse beginnt. Das
Kreuz innerhalb des Kreises symbolisiert reinen
Pantheismus; wenn das Kreuz
unumschrieben gelassen wird, wird es phallisch. Es
hatte dieselbe und noch
andere Bedeutungen als ein Tau einem Kreis
eingeschrieben, [Symbolabbildung,
siehe Buch];oder
als ein „Thors Hammer”, - das sogenannte Jaina-Kreuz oder
einfach Svastika, in einem Kreise, [Symbolabbildung,
siehe Buch].
Das dritte Symbol - der Kreis durch die horizontale
Durchmesserlinie in zwei Teile
geteilt - bedeutete die erste Manifestation der
schöpferischen (doch passiven, weil
weiblichen) Natur. Die erste schattenhafte Vorstellung
vom Menschen in
Verbindung mit Zeugung ist weiblich, weil der Mensch
seine Mutter mehr als
seinen Vater kennt. Daher waren weibliche Gottheiten
geheiligter als männliche.
Die Natur ist daher weiblich, und bis zu einem
gewissen Grade objektiv und
fühlbar, und das geistige Prinzip, das sie befruchtet,
ist verborgen.4 Durch
Hinzufügung einer senkrechten Linie zu dem Kreise mit
der horizontalen Linie
darinnen entstand das Tau - [Symbolabbildung, siehe
Buch]. - die älteste Form
des Buchstaben. Es war die Glyphe der dritten
Wurzelrasse bis zum Tage ihres
symbolischen Falles - d. i. als die Trennung der
Geschlechter infolge natürlicher
Evolution stattfand - wo die Figur [Symbolabbildung,
siehe Buch] wurde, oder das
geschlechtslose Leben modifiziert oder getrennt - eine
doppelte Glyphe oder
Symbol. Mit den Unterrassen unserer fünften Rasse
wurde es in der Symbologie
Sacr’, und im Hebräischen N’cabvah, der
zuerstgebildeten Rassen5; dann
veränderte es sich in das ägyptische Emblem des
Lebens, [Symbolabbildung,
siehe Buch],
und noch später in das Zeichen der Venus, [Symbolabbildung, siehe
Buch]. Dann
kommt der Svastika (Thors Hammer, jetzt das „hermetische Kreuz”);
gänzlich getrennt von seinem Kreise, somit rein
phallisch werdend. Das
esoterische Symbol des Kaliyuga ist der fünfzackige
Stern umgekehrt, mit seinen
_2 (3 of 5)28.Vorwort
zwei Spitzen (Hörnern) himmelwärts gekehrt, somit [Symbolabbildung,
siehe
Buch], das
Zeichen der menschlichen Zauberei, eine Lage, die jeder Occultist als
eine der „linken Hand”, und in ceremonieller Magie
gebraucht, erkennen wird.
1)Nominalisten, die mit Berkeley schließen: “es sei
unmöglich .die abstrakte
Idee einer Bewegung getrennt Ton dem sich bewegenden
Körper zu bilden
(“Principles of Human Knowledge, Einleitung, §
10), mögen die Frage aufwerfen:
“Was ist der Körper, der diese Bewegung erzeugt? Ist
es eine Substanz? Dann
glaubt ihr an einen persönlichen Gott”. etc. etc. Dies
wird später beantwortet
werden, in einem weiteren Teil dieses Werkes;
unterdessen beanspruchen wir
unsere Rechte als Konzeptualisten gegen Roscelinis
materialistische Ansichten
von Realismus und Nominalismus. “Hat die
Wissenschaft”, sagt einer ihrer
fähigsten Vertreter, Edward Clodd, “irgend etwas
aufgedeckt, was die alten Worte
entkräftet oder widerlegt, in welchen das Wesen einer
jeden Religion der
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft enthalten ist:
handle recht, liebe das
Mitleid, wandle in Demut vor deinem Gott?” Wir stimmen
dem zu, vorausgesetzt,
daß wir mit dem Worte Gott nicht den rohen
Anthropomorphismus bezeichnen,
der noch immer das Rückgrat unserer landläufigen
Theologie bildet, sondern die
symbolische Vorstellung von dem, was Leben und
Bewegung des Weltalls ist,
welches zu kennen in physischer Hinsicht Kenntnis der
Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft in der Existenz der
Aufeinanderfolge der Phänomene;
welches zu kennen in moralischer Hinsicht Kenntnis des
Gewesenen, Seienden
und Seinwerdenden innerhalb des menschlichen
Bewußtseins ist. (Siehe “Science
and the Emotions”, ein Vortrag gehalten zu South Place Chapel,
Finsbury,
London, 27. Dezember 1885.)
2) Isis Unveiled, II,
264-5.
3) Rig Veda.
4) Westliche Mathematiker und
einige amerikanische Kabbalisten sagen uns, daß
in der Kabalah auch “der
Wert des Jehovahnamens der des Durchmessers in
einem Kreise ist.” Füge zu
dieser Thatsache, daß Jehovah die dritte der
Sephiroth, Binah, ist,
ein weibliches Wort, so hast du den Schlüssel zu dem
Geheimnis. Durch gewisse kabbalistische
Transformationen wird dieser Name,
der in den ersten Kapiteln der Genesis androgyn
ist, in seinen Umänderungen
gänzlich männlich, kainitisch und phallisch. Die
Thatsache, eine Gottheit unter den
heidnischen Göttern auszuwählen und einen speziellen
Nationalgott daraus zu
machen, ihn als den “Einen lebenden Gott”, den “Gott
der Götter” anzurufen. und
_2 (4 of 5)28.Vorwort
dann diesen Dienst als monotheistisch zu proklamieren,
verändert sie noch nicht
in das EINE Prinzip, dessen “Einheit weder
Vervielfältigung, noch Wandel oder
Form gestattet,” besonders
nicht in dem Falle einer priapischen Gottheit, als
welche Jehovah nunmehr
erwiesen ist.
5) Siehe das bedeutsame Werk “The
Source of Measures”, in welchem der
Verfasser die wahre Bedeutung des Wortes “Sacr´”
erklärt, von dem “sacriert”,
Sacrament” abgeleitet sind, die jetzt mit “Heiligkeit”
synonym geworden sind,
obwohl rein phallisch!
_2 (5 of 5)28.Vorwort
Man hofft, daß während des Durchlesens dieses Werkes
die irrtümlichen Ideen
des Publikums im allgemeinen hinsichtlich des
Pantheismus werden modifiziert
werden.
Es ist falsch und ungerecht,
die Buddhisten und Advaita Occultisten als Atheisten
zu betrachten.
Wenn auch nicht alle Philosophen, so sind sie doch auf
jeden Fall alle Logiker,
indem ihre Einwürfe und Beweise auf strengen
Vernunftschlüssen beruhen.
In der That, wenn man das Parabrahman der Hindûs für
einen Repräsentanten
der verborgenen und namenlosen Gottheiten der anderen
Nationen annehmen
will, so wird man finden, daß dieses absolute Prinzip
das Urbild ist, dem alle
anderen nachgeformt sind. Parabrahman ist nicht
„Gott”; denn es ist nicht ein
Gott. Es ist das, was das Oberste und nicht Oberste
(paravara) ist”1. Es ist
„Oberstes” als Ursache, nicht Oberstes als Wirkung.
Parabrahman ist einfach, als
eine zweitlose Realität, der allumfassende Kosmos -
oder vielmehr der unendliche
kosmische Raum - im höchsten geistigen Sinne
natürlich. Brahman (neutrum) als
die wandellose, reine, freie, unzerstörbare oberste
Wurzel, „die Eine wahre
Existenz, Paramârthika”, und das absolute Chit und
Chaitanya (Intelligenz,
Bewußtsein) kann kein Erkenner sein, „denn TAT kann
keinen Gegenstand der
Erkenntnis haben”. Kann die Flamme die Wesenheit des
Feuers genannt werden?
Diese Wesenheit ist „das Leben und Licht des
Universums, das sichtbare Feuer
und die Flamme sind Zerstörung, Tod und Übel”. „Feuer
und Flamme zerstören
den Körper eines Arhat, ihre Wesenheit macht ihn
unsterblich.“2 „Die Erkenntnis
des absoluten Geistes ist, wie der Glanz der Sonne,
oder wie die Hitze im Feuer,
nichts anderes als die absolute Wesenheit selbst,”
sagt Shankarâchârya. ES - ist
„der Geist des Feuers“, nicht das Feuer selbst; daher
„sind die Attribute des
letzteren, Hitze oder Flamme, nicht die Attribute des
Geistes, sondern dessen, von
dem dieser Geist die unbewußte Ursache ist”. Ist nicht
obiger Satz der echte
Grundton der späteren Rosenkreuzerphilosopie?
Parabrahman ist, kurz gesagt,
das kollektive Aggregat des Kosmos in seiner
Unendlichkeit und Ewigkeit, das
„TAT” und „DIESES“ auf das distributive Aggregate
nicht bezogen werden
können3. „Im Anbeginne war DIESES das Selbst, eines
allein4; und der große
Shankarâchârya erklärt, daß sich ,,DIESES“ auf das
Universum (Jagat) bezieht,
und der Sinn der Worte „im Anbeginne” bedeutet: vor
der Wiedererzeugung des
phänomenalen Universums.
Wenn daher die Pantheisten einen Wiederhall der
Upanishaden bilden, die
ebenso wie die Geheimlehre behaupten, das „dieses”
nicht erschaffen kann, so
_5 (1 of 3)28.Vorwort
leugnen sie nicht einen Schöpfer, oder vielmehr ein
kollektives Aggregat von
Schöpfern, sondern sie weigern sich bloß sehr logisch,
„Erschaffung” und speziell
Gestaltung - etwas Begrenztes
- einem unbegrenzten Prinzipe zuzuschreiben.
Ihnen ist Parabrahman eine
passive weil absolute Ursache, das unbedingte
Mukta. Bloß begrenzte
Allwissenheit und Allmacht wird dem letzteren
abgesprochen, weil das noch immer Attribute,
reflektiert in den menschlichen
Vorstellungen, sind; und weil
Parabrahman, als das höchste ALL, immer
unsichtbarer Geist und Seele
der Natur, wandellos und ewig, keine Attribute
haben kann; da der Ausdruck
Absolutheit ganz natürlich jede Idee des
Zusammenhanges mit dem Endlichen oder Bedingten
ausschließt. Und wenn der
Vedântist die Forderung aufstellt, daß Attribute bloß
seiner Emanation angehören,
die er Îshvara plus Mâyâ, und Avidyâ (Agnosticismus
und Nichtwissen vielmehr
als Unwissenheit) nennt, so ist es schwer, irgend
welchen Atheismus in dieser
Vorstellung zu finden5.
Nachdem es weder zwei
Unendliche noch zwei Absolute geben kann, in einem
Universum, das als grenzenlos
angenommen wird, so kann diese Selbstexistenz
schwerlich als schöpferische
Persönlichkeit aufgefaßt werden.
In den Sinnen und der Vorstellung endlicher Wesen ist
TAT Nichtwesen, in dem
Sinne, daß es die Eine Wesen—heit ist; denn in diesem
ALL liegt verborgen seine
gleichewige und gleichalterige Emanation oder oder
inhärente Ausstrahlung,
welche, periodisch Brahmâ (die männlich-weibliche
Potenz) werdend, sich zum
geoffenbarten Weltall ausdehnt. „Der sich auf den
(abstrakten) Wassern des
Raumes bewegende Nârâyana” wird in die von ihm
bewegten Wasser der
konkreten Substanz verwandelt, und wird nun zum
geoffenbarten Wort oder Logos.
1) Mândûkya Upanishad, I. 28.
2) Bodhimür, Buch II.
3) Siehe Vedânta Sâra,
durch Major G. A. Jacob; ebenso The Aphorisms of
Shândilya, übersetzt von Cowell, p. 42.
4) Aitareya Upanishad.
5) Nichtsdestoweniger möchten
vorurteilsvolle oder vielmehr fanatische christliche
Orientalisten dies als reinen
Atheismus erweisen. Zum Beweise dessen vergleiche
man Major Jacobs Vedânta Sâra. Doch das ganze
Altertum wiederhallt den
Gedanken:
_5 (2 of 3)28.Vorwort
“Omnis enim per se divom natura
necesse est
Immortali aevo summa cum pace
fruatur”
in den Worten des Lucretius -
eine reine Vedântavorstellung.
_5 (3 of 3)28.Vorwort
Die orthodoxen Brâhminen, jene, die sich am meisten gegen
die Pantheisten und
Advaitis erheben, indem sie sie Atheisten nennen, sind
gezwungen, wenn anders
Manu irgend eine Autorität in dieser Sache hat, den
Tod des Brahmâ, des
Schöpfers, am Ende eines jeden Zeitalters seiner
Gottheit anzunehmen nach 100
göttlichen Jahren, einem Zeitraum, der zu seinem
Ausdruck in unsern Jahren eine
fünfzehnziffrige Zahl erfordert. Und doch wird kein
Philosoph unter ihnen diesen
„Tod” in irgend einem andern Sinne betrachten, als dem
eines zeitweisen
Verschwindens von der geoffenbarten Ebene der
Existenz, oder als ein
periodisches Ruhen.
Die Occultisten sind daher mit den Advaita
Vedânta-Philosophen in Bezug auf den
obigen Lehrsatz einig. Sie zeigen auf philosophischer
Grundlage die
Unmöglichkeit, die Idee zu acceptieren, daß das
absolute ALL das goldene Ei
erschaffe oder auch nur evolviere, in welches es, wie
es heißt, eintritt, um sich
selbst in Brahmâ, den Schöpfer, zu verwandeln, der
sich selbst später in die
Götter und all das sichtbare Universum ausdehnt. Sie
sagen, daß absolute Einheit
nicht in Unendlichkeit übergehen könne; denn
Unendlichkeit setzt die grenzenlose
Ausdehnung von etwas voraus, und die Dauer von
diesem „Etwas”; und das Eine
All ist - gleich dem Raume, der seine einzige geistige
und physische
Repräsentation auf dieser Erde, oder unserer
Existenzebene ist - weder Objekt
noch Subjekt der Wahrnehmung. Wenn man annehmen
könnte, daß das ewige
unendliche All, die allgegenwärtige Einheit, anstatt
in Ewigkeit zu sein, durch
periodische Manifestation ein mannigfaches Universum
oder eine vielfältige
Persönlichkeit werde, so würde diese Einheit aufhören,
eine zu sein. Lockes Idee,
daß „reiner Raum weder des Widerstandes noch der
Bewegung fähig sei” ist
inkorrekt. Raum ist weder eine „grenzenlose Leere”
noch eine „bedingt begrenzte
Völle”, sondern beides; indem er auf der Ebene der
absoluten Abstraktion die
ewig-unverkennbare Gottheit ist, leer bloß für
endliche Gemüter,1 und auf der der
mâyâvischen Wahrnehmung das Plenum, der absolute
Enthalter alles dessen,
was ist, sei es geoffenbart oder ungeoffenbart: er ist
daher dieses ABSOLUTE
Es ist kein Unterschied zwischen dem „in ihm leben wir
und bewegen wir uns und
haben wir unser Sein” des christlichen Apostels und
dem „das Universum lebt in,
geht hervor aus, und wird zurückkehren zu Brahmâ“ des
indischen Rishi: denn
Brahman (neutrum), das ungeoffenbarte, ist dieses
Universum in abscondito, und
Brahmâ, der geoffenbarte, ist der Logos,
männlich-weiblich2 gemacht in den
symbolischen orthodoxen Dogmen, indem der Gott des
Apostel-Initiierten und des
Rishi beides der ungesehene und der sichtbare Raum
sind. Raum wird in der
esoterischen Symbolik „das siebenhäutige ewige
Mutter-Vater” genannt. Er ist von
seiner undifferenzierten bis zu seiner differenzierten
Ebene aus sieben Schichten
_7 (1 of 6)29.Vorwort
zusammengesetzt.
„Was ist das, welches war, ist, und sein wird, ob da ein
Universum ist oder nicht, ob da Götter sind oder
nicht?” fragt der esoterische
Senzar Katechismus. Und die gegebene Antwort ist der -
„RAUM”.
Es ist nicht der eine unbekannte immer-gegenwärtige
Gott in der Natur, oder die
Natur in abscondito, was zurückgewiesen wird,
sondern der Gott des
menschlichen Dogmas und sein humanisiertes „Wort”.
In seinem grenzenlosen
Dünkel und ihm eigenen Stolz und Eitelkeit gestaltete
es der Mensch mit seiner
lästernden Hand aus dem Material, das er in seiner
eigenen kleinen
Gehirnwerkstätte vorfand, und zwang es seinen Genossen
auf als eine direkte
Offenbarung von dein einen unenthüllten RAUM3.
Der Occultist betrachtet Offenbarung als von
göttlichen aber doch noch endlichen
Wesen herrührend, von geoffenbarten Leben, niemals von
dem
unmanifestierbaren EINEN LEBEN; von jenen Wesenheiten,
die als Urmensch,
Dhyâni-Buddhas, oder Dhyân-Chohans, als Rishi-Prajâpati
der Hindûs, als Elohim
oder Söhne Gottes, als Planetengeister aller Nationen,
für die Menschen Götter
geworden sind. Er betrachtet auch die Âdi-Shakti, -
die direkte Emanation von
Mûlaprakriti, der ewigen Wurzel des TAT, und den
weiblichen Aspekt der
schöpferischen Ursache, Brahmâ, in ihrer âkâshischen
Form der Universalseele -
als philosophisch eine Mâyâ, und Ursache der
menschlichen Mâyâ. Aber diese
Betrachtungsweise hindert ihn nicht, an ihre Existenz
für so lange, als sie dauert,
zu glauben, nämlich für ein Mahâmanvantara; noch
daran, Âkâsha, die
Ausstrahlung von Mûlaprakriti4 zu praktischen Zwecken
zu verwenden, indem die
Weltseele mit allen natürlichen
Erscheinungen, seien sie der Wissenschaft
bekannt oder nicht, in
Zusammenhang steht.
Die ältesten Religionen der
Erde - exoterisch, denn die esoterische Wurzel oder
Grundlage ist eine einzige - sind die indische, die
altpersische, und die ägyptische.
Dann kommt die chaldäische, eine Sprosse von diesen,
jetzt der Welt gänzlich
verloren gegangenen bis auf ihren entstellten
Sabäanismus, wie derselbe jetzt von
den Archäologen beschrieben wird; dann kommt, wenn wir
eine Anzahl von
Religionen, die später erwähnt werden sollen,
übergehen, die jüdische, die
esoterisch, wie in der Kabalah, der Spur des
babylonischen Magismus folgt:
exoterisch, wie in der Genesis und dem Pentateuch
eine Sammlung allegorischer
Legenden ist.
Im Lichte des Zohar gelesen, sind die vier
ersten Kapitel der Genesis das
Fragment eines hochphilosophischen Blattes der
Weltkosmogonie.
_7 (2 of 6)29.Vorwort
In ihrer symbolischen Vermummung belassen sind sie ein
Ammenmärchen, ein
garstiger Dorn in der Seite der Wissenschaft und
Logik, eine offenbare Wirkung
Karmas. Es war eine grausame Rache von Seite der
Rabbiner, die besser
wußten, was ihr Pentateuch bedeutete, sie als
Prolog des Christentums dienen zu
lassen. Es war ein schweigender Protest gegen ihre
Beraubung, und die Juden
sind jetzt sicher besser daran als ihre traditionellen
Verfolger. Die obengenannten
exoterischen Glaubensarten werden im Lichte der
Universallehre erklärt werden,
so wie wir mit derselben vorwärtsschreiten. Der
occulte Katechismus enthält die
folgenden Fragen und Antworten:
Was ist das,
das immer ist? - Raum, das ewige Anupadaka (Elternlose). Was ist
das, das
immer war? - Der Keim in der Wurzel. Was ist das, das immer kommt
und geht? -
Der große Atem. Dann giebt es drei Ewige? - Nein, die drei sind eins.
Das, das
immer ist, ist eins; das, das immer war, ist eins; das, das immer seiend
und werdend
ist, ist auch eins: und dieses ist Raum.
Erkläre, o
Lanoo (Schüler). - Das Eine ist ein ungebrochener Kreis (Ring) ohne
Umfang, denn
es ist nirgends und überall; das Eine ist die grenzenlose Ebene des
Kreises, die
einen Durchmesser nur während der manvantarischen Perioden
aufweist; das
Eine ist der unteilbare Punkt, der nirgends gefunden und überall
empfunden
wird während jener Perioden; es ist die Vertikale und die Horizontale,
der Vater und
die Mutter, der Gipfel und die Basis des Vaters, die zwei Enden der
Mutter, in
Wirklichkeit nirgends hinreichend, denn das Eine ist der Ring sowohl als
auch die
Ringe, die in diesem Ring sind. Licht in der Dunkelheit und Dunkelheit im
Licht: der
„Atem, welcher ewig ist”. Es schreitet von außen nach innen, wenn es
überall ist,
und von innen nach außen wenn es nirgends ist - (d. i. Mâyâ5, eines
von den
Centren6). Es dehnt sich aus und zieht sich zusammen (Ausatmen und
Einatmen).
Wenn es sich ausdehnt, so verbreitet und zerstreut die Mutter; wenn
es sich
zusammenzieht, so zieht die Mutter zurück und sammelt ein. Dieses
bewirkt die
Perioden von Evolution und Dissolution. Manvantara und Pralaya. Der
Keim ist
unsichtbar und feurig; die Wurzel (die Ebene des Kreises) ist kühl; aber
während
Evolution und Manvantara ist ihr Gewand kalt und strahlend. Heißer
Atem ist der
Vater, der die Nachkommenschaft des vielgesichtigen (heterogenen)
Elementes
verschlingt und die eingesichtigen (homogenen) übrig läßt. Kalter Atem
ist die
Mutter die empfängt, formt, hervorbringt und sie wieder in ihren Busen
aufnimmt, um
sie bei der Dämmerung (des Tages von Brahmâ, oder des
Manvantara) neu zu formen.
1) Die bloßen Namen der beiden
Hauptgottheiten, Brahmâ und Vishnu, hätten
schon lange ihre esoterische
Bedeutung erkennen lassen sollen. Brahman oder
_7 (3 of 6)29.Vorwort
Brahm, wird von einigen von der Wurzel brih,
“wachsen” oder “sich ausdehnen”,
abgeleitet (siehe Calcutta Review, vol. LXVI,
p. 14); und Vishnu, von der Wurzel
vish, “durchdringen”,
“eintreten in die Natur der Wesenheit”; Brahmâ-Vishnu ist
somit der unendliche Raum, von welchem die Götter, die
Rishis, die Manus, und
alles in diesem Universum einfach Potenzen
(Vibhûtayah) sind.
2) Siehe Manus Bericht von Brahmâ, der seinen Körper
in Männliches und
weibliches teilt, letzteres die weibliche Vâch, in
welcher er Virâj erschafft, und
vergleiche diesen mit der Esoterik der Kapitel II, III
und IV der Genesis.zurück zum
3) Occultismus liegt in der That in der Luft am Schlusse
dieses unseres
Jahrhunderts. Unter vielen anderen kürzlich
erschienenen Werken möchten wir
besonders eines den Schülern des theoretischen
Occultismus, die sich nicht über
den Bereich unserer speziellen menschlichen Ebene
hinauswagen wollen,
empfehlen. Es heißt “New Aspects of Life and
Religion”, von Henry Pratt, M. D. Es
ist voll von esoterischen Dogmen und Philosophie,
letztere jedoch in den
Schlußkapiteln etwas beschränkt durch etwas, was ein
Geist voll bedingtem
Positivismus zu sein scheint. Nichtsdestoweniger
verdient das über den Raum als
“die unbekannte erste Ursache” gesagte, angeführt zu
werden.
“Dieses unbekannte Etwas, so anerkannt und
identifiziert als erste Verkörperung
einfacher Einheit, ist unsichtbar und unfühlbar” -
(wenn als abstrakter Raum:
zugegeben!); “und weil unsichtbar und unfühlbar, so
unerkennbar. “Und diese
Unerkennbarkeit verleitete zu dem Irrtum, es für eine
einfache Leere, eine bloße
Aufnahmsfähigkeit zu halten. Aber, selbst wenn man den
Raum als eine absolute
Leere betrachtet, muß man zugegeben, er sei entweder
selbstbestehend,
unendlich und ewig, oder er habe eine erste Ursache
außer, hinter oder über sich
selbst gehabt. Und doch, könnte eine solche Ursache
gefunden und bezeichnet
werden, so würde das nur dahin führen, die Attribute,
die sonst dem Raume
zukämen, auf diese zu übertragen, und so die
Schwierigkeit des
Ausgangspunktes einen Schritt weiter zurückzuwerfen,
ohne weiteres Licht
bezüglich der ersten Ursächlichkeit zu gewinnen.” (Op.
cit., p. 5.)
Dies ist genau das, was seitens der an einen
anthropomorphischen Schöpfer,
einen außerweltlichen anstatt an einen innerweltlichen
Gott Glaubenden
geschehen ist. Viele - ja die meisten von Herrn Pratts
Gegenständen, können wir
sagen - sind alte kabbalistische Ideen und Theorieen,
die er in einem ganz neuen
Gewande vorführt: fürwahr ,.Neue Aspekte” des Occulten
in der Natur. Raum
jedoch als eine substantielle Einheit - als lebendige
Quelle des Lebens betrachtet
·
ist als die
unbekannte unverursachte Ursache das älteste Dogma der
_7 (4 of 6)29.Vorwort
Geheimlehre, Jahrtausende älter als der Pater-Äther
der Griechen und Lateiner.
Das gleiche gilt von “Kraft und Stoff, als Potenzen
des Raumes untrennbar, und
die unbekannten Enthüller des Unbekannten.’” Sie alle
finden sich in der ârischen
Philosophie personifiziert als Vishvakarman, Indra,
Vishnu, etc., etc. Doch sind sie
in dem angeführten Werke sehr philosophisch und von
vielen ungewohnten
Standpunkten aus behandelt.
4) Im Gegensatz zum geoffenbarten stofflichen Universum
wird der Ausdruck
Mûlaprakriti (von mûla “Wurzel” und prakriti
“Natur”) oder der ungeoffenbarte
ursprüngliche Stoff - von den westlichen Alchemisten
Adams Erde genannt - von
den Vedântisten auf Parabrahman angewendet. Die
Materie ist zweifach nach der
religiösen Metaphysik, und siebenfach nach den
esoterischen Lehren, wie alles
übrige im Weltall. Als Mûlaprakriti ist sie
undifferenziert und ewig; als Vyakta wird
sie differenziert und bedingt, nach der Shvetâshvatara
Upanishad, I. 8, und Devî
Bhâgavata Purâna.
Der Verfasser der vier Vorlesungen über die Bhagavad Gîtâ
sagt, indem er von Mûlaprakriti spricht: “Von seinem
(des Logos) objektiven
Standpunkt aus erscheint ihm Parabrahman als
Mûlaprakriti ... Natürlich ist für ihn
diese Mûlaprakriti materiell, wie irgend ein
materielles Objekt für uns materiell ist...
Parabrahman ist eine unbedingte und absolute Realität,
und Mûlaprakriti ist eine
Art von darüber geworfenem Schleier.” (Theosophist,
Vol. VIII, p. 304; [deutsch in
5) Die esoterische Philosophie muß, indem sie jedes
endliche Ding als Mâjâ (oder
die Illusion aus
Unwissenheit) betrachtet, notwendigerweise jeden
intrakosimschen Planeten oder
Körper im selben Lichte sehen, da er etwas
Organisiertes, mithin
Endliches ist. Es bezieht sich daher der Ausdruck “es
schreitet von außen nach
innen, etc.” in dem ersten Teile des Satzes auf das
Herandämmern eines Mahâmanvantara, oder auf die große
Wiederevolution nach
einer der vollständigen periodischen Auflösungen von
jeder zusammengesetzten
Form in der Natur, vom Planeten bis zum Molekül, in
ihr letztes Wesen oder
Element; und in seinem zweiten Teile auf das partielle
oder lokale Manvantara,
welches ein solares oder selbst ein planetarisches
sein mag.
6) Unter Centrum ist ein Energiecentrum oder
kosmischer Brennpunkt verstanden;
wenn die sogenannte ,.Schöpfung” oder Formung eines
Planeten durch die Kraft,
die von den Occultisten als Leben und von der
Wissenschaft als Energie
bezeichnet wird, vollendet ist, so findet das
Fortschreiten von innen nach außen
statt, wie es heißt, daß jedes Atom in sich selbst
schöpferische Energie vom
göttlichen Atem enthält. Während somit nach einem
absoluten Pralaya, wenn das
_7 (5 of 6)29.Vorwort
vorherbestandene Material bloß aus Einem Element
bestellt, und der Atem
“überall ist”, der letztere von außen nach innen
wirkt: beginnen nach einem
kleineren Pralaya, in dem alles im statu quo geblieben
ist - in einem gefrorenen
Zustand, sozusagen, wie der Mond - beim ersten Wallen
des Manvantara, der
Planet oder die Planeten ihre Wiederauferstehung zum
Leben voll innen nach
außen.
_7 (6 of 6)29.Vorwort
Zum Zwecke eines klareren Verständnisses seitens des
gewöhnlichen Lesers
muß betont werden, daß die occulte Wissenschaft sieben
kosmische Elemente
kennt - vier vollständig körperlich, das fünfte
(Ether) halbmateriell, das gegen das
Ende unserer vierten Runde in der Luft sichtbar werden
wird, um als höchstes
über die anderen während der ganzen Dauer der fünften
zu herrschen. Die
übrigbleibenden zwei sind bis jetzt vollständig
außerhalb des Gebietes
menschlicher Wahrnehmung. Doch werden sie als
Vorahnungen während der
sechsten und siebenten Rasse dieser Runde auftauchen
und beziehungsweise
während der sechsten und siebenten Runde bekannt
werden.1
Diese sieben Elemente mit ihren zahllosen
Unterelementen, die viel zahlreicher
sind als jene der Wissenschaft bekannten, sind einfach
bedingte Modifikationen
und Aspekte des EINEN und einzigen Elementes. Dieses
letztere ist nicht Ether2,
nicht einmal Âkâsha, sondern die Quelle von
diesen.
Das fünfte Element, das jetzt von der Wissenschaft
ganz offen behauptet wird, ist
nicht der von Sir Isaak Newton hypothetisch
aufgestellte Ether - obwohl er es mit
diesem Namen benennt, wahrscheinlich in einer
Ideenassociation mit dem Äther,
„Vater - Mutter” des Altertums. So sagt Newton
intuitiv: „Die Natur wirkt in
beständigem Kreislauf, sie erzeugt Flüssiges aus
Festem, feste Dinge aus
flüchtigen und flüchtige aus festen, feine aus groben
und grobe aus feinen .
Der Leser hat sich vor Augen zu halten, daß die
gegebenen Strophen bloß die
Kosmogonie unseres eigenen Planetensystems und dessen,
was rund um
dasselbe sichtbar ist, nach einem solaren Pralaya,
behandeln. Die geheimen
Lehren in Bezug auf die Evolution des gesamten Kosmos
können nicht gegeben
werden, da sie selbst von den höchsten Geistern dieses
Zeitalters nicht
verstanden werden könnten, und es scheinen nur sehr
wenige Initiierte, selbst
unter den größten, zu sein,
denen es erlaubt ist, über diesen Gegenstand zu
spekulieren. Vielmehr sagen
die Lehrer offen, daß nicht einmal die höchsten
Dhyâni-Chohans jemals die
Geheimnisse jenseits jener Grenzen, die die
Milliarden von Sonnensystemen von der „Centralsonne”,
wie es genannt wird,
trennen, durchdrungen haben. Daher bezieht sich das
Veröffentlichte bloß auf
unseren sichtbaren Kosmos,
nach einer „Nacht des Brahmâ”.
Bevor der Leser zur
Betrachtung der Strophen aus dem Buche des Dzyan
übergeht, die die Grundlage
des vorliegenden Werkes bilden, ist es absolut
notwendig, daß er mit den wenigen fundamentalen
Begriffen, welche denn ganzen
Gedankensystem, zu dessen Beachtung er eingeladen ist,
zu Grunde liegen und
dasselbe durchdringen, bekannt gemacht wird. Diese
Grundideen sind nur wenige
an Zahl, aber von ihrem klaren Erfassen hängt das
Verständnis von allem
_0 (1 of 2)29.Vorwort
folgenden ab; es ist daher keine Entschuldigung nötig,
wenn wir den Leser bitten,
sich vorerst mit ihnen vertraut zu machen, bevor er an
die Durcharbeitung des
Werkes selbst geht.
1) Es ist interessant zu bemerken, wie sich nach den
Entwicklungscyklen der
Ideen alte Gedanken in moderner Spekulation
wiederzuspiegeln scheinen. Hat
Herr Herbert Spencer alte indische Philosophen gelesen
und studiert, als er eine
gewisse Stelle in seinen First Principles (p.
482) schrieb, oder ist es ein
selbständiges Aufblitzen innerer Anschauung, das ihn -
halb korrekt, halb inkorrekt
·
sagen ließ: “Da
sowohl Bewegung als Materie in Bezug auf Quantität
unveränderlich sind (?), so möchte es scheinen, daß,
wenn der Wechsel in der
Verteilung der Materie, der durch die Bewegung
verursacht wird, zu einer Grenze
kommt, in welcher Richtung sie auch fortbewegt worden
ist (?), sodann die
unzerstörbare Bewegung eine umgekehrte Verteilung
notwendig macht.
Augenscheinlich bewirken die allüberall zugleich
bestehenden Kräfte der
Anziehung und Abstoßung, welche, wie wir gesehen
haben, in allen kleineren
Veränderungen im Weltall Rhythmus notwendig erzeugen, auch
in der Gesamtheit
seiner Veränderungen mit Notwendigkeit einen Rhythmus
- sie bewirken jetzt eine
unmessbare Periode, während welcher die anziehenden
Kräfte vorwiegen und
eine allgemeine Zusammenziehung verursachen, und
hierauf eine unmessbare
Periode, während welcher die abstoßenden Kräfte
vorwiegen und eine allgemeine
Zerstreuung verursachen - abwechselnde Ären der
Evolution und Dissolution.”
2) Was immer die Ansichten der
Naturwissenschaft über diesen Gegenstand sein
mögen, die Geheimwissenschaft hat seit Zeitaltern
gelehrt, daß Âkâsha (dessen
gröbste Form der Ether ist) das fünfte universale
kosmische Prinzip - welchem das
menschliche Manas entspricht
und aus dem es hervorgeht - kosmisch eine
strahlende,kühle, diathermane
plastische Materie ist, schöpferisch in ihrer
physischen Natur, korrelativ
in ihren gröbsten Aspekten und Teilen,
unveränderlich in ihren höheren Bestandteilen. In
seinem schöpferischen Zustand
heißt er die Unter-Wurzel; und in Verbindung mit
strahlender Wärme erweckt er
“tote Welten zum Leben”. In seinem höheren Aspekt ist
er die Seele der Welt; in
seinem niederen der Zerstörer.
3) Hypoth. 1675.
_0 (2 of 2)29.Vorwort
Die Geheimlehre stellt drei fundamentale Sätze auf:
I. Ein allgegenwärtiges, ewiges, grenzenloses und
unveränderliches PRINZIP,
über das gar keine Spekulation möglich ist, da es die
Kraft menschlicher
Vorstellung übersteigt und durch irgend welche
menschliche Ausdrucksweise oder
Vergleich nur erniedrigt werden könnte. Es ist
jenseits von Raum und Reichen des
Gedankens - mit den Worten der Mândûkya „undenkbar und
unaussprechlich“.
Um sich diese Ideen klarer zu machen, möge der
gewöhnliche Leser von dem
Postulate ausgehen, daß eine absolute Realität ist,
welche allem geoffenbarten,
bedingten Sein vorangeht. Diese unendliche und ewige
Ursache - unklar formuliert
als das „Unbewußte” und „Unerkennbare” der
landläufigen europäischen
Philosophie - ist die wurzellose Wurzel von „allem was
war, ist, oder jemals sein
wird”. Sie ermangelt selbstverständlich aller
Attribute und ist ihrer Wesenheit nach
ohne irgendwelche Beziehung zu geoffenbartem endlichen
Sein. Sie ist „Seinheit”
vielmehr als Sein, im Sanskrit: Sat, und ist jenseits
alles Denkens oder
Spekulierens.
Diese Seinheit wird in der Geheimlehre unter zwei
Aspekten symbolisiert.
Einerseits als absoluter abstrakter Raum, zur
Darstellung reiner Subjektivität, als
das eine Ding, das kein menschliches Gemüt weder aus
irgend einer Vorstellung
ausschließen, noch sich durch sich selbst vorstellen
kann; anderseits als absolute
abstrakte Bewegung zur Darstellung unbedingten
Bewußtseins. Selbst unsere
westlichen Denker haben gezeigt, daß Bewußtsein frei
von Veränderung für uns
unbegreiflich ist, und daß Bewegung das zutreffendste
Symbol für Veränderung
ist, welche ja ihr wesentliches Charakteristikon
bildet. Dieser letztere Aspekt der
Einen Realität wird auch durch den Ausdruck „der große
Atem” symbolisiert, ein
hinlänglich anschauliches Sinnbild, als daß es noch
weiterer Erläuterung bedürfte.
So ist denn der erste fundamentale Satz der
Geheimlehre diese metaphysische
EINE ABSOLUTE SEINHEIT - von endlicher Intelligenz als
die theologische
Dreieinigkeit symbolisiert.
Es mag jedoch dem Schüler von
Nutzen sein, wenn einige weitere Erklärungen
hier gegeben werden.
Herbert Spencer hat neuerdings seinen Agnosticismus so
weit modifiziert, daß er
die Ansicht ausspricht, daß die Natur der „ersten
Ursache”1, die der Occultist mit
größerer Logik von der ursachlosen Ursache, dem
„Ewigen“ und dem
„Unerkennbaren” ableitet, im wesentlichen dieselbe
sein möge wie die des
_2 (1 of 8)30.Vorwort
Bewußtseins, welches in uns aufwogt; kurz, daß die den
Kosmos durchdringende
unpersönliche Realität der
Gedanke als reines Ding an sich sei.
Dieser Fortschritt
seinerseits bringt ihn sehr nahe der esoterischen und
vedântistischen Lehre.2
Parabrahman, die eine
Realität, das Absolute, ist das Feld des absoluten
Bewußtseins, d. i. die Wesenheit, welche außer
aller Beziehung zu bedingtem
Dasein steht, und von der bewußte Existenz ein
bedingtes Symbol ist. Sobald wir
aber in Gedanken von dieser (für uns) absoluten
Negation fortschreiten, taucht
Dualität auf in dem Gegensatze von Geist (oder
Bewußtsein) und Materie, von
Subjekt und Objekt.
Geist (oder Bewußtsein) und Materie dürfen jedoch
nicht als unabhängige
Wirklichkeiten betrachtet werden, sondern als die zwei
Symbole oder Aspekte des
Absoluten, Parabrahman, welche die Grundlage des
bedingten Seins, sei es
subjektiv, sei es objektiv, abgeben.
Betrachten wir diese
metaphysische Dreiheit als die Wurzel, aus der alle
Offenbarung hervorkommt, so
nimmt der große Atem den Charakter
präkosmischer Ideeenbildung
an. Er ist der fons et origo von Kraft und allem
individuellen Bewußtsein, und bietet die leitende
Intelligenz in dem weiten Plane
kosmischer Evolution. Anderseits ist präkosmische
Wurzelsubstanz (Mûlaprakriti)
der Aspekt des Absoluten, welcher allen objektiven
Ebenen der Natur zu Grunde
liegt.
Gerade so wie präkosmische Ideeenbildung die Wurzel
alles individuellen
Bewußtseins ist, so ist präkosmische Substanz die
Grundlage des Stoffes in
seinen verschiedenen Graden von Differentiation.
Es wird somit klar, daß der Gegensatz dieser zwei
Anschauungsweisen des
Unbedingten wesentlich für das Dasein des
geoffenbarten Weltalls ist. Getrennt
von kosmischer Substanz könnte sich kosmische
Ideeenbildung nicht als
individuelles Bewußtsein offenbaren, da dieses
Bewußtsein bloß mit Hilfe eines
materiellen Vehikels (upâdhi) als „Ich bin Ich”
hervorquillt, indem eine physische
Basis notwendig ist, um einen Strahl des
Universalgemütes bei einer gewissen
Stufe von Zusammengesetztheit zu fokussieren.
Hinwiederum würde kosmische
Substanz getrennt von kosmischer Ideation eine leere
Abstraktion bleiben, und
kein Auftauchen von Bewußtsein könnte sich ergeben.
_2 (2 of 8)30.Vorwort
Das geoffenbarte Weltall ist daher von Dualität
durchdrungen, die gewissermaßen
das wahre Wesen seiner EX—istenz als „Offenbarung”
ist. Aber gerade so, wie die
einander entgegengesetzten Pole Subjekt und Objekt,
Geist und Materie, bloß
Aspekte der Einen Einheit sind,
in der sie ihre Synthese finden. so ist es im
geoffenbarten Universum „tat“,
welches Geist mit Stoff, Subjekt mit Objekt,
verknüpft.
Dieses Etwas, das gegenwärtig
der westlichen Spekulation unbekannt ist, nennen
die Occultisten Fohat. Es ist
die „Brücke”, mittelst derer die im göttlichen
Gedanken existierenden Ideen
der kosmischen Substanz als die Naturgesetze
eingeprägt werden. Fohat ist
somit die dynamische Energie der kosmischen
Ideation; oder, von der andern Seite betrachtet, ist
es das intelligente Medium, die
lenkende Kraft in jeder Offenbarung, der durch die
Dhyân Chohans,3 die Bildner
der sichtbaren Welt, übertragene und geoffenbarte
göttliche Gedanke.
So kommt vom Geiste oder der kosmischen Ideation unser
Bewußtsein; von der
kosmischen Substanz kommen die verschiedenen Vehikeln,
in welchen dieses
Bewußtsein individualisiert wird und zum Selbst- oder
reflexiven Bewußtsein
gelangt; während Fohat in seinen verschiedenartigen
Manifestationen, das
geheimnisvolle Band zwischen Geist und Stoff bildet -
das jedes Atom zum Leben
elektrisierende beseelende Prinzip.
Die folgende Übersicht wird dem Leser eine klarere
Idee geben.
1. Das ABSOLUTE: das Parabrahman der Vedântisten oder
die eine Realität,
SAT, welche, wie Hegel sagt, zugleich absolutes Sein
und Nichtsein ist.
2.. Der erste Logos: der unpersönliche, und, in
der Philosophie, ungeoffenbarte
Logos, der Vorläufer des
geoffenbarten. Dies ist die „erste Ursache”, das
„Unbewußte” der europäischen
Pantheisten.
3. Der zweite Logos:
Geist-Stoff, Leben; der „Geist des Weltalls”, Purusha und
Prakriti.
4. Der dritte Logos:
Kosmische Ideation, Mahat oder Intelligenz, die universale
Weltseele; das kosmische Noumenon
der Materie, die Grundlage der intelligenten
Wirkungen in und seitens der
Natur, auch Mâha-Buddhi genannt.
Die EINE REALITÄT; ihre dualen
Aspekte in dem bedingten Universum.
Ferner behauptet die Geheimlehre:
II. Die Ewigkeit des Weltalls in toto als einer
grenzenlosen Ebene, die periodisch
_2 (3 of 8)30.Vorwort
„der Spielplatz ist von zahllosen unaufhörlich
erscheinenden und
verschwindenden Universen”, den sogenannten
„manifestierenden Sternen” und
„den Funken der Ewigkeit”. Die Ewigkeit des Pilgers4
ist wie ein Augenblitzen von
Selbstexistenz,”
wie das Buch des Dzyan sich ausdrückt. „Das Erscheinen und
Verschwinden von Welten ist wie regelmäßige Gezeiten
von Ebbe und Flut”.
Die zweite Behauptung der Geheimlehre ist also die
absolute Universalität jenes
Gesetzes der Periodicität, der Gezeiten, der Ebbe und
Flut, welches die
Naturwissenschaft auf allen Gebieten der Natur
beobachtet und aufgewiesen hat.
Ein Wechsel wie der von Tag und Nacht, Leben und Tod,
Schlaf und Wachen, ist
eine so allgemeine, so vollkommen universale und
ausnahmslose Thatsache, daß
es leicht zu verstehen ist, daß wir darin eines der
absolut fundamentalen Gesetze
des Weltalls sehen.
Ferner lehrt die Geheimlehre:
III. Die fundamentale Identität aller Seelen mit der
universellen Oberseele,
welch letztere selbst ein Aspekt der unbekannten
Wurzel ist; und die Verpflichtung
für jede Seele - einen Funken der vorgenannten -, den
Cyklus von Inkarnation,
oder „Notwendigkeit”, in
Übereinstimmung mit cyklischem und karmischem
Gesetz während seiner ganzen
Dauer zu durchwandern. Mit anderen Worten,
keine rein geistige Buddhi
(göttliche Seele) kann eine unabhängige, bewußte
Existenz haben, ehe der Funke, welcher aus der reinen
Essenz des universellen
sechsten Prinzipes - oder der OBERSEELE - entsprang,
(a) jede elementare Form
der phänomenalen Welt dieses Manvantaras durchlaufen
hat, und (b)
Individualität erlangt hat, anfangs durch natürlichen
Trieb, später durch
selbstherbeigeführte und selbsterdachte Anstrengungen,
dabei von seinem Karma
zurückgehalten, und so durch alle Grade der
Intelligenz, vom niedersten bis zum
höchsten Manas, von Mineral und Pflanze bis hinauf zum
heiligsten Erzengel
(Dhyâni-Buddha)
emporgestiegen ist. Die Grundlehre der esoterischen
Philosophie giebt keine
Privilegien und besonderen Gaben im Menschen zu,
außer jenen, welche sein
eigenes Ego durch persönliche Anstrengung und
Verdienst während einer langen Reihe von
Metempsychosen und Reinkarnationen
gewonnen hat.
Dies ist es, warum die Inder sagen, daß das Universum
Brahman und Brahmâ ist,
denn Brahman ist in jedem Atome des Universums, die
sechs Prinzipien in der
Natur sind alle das Resultat - die verschiedenartig
differenzierten Aspekte - des
Siebenten und Einen, der einzigen Realität im
Universum, sei es kosmisch oder
mikrokosmisch; und auch, warum die Veränderungen,
seelisch, geistig und
körperlich, auf der Ebene der Offenbarung und Form,
des Sechsten (Brahmâs,
des Vehikels von Brahman) in metaphysischer Antiphrase
als illusorisch und
_2 (4 of 8)30.Vorwort
mâyâvisch betrachtet werden. Denn obwohl die Wurzel
jedes Atoms als
Individuum und jeder Form als Kollektivum dieses
siebente Prinzip oder die Eine
Wirklichkeit ist, so ist dies
doch in seiner geoffenbarten, phänomenalen und
temporären Erscheinung nichts
Besseres als eine vorübergehende Illusion
unserer Sinne. In seiner
Absolutheit ist das eine Prinzip unter seinen zwei
Aspekten, als Parabrahman und Mûlaprakriti,
ungeschlechtig, unbedingt und ewig.
Seine periodische manvantarische Emanation - oder
ursprüngliche Ausstrahlung -
ist auch Eins, androgyn und phänomenal endlich. Wenn
die Ausstrahlung
ihrerseits Strahlen aussendet, so sind alle diese
Ausstrahlungen auch androgyn,
um in ihren niedereren Aspekten männliche und
weibliche Prinzipien zu werden.
Nach Pralaya, sei es nun der große oder der kleinere
Pralaya (der letztere läßt die
Welten im statu quo5), ist das erste, das zu
aktivem Leben wiedererwacht, der
plastische Âkâsha, Vater - Mutter, der Geist und die Seele
des Ethers, oder die
Fläche des Kreises.
Der Raum heißt die „Mutter” vor seiner kosmischen
Aktivität und „Vater-Mutter” im
ersten Stadium des Wiedererwachens. In der Kabalah ist
er auch „Vater-Mutter-Sohn”.
Aber während in der östlichen Lehre diese das siebente
Prinzip des geoffenbarten
Weltalls, oder sein Âtma-Buddhi-Manas
(Geist-Seele-Intelligenz) sind, und die
Dreiheit sich verzweigt und sich in die sieben
kosmischen und sieben
menschlichen Prinzipien teilt; ist es in der
westlichen Kabalah der christlichen
Mystiker die Dreiheit oder
Dreieinigkeit, und bei ihren Occultisten, der
mannweibliche Jehovah,
Jah-Havah.
Darin liegt der ganze
Unterschied zwischen der esoterischen und der christlichen
Dreieinigkeit.
Die Mystiker und die
Philosophen, die östlichen und westlichen Pantheisten.
synthesieren ihre prägenetische Dreiheit in der reinen
göttlichen Abstraktion. Die
Orthodoxen anthropomorphisieren sie. Hiranyagarbha,
Hari und Shankara - die
drei Hypostasen des sich offenbarenden „Geistes des
höchsten Geistes” (mit
welchem Titel Prithivî - die Erde - Vishnu bei seinem
ersten Avatâra begrüßt) -
sind die rein metaphysischen abstrakten Qualitäten der
Schaffung. Erhaltung und
Zerstörung, und sind die drei göttlichen Avasthâs
(Hypostasen) von dem, das
„nicht vergeht mit den geschaffenen Dingen”, Achyuta,
ein Beiname Vishnus;
während der orthodoxe Christ seine persönliche
schöpferische Gottheit in die drei
Personen der Dreieinigkeit teilt und keine höhere
Gottheit zuläßt. Die letztere ist
im Occultismus das abstrakte Dreieck; beim Orthodoxen
der vollkommene Würfel.
Der schöpferische Gott oder die zusammengefaßten
Götter werden von dem
östlichen Philosophen als Bhrântidarshanatah -
„falsche Erscheinungen” -
betrachtet, als etwas, das, „infolge trügerischer
Erscheinungen als eine materielle
_2 (5 of 8)30.Vorwort
Form vorgestellt wird,” und werden dahin erklärt, daß
sie in dem illusorischen
Begriffsvermögen der
egoistischen, persönlichen und menschlichen Seele
(niedereres fünftes Prinzip)
entstehen.
Dies ist schön ausgedrückt in
einer neuen Übersetzung in Fitzedward Halls Noten
zu Wilsons Übersetzung des Vishnupurâna.
„Dieses Brahma in seiner
Totalität hat wesentlich den Aspekt der Prakriti, sowohl
der entfalteten als der
unentfalteten (Mûlaprakriti) und auch den Aspekt des
Geistes und den Aspekt der
Zeit. Geist, o Zweimal geborener, ist der oberste
Aspekt des höchsten Brahma.6 Der nächste ist ein
zweifacher Aspekt, - Prakriti,
beides entfaltet und unentfaltet, und zuletzt ist die
Zeit.”
Kronos wird in der orphischen Theogonie auch als ein
hervorgebrachter Gott oder
Agent dargestellt.
In diesem Zustande des
Wiedererwachens des Weltalls wird dasselbe von der
heiligen Symbolik als ein vollkommener Kreis mit dem
(Wurzel-) Punkt in der Mitte
dargestellt. Dieses Zeichen war universell, daher
finden wir es auch in der
Kabalah. Die
westliche Kabalah jedoch, nunmehr in den Händen christlicher
Mystiker, ignoriert es vollständig, obwohl es im Zohar
klar gezeigt ist. Diese
Sektierer beginnen mit dem Ende und geben als das
Symbol des prägenetischen
Kosmos [Symbolabbildung, siehe Buch], und
nennen es „die Vereinigung von
Rose und Kreuz”, das große Geheimnis der occulten
Zeugung, daher der Name -
Rosenkreuzer (Rose-Kreuz)!
Dies kann man sehen an einem
der wichtigsten und wohlbekanntesten ihrer
Symbole, welches bis jetzt
niemals, auch nicht von modernen Mystikern,
verstanden worden ist. Es ist dies das des Pelikans,
der seine Brust aufreißt, um
seine sieben Jungen zu füttern - der echte Glaube der
Brüder vom Rosenkreuze
und ein direkter Schößling
der östlichen Geheimlehre.
Brahman (neutrum) hat den
Namen Kâlahamsa, was nach der Erklärung der
westlichen Orientalisten, den
ewigen Schwan, oder Gans, bedeutet, und
denselben hat Brahmâ, der Schöpfer.
Ein großer Irrtum machte sich da
bemerklich; es ist Brahman
(neutrum), das als Hamsavâhana (das, das den
Schwan als sein Vehikel benützt) zu bezeichnen wäre,
und nicht Brahmâ, der
Schöpfer, welcher der wirkliche Kâlahamsa ist, während
Brahman (neutrum)
Hamsa und Ahamsa ist, wie im Kommentar erklärt werden
soll. Man möge
berücksichtigen, daß die Bezeichnungen Brahmâ und
Parabrahman hier nicht
deshalb gebraucht werden, weil sie unserer
esoterischen Nomenklatur angehören,
sondern weil die Schüler im Westen mehr damit vertraut
sind. Beide sind die
genauen Äquivalente für unsere ein-, drei- und
siebenvokalischen Bezeichnungen,
welche das EINE ALL, und das Eine „Alles in Allem”
bedeuten. Dies sind die
Grundbegriffe, auf denen die Geheimlehre beruht.
_2 (6 of 8)30.Vorwort
1) Das “Erste” setzt notwendigerweise etwas voraus,
das das “zuerst
Hervorgebrachte”, das “erste in Zeit Raum und Rang” -
und daher endlich und
bedingt ist. Das “erste” kann nicht das Absolute
sein, denn es ist eine
Offenbarung. Daher nennt der östliche Occultismus das
abstrakte All die “Eine
ursachlose Ursache”, die “wurzellose Wurzel”, und
beschränkt die “erste Ursache”
auf den Logos in der Bedeutung, die Plato diesem
Ausdrucke giebt. zurück zum
Text
2) Siehe J. Subba Row’s vier
treffliche Vorlesungen über die Bhagavad Gîtû im
“Theosophist”, Februar 1887.
3) Von der christlichen Theologie: Erzengel, Seraphim,
etc. etc. genannt. zurück
zum Text
4) “Pilger” heißt unsere Monade
(die Zwei in einem) während ihres Cyklus von
Inkarnationen. Sie ist das
einzige unsterbliche und ewige Prinzip in uns, als ein
unteilbarer Teil des
vollständigen Ganzen - des Universalgeistes, aus dem sie
emaniert, und in welchem sie am Ende des Cyklus
absorbiert wird. Wenn es heißt,
sie emaniere aus dem Einen Geiste, so ist dies ein
unbeholfener und inkorrekter
Ausdruck, mangels geeigneter Worte in unserer Sprache.
Die Vedântisten nennen
sie Sûtrâtmâ (Fadenseele), aber auch ihre Erklärung
unterscheidet sich in etwas
von der der Occultisten; diesen Unterschied zu rechtfertigen
sei jedoch den
Vedântisten selbst überlassen!
5) Nicht die physischen Organismen sind es, die
während der großen kosmischen
oder auch nur solaren
Pralayas im statu quo bleiben, am allerwenigsten ihre
psychischen Prinzipien,
sondern bloß ihre âkâshischen oder astralen
“Photographien”. Aber während
der kleineren Pralayas bleiben die Planeten,
einmal von der “Nacht” überrascht, unversehrt, wenn
auch tot, wie ein mächtiges
Tier, vom Polareis ergriffen und begraben, für
Zeitalter dasselbe bleibt. zurück
zum Text
6) So formuliert Spencer, der nichtsdestoweniger wie
Schopenhauer und v.
Hartmann bloß eine einseitige Ansicht von den alten
esoterischen Philosophen
wiederspiegelt, und daher
seine Leser an dem öden Strande agnostischer
Verzweiflung landet,
verehrungsvoll das große Geheimnis: “Das, was
unveränderlich in Quantität,
aber in steter Änderung der Form besteht, unter
diesen sinnlichen
Erscheinungen, welche das Weltall uns zeigt, ist eine
_2 (7 of 8)30.Vorwort
unerkannte und unerkennbare Kraft, welche wir als ohne
Grenzen im Raume und
als ohne Anfang oder Ende in
der Zeit anerkennen müssen.” Es ist bloß die
verwegene Theologie, niemals
die Wissenschaft oder Philosophie, die das
Unendliche zu messen und das
Unergründliche und Unerkennbare zu
entschleiern sucht.
_2 (8 of 8)30.Vorwort
Es wäre hier nicht am Platze, sich in irgend welche
Verteidigung oder
Beweisführung bezüglich ihrer inneren
Vernunftgemäßheit einzulassen; noch kann
ich mich damit aufhalten, zu zeigen, wie sie - wenn
auch nur zu oft in irreführender
Gestalt - thatsächlich in jedem seinen Namen
verdienenden System von
Gedanken oder Philosophie enthalten sind.
Sobald der Leser ein klares Verständnis derselben
gewonnen und das Licht
erkannt hat, das sie auf jedes Problem des Lebens werfen,
werden sie in seinen
Augen keiner weiteren Rechtfertigung bedürfen, weil
ihre Wahrheit ihm so
einleuchtend wie die Sonne am Himmel sein wird. Ich
gehe daher zum
Gegenstande der in diesem Bande veröffentlichten
Strophen über, und gebe ein
skizzenhaftes Skelett derselben, in der Hoffnung,
dadurch dem Schüler seine
Aufgabe leichter zu machen, indem ich ihm mit wenigen
Worten den in denselben
enthaltenen Gedankengang
vorführe.
Die Geschichte der kosmischen
Evolution, wie sie in den Strophen aufgezeichnet
ist, ist sozusagen die
abstrakte algebraische Formel dieser Entwicklung. Daher
darf der Schüler nicht
erwarten, hier eine Aufzählung aller Zustände und
Wandlungen zu finden, welche zwischen den ersten
Anfängen der universalen
Evolution und unserm gegenwärtigen Zustande liegen.
Eine solche Aufzählung zu
geben wäre ebenso unmöglich, als sie Menschen
unverständlich wäre, die nicht
einmal die Natur jener Daseinsebene erfassen können,
die derjenigen zunächst
liegt, auf welche für den Augenblick ihr Bewußtsein beschränkt
ist.
Die Strophen geben daher eine abstrakte Formel, die mutatis
mutandis auf jede
Evolution angewendet werden kann: auf die unserer
winzigen Erde, auf die der
Planetenkette, von der die Erde ein Glied bildet, auf
das solare Universum, zu
dem die Kette gehört, und so fort in aufsteigender
Reihe, bis das Gemüt
schwindelt und von der Anstrengung erschöpft ist.
Die sieben in diesem Bande gegebenen Strophen
repräsentieren die sieben
Glieder dieser abstrakten Formel. Sie beziehen sich
auf, und beschreiben die
sieben großen Stadien des Entwicklungsvorganges, von
dem die Purânen als von
den „sieben Schöpfungen”
sprechen, und die Bibel als von den sieben
„Schöpfungstagen”.
Strophe I beschreibt den Zustand des EINEN ALLS während Pralaya,
vor der
ersten Schwingung der
wiedererwachenden Offenbarung. Der Gedanke eines
Augenblicks genügt zu zeigen,
daß ein solcher Zustand nur symbolisch dargestellt
werden kann; ihn zu beschreiben
ist unmöglich. Auch kann er nur mittelst
negativer Ausdrücke symbolisiert werden; denn, da er
der Zustand der Absolutheit
an sich ist, kann er keines jener specifischen
Attribute besitzen, die uns dazu
dienen, Gegenstände in positiven Ausdrücken zu
beschreiben. Daher kann dieser
Zustand nur angedeutet werden durch die Negative aller
jener höchst abstrakten
_8 31.Vorwort
Attribute, welche die Menschen vielmehr fühlen als
begreifen, als die fernsten
Grenzen, bis zu denen ihre Vorstellungskraft
vordringen kann.
Strophe II beschreibt
einen Zustand, der für ein westliches Gemüt so nahezu
identisch mit dem in der ernten Strophe erwähnten ist,
daß der Ausdruck des
Gedankens dieses Unterschiedes eine Abhandlung für
sich erfordern würde.
Daher muß es der Intuition und den höheren Fähigkeiten
des Lesers überlassen
bleiben, soweit er kann, die Bedeutung der verwendeten
allegorischen Ausdrücke
zu erfassen. Es muß in der That daran erinnert werden,
daß alle diese Strophen
vielmehr an die inneren Fähigkeiten appellieren als an
das gewöhnliche
Verständnis des physischen Gehirns.
Strophe III beschreibt
das Wiedererwachen des Weltalls zum Leben nach Pralaya.
Sie malt das Auftauchen der Monaden aus ihrem Zustande
von Absorption
innerhalb des Einen, das früheste und höchste Stadium
in der Bildung von Welten,
wobei der Ausdruck Monade sich ebensowohl auf das
ausgedehnteste
Sonnensystem wie auf das winzigste Atom beziehen kann.
Strophe IV zeigt
die Differentiation des „Keimes” des Weltalls in die siebenfache
Hierarchie von bewußten göttlichen Kräften, welche die
thätigen Offenbarungen
der Einen höchsten Energie sind. Sie sind die Bildner,
die Gestalter und
schließlich die Schöpfer des ganzen geoffenbarten
Universums, in dem einzigen
Sinne, in dem der Name „Schöpfer” verstandesgemäß ist;
sie beseelen und
lenken es; sie sind die intelligenten Wesen, welche
die Entwicklung in Ordnung
bringen und beaufsichtigen, indem sie in sich jene
Offenbarungen des Einen
Gesetzes verkörpern, welche wir als die „Naturgesetze”
kennen.
Ihr bekannter Gattungsname ist Dhyân Chohans, doch hat
jede der verschiedenen
Gruppen ihre eigene Bezeichnung in der Geheimlehre.
Von diesem Stadium der Evolution spricht die indische
Mythologie als von der
„Erschaffung der Götter”.
Strophe V beschreibt den Vorgang der Weltformung: zuerst,
diffuse kosmische
Materie, dann der „feurige
Wirbelwind”, das erste Stadium bei der Formung eines
Nebels. Dieser Nebel verdichtet
sich und bildet, nachdem er verschiedene
Umformungen durchlaufen hat, ein Sonnenuniversum, eine
Planetenkette, oder
einen einzelnen Planeten, je nachdem.
Strophe VI deutet
die darauffolgenden Stadien in der Bildung einer „Welt” an, und
führt die Entwicklung einer solchen Welt bis zu ihrer
vierten großen Periode
weiter, der Periode entsprechend, in der wir jetzt
leben.
Strophe VII setzt
die Geschichte fort, indem sie das Herabsteigen des Lebens bis
zur Erscheinung des Menschen verfolgt; und damit
schließt das erste Ruch der
Geheimlehre.
_8 (2 of 4)31.Vorwort
Die Entwicklung des „Menschen” von seinem ersten
Erscheinen auf dieser Erde in
dieser Runde bis zu dem Zustande, in welchem wir ihn
jetzt vorfinden, wird den
Gegenstand des zweiten Bandes
bilden.
Die Strophen, welche die Thesis
einer jeden Abteilung bilden, sind durchaus in
ihrer ins Moderne übertragenen
Version gegeben, da es schlechter als nutzlos
wäre, den Gegenstand durch
Einführung der archaischen Phraseologie des
0riginales, mit ihrem verwirrenden Stil und Worten
noch schwieriger zu machen.
Es sind Auszüge aus den chinesischen, tibetanischen
und Sanskritübersetzungen
der ursprünglichen Senzar - Kommentare und Glossen zum
Buche des Dzyan
gegeben, - nunmehr zum erstenmale in einer
europäischen Sprache. Es ist
nahezu unnötig, zu erklären, daß bloß Teile der sieben
Strophen gegeben sind.
Wenn sie vollständig veröffentlicht würden, so würden
sie für jedermann außer für
wenige hochentwickelte Occultisten unverständlich
bleiben.
Auch ist es überflüssig, den Leser zu versichern, daß
die Schreiberin oder
vielmehr die bescheidene Aufzeichnerin diese
verweigerten Stellen nicht mehr
versteht, als die meisten Profanen. Um die Lektüre zu
erleichtern und allzuviele
Verweise auf Fußnoten zu vermeiden, hielt man es für
das Beste, Text und
Glossen zu vermengen, und die sanskritischen und
tibetanischen Eigennamen, so
oft sie nicht überhaupt vermieden werden konnten, den
Originalausdrücken
vorzuziehen.
Dies geschah um so eher, als alle die erwähnten
Ausdrücke angenommene
Synonyme und die letzteren allein zwischen einem
Meister und seinen Chelâs
(oder Schülern) üblich sind.
So würde der erste Vers, wollte
man ihn derart übersetzen, daß man Substantive
und technische Ausdrücke so
beließe, wie sie in einer der tibetanischen oder
Senzar-Versionen lauten, folgendermaßen zu lesen sein:
„Tho - ag in Zhi - gyu
schlief
sieben Khorlo. Zodmanas zhiba. Alles Nyug Busen. Konch-hog nicht;
Thyan-Kam
nicht; Lha—Chohan nicht; Tenbrel Chugnyi nicht; Dharmakâya
aufgehört;
Tgenchang nicht geworden; Barnang und Ssa in Ngovonyidj; allein Tho-og
Yinsin in
Nacht von Sun-chan und Yong-Grub (Paranishpanna) etc. etc.” Das
würde lauten wie reines Abracadabra.
Da dieses Buch zur Unterweisung
der Schüler des Occultismus und nicht für die
Zwecke der Philologen
geschrieben ist, so können wir wohl solche fremde
Ausdrücke vermeiden, wo immer
es möglich ist. Nur die unübersetzbaren
Ausdrücke, deren Bedeutung ohne
Erklärung unverständlich bliebe, wurden
belassen, doch sind sie alle in ihrer Sanskritform
wiedergegeben. Unnötig ist es,
den Leser zu erinnern, daß diese in fast allen Fällen
späte Produkte der späteren
Sprache sind, und der fünften Wurzelrasse angehören.
Sanskrit, wie es jetzt
bekannt ist, wurde von den Atlantiern nicht
gesprochen, und die meisten
_8 (3 of 4)31.Vorwort
philosophischen Ausdrücke,
wie sie in den Systemen des Indiens der
nachmahâbhâratischen Periode im
Gebrauche sind, finden sich nicht in den
Veden, noch begegnet man ihnen in den Originalstrophen,
sondern nur ihren
Äquivalenten. Der Leser, der kein Theosoph ist, ist
nochmals eingeladen, alles
folgende, wenn er will, als ein Märchen zu betrachten;
im besten Fall als eine der
noch unerwiesenen Spekulationen von Träumern; und, im
schlechtesten, als eine
Hypothese, neu hinzugekommen zu den vielen
wissenschaftlichen Hypothesen
der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, von denen
die einen schon verworfen
sind, während andere noch sich hinziehen. Sie ist in
keiner Beziehung schlechter
als so manche der sogenannten wissenschaftlichen
Theorieen, und sie ist auf
jeden Fall mehr philosophisch und wahrscheinlich.
Angesichts der erforderlichen reichlichen Kommentare
und Erklärungen sind die
Verweisungen auf Fußnoten auf die gewöhnliche Art
gegeben. während die zu
kommentierenden Sätze mit Buchstaben bezeichnet sind.
Ergänzendes Material
wird sich in den Kapiteln über Symbolik finden, welche
oft mehr Belehrung
enthalten als die Kommentar.
_8 31.Erster Teil
ERSTER TEIL.
KOSMISCHE EVOLUTION.
SIEBEN STROPHEN AUS DEM “BUCHE DES DZYAN”,
MIT
KOMMENTAREN.
_5a31.Kommentar I, II
ZU DEN SIEBEN STROPHEN UND IHREN AUSDRÜCKEN, NACH
IHRER
ZAHLENBEZEICHNUNG NACH STROPHEN UND SHLOKAS.
1. DIE EWIGE MUTTER,1 GEHÜLLT IN IHRE IMMER
UNSICHTBAREN
GEWANDE, HATTE WIEDER EINMAL WÄHREND SIEBEN EWIGKEITEN
Die “Mutter”, der Raum, ist die ewige, allgegenwärtige
Ursache von allem - die
unbegreifliche GOTTHEIT, deren “unsichtbare Gewande”
die mystische Wurzel
aller Materie und des Weltalls sind. Raum ist das eine
ewige Ding, dessen
Vorstellung uns am leichtesten gelingt, unbeweglich in
seiner Abstraktion und
durch die An- oder Abwesenheit eines in ihm
enthaltenen objektiven Universums
unbeeinflußt. Er ist ohne Dimension in jedem Sinne,
und selbstexistierend. Geist
ist die erste Differenzierung von “TAT”, der
ursachenlosen Ursache von Geist und
Materie. Er ist, nach der Lehre des esoterischen
Katechismus, weder
“unbegrenzte Leere”, noch “bedingte Fülle”, sondern
beides. Er war und wird
immer sein.
So stehen die “Gewänder” für
undifferenzierte kosmische Materie als Ding an
sich. Es ist nicht Stoff, wie
wir ihn kennen, sondern die geistige Wesenheit der
Materie, und ist gleich-ewig
und sogar eins mit dem Raume in seiner abstrakten
Bedeutung. Wurzel-Natur ist
auch die Quelle der subtilen unsichtbaren
Eigenschaften in der sichtbaren Materie. Sie ist
sozusagen die Seele des Einen
unendlichen Geistes.
Die Inder nennen sie Mûlaprakriti, und sagen, sie sei
die uranfängliche Substanz,
welche die Basis des Upâdhi oder Vehikels eines jeden
Phänomens sei, sei es
physisch, psychisch oder geistig. Sie ist die Quelle,
aus welcher Âkâsha ausstrahlt.
Mit den sieben “Ewigkeiten” sind Äonen oder Perioden
gemeint. Das Wort
Ewigkeit, wie es in der christlichen Theologie
verstanden wird, ist für ein
asiatisches Ohr sinnlos, außer, wenn es auf die Eine
Existenz angewendet wird;
noch ist der Ausdruck Unvergänglichkeit, die Ewigkeit
bloß in der Zukunft, irgend
etwas Besseres als eine
Mißbenennung .2
Solche Worte existieren in
keiner philosophischen Metaphysik und kennen es
auch nicht, und sie waren
unbekannt bis zur Ankunft des kirchlichen
Christenthums. Die sieben Ewigkeiten bedeuten die
sieben Perioden - oder eine
Periode, die in ihrer Dauer den sieben Perioden eines
Manvantara entspricht, und
_7 (1 of 2)31.Kommentar I, II
erstrecken sich über einen Mahâkalpa oder “großes
Zeitalter” (100 Jahre des
Brahmâ), in Summe 311040000000000 Jahre. Jedes Jahr
des Brahmâ besteht
nämlich aus 360 Tagen und aus einer gleichen Anzahl
von Nächten des Brahmâ,
(nach dem Chandrâyana oder Mondjahr gerechnet); und
ein Tag des Brahmâ
besteht aus 4320000000 von Jahren der Sterblichen.
Diese Ewigkeiten gehören
zu den allergeheimsten Berechnungen, in welchen, um
das richtige Resultat zu
erhalten, jede Zahl von der Form 7x sein muß; x
variiert nach der Natur des
Cyklus in der subjektiven oder realen Welt; und jede
Zahl, die Bezug auf alle die
verschiedenen Cyklen vom größten bis zum kleinsten -
in der objektiven oder
unrealen Welt - hat oder solche repräsentiert, muß
notwendigerweise ein
Vielfaches von Sieben sein. Der Schlüssel hierzu kann
nicht gegeben werden,
denn darin liegt das Geheimnis der esoterischen
Berechnungen, und für Zwecke
gewöhnlicher Rechnungen ist er ohne Sinn. “Die Zahl
Sieben,” sagt die Kabalah,
“ist die große Zahl der göttlichen Geheimnisse;” die
Zahl Zehn ist die aller
menschlichen Erkenntnis (die pythagoräische Dekade);
1000 ist die Zahl 10 zur
dritten Potenz, und daher ist die Zahl 7000 ebenfalls
symbolisch. In der
Geheimlehre ist die Zahl 4 das Symbol des Männlichen
bloß auf der höchsten
Ebene der Abstraktion; auf der Ebene des Stoffes ist 3
das Männliche und 4 das
Weibliche; die Vertikale und Horizontale im vierten
Stadium der Symbolik, als
diese Symbole die Hieroglyphen der zeugenden Kräfte
auf der physischen Ebene
wurden.
1) Raum.
2) lm zweiten Buch, Kap. VIII,
des Vishnupurâna heißt es: “Unter Unsterblichkeit
ist Existenz bis ans Ende des Kalpa zu verstehen;” und
Wilson, der Übersetzer,
bemerkt in einer Anmerkung: “Dies ist, nach den Veden,
alles, was man unter
Unsterblichkeit (oder Ewigkeit) der Götter zu denken
hat; sie vergehen am Ende
der allgemeinen Auflösung (oder des Pralaya).” Und die
esoterische Philosophie
sagt: “Sie vergehen nicht, sondern werden wieder
absorbiert.”
_7 (2 of 2)31.Kommentar I, II
2. ES GAB KEINE ZEIT, DENN SIE LAG SCHLAFEND IN DEM
UNENDLICHEN
SCHOSSE DER DAUER.
“Zeit” ist bloß eine durch die Aufeinanderfolge
unserer Bewußtseinszustände
während unserer Reise durch die ewige Dauer erzeugte
Illusion, und dort, wo kein
Bewußtsein existiert, indem die Illusion
hervorgebracht werden kann, existiert sie
nicht, sondern “liegt schlafend”. Die Gegenwart ist
bloß eine mathematische Linie.
Welche jenen Teil der ewigen Dauer, welchen wir die
Zukunft nennen von dem
Teil, den wir die Vergangenheit nennen, trennt. Nichts
auf Erden hat wahre Dauer,
denn nichts bleibt ohne Veränderung oder sich gleich,
auch nicht den billionsten
Teil einer Sekunde; und die Empfindung, die wir von
der Thatsächlichkeit jener
Teilung der Zeit, die wir als Gegenwart kennen, haben,
kommt von der
Verwischung dieses flüchtigen Aufblitzens, oder der
Reihe von Blitzen, von
Dingen, die uns unsere Sinne mitteilen, wie diese
Dinge aus dem Bereiche der
Ideale, den wir die Zukunft nennen, in den Bereich der
Erinnerungen, den wir die
Vergangenheit nennen, übergehen. Auf dieselbe Art
empfangen wir ein Gefühl der
Dauer im Falle des nur einen Moment wahrenden
elektrischen Funkens infolge
des verwischten und nachwirkenden Eindrucks auf die
Netzhaut. Die Person oder
das Ding in seiner
Wirklichkeit besteht nicht allein aus dem, was in einem
einzelnen Augenblick zu sehen
ist, sondern ist aus der Summe aller seiner
verschiedenen und wechselnden
Zustände, von seiner Erscheinung in einer
materiellen Form an bis zu
seinem Verschwinden von der Erde,
zusammengesetzt. Diese “Gesamtsumme” ist es, die seit
Ewigkeit in der Zukunft
existiert und nach und nach durch die Materie wandert,
um für die Ewigkeit in der
Vergangenheit zu existieren. Niemand würde sagen, daß
ein Metallbarren, der ins
Meer fällt, ins Dasein trat, als er die Luft verließ,
und zu existieren aufhörte, als er
in das Wasser eintrat, und daß der Barren selbst nur
aus jenem Querschnitt
desselben bestand, welcher jeweils mit der
mathematischen Fläche, welche die
Atmosphäre und den Ocean gleichzeitig trennt und
verbindet, zusammenfiel. Das
Gleiche gilt von Personen und Dingen, die, indem sie
aus dem, was sein wird, in
das, was gewesen ist, versinken, aus der Zukunft in
die Vergangenheit, - unsern
Sinnen momentan gewissermaßen einen Querschnitt ihres
ganzen Selbsts
zeigen, während sie auf ihrem Wege von einer Ewigkeit
zu einer andern durch
Zeit und Raum (als Materie) hindurchgehen: und diese
zwei Ewigkeiten bilden die
Dauer, in der allein etwas wahre Existenz hat, wenn
nur unsere Sinne fähig
wären, sie hier zu erkennen.
_9 (1 of 2)32.Kommentar I, II
3. DAS UNIVERSALGEMÜT WAR NICHT VORHANDEN, DENN ES GAB
“Gemüt” ist ein Name für die Summe der
Bewußtseinszustände, die unter
Gedanken, Willen und Gefühl zusammengefaßt werden.
Während des tiefen
Schlafes hört die Ideenbildung auf der physischen
Ebene auf, und das Gedächtnis
ist unthätig. Es ist somit für diese Zeit das “Gemüt
nicht vorhanden”, weil das
Organ, mittelst welchem das Ego Ideenbildung und
Gedächtnis auf der materiellen
Ebene offenbart, zeitweilig zu funktionieren aufgehört
hat. Ein Ding an sich kann
auf irgend einer Daseinsebene nur dadurch eine
Erscheinung werden, indem es
sich auf dieser Ebene mittelst geeigneter Basis oder
Vehikels offenbart; und
während der langen Nacht der Ruhe, genannt Pralaya,
wenn alle Existenzen
aufgelöst sind, bleibt das “Universalgemüt” als
fortdauernde Möglichkeit einer
Gemütsaktion, oder als der abstrakte absolute Gedanke,
dessen konkrete relative
Manifestation das Gemüt ist. Die Ah-hi (Dhyân-Chohans)
sind die vereinten
Scharen der geistigen Wesen - die Engelscharen des
Christentums, die Elohims
und “Botschafter” der Juden - die das Vehikel für die
Offenbarung des göttlichen
oder universalen Gedankens und Willens sind. Sie sind
die intelligenten Kräfte,
welche der Natur ihre “Gesetze” geben und sie in ihr
vollziehen, während sie
selbst nach Gesetzen handeln, die ihnen auf ähnliche
Weise von noch höheren
Kräften gegeben sind; aber sie sind nicht die
“Personifikationen” der Naturkräfte,
wie irrtümlicherweise geglaubt wird. Diese Hierarchie
geistiger Wesen, durch
welche das Universalgemüt in Thätigkeit tritt, ist
gleich einer Armee - einer
“Heerschar” fürwahr - mit Hilfe derer die Kampfkraft
einer Nation sich manifestiert,
und die aus Armeekorps, Divisionen, Brigaden,
Regimentern und so fort
zusammengesetzt ist, jedes einzelne davon mit
gesonderter Individualität oder
Leben, mit seiner beschränkten Aktionsfreiheit und
beschränkten
Verantwortlichkeit, ,jedes in einer größeren
Individualität enthalten, der seine
eigenen Interessen untergeordnet sind, und jedes
kleinere Individualitäten in sich
einschließend.
1) Himmlische Wesen.
2) Und es daher offenbar werden
zu lassen.
_9 (2 of 2)32.Kommentar I, II
4. DIE SIEBEN WEGE ZUR SELIGKEIT1 EXISTIERTEN NICHT (a).
DIE
GROSSEN URSACHEN DES LEIDENS2 WAREN NICHT VORHANDEN,
DENN
ES WAR NIEMAND DA, SIE HERVORZUBRINGEN ODER IN SIE
VERSTRICKT
ZU WERDEN (b).
(a) Es giebt “sieben Pfade” oder “Wege” zur “Wonne” der
Nichtexistenz, welche
absolutes Sein, Dasein und
Bewußtsein ist. Sie existierten nicht, weil das Weltall
bis dahin leer war und nur im göttlichen Gedanken
existierte. (b) Denn da sind .
die zwölf Nidânas oder Ursachen des Seins. Jedes ist
die Wirkung seiner
vorangehenden Ursache, und seinerseits eine Ursache
seines Nachfolgers; die
Gesamtheit der Nidânas beruht auf den Vier Wahrheiten
- eine für das Hînayâna-System
speziell charakteristische Lehre.3 Sie gehören zu der
Theorie von dem
Strome des verketteten Gesetzes, welches Verdienst und
Schuld bewirkt und
schließlich Karma in vollen Schwung bringt. Dieses
System beruht auf der großen
Wahrheit, daß Reinkarnation etwas zu Fürchtendes ist,
da eine Existenz in dieser
Welt dem Menschen nur Leiden, Elend und Schmerz
aufbürdet, und der Tod
selbst nicht, im stande ist, den Menschen davon zu
befreien, da der Tod nichts als
das Thor ist, durch welches er in ein anderes Leben
auf Erden eintritt, nach einer
kurzen Rast an der Schwelle davon - in Devachan. Das
Hînayâna-System, oder
die Schule des kleinen Fahrzeuges, ist von sehr altem
Ursprung; während das
Mahâyâna, oder die Schule des großen Fahrzeuges, einer
späteren Periode
angehört, indem es erst nach dem Tode des Buddha
entstanden ist. Doch sind die
Lehrsätze des letzteren so alt als die Berge, welche
solche Schulen seit
unvordenklichen Zeiten enthalten haben, und die
Hînayâna - und Mahâyâna-Schule
lehren beide in Wirklichkeit dieselbe Lehre. Yâna,
oder Fahrzeug, ist eine
mystische Ausdrucksweise, indem beide “Fahrzeuge”
einprägen, daß der Mensch
den Leiden der Wiedergeburt und selbst der falschen
Wonne von Devachan
dadurch entkommen kann, daß er Weisheit und Erkenntnis
erlangt, welche allein
die Früchte der Illusion und Unkenntnis verbannen
können.
Mâyâ oder Illusion ist ein Element, das in alle endlichen
Dinge eintritt, denn alles,
was existiert, hat nur eine relative, keine absolute
Realität, da die Erscheinung, die
das verborgene Ding an sich für irgend einen
Beobachter annimmt, von dessen
Erkenntniskraft abhängt. Für das ungeübte Auge eines
Wilden ist ein Gemälde
vorerst ein sinnloser Wirrwarr von Farbenstrichen und
Klecksen, während das
gebildete Auge sofort ein Gesicht oder eine Landschaft
sieht. Nichts ist dauernd
außer der einen verborgenen absoluten Existenz, welche
in sich die Dinge an sich
von allen Realitäten enthält. Die Existenzen einer
jeden Daseinsebene, bis hinauf
_1 32.Kommentar I, II
zu den höchsten Dhyân-Chohans, sind gewissermaßen
Schatten, wie sie eine
magische Laterne auf einen farblosen Schirm wirft;
nichts destoweniger sind alle
Dinge relativ real, denn der Erkennende ist selbst
eine Reflexinn, und die
erkannten Dinge sind daher für ihn ebenso wirklich als
er selbst. Was immer für
eine Wirklichkeit die Dinge besitzen, muß an ihnen
untersucht werden, bevor oder
nachdem sie blitzartig durch die materielle Welt
gegangen sind. Eine solche
Existenz können wir aber nicht direkt erkennen, so
lange wir nur
Sinnesinstrumente haben, welche bloß materielle
Existenz in das Gesichtsfeld
unseres Bewußtseins bringen. Auf welcher Ebene auch
unser Bewußtsein thätig
sein möge, so sind wir und die Dinge, die dieser
Ebene, angehören, für die
betreffende Zeit unsere einzigen Wirklichkeiten. In
gleichem Maße, als wir die
Stufenleiter der Entwicklung emporsteigen, erfahren
wir aber, daß wir während der
Zustände, durch welche wir hindurchgegangen sind,
Schatten fälschlich für
Wirklichkeiten gehalten haben, und daß der aufwärts
gerichtete Fortschritt des
Ego eine Reihe fortschreitender Erwachungen ist, wobei
jeder Fortschritt die Idee
mit sich bringt, daß wir nunmehr endlich
“Wirklichkeit” erreicht haben; aber erst,
wenn wir das absolute Bewußtsein erreicht und unser
eigenes mit demselben
verschmolzen haben werden, werden wir frei sein von
den Täuschungen der
Mâyâ.
5. DUNKELHEIT ALLEIN ERFÜLLTE DAS UNENDLICHE ALL (a).
DENN VATER,
MUTTER UND SOHN WAREN WIEDER EINMAL EINS, UND DER SOHN
WAR
NOCH NICHT ERWACHT FÜR DAS NEUE RAD4 UND SEINE
WANDERUNG
AUF DEMSELBEN (b).
(a) “Dunkelheit ist
Vater-Mutter: Licht ihr Sohn” sagt ein altes Sprüchwort des
Ostens. Licht ist unvorstellbar
außer als von einer Quelle kommend, die seine
Ursache ist; und da im Falle
des uranfänglichen Lichtes diese Quelle unbekannt
ist, eine solche jedoch von Vernunft und Logik mit
Nachdruck verlangt wird, so
nennen wir sie “Dunkelheit”, von einem intellektuellen
Gesichtspunkte aus. Das
erborgte oder sekundäre Licht kann, was immer seine
Quelle sei, nur von
zeitlichem, mâyâvischem Charakter sein. Dunkelheit ist
also die ewige Matrix, in
der die Quellen des Lichtes erscheinen und
verschwinden. Auf dieser unserer
Ebene kommt nichts zur Finsternis hinzu, um Licht aus
ihr zu machen, oder zum
Licht, um es zur Finsternis zu machen. Beide sind
vertauschbar, und
wissenschaftlich ist Licht bloß eine Art Finsternis
und umgekehrt. Beide sind
Erscheinungen desselben Dinges an sich, welches für
ein wissenschaftliches
_1 (2 of 4)32.Kommentar I, II
Gemüt absolute Dunkelheit, für die Wahrnehmung eines
Durchschnittsmystikers
bloß graues Zwielicht, für das geistige Auge des
Initiierten aber absolutes Licht ist.
Wie weit wir dieses Licht, das in der Dunkelheit
scheint, wahrnehmen, hängt von
unseren Kräften des Schauens ab. Was für uns Licht
ist, ist Finsternis für gewisse
Insekten, und das Auge des Hellsehers sieht
Beleuchtung, wo das normale Auge
nur Schwärze wahrnimmt. Als das ganze Weltall in
Schlaf versunken, in sein eines
Urelement zurückgekehrt war, da war weder ein
Lichtcentrum, noch ein Auge, das
Licht wahrzunehmen, und Dunkelheit erfüllte
notwendigerweise das unendliche All.
(b) “Vater”
und “Mutter” sind das männliche und weibliche Prinzip in der
Wurzelnatur; die entgegengesetzten Pole, die sich in
allen Dingen auf jeder Ebene
des Kosmos manifestieren; oder Geist und Substanz in
einem weniger
allegorischen Aspekt, deren Resultierende das Weltall,
oder der “Sohn”, ist. Sie
waren “wieder einmal Eins”, als in der Nacht des
Brahmâ, während Pralaya, alles
im objektiven Universum zu seiner einen,
ursprünglichen und ewigen Ursache
zurückgekehrt war, um in der darauf folgenden
Dämmerung wieder zu erscheinen
·
wie es periodisch
geschieht. Kârana - die ewige Ursache - war alleinig. Um es
klarer auszudrücken: Kârana ist alleinig während der
Nächte des Brahmâ. Das
frühere objektive Universum hat sich in seine eine, ursprüngliche
und ewige
Ursache aufgelöst, und ist so zu sagen im Raum gelöst
enthalten, um sich wieder
zu differenzieren und von neuem
herauszukrystallisieren und der folgenden
manvantarischen Dämmerung, welche der Beginn eines
neuen Tages oder einer
neuen Thätigkeit von Brahmâ ist - dem Symbol eines
Universums. In esoterischer
Redeweise ist Brahmâ Vater-Mutter-Sohn, oder Geist,
Seele und Körper zugleich;
jede Person ist dabei symbolisch für ein Attribut, und
jedes Attribut oder Qualität
eine stufenweise Ausströmung des göttlichen Atems in
seiner cyklischen
Differentiation, involutorisch und evolutorisch. Im
kosmophysischen Sinn ist es
Weltall, Planetenkette und Erde; im rein geistigen:
die unbekannte Gottheit,
Planetengeist und Mensch - der Sohn der beiden, die
Kreatur von Geist und Stoff,
und eine Manifestation derselben in seinen
periodischen Erscheinungen auf der
Erde während der “Räder” oder
der Manvantaras.
1) Nirväna, Nippang im
Chinesischen; Neibban im Birmesischen; Moksha in
Indien.
2) Nidâna und Mâyâ. Die “zwölf” Nidânas (im
Tibetanischen Ten-brel Chug-nyi)
sind die Hauptursachen des
Daseins - Wirkungen, die durch eine Verkettung
erzeugter Ursachen
herbeigeführt sind.
3) Siehe Wassilief: “Der
Buddhismus”, p.97-128.
_1 (3 of 4)32.Kommentar I, II
4) Der Ausdruck “Rad” symbolisiert eine Welt oder
Weltkugel, und zeigt somit,
daß die Alten wußten, daß unsere Erde eine sich
drehende Kugel und nicht ein
bewegungslosen Viereck ist, wie einige christliche
Väter lehrten. Das “große Rad”
ist die Gesamtdauer unseres Daseinscyklus, oder
Mahâkalpa, d. i. der ganze
Kreislauf unserer speziellen Kette von sieben Globen
oder Sphären vom Anfang
bis zum Ende; die “kleinen Räder” bedeuten die Runden,
deren es ebenfalls
sieben giebt.
_1 32.Kommentar I, II
6. DIE SIEBEN ERHABENEN BEHERRSCHER UND DIE SIEBEN
WAHRHEITEN
HATTEN AUFGEHÖRT ZU SEIN (a), UND DAS WELTALL,
DER SOHN DER
NOTWENDIGKEIT, WAR IN PARANISHPANNA1 (b)
UNTERGETAUCHT, UM
WIEDER AUSGEATMET ZU WERDEN VON DEM, DAS IST UND
DENNOCH
NICHT IST. NICHTS WAR ©.
(a) Die
“sieben erhabenen Beherrscher” sind die sieben schöpferischen Geister,
die Dhyân-Chohans, die den hebräischen Elohim
entsprechen. Es ist dieselbe
Hierarchie von Erzengeln, zu der St. Michael, St. Gabriel
und andere, in der
christlichen Theogonie gehören. Nur wachen, während
St. Michael zum Beispiel in
der dogmatischen lateinischen Theologie bloß die
Vorgebirge und Golfe
bewachen darf, in dem esoterischen System die Dhyânis
der Reihe nach über
eine von den Runden und den großen Wurzelrassen
unserer Planetenkette. Es
heißt ferner, daß sie ihre Bodhisattvas, die
menschlichen Vertreter der Dhyâni-Buddhas
während jeder Runde und Rasse, aussenden. Von den
“sieben
Wahrheiten” oder Offenbarungen, oder vielmehr
geoffenbarten Geheimnissen,
sind uns bloß vier ausgehändigt, da wir noch in der
vierten Runde sind, und die
Welt bisher auch nur vier Buddhas gehabt hat. Es ist
dies eine sehr komplizierte
Frage, und wird später eine ausführlichere Behandlung
erfahren.
Insofern sagen Hindus und Buddhisten: “Es giebt nur
vier Wahrheiten und vier
Veden.” Aus
einem ähnlichen Grunde bestand Irenäus auf der Notwendigkeit von
vier Evangelien. Aber da jede neue Wurzelrasse am
Anfange einer Runde ihre
Offenbarung und ihre Offenbarer erhalten muß, so wird
die nächste Runde die
Fünfte, die folgende die
Sechste, und so fort, bringen.
(b) “Paranishpanna” ist die absolute Vollendung, welche
alle Existenzen am
Schlusse einer großen Periode
der Aktivität, oder eines Mahâmanvantara,
erreichen, und in welcher sie
in der nachfolgenden Ruheperiode ruhen. Im
Tibetanischen heißt es “Yong-Grub”. Bis zu den Tagen
der Yogâchâryaschule
wurde die wahre Natur von Paranirvâna öffentlich
gelehrt, aber seither wurde es
gänzlich esoterisch; daher so viele widersprechende
Erklärungen desselben. Nur
ein wahrer Idealist kann es verstehen. Alles, mit
Ausnahme des Paranirvâna, muß
als eingebildet betrachtet werden von demjenigen,
welcher diesen Zustand
erfassen und die Erkenntnis erlangen will, wieso
Nicht-Ego, Leere und Dunkelheit
Drei in Einem und allein selbstexistent und vollendet
sind. Es ist jedoch nur in
einem relativen Sinn absolut, da es einer noch mehr
absoluten Vollendung Platz
machen muß, entsprechend einem noch höheren Maßstab
der Vortrefflichkeit in
(1 of
3)33.Kommentar I, II
der folgenden Periode der Thätigkeit - gerade so wie
eine vollendete Blume eine
vollendete Blume zu sein aufhören und sterben muß, um
zu einer vollendeten
Frucht heranzuwachsen, wenn anders eine solche. Ausdrucksweise
gestattet ist.
Die Geheimlehre lehrt die fortschreitende Entwicklung
von allem, von Welten
sowohl als von Atomen; und es läßt sich weder ein
Beginn noch ein Ende dieser
erstaunlichen Entwicklung
vorstellen.
Unser “Universum” ist nur eines
aus einer unendlichen Zahl von Universen, alle
diese sind “Söhne der
Notwendigkeit” als Glieder in der großen kosmischen Kette
von Universen, indem jedes von
ihnen zu seinem Vorgänger in der Beziehung
eines Bewirkten, und zu seinem Nachfolger in der eines
Verursachenden steht.
Das Erscheinen und Verschwinden des Weltalls wird
geschildert als ein Aus- und
Einatmen des “großen Atems‘, welcher ewig, und - als
Bewegung - einer von den
drei Aspekten des Absoluten ist; die beiden anderen
sind abstrakter Raum und
Dauer.
Wenn der große Atem ausgestoßen wird, heißt er der
göttliche Atem, und wird als
das Atmen der unerkennbaren Gottheit - der Einen
Existenz - betrachtet, welche
gewissermaßen einen Gedanken ausatmet, welcher zum
Kosmos wird.
Desgleichen verschwindet, wenn der göttliche Atem
eingezogen wird, das Weltall
wieder in den Schoß der “großen Mutter”, die dann
schläft, “gehüllt in ihre immer
unsichtbaren Gewande”.
© Unter
“dem, das ist und dennoch nicht ist”, ist der große Atem selbst
verstanden, von dem wir bloß als von absoluter
Existenz sprechen, den wir aber
nicht als irgend eine Existenzform, die wir von
Nichtexistenz unterscheiden
könnten, in unserer Einbildung ausmalen können. Die
drei Perioden: Gegenwart,
Vergangenheit und Zukunft sind in der esoterischen
Philosophie eine
zusammengesetzte Zeit; denn die drei sind nur in
Beziehung zur Ebene der
Erscheinungen eine zusammengesetzte Zahl, aber in dem
Bereiche der Dinge an
sich haben sie keine für sich bestehende Gültigkeit.
So heißt es in den Schriften:
“Die vergangene Zeit ist die gegenwärtige Zeit, so
auch die Zukunft, welche,
obwohl sie noch nicht ins Dasein getreten ist, doch
ist”; entsprechend einer Lehre
in der Prasanga Madhyamika Schule, deren Dogmen immer
bekannt waren, seit
sie sich von den rein esoterischen Schulen ablöste.2
Kurz gesagt, unsere Ideen
von Dauer und Zeit sind alle aus unseren Empfindungen
gemäß dem Gesetze der
Association abgeleitet. Obwohl unauflöslich verknüpft
mit der Relativität des
menschlichen Erkennens, können sie nichtsdestoweniger
keine Existenz haben
(2 of
3)33.Kommentar I, II
außer in der Erfahrung des individuellen Ego, und sie
vergehen, wenn sein
Entwicklungsgang die Mâyâ der phänomenalen Existenz
vertreibt. Was ist Zeit z.
B. anderes, als die panoramaartige Aufeinanderfolge
unserer
Bewußtseinszustände? Mit den Worten eines Meisters:
“Ich fühle mich
unbehaglich, diese drei ungeschickten Worte -
Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft gebrauchen zu müssen; armselige Begriffe von
den objektiven Phasen
des subjektiven Ganzen, sind sie ungefähr ebenso
unzweckmäßig wie eine Axt zu
einer feinen Schnitzerei.” Man muß Pâramârtha
erlangen, um nicht nur zu leicht
eine Beute von Samvriti zu werden - ist ein
philosophisches Axiom.3
1) Absolute Vollendung, Paranirvâna, welches Yong-Grub
ist.
2) Siehe das dsungarische “Mani Kumbum”, das
“Buch der 10000 Lehren”.
Desgleichen Wassilief “der Buddhismus” p. 327
u. 357, etc.
3) Mit klareren Worten: Man muß wahre Selbsterkenntnis
erlangen, um Samvriti,
oder den “Ursprung der Täuschung” zu verstellen.
Paramârtha ist das Synonym
des Ausdruckes Svasamvedanâ, oder “die Reflexion, die
sich selbst analysiert”.
Es ist ein Unterschied in der Interpretation der
Bedeutung von Paramârtha
zwischen den Yogâchâryas und den Madhyamikas, von
denen jedoch keins den
wirklichen und wahren esoterischen Sinn dieses
Ausdruckes erklärt.
(3 of
3)33.Kommentar I, II
7. DIE URSACHEN DES DASEINS WAREN BESEITIGT (a);
DAS SICHTBARE,
WELCHES WAR, UND DAS UNSICHTBARE, WELCHES IST, RUHTEN
IM
EWIGEN NICHTSEIN - DEM EINEN SEIN (b).
(a) “Die
Ursachen des Daseins” bedeuten nicht bloß die der Wissenschaft
bekannten physischen Ursachen, sondern die
metaphysischen Ursachen, deren
hauptsächlichste das Verlangen nach Existenz ist, welches
aus Nidâna und Mâyâ
entspringt. Dieses Verlangen nach fühlendem Leben
zeigt sich in jedem Ding,
vom Atom bis zur Sonne, und ist eine in objektive
Existenz, in ein Gesetz, daß das
Weltall existieren solle, getriebene Reflexion des
göttlichen Gedankens. Nach der
esoterischen Lehre bleibt die wirkliche Ursache dieses
vermuteten Verlangens,
und aller Existenz, für immer verborgen und ihre
ersten Offenbarungen sind die
reinsten Abstraktionen, die das Gemüt vorstellen kann.
Diese Abstraktionen
müssen mit Notwendigkeit als die Ursache des
materiellen Universums, das sich
den Sinnen und dem Intellekt darbietet, postuliert
werden; und müssen den
sekundären und untergeordneten Kräften der Natur zu
Grunde liegen, welche
anthropomorphisiert als “Gott” und “Götter” von der
großen Herde eines jeden
Zeitalters verehrt worden sind. Es ist unmöglich, sich
etwas ohne Ursache
vorzustellen; der Versuch, es zu thun, bringt das
Gemüt außer Fassung. Dies ist
thatsächlich der Zustand, in den das Gemüt schließlich
kommen muß, wenn wir es
versuchen, die Kette der Ursachen und Wirkungen
zurückzuverfolgen, aber
Wissenschaft wie Religion springen in diesen Zustand
der Leere viel rascher als
notwendig; denn sie ignorieren die metaphysischen
Abstraktionen, welche die
einzigen begreifbaren Ursachen der physischen Konkrete
sind. Diese
Abstraktionen werden immer konkreter, je mehr sie sich
unserer Daseinsebene
nähern, bis sie endlich in der Form des materiellen
Weltalls in die Erscheinung
treten, durch einen Vorgang der Verwandlung des Metaphysischen
ins Physische,
analog dem, durch welchen Dampf zu Wasser verdichtet,
und das Wasser zu Eis
gefroren werden kann.
(b) Die Idee eines “ewigen Nichtseins”, welches das
“Eine Sein” ist, wird jedem
paradox erscheinen, der sich nicht
daran erinnert, daß wir unsere Vorstellungen
vom Sein auf unser
gegenwärtiges Existenzbewußtsein beschränken; daß wir es
zu einem specifischen, statt zu
einem allgemeinen Ausdruck machen.
Ein ungeborenes Kind würde,
wenn es in unserem Sinne denken könnte,
notwendigerweise seinen Seinsbegriff auf ähnliche
Weise auf das intra-uterine
Leben, das es allein kennt, beschränken; und sollte es
den Versuch machen,
_5 (1 of 2)33.Kommentar I, II
seinem Bewußtsein die Idee des Lebens nach der Geburt
(seinem Tode)
auszudrücken, so würde es, mangels von Daten, auf die
es sich stützen könnte,
und von Fähigkeiten, solche Daten zu verstehen,
wahrscheinlich dieses Leben als
“Nichtsein, welches das wirkliche Sein ist”
bezeichnen. In unserem Fall ist das
Eine Sein das Ding an sich aller Dinge an sich, die,
wie wir wissen, den
Phänomenen zu Grunde liegen und ihnen jeden Schatten
von Realität, den sie
besitzen, geben müssen, zu deren Erkenntnis wir aber
gegenwärtig weder Sinne
noch Intellekt haben. Die unfühlbaren Goldatome, die
in der Masse einer Tonne
goldführenden Quarzes verteilt sind, mögen, für das
bloße Auge des Bergmannes
unwahrnehmbar sein, und doch weiß ‘er nicht bloß, daß
sie vorhanden sind,
sondern auch, daß sie allein seinem Quarz irgend einen
bestimmbaren Wert
geben; und dieses Verhältnis von Gold und Quarz mag
eine schwache Andeutung
dessen von Ding an sich und Erscheinung geben.
Aber der Bergmann weiß, wie das Gold aussehen wird,
wenn es aus dem Quarz
geschieden ist, während der gewöhnliche Sterbliche
sich keinen Begriff von der
Wirklichkeit der Dinge machen kann, so wie sie von
Mâyâ getrennt sind, die sie
verhüllt, und in der sie verborgen sind. Allein der
Initiierte, reich an der Lehre, die
zahllose Generationen seiner Vorgänger erworben haben,
richtet das “Auge des
Dangma” auf die Wesenheit der Dinge, auf die keine
Mâyâ irgendwelchen Einfluß
haben kann. Hier sind die Lehren der esoterischen
Philosophie über die Nidânas
und die vier Wahrheiten von der höchsten Wichtigkeit;
aber sie sind geheim.
_5 (2 of 2)33.Kommentar I, II
8. ALLEIN, ERSTRECKTE SICH DIE EINE FORM DES SEINS (a)
UNBEGRENZT, UNENDLICH, UNVERURSACHT, IN TRAUMLOSEM
SCHLAFE
(b); UND DAS
LEBEN PULSIERTE UNBEWUSST IM WELTENRAUME, DURCH
JENE ALLGEGENWART, WELCHE NUR DEM GEÖFFNETEN AUGE DES
(a) Die
moderne Denkweise ist geneigt, zu der uralten Idee einer einheitlichen
Grundlage für scheinbar weit auseinanderliegende Dinge
zurückzukehren - zur
Entwicklung der Heterogenität aus Homogenität. Die
Biologen sind jetzt auf der
Suche nach ihrem homogenen Protoplasma und die
Chemiker nach ihrem Urstoff,
während die physikalische Wissenschaft die Kraft
sucht, deren verschiedene
Äußerungen Elektrizität, Magnetismus, Wärme u. s. w.
sind. Die Geheimlehre
überträgt diesen Gedanken auf das Gebiet der
Metaphysik und fordert die “Eine
Daseinsform” als Grundlage und Quelle aller Dinge.
Doch ist vielleicht der
Ausdruck: die “Eine Daseinsform” nicht ganz richtig.
Das Sanskritwort ist
Prabhavâpyaya, “der Ort (oder vielmehr die Ebene),
woraus die Hervorbringung
und wohin die Auflösung aller Dinge erfolgt,” wie ein
Kommentator erklärt. Er ist
nicht die “Mutter der Welt” nach Wilsons Übersetzung;2
denn Jagad Yoni ist, wie
Fitzedward Hall zeigt, kaum so sehr die “Mutter der
Welt” oder der “Schoß der
Welt”, als die “materielle Ursache der Welt.” Die
Purâna-Kommentatoren erklären
es als Kârana - “Ursache” - die esoterische
Philosophie aber als den ideellen
Geist dieser Ursache. Es ist, in seinem sekundären Zustand das Svabhâvat des
buddhistischen Philosophen, die ewige Ursache und
Wirkung, allgegenwärtig,
doch abstrakt, die
selbstexistierende plastische Essenz und die Wurzel aller
Dinge, in demselben doppelten
Lichte gesehen, wie der Vedântist sein
Parabrahman und Mûlaprakriti,
das eine unter zwei Aspekten, betrachtet. Es
erscheint in der That merkwürdig, große Gelehrte über
die Möglichkeit dessen
spekulieren zu sehen, daß der Vedânta, und
insbesondere die Uttaramîmânsâ,
“durch die Lehren der Buddhisten hervorgerufen” seien;
während im Gegenteil der
Buddhismus, die Lehre von Gautama Buddha,
“hervorgerufen” und auf den
Sätzen der Geheimlehre gänzlich aufgebaut ist, von der
hier eine teilweise Skizze
versucht ist, und auf der desgleichen die Upanishads
beruhen.3 Nach den Lehren
des Shrî Shankarâchârya ist unsere Behauptung
unbestreitbar.4
(b)
“Traumloser Schlaf” ist einer von den sieben Bewußtseinszuständen, welche in
der orientalischen Esoterik bekannt sind. In jedem
dieser Zustände tritt ein
anderer Teil des Gemütes in Thätigkeit; oder, wie ein
Vedântist sich ausdrücken
_7 (1 of 3)34.Kommentar I, II
würde, ist das Individuum auf einer anderen Ebene
seines Seins bewußt. Der
Ausdruck “traumloser Schlaf“ ist in diesem Fall allegorisch
auf das Weltall
angewendet, um einen Zustand auszudrücken, der diesem
Bewußtseinszustand
im Menschen einigermaßen analog ist, der deshalb leer
erscheint, weil man sich
im wachenden Zustand nicht daran erinnert, gerade so
wie der Schlaf des
mesmerisierten Subjektes demselben als eine bewußtlose
Leere erscheint, wenn
es in seinen normalen Zustand zurückgekehrt, während
es doch wie ein bewußtes
Individuum gesprochen und gehandelt hat.
1) In Indien heißt es das “Auge des Shiva”, aber
jenseits der großen Bergkette ist
es in esoterischer Ausdrucksweise als “Dangmas
geöffnetes Auge” bekannt.
Dangma bedeutet eine geläuterte Seele, eine, die ein
Jivanmukta, der höchste
Adept, oder vielmehr ein sogenannter Mahâtmâ geworden
ist. Sein “geöffnetes
Auge” ist das innere geistige Auge des Sehers, und die
Fähigkeit, welche sich
mittelst derselben offenbart, ist nicht das, was man
gewöhnlich unter Hellsehen
versteht, nämlich die Kraft, in die Ferne zu sehen,
sondern vielmehr die Fähigkeit
der geistigen Intuition, durch welche unmittelbare und
sichere Erkenntnis erhalten
werden kann. Diese Fähigkeit steht in innigem
Zusammenhange mit dem “dritten
Auge”, welches die
mythologische Überlieferung gewissen Menschenrassen
zuschreibt.
2) Vishnu Purâna, I. 21.
3) Und doch hat jemand, der Autorität beansprucht,
nämlich Sir Monier Williams,
Boden Professor des Sanskrit zu Oxford, gerade diese
Thatsache geleugnet. In
seiner Jahresansprache vom 9. Juni 1888 vor dem
Victoria Institute of Great
Britain belehrte er seine Zuhörerschaft wie folgt:
“Ursprünglich wendete sich der
Buddhismus gegen alle einsame Askese , zur Erlangung
der erhabenen Höhen
der Erkenntnis. Er hatte kein occultes, kein
esoterisches Lehrsystem das den
gewöhnlichen Menschen vorenthalten worden wäre.’ (! !)
Und wiederum ! ,Als
Gautama Buddha seine Laufbahn begann, scheint die
spätere und niedere Form
des Yoga wenig bekannt gewesen zu sein.” Gleich darauf
aber teilt der gelehrte
Vortragende, sich selbst widersprechend, seinem
Auditorium mit: “Wir erfahren
aus dem Lalita-Vistara, daß verschiedene Formen
körperlicher Peinigung,
Selbstkasteiung und Abtötung in Gautamas Zeit
gewöhnlich waren.” (!!) Dem
Vortragenden scheint es gänzlich unbekannt zu sein,
daß diese Art von Peinigung
und Selbstkasteiung gerade die niedere Form des Yoga
ist, der Hatha Yoga,
welcher in Gautamas Zeit “wenig bekannt” und doch so
“gewöhnlich” war. zurück
zum Text
_7 (2 of 3)34.Kommentar I, II
4) Es wird sogar behauptet, daß alle sechs Darshanas
(philosophische Schulen)
Spuren von Buddhas Einfluß zeigen, die entweder dem
Buddhismus entnommen
oder griechischer Lehre zuzuschreiben seien! (Siehe
Weber, Max Müller, etc.) Wir
befinden uns unter dem Eindrucke, daß Colebrooke, “die
höchste Autorität” in
solchen Dingen, schon seit langer Zeit die Streitfrage
durch den Beweis beigelegt
hat, daß “die Indier in diesem Falle die Lehrer, nicht
die Schüler, waren.” zurück
zum Text
_7 (3 of 3)34.Kommentar I, II
9. ABER WO WAR DANGMA, ALS DER ÂLAYA DES WELTALLS1 IN
PARAMÂRTHA (a)2 WAR, UND DAS GROSSE RAD
ANUPÂDAKA (b) WAR?
(a) Hier
haben wir den Gegenstand jahrhundertelanger scholastischer
Disputationen vor uns. Die zwei Worte “Âlaya” und
“Paramârtha” verursachten
eine Trennung der Schulen und Zersplitterung der
Wahrheit in mehr verschiedene
Aspekte, als irgend ein anderer mystischer Ausdruck.
Âlaya ist die Seele der Welt
oder Anima mundi, die Oberseele Emersons, welche nach
der Geheimlehre
periodisch ihre Natur ändert. Âlaya, obwohl ewig und
wandellos in seinem inneren
Wesen auf den Ebenen, die sowohl Menschen als
kosmischen Göttern (Dhyâni—
Buddhas) unerreichbar sind, ändert sich während der
thätigen Lebensperiode mit
Bezug auf die niederen Ebenen, unsere mit
eingeschlossen. Während dieser Zeit
sind nicht bloß die Dhyâni-Buddhas mit Âlaya eins in
Seele und Wesen, sondern
selbst der im Yoga (mystischer Meditation) starke
Mensch “ist fähig, seine Seele
darein zu versenken” wie Aryâsanga, von der
Yogâchâryaschule, sagt. Es ist dies
nicht Nirvâna, sondern ein demselben zunächst kommender
Zustand. Daher die
Meinungsverschiedenheit. Während nämlich die
Yogâchâryas (die der
Mahâyanâschule angehören) sagen, daß Âlaya (Nyingpo
und Tsang im
Tibetanischen) die Personifikation der Leere sei, und
doch Âlaya die Grundlage
jedes sichtbaren und unsichtbaren Dinges ist, und daß
er, obwohl seinem Wesen
nach ewig und unveränderlich, sich doch in jedem
Gegenstand des Alls
reflektiert ,,wie der Mond in klarem ruhigem Wasser”;
bestreiten andere Schulen
diese Behauptung. Dasselbe ist der Fall mit Paramârtha:
die Yogâchâryas
erklären den Ausdruck als das, was auch auf anderen
Dingen beruht (paratantra);
und die Madhyamikas sagen, daß Paramârtha auf
Paranishpanna oder absolute
Vollendung beschränkt sei; das heißt, in der
Auseinandersetzung dieser “zwei
Wahrheiten” (von den vieren) glauben und behaupten die
ersteren, daß auf dieser
Ebene wenigstens bloß Samvritisatya oder relative
Wahrheit existiert; und die
letzteren lehren die Existenz von Paramârthasatya, der
“absoluten Wahrheit”.3
“Kein Arhat, o Bettelmöche, kann vollkommene
Erkenntnis erreichen, bevor er
eins mit Paranirvâna wird. Parikalpita und Paratantra
sind seine zwei großen
Feinde.4 Parikalpita (im Tibetanischen Kun-tag) ist
der Irrtum, den jene begehen,
die nicht fähig sind, die Leerheit und illusorische
Natur von allem zu erkennen, die
an die Existenz von etwas Nichtexistierendem glauben,
- z. B. an das Nicht-Ich.
Und Paratantra ist das, welches, was immer es sei,
bloß durch ein Abhängigkeits-
oder Kausalitätsverhältnis besteht, und das
verschwinden muß, sobald seine
Entstehungsursache beseitigt wird - z. B. die Flamme
eines Dochtes. Zerstöre
_9 (1 of 3)34.Kommentar I, II
oder verlösche ihn, und das
Licht verschwindet.
Die esoterische Philosophie
lehrt, daß alles Leben und Bewußtsein hat, aber
nicht, daß jedes Leben und
Bewußtsein dem der menschlichen oder auch nur
tierischen Wesen ähnlich ist. Wir betrachten das Leben
als die Eine Form der
Existenz, die sich in der sogenannten Materie
manifestiert; oder, was wir im
Menschen ungenauerweise trennen und Geist, Seele und
Stoff nennen. Materie
ist das Vehikel für die Offenbarung der Seele auf
dieser Daseinsebene, und die
Seele ist das Vehikel der Offenbarung des Geistes auf
einer höhere Ebene, und
diese drei sind eine Dreieinigkeit, die im Leben, das
sie alle durchströmt, ihre
Synthese findet. Die Idee des universalen Lebens ist
einer jener alten Begriffe, die
in das menschliche Gemüt in diesem Jahrhundert wieder
zurückkehren, weil es
sich von anthropomorphischer Theologie frei gemacht
hat. Die Wissenschaft
allerdings begnügt sich damit, die Anzeichen eines
universalen Lebens zu
verfolgen oder zu postulieren, und war bis jetzt noch
nicht kühn genug, auch nur
zu lispeln: “Anima mundi!” Die Idee eines “Lebens im
Krystalle”, jetzt in der
Wissenschaft etwas Gewohntes, würde vor einem halben
Jahrhundert mit Spott
aufgenommen worden sein. Botaniker suchen jetzt nach
den Nerven der Pflanzen;
nicht daß sie etwa annähmen, daß die Pflanzen nach Art
der Tiere fühlen und
denken können, sondern weil sie glauben, daß eine
gewisse Bauart, die dieselbe
funktionelle Bedeutung für das Pflanzenleben hat, wie
es die Nerven für das
tierische Leben haben, zur Erklärung von vegetabilem
Wachstum und Ernährung
notwendig ist. Es scheint kaum möglich, daß sich die
Wissenschaft irgend länger
durch den bloßen Gebrauch von Worten wie “Kraft” und
“Energie” der Thatsache
verschließe, daß Dinge, welche Leben haben, lebende
Dinge sind, seien sie nun
Atome oder Planeten.
Aber was glauben die inneren
esoterischen Schulen? mag der Leser fragen. Was
lehren die esoterischen
“Buddhisten” über diesen Gegenstand? Bei ihnen,
antworten wir, hat “Âlaya” eine doppelte, ja sogar
eine dreifache Bedeutung. In
dem Yogâchârya-System der kontemplativen
Mahâyânaschule ist Âlaya sowohl
die Universalseele (Anima mundi), als das Selbst eines
vorgeschrittenen Adepten.
“Wer stark im Yoga ist, kann nach seinem Willen seinen
Âlaya mit Hilfe der
Meditation in die wahre Natur des Daseins eingehen lassen.”
“Der Âlaya hat eine absolute ewige Existenz,” sagt
Âryâsanga - der Rivale des
Nâgârjuna.5 In einem Sinne ist er Pradhâna, von
welchem es im Vishnu Purâna
heißt: “das, was die unentfaltete Ursache ist, wird
von den hervorragendsten
Weisen mit Nachdruck Pradhâna, die Urgrundlage,
genannt, welche subtile
_9 (2 of 3)34.Kommentar I, II
Prakriti ist, nämlich jene, die ewig ist, und zugleich
ist (oder in sich begreift, was
ist) und (was) nicht ist, oder ein bloßer Prozeß
ist.”6 “Die ungetrennte Ursache,
welche einförmig und zugleich Ursache und Wirkung ist,
und welche von den mit
den ersten Prinzipien Vertrauten Pradhâna und Prakriti
genannt wird, ist das
unerkennbare Brahma, das vor allem war;”7 d. h. Brahma
entwickelt nicht selbst
Evolution oder erschafft, sondern zeigt bloß
verschiedene Aspekte seiner selbst,
von denen einer Prakriti, ein Aspekt von Pradhâna,
ist. “Prakriti” ist jedoch ein
unkorrekter Ausdruck, und Âlaya würde es besser
erklären; denn Prakriti ist nicht
das “unerkennbare Brahma”.
1) Seele, als die Grundlage
von allem, Anima Mundi.
2) Absolutes Sein und
Bewußtsein, welche absolutes Nichtsein und
Nichtbewußtsein sind.
3) “Paramârthasatya” ist
Selbstbewußtsein, Svasamvedanâ, oder die
selbstanalysierende Reflexion
- gebildet aus parama (über allem) und artha
(Erfassen); satya bedeutet absolutes wahres
Sein, oder esse. Paramârthasatya ist
im Tibetanischen Dondampaidenpa. Das Gegenstück dieser
absoluten Realität,
oder Aktualität, ist Samvritisatya , die bloß relative
Wahrheit - “Samvriti” bedeutet
“falscher Begriff” und ist
der Ursprung der Illusion, Mâyâ im Tibetanischen
Kundzabchidenpa
“Täuschung-erzeugende Erscheinung”.
4) Aphorismen von den
Bodhisattvas.
5) Âryâsanga war ein vorchristlicher Adept und
Begründer einer buddhistischen
Geheimschule, obwohl ihn Csoma de Körös, aus
irgendwelchen eigenen
Gründen, in das siebente Jahrhundert n. Chr. versetzt.
Es war noch ein zweiter
Âryâsanga, der in den ersten Jahrhunderten unserer Ära
lebte, und der
ungarische Gelehrte hat die beiden höchst wahrscheinlich
verwechselt. zurück
zum Text
6) Vâyu Purâna.
7) Vishnu Purâna,
Wilson, I. 20.
_9 (3 of 3)34.Kommentar I, II
Es ist ein Mißverständnis von Seite jener, die nichts
von der von der Wiege der
Menschenrassen an bestehenden Universalität der occulten
Lehren wissen, und
insbesondere von jenen Gelehrten, die den bloßen
Gedanken an eine
“Uroffenbarung” verwerfen: zu lehren, daß die Anima
mundi, das Eine Leben oder
die “Universalseele” erst von Anaxagoras oder während
seiner Zeit gelehrt wurde.
Dieser Philosoph veröffentlichte die Lehre, einfach um
den allzu materialistischen
Vorstellungen über die Weltentstehung, nach Demokrit,
die auf der exoterischen
Theorie von den blindlings getriebenen Atomen beruhte,
entgegenzutreten.
Anaxagoras von Klazomenae war jedoch nicht der
Erfinder dieser Lehre, sondern
nur ihr Verbreiter, ebenso wie Plato. Was er
Weltintelligenz nannte, den Nous [im
Buch nachzulesen]
das Prinzip, das nach seiner Ansicht gänzlich getrennt und frei
vom Stoff ist und planmäßig handelt, wurde sehr lange
vor dem Jahre 500 v. Chr.
in Indien Bewegung, das Eine Leben, oder Jîvâtmâ
genannt. Nur legten die
irischen Philosophen dem Prinzipe, das ihnen ein
unendliches ist, niemals das
endliche “Attribut des Denkens”1 bei.
Dies führt naturgemäß auf den “höchsten Geist” Hegels
und der deutschen
Transcendentalphilosophen - als zu einem Kontraste,
welchen zu zeigen nützlich
sein mag. Die Schulen von Schelling und Fichte
entfernten sich weit von dem
ursprünglichen archaischen Begriff eines Absoluten
Prinzips, und spiegelten nur
einen Aspekt der Grundidee des Vedânta wieder. Selbst
der “absolute Geist”, den
von Hartmann in seiner pessimistischen Philosophie des
“Unbewußten” ahnen
läßt, bleibt hinter der Wirklichkeit ähnlich weit
zurück, wenn er auch vielleicht die
engste Annäherung der europäischen Spekulation an die
indischen Advaita-Lehren
darstellt.
Nach Hegel würde das
“Unbewußte” niemals die weitläufige und mühevolle Arbeit
der Evolution des Weltalls
unternommen haben, außer in der Hoffnung, klares
Selbstbewußtsein zu erlangen.
In diesem Zusammenhange muß man es sich vor
Augen halten, daß die
europäischen Pantheisten, wenn sie den Geist, den sie als
äquivalent zu Parabrahman
gebrauchen, als unbewußt bezeichnen, diesem
Ausdrucke nicht die gewöhnlich
übliche Bedeutung beilegen. Er wird in
Ermangelung eines besseren Ausdruckes verwendet, um
ein tiefes Geheimnis zu
symbolisieren.
Das “hinter den Erscheinungen
stehende absolute Bewußtsein”, das nur wegen
der Abwesenheit jedes persönlichen Elementes als
Unbewußtsein bezeichnet ist,
übersteigt, sagen sie uns,
das menschliche Begriffsvermögen. Der Mensch,
unfähig Begriffe anders als
aus den empirischen Phänomenen entnommenen
Bestandteilen zu bilden, ist
eben infolge der Beschaffenheit seines Wesens
machtlos, den Schleier zu heben, der die Majestät des
Absoluten verbirgt. Nur der
befreite Geist kann undeutlich die Natur der Quelle
sich vergegenwärtigen, aus
_1 (1 of 3)35.Kommentar I, II
der er entsprang und in die er gegebenenfalls
zurückkehren muß. Aber da selbst,
der höchste Dhyân-Chohan sich nur in Unwissenheit vor
dem schrecklichen
Geheimnis des Absoluten Wesens beugen kann; und da
selbst in dem Höhepunkt
der bewußten Existenz - “dem Versenken des Individuums
in das universale
Bewußtsein” - um einen Ausdruck Fichtes zu gebrauchen
- das Endliche das
Unendliche nicht begreifen kann, noch an dasselbe den
Maßstab seiner eigenen
Gemütserfahrungen anlegen kann; wie kann man da sagen,
daß das Unbewußte
und das Absolute einen auch nur instinktiven Trieb
oder Hoffnung haben kann,
klares Selbstbewußtsein zu
erlangen?2
Ein Vedântist übrigens würde
niemals dieser Hegelschen Idee beistimmen; und
der Occultist würde dazu sagen,
daß sie vollständig zutreffe bezüglich des
erwachten Mahat, des
universalen Gemütes, das bereits in diese
Erscheinungswelt als erster
Aspekt des unwandelbaren Absoluten projiziert
worden ist, aber niemals bezüglich des letzteren
selbst. “Geist und Stoff, oder
Purusha und Prakriti sind bloß die zwei ursprünglichen
Aspekte des Einen und
Zweitlosen,” hat man uns
gelehrt.
Der stoffbewegende Nous, die
belebende Seele, die jedem Atom innewohnt, sich
im Menschen offenbart, im Stein
verborgen liegt, hat verschiedene Grade der
Kraft; und diese pantheistische
Idee einer allgemeinen Geist-Seele, die die ganze
Natur durchdringt, ist die
älteste aller philosophischen Anschauungen. Ebenso
wenig war der Archäus eine
Entdeckung des Paracelsus oder seines Schülers
Van Helmont; denn derselbe
Archäus ist der “VaterÄther” - die geoffenbarte
Grundlage und Quelle der unzähligen Phänomene des
Lebens - lokalisiert. Die
ganze Reihe der zahllosen Spekulationen dieser Art
sind bloß Variationen über
dasselbe Thema, dessen Grundton in dieser
“Uroffenbarung” angeschlagen war.
(b) Der
Ausdruck “Anupâdaka”, elternlos, oder ohne Vorfahren, ist eine mystische
Bezeichnung, die verschiedene Bedeutungen In unserer
Philosophie hat. Es sind
damit gewöhnlich himmlische Wesen, die Dhyân-Chohans
oder Dhyâni-Buddhas,
verstanden. Diese entsprechen mystisch den
menschlichen Buddhas und
Bodhisattvas, bekannt als die “Mânushi (menschlichen)
Buddhas”, welch letztere
auch als Anupâdaka bezeichnet werden, sobald ihre
ganze Persönlichkeit in ihr
verbundenes sechstes und siebentes Prinzip, oder
Âtmâ-Buddhi, versunken ist,
und sie zu “Diamantenseelen” (Vajra-sattvas),3 zu
vollen Mahâtmâs geworden
sind.
Der “verborgene Herr” (Sangbai Dag-po), “der mit dem
Absoluten
Verschmolzene”, kann keine Eltern haben, da er
selbstexistent und eins mit dem
Universalgeist (Svayambhû)4 , Svâbhavat in seinem
höchsten Aspekt, ist.
Das Geheimnis der Hierarchie der Anupâdakas ist groß;
ihr Gipfelpunkt ist die
_1 (2 of 3)35.Kommentar I, II
universale Geist-Seele, und die untere Sprosse der
Mânushi-Buddha; ja sogar
jeder seelenbegabte Mensch ist ein Anupâdaka in
latentem Zustand. Daher, wenn
vom Universum als formlosem, ewigem und absolutem
Zustand, bevor es von den
“Bauleuten” gestaltet wurde,
die Rede ist, der Ausdruck: “das große Rad
(Universum) war Anupâdaka”.
1) Ich meine damit endliches
Selbstbewußtsein. Denn wie kann das Alsolute es
anders als als einen einfachen Aspekt
erlangen, von welchen Aspekten der
höchste uns bekannte das
menschliche Bewußtsein ist?
2) Siehe Schweglers “Handbuch der Geschichte der
Philosophie”. (Sterlings engl.
3) Vajrapâni oder Vajradhara bedeutet der
Diamanthalter: im Tibetanischen
Dorjesempa; sempa bedeutet Seele, ihre
diamantengleiche Qualität bezieht sich
auf ihre Unzerstörbarkeit in der Zukunft. Die
Erklärung betreffs Anupâdaka, die im
Kâla Chakra,
der ersten in der Gyut-Einteilung des Kanjur, gegeben ist, ist halb
esoterisch. Sie hat die Orientalisten zu irrtümlichen
Spekulationen, über die
Dhyâni-Buddhas und die im Irdischen ihnen
entsprechenden Mânushi-Buddhas
verleitet. Der wirkliche Lehrsatz ist in einem
folgenden Bande angedeutet und wird
an gehöriger Stelle ausführlicher erklärt werden.
4) Um nochmals Hegel, der wie Schelling thatsächlich
die pantheistische
Vorstellung von periodischen Avatârs (speziellen
Inkarnationen des Weltgeistes
im Menschen, wie solche im Falle aller großen
religiösen Reformatoren zu sehen
waren) angenommen hat, zu citieren: “Das Wesen des
Menschen ist Geist... nur
wenn er sich seiner Endlichkeit begiebt und sich
selbst der reinen
Selbsterkenntnis überläßt, erlangt er die Wahrheit.
Der Christus—Mensch, als
Mensch, in welchem die Einheit des Gott-Menschen
(Identität des individuellen mit
dem universalen Bewußtsein, wie sie von den Vedântisten
und einigen Advaitisten
gelehrt wird) erschien, hat, in seinem Tode und
überhaupt in seiner Geschichte,
selbst die ewige Geschichte des Geistes dargestellt -
eine Geschichte, die jeder
Mensch in sich selbst durchmachen muß, um als Geist zu
existieren.” -
Philosophie der Geschichte, Sibrees englische Übersetzung, p. 340. zurück zum
_1 (3 of 3)35.Kommentar I, II
1 . WO WAREN DIE BAULEUTE, DIE LEUCHTENDEN SÖHNE DES
AUF
DÄMMERNDEN MANVANTARA (a)? IN DEM UNBEKANNTEN
DUNKEL IN
IHREM AH-HI1 PARANISHPANNA. DIE HERVORBRINGER DER
FORM2 AUS
DER NICHTFORM3 - DER WURZEL DER WELT - DIE DEVAMATRI4
UND
SVABHÂVAT RUHTEN IN DER WONNE DES NICHTSEINS (b).
(a) Die “Bauleute”, die “Söhne des aufdämmernden
Manvantara”, sind die
wirklichen Schöpfer des Weltalls; und in dieser Lehre,
welche bloß von unserem
Planetensystem handelt,
heißen sie, als die Erbauer des letzteren, auch die
“Wächter” der sieben Sphären,
d. i. exoterisch der sieben Planeten, und
esoterisch auch der sieben
Erden oder Sphären (Globen) unserer Kette. Der
Anfangssatz der Strophe I bezieht sich, wenn er von
“Sieben Ewigkeiten” spricht,
sowohl auf den Mahâkalpa oder “das (große) Zeitalter
des Brahmâ”, als auch auf
den solaren Pralaya und das darauffolgende Auferstehen
unseres
Planetensystems auf einer höheren Ebene. Es giebt
viele Arten von Pralaya
(Auflösung eines sichtbaren Dinges), wie anderwärts
gezeigt werden soll.
(b) “Paranishpanna” ist, wie man sich erinnern möge,
das summum bonum, das
Absolute, somit dasselbe wie Paranirvâna. Neben dem,
daß es der Schlußzustand
ist, ist es jener Zustand von Subjektivität, der zu
nichts in Beziehung steht als zu
der Einen absoluten Wahrheit (Paramârthasatya) auf
seiner eigenen Ebene. Es ist
jener Zustand, der einen dahin führt, richtig die
volle Bedeutung des Nichtseins,
welches - wie erklärt - das wahre Sein ist, zu
erfassen.
Früher oder später wird Alles, was jetzt scheinbar existiert,
in Wirklichkeit und
thatsächlich im Zustande von Paranishpanna sein. Aber
es ist ein großer
Unterschied zwischen bewußtem und unbewußtem
Sein. Der Zustand von
Paranishpanna, ohne Paramârtha, dem sich selbst
analysierenden Bewußtsein
(Svasamvedâna) ist keine
Wonne, sondern bloße Auslöschung für sieben
Ewigkeiten. So wird eine den
brennenden Sonnenstrahlen ausgesetzte
Eisenkugel wohl durchaus
erhitzt werden, aber die Wärme nicht fühlen oder
genießen, wie ein Mensch.
Bloß “mit einem klaren und von Persönlichkeit
unverdunkelten
Gemüt und durch die Assimilation des Verdienstes mannigfacher
dem Sein in
seiner Gesamtheit (dem ganzen lebenden und fühlenden
Universums) gewidmeter Existenzen” wird man frei von persönlicher Existenz,
versinkt in das Absolute5 und wird Eins mit ihm, und
bleibt im vollen Besitze von
Paramârtha.
(1 of
3)35.Kommentar I, II
2. WO WAR DIE STILLE? WO DIE OHREN, SIE WAHRZUNEHMEN?
NEIN,
DA WAR WEDER STILLE NOCH LAUT (a); NICHTS ALS
UNUNTERBROCHENER EWIGER ATEM6, DER SICH SELBST NICHT
KENNT
(b).
(a) Die Idee, daß Dinge aufhören können zu existieren
und doch noch sind, ist
eine fundamentale in der
Psychologie des Ostens. Unter diesem scheinbaren
Widerspruch der Ausdrücke ruht
eine Naturthatsache, die mit dem Gemüt zu
erfassen von Wichtigkeit ist, nicht aber, über die
Worte zu streiten. Ein bekanntes
Beispiel eines ähnlichen Paradoxons liefert uns die
chemische Verbindung. Die
Frage, ob Wasserstoffund Sauerstoff zu existieren
aufhören, wenn sie sich zu
Wasser verbinden, ist eine noch strittige; die einen
sagen, sie müßten alle Zeit da
sein, da man sie wiederfinde, wenn mau das Wasser
zersetzt; die anderen
behaupten, sie müßten einstweilen als sie selbst zu
existieren aufgehört haben,
da sie sich thatsächlich in etwas gänzlich
Verschiedenes verwandelt haben aber
keine Partei ist imstande, sich auch nur die
entfernteste Vorstellung von einem
Dinge zu machen, das etwas anderes geworden ist und
doch nicht aufgehört hat,
es selbst zu sein. Man kann sagen, daß die Existenz
als Wasser für Sauerstoff
und Wasserstoff ein Zustand von Nichtsein sei, das ein
wirklicheres Sein ist als
ihre Existenz als Gase; und dies kann als schwaches
Symbol für den Zustand des
Weltalls sein, wenn es schlafen geht, und während der
Nächte des Brahma,
aufhört zu sein - um zu erwachen und
wiederzuerscheinen, wenn die Dämmerung
des neuen Manvantara es zu dem wieder aufruft, was wir
Existenz nennen.
2) . Rûpa
3) Arûpa
4) “Mutter der Götter”, Aditi oder kosmischer Baum. lm
Zohar heißt sie Sephira,
die Mutter der Sephirot und Shekinah in ihrer Urform, in
abscondito. zurück zum
5) Somit ist Nichtsein das “Absolute Sein” in der
esoterischen Philosophie. In den
Lehrsätzen der letzteren ist selbst Âdi-Buddha (die
erste und ursprüngliche
Weisheit), weil geoffenbart, in einem Sinne eine Illusion,
Mâyâ, weil alle Götter,
(2 of
3)35.Kommentar I, II
einschließlich Brahmâ, am Ende des Zeitalters des
Brahmâ sterben müssen; nur
die Parabrahman genannte Abstraktion - ob wir sie
jetzt Ain Suph, oder mit
Herbert Spencer das Unerkennbare nennen wollen - ist
die Eine absolute Realität.
Die Eine zweitlose Existenz ist Advaita, “ohne ein
Zweites”, und alles übrige ist
Mâyâ: so lehrt die Advaita-Philosophie.
6) Bewegung.
(3 of
3)35.Kommentar I, II
(b) Der
“Atem” der Einen Existenz wird voll der archaischen Esoterik bloß in
Bezug auf den geistigen Aspekt der Kosmogenie als
Bezeichnung gebraucht; in
anderen Fällen wird er durch sein Äquivalent auf der
materiellen Ebene -
Bewegung, ersetzt. Das Eine ewige Element, oder
Element enthaltende Vehikel,
ist der in jedem Sinne dimensionslose Raum: coexistent
mit demselben sind
endlose Dauer, ursprüngliche (und somit unzerstörbare)
Materie, und Bewegung -
absolute “beständige Bewegung,” die der “Atem” des
Einen Elementes ist. Dieser
Atem kann, wie wir gesehen haben, niemals aufhören,
nicht einmal während der
pralayischen Ewigkeiten.
Aber der Atem der Einen Existenz bezieht sich trotzdem
nicht auf die Eine
unverursachte Ursache oder die All—Seinheit, im
Gegensatz zum All-Seienden, ,
welches Brahmâ oder das Weltall ist. Brahmâ, der
viergesichtige Gott, der,
nachdem er die Erde aus den Wassern erhoben. “die
Schöpfung vollendete”, gilt
bloß für das Werkzeug, und nicht, wie klar
inbegriffen, für die ideale Ursache. Kein
Orientalist scheint bisher den wirklichen Sinn der
Verse in den Purânen, die von
der “Schöpfung” handeln, vollständig verstanden zu
haben.
In denselben ist Brahmâ die Ursache der Potenzen,
welche in der Folge für das
Werk der “Schöpfung‘ erzeugt werden sollen. So würde
z. B. im Vishnu Purâna1
die Übersetzung: “und von ihm (masc.) gehen aus
die Potenzen, die zu erschaffen
sind, nachdem sie die wirkliche Ursache geworden
sind”, vielleicht richtiger lauten:
“und von ihm (neutrum) gehen aus die Potenzen,
welche erschaffen werden, so
wie sie die wirkliche Ursache (auf der materiellen
Ebene) werden.” Außer dieser
Einen, unverursachten, idealen “Ursache” ist keine
andere, auf die das Weltall
zurückgeführt werden kann. “Würdigster der Asketen,
durch ihre Macht - d. h.
durch die Macht dieser Ursache - erscheint jedes
geschaffene Ding in seiner ihm
inhärenten oder entsprechenden Natur.” Wenn “im
Vedânta und Nyâya, nimitta
die wirkende Ursache, im Gegensatze zu upâdâna,
der materiellen Ursache, (und)
im Sânkhya pradhâna die
Funktionen beider in sich schließt”; so kann in der
esoterischen Philosophie, die
alle diese Systeme versöhnt, und deren
annähernster Vertreter der
Vedânta ist, wie er von den Advaita Vedântisten
dargestellt wird, über nichts als über das upâdâna spekuliert
werden. Das, was im
Sinne der Vaishnavas (der Visishthadvaitas) als
Ideales im Gegensatze zum
Realen - oder Parabrahman zu Îshvara - steht, kann in
publizierten Spekulationen
keinen Platz finden, da dieses Ideale selbst eine
Mißbenennung ist, wenn es auf
das angewendet wird, von dem sich keine menschliche
Vernunft - selbst die eines
Adepten nicht - eine
Vorstellung machen kann.
Sich selbst zu kennen
erfordert als Erkenntnisgegenstand Bewußtsein und
Auffassungskraft - beides für
jedes Subjekt mit Ausnahme von Parabrahman
beschränkte Fähigkeiten. Daher der “ewige Atem, der
sich selbst nicht kennt.”
_5 (1 of 2)35.Kommentar I, II
Unendlichkeit kann Endlichkeit nicht verstehen. Das
Schrankenlose kann keine
Beziehung zum Beschränkten und Bedingten haben.
In den occulten Lehren ist der unbekannte und
unerkennbare Beweger oder das
Selbstexistierende die absolute göttliche Wesenheit.
Und da er somit absolutes
Bewußtsein und absolute Bewegung ist, so ist er für
die beschränkten Sinne jener,
welche dieses Unbeschreibliche beschreiben, Unbewußtsein
und Unbeweglichkeit.
Konkretes Bewußtsein kann dem abstrakten Bewußtsein
nicht mehr als Prädikat
zugesprochen werden, als die Qualität “naß” dem
Wasser; Nässe ist demselben
als Attribut zu eigen und ist die Ursache des Naßseins
anderer Dinge. Bewußtsein
schließt Beschränkungen und Qualifikationen in sich:
etwas, dessen man sich
bewußt wird, und jemanden, der sich bewußt dessen
wird.
Aber absolutes Bewußtsein enthält den Erkenner, das
Erkannte und die
Erkenntnis alle drei in sich selbst und alle drei als
Eines. Niemand ist sich eines
mehreren bewußt als jenes Teiles seines Wissens,
welcher gerade zu einem
bestimmten Zeitpunkt ihm zufällig erinnerlich ist, und
die Armut unserer Sprache
ist so groß, daß wir keinen Unterschied im
Ausdruck-machen können zwischen
dem Wissen, an das wir eben nicht denken, und dem
Wissen, welches ins
Gedächtnis zurückzurufen wir unfähig sind. Vergessen
ist synonym mit nicht
erinnern. Um wie viel größer muß nun die Schwierigkeit
sein. Ausdrücke zu
finden, um abstrakte metaphysische Thatsachen oder
Verschiedenheiten zu
beschreiben oder zu unterscheiden! Wir dürfen ferner
nicht vergessen, daß wir die
Dinge nach den Erscheinungen, die sie für uns
annehmen, benennen. Wir nennen
absolutes Bewußtsein “Unbewußtsein”, da es uns
scheint, als müßte es
notwendigerweise so sein, gerade so wie wir das
Absolute “Dunkelheit” nennen,
weil es unserem beschränkten
Verstand ganz undurchdringlich erscheint:
trotzdem erkennen wir
vollständig, daß unsere Wahrnehmung solcher Dinge
diesen selbst nicht gerecht
wird. Wir unterscheiden unwillkürlich in unserem
Denken z. B. zwischen
unbewußtem absoluten Bewußtsein, und zwischen
Unbewußtsein, indem wir ersteres stillschweigend mit
irgend einer unbestimmten
Qualität ausstatten, welche auf einer für unsere
Gedanken unerreichbaren Ebene
dem entspricht, das wir in uns selbst als Bewußtsein
kennen. Aber es ist das
keinerlei Art von Bewußtsein, welche wir von dem,
welches uns als Unbewußtsein
erscheint, zu unterscheiden im
stande wären.
1) Wilson, I. IV.
_5 (2 of 2)35.Kommentar I, II
3. DIE STUNDE HATTE NOCH NICHT GESCHLAGEN; DER STRAHL
WAR
NOCH NICHT IN DEN KEIM GEBLITZT (a); DER
MATRIPADMA1 WAR NOCH
NICHT GESCHWOLLEN (b).2
(a) Der “Strahl” aus dem “ewigen Dunkel” wird, sobald
er ausgesandt ist, zum
Strahle glänzenden Lichtes oder Lebens, und blitzt in
den “Keim” - den Punkt in
dem Weltenei, repräsentiert durch die Materie in
abstrakter Auffassung. Aber der
Ausdruck “Punkt” darf nicht so aufgefaßt werden, als
ob damit irgend ein
bestimmter Punkt im Raume gemeint sei, denn ein Keim
existiert im Mittelpunkt
eines jeden Atoms, und diese in ihrer Gesamtheit
bilden den “Keim”; oder
vielmehr, da kein Atom unserem körperlichen Auge sichtbar
gemacht werden
kann: es bildet die Gesamtheit derselben (wenn dieser
Ausdruck von etwas
gebraucht werden darf, das grenzenlos und unendlich
ist) das Ding an sich des
ewigen und unzerstörbaren
Stoffes.
(b) Eine der symbolischen Figuren für die duale schöpferische
Kraft in der Natur
(auf der materiellen Ebene Kraft und Stoff) ist
“Padma”, die indische Wasserlilie.
Der Lotus ist das Erzeugnis von Hitze (Feuer) und
Wasser (Dunst oder Ether); das
Feuer ist in jedem philosophischen und religiösen
System, selbst im Christentum,
eine Darstellung des Geistes der Gottheit, des
thätigen, männlichen, zeugenden
Prinzipes; und Ether, oder die Seele des Stoffes, das
Licht des Feuers, eine
Darstellung des passiven weiblichen Prinzipes, aus dem
alles in diesem Weltall
hervorgegangen ist. Somit ist Ether oder Wasser die
Mutter, und Feuer der Vater.
Sir William Jones - und vor ihm die archaische Botanik
-zeigten, daß die Samen
des Lotus (selbst bevor sie keimen) vollkommen
geformte Blätter enthalten, mit
denselben Formen im kleinen, welche sie eines Tages
als vollendete Pflanzen
haben werden. Die Natur giebt uns auf diese Art ein
Beispiel der Vorausformung
ihres Erzeugnisses die Samen
aller phanerogamen, eigentlichen Blüten
hervorbringenden, Pflanzen
enthalten ein fertig ausgebildetes embryonales
Pflänzchen.3 Dies erklärt den
Satz: “Der Mâtri-Padma war noch nicht
geschwollen” - indem in der
archaischen Symbolik die Form gewöhnlich der
inneren oder Grundidee geopfert
ist.
Der Lotus, oder Padma, ist übrigens
ein sehr altes und beliebtes Symbol für den
Kosmos selbst, und ebenso für
den Menschen. Die populären Gründe dafür sind
erstens die eben erwähnte
Thatsache, daß der Lotussamen ein vollkommenes
Kleinbild der zukünftigen Pflanze einschliefst, was die
Thatsache versinnlicht, daß
die geistigen Vorbilder aller Dinge in der
unkörperlichen Welt existieren, bevor
diese Dinge auf Erden verkörpert werden. Zweitens der
Umstand, daß die
_7 (1 of 3)36.Kommentar I, II
Lotuspflanze durch das Wasser emporwächst, während sie
ihre Wurzel in der Ilys
oder dem Schlamme hat, und ihre Blüte aufwärts in die
Luft ausbreitet. Der Lotus
versinnbildlicht somit das Leben des Menschen und auch
das des Kosmos, denn
die Geheimlehre lehrt, daß die Elemente beider
dieselben sind und daß beide sich
in derselben Richtung entwickeln. Die in den Schlamm
versenkte Wurzel stellt das
stoffliche Leben dar, der durch das Wasser
aufsteigende Stengel das Dasein in
der Astralwelt. und die Blume, die auf dem Wasser
schwimmt und sich dem
Himmel eröffnet, bedeutet das geistige Sein.
4. SEIN HERZ HATTE SICH DEM EINEN STRAHLE NOCH NICHT
ERÖFFNET,
UM DENSELBEN ALS DREIHEIT IN DIE VIERHEIT, IN DEN
SCHOSS DER
Die ursprüngliche Substanz war noch nicht aus ihrer
vorweltlichen Verborgenheit
in die differenzierte Objektivität getreten, ja nicht
einmal zu der (dem Menschen
nämlich) unsichtbaren Protyle
der Wissenschaft geworden. Aber wenn “die
Stunde schlägt” und sie den
fohatischen Eindruck des göttlichen Gedankens
empfängt - des Logos, oder
des männlichen Aspektes der Anima mundi, des
Alaya - so öffnet sich ihr “Herz”. Sie differenziert
sich, und die Drei (Vater, Mutter,
Sohn) werden verwandelt in die Vier. Hierin liegt das
doppelte Geheimnis der
Dreieinigkeit und der unbefleckten Empfängnis. Das
erste und grundlegende
Dogma des Occultismus ist die universelle Einheit
(oder Homogenëität) unter drei
Aspekten. Dies führt zur Möglichkeit einer Vorstellung
der Gottheit, welche als
eine absolute Einheit den endlichen Intellekten ewig
unerfaßbar bleiben muß.
Wenn du glauben würdest an die Kraft, die in der
Wurzel einer Pflanze thätig
ist, oder dir die unter der
Seele verborgene Wurzel vorstellen würdest, dann
hast du über ihren Stengel
oder Stamm nachzudenken, und über ihre Blätter
und Blüten. Du kannst dir
diese Kraft nicht unabhängig von diesen
Gegenständen vorstellen. Das
Leben kann nur durch den Bauen des Lebens
erkannt werden .... 4
Die Idee einer absoluten
Einheit würde in unserer Vorstellung gänzlich
zerbrochen. wenn wir nichts
Konkretes vor unseren Augen hätten, das diese
Einheit enthielte. Und da die Gottheit absolut ist, so
muß sie allgegenwärtig sein,
daher giebt es kein Atom, das sie nicht in sich
enthielte. Die Wurzeln, der Stamm,
und seine vielen Äste sind drei verschiedene
Gegenstände, und doch sind sie ein
Baum.
_7 (2 of 3)36.Kommentar I, II
2) Ein unpoetischer Ausdruck,
jedoch sehr anschaulich.
3) Gross, The Heathen
Religion, p. 195.
4) Vorschriften für Yoga.
_7 (3 of 3)36.Kommentar I, II
Die Kabbalisten sagen: “Die
Gottheit ist eine, weil sie unendlich ist. Sie ist
dreifach, weil sie sich ewig
offenbart.”
Diese Offenbarung ist dreifach
in ihren Aspekten, denn es bedarf nach Aristoteles
dreier Prinzipien für jeden natürlichen Körper zu
seiner Objektivierung: Privation,
Form und Materie.1 Privation bedeutete in dem Sinne
des großen Philosophen
das, was die Occultisten die dem Astrallicht, der
niedrigsten Ebene und Welt der
Anima mundi, eingedrückten Prototypen nennen.
Die Vereinigung dieser drei Prinzipien hängt ab von
einem vierten - dem Leben,
welches von den Höhen des Unerreichbaren ausstrahlt.
um auf den geoffenbarten
Daseinsebenen eine universell ausgebreitete Essenz zu
werden. Und diese
Vierheit (Vater, Mutter, Sohn als eine Einheit - und
als lebende Offenbarung, eine
Vierheit) führte auf die sehr alte Idee von der
unbefleckten Empfängnis, jetzt
schließlich zu einem Dogma der christlichen Kirche
krystallisiert, welche diese
metaphysische Idee gegen allen gesunden
Menschenverstand verfleischlicht hat.
Denn es braucht einer nur die Kabalah zu lesen
und ihre zahlenmässigen
Erklärungsmethoden zu studieren, um den Ursprung
dieses Dogmas zu finden. Er
ist rein astronomisch, mathematisch und vorzugsweise
metaphysisch: das
männliche Element in der Natur (personifiziert in den
männlichen Gottheiten und
Logois: Virâj oder Brahmâ, Horus oder Osiris u. s. w.,
u. s. w.) wird geboren durch,
nicht von einer unbefleckten Quelle, personifiziert
als die “Mutter”, denn da die
Abstrakte Gottheit geschlechtslos ist, und nicht
einmal Sein, sondern Sein-heit,
oder Leben selbst ist, so kann dieses Männliche, das
eine “Mutter” hat, keinen
“Vater” haben. Wollen wir dies in der mathematischen
Sprache des Verfassers
des “Ursprungs der Maße” wiedergeben. Sprechend
von dem “Maße eines
Menschen” und seinem numerischen (kabbalistischen)
Wert, schreibt er, daß in
Genesis, IV.
1:
“Dieses wird das “Mensch gleich Jehovah” - Maß
genannt, und wird
folgendermaßen erhalten: 113 X 5 = 565. und der Wert
565 kann ausgedrückt
werden in der Form 56•5 x 10 = 565. Hier wird die
Menschenzahl 113 ein
Faktor von 56•5 x 10, und die (kabbalistische) Lesung
des letzteren
Zahlenausdruckes ist Jod, He, Vau, He oder Jehovah
.... Die
Auseinanderlegung von 565 in 56•5 x 10 hat den Zweck,
die Emanation des
männlichen (Jod) aus dem weiblichen (Eva) Prinzipe zu
zeigen; oder
sozusagen die Geburt eines männlichen Elementes aus
einer unbefleckten
Quelle, mit anderen Worten: eine unbefleckte
Empfängnis.
So wiederholt sich auf Erden das Mysterium, das, nach
den Worten der Seher, auf
der göttlichen Ebene aufgeführt wird. Der Sohn der
unbefleckten himmlischen
_9 (1 of 3)36.Kommentar I, II
Jungfrau (oder der undifferenzierten kosmischen Protyle,
der Materie in ihrer
Unendlichkeit) wird auf Erden wiedergeboren als der
Sohn der irdischen Eva,
unserer Mutter Erde, und wird zur Menschheit als
Ganzem (zur vergangenen,
gegenwärtigen und zukünftigen), denn Jehova, oder
Jod—He-Vau-He, ist
androgyn, oder männlich und weiblich zugleich. Oben
ist der Sohn der ganze
Kosmos, unten ist er die Menschheit. Die Triade oder
das Dreieck wird Tetraktys,
die heilige pythagoräische Zahl, das vollkommene
Viereck, und der sechsseitige
Würfel auf Erden. Der Makroprosopus (das große
Angesicht) wird zum
Mikroprosopus (dem kleineren Angesicht); oder, wie die
Kabbalisten sich
ausdrücken, der Alte der Tage, herabsteigend auf Adam
Kadmon, den er als sein
Vehikel verwendet, um sich damit zu offenbaren, wird
in Tetragrammaton
verwandelt. Es ist jetzt im “Schoße der Mâyâ”, der
großen Illusion, und zwischen
ihm und der Wirklichkeit ist das Astrallicht, der
große Täuscher der beschränkten
Sinne des Menschen, wenn nicht Erkenntnis durch
Paramârthasatya als Befreierin
erscheint.
5. DIE SIEBEN2 WAREN NOCH NICHT VOM LICHTGEWEBE
GEBOREN. DAS
DUNKEL ALLEIN WAR VATER—MUTTER, SVABHAVAT; UND
SVABHAVAT
Die Geheimlehre beschäftigt sich in den hier gegebenen
Strophen hauptsächlich,
wenn nicht ausschließlich, mit unserm Sonnensystem und
speziell mit unserer
Planetenkette. Die “sieben Söhne” sind daher die
Schöpfer der letzteren. Diese
Lehre wird später ausführlicher erklärt werden.
Svabhâvat, die “plastische Essenz”, die das Weltall
erfüllt, ist die Wurzel aller
Dinge. Svabhâvat ist sozusagen der buddhistische
konkrete Aspekt für die in der
indischen Philosophie Mûlaprakriti genannte
Abstraktion. Es ist der Körper der
Seele, und das, was Ether im Verhältnis zu Âkâsha
wäre, indem letzterer das
beseelende Prinzip des ersteren ist. Chinesische
Mystiker haben es zu einem
Synonym von “Sein” gemacht. In der chinesischen
Übersetzung des Ekashloka-Shâstra
des Nâgârjuna (des Lung-shu im Chinesischen), genannt Yih-shu-lu-kia-lun,
heißt es, daß der Ausdruck “Sein” oder “Subhâva” (Yeu
im Chinesischen)
bedeutet: “die Substanz, welche sich selbst Substanz
giebt”; auch erklärt er es als
bedeutend: “ohne Handlung und mit Handlung”, “die
Natur, welche keine eigene
Natur hat”. Subhâva, woraus Svabhâvat, ist aus zwei
Worten zusammengesetzt:
su schön,
lieblich, gut; sva selbst; und bhâva, Sein oder Daseinszustände.
_9 (2 of 3)36.Kommentar I, II
1) Ein Vedântist der Visihthadvaita-Philosophie würde
sagen: Parabrahman ist,
obwohl die einzige unabhängige Wirklichkeit, doch
unteilbar von seiner Dreiheit.
Er ist drei “Parabrahman, Chit und Achit”, wovon die
beiden letzten abhängige
Realitäten sind, unfähig, getrennt zu existieren;
oder, um es klarer zu machen,
Parabrahman ist die Substanz - wandellos, ewig, und
unerkennbar - und Chit
(Âtmâ) und Achit (Anâtmâ) und seine Qualitäten, wie
Form und Farbe, sind die
Qualitäten eines jeden Objektes. Die beiden sind das
Kleid, oder der Körper, oder
vielmehr Aspekt (sharîra) von Parabrahman. Aber ein
Occultist würde viel gegen
diese Behauptung zu sagen wissen, und ebenso ein
Advaitî-Vedântist. zurück
zum Text
2) Söhne nämlich.
_9 (3 of 3)36.Kommentar I, II
6. DIESE ZWEI SIND DER KEIM, UND DER KEIM IST EINER.
DAS WELTALL
WAR NOCH IM GOTTESGEDANKEN UND
IM GÖTTLICHEN BUSEN
VERBORGEN.
Der “Gottesgedanke” schließt
nicht die Idee eines göttlichen Denkers ein. Das
Weltall, nicht bloß als
Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges - eine
menschliche und endliche Idee ausgedrückt durch einen
endlichen Gedanken -
sondern in seiner Gesamtheit,
das Sat (ein unübersetzbarer Ausdruck), das
absolute Wesen, mit
Vergangenheit und Zukunft in einen ewigen Gegenwart
krystallisiert, ist dieser
Gedanke selbst, reflektiert in einer sekundären und
manifestierten Ursache. Brahman (neutrum), wie das
Mysterium Magnum des
Paracelsus, ist für den Menschengeist ein absolutes
Geheimnis. Brahma, der
männlich-weibliche, der Aspekt und die
anthropomorphische Reflexion des
Brahman, ist den Empfindungen des blinden Glaubens
vorstellbar, obwohl er vom
menschlichen Intellekt, wenn dieser die Übermacht
gewinnt, verworfen wird.
Daher die Behauptung, daß während des Vorspieles
sozusagen des
Schöpfungsdramas, oder des Beginnes der kosmischen
Evolution, das Weltall,
oder der Sohn, noch “im Gottesgedanken” verborgen
liegt, der noch nicht in den
“göttlichen Busen” eingedrungen war. Diese Idee, man
beachte das wohl, liegt an
der Wurzel und bildet den Ursprung von all den
Allegorieen bezüglich der “Söhne
Gottes”, die von unbefleckten Jungfrauen geboren wurden.
_1a37....Untitled Document
4. Die Drei1 FALLEN IN DIE VIER.2 DIE STRAHLENDE
WESENHEIT WIRD SIEBEN NACH INNEN; SIEBEN NACH
AUSSEN (a). DAS LEUCHTENDE EI3, DAS IN SICH
SELBST
DREI IST4, GERINNT UND VERBREITET SICH IN
MILCHWEISSEN FLOCKEN DURCH DIE TIEFEN DER MUTTER;
LEBENS HINWEINWÄCHST: (b).
(a) Der
Gebrauch von geometrischen Figuren und die häufigen
Anspielungen auf Figuren in allen alten Schriften, so
in den
Purânen, im ägyptischen
Totenbuch und selbst in der Bibel, muß
erklärt werden. Im Buche des Dzyan, wie in der Kabalah,
sind zwei
Arten von mathematischen Ausdrücken zu studieren – die
Figuren,
die oft einfach Blenden sind, und die heiligen Zahlen,
deren Werte
den Occultisten insgesamt durch Initiation bekannt
sind. Die
ersteren sind bloß konventionelle Glyphen, die
letzteren die
Grundsymbole vom Allem. Das heißt, die einen sind rein
physisch,
die andren rein metaphsysisch, und beide stehen zu
einander im
Verhältnis von Materie zu Geist – den äußersten Polen
der Einen
Substanz.
Wie Balzac, der unbewußte Occultist in der
französischen Literatur,
irgendwo sagt, ist die Zahl für den Verstand ebensogut
wie für den
Stoff „ein unbegreifliches Wirkendes“. So vielleicht für
den
profanen, aber niemals für den initiierten Verstand.
Zahl ist, wie der
große Schriftsteller dachte, eine Wesenheit, und
zugleich ein Atem,
der aus dem hervorgeht, was er Gott nannete und was
wir das ALL
nennen, der Atem, der allein den physischen Kosmos
organisieren
konnte, „wo nichts seine Form erhält, außer durch die
Gottheit, was
eine Wirkung der Zahl ist“. Es ist lehrreich, Balzacs
eigene Worte
über diesen Gegenstand anzuführen:
Die kleinsten, wie die
unermeßlichsten Schöpfungen, sind sie nicht von
einander zu unterscheiden
durch ihre Quantitäten, ihre Qualitäten, ihre
Dimensionen, ihre Kräfte und
Attribtute, alle erzeugt durch Zahlen? Die
Unendlichkeit der Zahlen
isfür unseren Verstand eine bewiesene Thatsache,
aber kein physischer Beweis
kann dafür geliefert werden. Der Mathematiker
_5 39.Untitled Document
wird uns sagen, daß die Unendlichkeit der Zahlenreihe
existiert, aber nicht
aufgewiesen werden kann.
Gott ist eine mit Bewegung
begabte Zahl, welche gefühlt, aber nicht
bewiesen wird. Als Einheit beginnt sie die Reihe der
Zahlen, mit denen sie
nichts gemeinsam hat.... Die Existenz der Zahlen hängt von der Einheit
ab,
die ohne eine einzige Zahl
sie alle erzeugt. .. Was! Unfähig, die erste
Abstraktion, die euch die Gottheit giebt, zu messen
oder festzuhalten, hofft ihr
noch, das Mysterium der Geheimwissenschaften, die aus
dieser Gottheit
hervorgehen, euren Messungen zu unterwerfen?..
Und was würdet ihr fühlen, würde ich euch in die
Abgründe der Bewegung
tauchen, der Kraft, die die Zahlen organisiert? Was
würdet ihr denken, würde
ich hinzufügen, daß Bewegung und Zahl5
durch das Wort erzeugt sind, durch
die höchste Vernunft der Seher und Propheten, welche
in alter Zeit den
mächtigen Atem Gottes empfanden, wofür ein Zeugnis die
Apokalypse ist?
(b) „Die
strahlende Wesenheit gerinnt und verbreitet sich durch
die Tiefen“ des Raumes. Vom astronomischen Standpunkt
ist das
leicht zu erklären: es ist die Milchstraße, der
Weltstoff, oder
Urmaterie in ihrer ersten Form. Schwieriger ist es
jedoch, es in
wenigen Worten oder auch Zeilen vom Standpunkt der
occulten
Wissenschaft und Symbolik zu erklären, da es die
komplizierteste
Glyphe ist. In derselben liegen mehr als ein Dutzend
Symbole
eingeschlossen. Zunächst enthält es das ganze Pantheon
der
mysteriösen Gegenstände6, von denen jeder eine
bestimmte
occulte Bedeutung hat, welche nach der indischen
Allegorie durch
das „Buttern des Ozeans“ von den Göttern herausgezogen
wurden.
Außer Amrita, dem Wasser des
Lebens oder der Unsterblichkeit,
wurde Surabhi, die „Kuh des
Überflusses“, genannt „die Quelle von
Milch und Quark“ aus diesem
„Milchmeer“ herausgezogen. Daher
_5 (2 of 4)39.Untitled Document
die allgemein verbreitete Anbetung von Kuh und Stier,
die eine die
hervorbringende, der andere die zeugende Kraft in der
Natur –
Symbole, die sowohl mit den solaren wie mit den
kosmischen
Gottheiten verbunden sind. Die spezifischen
Eigenschaften der
„vierzehn kostbaren Dinge“ für occulte Zwecke werden
erst bei der
vierten Initiation erklärt und können daher nicht
gegeben werden;
aber folgendes mag bemerkt werden. Im Shatapatha
Brâhmana
heißt es, daß das Buttern des Milchmeeres im Satya
Yuga
stattfand, im ersten Zeitalter, welches sofort auf die
„Sintflut“ folgte.
Da jedoch weder der Rig Veda noch Manu,
welche beide der
„Sintflut“ Vaivasvatas, welche die Hauptmasse der
vierten Rasse
betraf, vorangingen, diese Sintflut erwähnen, so ist
es klar, daß es
weder die große Flut ist, noch jene, welche Atlantis
verschwinden
ließ, noch auch die Sintflut Noahs ist, die hier
gemeint ist. Dieses
„Buttern“ bezieht sich auf eine Periode vor der
Formung der Erde,
und steht in direktem Zusammenhang mit einer andern
universellen
Legende, deren verschiedene und widersprechende
Versionen in
dem christlichen Dogma vom „Kampf im Himmel“ und dem
„Fall der
Engel“ kulminierten. Die Brâhmanas, denen die
Orientalisten
vorwerfen, daß ihre Versionen über dieselben
Gegenstände oft
einander widersprechen, sind in hervorragender Weise
occulte
Werke, daher
absichtlich als Blenden gebraucht. Man hat sie zum
öffentlichen Gebrauch und Eigentum nur deshalb
fortbestehen
lassen, weil sie für die Massen absolut unverständlich
waren und
sind. Andernfalls wären sie aus dem öffentlichen
Umlauf seit den
Tagen des Akbar verschwunden.
1 Das Dreieck.
_5 (3 of 4)39.Untitled Document
2 Vierheit.
3 Hiranyagarbha.
4 Die drei Hypostasen von
Brahmâ, oder Vishnu, die drei Avasthâs.
5 Zahl – jawohl; aber niemals
Bewegung. Im Occultismus ist es Bewegung,
die den Logos, das Wort,
erzeugt.
6 Die „vierzehn kostbaren
Dinge“. Die Erzählung oder Allegorie findet sich im
Shatapatha Brâhmana und anderen. Die japanische Geheimwissenschaft der
buddhistischen Mystiker der Yamabooshi, hat „sieben
kostbare Dinge“. Wir
werden später von ihnen sprechen.
_5 39.Kommentar III
5. DIE WURZEL BLEIBT, DAS LICHT BLEIBT, DIE FLOCKEN
BLEIBEN, UND
DOCH IST OEAOHOO EINS.
„Oeaohoo“ wird in den Kommentaren als „Vater-Mutter
der Götter“ oder die
„Sechs in Einem“ oder als die siebenfache Wurzel, aus
der alles hervorgeht,
bezeichnet. Alles hängt davon ab, welchen Accent man
diesen sieben Vokalen
giebt, die als eine, drei oder selbst als sieben
Silben ausgesprochen werden
können, wenn man ein e hinter das letzte o anfügt.
Dieser mystische Name ist
veröffentlicht, da er ohne vollständige Beherrschung
seiner dreifachen
Aussprache für immer wirkungslos bleibt.
„Ist Eins“ bezieht sich auf die Nichtgetrenntheit von
all dem, das
lebt und sein Dasein hat, sei es in einem aktiven oder
passiven
Zustand. In einem Sinne ist Oeaohoo die wurzellose
Wurzel von
Allem, daher eins mit Parabrahman; in einem andren
Sinne ist es
ein Name für das geoffenbarte Eine Leben, die ewige
lebendige
Einheit. Die „Wurzel“ bedeutet, wie bereits erklärt,
reine Erkenntnis
(Sattva)7, ewige (nitya) unbedingte Realität,
oder Sat (Satya), ob
wir es Parabrahman oder Mûlaprakriti nennen, denn
diese sind
bloß die zwei Symbole des Einen. Das „Licht“ ist
derselbe
allgegenwärtige geistige Strahl, welcher das göttliche
Ei
durchdrungen und nunmehr befruchtet hat, und die
kosmische
Materie zum Beginnen ihrer langen Reihe von
Differentiationen
aufruft. Die „Flocken“ sind die erste Differentiation,
und beziehen
sich wahrscheinlich auch auf jene kosmische Materie, welche
für
den Ursprung der Milchstraße gilt – der Materie, die
wir kennen.
Diese „Materie“, welche, nach der von den
ursprünglichen Dhyâni-Buddhas
erhaltenen Offenbarung, während des periodischen
Schlafes des Weltalls von der äußersten Feinheit, die
dem Auge
des vollkommenen Bodhisattva noch wahrnehmbar ist,
ist, - diese
Materie, strahlend und kühl, wird beim ersten
Wiedererwachen der
kosmischen Bewegung durch den Raum zerstreut; sie
erscheint,
von der Erde aus gesehen, in Haufen und Klumpen, wie
Flocken in
dünner Milch. Diese sind die Samen der zukünftigen
Welten, der
„Sternstoff“.
_7 (1 of 3)40.Kommentar III
6. DIE WURZEL DES LEBENS WAR IN JEDEM TROPFEN DES
OZEANS
STRAHLENDES LCIHT, WELCHES FEUER, WÄRME UND BEWEGUNG
WAR.
DAS DUNKEL VERSCHWAND UND WAR NICHT MEHR; ES
VERSCHWAND
IN SEINEM EIGENEN WESEN, DEM KORPER VON FEUER UND
WASSER,
Da die Wesenheit der Dunkelheit absolutes Licht ist,
so wird Dunkelheit als die
geeignete sinnbildliche Darstellung des Zustandes des
Weltalls während Pralaya,
dem Ausdrucke für absolute Ruhe, oder Nichtsein, wie
es unsern endlichen
Gemütern vorkommt, genommen. „Feuer, Wärme und
Bewegung“, von denen
hier gesprochen wird, sind natürlich nicht Feuer,
Wärme und Bewegung der
Physik, sondern die zu Grunde liegenden Abstraktionen,
die Noumena, oder die
Seele, der Wesenheit dieser materiellen
Manifestationen – die „Dinge an sich“,
welche, wie die moderne Wissenschaft eingesteht, gänzlich
der Instrumente des
Laboratoriums spotten, und welche selbst der Verstand
nicht fassen kann,
obwohl er anderseits ebensowenig der Schlußfolgerung
ausweichen kann, daß
diese zu Grunde liegenden Wesenheiten der Dinge
existieren müssen. „Feuer
und Wasser, oder Vater und Mutter“ kann hier in der
Bedeutung von göttlichem
Strahl und Chaos genommen werden. „Chaos, aus dieser
Vereinigung mit dem
Geiste den Sinn erhaltend, leuchtete in Wonne, und so
wurde der Protogonos
(das erstgeborene Licht) hervorgebracht“, sagt ein
Fragment des Hermas.
7 „Das Urbild des Verstandes
ist Sattva, das Shankara als Antaskarana
wiedergiebt. „Geläutert“,
sagt er, „durch Opfer und andre heiligende
Handlungen.“ In der Katha,
p. 148, giebt Shankara Sattva die Bedeutung von
Buddhi – ein gewöhnlicher
Gebrauch des Wortes.“ (Bhagavadgîtâ, etc.,
übersetzt von Kâshinâth
Trimbak Telang, M.A.; herausgegeben von Max
Müller, p. 193.) Was immer
für Bedeutungen verschiedene Schulen dem
Worte geben mögen, Sattva ist
der Name, der von den Geheimschülern der
Âryâsanga-Schule der dualen Monade, oder Âtma-Buddhi,
gegeben wird, und
Âtma-Buddhi auf dieser Ebene entspricht Parabrahman
und Mûlaprakriti auf
der höheren Ebene.
_7 (2 of 3)40.Kommentar III
8 Amrita.
9 Cory’s Ancient Fragments,
p. 314.
_7 (3 of 3)40.Kommentar III
Nach den Rosenkreuzerischen
Lehrsätzen, wie sie diesmal von
dem Profanen korrekt, wenn auch
nur einen Teil betreffend,
behandelt und erklärt werden,
sind „Licht und Dunkelheit an sich
identisch, und nur im
menschlichen Gemüte teilbar“, und nach
Robert Fludd „nahm Dunkelheit
Beleuchtung an, um sich sichtbar
zu machen“.10 Nach den Lehren
des östlichen Occultismus ist
Dunkelheit die eine wahre
Wirklichkeit, die Grundlage und Wurzel
des Lichtes, ohne welche das
letztere sich niemals hätte
offenbaren können, ja nicht
einmal existieren. Licht ist Stoff und
Dunkelheit reiner Geist.
Dunkelheit in ihrer innewohnenden,
metaphysischen Grundlage ist
subjektives und absolutes Licht;
während letzteres in all seinem
scheinbaren Glanz und Pracht
bloße eine Menge von Schatten
ist, da es niemals ewig sein kann
und bloß eine Illusion oder
Mâyâ ist.
Selbst in der geistverwirrenden
und wissenschaftermüdenden Genesis11 wird
Licht aus der Dunkelheit geschaffen
– „und Finsternis war über dem Angesicht
der Tiefe“ – und nicht umgekehrt. „In ihr (in der
Dunkelheit) war Leben; und das
Leben war das Licht der Menschen“12). Ein Tag
mag kommen, an dem die
Augen der Menschen geöffnet sein mögen; und dann mögen
sie besser als jetzt
den Vers im Evangelium Johannis verstehen, welcher
sagt: “„und das Licht
scheint in der Finsternis, und die Finsternis begreift
es nicht“. Sie werden sehen,
daß das Wort „Finsternis“ sich nicht auf das geistige
Sehen des Menschen
bezieht, sondern thatsächlich auf Finsternis, auf das
Absolute, daß das
vergängliche Licht nicht begreift (nicht erkennen
kann), wie transcendent es auch
für menschliche Augen sein mag. Demon est Deus
inversus. Der Teufel
wird jetzt von der Kirche „Finsternis“ genannt,
während in der Bibel,
im Buche Job, er der „Sohn Gottes“, der helle
Stern des frühen
Morgens, Lucifer, genannt wird. Es liegt eine ganze
Philosophie
dogmatischer Geschicklichkeit in dem Grund, warum der
erste
Erzengel, der aus den Tiefen des Chaos entsprang, Lux
(Lucifer),
der leuchtende „Sohn des Morgens“ oder der
manvantarischen
Dämmerung genannt wurde. Er wurde von der Kirche in
Lucifer
oder Satan umgewandelt, weil er höher und älter als
Jehovah ist,
und dem neuen Dogma geopfert werden musste.
7. SIEHE, O LANOO13! DAS STRAHLENDE KIND DER BEIDEN,
DIE
UNVERGLEICHLICHE FÜLLE DER HERRLICHKEIT – DER
_9 (1 of 3)40.Kommentar III
HELLE RAUM, WELCHER DER SOHN
DES DUNKLEN RAUMES
IST, DER SICH AUS DEN TIEFEN
DER GROSSEN DUNKLEN
GEWÄSSER ERHEBT. ES IST
OEAOHOO, DER JÜNGERE, DER
*** 14(a). ER SCHEINT FORTAN
WIE DIE SONNE; ER IST DER
FEURIGE GÖTTLICHE DRACHE DER
WEISHEIT. EKA15 IST
CHATUR, UND CHATUR NIMMT TRI AN SICH UND DIE
VEREINIGUNG
BILDET SAPTA, IN DEM DIE SIEBEN SIND, WELCHE TRIDASHA
[16] , DIE
HEERSCHAREN UND LEGIONEN WERDEN. (b). SIEHE,
WIE ER DEN
SCHLEIER HEBT UND IHN VON OSTEN NACH WESTEN ENTFALTET.
ER
VERBIRGT DAS OBERE UND LÄSST DAS UNTERE ALS DIE GROSSE
ILLUSION SICHTBAR SEIN. ER BEZEICHNET DEN STRAHLENDEN
[17] IHRE
PLÄTZE UND MACHT AUS DEM OBEREN [18] EIN UFERLOSES
MEER VON
FEUER © UND AUS DEM EINEN GEOFFENBARTEN [19] DIE
GROSSEN
(a) „Der helle Raum, der Sohn des dunklen Raumes“
entspricht dem Strahle,
der bei dem ersten Erzittern der neuen Dämmerung in
die großen kosmischen
Tiefen drang, aus dem er differenziert wieder
auftaucht als „Oeaohoo der
Jüngere“ (das „neue Leben“), um bis ans Ende des
Lebenskreislaufes der
Keim aller Dinge zu sein.
Es ist „der unkörperliche
Mensch, der in sich die göttliche Idee enthält,“ der
Erzeuger von Licht und Leben,
um einen Ausdruck von Philo Judäus zu
gebrauchen.
Er wird „der feurige Drache der
Weisheit“ genannt, erstens, weil er das ist, was
die griechischen Philosophen
den Logos, das Wort des göttlichen Gedankens
nannten; und zweitens, weil in
der esoterischen Philosophie diese erste
Manifestation, als die Synthese
oder das Aggregat der universellen Weisheit,
Oeaohoo, der „Sohn der Sonne“, in sich die sieben
schöpferischen Heerscharen
(Sephiroth) enthält, und somit die Essenz der
geoffenbarten Weisheit ist. „Wer in
dem Lichte
von Oeaohoo badet, wird niemals durch den Schleier der Mâyâ
getäuscht werden.“
10 Über Rosenkranz.
_9 (2 of 3)40.Kommentar III
12 Johannes I, 4.
13 Lanoo ist ein Schüler, ein
Chelâ, der praktische Esoterik studiert.
14 „Den du jetzt kennst als
Kwan-Shai-Yin.“ – Komment.
15 Eka ist eins, Chatur vier,
Tri drei, und Sapta sieben.
[16] „Tridasha“ oder dreißig, dreimal zehn, spielt auf
die vedischen Gottheiten
in runder Zahl an, oder genauer 33 – eine heilige
Zahl. Sie sind die 12
Âdityas, die 8 Vasus, die 11 Rudras, und die 2 Ashvins
– die Zwillingssöhne
von Sonne und Himmel. Dies ist die Wurzelzahl des
indischen Pantheons,
welche 33 Karors, oder 330
Millionen von Göttern und Göttinnen zählt.
[17] Sternen.
[18] Dem oberen Raum.
[19] Element.
_9 (3 of 3)40.Kommentar III
„Kwan-Shai-Yin“ ist identisch und gleichwertig mit dem
Sanskritwort
Avalokiteshvara und als solcher eine mannweibliche
Gottheit, gleich dem
Tetragrammoton und all den Logois der Altertums. Nur
von einigen Sekten in
China wird er anthropomorphisiert, und mit weiblichen
Attributen dargestellt; in
seinem weiblichen Aspekt wird er Kwan-Yin, die
Gottheit der Gnade, genannt die
„göttliche Stimme“. [20] Letztere ist die Schutzgottheit
von Tibet und der Insel
Puto in China, wo beide Gottheiten eine Anzahl von
Klöstern haben. [21]
Die höheren Götter des Altertums sind alle „Söhne der
Mutter“, bevor sie
„Söhne des Vaters“ werden.
Die Logoi, wie Jupiter oder Zeus, Sohn von Kronos-Saturn,
„unendlicher Zeit“
(Kâla), wurden ursprünglich als mannweiblich
dargestellt.
Zeus wird die „schöne Jungfrau“ genannt, und Venus
wird bärtig gemacht.
Apollo war ursprünglich zweigeschlechtig, ebenso ist
es Brahmâ-Vâch im Manu
und den Purânen.
Osiris ist vertauschbar mit Isis, und Horus ist von
beiden Geschlechtern.
Schließlich ist in St. Johannis Vision in der Offenbarung
des Logos, der jetzt mit
Jesus in Verbindung gebracht ist, hermaphroditisch,
denn er wird im Besitze von
weiblichen Brüsten geschildert.
Aber es giebt zwei
Avalokiteshvaras in der Esoterik: den ersten und den
zweiten Logos.
Kein religiöses Symbol kann in
unsern Tagen der Politik und Wissenschaft der
Entweihung, ja dem Spotte
entgehen. Die Verfasserin hat im südlichen Indien
einen eingeborenen Konvertiten
gesehen, welcher Pûjâ mit Opfergaben vor einer
Statue eines Jesus in Weiberkleidern und mit einem
Ring in der Nase machte.
Auf die Frage nach der Bedeutung dieser Maskerade
erhielten wir die Antwort,
das sei Jesu-Maria in eins vereint, und es sei dies
mit Erlaubnis der Paters
geschehen, da der eifrige Convertit nicht genug Geld
hatte, um zwei Statuen,
oder „Idole“, wie sie ein Anwesender, ein anderer
jedoch nicht bekehrter Hindu,
sehr passend benannte, zu kaufen. Einem dogmengläubigen
Christen wird dies
lästerlich erscheinen, aber der Theosoph und Occultist
muß die Palme der Logik
dem Hindûconvertiten zuerkennen. Der esoterische
Christos der Gnôsis ist
_01 (1 of 3)41.Kommentar III
natürlich ungeschlechtig, aber in der exoterischen Theologie
ist er männlich und
weiblich.
(b) Der „Drache der Weisheit“ ist die Eins, das „Eka“
oder Saka. Es ist
merkwürdig, dass der Name
Jehovah im Hebräischen auch Eins, Achad, sein
sollte. „Sein Name ist
Achad“, sagen die Rabbiner. Die Philologen mögen
entscheiden, welches von
beiden vom andern abgeleitet ist, linguistisch und
symbolisch: sicherlich nicht
das Sanskrit. Der „Eine“ und der „Drache“ sind
Ausdrücke, die die Alten in Zusammenhang mit ihren
entsprechenden Logois
gebrauchten. Jehovah – esoterisch Elohim – ist auch
die Schlange oder der
Drache, welcher Eva versuchte; und der Drache ist eine
alte Glyphe für das
Astrallicht (ursprüngliches Prinzip), „welches die
Weisheit des Chaos ist“. Die
archaische Philosophie, die weder Gut noch Übel als
fundamentale oder
unabhängige Macht anerkennt, sondern vom absoluten ALL
(universelle
Vollendung ewiglich) ausgeht, verfolgt beides durch
den Lauf der natürlichen
Entwicklung zu reinem Licht, das sich allmählich zur
Form verdichtet, und somit
Stoff oder Übel wird. Es war den älteren und
unwissenden Kirchenvätern
überlassen, die philosophische und hoch
wissenschaftliche Idee dieses
Sinnbildes zu dem unsinnigen Aberglauben, genannt
„Teufel“ zu erniedrigen. Sie
nahmen dies von den späteren Zoroastriern, welche
Teufel (Devils) oder Übel
(Evil) in den indischen Devas erblickten, und das Wort
Evil wurde eine doppelte
Umwandlung zu D’Evil (Diabolos, Diable, Diavolo,
Teufel). Aber die Heiden
haben immer philosophische Unterscheidungskraft in
ihren Symbolen gezeigt.
Das ursprüngliche Symbol der Schlange symbolisierte
göttliche Weisheit und
Vollendung, und stand jederzeit für psychische
Regeneration und Unsterblichkeit.
Daher nannte Hermes die Schlange das geistigste von
allen Wesen; Moses,
initiiert in die Weisheit des Hermes, folgte ihm in
der Genesis, die gnostische
Schlange mit den sieben Vokalen über ihrem Haupt war
das Sinnbild der sieben
Hierarchieen der siebenfachen oder planetarischen
Schöpfer.
Daher auch die indische Schlange Shesha oder Ananta,
der Unendliche, ein
Name des Vishnu, und sein erstes Vâhana oder Fahrzeug,
auf den
Urgewässern.
Diese Schlangen müssen jedoch ebenso wie die Logoi und
die Hierarchieen
der Mächte eine von der anderen unterschieden werden.
_01 (2 of 3)41.Kommentar III
Shesha oder Ananta, das „Lager des Vishnu“, ist eine
allegorische Abstraktion
und symbolisiert die unendliche Zeit im Raum, der den
Keim enthält und
periodisch die Blüte dieses Keims, das geoffenbarte
Weltall, ausstößt; während
die gnostische Ophis dieselbe dreifache Symbolik in
ihren sieben Vokalen wie
der ein-, drei- und siebensilbige Oeaohoo der alten
Lehre enthält; nämlich den
ersten unmanifestierten Logos, den zweiten
Manifestierten, das Dreieck, welches
in die Vierheit oder Tetragrammaton übergeht; und die
Strahlen des letzteren auf
der materiellen Ebene.
Aber alle machten einen
Unterschied zwischen der guten und der bösen
Schlange (dem Astrallicht der
Kabbalisten), - zwischen der ersteren, der
Verkörperung der göttlichen
Weisheit in der Region des Geistigen, und der
letzteren, dem Übel, auf der Ebene des Stoffes. Denn
das Astrallicht, oder der
Äther, der alten Heiden – der Name Astrallicht ist
ganz modern – ist Geist-Materie.
Beginnend auf der rein geistigen Ebene, wird es mit
dem Herabsteigen immer
gröber, bis es zur Mâyâ, oder der versuchenden und
täuschenden Schlange auf
unserer Ebene wird.
[20] Die gnostische Sophia
(Weisheit), die die „Mutter“ der Ogdoad (Aditi, in
einem gewissen Sinne, mit ihren
acht Söhnen) ist, ist der heilige Geist und der
Schöpfer von allem, wie in den alten Systemen. Der
„Vater“ ist eine viel
spätere Erfindung. Der älteste manifestierte Logos war
überall weiblich – die
Mutter der sieben planetarischen Mächte.
[21] Siehe Chinese Buddhism, vom Rev. Joseph
Edkins der immer korrekte
Thatsachen giebt, wenn auch seine Schlüsse sehr häufig
irrtümlich sind.
_01 (3 of 3)41.Kommentar III
Jesus nahm die Schlange als ein Synonym, für Weisheit
und es bildete dies
einen Teil seiner Lehre: „Seid weise wie die
Schlangen“, sagt er. „Im Anfange,
bevor die
Mutter zum Vater-Mutter wurde, bewegte sich der feurige Drache allein
in den Unendlichkeiten.“ [22] Das Aitareya-Brâhmana
nennt die Erde Sarparâjni,
die „Schlangenkönigin“ und die „Mutter von allem, das
sich bewegt“.
Bevor unsere Kugel eiförmig wurde (und ebenso das
Weltall), „bewegte und
wand sich ein langer Streifen von kosmischem Staub
[oder Feuernebel] wie eine
Schlange im Raume“. Der „Geist Gottes, der sich auf
dem Chaos bewegt“, wurde
von jeder Nation in Gestalt einer feurigen Schlange
symbolisiert, welche Feuer
und Licht auf die Urgewässer ausatmete, bis sie den
Weltstoff ausgebrütet hatte
und ihm die ringförmige Gestalt einer Schlange mit
ihrem Schwanze im Munde
hat annehmen lassen – wodurch nicht bloß Ewigkeit und
Unendlichkeit, sondern
auch die kugelförmige Gestalt aller der innerhalb des
Weltalls aus diesem
Feuernebel gebildeten Körper symbolisiert wird. Das
Weltall, sowie auch Erde
und Mensch, werfen schlangengleich periodisch ihre
alten Hüllen ab, um nach
einer Zeit der Ruhe neue anzunehmen. Die Schlange ist
sicherlich kein weniger
graziöses oder unpoetischeres Bild als die Raupe und
Puppe, aus denen der
Schmetterling hervorgeht, das griechische Sinnbild der
Psyche, der
menschlichen Seele! Der Drache war ebenfalls ein
Symbol des Logos bei den
Ägyptern, sowie bei den Gnostikern. Im Buche des
Hermes erscheint Pymander,
der älteste und geistigste der Logoi des westlichen
Continentes, dem Hermes in
Gestalt eines feurigen Drachens aus „Licht, Feuer und
Flamme“. Pymander, der
personifizierte „göttliche Gedanke“, sagt:
Das Licht ist Ich, ich bin der Nous (das Gemüt oder
Manu), ich bin dein Gott,
und ich bin weit älter als das menschliche Prinzip,
welches aus dem Schatten
(Dunkelheit oder der verborgenen Gottheit)
emportaucht. Ich bin der Keim des
Gedankens, das strahlende Wort, der Sohn Gottes.
Alles, was also in dir sieht
und hört, ist das Verbum des Meisters; es ist der
Gedanke (Mahat), welcher
Gott ist, der Vater. [23] Der himmlische Ozean, der
Äther, .... ist der Atem des
Vaters, das lebengebende Prinzip, die Mutter, der
heilige Geist .... denn diese
sind nicht getrennt, und ihre
Vereinigung ist Leben.
Hier finden wir ein nicht
mißzuverstehendes Echo der archaischen
Geheimlehre, wie sie jetzt
dargelegt ist. Nur setzt letztere an die Spitze der
Evolution des Lebens nicht den „Vater“, der an dritte
Stelle gehört und der „Sohn
der Mutter“ ist, sondern den „ewigen und
unaufhörlichen Atem des ALL’s“. Mahat
(Verstand, Universalgemüt, Gedanke u. s. w.) erscheint
als Vishnu, bevor es sich
_03 (1 of 3)41.Kommentar III
als Brahmâ oder Shiva offenbart, sagt der Sânkhya
Sâra. [24] Somit hat es
verschiedene Aspekte, ebenso wie der Logos. Mahat
heißt der Herr, in der
ersten Schöpfung,
und ist in diesem Sinne universelle Erkenntnis oder göttlicher
Gedanke; aber „daß das Mahat, welches zuerst
hervorgebracht wurde, (später)
Egoismus heißt,
wenn es als (das Sichselbstfühlen als) „Ich“ geboren wird,
dieses wird als die zweite Schöpfung
bezeichnet.“ [25] Und der Übersetzer (ein
fähiger und gelehrter Brâhmane, nicht ein europäischer
Orientalist) erklärt in
einer Fußnote: „d. h. wenn Mahat sich in das Gefühl
des „Selbstbewusstseins –
des Ichs – entwickelt, so nimmt es den Namen Egoismus
an,“ was, in unsere
esoterische Ausdrucksweise übersetzt, bedeutet: wenn
Mahat in das
menschlichen Manas (oder selbst in das der endlichen
Götter) transformiert und
zur Aham-heit wird. Warum es das Mahat der zweiten
Schöpfung ( oder der
neunten, der
Kaumâraschöpfung des Vishnu Purâna) genannt wird, wird später
erklärt werden.
© Das „Feuermeer“ ist also das superastrale (d. h.
noumenale) Licht, die erste
Ausstrahlung aus der Wurzel
Mûlaprakriti, aus undifferenzierter kosmischer
Substanz, welche zur Astralmaterie wird. Es heißt auch
die „feurige Schlange“,
wie oben beschrieben. Wenn der Schüler den Gedanken
festhält, daß bloß Ein
allgemeines Urding ist, unendlich, ungeboren und
unsterblich, und das alles
übrige – als in der Welt der Erscheinungen befindlich
– von den Wirkungen in der
großen Welt herab bis zu denen in der kleinen, von
übermenschlichen Wesen
herab bis zu den menschlichen und untermenschlichen,
kurz die Gesamtheit des
gegenständlichen Daseins,
bloß ebensoviele verschiedene unterschiedliche
Seiten und Umwandlungen
(Wechselbeziehungen nennt man es jetzt) dieses
Einen sind, - dann wird die
erste und hauptsächlichste Schwierigkeit
verschwinden, und die geheime Weltenlehre kann
bemeistert werden. So gab es
in der ägyptischen wie in der indischen Götterlehre
eine Verborgene Gottheit, die
EINE, und einen schöpferischen, mannweiblichen Gott;
Shu war der Gott der
Erschaffung, und Osiris in seiner ursprünglichen
ersten Form der Gott, „dessen
Name unbekannt ist.“ [26]
[22] Buch der Sarparâjni
[23] Unter „Gott, dem Vater“
ist hier unzweifelhaft das siebente Prinzip im
Menschen und Kosmos verstanden,
welches Prinzip in seinem Wesen und
_03 (2 of 3)41.Kommentar III
seiner Natur untrennbar von dem siebenten kosmischen
Prinzip ist. In einem
Sinne ist es der Logos der Griechen und der
Avalokiteshvara der esoterischen
„Buddhisten“.
[24] Fitzedward Halls
Ausgabe, in der Bibliotheca indica, p. 16.
[25] Anugîtâ, ch.
XXVI, K. T. Telangs Übersetzung, p. 333.
[26] Siehe Mariettes Abydos,
II. 63 und III, 413, 414, No. 1122.
_03 (3 of 3)41.Kommentar III
Alle Kabbalisten und Occultisten des Ostens und
Westens anerkennen (a) die
Identität von „Vater-Mutter“ mit dem ursprünglichen
Äther, oder Âkâsha
(Astrallicht); und (b) seine Homogeneität vor
der Evolution des „Sohnes“,
kosmisch Fohats, denn er ist kosmische Elektricität. „Fohat
härtet und zerstreut
die sieben Brüder“; [27] das heißt, die ursprüngliche elektrische Wesenheit –
denn die östlichen Occultisten bestehen darauf, daß
die Elektricität eine
Wesenheit ist – elektrisiert den Urstoff oder die
vorweltliche Materie zum Leben
und trennt sie in Atome, welche selbst wieder die
Quelle alles Lebens und
Bewusstseins sind. „Es existiert ein universeller agent
unique aller Formen und
des Lebens, genannt Od, Ob und Aour, [28] aktiv und
passiv, positiv und negativ,
wie Tag und Nacht: er ist das erste Licht in der
Schöpfung“ (Eliphas Levi) – das
„erste Licht“ der ursprünglichen Elohim, der Adam
„männlich und weiblich“, oder
(wissenschaftlich) Elektrizität
und Leben.
Die Alten stellten ihn als
Schlange dar, denn „Fohat zischt, während er hin und
her gleitet“ (in Zickzacks). Die Kabalah bezeichnet ihn mit dem
hebräischen
Buchstaben Teth, [korrekter
Abdruck siehe Buch S.105], dessen Symbol die
Schlange ist, welche eine so hervorragende Rolle in
den Mysterien spielte. Sein
universeller Wert ist neun, denn es ist der neunte
Buchstabe des Alphabets, und
das neunte Thor von den fünfzig Portalen, oder
Thorwegen, welche zu den
verborgenen Geheimnissen des Seins führen. Es ist der
magische Agent par
excellence,
und bezeichnet in der hermetischen Philosophie „Leben gegossen in
die Urmaterie“, die Wesenheit, welche alle Dinge
zusammensetzt, und den Geist,
der ihre Form bestimmt. Aber es giebt zwei geheime
hermetische Operationen,
eine geistig, die andere materiell, in Wechselbeziehung
stehend und für immer
vereinigt. Hermes sagt nämlich:
Trenne die Erde vom Feuer, das Feine vom Groben ....
das, was von der
Erde zum Himmel aufsteigt und wiederum vom Himmel zur
Erde herabsteigt.
Es (das feine Licht) ist die starke Macht einer jeden
Kraft, denn es bezwingt
jedes feine Ding und durchdringt jedes feste. So wurde
die Welt geformt.
Zeno, der erste der Stoiker, war nicht der einzige,
welcher lehrte, daß das
Weltall sich entwickelt und daß seine erste Substanz
umgeformt wird, aus dem
Zustand des Feuers in den der Luft, dann in den des
Wassers, u.s.w. Heraklit
von Ephesus behauptete, daß das eine Prinzip, welches
allen Erscheinungen in
der Natur zu Grunde liegt, Feuer ist. Die Intelligenz,
welche das Weltall bewegt,
ist Feuer, und Feuer ist Intelligenz. Und während
Anaximenes dasselbe von der
Luft sagte, und Thales von Milet (600 v. Ch.) vom
Wasser, versöhnt die
_05 (1 of 2)42.Kommentar III
esoterische Lehre alle diese Philosophen, indem sie
zeigt, dass, obwohl ein jeder
Recht hatte, doch das System
von keinem vollständig war.
[27] Buch des Dzyan, III.
[28] Od ist das reine
lebensspendende Licht, oder die magnetische
Flüssigkeit; Ob, der Bote des Todes, gebraucht von den
Zauberern, die
verderbliche üble Flüssigkeit; Aour ist die Synthese
der beiden, das
eigentliche Astrallicht. Können die Philologen sagen,
wieso Od – ein von
Reichenbach zur Benennung der Lebensflüssigkeit
gebrauchter Ausdruck –
auch ein tibetanisches Wort ist, das Licht,
Helligkeit, Strahlung bedeutet? Es
bedeutet auch „Himmel“ in einem occulten Sinn. Woher
stammt das Wort?
Aber Âkâsha ist nicht genau Ether, sondern etwas viel
Höheres als dieser, wie
gezeigt werden wird.
_05 (2 of 2)42.Kommentar III
8. WO WAR DER KEIM, UND WO WAR JETZT DIE FINSTERNIS?
WO IST
DER GEIST DER FLAMME, WELCHE IN DEINER LAMPE BRENNT, O
LANOO!
DER KEIM IST TAT, UND TAT IST DAS LICHT, DER WEISSE
STRAHLENDE
Die Antwort auf die erste Frage, angedeutet durch die
zweite,welche die
Erwiderung des Lehrers an den Schüler ist, enthält in
einer einzigen Phrase eine
der wesentlichsten Wahrheiten der occulten
Philosophie. Sie weist auf das
Dasein von Dingen hin, die, unerkennbar unsern
physischen Sinnen, viel
wichtiger, reeller und dauerhafter sind, als jene,
welche sich an die Sinne selbst
wenden. Bevor der Lanoo hoffen kann, das
transscendental metaphysische
Problem zu verstehen, welches in der ersten Frage
enthalten ist, muß er fähig
sein, die zweite zu beantworten; während die Antwort
selbst, die er auf die zweite
giebt, ihm den Faden zur richtigen Beantwortung der
ersten bietet.
In dem Sanskritkommentar zu dieser Strophe werden
mannigfaltige Ausdrücke
für das verborgene und nicht offenbarte Prinzip
gebraucht. In den ältesten
Handschriften der indischen Litteratur hat diese
nichtoffenbarte abstrakte Gottheit
keinen Namen. Es wird allgemein „Dieses“ (Tat im
Sanskrit) genannt, und
bedeutet alles, was ist, war und sein wird, oder was
so vom menschlichen Gemüt
aufgenommen werden kann.
Unter diesen Beinamen – die natürlich nur der
esoterischen Philosophie
angehören – wie: die „unergründliche Dunkelheit“, der
„Wirbelwind“ u. s. w. wird
es auch genannt: „Es von dem Kâlahansa“, der
„Kâla-ham-sa“ und selbst der
„Kâli Hamsa“ (der schwarze Schwan). Hier ist das m und
n vertauschbar, beide
klingen wie das nasale französische an oder am.
Wie im Hebräischen, so liefert
auch im Sanskrit manch ein geheimnisvoller heiliger
Name dem profanen Ohre
nichts weiter als ein gewöhnliches und oft gemeines
Wort, weil er
anagrammatisch oder anderweise versteckt ist. Dieses
Wort Hansa, oder
Hamsa, bildet gerade so einen Fall. Hamsa ist so viel
wie „A-ham-sa“, drei Silben
mit der Bedeutung „Ich bin Er“; während nach einer
noch anderen Einteilung „So-ham“,
„Er [ist] Ich“, zu lesen ist. In diesem einen Wort ist
für den, der die Sprache
der Weisheit versteht, das universale Mysterium, die
Lehre von der Identität der
Menschenwesenheit mit der Gottwesenheit, enthalten.
Daher die Glyphe und
Allegorie vom Kâlahansa (oder Hamsa), und der Name,
welcher dem Brahman
(neutrum) und später dem männlichen Brahmâ gegeben
wurde, nämlich Hamsa-http://
212.88.187.41/FTP/theosophie/Geheimlehre_07 (1 of
5)42.Kommentar III
vâhana, „er, der den Hamsa als sein Fahrzeug benützt“.
Dasselbe Wort kann
auch gelesen werden „Kâlaham-sa“ oder „Ich bin Ich, in
der Ewigkeit der Zeit“,
was dem biblischen oder richtiger zoroastrischen „Ich
bin, der ich bin“ entspricht.
Dieselbe Lehre findet sich in der Kabalah, wofür der
folgende Auszug aus einem
unveröffentlichten Manuskript des Herrn S. Liddell
McGregor Mathers, des
gelehrten Kabbalisten, Zeugnis giebt.
Die drei Pronomina [korrekter Abdruck siehe Buch
S.107], Hua, Atch, Ani – er,
du, ich – werden gebraucht,
um die Ideen des Makroprosopus und
Mikrokrosopus in der
hebräischen Kabalah zu symbolisieren. Hua, „er“ wird
auf den verborgenen und
geheimen Makroprosopus; Ateh, „du“ auf den
Mikroprosopus; und Ani, „ich“
auf den letzteren, wenn er als sprechend
dargestellt wird, angewendet. (Siehe Lesser Holy
Assembly, 204 ff.). Es ist zu
beachten, daß jeder dieser Namen aus drei Buchstaben
besteht, von welchen
der Buchstabe Aleph [korrekter Abdruck siehe Buch
S.107], A, den Schluß des
ersten Wortes Hua, und den Anfang von Ateh und Ani
bildet, bildet, als ob er
das Bindeglied zwischen ihnen wäre. Aber [korrekter
Abdruck siehe Buch
S.107] ist
das Symbol der Einheit und infolgedessen der unveränderlichen
Idee des Göttlichen, welches durch alle diese wirkt.
Aber hinter dem [korrekter
Abdruck siehe Buch S.107]in dem Namen Hua sind die Buchstaben [korrekter
Abdruck siehe Buch S.107] und [korrekter Abdruck siehe
Buch S.107], die
Symbole der Zahlen sechs und
fünf, des Männlichen und Weiblichen, des
Hexagramm und Pentagramm. Und
die Zahlen dieser drei Worte, Hua, Ateh,
Ani, sind 12, 406 und 61, welche in die
Schlüsselzahlen 3, 10 und 7 summiert
werden, nach der Kabalah der neun Kammern, welche eine
Form der
exegetischen Regel der Temura ist.
Es ist nutzlos, eine
vollständige Erklärung des Geheimnisses zu versuchen.
Materialisten und Männer der
modernen Wissenschaft werden es niemals
verstehen, da man, um eine
klare Vorstellung davon zu erhalten, vor allem
andern den Grundsatz einer allgemein ausgebreiteten,
allgegenwärtigen, ewigen
Gottheit in der Natur anzuerkennen hat; zweitens das
Geheimnis des wahren
Wesens der Elektricität ergründet haben muß; und
drittens, den Menschen für
das siebenfache Symbol auf der irdischen Ebene von der
Einen großen Einheit,
dem Logos, zu halten hat, welcher selbst wieder das
siebenvokalige Zeichen, der
zum Wort krystallisierte Atem ist. [29] Wer an all
dieses glaubt, muß auch an die
vielfältige Kombination der sieben Planeten des
Occultismus und der Kabalah,
mit den zwölf Tierkreiszeichen glauben; und muß, wie
wir es thun, jedem
_07 (2 of 5)42.Kommentar III
Planeten und jeder Konstellation einen Einfluß
zuschreiben, der, nach den
Worten Herrn Ely Stars (eines französischen
Astrologen) „demselben
eigentümlich ist, wohltätig oder übel, und dies je
nach dem Planetengeist, der ihn
regiert, welcher seinerseits imstande ist, Menschen
und Dinge, die sich in
Harmonie mit ihm befinden und mit welchen er
irgendwelche Verwandtschaft hat,
zu beeinflussen“.
Aus diesen Gründen, und weil nur wenige an das
Vorstehende glauben, kann
jetzt einzig und allein mitgeteilt werden, dass in
beiden Fällen das Symbol des
Hansa (einerlei ob Ich, Er, Gans oder Schwan) ein
wichtiges Symbol ist, das,
neben andern Dingen, göttliche Weisheit, Weisheit in
der Dunkelheit,
unerreichbar den Menschen, versinnbildlicht. Für alle
exoterischen Zwecke ist
Hansa, wie jeder Hindû weiß, ein fabelhafter Vogel,
welcher (nach der Allegorie),
wenn man ihm Milch mit Wasser gemischt zur Nahrung
gab, die beiden trennte,
die Milch trank und das Wasser übrigließ; somit
innewohnende Weisheit
anzeigte, da Milch Geist und Wasser Stoff
symbolisiert.
Daß diese Allegorie sehr alt ist und aus der
allerfrühesten archaischen Periode
herstammt, zeigt die im Bhâgavata Purâna vorkommende
Erwähnung einer
gewissen Kaste Namens Hamsa oder Hansa, die einst die
„eine Kaste“ par
excellence war;
als weit zurück in den Nebeln einer vergessenen Vergangenheit
unter den Hindûs bloß „Ein Veda, Eine Gottheit, Eine
Kaste“ war. Es giebt auch
eine Kette in den Himâlayas, nach der Beschreibung in
den alten Büchern
nördlich vom Berge Meru gelegen, mit Namen Hamsa, und
in Zusammenhang
mit Ereignissen, die der Geschichte der religiösen
Mysterien und Initiationen
angehören. Wenn in den exoterischen Texten und
Übersetzungen der
Orientalisten Kâlahansa als das Fahrzeug von Brahmâ-Prajâpati
angenommen
wird, so ist das ein vollständiges Missverständnis.
Brahman, das neutrum, heißt
bei ihnen Kâla-hansa, und Brahmâ, der männliche,
Hansa-vâhana, weil,
wahrhaftig! „sein Fahrzeug ein Schwan oder eine Gans
ist.“ [30] Das ist eine rein
exoterische Erklärung. Esoterisch und logisch
betrachtet: wenn Brahman, das
Unendliche, all das ist, als
was es die Orientalisten beschreiben, und, in
Übereinstimmung mit den
Vedântatexten, eine abstrakte Gottheit ist, die auf
keinerlei Weise durch die Beilegung
irgendwelcher menschlicher Attribute
charakterisiert ist, und wenn
zur selben Zeit behauptet wird, daß er oder es
Kâlahansa genannt wird – wie kann es dann jemals zum
Vâhan oder Brahmâ,
des geoffenbarten endlichen Gottes werden? Es ist
gerade das Umgekehrte.
„Schwan oder Gans“ (Hansa) ist das Symbol der
männlichen oder zeitlichen
Gottheit, Brahmâ, der Emanation aus dem ursprünglichen
Strahl, dazu bestimmt,
_07 (3 of 5)42.Kommentar III
als Vâhan oder Fahrzeug für den göttlichen Strahl zu
dienen, der auf andere Art
sich im Weltall nicht offenbaren könnte, da er
(antiphrastisch) selbst eine
Emanation der Dunkelheit ist – mindestens für unsern
menschlichen Intellekt. Es
ist somit Brahmâ Kâlahansa und der Strahl
Hansa-vâhana.
Was das somit gewählte seltsame Symbol anbelangt, so
ist es
gleichermaßen bedeutungsvoll; die wahre mystische
Bedeutung ist
die Idee einer universellen Matrix, gebildet von den
ursprünglichen
Wassern der Tiefe, oder der Öffnung für die Aufnahme,
und in der
Folge für die Aussendung, jenes Einen Strahles (des
Logos), der in
sich die andern sieben zeugenden Strahlen oder Kräfte
(die Logoi
oder Bildner) enthält. Daher wählten die Rosenkreuzer
den
Wasservogel – sei es Schwan oder Pelikan [31] - mit
sieben
Jungen als ein Symbol, das für die Religion eines
jeden Landes
abgeändert und angepasst wurde.
Ain Suph heißt die „Feurige Seele des Pelikan“ im Buche
der Zahlen. [32]
Er erscheint mit jedem Manvantara als Nârâyana, oder
Svâyambhuva, der Selbstexistierende, und, in das
Weltenei
eindringend, taucht er am Ende der göttlichen
Inkubation daraus
als Brahmâ, oder Prajâpati, der Vorfahre des
zukünftigen Weltalls
hervor, in das er sich ausdehnt. Er ist Purusha
(Geist), aber er ist
auch Prakriti (Stoff). Daher wird Prajâpati erst nach
erfolgter
Selbstteilung in zwei Hälften – in Brahmâ-Vâch (die
weibliche) und
Brahmâ-Virâj (die männliche) – zum männlichen Brahmâ.
[29] Die ist wiederum ähnlich der Lehre Fichtes und
deutscher Pantheisten.
Ersterer verehrt Jesus als den großen Lehrer, der die
Einheit des
Menschengeistes mit dem Gottesgeist oder Universellen
Prinzip betonte (die
Advaita-Lehre). Es ist schwer, eine einzige
Spekulation in der Metaphysik des
Westens zu finden, die nicht schon von der archaischen
östlichen Philosophie
vorweggenommen wäre. Von Kant bis Herbert Spencer ist
alles ein mehr oder
weniger entstelltes Echo von Dvaita-, Advaita- und
Vedântalehren im
allgemeinen.
_07 (4 of 5)42.Kommentar III
[30] Vergleiche Dowsons Dictonary of Hindû Mythology,
p.57.
[31] Ob die Gattung des Vogels cygnus, anser,
oder pelecanus ist, thut nichts
zur Sache, da es ein Wasservogel ist, der auf den
Wassern schwimmt und
sich bewegt wie der Geist, und dann von diesen Wassern
hervorkommt, um
andere Wesen zu gebären. Die wahre Bedeutung des
Symbols vom
achtzehnten Grade der Rosenkreuzer ist genau dieselbe,
obwohl sie später
poetisch zu dem mütterlichen Gefühl des Pelikans
gemacht wurde, der seine
Brust aufreißt, um seine sieben Jungen mit seinem
Blute zu ernähren.
[32] Der Grund, warum Moses verbietet, den Pelikan und
Schwan zu essen
(Deuteron.,
XIV. 16, 17), indem er beide zu den unreinen Vögeln rechnet, und
es gestattet „die großen Heuschrecken, Käfer und den
Grashüpfer nach
seiner Art“ (Leviticus XI. 22) zu essen, ist
ein rein physiologischer, und hat mit
mystischer Symbologie nur insofern zu thun, als das
Wort „unrein“, wie jedes
andere Wort, nicht
buchstäblich aufgefaßt werden sollte, denn es ist
esoterisch wie alles übrige,
und kann ebenso gut „heilig“ bedeuten als auch
nicht. Es ist eine sehr
anregende Blende in Zusammenhang mit gewissen
Äußerungen des Aberglaubens –
z.B. des russischen Volkes, das die Taube
nicht zur Nahrung verwenden will; nicht weil sie
„unrein“ ist, sondern weil der
„heilige Geist“ unter der Gestalt einer Taube
erschienen sein soll.
_07 (5 of 5)42.Kommentar III
9. LICHT IST KALTE FLAMME, UND FLAMME IST FEUER,
UND FEUER BEWIRKT HITZE, WELCHE DAS WASSER GIEBT –
Man halte sich vor Augen, daß die Worte „Licht“, „Flamme“
und
„Feuer“ von den Übersetzern dem Wörterbuche der alten
„Feuerphilosophen“ [34] entnommen wurden, um die
Bedeutung
der im Originale angewendeten archaischen Ausdrücke
und
Symbole klarer wiederzugeben. Sonst würden sie einem
europäischen Leser vollständig unverständlich
geblieben sein.
Einem Schüler des Occulten werden jedoch die obigen
Ausdrücke
genügend klar sein.
All dies – „Licht“, „Flamme“, „Kälte“, „Feuer“,
„Hitze“, „Wasser“ und
„Wasser des Lebens“ – sind auf unserer Ebene die
Nachkommen
oder, wie ein moderner Physiker sagen würde, die
Korrelationen
der Elektricität. Mächtiges Wort, und noch mächtigeres
Symbol!
Heiliger Erzeuger nicht minder heiliger
Nachkommenschaft; von
Feuer – dem Schöpfer, dem Erhalter und dem Zerstörer;
von Licht
– der Wesenheit unserer göttlichen Vorfahren; von
Flamme – der
Seele der Dinge. Elektricität, das Eine Leben auf der
oberen Stufe
des Seins, und Astralflüssigkeit, Athanor der
Alchimisten, auf der
unteren; Gott und Teufel, Gut und Böses.
Warum wird nun das Licht „kalte
Flamme“ genannt? In der
Ordnung der kosmischen
Entwicklung (wie sie die Occultisten
lehren) wird die Kraft,
welche den Stoff nach dessen erster
Formung zu Atomen in Bewegung
setzt, auf unserer Ebene von
kosmischer Wärme erzeugt; und
vor dieser Periode bestand kein
Kosmos im Sinne von
getrenntem Stoff. Der erste ursprüngliche
Stoff, ewig und gleichalterig
mit dem Raume „welcher weder
Anfang noch Ende hat, [ist] weder heiss noch kalt,
sondern ist von
seiner eigenen besonderen
Natur“, sagt der Kommentar. Wärme
und Kälte sind relative
Qualitäten und gehören den Bereichen der
geoffenbarten Welten an,
welche alle aus der geoffenbarten Hyle
hervorgehen, welche, in ihrem
absolut latenten Aspekt, als die
„kalte Jungfrau“ bezeichnet
wird, und, zum Leben erwacht, als die
„Mutter“. Die alten
westlichen kosmogonischen Mythen sagen, daß
zuerst nur kalter Nebel (der
Vater) und der fruchtbare Schlamm (die
_09 (1 of 3)43.Kommentar III
Mutter, Ilys oder Hyle) waren, woraus die Weltschlange
(Materie)
hervorkroch. [35] Ursprüngliche Materie ist somit,
bevor sie aus der
Ebene des sich niemals Offenbarenden emportaucht und
zur
pulsierenden Thätigkeit unter dem Anstoß von Fohat
erwacht, bloß
„eine kalte Strahlung, farblos, formlos, gefühllos,
und bar jeder
Qualität oder Aspekts“. So sind selbst ihre
Erstgeborenen, die „vier
Söhne“, welche „Eins sind und Sieben werden“ – mit
deren
Eigenschaften und Namen die alten östlichen
Occultisten die vier
von den sieben ursprünglichen „Kraftcentren“ oder
Atomen
benannten, welche sich später zu den großen kosmischen
„Elementen“ entwickeln, nun in die ungefähr siebzig
der
Wissenschaft bekannten Unterelemente geteilt. Die vier
„ursprünglichen Naturen“ der ersten Dhyân Chohans sind
die in
Ermanglung besserer Ausdrücke sogenannten âkâshischen,
etherischen, wässerigen und feurigen. Sie entsprechen,
in der
Terminologie des praktischen Occultismus, den
wissenschaftlichen
Definitionen von Gasen, welche – um sowohl Occultisten
als Laien
eine klare Vorstellung zu vermitteln – als parahydrogenisch
[36] ,
paraoxygenisch, oxyhydrogenisch und ozonisch, oder
vielleicht
nitrozonisch definiert werden mögen; die letzteren
Kräfte oder Gase
(im Occultismus übersinnliche, jedoch atomistische
Substanzen)
sind die wirkungsvollsten und thätigsten, wenn sie auf
der Ebene
der gröber differenzierten Materie wirken. Diese
Elemente sind
zugleich elektropositiv und elektronegativ. Diese und
noch viele
andere sind wahrscheinlich die fehlenden Bindeglieder
der Chemie.
Sie sind unter anderen Namen in der Alchemie und den
Occultisten, welche mit phänomenalen Kräften arbeiten,
bekannt.
Durch verbinden, und wiederverbinden, oder trennen der
„Elemente“ auf gewisse Art, mit Hilfe des
Astralfeuers, werden die
größten Phänomene hervorgebracht.
[33] Chaos.
[34] Nicht der mittelalterlichen Alchimisten, sondern
der Magier und
Feuerverehrer, von denen die Rosenkreuzer, oder die
Philosophen per ignem,
die Nachfolger der Theurgisten, alle ihre Ideen in
Bezug auf das Feuer als einem
mystischen und göttlichen Elemente geborgt haben.
[35] Isis Unveiled, I. 146.
_09 (2 of 3)43.Kommentar III
[36] „Para“ giebt den Sinn von jenseits, außerhalb.
_09 (3 of 3)43.Kommentar III
10. VATER-MUTTER SPINNEN EIN GEWEBE, DESSEN OBERES
ENDE AM
GEISTE [37] - DEM LICHTE DER EINEN FINSTERNIS –
BEFESTIGT IST, UND
DESSEN UNTERES AM SCHATTENHAFTEN ENDE, DER MATERIE
[38] . UND
DIESES GEWEBE IST DAS UNIVERSUM, GESPONNEN AUS DEN
ZWEI
In der Mândukya Upanishad [39] heißt es: „wie
eine Spinne ihr Gewebe auswirft
und wieder einzieht, wie Kräuter aus dem Boden
hervorsprießen ... so stammt
das Weltall aus dem Unvergänglichen,“ Brahmâ, denn der
„Keim des
unbekannten Dunkels“ ist das Material, aus dem alles
evolviert wird und sich
entwickelt, „wie das Gewebe aus der Spinne, wie der
Schaum aus dem Wasser“
u. s. w. Das ist nur anschaulich und wahr, wenn das
Wort „Brahmâ“, der
„Schöpfer“, abgeleitet wird von der Wurzel brih,
„zunehmen“ oder „sich
ausbreiten“. Brahmâ „breitet sich aus“ und wird zum
Weltall, das aus seiner
eigenen Substanz gewoben ist.
Dieselbe Idee wurde von Goethe schön in den Worten
ausgesprochen:
So schaff ich am sausenden Webstuhl der Zeit,
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.
11. Es [40] BREITET SICH AUS, WENN DER ATEM DES FEUERS
[41] AUF
IHM HAFTET; ES ZIEHT SICH ZUSAMMEN, WENN DER ATEM DER
MUTTER
[42] ES BERÜHRT. DANN TRENNEN SICH DIE SÖHNE [43] UND
ZERTEILEN
SICH, UM AM ENDE DES GROSSEN TAGES IN DEN SCHOSS DER
MUTTER
ZURÜCKZUKEHREN UND WIEDER EINS MIT IHR ZU WERDEN. WENN
ES
[44] SICH ABKÜHLT, WIRD ES STRAHLEND. DIE SÖHNE
BREITEN SICH
AUS UND ZIEHEN SICH ZUSAMMEN DURCH IHR EIGENES WESEN
UND
Das Ausbreiten des Weltalls unter dem „Atem des
Feuers“ ist sehr bedeutsam,
wenn im Lichte der Feuernebelperiode betrachtet, von
der die moderne
Wissenschaft so viel spricht und in Wirklichkeit so
wenig weiß.
Große Hitze zersprengt die zusammengesetzten Elemente
und löst die
_11 43.Kommentar III
Himmelskörper in ihr
ursprüngliches eines Element auf; wie der Kommentar
erklärt.
„Einmal in seinen
ursprünglichen Bestandteil zersetzt, wird ein Körper, indem
er in die Anziehung und den Bereich eines Focus oder
Centrums von Wärme
(Energie) kommt, deren viele im Raume hin und her
geführt werden, sei er
lebendig oder tot, verflüchtigt und im „Schoße der
Mutter“ zurückgehalten
werden, bis Fohat, indem er ein paar Haufen kosmischer
Materie (Nebel)
sammelt, ihn durch seinen Anstoß aufs neue in Bewegung
setzen, die nötige
Wärme entwickeln und es ihm dann überlassen wird,
seinem eigenen neuen
Wachstum zu folgen“.
Das Ausbreiten und Einziehen
des „Gewebes“ – d. i. des Weltstoffes oder der
Atome, deutet hier die
pulsierende Bewegung an; denn die regelmäßige
Zusammenziehung und Ausdehnung
des unendlichen und uferlosen Ozeans,
dessen, was wir an sich das Ding der Materie, emaniert
von Svabhâvat, nennen
können, ist es, was die allgemeine Schwingung der
Atome verursacht. Aber noch
etwas anderes wird damit angedeutet. Es zeigt, daß die
Alten mit dem bekannt
waren, was jetzt die
Verlegenheit vieler Gelehrter und insbesondere von
Astronomen ist, - mit der
Ursache der ersten Erhitzung der Materie oder des
Weltstoffes, mit dem
Paradoxon, daß Wärme durch
Erkältungszusammenziehung
hervorgerufen werde, und mit anderen solchen
kosmischen Rätseln – denn es weist unzweideutig auf
das Bekanntsein der Alten
mit solchen Phänomenen. „Es giebt innere Wärme und
äußere Wärme bei jedem
Atome“ sagen
die handschriftlichen Kommentare, welche der Schreiberin
zugänglich
waren, „den Atem des Vaters (Geistes), und den Atem (oder Wärme)
der Mutter (Materie)“: und sie geben Erklärungen, welche zeigen, daß die
moderne Theorie des Erlöschens der Sonnenfeuer, durch
den Wärmeverlust
infolge von Ausstrahlung, eine irrtümliche ist. Die
Annahme ist sogar nach dem
eigenen Zugeständnisse der Gelehrten falsch. Denn, wie
Professor Newcomb
[45] ausführt, „durch den Verlust von Wärme zieht sich
ein gasförmiger Körper
zusammen, und die Wärmemenge,
die durch die Zusammenziehung erzeugt
wird, übertrifft jene, welche
er verlieren musste, um die Zusammenziehung
hervorzubringen“. Dieses
Paradoxon, daß ein Körper um so heißer wird, je
größer die durch sein
Kälterwerden bewirkte Zusammenziehung ist, hat zu
langen Auseinandersetzungen
geführt. Der Überschuß an Wärme, so wird
geschlossen, geht durch
Strahlung verloren, und anzunehmen, daß die
Temperatur nicht gleichmäßig
mit einer Abnahme des Volumens bei
gleichbleibendem Drucke abnehme, hieße das Gesetz von
Charles außer Acht
_11 (2 of 4)43.Kommentar III
lassen. Zusammenziehung bewirkt Wärme, das ist wahr;
aber
Zusammenziehung (infolge von Abkühlung) ist nicht im
Stande, den ganzen
Betrag von Wärme zu entwickeln, der zu irgend einer
Zeit in der Masse existiert,
oder auch nur den Körper auf einer konstanten
Temperatur zu erhalten, u. s. w.
Professor Winchell sucht das Paradoxon – das
thatsächlich nur ein scheinbares
ist, wie J. Homer Lane [46] bewiesen hat – zu lösen,
indem er „etwas außer der
Wärme“ andeutet. „Kann es nicht,“ so fragt er,
„einfach eine Abstoßung zwischen
den Molekülen sein, die nach irgend einem
Abstandsgesetz sich ändert?“ [47]
Aber auch das wird sich als unvereinbar erweisen, wenn
nicht dieses „Etwas
außer der Wärme“ als „Unverursachte Wärme“, als „Atem
des Feuers“, als
allschöpferische Kraft plus absoluter
Intelligenz bezeichnet wird, was die
Naturwissenschaft kaum annehmen
wird.
Mag sein wie immer, das Lesen
dieser Strophe zeigt, daß dieselbe trotz ihrer
archaischen Ausdrucksweise
wissenschaftlicher ist als die moderne
Wissenschaft selbst.
[37] Purusha.
[38] Prakriti.
[39] I, I. 7.
[40] Das Gewebe.
[41] Der Vater.
[42] Die Wurzel des Stoffes.
[43] Die Elemente mit ihren
entsprechenden Kräften oder Intelligenzen.
[44] Das Gewebe.
[45] Popular Astronomy,
p. 507, 508.
_11 (3 of 4)43.Kommentar III
[46] American Journal of Science, July, 1870.
[47] Winchell, World-Life, pp. 83-85.
_11 43.Kommentar III
12. DANN SENDET SVABHABAT FOHAT, UM DIE ATOME ZU
HÄRTEN.
„SELBSTEXISTIERENDEN HERRN“ [50] WIE EIN SPIEGEL
REFLEKTIERT,
WIRD JEDES DER REIHE NACH ZU EINER WELT. [51]
Fohat härtet die Atome, d. h. indem er denselben
Energie einflößt, zerstreut er
die „Atome“, oder den Urstoff. „Er zerstreut sich
selbst, indem er die Materie in
Mit Hilfe Fohats werden die Ideen des Universalgemütes
der Materie
aufgedrückt. Eine schwache Vorstellung von der Natur
von Fohat kann aus der
Bezeichnung „kosmische Elektricität“ gewonnen werden,
die manchmal darauf
angewendet wird; doch müssen in diesem Falle den
allgemein bekannten
Eigenschaften der Elektricität noch andere hinzugefügt
werden, einschließlich
der Intelligenz. Es ist interessant zu bemerken, daß
die moderne Wissenschaft
zu dem Schlusse gekommen ist,
daß jede Gehirnthätigkeit von elektrischen
Erscheinungen begleitet ist.
[48] Der Atome.
[49] Des Weltalls.
[50] Ursprüngliches Licht.
[51] Dies ist mit Rücksicht auf die Thatsache gesagt,
daß die Flamme eines
Feuers unerschöpflich ist, und daß die Lichter des
ganzen Weltalls an einem
einfachen Nachtlicht entzündet werden könnten, ohne
dessen Flamme zu
vermindern.
_13a44.Kommentar IV
1. HÖRET, IHR SÖHNE DER ERDE, AUF EURE LEHRER, DIE
SÖHNE
DES FEUERS (a). LERNET; DASS ES WEDER ERSTES
NOCH LETZTES
GIEBT; DENN ALLES IST EINE EINZIGE ZAHL, DIE AUS DER
NICHT-ZAHL
HERVORGAGANGEN IST (b).
(a) Die Ausdrücke, die „Söhne des Feuers“, die „Söhne
des Feuernebels“, und
dergleichen, bedürfen einer
Erklärung. Sie hängen mit einem großen
ursprünglichen und universellen Geheimnis zusammen,
und es ist nicht leicht,
dasselbe klar zu machen. Es giebt eine Stelle in der Bhagavadgîtâ,
wo Krishna,
symbolisch und esoterisch sprechend, sagt:
„Ich will dir erklären unter welchen Umständen die
Frommen, wenn sie die
Erde verlassen, dahin gehen, um entweder wieder
geboren zu werden oder
nicht wiederzukommen. Feuer, Licht, Tag, die Zeit des
zunehmenden Mondes,
das Halbjahr, wenn die Sonne hochsteht. Die, welche
unter solchen
Umständen sterben, erkennen Brahma und gehen zu Brahma
ein. Rauch,
Nacht, die Zeit des abnehmenden Mondes, die sechs
Monate, wenn die
Sonne tief steht. Die Ergebenen, welche unter solchen
Umständen von der
Welt scheiden, erlangen nur das Licht (oder Wohnung,
auch das Astrallicht)
des Mondes und kehren wieder zurück (werden
wiedergeboren).
Diese zwei Wege, der lichte und der düstere, sind als
der Welt (oder dieses
großen Kalpas [Zeitalters]
ewige Wege bekannt.
Der eine führt (einen Menschen)
zur Nimmerwiederkehr, auf dem anderen
kehrt man wieder zurück. [1]
Nun sind diese Ausdrücke
„Feuer“, „Licht“, „Tag“, „die Zeit des zunehmenden
Mondes“ u.s.w., sowie „Rauch“,
„Nacht“ etc., welche nur zum Ziele des
Mondpfades leiten, ohne eine Kenntnis der Geheimlehre
unverständlich. Es sind
dies alles Namen von verschiedenen Gottheiten,
welche den kosmopsychischen
Kräften vorstehen. Wir sprechen oft von einer
Hierarchie der „Flammen“, von den
„Söhnen des Feuers“ u.s.w.
Shankarâchârya, der größte der esoterischen
Meister von Indien, sagt:
Feuer bedeute eine Gottheit, welche der Zeit (Kâla)
vorsteht. Der geschickte
Übersetzer der Bhagavadgîtâ, Kâshinâth Trimbak
Telang, M. A., aus Bombay, gesteht, daß er „keine
klare Vorstellung von dem
Sinn dieser Verse habe“. Derselbe erscheint jedoch
jenem als ganz klar, der die
occulte Lehre kennt. Diese Verse stehen in Beziehung
zu dem mystischen Sinn
der Sonnen- und Mondsymbole. Die Pitris sind
Mondgottheiten und unsere
_13b (1 of 3)44.Kommentar IV
Vorfahren, weil sie den physischen Menschen erschaffen
haben. Die
Agnishvattas, die Kumâras (die sieben mystischen
Weisen), sind
Sonnengottheiten, obwohl sie auch Pitris sind; und
diese sind die „Former des
inneren Menschen“.
Sie sind „die Söhne des Feuers“, weil sie die ersten Wesen,
in der Geheimlehre „Gemüter“ genannt, sind, die aus
dem Urfeuer entwickelt
wurden. „Der Herr ist ein verzehrendes Feuer.“ [2]
„Der Herr wird
geoffenbart werden mit seinen mächtigen Engeln in
Feuerflammen.“ [3] Der
heilige Geist stieg auf die Apostel herab als „Zungen
zerteilet wie von Feuer“; [4]
Vishnu wird auf Kalkî, dem weißen Rosse, als der
letzte Avatâra inmitten von
Feuer und Flammen wiederkehren; und Sosiosh wird
ebenfalls auf einem weißen
Pferde in einem „Wirbelsturm von Feuer“ herabsteigen. „Und
ich sahe den
Himmel aufgethan, und siehe, ein weißes Pferd, und der
darauf saß . und
sein Name heißt das Wort Gottes“ [5] inmitten von
Feuerflammen. Feuer ist Äther
in seiner reinsten Form, und wird daher nicht als
Materie betrachtet, sondern ist
die Einheit des Äthers – der zweiten, manifestierten
Gottheit – in seiner
Universalität. Aber es giebt zwei „Feuer“, und in der
occulten Lehre wird ein
Unterschied zwischen denselben gemacht. Das erstere,
oder das rein formlose
und unsichtbare Feuer, verborgen in der centralen
geistigen Sonne, wird als
dreifach bezeichnet (metaphysisch), während das Feuer
des manifestierten
Kosmos siebenfach ist, sowohl im Weltall als in unserm
Sonnensystem. „Das
Feuer der Erkenntnis verbrennt alle Handlung auf der
Ebene der Täuschung“,
sagt der
Kommentar. „Daher heißen jene, die es erlangt haben und befreit sind,
‘Flammen’.“
Indem er von den sieben Sinnen, die als Hotris, oder Priester,
symbolisiert sind, spricht, sagt Nârada in der
Anugîtâ: „Somit sind diese sieben
[Sinne, Geruch und Geschmack und Farbe und Ton, u. s.
w.] die Ursachen der
Befreiung“; und der Übersetzer fügt hinzu: „Eben von
diesen sieben muß das
Selbst befreit werden. ‘Ich’ [in dem Satze ‘Ich bin
frei von Eigenschaften’]
muß das Selbst bedeuten, nicht
den Brâhmana, der spricht.“ [6]
[1] Kapitel VIII, 23-26.
(Hartmanns Übersetzung. Anm. des Übers.)
[2] Deuteronom. IV. 24.
[3] 2. Thess., I., 7. 8.
[4] Apostelgesch., II.
3.
_13b (2 of 3)44.Kommentar IV
[5] Offenb., XIX. 13.
[6] Telangs Übersetzung, Sacred Books of the East,
VIII. 278.
_13b (3 of 3)44.Kommentar IV
(b) Der
Ausdruck „alles ist eine einzige Zahl, die aus der Nicht-Zahl
hervorgegangen ist“, bezieht sich wiederum auf jenen
universellen und
philosophischen Lehrsatz, der soeben im Kommentar zu
Vers 4 von Strophe III
erklärt wurde. Das, was
absolut ist, ist natürlich Nicht-Zahl; aber in seiner
späteren Bedeutung hat es
seine Anwendung sowohl in Zeit als Raum. Es
bedeutet, daß nicht bloß
jeder Zuwachs von Zeit ein Teil eines größeren
Zuwachses ist, hinauf bis zur ins Unbestimmteste
verlängerten Dauer, die der
menschliche Intellekt sich vorstellen kann, sondern
auch, daß kein geoffenbartes
Ding anders als als Teil eines Ganzen gedacht werden
kann; das
Gesamtaggregat ist das Eine geoffenbarte Weltall, das
aus dem
Ungeoffenbarten oder Absoluten hervorgeht, welches
Nicht-Sein oder „Nicht-Zahl“
genannt wird, zum Unterschiede vom Sein, oder der
„Einen Zahl“.
2. HÖRET, WAS WIR, DIE ABKÖMMLINGE DER URSPRÜNGLICHEN
SIEBENHEIT, DIE WIR AUS DER URFLAMME GEBOREN SIND, VON
UNSERN VÄTERN GELERNT HABEN .
Dies wird in Buch II erklärt, und der Ausdruck
„Urflamme“ bestätigt das im ersten
Abschnitte des vorstehenden Commentars zu Strophe IV
Gesagte.
Der Unterschied zwischen den „ursprünglichen“ und den
folgenden sieben
Bauleuten ist der, daß die ersteren der Strahl sind
und die direkte Emanation der
ersten „heiligen Vier“, der Tetraktys, das ist des
ewig selbstexistierenden Einen, -
ewig, man beachte das wohl, der Wesenheit,
nicht der Manifestation nach, und
unterschieden von dem universellen Einen. Latent
während des Pralaya und
aktiv während des Manvantara, gehen die
„Ursprünglichen“ aus „Vater-Mutter“
(Geist-Hyle oder Ilys) hervor; während die andere,
geoffenbarte Vierheit
und die Sieben aus der Mutter allein hervorgehen.
Letztere ist die unbefleckte
Jungfrau-Mutter, die von dem universellen Geheimnis
überschattet, nicht
geschwängert, ist – wenn sie aus ihrem Zustand von
Laya oder
Undifferenziertheit emportaucht. In Wirklichkeit sind
sie natürlich alle eines; aber
ihre Aspekte auf den
verschiedenen Daseinsebenen sind verschieden.
Die ersten Ursprünglichen
sind die höchsten Wesen auf der Stufenleiter des
Daseins. Sie sind die
Erzengel des Christentums, jene, die sich weigern, zu
erschaffen oder vielmehr sich zu vermehren – wie
Michael that in dem späteren
_15 (1 of 3)44.Kommentar IV
System, und wie die ältesten „aus der Seele geborenen
Söhne“ des Brahmâ (die
Vedhâs) thaten.
3. AUS DEM GLANZE DES LICHTES, DAS AUS DEM EWIG
DUNKLEN
ENERGIEEN; [7] DIE EINE AUS DEM EI, DIE SECHS UND DIE
FÜNF (a).
DANN DIE DREI, DIE EINE, DIE VIER, DIE EINE, DIE FÜNF
– DIE ZWEIMAL
SIEBEN, DIE GESAMTSUMME (b). UND DIESE SIND: DIE
ESSENZEN, DIE
FLAMMEN, DIE ELEMENTE, DIE BAUMEISTER, DIE ZAHLEN ©,
DAS
ARÛPA, [8] DAS RÛPA [9] UND DIE KRAFT ODER DER
GOTTMENSCH – DIE
GESAMTSUMME. UND VON DEM GOTTMENSCHEN EMANIERTEN DIE
FORMEN, DIE FUNKEN, DIE HEILIGEN TIERE (d), UND
DIE BOTSCHAFTER
(a) Dies
bezieht sich auf die heilige Wissenschaft der Zahlen; so heilig in der
That, und so wichtig für das Studium des Occultismus,
daß der Gegenstand
selbst in einem so umfangreichen Werke wie dem vorliegenden
kaum gestreift
werden kann. Auf den Hierarchieen und den korrekten
Zahlen dieser Wesen,
welche (für uns) außer in sehr seltenen Fällen
unsichtbar sind, beruht das
Geheimnis des ganzen Weltalls. Die Kumâras z. B.
heißen die „Vier“ – obwohl in
Wirklichkeit sieben an der Zahl – weil Sanaka,
Sananda, Sanâtana und
Sanatkumâra die Haupt-Vaidhâtra (ihr Geschlechtsname)
sind, welche dem
„vierfachen Geheimnis“ entsprangen. Um das Ganze
klarer zu machen, müssen
wir uns um Erläuterungen an Lehrsätze wenden, die
einigen unserer Leser
vertrauter sein werden, nämlich
den Brâhmanischen.
[7] Dhyân Chohans.
[8] Formlose.
[9] Mit Körpern versehene.
[10] Pitris.
_15 (2 of 3)44.Kommentar IV
[11] Die Vier, in der occulten Zahlenreihe durch die Tetraktys,
das heilige oder
vollkommene Quadrat, repräsentiert, ist bei den
Mystikern jeder Nation und
Rasse eine heilige Zahl. Sie hat eine und dieselbe
Bedeutung im
Brâhmanismus, Kabbalismus, und in den ägyptischen,
chaldäischen und
anderen Zahlensystemen.
_15 (3 of 3)44.Kommentar IV
Nach Manu ist Hiranyagarbha=Brahmâ, der erste männliche,
gebildet von der
unsichtbaren ursachenlosen Ursache zu einem „goldenen
Ei, strahlend wie die
Sonne“, wie das Hindû Classical Dictionary sagt;
Hiranyagarbha bedeutet den
goldenen, oder vielmehr strahlenden, Schoß oder Ei.
Die Bedeutung stimmt
mißlich mit dem Beiworte „männlich“. Sicherlich ist
die esoterische Bedeutung
des Satzes klar genug! Im Rig Veda heißt es:
„Tat, der eine Herr aller
Wesen . das eine belebende Prinzip der Götter und
Menschen,“ erstand, im
Anbeginne, in dem goldenen Schoße, Hiranyagarbha – der
das Weltenei oder
die Sphäre unseres Universums ist. Dieses Wesen ist
sicherlich androgyn, und
die Allegorie von Brahmâ, der sich in zwei teilt, und
in einer seiner Hälften (der
weiblichen Vâch) sich selbst als Virâj erzeugt, ist
ein Beweis dafür.
„Die Eine aus dem Ei, die Sechs und die Fünf“ geben
die Zahl 1065, den Wert
des Erstgeborenen (späterhin des männlichen und
weiblichen Brahmâ-Prajâpati),
der je nachdem den Zahlen 7 und 14 und 21 entspricht.
Die Prajâpati, sowie die
Sephiroth, sind bloß sieben, einschließlich der
synthetischen Sephira der
Dreiheit, aus der sie entspringen. So emanieren aus
Hiranyagarbha, oder
Prajâpati, dem Dreieinen (der ursprünglichen vedischen
Trimûrti, Agni, Vâyu, und
Sûrya) die anderen sieben, oder wiederum zehn, wenn
wir die ersten drei,
welche in einem und als eins in drei existieren,
abtrennen; alle aber sind in jenem
einen „Höchsten“, Parama, zusammengefaßt, das Guhya oder
das „Geheime“,
und Sarvâtman, die „Oberseele“ genannt wird. „Die
sieben Herren des Seins
liegen verborgen in Sarvâtman wie Gedanken in einem
Gehirn.“
So ist es mit den Sephiroth.
Sie sind entweder sieben, wenn von der oberen
Dreiheit, gekrönt von Kehter, ab
gerechnet, oder zehn – exoterisch.
Im Mahâbhârata sind die Prajâpati 21 an Zahl, oder
zehn, sechs und fünf (1065),
dreimal sieben. [12]
(b) „Die
Drei, die Eine, die Vier, die Eine, die Fünf“, zusammen – zweimal
sieben, repräsentieren 31415 – die numerische
Hierarchie der Dhyân Chohans
von verschiedenem Range, und der inneren oder
umgrenzten Welt. [13]
Beigemessen der Grenze des großen Kreises
„Überschreite mich nicht“ – auch
der Dhyânipâsha, das „Seil der Engel“ genannt, das
„Seil“, das den
phänomenalen vom noumenalen Kosmos trennt, welcher
nicht in den Bereich
unseres gegenwärtigen objektiven Bewußtseins fällt –
ist diese Zahl, wenn nicht
_17 (1 of 3)45.Kommentar IV
durch Umsetzung oder Erweiterung vergrößert, immer
31415, anagrammatisch
und kabbalistisch, da sie sowohl die Zahl des Kreises
als auch des mystischen
Svastika, wiederum die „zweimal Sieben“, ist; denn in
welcher Richtung wir auch
die zwei Reihen von Ziffern rechnen, ihre Quersumme
giebt, Ziffer für Ziffer
getrennt addiert, einerlei ob von rechts oder links
genommen, immer vierzehn.
Mathematisch repräsentieren sie die wohlbekannte
mathematische Formel, daß
das Verhältnis des Durchmessers eines Kreises zu
seinem Umfange gleich ist
dem von 1:3°1415927, oder dem Werte von p (pi), wie
man es nennt.
Diese Ziffernreihe muß dieselbe Bedeutung haben, denn
das 1:314159 und
wiederum das 1:3°1415927 sind in den geheimen
Berechnungen zu Ausdrücken
für die verschiedenen Cyklen und Zeitalter des
„Erstgeborenen“ ausgearbeitet,
zu 311 040 000 000 000 mit Bruchteilen, und geben
dieselben 13415 mit Hilfe
eines Prozesses, mit dem wir uns gegenwärtig nicht zu
beschäftigen haben.
Und es wäre zu zeigen, daß Herr Ralston Skinner, der
Verfasser von The Source
of Measures,
das hebräische Wort Alhim mit denselben Zahlenwerten liest –
indem er, wie gesagt, die Nullen wegläßt, und
permutiert – 13514 : denn
[Symbolabbildung,
siehe Buch] (a) ist 1; [Symbolabbildung, siehe Buch] (l) ist 3
(30); [Symbolabbildung, siehe Buch] (h) ist 5;
Symbolabbildung, siehe Buch] (i)
ist 1 (10); und [Symbolabbildung, siehe Buch] (m)
ist 4 (40); und anagrammatisch
·
31415, wie er es
erklärt.
Während somit in der metaphysischen Welt der Kreis mit
dem einen Mittelpunkt
darin keine Zahl hat und Anupâdaka – elternlos und
zahlenlos genannt wird, weil
er keiner Berechnung unterliegen kann; ist in der
geoffenbarten Welt das
Weltenei oder der Weltkreis umgeschrieben um die
Gruppen, genannt Linie,
Dreieck, Fünfeck, zweite Linie und Viereck (oder
13514); und wenn der Punkt
eine Linie erzeugt hat und so zum Durchmesser wird,
der für den androgynen
Logos steht, dann werden die Ziffern 31415 oder ein
Dreieck, eine Linie, ein
Viereck, eine zweite Linie und ein Fünfeck. „Wenn
der Sohn sich von der Mutter
trennt, wird er zum Vater,“ wobei der Durchmesser für die Natur, oder das
weibliche Prinzip, steht. Daher heißt es: „In der
Welt des Seins befruchtet der
Eine Punkt
die Linie, die jungfräuliche Matrix des Kosmos (die eiförmige Null),
und die unbefleckte
Mutter gebiert die Form, die alle Formen in sich enthält.“
Prajâpati heißt der erste zeugende Männliche, und „der
Gemahl seiner Mutter“.
[14] Dies giebt den Grundton für alle späteren
„Göttlichen Söhne“ von
„Unbefleckten Müttern“.
_17 (2 of 3)45.Kommentar IV
[12] In der Kabalah sind
dieselben Zahlen, nämlich 1065, der Wert von
Jehovah, da die Zahlenwerte
der drei Buchstaben, die seinen Namen
zusammensetzen – Jod, Vau und
zweimal He – beziehungsweise 10
([Symbolabbildung, siehe
Buch]), 6 ([Symbolabbildung, siehe Buch]) und 5
([Symbolabbildung, siehe Buch]) sind; oder
wieder dreimal sieben, 21. „Zehn
ist die Mutter der Seele, denn Leben und Licht sind
darin vereint“ sagt
Hermes. „Denn die Einszahl ist geboren vom Geiste und
die Zehnzahl vom
Stoffe (Chaos, weiblich); die Einheit hat die Zehn
gemacht, die Zehn die
Einheit.“ (Buch der Schlüssel.) Mit Hilfe der
Temura, der anagrammatischen
Methode der Kabalah, und der Kenntnis von 1065
(21) kann eine
Universalwissenschaft in Bezug auf den Kosmos und
seine Geheimnisse
erlangt werden (Rabbi Vogel). Die Rabbis betrachten
die Zahlen 10, 6 und 5
als die heiligsten von allen.
[13] Wir können dem Leser mitteilen, daß ein
amerikanischer Kabbalist
neuerdings dieselbe Zahl für die Elohim ausgefunden
hat. Sie kam zu den
Juden aus Chaldäa. Siehe „Hebrew Metrology“, in The
Masonic Review, July,
1885, McMillan Lodge, No.
141.
[14] Dieselbe Ausdrucksweise
finden wir in Ägypten. Maut bedeutet unter
anderem „Mutter“ und zeigt
den Charakter, der ihr in der Dreiheit dieses
Landes beigelegt wurde. Sie
war nicht weniger die Mutter als die Gattin des
Ammon, und einer der Haupttitel des Gottes war „der
Gemahl seiner Mutter“.
Die Göttin Maut, oder Mût, wird angerufen als „Unsere
Frau“, die „Königin des
Himmels“ und „der Erde“, „teilt also diese Titel mit
den anderen mütterlichen
Gottheiten Isis, Hathor, u. s. w.“ (Maspero).
_17 (3 of 3)45.Kommentar IV
Eine starke Bekräftigung dessen ist die bedeutsame
Thatsache, daß Anna, der
Name der Mutter der Jungfrau Maria, die nach der
jetzigen Darstellung der
römisch-katholischen Kirche ihre Tochter auf
unbefleckte Weise geboren hat
(„Maria ohne Sünde empfangen“), sich ableitet von dem
chaldäischen Ana,
Himmel, oder Astrallicht, Anima Mundi; davon Anaitia,
Devî-Durgâ, das Weib
Shivas, auch Annapurna, oder Kanyâ, die Jungfrau,
heißt; Umâ-Kanyâ ist ihr
esoterischer Name, und bedeutet die „Lichtjungfrau“,
Astrallicht in einem seiner
vielfachen Aspekte.
© Die Devas,
Pitris, Rishis; die Suras und die Asuras; die Daityas und Âdityas;
die Dânavas und Gandharvas, u. s. w., u. s. w., haben
alle ihre Synonyme in
unserer Geheimlehre, sowie in der Kabalah und
der hebräischen Engellehre;
aber es ist nutzlos, ihre alten Namen anzugeben, da
dadurch bloß Verwirrung
geschaffen würde. Viele derselben sind jetzt noch
sogar in der christlichen
Hierarchie der göttlichen und himmlischen Kräfte zu
finden. Alle diese Thronen
und Herrschaften, Tugenden und Fürstentümer, Cherubim,
Seraphim und
Dämonen sind die modernen Kopieen uralter Prototypen.
Allein die Symbolik in
ihren Namen, wenn sie auf Griechisch und Lateinisch
traslitteriert und arrangiert
sind, genügt, um dies zu zeigen, wie wir auch im
weiteren an verschiedenen
Fällen beweisen werden.
(d) Die
„heiligen Tiere“ finden sich in der Bibel so gut wie in der Kabalah, und
sie
haben ihre Bedeutung – und noch dazu eine sehr tiefe –
im Buche der Ursprünge
des Lebens. Im Sepher Jetzirah heißt es: „Gott
gravierte in die heiligen Vier den
Thron seiner Herrlichkeit, die Auphanim (die Räder
oder Weltsphären), die
Seraphim, und die heiligen Tiere, als dienende Engel,
und aus diesen (Luft,
Wasser und Feuer oder Ether) machte er seine Wohnung.“
Folgendes ist eine wörtliche Übersetzung aus der IXten
und Xten Abteilung:
Zehn Zahlen ohne was? Eins: der Geist des lebendigen
Gottes der da lebt
in Ewigkeit. Stimme und Geist und Wort, und das ist
der heilige Geist. Zwei:
Luft aus dem Geiste. Er entwarf und schuf damit
zweiundzwanzig Buchstaben
der Grundlage, drei Mütter, und sieben doppelte und
zwölf einfache, und einen
Geist aus ihnen. Drei: Wasser aus dem Geiste; er
entwarf und schuf damit das
Wüste und das Leere, den Schlamm und die Erde. Er
entwarf sie als ein
Blumenbeet, schuf sie als eine Mauer, bedeckte sie wie
ein Pflaster. Vier:
Feuer aus dem Wasser. Er entwarf und schuf damit den
Thron der Herrlichkeit
und die Räder, und die Seraphim und die heiligen Tiere
als dienende Engel,
_19 (1 of 2)45.Kommentar IV
und aus den dreien gründete er seine Wohnung, so wie
es heißt. Er macht
seine Engel zu Geistern und seine Diener zu feurigen
Flammen!
Die Worte „gründete er seine Wohnung“ zeigen klar, daß
in der Kabalah, so wie
in Indien, die Gottheit als das Weltall betrachtet
wurde, und in seinem Ursprung
nicht der außerweltliche Gott war, der sie jetzt ist.
So ward die Welt gemacht „durch drei Seraphim –
Sepher, Saphar, und Sipur“
oder „durch Zahl, Zahlen, und Gezähltes“. Mit dem
astronomischen Schlüssel
werden diese „heiligen Tiere“ zu den Zeichen des
Tierkreises.
_19 (2 of 2)45.Kommentar IV
4. DIES WAR DIE HEERSCHAR DER STIMME, DER GÖTTLICHEN
MUTTER
DIENEND DEM ERSTEN, DEM ZWEITEN, DEM DRITTEN, DEM
VIERTEN,
DEM FÜNFTEN, DEM SECHSTEN UND DEM SIEBENTEN DER SIEBEN
(a).
BILDNER GENANNT; DENN SO STEHT DAS EWIGE NIDÂNA – DER
DER OI-HA-
HOU (b). [16]
a) Diese Strophe giebt wieder eine kurze Analyse der
Hierarchien der Dhyân-Chohans,
die in Indien Devas (Götter) genannt werden, oder der
bewußten
intelligenten Kräfte in der Natur. Dieser Hierarchie
entsprechen die
thatsächlichen Typen, nach denen die Menschheit
eingeteilt werden kann; denn
die Menschheit als Ganzes ist in Wirklichkeit ein
materialisierter, allerdings noch
unvollkommener Ausdruck derselben. Die „Heerschar der
Stimme“ ist ein
Ausdruck, welcher in enger Beziehung zu dem Geheimnis
von Ton und Rede als
einer Wirkung und einem Corollar der Ursache – des
göttlichen Gedankens –
steht. Wie es P. Christian, der gelehrte Verfasser von
der Historie de la Magie
und von L’Homme Rouge des Tuileriers, so schön
dargelegt, bestimmen die von
jedem Individuum gesprochenen Worte, sowie sein Name,
in großem Maße sein
zukünftiges Schicksal? Warum? Aus folgendem Grunde:
Wenn unsere Seele (Gemüt) einen Gedanken schafft oder
emporruft, so gräbt
sich das sinnbildliche Zeichen dieses Gedankens in die
Astralflüssigkeit ein,
welche der Aufnahmeort und sozusagen der Spiegel aller
Manifestationen des
Seins ist.
Das Zeichen ist der Ausdruck des Dinges; das Ding ist
die (verborgene oder
occulte) Kraft des Zeichens.
Ein Wort aussprechen heißt einen Gedanken hervorrufen
und ihm
gegenwärtig machen: die magnetische Kraft der
menschlichen Sprache ist der
Anfang einer jeden
Manifestation in der occulten Welt. Einen Namen
aussprechen heißt nicht bloß
ein Wesen (eine Entität) definieren, sondern
auch, es durch die
Aussprechung des Wortes (Verbum) unter den Einfluß
einer oder mehrerer occulten Kräfte zu stellen oder zu
verdammen. Für jeden
von uns sind die Dinge das, wozu sie das Wort macht,
während wir sie
nennen. Das Wort (Verbum) oder die Rede eines jeden
Menschen ist, ihm
_21 46.Kommentar IV
selbst ganz unbewußt, ein Segen oder ein Fluch;
darum ist unsere
gegenwärtige Unkenntnis betreffs der Eigenschaften und
Attribute der Idee,
sowie betreffs der Attribute und Eigenschaften der Materie,
oft verderblich für
uns.
Jawohl, Namen (und Worte) sind entweder wohlthätig oder
übelthätig; sie sind,
in gewissem Sinn, entweder vergiftend oder gesundmachend,
entsprechend
den verborgenen Einflüssen, die von der höchsten
Weisheit in ihre Elemente
gelegt wurden, das heißt, in die Buchstaben,
die sie zusammensetzen, und in
die Zahlen, welche diesen Buchstaben
entsprechen.
Dies ist streng richtig als eine esoterische Lehre,
die von allen östlichen Schulen
des Occultismus angenommen
ist. Im Sanskrit, sowie im Hebräischen und in
allen anderen Alphabeten, hat
jeder Buchstabe seine occulte Bedeutung und
seinen Daseinsgrund: er ist
eine Ursache und eine Wirkung einer
vorhergegangenen Ursache, und eine Verbindung von
solchen bewirkt oft einen
höchst magischen Effekt. Die Vokale insbesondere
enthalten die occultesten und
furchtbarsten Kräfte.
Die Mantras (esoterisch
viel mehr magische als religiöse Anrufungen) werden
von den Brâhmanen gesungen, und ebenso das übrige der Veden
und anderer
Schriften.
„Die Heerschar der Stimme“
ist das Vorbild der „Schar des Logos“ oder des
„Wortes“ im Sepher Jetzirah,
das in der Geheimlehre die „Eine Zahl
hervorgegangen aus der
Nichtzahl“ – dem Einen ewigen Prinzip – heißt. Die
esoterische Theogonie beginnt
mit dem Einen Geoffenbarten (daher in
Gegenwart und Dasein nicht ewig, wenn auch ewig seiner
Wesenheit nach), mit
der Zahl der Zahlen und des Gezählten – letzteres geht
hervor aus der Stimme,
der weiblichen Vâch, „der mit den hundert Formen“, der
Shatarûpâ, oder Natur.
Aus diese Zahl, 10, oder der schöpferischen Natur, der
Mutter (im Occulten die
Null, oder „O“, die immer hervorbringt und vermehrt in
Vereinigung mit der
Einheit „I“ oder dem Geiste des Lebens), entspringt
das ganze Weltall.
In der Anugîtâ [17] wird ein Gespräch zwischen
einem Brâhmana und seinem
Weibe über den Ursprung der Sprache und ihre occulten
Eigenschaften
gegeben. Das Weib fragt, wie die Sprache ins Dasein
trat, und was von beiden
früher war, die Sprache oder der Verstand. Der
Brâhmane sagt ihr, daß der
Apâna (Inspirationsatem), wenn er die Oberhand
gewinnt, jene Intelligenz,
welche Sprache und Worte nicht versteht, in den
Zustand von Apâna verwandelt,
und dadurch den Verstand eröffnet. Dann erzählt er ihr
eine Geschichte, ein
_21 (2 of 4)46.Kommentar IV
Zwiegespräch zwischen Sprache und Verstand. Beide
kamen zum Selbst des
Seins (d. h. zu dem individuellen höheren Selbst, wie
Nîlakantha meint; zu
Prajâpati, nach dem Kommentator Arjuna Mishra), und
baten es, ihre Zweifel zu
zerstören, und zu entscheiden, welches von ihnen dem
anderen voranging und
welches höher stehe als das andere. Darauf sprach der
Herr: „Verstand (ist
höherstehend).“ Aber die Sprache antwortete dem Selbst
des Seins und sagte:
„Ich gewähre wahrhaftig (euch) eure Wünsche,“ womit
sie meinte, daß er durch
die Sprache erlange, was er begehre. Darauf
hinwiederum sagte ihr das Selbst,
daß es zwei Verstande gebe, einen „beweglichen“ und
einen „unbeweglichen“.
„Der unbewegliche ist bei
mir,“ sprach er, „der bewegliche ist in deiner
Gewalt“ (nämlich der
Sprache), auf der Ebene des Stoffes. „Diesem bist du
vorgesetzt.“
Aber insofern, o Schöne, als du kamst, um persönlich
mit mir zu sprechen (auf
die Art, wie du es thatest,
d. h. stolz), deshalb sollst du; o Sarasvatî! niemals
nach einer (starken)
Ausatmung sprechen. Die Göttin Sprache (Sarasvatî,
eine spätere Form oder Aspekt
von Vâch, auch die Gottheit des
Geheimstudiums, oder der
esoterischen Weisheit) blieb thatsächlich immer
zwischen Prâna und Apâna stecken. Aber, o Edle! indem
sie mit dem Apâna-Wind
(der Lebensluft) ging, obwohl gedrängt, ohne den Prâna
(Exspirationsatem), lief sie empor zu Prajâpati
(Brahmâ), und sprach: „Sei
gnädig, o ehrwürdiger Herr!“ Dann erschien Prâna
wieder und ernährte die
Sprache. Und daher spricht die Sprache niemals nach
einer (starken)
Ausatmung. Sie ist immer geräuschvoll oder
geräuschlos. Von diesen beiden
steht die geräuschlose höher als die geräuschvolle
(Sprache) . Die
(Sprache), welche im Körper mit Hülfe von Prâna
hervorgebracht wird, und die
dann zu Apâna geht (verwandelt wird) und dann dem
Udâna (den physischen
Organen der Sprache) assimiliert wird verweilt
schließlich im Samâna
(„beim Nabel in der Form des Tones, als der
materiellen Ursache aller Worte,“
sagt Arjuna Mishra). So sprach früher die Sprache.
Daher ist der Verstand
dadurch ausgezeichnet, daß er unbeweglich ist, und die
Göttin (Sprache)
dadurch, daß sie beweglich ist.
Die obige Allegorie betrifft den Ursprung des occulten
Gesetzes, welches
Schweigen in Bezug auf gewisse geheime und unsichtbare
Dinge vorschreibt,
die bloß dem geistigen Verstande (dem sechsten Sinne)
wahrnehmbar sind, und
welche nicht durch „geräuschvolle“ oder ausgesprochene
Rede ausgedrückt
werden können.
Dieses Kapitel der Anugîtâ erklärt, nach Arjuna
Mishra, Prânâyâma oder die
_21 (3 of 4)46.Kommentar IV
Regelung des Atems bei Yogaübungen. Dieses Verfahren,
ohne vorhergehende
Erlangung von, oder mindestens volles Verständnis für
die zwei höheren Sinne
( deren es sieben giebt, wie gezeigt werden wird),
gehört jedoch vielmehr zum
niederen Yoga.
Der sogenannte Hatha ward und
wird noch von den Arhats mißbilligt.
Er ist der Gesundheit
schädlich, und kann allein sich niemals zu Râja Yoga
entwickeln. Die Geschichte wurde vorgebaracht, um zu
zeigen, wie untrennbar in
der Metaphysik des Altertums intelligente Wesen, oder
vielmehr „Intelligenzen“
mit allen Sinnen oder Funktionen, sowohl körperlichen
als geistigen, verbunden
sind.
[15] Die Funken.
[16] Die Umstellung von
Oeaohoo. Die buchstäbliche Bedeutung des Wortes
ist, bei den östlichen Occultisten des Nordens, ein
kreisender Wind, ein
Wirbelsturm; aber in diesem Falle soll damit die
unaufhörliche und ewige
kosmische Bewegung oder vielmehr die Kraft, die den
Kosmos bewegt,
bezeichnet werden, welche Kraft stillschweigend für
die Gottheit
angenommen, aber niemals genannt wird. Es ist das
ewige Kârana, die
immerwirkende Ursache.
[17] VI. 15. Die Anugîtâ bildet einen Teil des
Ashvamedha Parvan des
Mahâbhârata.
Der Übersetzer der Bhagavadgîtâ in der Ausgabe Max-Müllers
hält sie für eine Fortsetzung der Bhagavadgîtâ.
Ihr Original ist eine der
ältesten Upanishads.
_21 46.Kommentar IV
Die occulte Behauptung, daß es sieben Sinne im
Menschen und in der Natur
gebe, so wie auch sieben Bewußtseinszustände sind,
wird im selben Werke
bestätigt, Capitel VII, über Pratyâhâra (die Hemmung
und Regelung der Sinne,
während Prânâyâma jene der „Lebenswinde“ oder des
Atems ist). Der
Brâhmana sagt, indem er über die Institution der
sieben Opferpriester (Hotris)
spricht: „Die Nase und das Auge, und die Zunge, und
die Haut, und das Ohr als
fünfter (oder Geruch, Gesicht, Geschmack, Gefühl und
Gehör), Verstand und
Intelligenz sind die sieben Opferpriester, welche
getrennt aufgestellt sind,“ die
„obwohl sie in einem sehr kleinen Raume wohnen, (doch)
einander nicht
wahrnehmen,“ auf dieser Sinnenebene, keiner, außer dem
Verstande. Denn der
Verstand sagt: „Die Nase riecht nicht ohne mich, das
Auge nimmt keine Farbe
wahr ohne mich, u. s. w. Ich bin der ewige Führer
unter allen Elementen (d. h.
Sinnen). Ohne mich scheinen die Sinne niemals, gleich
einer leeren Wohnung,
oder gleich Feuern, deren Flammen erloschen sind. Ohne
mich verfehlen alle
Wesen, gleich einem halb getrockneten und halb
feuchten Brennstoff, Qualitäten
oder Objekte wahrzunehmen, selbst wenn die Sinne in
Thätigkeit sind. [18]
Dies bezieht sich natürlich nur auf den Verstand
auf der sinnlichen Ebene. Der
geistige Verstand, der obere Teil oder Aspekt des
unpersönlichen Manas, nimmt
keine Kenntnis von den Sinnen des physischen Menschen.
Wie gut bekannt die
Alten mit der Wechselbeziehung der Kräfte und all den
neuerdings entdeckten
Erscheinungen der geistigen und körperlichen
Fähigkeiten und Verrichtungen
und noch mit vielen anderen
Geheimnissen waren, kann man bei Lesung der
Abschnitte VII und VIII
dieses unschätzbaren Werkes über Philosophie und
mystisches Wissen erfahren.
Man sehe den Streit der Sinne wegen ihrer
gegenseitigen Überlegenheit und, wie sie Brahman, den
Herrn aller Geschöpfe,
zu ihrem Schiedsrichter nehmen. „Ihr seid alle die
größten und nicht die größten
(oder, wie Arjuna Mishra sagt, höher als die
Gegenstände, und keiner vom
anderen unabhängig). Jeder von euch ist von den
Eigenschaften des anderen
beherrscht. Alle sind die größten in ihrer eigenen
Sphäre und alle unterstützen
einer den anderen. Es ist ein
unbeweglicher (Lebenswind oder Atem, die
sogenannte Yogaeinatmung,
welche der Atem des Einen oder höheren Selbst
ist). Dieser eine ist mein
eigenes Selbst, aufgehäuft in vielen (Formen).“
Dieser Atem, Stimme, Selbst
oder Wind (Pneuma?), ist die Vereinigung der
sieben Sinne, rein mit dem Verstande aufgefaßt aller
niederen Gottheiten, und
esoterisch – die Siebenzahl und die „Heerschar
der Stimme“.
(b) Zunächst
sehen wir die kosmische Materie sich ausbreiten und sich zu
_23 (1 of 3)46.Kommentar IV
Elementen gestalten, welche gruppiert sind zur
mystischen Vier innerhalb des
fünften Elementes – des Ethers, der „Verkleidung“ von
Âkâsha, der Anima Mundi
oder Mutter des Kosmos. „Punkte, Linien, Dreiecke,
Würfel, Kreise“ und
schließlich „Kugeln“ – warum und wieso? Weil, sagt der
Kommentar, also das
erste Gesetz der Natur ist,
und weil die Natur allüberall in allen ihren
Offenbarungen geometrisch
vorgeht. Es giebt ein nicht nur dem Urstoffe,
sondern auch der
manifestierten Materie unserer Erscheinungsebene
innewohnendes Gesetz, nach welchem die Natur ihre
geometrischen Formen,
und sodann auch ihre zusammengesetzten Elemente in
Wechselbeziehung
bringt, und innerhalb dessen auch keinen Platz für
Zufall oder Glücksfall ist. Es
ist ein Grundgesetz im Occultismus, daß es keine Ruhe
oder Aufhören von
Bewegung in der Natur giebt. [19]
Was Ruhe zu sein scheint, ist bloß Verwandlung von
einer Form in eine andere,
und die Verwandlung von Substanz geht Hand in Hand mit
der von Form – so
wenigstens lehrt uns die occulte Physik, die auf diese
Art die Entdeckung der
„Erhaltung des Stoffes“ um eine beträchtliche Zeit vorweg
genommen zu haben
scheint. Der alte Kommentar [20] zu Strophe IV sagt:
Die Mutter
ist der feurige Fisch des Lebens. Sie verstreut ihren Laich und der
Atem
(Bewegung) erwärmt und zeitigt ihn. Die Körner (des Laichs) werden bald
aneinander
gezogen und bilden das Gerinnsel in dem Ozean (des Raumes). Die
größeren
Flocken wachsen zusammen und empfangen neuen Laich – in feurigen
Punkten,
Dreiecken und Würfeln, welche reifen, und zur bestimmten Zeit lösen
sich einige von
den Flocken ab und nehmen kugelförmige Gestalt an, ein
Vorgang, den
sie nur dann durchführen, wenn sie nicht von den anderen gestört
werden.
Hierauf tritt Gesetz No. [korrekter Abdruck siehe Buch] in Thätigkeit.
Bewegung (der
Atem) wird zum Wirbelwind und bringt sie zur Rotation. [21]
[18] Dies zeigt, daß die modernen Metaphysiker,
mitsamt zu allen
vergangenen und gegenwärtigen Hegeln, Berkleys,
Schopenhauern,
Hartmanns, Herbert Spencers und selbst den modernen
Hylo-Idealisten als
Zugabe, nichts Besseres sind als die Schwachen
Kopisten einer ehrwürdigen
Vorzeit.
[19] Die Kenntnis dieses Gesetzes ist es, die dem
Arhat seine Siddhis oder
_23 (2 of 3)46.Kommentar IV
verschiedenen Phänomene auszuführen gestattet und
hilft, wie Desintegration
von Materie, Beförderung von
Gegenständen von einem Ort zu einem
anderen, u. s. w.
[20] Es sind dies alte
Kommentare, die mit modernen Glossaren den Strophen
beigefügt sind, denn die Kommentare sind bei ihrer
symbolischen Sprache
gewöhnlich ebenso schwer zu verstehen als die Strophen
selbst.
[21] In einem polemischen wissenschaftlichen Werk, The
modern Genesis (p.
48), sagt der Rev. W. B.
Slaughter, gelegentlich einer Kritik des von den
Astronomen eingenommenen
Standpunktes: „Es ist zu bedauern, daß die
Vertheidiger dieser
(Nebel-)Theorie nicht ausführlicher in die Diskussion
darüber (über den Anfang der
Rotation) eingetreten sind. Niemand läßt sich
herbei, uns die vernunftgemäße
Erklärung davon zu geben. Wieso erteilt der
Vorgang der Abkühlung und
Zusammenziehung einer Masse derselben eine
Rotationsbewegung?“ (Citiert
von Winchell, World-Life, p. 94.) Die
materialistische Wissenschaft kann diese Frage niemals
lösen. „Bewegung ist
ewig im Ungeoffenbarten, und periodisch im
Geoffenbarten“ sagt ein occulter
Lehrsatz. „Wenn
die durch das Herabsteigen der Flamme in den Urstoff
bewirkte
Hitze die Teilchen desselben in Bewegung setzt, so wird diese
Bewegung zum Wirbelwind.“ Ein Tropfen Flüssigkeit nimmt Kugelgestalt an,
weil seine Atome sich um sich selbst drehen in ihrer letzten,
unauflöslichen,
an sich seienden Wesenheit; unauflöslich zum mindesten
für die
Naturwissenschaft. Die Frage wird später ausführlich
behandelt.
_23 (3 of 3)46.Kommentar IV
5. DER OI-HA-HOU, WELCHER DIE DUNKELHEIT IST, DAS
GRENZENLOSE,
ODER DIE NICHTZAHL, ÂDI-NIDNA SVABHAVAT, DER [Kreis;
korrekter
Abdruck siehe Buch]: [22]
I. ÂDI-SANAT, DIE ZAHL, DENN ER IST EINS (a).
II. DIE STIMME DES WORTES, SVABVHÂVAT, DIE ZAHLEN,
DENN ER IST EINS UND NEUN. [23]
III. DAS „FORMLOSE QUADRAT“. [24]
UND DIESE DREI, EINGESCHLOSSEN IN DEM [korrekter
Abdruck siehe
Buch], [25]
SIND DIE HEILIGEN VIER; UND DIE ZEHN SIND DAS ARÛPA [26] -
UNIVERSUM (b). DANN KOMMEN DIE SÖHNE, DIE
SIEBEN STREITER, DER
EINE, DER ACHTE, WELCHER WEGGELASSEN IST, UND SEIN
ATEM,
WELCHER DER LICHTERZEUGER IST ©. [27]
(a)
„Âdi-Sanat“, wörtlich übersetzt, ist der Erste oder „Uralte“, ein Name, der den
kabbalistischen „Alten der Tage“ und den „Heiligen
Alten“ (Sephira und Adam
Kadmon) mit Brahmâ, dem
Schöpfer, identifiziert, der neben seinen anderen
Namen und Titeln auch Sanat
hieß.
„Svabhâvat“ ist die mystische
Wesenheit, die plastische Wurzel der physischen
Natur – „Zahlen“, wenn manifestiert; die „Zahl“, in
ihrer Einheit von Substanz, auf
der höchsten Ebene. Der Name wird von den Buddhisten
gebraucht und ist ein
Synonym für die vierfältige Anima Mundi, die
kabbalistische archetypische Welt,
aus der die schöpferischen, formenhaften und
materiellen Welten hervorgehen;
und die Scintillae oder Funken – die verschiedenen anderen
Welten, die in den
letzten dreien enthalten sind. Die Welten sind alle
Herrscher oder Lenkern
unterworfen – den Rishis und Pitris der Hindûs, den
Engeln der Juden und
Christen, den Göttern der Alten im allgemeinen.
(b) „[Kreis; korrekter Abdruck siehe Buch S. 125]“.
Dies bedeutet, daß der
„grenzenlose Kreis“, die Null, zu einer Zahl bloß dann
wird, wenn eine der
anderen neun Ziffern ihr vorangeht, und so ihren Wert
und ihre Kraft offenbart;
das „Wort“ oder der Logos, in Vereinigung mit „Stimme“
und Geist [28] (dem
Ausdruck und der Quelle des Bewußtseins), steht für
die neun Ziffern und bildet
somit mit der Null die Dekade, die in sich selbst das
ganze Weltall enthält. Die
_25 47.Kommentar IV
Triade bildet die Tetraktys, oder „heilige Vier“, in
dem Kreise, und das Quadrat in
dem Kreise ist die mächtigste aller magischen Figuren.
© Der „eine
Zurückgewiesene“ ist die Sonne unseres Systems. Die exoterische
Version ist in den ältesten Sanskritschriften zu
finden. Im Rigveda ist Aditi, die
„Grenzenlose“ oder der unendliche Raum – nach der
Übersetzung von Max
Müller, die „sichtbare unendliche, dem bloßen Auge
sichtbare (!!), die unendliche
Ausdehnung jenseits der Erde,
jenseits der Wolken, jenseits des
Himmelsgewölbes“ –
gleichbedeutend mit „Mutter-Raum“, gleichalterig mit
„Dunkelheit“.
Sie wird sehr zutreffend die
„Mutter der Götter“ genannt, Deva-Mâtri, da aus
ihrem kosmischen Schoße alle
Himmelskörper unseres Systems geboren
wurden – Sonne und Planeten.
Daher wird sie allegorisch folgender Art
beschrieben: „Acht
Söhne wurden geboren aus dem Körper der Aditi, sie nahte
den Göttern mit sieben, aber stieß hinweg den achten,
Mârtânda,“ unsere Sonne.
Die sieben, Adityas genannten, Söhne sind, kosmisch
oder astronomisch, die
sieben Planeten; und daß die Sonne aus ihrer Zahl
ausgeschlossen ist, zeigt
klar, daß die Inder einen siebenten Planeten gekannt
haben mögen, und
thatsächlich gekannt haben, ohne denselben Uranus [29]
zu nennen.
Aber esoterisch und theologisch, sozusagen, sind die
Âdityas, in ihren
ursprünglichen ältesten Bedeutungen, die acht und
zwölf großen Götter des
indischen Pantheon. „Die Sieben erlauben den
Sterblichen ihre Wohnungen zu
sehen, sich selbst aber zeigen sie nur den Arhats,“
sagt ein altes Sprichwort;
„ihre Wohnungen“ bedeuten hier die Planeten. Der alte
Kommentar giebt die
folgende Allegorie und erklärt sie:
Acht Häuser
wurden erbaut von der Mutter: acht Häuser für ihre acht göttlichen
Söhne; vier
große und vier kleine. Acht glänzende Sonnen nach ihrem Alter und
Verdienste.
Bal-i-lu (Mârtânda) war nicht befriedigt, obwohl sein Haus das größte
war. Er
begann (zu handeln) wie die großen Elephanten. Er atmete (zog ein) in
seinen Magen
die Lebensgeister seiner Brüder. Er suchte sie zu verschlingen.
Die vier
größeren waren weit weg; weit, am Rande ihres Reiches. [30] Sie waren
nicht beraubt
(beeinflußt) und lachten. Thu dein Schlecktestes, Herr, du kannst
uns nicht
erreichen, sagten sie. Aber die kleineren weinten. Sie beklagten sich
bei der
Mutter. Sie verbannte Bal-i-lu in den Mittelpunkt ihres Reiches, von wo er
sich nicht
wegbewegen konnte.
Er wacht
(seit damals bloß) und droht. Er verfolgt sie, indem er sich langsam um
_25 (2 of 4)47.Kommentar IV
sich selbst
dreht; sie wenden sich rasch von ihm, und der folgt von ferne der
Richtung, in
welcher seine Brüder sich auf dem Pfade bewegen, der ihre Häuser
umgiebt. [31]
Von dem Tage an nährt er sich von dem Schweiße von dem Körper
seiner
Mutter. Er füllt sich mit ihrem Atem und Auswurf. Daher verwarf sie ihn.
[22] Das [korrekte Abbildung
siehe Buch S. 125], die unbekannte Größe.
[23] Was Zehn macht, oder die
vollkommene Zahl, angewendet auf den
„Schöpfer“, den Namen, der
der Gesamtheit der Schöpfer gegeben wurde,
welche von den Monotheisten
in Einen verschmolzen wurden, wie die
„Elohim“, Adam Kadmon oder
Sephira, die Krone – die androgyne Synthese
der zehn Sephiroth sind,
welche in der popularisierten Kabalah das Symbol
des geoffenbarten Weltalls bilden. Die esoterischen
Kabbalisten folgen jedoch
den östlichen Occultisten, trennen
das obere Sephirothische Dreieck (oder
Sephira, Chokmah und Binah)
von den übrigen, so daß sieben Sephiroth
übrig bleiben. Was Svabhâvat
anbelangt, so erklären die Orientalisten den
Ausdruck dahin, daß er die
universelle plastische Materie, ausgebreitet durch
den Raum, bedeute, vielleicht mit einem halben
Seitenblick auf den Ether der
Wissenschaft. Die Occultisten aber identifizieren ihn
mit „Vater-Mutter“ auf der
mystischen Ebene.
[24] Arûpa.
[25] Grenzenlosen Kreis.
[26] Subjektive, formlose.
[27] Bhâskara.
[28] Dies bezieht sich auf den abstrakten Gedanken und
die konkrete Stimme,
oder die Manifestation desselben, die Wirkung der
Ursache. Adam Kadmon,
_25 (3 of 4)47.Kommentar IV
oder Tetragrammaton, ist der
Logos in der Kabalah. Daher entspricht diese
Triade in der letzteren dem
höchsten Dreiecke von Kether, Chokmah und
Binah, letztere eine
weibliche Kraft, und zur selben Zeit der männliche
Jehovah, als teilhabend an der Natur von Chokmah, oder
männliche Weisheit.
[29] Die Geheimlehre lehrt, daß die Sonne ein
centraler Stern und kein Planet
ist. Trotzdem kannten und verehrten die Alten sieben
große Götter,
ausschließlich der Sonne und Erde. Was war dieser
„Gott des Geheimnisses“,
den sie bei Seite setzten?
Natürlich nicht Uranus, der erst 1781 von Herschel
entdeckt wurde. Aber konnte
er nicht unter einem anderen Namen bekannt
sein? Ragon sagt: „Nachdem
die occulten Wissenschaften durch
astronomische Berechnungen
erfahren hatten, daß die Zahl der Planeten
sieben sein müsse, wurden die Alten dahin geführt, die
Sonne in die Tonleiter
der himmlischen Harmonieen
einzuführen, und sie den leeren Platz
einnehmen zu lassen. So
schrieben sie jedesmal, wenn sie eine Einwirkung
bemerkten, welche keinem der
bekannten sechs Planeten angehörte,
dieselbe der Sonne zu Der
Irrtum scheint bedeutend, aber war es nicht in
den praktischen Resultaten,
wenn die Astrologen den Uranus durch die
Sonne ersetzten, welche ein
verhältnismäßig bewegungsloser
Centralstern ist, der sich bloß um seine Achse dreht
und Zeit und Maß regelt;
und der nicht von seinen wahren
Funktionen weggewendet werden
kann.“ (Maconnerie Occulte,
p. 447.) Die Benennung der Wochentage ist
auch falsch. „Der Sonn-tag
sollte Uranus-tag (Urani dies, Urandi) sein,“ fügt
der gelehrte Schriftsteller
hinzu.
[30] Planetensystems.
[31] „Die Sonne dreht sich um
ihre Achse beständig in derselben Richtung, in
der die Planeten in ihren einzelnen Bahnen kreisen,“
lehrt uns die Astronomie.
_25 47.Kommentar IV
Nachdem somit der „verstoßene Sohn“ unsere Sonne ist,
so beziehen sich die
„Sonnensöhne“ offenbar, wie
oben gezeigt, nicht bloß auf unsere Planeten,
sondern auf die Himmelskörper
im allgemeinen. Sûrya, selbst bloß eine
Wiederspiegelung der
centralen geistigen Sonne, ist das Vorbild aller jener
Körper, die nach ihm sich entwickelten. In den Veden
heißt er Loka-Chakshuh,
das „Auge der Welt“ (unserer Planetenwelt), und er ist
eine der drei
Hauptgottheiten. Er heißt gleicherweise der Sohn des
Dyaus oder der der Aditi,
weil in Bezug auf esoterische
Bedeutung kein Unterschied gemacht und kein
Spielraum für eine solche
gelassen wird.
Daher wird er sowohl als von
sieben Rossen als auch als von einem Rosse mit
sieben Häuptern gezogen
dargestellt; ersteres bezieht sich auf seine sieben
Planeten, letzteres auf ihren
einen gemeinsamen Ursprung aus dem Einen
kosmischen Element. Dieses „Eine Element“ heißt
sinnbildlich das „Feuer“. Die
Veden lehren,
daß „das Feuer wahrhaftig ist alle Gottheiten.“ [32]
Die Bedeutung der Allegorie ist klar, denn wir haben
zu ihrer Erklärung sowohl
den Dzyan-Kommentar als auch die moderne Wissenschaft,
wenn auch die
beiden in mehr als einer Einzelnheit voneinander
abweichen. Die occulte Lehre
verwirft die aus der
Nebeltheorie entstandene Hypothese, daß die (sieben)
großen Planeten aus der
Centralmasse der Sonne hervorgegangen sind, zum
mindesten nicht aus dieser
unserer sichtbaren Sonne. Die erste Verdichtung
kosmischen Stoffes fand natürlich um einen centralen
Kern, um seine väterliche
Sonne statt; aber unsere Sonne, so wird gelehrt,
trennte sich selbst einfach
früher ab als die anderen, wie sich die rotierende
Masse zusammenzog, und ist
daher ihr älterer, größerer „Bruder“, und nicht ihr
Vater. Die acht Adityas, die
„Götter“, sind alle aus der ewigen Substanz (der
Kometenmaterie [33] - der
Mutter) geformt, oder aus dem „Weltstoff“, der
zugleich das fünfte und sechste
kosmische Prinzip, der Upâdhi oder (die Grundlage der
Universalseele, ist,
gerade so wie im Mikrokosmos Manas [34] der Upadhi von
Buddhi [35] ist.
Es existiert da ein ganzes Gedicht über die
prägenetischen Kämpfe, welche von
den heranwachsenden Planeten
vor der endlichen Formung des Kosmos
ausgefochten wurden, und die
anscheinend gestörte Lage der Systeme von
verschiedenen Planeten
erklärt; denn die Ebenen der Satelliten von einigen
derselben (z. B. von Neptun
und Uranus, von denen, wie es heißt, die Alten
nichts gewußt haben) sind übergekippt, so daß jene
eine scheinbar rückläufige
Bewegung erhalten. Diese Planeten heißen die Kämpfer,
die Baumeister, und
sind von der römischen Kirche als die Leiter der
himmlischen Heerscharen
angenommen, was auf dieselben Traditionen hinweist.
Hervorgegangen aus dem
kosmischen Raume, zog die Sonne, so wird uns gelehrt –
vor der schließlichen
_27 (1 of 3)47.Kommentar IV
Formung der Hauptplaneten und der Ringbildung der
Planeten-Nebel – in die
Tiefen ihrer Masse so viel kosmische Lebenskraft, als
die konnte, und drohte ihre
schwächeren „Brüder“ zu verschlingen, bevor das Gesetz
der Anziehung und
Abstoßung endgültig geordnet war; hierauf begann sie,
sich von „der Mutter
Auswurf und Schweiß“ zu nähren; mit anderen Worten,
von jenen Teilen des
Äthers (des „Atems der Universalseele“), von deren
Dasein und
Zusammensetzung die Wissenschaft bis jetzt durchaus
nichts weiß. Nachdem
eine Theorie dieser Art von Sir William Grove [36]
aufgestellt worden ist, welcher
annimmt, daß die Systeme „sich allmählich verändern,
durch atmosphärische
Zuwachse oder Entziehungen, oder durch Zunahmen und
Abnahmen, die von
Nebelsubstanz herrühren,“ und wiederum, daß „die Sonne
auf ihrer Reise durch
den Raum gasförmige Materie verdichten könne, wodurch
Wärme erzeugt
würde“ – scheint die archaische Lehre wissenschaftlich
genug zu sein, selbst in
diesem Zeitalter. [37]
Herr W. Mattieu Williams regte
den Gedanken an, daß die zerstreute Materie
oder der Ether, welcher der Recipient der
Wärmestrahlungen des Weltalls ist,
dadurch in die Tiefen der Sonnenmasse gezogen werde;
indem er aus derselben
den schon vorher verdichteten und thermisch
erschöpften Ether verdrängt, wird
er zusammengedrückt und giebt seine Wärme ab, um
seinerseits wieder in
einem verdünnten und abgekühlten Zustand ausgestoßen
zu werden, um einen
frischen Vorrat von Wärme zu absorbiren, die nach der
Annahme des Genannten
auf solche Art von dem Ether aufgenommen und wiederum
von den Sonnen des
Weltalls verdichtet und neu
verteilt wird.
Dies ist so ziemlich eine der
größten Annäherungen an die occulten Lehren, die
die Wissenschaft jemals
ersonnen hat; denn der Occultismus erklärt es durch
den „toten Arm“, der von
Mârtânda zurückgegeben wird, und durch seine
Ernährung mit dem „Schweiße und Auswurf“ von „Mutter
Raum“. Was Neptun,
[38] Saturn und Jupiter nur wenig beeinflussen konnte,
würde im Verhältnis so
kleine „Häuser“ wie Merkur, Venus und Mars getötet
haben. Da Uranus vor dem
Ende des 18. Jahrhunderts nicht bekannt war, so muß
der Name des vierten in
der Allegorie erwähnten
Planeten für uns insoweit ein Geheimnis bleiben.
[32] Siehe Anugîtâ,
Telang, X. 9; und Aitareya Brâhmana, Haug, p.1.
[33] Diese Wesenheit der
Kometenmaterie besitzt nach der Lehre der
_27 (2 of 3)47.Kommentar IV
occulten Wissenschaft kein einziges von den chemischen
oder physikalischen
Merkmalen, mit denen die moderne Wissenschaft vertraut
ist. Sie ist homogen
in ihrer Urform außerhalb der Sonnensysteme, und
differenziert sich gänzlich,
wenn sie die Grenzen des Gebietes unserer Erde
überschreitet; verdorben
durch die Atmosphären der Planeten und die bereits
zusammengesetzte
Materie des interplanetarischen Stoffes, ist sie
heterogen bloß in unserer
manifestierten Welt.
[34] Manas – das Denkprinzip,
oder die menschliche Seele.
[35] Buddhi – die göttliche
Seele.
[36] Siehe Correlation of
Physical Forces, 1843, p. 81; und Address to the
British Association, 1866.
[37] Sehr ähnliche Ideen waren
jene von M. Mattieu Williams, in The Fuel of
the Sun; von Dr. V. William
Siemens, On the Conservation of Solar Energy
(Nature,
XXV, 440-444, March 9, 1882): und auch von Dr. P. Martin Duncan,
in einer Address, als Präsident der geologischen
Gesellschaft, London, Mai,
1877. Siehe World-Life, von Alexander Winchell,
LL. D., pp. 53 ff.
[38] Wenn wir Neptun sprechen, so thun wir das nicht
als Occultistin, sondern
als Europäerin. Der wahre östliche Occultist wird
behaupten, daß, während
viele noch unentdeckte Planeten in unserem System
sind, Neptun nicht
wirklich demselben angehört, trotz seines scheinbaren
Zusammenhanges mit
unserer Sonne und des Einflusses der letzteren auf
ihn. Dieser
Zusammenhang ist mâyâvisch, imaginär; so sagen sie.
_27 (3 of 3)47.Kommentar IV
Der „Atem“ aller der „Sieben“ wird als Bhâskara, der
Lichtmacher, bezeichnet,
weil sie (die Planeten) ursprünglich alle Kometen und
Sonnen waren. Sie
evolvieren zu manvantarischem Leben aus dem
ursprünglichen Chaos (jetzt das
Ding an sich der
unauflösbaren Nebelflecke) durch Zusammenscharung und
Anhäufung der ursprünglichen
Differentationen der ewigen Materie, in der
schönen Ausdrucksweise des
Kommentars. „So kleideten sich die Söhne des
Lichts in das Gewebe der Dunkelheit.“ Sie werden allegorisch die „himmlischen
Schnecken“ genannt, weil ihre (für uns) formlosen
Intelligenzen ungesehen ihre
Sternen- oder Planetenhäuser bewohnen, und dieselben
sozusagen wie
Schnecken mit sich in ihrem Umlaufe herumtragen. Die
Lehre vom gemeinsamen
Ursprunge aller Himmelskörper und Planeten wurde, wie
wir sehen, von den
archaischen Astronomen betont, vor Kepler, Newton,
Leibniz, Kant, Herschel und
Laplace. Wärme (der „Atem“), Anziehung und Abstoßung –
die drei großen
Faktoren der Bewegung – sind die Bedingungen, unter
denen alle Mitglieder
dieser ursprünglichen Familie geboren werden, sich
entwickeln, und sterben; um
wiedergeboren zu werden nach einer Nacht des Brahmâ,
während welcher die
ewige Materie periodisch in
ihren ursprünglichen undifferenzierten Zustand
zurücksinkt.
Die allerverdünntesten Gase
können dem modernen Physiker keine Vorstellung
von der Natur derselben geben.
Zuerst Kraftcentren, differenzieren sich die
unsichtbaren Funken oder Uratome zu Molekülen und
werden Sonnen – indem
sie allmählich in Objektivität treten – gasförmig,
strahlend, kosmisch, und der
eine „Wirbelwind“ (oder Bewegung) giebt schließlich
den Anstoß zur Form und
zur Anfangsbewegung, die von den nimmerruhenden „Atem“
– den Dhyân
Chohans – geregelt und unterhalten wird.
_2948.Kommentar IV
6. DANN DIE ZWEITE SIEBEN, WELCHE DIE LIPIKA SIND,
HERVORGEBRACHT DURCH DIE DREI. [39] DER AUSGESTOSSENE
SOHN
Die „Lipika“, von dem Worte lipi, „schreiben“, bedeuten
wörtlich die „Schreiber“.
[40] Mystisch stehen diese göttlichen Wesen mit Karma,
dem Gesetze der
Wiedervergeltung im Zusammenhang, denn sie sind die
Aufzeichner oder
Annalisten, welche auf die (für uns) unsichtbaren
Tafeln des Astrallichtes, „der
großen Bildergallerie der Ewigkeit“, einen getreuen
Bericht von jeder Handlung,
und selbst von jedem Gedanken, des Menschen einprägen:
von allem, was in
dem phänomenalen Weltalle war, ist, oder jemals sein
wird.
Wie es in Isis Unveiled heißt, ist diese göttliche
und ungesehene Bildfläche das
Buch des Lebens.
Da die Lipika es sind, welche
aus dem passiven universalen Gemüt den idealen
Plan des Weltalls in die Objektivität projizieren,
nach welchem die „Baumeister“
den Kosmos nach jedem Pralaya wieder aufbauen, so
entsprechen sie den
sieben Engeln der Gegenwart, welche sie Christen in
den sieben
„Planetengeistern“ oder den „Geistern der Sterne“
wiedererkennen; und somit
sind sie die unmittelbaren Gehilfen der ewigen
Ideenbildung – oder, wie Plato es
nennt, des „göttlichen Gedankens“. Die ewige
Aufzeichnung ist kein
phantastischer Traum, denn wir begegnen denselben
Aufzeichnungen in der
Welt des groben Stoffes. So sagt Dr. Draper:
Ein Schatten fällt nie auf
eine Wand, ohne darauf eine dauernde Spur
zurückzulassen, welche durch
Anwendung entsprechender Prozesse sichtbar
gemacht werden könnte. Die
Bildnisse unserer Freunde oder
Landschaften mögen auf der
empfindlichen Fläche vor dem Auge verborgen
sein, aber sie liegen bereit,
sofort zu erscheinen, wenn entsprechende
Entwickler angewendet werden.
Ein Gespenst ist verborgen auf einer Silber-
oder Glasfläche, bis wir es
durch unsere Nekromantie in die Welt des
Sichtbaren treten lassen. Auf den Wänden unserer
geheimsten Gemächer, wo
wir jedes Späherauge für vollkommen ferngehalten, und
unsere
Zurückgezogenheit für niemals profanierbar halten,
existieren die Spuren
unserer Handlungen, die Schattenrisse von allem, was
wir gethan haben. [41]
1a (1 of 3)48.Kommentar IV
Die Doktoren Jevons und Babbage glauben, daß jeder
Gedanke die
Gehirnteilchen verschiebt, und, indem er sie in
Bewegung setzt, sie durch das
Universum zerstreut: sie
glauben auch, daß „jedes Teilchen des bestehenden
Stoffes ein Verzeichnis von
allem Geschehen sein muß“. [42] So hat die alte
Lehre angefangen, Bürgerrecht
in den Spekulationen der wissenschaftlichen
Welt zu erlangen.
Die vierzig „Beisitzer“, welche
in der Region von Amenti als die Ankläger der
Seele vor Osiris stehen,
gehören derselben Klasse von Gottheiten an wie die
Lipika, und würden als mit
ihnen übereinstimmend gelten, wären nicht die
ägyptischen Götter in ihrer esoterischen Bedeutung so
wenig verstanden. Der
indische Chitragupta, der den Rechenschaftsbericht
eines jeden Seelenlebens
aus seiner Aufzeichnung, genannt Agra-Sandhâni,
herausliest; die Beisitzer, die
den ihren von dem Herzen des Verstorbenen ablesen, das
ein offenes Buch vor
jedem Yama, Minos, Osiris, oder Karma wird, sind alle
ebenso viele Kopieen und
Varianten der Lipika und ihrer astralen
Aufzeichnungen. Nichtsdestoweniger sind
die Lipika Gottheiten, die nicht mit dem Tode, sondern
mit dem ewigen Leben
zusammenhängen.
Da die Lipika mit dem
Schicksale eines jeden Menschen und mit der Geburt
eines jeden Kindes
zusammenhängen, dessen Leben bereits im Astrallichte
vorgezeichnet ist – nicht fatalistisch, sondern
einfach weil die Zukunft, sowie die
Vergangenheit, in der Gegenwart ewig lebendig ist – so
kann man von ihnen
auch sagen, daß sie einen Einfluß auf die Wissenschaft
der Horoskopie
ausüben. Wir müssen die Wahrheit der letzteren
zugeben, ob wir wollen oder
nicht. Denn wie einer der
modernen Professoren der Astrologie bemerkt:
Nun, da uns die Photographie
die chemische Wirkung des Sternensystems
geoffenbart hat, indem sie
auf der empfindlich gemachten Platte des
Apparates Milliarden von
Sternen und Planeten festhält, welche bisher der
Entdeckungsbemühungen der
stärksten Fernrohre gespottet hatten, wird es
leichter, zu verstehen, wieso
unser Sonnensystem bei der Geburt eines
Kindes das Gehirn desselben –
jungfräulich gegenüber jedem Eindruck – auf
bestimmte Art und entsprechend der Kulmination dieser
oder jener zodiakalen
Konstellation zu beeinflussen imstande ist. [43]
[39] Wort, Stimme und Geist.
1a (2 of 3)48.Kommentar IV
[40] Diese sidn die vier „Unsterblichen“, welche im Atharva
Veda als die
„Wächter“ oder Hüter der vier Himmelsrichtungen
erwähnt sind. (Siehe Kap.
LXXVI, 1-4 ff.)
[41] Conflict between Religion and Science, pp. 132
und 133.
[42] Priniples of Science,
II. 455.
[43] Les Mystêres de
l’Horoscope, Ely Star, p. XI.
1a (3 of 3)48.Kommentar V
1. DIE URSPRÜNGLICHEN SIEBEN, DIE ERSTEN ATEMZÜGE DES
DRACHENS DER WEISHEIT, ERZEUGEN IHRERSEITS DURCH IHRE
HEILIGEN KREISENDEN ATEMZÜGE DEN FEURIGEN WIRBELWIND.
Dies ist vielleicht die am schwierigsten zu erklärende
von allen Strophen. Ihre
Sprache ist bloß jenem verständlich, welcher in der
östlichen Allegorie und ihrer
absichtlich dunklen Ausdrucksweise vollkommen
bewandert ist. Die Frage wird
sicherlich aufgeworfen werden: „Glauben sie
Occultisten an alle diese „Bauleute“,
„Lipika“ und „Söhne des Lichtes“ als an Wesenheiten,
oder sind sie bloße
Bildersprache? Darauf erfolgt ebenso klar die Antwort:
Bei entsprechender
Nachsicht mit der Bildersprache von personifizierten
Kräften, müssen wir die
Existenz von solchen Wesenheiten zugestehen, wenn
anders wir nicht die
Existenz einer geistigen Menschheit innerhalb der
physischen Menschheit
verwerfen wollen. Denn die Scharen dieser Söhne des
Lichtes, der aus der Seele
geborenen Söhne des ersten geoffenbarten Strahles des
Unbekannten Alls, sind
gerade die Wurzel des geistigen Menschen. Wenn wir
nicht an das
unphilosophische Dogma einer für jede menschliche
Geburt eigens geschaffene
Seele – von denen seit „Adam“ täglich eine neue
Lieferung einläuft – glauben
wollen, so müssen wir den occulten Lehren beistimmen.
Dies wird an seinem
Orte erklärt werden. Laßt uns nun sehen, was die
Bedeutung dieser occulten
Strophe sein mag.
Die Lehre besagt, daß, um ein göttlicher, vollbewusster
Gott – ja, selbst der
höchste – zu werden, die geistigen Urintelligenzen
durch den menschlichen
Zustand hindurchgehen müssen. Und wenn wir sagen
„menschlich“, so bezieht
sich das nicht bloß auf unsere irdische Menschheit,
sondern auf die Sterblichen,
die irgend eine Welt bewohnen, d. h. auf jene
Intelligenzen, welche das
geeignete Gleichgewicht zwischen Stoff und Geist
erreicht haben, so wie wir es
jetzt haben, immer, nachdem der Mittelpunkt der
vierten Wurzelrasse der vierten
Runde überschritten war. Jede Wesenheit muß für sich
selbst das Recht, göttlich
zu werden, durch Selbsterfahrung gewonnen haben.
Hegel, der grosse, deutsche
Denker, muß diese Wahrheit gewusst oder intuitiv
gefühlt haben, als er sagte,
daß das Unbewusste das Weltall bloß evolviert habe „in
der Hoffnung, klares
Selbstbewußtsein zu erlangen“, mit anderen Worten, um
Mensch zu werden;
denn das ist auch die geheime Bedeutung der oft
wiederkehrenden purânischen
Phrase, daß Brahmâ beständig „von dem Verlangen bewegt
sei, zu schaffen“.
Dies erklärt auch die verborgene kabbalistische
Bedeutung des Ausspruches:
1b (1 of 2)49.Kommentar V
„Der Atem wird ein Stein; der Stein eine Pflanze; die
Pflanze ein Tier; das Tier
ein Mensch; der Mensch ein Geist; und der Geist ein
Gott.“ Die aus der Seele
geborenen Söhne, die Rishis, die Bauleute, u.s.w.,
waren alle Menschen –
einerlei von welchen Formen und Gestalten – in anderen
Welten und in
vorangegangenen Manvantaras.
Da dieser Gegenstand so überaus mystisch ist, so ist
es höchst schwierig, ihn
in allen Einzelheiten und Beziehungen zu erklären;
denn das ganze Geheimnis
der evolutionellen Schöpfung ist darin enthalten. Ein
Satz oder zwei in dieser
Shloka rufen lebhaft ähnliche Sinnsprüche in der Kabalah
sowie die
Ausdrucksweise des königlichen Psalmisten [1] ins
Gedächtnis. Beide, wenn sie
von Gott sprechen, lassen ihn den Wind zu seinem Boten
machen und seine
„Diener zu Feuerflammen“. Aber in der esoterischen
Lehre ist das figürlich
gebraucht. Der „feurige Wirbelwind“ ist der erglühende
kosmische Staub, welcher
bloß magnetisch, wie die Eisenfeilspäne dem Magneten
folgen, dem leitenden
Gedanken der „schöpferischen Kräfte“ folgt. Doch ist
dieser kosmische Staub
etwas mehr; denn jedes Atom im Weltall hat die
Möglichkeit des
Selbstbewußtseins in sich, und ist, gleich den Monaden
des Leibniz, ein Weltall
in sich selbst, und für sich
selbst.
Es ist ein Atom und ein Engel.
Im Zusammenhang hiermit sollte
beachtet werden, daß eine der Leuchten der
modernen evolutionistischen
Schule, Herr A. R. Wallace, gelegentlich der
Besprechung der Unzulänglichkeit der „natürlichen
Auswahl“ als einzigen Faktors
in der Entwicklung des physischen Menschen, in der
Praxis den ganzen hier
erörterten Punkt zugiebt. Er hält dafür, daß die
Entwicklung des Menschen von
höheren Intelligenzen geleitet und gefördert wurde,
deren Thätigkeit ein
notwendiger Faktor in dem Plane der Natur sei. Sobald
aber die Wirkung dieser
Intelligenzen an einem Orte zugelassen ist, so ist es
bloß eine logische Folge, sie
noch weiter auszudehnen. Keine bindende Grenzlinie
kann da gezogen werden.
[1] Psalmen, CIV. 4.
1b (2 of 2)49.Kommentar V
2. DIESE MACHEN IHN ZUM BOTEN IHRES WILLENS (a).
DER DZYU WIRD
FOHAT: DER SCHNELLE SOHN DER GÖTTLICHEN SÖHNE, DESSEN
SÖHNE DIE LIPIKA [2] SIND, ERFÜLLT IN KREISEBEWEGUNG
SEINE
SENDUNG. FOHAT IST DAS PFERD, UND DER GEDANKE IST DER
REITER.
[3] ER GEHT WIE DER BLITZ DURCH DIE FEURIGEN WOLKEN
[4] (b); ER
NIMMT DREI UND FÜNF UND SIEBEN SCHRITTE DURCH DIE
SIEBEN
OBEREN UND SIEBEN UNTEREN REGIONEN. [5] ER ERHEBT
SEINE
STIMME; ER RUFT DIE UNZÄHLIGEN FUNKEN [6] ZUSAMMEN UND
VEREINIGT SIE ©.
(a) Dies zeigt, daß die „ursprünglichen Sieben“ als ihr
Vehikel (Vâhana, oder
das manifestierte Subjekt,
welches zum Symbol der dasselbe lenkenden Kraft
wird) Fohat gebrauchen, der
infolgedessen der „Bote ihres Willens“ genannt wird
·
den „feurigen
Wirbelwind“.
(b) „Dzyu
wird Fohat“ – der Ausdruck erklärt sich selbst. Dzyu ist die eine
wirkliche (magische) Erkenntnis, oder occulte
Weisheit; welche, da sie mit
ewigen Wahrheiten und ersten Ursachen sich befaßt,
nahezu zur Allmacht wird,
wenn sie in der richtigen Richtung angewendet wird.
Ihr Gegensatz ist Dzyu-mi,
das, was nur mit Illusionen und trügerischen
Erscheinungen sich befaßt, so wie
unsere exoterischen modernen Wissenschaften. In diesem
Falle ist Dzyu der
Ausdruck für die gesamte Weisheit der Dhyâni-Buddhas.
Da von dem Leser angenommen wird, daß er mit den
Dhyâni-Buddhas nicht
bekannt ist, so ist es gut, sogleich zu sagen, daß es,
nach den Orientalisten, fünf
Dhyânis giebt, welche die himmlischen Buddhas sind,
deren Offenbarungen in
der Welt von Form und Stoff die menschlichen Buddhas
sind. Esoterisch jedoch
sind die Dhyâni-Buddhas ihrer sieben, von denen sich
bloß fünf bisher
manifestiert haben [7] , während zwei in der sechsten
und siebenten Wurzelrasse
kommen sollen. Sie sind sozusagen die ewigen Vorbilder
der Buddhas, welche
auf dieser Erde erscheinen, von denen ein jeder sein
besonderes göttliches
Vorbild hat. So ist z. B. Amitâbha der Dhyâni-Buddha
von Gautama Shâkyamuni,
indem er sich durch ihn offenbart, so oft diese große
Seele sich auf Erden
inkarniert, wie Er es in Tzon-kha-pa [8] that. Als die
Synthese der sieben Dhyâni-Buddhas
war Avalokiteshvara der erste Buddha (der Logos), und Amitâbha
ist
der innere „Gott“ von Gautama, der in China Amida
(Buddha) genannt wird.
3 (1 of 3)49.Kommentar V
Sie sind, wie Prof. Rhys Davids richtig feststellt,
„die glorreichen Gegenbilder in
der mystischen Welt, frei von den erniedrigenden
Bedingungen dieses
materiellen Lebens“ von einem jeden irdischen,
sterblichen Buddha – die
befreiten Mânushi-Buddhas, die bestimmt sind, die Erde
in dieser Runde zu
regieren.
Sie sind die „Buddhas der Betrachtung“ und sind alle
„Anupâdaka“ (elternlos),
d. h. selbstgeboren aus der göttlichen Wesenheit. Die
exoterische Lehre –
welche besagt, daß jeder Dhyâni-Buddha die Fähigkeit
hat, aus sich selbst einen
gleichermaßen himmlischen Sohn zu erschaffen, einen
Dhyâni-Bodhisattva, der,
nach dem Hinscheiden des Mânushi-Buddha, das Werk des
letzteren zu Ende zu
führen hat – beruht auf der Thatsache, daß infolge der
höchsten Initiation, die
von einem, der vom „Geiste des Buddha“ – dem die
Orientalisten die Erschaffung
der fünf Dhyâni-Buddhas zuschreiben! – überschattet
ist, ausgeführt wird, ein
Kandidat virtuell ein Bodhisattva wird, dazu gemacht
von dem hohen Initiator.
© Fohat soll
als einer der wichtigsten, wenn nicht der allerwichtigste Charakter
in der esoterischen Kosmogonie, genau beschrieben
werden. Wie in der ältesten
griechischen Kosmogonie, die
sich bedeutend von der späteren Mythologie
unterschied, Eros die dritte
Person in der Urfreiheit: Chaos, Gaea, Eros ist –
entsprechend der
kabbalistischen Dreiheit: Ain Suph, dem grenzenlosen All
(denn Chaos ist Raum, von [korrekter Abdruck siehe
Buch S. 134], weit öffnen,
leer sein), Shekinah und dem Alten der Tage, oder dem
heiligen Geist – so ist
Fohat ein Ding in dem noch ungeoffenbarten
Weltall, und ein anderes in der
phänomenalen und kosmischen Welt. In der letzteren ist
er jene occulte,
elektrische, vitale Kraft, die, unter dem Willen des
schöpferischen Logos, alle
Formen vereinigt und zusammenbringt, indem sie ihnen
den ersten Anstoß giebt,
der in der Zeit zum Gesetz wird. Aber im
unmanifestierten Universum ist Fohat
nicht mehr diese, als Eros der spätere strahlende
beflügelte Kupido oder
Liebesgott ist. Fohat hat da noch nichts mit Kosmos zu
thun, da der Kosmos
noch nicht geboren ist, und die Götter noch in dem
Schoße von „Mater-Mutter“
schlafen. Er ist eine abstrakte philosophische Idee.
Er erzeugt sogar nichts
selbst; er ist bloß jene potentielle schöpferische
Kraft, durch deren Wirkung das
Noumenon aller zukünftigen Phänomena sich sozusagen
teilt, bloß um sich in
einer mystischen, übersinnlichen Handlung wieder zu vereinigen,
und den
schöpferischen Strahl auszusenden. Wenn der „göttliche
Sohn“ hervorbricht,
dann wird Fohat die treibende Kraft, die thätige
Macht, die die Eins zur Zwei und
Drei werden läßt – auf der kosmischen Ebene der
Manifestation. Das dreifache
Eine differentiiert sich in die vielen, und dann
verwandelt sich Fohat in die Kraft,
3 (2 of 3)49.Kommentar V
welche die elementaren Atome zusammenführt und sie
sich zusammenscharen
und verbinden läßt. Wir finden ein Echo dieser
urzeitlichen Lehre in der älteren
griechischen Mythologie. Erebus und Nyx sind aus dem
Chaos geboren, und
bringen unter der Einwirkung des Eros, ihrerseits
Äther und Hemera, das Licht
der oberen, und das Licht der unteren oder irdischen
Regionen hervor. Die
Dunkelheit erzeugt das Licht. Vergleiche damit in den Purânas
Brahmâs Willen
oder „Begierde“ zu schaffen; und in der phönizischen
Kosmogonie des
Sanchuniathon die Lehre, daß die Begierde, [korrekter
Abdruck siehe Buch S.
135], der
Ursprung der Schöpfung sei.
[2] Der Unterschied zwischen den Bauleuten, den
Planetengeistern und den
Lipika darf nicht aus den Augen gelassen werden.
(Siehe die Verse 5 und 6
dieses Kommentars.)
[3] Das heißt, er ist unter dem
Einflusse ihres leitenden Gedankens.
[4] Die kosmischen Nebel.
[5] Die zukünftige Welt.
[6] Atome.
[7] Siehe A. P. Sinnett’s Esoteric Buddhism,
5te kommentierte Auflage, p. 171-
173.
[8] Der erste und größte
tibetanische Reformator, der die „Gelbkappen“, die
Gelukpas, gründete. Er war
geboren im Jahre 1355 n. Chr., in dem Distrikt
von Amdo, und war der Avatâra von Amitâbha, dem
himmlischen Namen von
Gautama Buddha.
3 (3 of 3)49.Kommentar V
Fohat ist enge verwandt mit dem „Einen Leben“. Aus dem
Unbekannten Einen,
der unendlichen Totalität, emaniert der geoffenbarte
Eine, oder die periodische
manvantarische Gottheit; und diese ist das
Universalgemüt, welches, getrennt
von seinem Ursprungsquell, der Demiurg oder
schöpferische Logos der
westlichen Kabbalisten, und der viergesichtige Brahmâ
der Hindureligion ist. In
seiner Gesamtheit in der esoterischen Lehre vom
Standpunkt des geoffenbarten
göttlichen Gedankens betrachtet, repräsentiert er die
Scharen der höheren
schöpferischen Dhyân Chohans. Gleichzeitig mit der
Evolution der
Universalseele manifestiert sich die verborgene
Weisheit von Âdi-Buddha – dem
Einen Höchsten und Ewigen – als Avalokiteshvara (oder
geoffenbarter Îshvara),
welcher der Osiris der Ägypter, der Ahura-Mazda der
Zoroastrier, der himmlische
Mensch der hermetischen Philosophen, der Logos der
Platoniker und der Âtman
der Vedântisten ist. [9]
Durch die Wirkung der
manifestierten Weisheit, oder des Mahat – repräsentiert
durch diese zahllosen Centren
geistiger Energie im Kosmos – wird die
Wiederspiegelung der Universalseele, welche kosmische
Ideenbildung und die
solche Ideenbildung begleitende intellektuelle Kraft
ist, objektiv zum Fohat des
buddhistischen esoterischen
Philosophen.
Fohat wirkt, entlang den
sieben Prinzipien von Âkâsha dahineilend, auf die
manifestierte Substanz, oder
das Eine Element, wie oben erklärt, und setzt,
indem er es in verschiedene
Energiecentren differentiiert, das Gesetz der
kosmischen Evolution in Bewegung, welches, gehorsam
der Ideenbildung des
Universalgemüts, alle die verschiedenen
Daseinszustände im manifestierten
Sonnensystem in Existenz bringt.
Das Sonnensystem, das durch diese Thätigkeiten ins
Dasein gerufen worden
ist, besteht aus sieben Prinzipien, wie alles andere
innerhalb dieser Centren.
Also ist die Lehre der transhimâlayischen Esoterik.
Doch hat jede Philosophie
ihre eigene Art, diese Prinzipien einzuteilen.
Fohat ist nun die personifizierte elektrische
Lebenskraft, die transcendentale
verbindende Einheit aller kosmischen Energieen, auf
den unsichtbaren sowohl
wie auf den geoffenbarten Ebenen, deren Wirkung – in
einem immensen
Maßstabe – jener einer lebenden Kraft gleicht, die
durch den Willen bei jenen
Phänomenen erschaffen wird, wo das scheinbar
Subjektive auf das scheinbar
Objektive einwirkt und es zur Thätigkeit antreibt.
Fohat ist nicht bloß das lebende
Symbol und Behältnis dieser Kraft, sondern er wird von
den Occultisten als eine
5 (1 of 3)49.Kommentar V
Wesenheit betrachtet; die Kräfte, auf die er wirkt,
sind kosmisch, menschlich und
irdisch, und üben ihren Einfluß auf jede entsprechende
von diesen Ebenen. Auf
der irdischen Ebene wird sein Einfluß in der
magnetischen und wirksamen Kraft
gefühlt, die durch das starke Verlangen des
Magnetisierenden hervorgerufen
wird. Auf der kosmischen ist er gegenwärtig in der
konstruktiven Kraft, welche in
der Formung der Dinge – vom Planetensystem herab bis
zum Glühwurm und
bescheidenen Maßliebchen – den im Gemüt der Natur,
oder im göttlichen
Gedanken, liegenden Plan mit Rücksicht auf die
Entwicklung und das Wachstum
eines bestimmten Dinges ausführt. Er ist metaphysisch
der objektivierte Gedanke
der Götter, das „fleischgewordene Wort“, auf einer
niedereren Stufe, und der
Bote der kosmischen und menschlichen Ideenbildung; die
aktive Kraft im
universalen Leben.
In seinem sekundären Aspekt ist Fohat die
Sonnenenergie, die elektrische
Lebensflüssigkeit, und das erhaltende vierte Prinzip,
die Tierseele der Natur,
sozusagen, oder – Elektricität.
Im Jahre 1882 wurde der
Präsident der theosophischen Gesellschaft, Oberst
Olcott, zur Rede gestellt,
weil er in einem seiner Vorträge behauptet hatte,
Elektricität sei Materie. So
ist aber nichtsdestoweniger die Behauptung der
occulten Lehre. „Kraft“, „Energie“ mögen bessere Namen
dafür sein, solange die
europäische Wissenschaft so wenig über ihre wahre
Natur weiß; aber Stoff ist
sie, ebenso wie der Ether Stoff ist, wenn auch in der
That einige Stufen von Ether
entfernt. Es erscheint lächerlich, den Schluß zu
ziehen, ein Ding könne nicht
Stoff genannt werden, weil es für die Wissenschaft
unwägbar sei. Elektricität ist
in dem Sinne „immateriell“, daß ihre Moleküle der
Wahrnehmung und dem
Experiment nicht unterworfen sind; trotzdem kann sie –
und der Occultismus
sagt, daß sie es ist – atomistisch sein; daher ist sie
Materie. Aber selbst
angenommen, es sei unwissenschaftlich, von ihr in
solchen Ausdrücken zu
sprechen: sobald die Elektricität in der Wissenschaft
eine Quelle von Energie,
Energie einfach, und eine Kraft genannt wird – wo ist
die Kraft oder die Energie,
die gedacht werden kann ohne einen Gedanken an
Materie? Maxwell, ein
Mathematiker und eine der größten Autoritäten in Bezug
auf Elektricität und ihre
Phänomene, sagte vor Jahren, Elektricität sei Materie,
nicht bloße Bewegung.
„Wenn wir die Hypothese
annehmen, daß die elementaren Substanzen aus
Atomen zusammengesetzt sind,
so können wir der Schlußfolgerung nicht
entgehen, daß auch die
Elektricität, die positive sowohl als die negative, in
abgegrenzte elementare Teile
geteilt ist, welche sich als Elektricitätsatome
verhalten.“ [10] Wir wollen noch weiter gehen als
dies, und behaupten, daß die
5 (2 of 3)49.Kommentar V
Elektricität nicht bloß Substanz ist, sondern dass sie
ein Ausfluß aus einer
Wesenheit ist, welche weder Gott noch Teufel, sondern
eine von jenen zahllosen
Wesenheiten ist, welche nach
dem ewigen Gesetz von Karma unsere Welt
beherrschen und führen.
Um auf Fohat zurückzukommen, so
steht derselbe in Beziehung zu Vishnu und
Sûrya, ersteren Gott in seiner
älteren Bedeutung genommen, denn Vishnu ist
kein hoher Gott im Rig Veda. Der Name Vishnu
kommt von der Wurzel vish,
„durchdringen“, und Fohat heißt der „Durchdringer“ und
der Verfertiger, weil er
die Atome aus rohem Material formt. [11] In den
heiligen Texten des Rig Veda ist
Vishnu auch „eine Offenbarung der Sonnenkraft und wird
als die sieben
Regionen des Weltalls mit drei Schritten
durchschreitend dargestellt“, sodaß der
vedische Gott wenig mit dem Vishnu der späteren Zeiten
gemein hat. Die beiden
sind daher in dieser besonderen Gestalt identisch und
einer ist die Kopie des
andern.
[9] T. Subba Row scheint denselben mit dem Logos zu
identifizieren und ihn
also zu nennen. (Siehe seine Lectures on the
Bhagavadgîtâ, im Theosophist,
vol. IX.)
[10] Helmholtz, Faraday Lecture, 1881.
[11] Es ist wohlbekannt, daß Sand, auf eine
schwingende Metallplatte
gebracht, eine Reihe regelmäßiger Figuren
verschiedenen Aussehens
annimmt. Kann die Wissenschaft eine vollständige Erklärung
dieser
Thatsache geben?
5 (3 of 3)49.Kommentar V
Die drei und sieben „Schritte“ beziehen sich auf die
vom Menschen bewohnten
sieben Sphären, nach der esoterischen Lehre, und
ebenso auf die sieben
Regionen der Erde. Trotz der häufigen Einwendungen
seitens solcher, die sich
Orientalisten dünken, wird in den exoterischen
Schriften der Hindûs deutlich auf
die sieben Welten oder Sphären unserer Planetenkette
Bezug genommen. Aber
wie sonderbar alle diese Zahlen mit ähnlichen Zahlen
in anderen Kosmogonien
und mit ihren Symbolen verbunden sind, kann aus den
Vergleichungen und
Parallelismen ersehen werden, die von Kennern der
alten Religionen gemacht
worden sind. Die „drei Schritte des Vishnu“ durch die
„sieben Regionen des
Weltalls“ des Rig Veda sind von den
Kommentatoren verschiedenartig erklärt
worden, so als Feuer, Blitz und Sonne kosmisch, und
als geschehen auf der
Erde, durch die Atmosphäre und den Himmel; mehr philosophisch
– und im
astronomischen Sinne sehr korrekt deutet sie
Aurnavâbha als die verschiedenen
Stellungen der Sonne: Aufgang, Mittag und Untergang.
Die esoterische
Philosophie allein giebt eine deutliche Erklärung
davon, obwohl der Zohâr es
sehr philosophisch und verständlich dargelegt hat. Es
wird in diesem klar
dargelegt, daß im Anbeginn die Elohim (Alhim) Achad,
„Eins“, oder die „Gottheit,
Eine in Vielen“ genannt wurden, eine sehr einfache
Idee in pantheistischer
Auffassung – pantheistisch im philosophischen Sinn
natürlich. Dann kam die
Änderung „Jehovah Elohim“, womit die Vielheit
vereinigt und der erste Schritt
zum Monotheismus gemacht wurde. Nun ist die Antwort
auf die Frage „Wieso ist
Jehovah Elohim?“ – „Durch drei Schritte“ von unten
auf. Die Bedeutung ist klar.
Die Schritte sind symbolisch und sinnbildlich,
wechselseitig und korrelativ, für
Geist, Seele und Körper (Mensch); für den Kreis, der
in Geist, Seele der Welt
und Körper derselben (oder Erde) umgebildet wurde. Aus
dem dem Menschen
unbegreiflichen Kreise der Ewigkeit heraustretend wird
Ain Suph – das
kabbalistische Synonym für Parabrahman, für Zeroâna
Akerne der Zoroastrier,
oder irgendwelches andere „Unerkennbare“ – zum „Einen“
(Achad, Eka, Ahu);
dann wird er (oder es) durch Evolution zu dem „Einen
in den Vielen“, den Dhyâni-Buddhas
oder den Elohim oder wieder den Amshaspends
umgebildet, während
sein dritter Schritt in die Erzeugung des Fleisches,
oder Menschen, erfolgt. Und
vom Menschen, oder Jah-Hovah, „mann-weiblich“, wird
die innere göttliche
Wesenheit auf der metaphysischen Ebene wiederum zu den
Elohim.
Die Zahlen 3, 5 und 7 spielen, wie in Isis Unveiled
gezeigt ist, eine
hervorragende Rolle in der spekulativen Freimaurerei.
Ein Bruder schreibt:
7 (1 of 3)50.Kommentar V
Es werden 3,5 und 7 Schritte
gemacht, um den Rundgang darzustellen. Sie
bedeuten die drei Flächen 3,
3; 5, 3 und 7, 3; etc. etc. Man kann dies auch
folgendermaßen darstellen:
752/2=376*5, und 7635/2=3817*5 und der
Quotient von 20612/6561 Fuß als Ellenmaß ist das Maßverhältnis
der großen
Pyramide.
Drei, fünf und sieben sind
mystische Zahlen, und die letzte und die erste sind
bei den Maurern ebenso in
Ansehen wie bei den Parsen, indem das Dreieck
überall ein Symbol der Gottheit ist. [12] Wie
selbstverständlich, lassen Doktoren
der Theologie – z.B. Cassel – den Zohar die
christliche Dreieinigkeit (!) erklären
und bekräftigen. Es ist jedoch letztere, welche ihren
Ursprung im
[Symbolabbildung siehe Buch S. 138], in dem archaischen Occultismus und
Symbologie der Heiden, hatte. Die drei Schritte
beziehen sich metaphysisch auf
das Herabsteigen des Geistes in die Materie, auf den
Logos, der als ein Strahl in
den Geist fällt, dann in die Seele, und schließlich in
die menschliche physische
Form des Menschen, in welcher er zum Leben wird.
Die kabbalistische Idee ist identisch mit der Esoterik
der archaischen Periode.
Diese Esoterik ist das
gemeinsame Eigentum aller, und gehört weder der
ârischen fünften Rasse, noch
irgend einer ihrer zahlreichen Unterrassen. Sie
kann weder von den
sogenannten Turaniern in Anspruch genommen werden,
den Ägyptern, Chinesen,
Chaldäern, noch von irgend einer der sieben
Abteilungen der fünften Wurzelrasse, sondern gehört
vielmehr der dritten und
vierten Wurzelrasse, deren
Abkömmlinge wir in dem Keime der fünften, den
ersten Âriern, finden. Der
Kreis war bei jeder Nation das Symbol des
Unbekannten – des
„grenzenlosen Raumes“, des abstrakten Gewandes einer
ewig gegenwärtigen Abstraktion – der unerkennbaren
Gottheit. Er repräsentiert
die grenzenlose Zeit in der Ewigkeit. Zeroâna Akerne
ist auch der „grenzenlose
Kreis der unbekannten Zeit“, aus welchem Kreise das
strahlende Licht
hervorschießt – die Universalsonne, oder Ormazd [13] -
und der letztere ist
identisch mit Cronus, in seiner äolischen Form als eines
der Kreises. Denn der
Kreis ist Sar und Saros, oder Cyklus. Es war der
babylonische Gott, dessen
kreisförmiger Horizont das sichtbare Symbol des
unsichtbaren war, während die
Sonne der Eine Kreis war, aus dem die kosmischen
Scheiben hervorgingen, für
deren Führer er gehalten wurde. Zeroâna ist das Chakra
oder der Kreis des
Vishnu, das geheimnisvolle Sinnbild, welches, nach der
Definition eines
Mystikers, „eine Kurve ist, von der Art, daß dieselbe,
wenn sie von irgend einem,
auch noch so kleinem Teile ihrer selbst in beliebiger
Richtung fortgesetzt wird,
7 (2 of 3)50.Kommentar V
sich weitererstreckt und
schließlich in sich selbst zurückkehrt, und eine und
dieselbe Kurve bilden wird –
oder das, was wir einen Kreis nennen“. Keine
bessere Definition könnte so
von dem natürlichen Symbol und der
einleuchtenden Natur der Gottheit gegeben werden, die,
da sie ihren Umkreis
überall hat (als die Grenzenlose), auch ihren
Mittelpunkt überall hat; mit andern
Worten, sie ist in jedem Punkte des Weltalls. Das
unsichtbare Göttliche ist also
auch die Dhyân Chohans, oder die Rishis, die
ursprünglichen Sieben, und die
Neun ausschließlich, und Zehn einschließlich ihrer sie
vereinigenden Einheit, von
welcher ES zum Menschen schreitet.
[12] Siehe The Masonic Cyclopaedia, Mackenzie; und The
Pythagorean
Triangle,
Oliver.
[13] Ormazd ist der Logos, der „Erstgeborene“, und die
Sonne.
7 (3 of 3)50.Kommentar V
Der Leser wird nun, wenn er zu Kommentar 4 der Strophe
IV zurückgeht,
verstehen, warum, während das transhimâlayanische
Chakra die Inschrift trägt
[Symbolabbildung siehe Buch S. 139] – Dreieck, erste Gerade, Quadrat, zweite
Gerade, und ein Pentagramm mit einem Punkte in der
Mitte, entweder so
[Symbolabbildung siehe Buch S. 139], oder in einer andern Variation – der
kabbalistische Kreis der Elohim, wenn die Buchstaben
des Wortes [korrekter
Abdruck siehe Buch S. 139] (Alhim oder Elohim) numerisch gelesen werden, die
berühmten Ziffern 13514, oder anagrammatisch 31415
offenbar werden läßt –
das astronomische [korrekter Abdruck siehe Buch S.
139] (pi), oder die
verborgene Bedeutung der Dhyâni-Buddhas, der Gebers,
der Giburim, der
Kabiren, und der Elohim, die alle bedeuten: „Große
Menschen“, „Titanen“,
„Himmlische Menschen“, und, auf der Erde, „Giganten“.
Die Sieben war eine heilige Zahl bei jeder Nation;
aber keine wendete sie auf
physiologisch materialistischere Weise an als die
Hebräer. Bei ihnen war 7
vorzugsweise die generative Zahl, und 9 die männliche
kausative, und bildeten
diese, wie die Kabbalisten zeigen, den otz, [korrekter
Abdruck siehe Buch S. 139]
(90, 70), oder „den Baum des Gartens von Eden“, die
„doppelte
hermaphroditische Rute“ der vierten Rasse. Dies war
das Symbol für das
„Allerheiligste“, die 3 und 4 der geschlechtlichen
Trennung. Fast sämtliche 22
hebräischen Buchstaben sind rein phallische Symbole.
Von den beiden
Buchstaben – wie oben gezeigt – ist der eine, das ayin,
ein negativer weiblicher
Buchstabe, symbolisch ein Auge; der andere ein
männlicher Buchstabe, tzâ, ein
Fisch-Haken oder –Gabel. Bei den Hindûs und Âriern im
allgemeinen war die
Bedeutung mannigfach und bezog sich fast
ausschließlich auf rein
metaphysische und astronomische Wahrheiten.
Ihre Rishis und Götter, ihre Dämonen und Heroen haben
historische und
ethische Bedeutungen.
Hingegen wird uns von einem Kabbalisten, der in einem
noch unpublizierten
Werke die Kabalah und den Zohar der
ârischen Esoterik gegenüberstellt,
folgendes gesagt:
Die hebräische klare, kurze, bündige und exakte
Sprechweise übertrifft weit
und über alle Maßen das zottelnde Wortgeschwätz der
Inder – gerade so, wie
der Psalmist in Parallelismen sagt: „Mein Mund spricht
mit meiner Zunge, ich
kenne nicht deine Zahlen“ (LXXI., 15) . Die indische Glyphe zeigt mit ihrer
9 (1 of 3)50.Kommentar V
Unzulänglichkeit in der vielen Beimengung von
nebensächlichen Seiten
dasselbe erborgte Federkleid, das die Griechen (die
lügenden Griechen)
hatten, und das die Freimaurerei hat: was bei der
rauhen einsilbigen (und
scheinbaren) Armut des Hebräischen zeigt, daß
letzteres aus einem viel
entlegeneren Altertum herstammt, als irgend eines von
jenen, und daß dieses
die Quelle (!?) war, oder näher der alten Urquelle als
irgend eines von ihnen.
Das ist ganz irrtümlich. Unser gelehrter Bruder und
Korrespondent beurteilt die
indischen Religionssysteme anscheinend nach ihren Shâstras
und Purânas,
wahrscheinlich nach den letzteren, und obendrein in
ihren modernen
Übersetzungen, die sie bis zur Unkenntlichkeit
entstellen. Wir müssen uns an
ihre philosophischen Systeme wenden, an ihre
esoterische Lehre, wenn wir
einen Vergleichspunkt herstellen wollen. Ohne Zweifel
kommt die Symbolik des
Pentateuch und selbst des neuen Testamentes aus derselben
Quelle. Aber ist
die Pyramide des Cheops,
deren Maße Professor Piazzi Smyth in Solomons
behauptetem und mythischem
Tempel alle wieder fand, nicht sicher älteren
Datums als die mosaischen Bücher? Daher muß, wenn eine
so große Identität,
wie behauptet wird, existiert, dieselbe von einem
sklavischen Kopieren von Seite
der Juden herrühren, und nicht von Seite der Ägypter.
Die Glyphen der Juden –
und selbst ihre Sprache, das Hebräische – sind nicht
originell. Sie sind von den
Ägyptern entlehnt, von welchen Moses seine Weisheit
erhalten hatte; von dem
Koptischen, der mutmaßlichen Verwandten, wenn nicht
der Mutter des alten
Phönizischen; und von den Hyksos, ihren (angeblichen)
Vorfahren, wie Josephus
zeigt. [14] Ja, aber wer waren die Hyksos-Hirten? Und
wer waren die Ägypter?
Die Geschichte weiß nichts
über diese Frage, und sie spekuliert und stellt
Theorieen auf aus den Tiefen
der betreffenden Bewußtseinsinhalte ihrer
Historiker. [15] „Der
Khamismus, oder das alte Koptische, stammt aus
Westasien, und enthält einige Keime des Semitischen,
und legt dadurch Zeugnis
ab für die ursprüngliche Abstammungseinheit der
ârischen und semitischen
Rassen“, sagt Bunsen, der die großen Ereignisse in
Ägypten 9000 Jahre v. Ch.
Ansetzt. Thatsache ist, saß wir in der archaischen
Esoterik und im ârischen
Denken eine großartige Philosophie finden, während wir
in den hebräischen
Aufzeichnungen bloß den erstaunlichsten Scharfsinn in
der Erfindung von
Apotheosen für Phallusdienst und sexuelle Theogonie
finden.
Daß die Ârier ihre Religion niemals bloß auf
physiologische Symbole stützten,
wie es die alten Hebräer gethan haben, kann aus den
esoterischen indischen
9 (2 of 3)50.Kommentar V
Schriften gesehen werden. Daß diese Erzählungen ferner
Blenden sind, zeigt
sich darin, daß sie sich gegenseitig widersprechen,
indem fast in jedem Purâna
und epischen Gedicht eine
andere Erklärung zu finden ist. Esoterisch gelesen
geben sie jedoch alle
denselben Sinn. So zählt ein Bericht sieben Welten auf,
ausschließlich der niederen
Welten, die auch sieben an der Zahl sind; diese
vierzehn oberen und unteren Welten haben nichts zu
thun mit der Einteilung der
siebenfältigen Kette und gehören den rein ätherischen,
unsichtbaren Welten an.
Diese werden anderwärts erwähnt werden. Für jetzt
genüge der Hinweis, daß sie
absichtlich so erwähnt werden, als ob sie der Kette
angehörten. „Eine andere
Aufzählung nennt die sieben Welten: Erde, Lufthimmel,
Himmel, mittlere Region,
Platz der Geburt, Wohnung der Glücklichen, und Stätte
der Wahrheit; sie stellt
die Söhne des Brahmâ in die sechste Abteilung, und
behauptet, dass die fünfte,
oder Jana-loka, jene sei, in der die in dem
allgemeinen Brande zerstörten Tiere
wiedergeboren werden.“ [16] Einige wirklich
esoterischen Lehren werden in den
folgenden Kapiteln über Symbolik gegeben. Der hierfür
Vorbereitete wird die
verborgene Bedeutung verstehen.
[14] Gegen Apion, I, 25.
[15] Siehe Isis Unveiled,
II., 420-438.
[16] Siehe Dowson’s Hindû
Classical Dictionary.
9 (3 of 3)50.Kommentar V
3. ER IST DER FÜHRENDE GEIST UND LEITER. WENN ER SEIN
WERK
BEGINNT, SO TRENNT ER DIE FUNKEN DES UNTEREN REICHES
[17] ,
WELCHE FREUDEZITTERND IN IHREN STRAHLENDEN WOHNUNGEN
[18]
SCHWEBEN, UND BILDET AUS DIESEN DIE KEIME DER RÄDER.
ER STELLT
SIE IN DIE SECHS RICHTUNGEN DES RAUMES, UND EINES IN
DIE MITTE –
„Räder“ sind, wie bereits erklärt, die Kraftcentren,
um welche sich der
kosmische Urstoff ausbreitet, und, indem er durch alle
die sechs Zustände der
Verdichtung hindurchgeht, wird derselbe sphäroidisch
und wird schließlich in
Kugeln oder Sphären umgeformt. Es ist eines der
Fundamentaldogmen der
esoterischen Kosmogonie, dass während der Kalpas (oder
Äonen) des Lebens
die Bewegung, welche während der Perioden der Ruhe „durch
jedes
schlummernde Atom pulsiert und zittert“, vom ersten Erwachen des Kosmos zu
einem neuen „Tage“ an eine immerfort wachsende Neigung
zu kreisförmiger
Bewegung erhält. „Die Gottheit wird zum Wirbelwind“.
Man mag fragen, wie auch die Schreiberin nicht
verfehlt hat zu fragen: Wer soll
die Erfahrung von dem Unterschied in der Bewegung machen,
nachdem die
ganze Natur auf ihre Urwesenheit zurückgeführt ist,
und niemand sein kann –
nicht einmal einer von den Dhyâni-Chohans, denn die
sind alle in Nirvâna – der
es sehen könnte? Die Antwort darauf ist: Alles in der
Natur muß nach Analogie
beurteilt werden. Obwohl die höchsten Gottheiten
(Erzengel oder Dhyâni-Buddhas)
nicht imstande sind, die Geheimnisse zu durchdringen,
welche allzu
ferne jenseits unseres Planetensystems und des
sichtbaren Kosmos liegen, so
gab es doch in alten Zeiten große Seher und Propheten,
die befähigt waren, das
Geheimnis von Atem und Bewegung rückblickend zu
empfinden, wie die
Weltsysteme ruhten und in ihren periodischen Schlaf
versenkt waren.
Die Räder werden auch Rotae –
die bewegenden Räder der himmlischen
Sphären, die teilnehmen an
der Erschaffung der Welt – genannt, wenn die
Bedeutung die des belebenden
Prinzipes der Sterne und Planeten ist, denn in
der Kabalah werden sie durch die Auphanim, die
Engel der Sphären und Sterne,
von denen sie die belebenden Seelen sind, repräsentiert.
[19]
_41 (1 of 2)51.Kommentar V
[17] Die mineralischen Atome.
[18] Gasartigen Wolken.
[19] Siehe Kabbalah Denudata,
„De Anima“, p. 113.
_41 (2 of 2)51.Kommentar V
Dieses Gesetz von der
Wirbelbewegung in der Urmaterie ist eine der ältesten
Vorstellungen der
griechischen Philosophie, deren erste historischen Weisen
nahezu alle Initiierte der
Mysterien waren. Die Griechen hatten sie von den
Ägyptern, und letztere von den Chaldäern, welche die
Schüler der Brâhmanen
der esoterischen Schule gewesen waren. Leucippus, und
Democritus von
Abdera – der Schüler der Magier – lehrten, daß diese
kreisende Bewegung der
Atome und Sphären seit Ewigkeit existierte. [20]
Hicetas, Heraclides, Ecphantus,
Pythagoras und alle seine Schüler, lehrten die
Rotation der Erde; und Âryabhata
in Indien, Aristarchus, Selecus, und Archimedes
berechneten ihre Revolution
ebenso wissenschaftlich wie die Astronomen von heute;
während die Theorie der
elementaren Wirbel dem Anaxagoras bekannt war und von
ihm 500 Jahre v. Ch.
behauptet wurde, oder ungefähr 2000 Jahre, bevor sie
von Galileo, Descartes,
Swedenborg, und schließlich, mit geringen
Modifikationen, von Sir W. Thomson
[21] wieder aufgenommen wurde. Alle solche Erkenntnis
ist, wenn man nur
gerecht sein will, ein Echo der archaischen Lehre,
welche zu erklären nunmehr
versucht wird. Wieso Menschen der letzten paar
Jahrhunderte zu denselben
Ideen und Schlussfolgerungen gekommen sind, die als
unumstößliche
Wahrheiten vor Dutzenden von Jahrtausenden in der
Verborgenheit der Adyta
gelehrt wurden, ist eine Frage, die getrennt behandelt
wird. Einige wurden dazu
geleitet durch den natürlichen Fortschritt in der
Naturwissenschaft und durch
unabhängige Beobachtung; andere – wie Copernicus,
Swedenborg und einige
andere – verdankten, trotz ihrer großen Gelehrsamkeit,
ihre Kenntnis viel mehr
intuitiven, als – auf dem gewöhnlichen Wege durch
regelrechte Studien
entwickelten – erworbenen Ideen. Daß Swedenborg, der
unmöglich irgend etwas
von den esoterischen Ideen des Buddhismus gewußt haben
konnte, unabhängig
der occulten Lehre in seinen allgemeinen Vorstellungen
nahe gekommen ist,
zeigt sich an seinem Aufsatz über die Wirbeltheorie.
In Clissolds Übersetzung
desselben, angeführt von Prof. Winchell, [22] finden
wir folgende
Zusammenfassung:
Die erste Ursache ist das
Unendliche oder Unbegrenzte. Dieses giebt dem
ersten Endlichen oder
Begrenzten Existenz. (Der Logos in seiner
Manifestation und das
Weltall.) Das, was eine Grenze erzeugt, ist analog der
Bewegung. (Siehe oben Strophe I.) Die erzeugte Grenze
ist ein Punkt, dessen
Wesen Bewegung ist; aber da
sie ohne Teile ist, so ist diese Wesenheit nicht
wirkliche Bewegung, sondern
bloß ein conatus dazu. (In unserer Lehre ist es
kein „conatus“, sondern eine
Wandlung von ewiger Schwingung in der
unmanifestierten, zu
Wirbelbewegung in der phänomenalen oder
manifestierten Welt.) Aus diesem ersten entstehen
Ausdehnung, Raum, Figur,
_43 (1 of 5)51.Kommentar V
und Aufeinanderfolge oder Zeit. Wie in der Geometrie
ein Punkt eine Linie,
eine Linie eine Fläche, und eine Fläche einen Körper
erzeugt, so strebt hier
der Drang des Punktes nach Linien, Flächen und
Körpern. Mit anderen
Worten, das Weltall ist in ovo im ersten natürlichen
Punkt enthalten.
Die Bewegung, nach der der Drang strebt, ist die
kreisförmige, weil der Kreis
die vollkommenste aller Figuren ist . „Die
vollkommenste Figur der oben
beschriebenen Bewegung muß die beständig kreisförmige
sein; das heißt, sie
muß vom Centrum zur Peripherie und von der Peripherie
zum Centrum
fortschreiten.“ [23]
Das ist reiner und einfacher Occultismus.
Mit den sechs „Richtungen des Raumes“ ist hier das
„doppelte Dreieck“
gemeint, die Berührung und Verschmelzung von reinem
Geist und Materie, vom
Arûpa und Rûpa, deren Symbol die Dreiecke sind. Dieses
doppelte Dreieck ist
ein Zeichen des Vishnu; es ist das Siegel Solomons,
und das Shrî-Antara der
Brâhmanen.
4. FOHAT ZIEHT SPIRALLINIEN, UM DAS SECHSTE MIT DEM
SIEBENTEN
·
DER KRONE – ZU
VEREINIGEN (a). EINE HEERSCHAR DER SÖHNE DES
LICHTS STEHT IN JEDEM WINKEL, UND DIE LIPIKA IN DEM
MITTLEREN
RAD (b). SIE [24] SAGEN: „DIES IST GUT“. DIE
ERSTE GÖTTLICHE WELT IST
FERTIG, DIE ERSTE, DIE ZWEITE. [25] DANN REFLEKTIERT
SICH DAS
„GÖTTLICHE ARÛPA“ [26] IN CHHÂYÂ LOKA, [27] DEM ERSTEN
GEWANDE
VON ANUPÂDAKA ©.
(a) Dieses Ziehen von „Spirallinien“ bezeiht sich
sowohl auf die Evolution der
Prinzipien des Menschen als
auch der Natur; eine Evolution, die stufenweise
stattfindet, sowie alles andere in der Natur. Das
sechste Prinzip im Menschen
(Buddhi, die göttliche Seele) ist, wenn auch in
unseren Vorstellungen ein bloßer
Atem, noch immer etwas Materielles im Vergleich zu dem
göttlichen Geist
(Âtmâ), dessen Träger oder Vehikel es ist. Fohat, in
seiner Eigenschaft als
göttliche Liebe (Eros), die elektrische Kraft der
Affinität und Sympathie, versucht
nach der allegorischen Darstellung, den reinen Geist,
den vom Einen Absoluten
untrennbaren Strahl, in Vereinigung mit der Seele zu
bringen, welche beide im
Menschen die Monade, und in der Natur das erste Bindeglied
zwischen dem
ewig Unbedingten und dem Geoffenbarten bilden.
_43 (2 of 5)51.Kommentar V
„Die erste ist jetzt die zweite [Welt]“ – der Lipikas
– bezieht sich ebendarauf.
(b) Die
„Heerschar“ in jedem Winkel ist die Schar der englischen Wesen (Dhyân
Chohans), die bestimmt sind, Lenker und Wächter zu
sein über jede betreffende
Region, vom Anfange bis zum Ende eines Manvantara. Sie
sind die „mystischen
Wächter“ der christlichen
Kabbalisten und Alchimisten, und beziehen sich
symbolisch sowie kosmogonisch
auf das Zahlensystem des Universums. Die
Zahlen, mit denen diese
himmlischen Wesen in Zusammenhang stehen, sind
außerordentlich schwierig zu
erklären, da jede Zahl sich auf verschiedene
Gruppen bestimmter Ideen
bezieht, je nach der besonderen Gruppe von
„Engeln“, die sie repräsentieren soll. Hierin liegt
der Knoten in dem Studium der
Symbolik, dem gegenüber so viele Gelehrte, unfähig ihn
zu lösen, es vorzogen,
damit zu verfahren wie Alexander mit dem Gordischen
Knoten; daher als direktes
Resultat irrtümliche Vorstellungen und Lehren!
© Die „Erste
ist die Zweite“, weil die „Erste“ in Wirklichkeit nicht als solche
gezählt oder betrachtet werden kann, denn die Erste
ist der Bereich der Dinge an
sich in ihrer Urmanifestation, die Schwelle zur Welt
der Wahrheit, oder Sat, durch
welche die direkte Energie, die aus der Einen
Wirklichkeit ausstrahlt – aus der
namenlosen Gottheit – uns erreicht. Hier ist wiederum
der unübersetzbare
Ausdruck Sat (Seinheit) geeignet, zu einer
irrtümlichen Vorstellung zu verleiten,
da das, was manifestiert ist, nicht Sat sein kann,
sondern etwas Phänomenales
ist, nichts Ewiges, ja in Wahrheit nicht einmal etwas
Immerwährendes. Es ist
gleichalt und gleichzeitig mit dem Einen Leben,
„zweitlos“, aber als eine
Manifestation ist es doch Mâyâ – wie das übrige. Diese
„Welt der Wahrheit“ kann
mit den Worten des Kommentars bloß beschrieben werden
als „ein heller Stern,
der herabsank
von dem Herzen der Ewigkeit; die Leuchte der Hoffnung, an deren
Sieben Strahlen die Sieben Welten des Seins hängen“.
Wahrlich, so ist es; denn
diese sind die Sieben Lichter, deren Widerscheine die
menschlichen
unsterblichen Monaden sind – der Âtmâ, oder der
strahlende Geist eines jeden
Geschöpfes in der menschlichen Familie. Zuerst, dieses
siebenfache Licht, dann
die „göttliche Welt“ – die zahllosen Lichter,
entzündet an dem Urlichte – die
Buddhis, oder formlosen göttlichen Seelen, der letzten
Arûpa (formlosen) Welt;
die „Gesamtsumme“ in der geheimnisvollen Sprache der alten
Strophe. Der
Katechismus läßt den Meister also den Schüler fragen:
„Erhebe dein
Haupt, o Lanoo; siehst du eines, oder zahllose Lichter ober dir
brennen an
dem dunklen Mitternachtshimmel?“
_43 (3 of 5)51.Kommentar V
„Ich fühle eine
Flamme, o Gurudeva, ich sehe zahllose ungetrennte Funken in
derselben
scheinen.“
„Du sprachest
wohl. Und nun blicke umher und in dich selbst. Fühlst du das
Licht, das in
dir brennt, irgendwie verschieden von dem Lichte, das in deinen
„Es ist
keineswegs verschieden, obwohl der Gefangene von Karma in Ketten
gehalten
wird, und obwohl seine äußeren Gewande den Unwissenden verleiten,
zu sagen,
‘Deine Seele und Meine Seele’.“
[20] „Die Lehre von der Rotation der Erde um ihre
Achse wurde von dem
Pythagoräer Hicetas gelehrt, wahrscheinlich bereits
500 v. Chr. Sie wurde
auch von seinem Schüler Ecphantus, und von Heraclides,
einem Schüler des
Plato, gelehrt. Die Unbeweglichkeit der Sonne und die
Bahnbewegung der
Erde wurden von Aristarchus von Samos bereits 281 v.
Chr. als mit den
Beobachtungsthatsachen übereinstimmende Annahmen
nachgewiesen. Die
heliocentrische Theorie wurde auch ungefähr 150 v.
Chr. von Seleucus aus
Seleucia am Tigris gelehrt. (Sie wurde 500 v. Chr. von
Pythagoras gelehrt. –
H. P. B.) Es heißt auch, daß Archimedes in einem Psammites
betitelten Werk
die heliocentrische Theorie
vortrug. Die Kugelgestalt der Erde wurde
ausdrücklich gelehrt von
Aristoteles, welcher als Beweis die Gestalt des
Erdschattens auf dem Monde
bei Finsternissen anführte. (Aristoteles, De
Coelo, lib.
II, cap. XIV.) Dieselbe Idee wurde von Plinius verteidigt. (Nat. Hist.,
II., 65.) Diese Ansichten
scheinen für mehr als ein Jahrtausend in
Vergessenheit geraten zu sein
.“
(Winchell, World-Life,
551-2.)
[21] On Vortex Atoms.
_43 (4 of 5)51.Kommentar V
[22] Op. Cit.,
567.
[23] Auszug aus Principia
Rerum Naturalium.
[24] Die Lipika.
[25] Das heißt: Die erste ist
jetzt die zweite Welt.
[26] Das formlose Universum
des Gedankens.
[27] Die schattenhafte Welt der
Urform oder des Intellektuellen.
_43 (5 of 5)51.Kommentar V
Die wurzelhafte Einheit der letzten Wesenheit eines
jeden Bestandteils der
zusammengesetzten Dinge in der Natur – vom Sterne bis
zum mineralischen
Atom, vom höchsten Dhyân Chohan bis zum kleinsten
Infusorium, in der vollsten
Bedeutung des Wortes, und einerlei, ob auf geistige,
intellektuelle oder physische
Welten angewendet – diese
Einheit ist das eine fundamentale Gesetz in der
occulten Wissenschaft. „Die
Gottheit ist schrankenlose und unendliche
Ausdehnung“ sagt ein occulter
Satz: daher der Name Brahmâ, wie bereits
bemerkt. [28]
Es liegt eine tiefe Philosophie
dem ältesten Dienste der Welt zu Grunde, dem
Dienste der Sonne und des
Feuers. Von allen der Naturwissenschaft bekannten
Elementen ist Feuer dasjenige,
das beständig einer genauen Analyse gespottet
hat.
Es wird zuversichtlich
behauptet, daß die Luft ein Gemenge ist, das die Gase
Sauerstoff und Stickstoff enthält. Wir betrachten das
Weltall und die Erde als
Materie, die aus bestimmten chemischen Molekülen
zusammengesetzt ist. Wir
sprechen von den ursprünglichen zehn Erden, und geben
einer jeden einen
griechischen oder lateinischen Namen. Wir sagen, daß
Wasser eine chemische
Verbindung von Sauerstoff und Wasserstoff ist. Aber
was ist Feuer? Es ist die
Verwirklichung einer Verbrennung, wird uns gewichtig
geantwortet. Es ist Wärme
und Licht und Bewegung, und eine Wechselwirkung von
physischen und
chemischen Kräften im allgemeinen. Und diese
wissenschaftliche Definition wird
philosophisch ergänzt durch eine theologische in Websters
Dictionary, welches
Feuer erklärt als „das Werkzeug der Bestrafung, oder
die Bestrafung der
Unbußfertigen in einem anderen Zustand“ – einem
„Zustand“, nebenbei bemerkt,
der als ein geistiger angenommen wird; aber leider
würde die Gegenwart von
Feuer anscheinend ein zwingender Beweis für seine
materielle Natur sein. Doch
sagt Professor Bain, indem er von dem Irrtum spricht,
Erscheinungen für einfach
zu halten, weil sie alltäglich sind:
Sehr gewöhnliche Thatsachen scheinen selbst keine
Erklärung zu brauchen
und Erklärungsmittel für alles zu sein, was mit ihnen
verglichen werden kann.
So hält man das Kochen und Verdampfen einer
Flüssigkeit für ein sehr
einfaches Phänomen, das keiner Erklärung bedarf und
eine befriedigende
Erklärung für seltenere Phänomene abgiebt. Daß Wasser
auftrocknen soll, ist
für den ununterrichteten Verstand ein vollkommen
verständliches Ding:
_45 (1 of 3)52.Kommentar V
während für den mit der Naturwissenschaft vertrauten
der flüssige Zustand
ein anormaler und unerklärlicher ist. Die Entzündung
eines Feuers durch eine
Flamme ist eine große wissenschaftliche Schwierigkeit,
aber nur wenige
Leute denken so. [29]
Was sagt die esoterische Lehre in Bezug auf Feuer?
„Feuer ist,
im Himmel wie auf der Erde, die vollkommenste und reinste
Reflexion der
Einen Flamme. Es ist Leben und Tod, der Ursprung und das Ende
eines jeden materiellen Dings. Es ist göttliche
Substanz.“ Somit zeigen nicht bloß
die Feuerverehrer, die Parsen, sondern selbst die
wandernden wilden Stämme
von Amerika, die sich „aus dem Feuer geboren“ nennen,
mehr Wissenschaft in
ihrem Glauben und mehr Wahrheit in ihrem Aberglauben,
als alle Spekulationen
der modernen Physik und Gelehrsamkeit. Der Christ, welcher
sagt: „Gott ist ein
lebendiges Feuer“ und von pfingstlichen „feurigen
Zungen“ und von dem
„brennenden Busch“ des Moses spricht, ist ebenso sehr
Feuerverehrer wie
irgend ein anderer „Heide“. Von den Mystikern und
Kabbalisten definierten die
Rosenkreuzer das Feuer am korrektesten. Nimm eine
Fünfgroschenlampe,
erhalte sie nur mit Öl versorgt, und du wirst im
stande sein, an ihrer Flamme alle
Lampen, Kerzen und Feuer der ganzen Welt anzuzünden,
ohne diese Flamme
zu verringern. Wenn die Gottheit, die Wurzeleinheit,
eine ewige und unendliche
Substanz ist, die niemals aufgezehrt wird („der Herr
dein Gott ist ein
verzehrendes Feuer“), dann scheint es nicht vernünftig
zu sein, die occulte Lehre
für gar so unphilosophisch zu halten, wenn sie sagt:
„So wurden geformt die
Arûpa und Rûpa (Welten): aus dem Einen Lichte Sieben
Lichter, aus jedem der
Sieben, siebenmal Sieben,“ u. s. w., u. s. w.
[28] Im Rig Veda finden wir die Namen
Brahmanaspati und Brihaspati mit
einander abwechselnd und einander gleichwertig. Siehe
auch die
Brihadâranyaka Upanishad; Brihaspati ist eine Gottheit, die der „Vater der
Götter“ genannt wird.
[29] Logic, II. 125.
_45 (2 of 3)52.Kommentar V
_45 (3 of 3)52.Kommentar V
5. FOHAT MACHT FÜNF SCHRITTE [30] (a) UND
BILDET EIN
BEFLÜGELTES RAD IN JEDEM WINKEL DES VIERECKS FÜR DIE
VIER
HEILIGEN UND IHRE SCHAREN [31] (b).
(a) Die
„Schritte“ beziehen sich, wie bereits im letzten Kommentar erklärt ist,
sowohl auf die kosmischen als auch auf die
menschlichen Prinzipien – welche
letzteren nach der exoterischen Einteilung aus drei
(Geist, Seele und Körper) und
nach der esoterischen Rechnung aus sieben Prinzipien
(drei Strahlen aus der
Wesenheit, und vier Aspekten) bestehen. [32] Jene,
welche Herrn Sinnetts
Esoteric Buddhism studiert haben, werden die Benennung leicht erfassen. Es
giebt zwei esoterische Schulen jenseits der Himâlayas,
oder vielmehr eine
Schule, die in zwei Abteilungen geteilt ist – eine für
die inneren Lanoos, die
andere für die äußeren oder halb laienmäßigen Chelâs;
die erste lehrt eine
siebenfältige, die andere eine sechsfältige Einteilung
der menschlichen
Prinzipien.
Von einem kosmischen Gesichtspunkte aus beziehen sich
die „fünf Schritte“,
welche Fohat macht, hier auf die fünf oberen Ebenen
von Bewusstsein und Sein,
während die sechste und
siebente (nach abwärts gezählt) die astrale und die
irdische, oder die zwei
niederen Ebenen sind.
(b) Vier „beflügelte Räder in jedem Winkel für die vier
Heiligen und ihre
Armeen (Scharen)“. Diese sind
die „vier Mahârâjahs“ oder großen Könige der
Dhyân Chohans, die Devas, von
denen ein jeder einem der vier Kardinalpunkte
vorsteht. Sie sind die
Regenten, oder Engel, welche über die kosmischen Kräfte
von Nord, Süd, Ost und West
herrschen – Kräfte, von denen eine jede eine
bestimmte occulte Eigenschaft hat. Diese Wesen stehen
auch in Beziehung zum
Karma, da letzteres physische
und materielle Agenten braucht, um seine
Beschlüsse auszuführen, so
wie z. B. die vier Windgattungen, wie die
Wissenschaft
eingestandenermaßen zugiebt, ihre entsprechenden üblen und
wohlthätigen Einflüsse auf
die Gesundheit der Menschheit und eines jeden
lebenden Dinges haben. Es giebt eine occulte
Philosophie in der römisch-katholischen
Lehre, welche die verschiedenen öffentlichen
Unglücksereignisse,
wie Krankheitsepidemieen, Kriege, und so fort, auf die
unsichtbaren „Sendboten“
von Nord und West zurückführt. „Die Herrlichkeit
Gottes kommt auf dem Wege
des Ostens“ sagt Ezekiel; während Jeremias, Isaias,
und der Psalmist ihren
Leser versichern, daß alles Übel unter der Sonne vom
Norden und Westen
_47 52.Kommentar V
kommt – was, auf die jüdische Nation angewendet, wie
eine unleugbare
Prophezeiung klingt. Und das begründet auch die
Erklärung des St. Ambrosius
[33] , daß wir genau aus diesem Grunde „den Nordwind
verfluchen, und uns
während der Taufceremonie (siderisch) gegen Westen
wenden, um desto besser
jenem abschwören zu können, der ihn bewohnt; wonach
wir uns dann gegen
Osten wenden.“
Der Glaube an die vier Mahârâjahs – die Regenten der
vier Kardinalpunkte –
war allgemein und ist noch jetzt Glaube der Christen,
welche dieselben, nach St.
Augustin, „englische Tugenden“ und „Geister“ nennen,
wenn sie sie selbst
aufzählen, und „Teufel“, wenn sie von den Heiden
genannt werden. Aber wo ist
in diesem Falle der Unterschied zwischen Heiden und
Christen? Der gelehrte
Vossius sagt:
Obwohl der heilige Augustin gesagt hat, daß jedes
sichtbare Ding in dieser
Welt eine englische Tugend als Aufseher bei sich hat,
so sind da doch nicht
Individuen, sondern ganze Gattungen von Dingen zu
verstehen, indem jede
solche Gattung thatsächlich ihren besonderen Engel als
Wächter hat. Hierin
stimmt er überein mit allen Philosophen . Für uns sind
diese Engel von
den Objekten getrennte Geister während sie für die
(heidnischen)
Philosophen Götter waren. [34]
Betrachten wir das von der römisch-katholischen Kirche
für die „Geister der
Sterne“ eingeführte Ritual, so sehen diese „Göttern“
verdächtigerweise ähnlich,
ja sie wurden weder von den alten, noch von den
modernen heidnischen Haufen
mehr geehrt und verehrt als jetzt in Rom von den hoch
kultivierten katholischen
Christen.
Dem Plato folgend erklärte
Aristoteles, daß der Ausdruck [korrekter Abdruck
siehe Buch S. 148] bloß in dem Sinne von unkörperlichen Prinzipien
verstanden
worden sei, die in jede der
vier großen Abteilungen der Welt eingesetzt worden
seien, um sie zu überwachen.
Somit beten die Heiden nicht mehr an und
verehren
nicht mehr die Elemente und die (imaginären) Kardinalpunkte als die
Christen., sondern sie verehren die „Götter“, welche
über die einzelnen
herrschen. Für die Kirche giebt es zwei Arten von
siderischen Wesen, Engel und
Teufel. Für den Kabbalisten und Occultisten giebt es
nur eine Klasse, und weder
Occultist noch Kabbalist macht einen Unterschied
zwischen den „Rektoren des
_47 (2 of 4)52.Kommentar V
Lichtes“ und den „Rectores Tenebrarum“ oder
Kosmokratoren, die die römische
Kirche sich sofort in den „Rektoren des Lichtes“ einbildet
und entdeckt, sobald
einer von diesen mit einem andern Namen bezeichnet
wird, als mit dem sie ihn
anredet. Es ist nicht der Rektor, oder Mahârâjah,
welcher bestraft oder belohnt,
mit oder ohne „Gottes“ Erlaubnis und Auftrag, sondern
der Mensch selbst – seine
Thaten, oder Karma, ziehen individuell und kollektiv
(wie es zeitweilig mit ganzen
Nationen der Fall ist) jede art von Übel und Unheil
an. Wir erzeugen Ursachen,
und diese erwecken die entsprechenden Kräfte in der
siderischen Welt, welche
magnetisch und unwiderstehlich von jenen, welche
solche Ursachen erzeugen,
angezogen werden und auf sie zurückwirken; einerlei,
ob diese Personen die
handelnden Übelthäter sind oder bloß „Denker“ die
Unheil brüten. Denn der
Gedanke ist Stoff, so lehrt uns die moderne
Wissenschaft; und „jedes Teilchen
des bestehenden Stoffes muß ein Verzeichnis von allem
Geschehenen sein“, wie
die Herren Jevons und Babbage in ihren Principles
of Science den Profanen
sagen. Die moderne Wissenschaft wird mit jedem Tage
mehr in den Mahlstrom
des Occultismus gezogen – zweifelsohne unbewußt, aber
doch sehr merklich.
„Gedanke ist Stoff“: aber natürlich nicht im Sinne des
deutschen Materialisten
Moleschott, der uns versichert, „Gedanke sei Bewegung
von Materie“ – eine
Behauptung von nahezu beispielloser Absurdität.
Gedankenzustände und
Körperzustände stehen an sich in vollständigem
Gegensatz. Aber das berührt
nicht den Satz, daß jeder Gedanke, abgesehen von
seiner physischen
Begleiterscheinung (Gehirnänderung) einen objektiven –
wenn auch für uns
übersinnlich objektiven – Aspekt auf der Astralebene
aufweist. [35]
[30] Nachdem er bereits die
ersten drei gemacht hat.
[31] Wörtlich: Armeen
[32] Die vier Aspekte sind der
Körper, sein Leben oder seine Lebenskraft, und
der „Doppelgänger“ des Körpers – die Dreiheit, welche
mit dem Tode der
Person verschwindet – und das Kâma Rûpa, welches in
Kâma Loka sich
auflöst.
[33] Über Amos, IV.
_47 (3 of 4)52.Kommentar V
[34] Theol. Cir., I.
VII.
[35] Siehe The Occult World,
pp. 89, 90
_47 52.Kommentar V
Die zwei Haupttheorien der Wissenschaft über die
Beziehungen zwischen
Geist und Materie sind Monismus und Materialismus.
Diese beiden decken das
ganze Feld negativer Psychologie mit Ausnahme der
quasi-occulten
Anschauungen der deutschen pantheistischen Schulen.
Die Ansichten unserer gegenwärtigen wissenschaftlichen
Denker über die
Beziehungen zwischen Geist und Stoff lassen sich auf
die folgenden zwei
Hypothesen reduzieren. Diese zeigen, daß beide
Ansichten gleicherweise die
Möglichkeit einer unabhängigen, vom physischen Gehirn,
durch welches sie
funktioniert, unterschiedenen Seele ausschließen. Sie
sind:
1. Materialismus, die Theorie, welche
Gedankenerscheinungen als das Produkt
molekularer Änderungen im Gehirne betrachtet; d. i.
als das Ergebnis einer
Umwandlung von Bewegung in Gefühl(!). Die rohere
Schule ging einstens so
weit, das Gemüt mit einer „besonderen Art von
Bewegung“(!!) zu identifizieren,
aber diese Ansicht wird jetzt glücklicherweise von den
meisten Männern der
Wissenschaft selbst für absurd gehalten.
2. Monismus, oder die Lehre von der einzigen
Substanz, ist die feinere Form
negativer Psychologie, die von einem ihrer Vertreter,
Professor Bain, trefflich
„vorsichtiger Materialismus“ genannt wird. Diese
Lehre, welche sehr viele
Zustimmung findet und zu ihren Vertretern Männer wie
Lewes, Spencer, Ferrier
und andere zählt, nimmt zwar im allgemeinen Denken und
geistige Phänomene
als mit der Materie radikal kontrastierend an,
betrachtet sie aber als die zwei
Seiten oder Aspekte einer und derselben Substanz in
gewissen von ihren
Zuständen.
Gedanke steht als Gedanke, sagen sie, in gänzlichem
Gegensatz zu
materiellen Phänomenen, aber er darf auch bloß
betrachtet werden als „die
subjektive Seite der Nervenbewegung“ – gleichgültig
was unsere gelehrten
Herren darunter verstehen.
Um jedoch zu dem Kommentar über die vier Mahârâjahs
zurückzukehren, so
trennte in den ägyptischen Tempeln, nach Clemens
Alexandrinus, ein
ungeheurer Vorhang das
Tabernakel von dem Versammlungsplatz.
Ebendasselbe hatten die Juden.
Bei beiden wurde der Vorhang
über fünf Pfeiler (das Pentagramm) gezogen, die
esoterisch unsere fünf Sinne
und die fünf Wurzelrassen symbolisierten, während
_49 (1 of 3)53.Kommentar V
die vier Farben des Vorhangs die vier Weltgegenden und
die vier irdischen
Elemente darstellten. Das ganze war eine allegorisches
Symbol. Durch die vier
erhabenen Beherrscher der vier Striche und Elemente
können unsere fünf Sinne
der verborgenen Wahrheiten der Natur gewahr werden,
und es ist durchaus nicht
so, wie Clemens es darstellen möchte, daß die Elemente
per se es waren, die
die Heiden mit göttlicher Erkenntnis oder der Kenntnis
Gottes ausgestattet
hätten. [36] Während das ägyptische Emblem geistig
war, war das jüdische rein
materialistisch und verehrte in der That bloß die
blinden Elemente und die
imaginären „Striche“. Denn was wäre der Sinn des
viereckigen Tabernakels, das
Moses in der Wüste errichtete, wenn es nicht dieselbe
kosmische Bedeutung
hätte? „Du sollst einen Vorhang machen von blau,
purpur und scharlach .
fünf Pfeiler von Sittimholz für den Vorhang vier
eherne Ringe in den vier
Ecken davon Bretter von feinem Holze für die vier
Seiten, Nord, Süd, West
und Ost des Tabernakels mit Cherubim von
künstlerischer Arbeit.“ [37] Das
Tabernakel und der viereckige Hof, die Cherubim und
alles übrige waren genau
so wie in den ägyptischen Tempeln.
Die Quadratform des Tabernakels bedeutete genau
dasselbe, was sie bis zum
heutigen Tage noch in ödem exoterischen Dienste der
Chinesen und Tibetaner
bedeutet – die vier Kardinalpunkte bezeichnen dasselbe
wie die vier Seiten der
Pyramiden, Obelisken und anderer solcher quadratischer
Bauten. Josephus
bemüht sich, das ganze zu erklären. Er bemerkt, daß
die Pfeiler des Tabernakels
dieselben waren, wie die zu Tyrus den vier Elementen errichteten,
welche auf
Füßen ruhten, deren vier Winkel nach den vier
Himmelsrichtungen gewendet
waren; und fügt hinzu, „die Ecken der Säulenfüße
trugen die vier Zeichen des
Tierkreises,“ welche dieselbe
Orientierung ausdrückten. [38]
Diese Idee läßt sich verfolgen
in den zoroastrischen Höhlen, in den
Felsentempeln von Indien, und
in allen heiligen quadratischen Gebäuden des
Altertums, die bis heute erhalten geblieben sind. Dies
wird bestimmt von Layard
nachgewiesen, der die vier Kardinalpunkte, und die vier
Urelemente, in der
Religion eines jeden Landes wiederfindet, in Gestalt
viereckiger Obelisken, der
vier Seiten der Pyramiden, etc. etc.
[36] So paßt der Satz: „Natura Elementorum obtinet
revelationem Dei“
(Clemens, Stromata, IV. 6), auf beides oder auf
keines. Siehe die Zends, II.
228, und Plutarch De Iside, verglichen von
Layard in der Acadêmie des
_49 (2 of 3)53.Kommentar V
Inscriptions, 1854, Vol. XV.
[37] Exodus, XXVI,
XXVII.
[38] Antiquit., I. VIII,
cap. XXII.
_49 (3 of 3)53.Kommentar V
Die vier Mahârâjahs waren die Regenten und Direktoren
dieser Elemente und
ihrer Striche.
Wenn der Schüler mehr von ihnen
wissen will, so braucht er bloß die Vision des
Ezekiel (Kap. 1) mit dem, was
vom chinesischen Buddhismus bekannt ist, wenn
auch nur in der exoterischen
Darstellung, zu vergleichen, und die äußere Gestalt
diese „großen Könige der Devas“ zu untersuchen. Nach
der Meinung des Rev.
Joseph Edkins „präsidiert jeder einzelne über einen
der vier Kontinente, in die die
Inder die Welt einteilen. Jeder führt eine Armee
geistiger Wesen, um die
Menschheit und den Buddhismus zu schützen.“ [39]
Abgesehen von der
Bevorzugung des Buddhismus sind die vier Himmlischen
genau dasselbe. Die
Inder teilen jedoch zufällig die Welt in sieben
Kontinente, exoterisch ebenso gut
wie esoterisch; und ihre vier kosmischen Devas sind
ihrer achte, und präsidieren
den acht Kompassstrichen und nicht den Kontinenten.
Die „Vier“ sind die Beschützer der Menschheit und auch
die Agenten von Karma
auf Erden, während die Lipikas mit der Zukunft der
Menschheit zu thun haben.
Zu7gleich sind sie die vier lebendigen Geschöpfe,
„welche gestaltet sind wie ein
Mensch“, in der Vision des Ezekiel, die von den
Bibelübersetzern „Cherubim“,
„Seraphim“ u. s. w. genannt werden; von den
Occultisten „beflügelte Kugeln“,
„feurige Räder“; und in dem
Hindûpantheon mit einer Anzahl verschiedener
Namen. Alle die Gandharvas,
die „süßen Sänger“, die Asuras, Kinnaras, und
Nâgas, sind die allegorischen
Beschreibungen der vier Mahârâjahs. Die
Seraphim sind die feurigen Schlangen des Himmels, die
wir in einer Stelle finden,
die den Berg Meru beschreibt als „die erhabene Masse
der Herrlichkeit, den
verehrungswürdigen Aufenthaltsort von Göttern und
himmlischen
Chorsängern . unerreichbar für sündige Menschen ...
weil von Schlangen
bewacht“. Sie heißen die Rächer, und die „beflügelten
Räder“.
Nachdem ihre Mission und ihr Charakter erklärt sind,
lasst uns sehen, was die
christlichen Bibelerklärer
von den Cherubim sagen. „Das Wort bedeutet im
Hebräischen „Fülle der
Erkenntnis“; diese Engel heißen so wegen ihrer
auserlesenen Kenntnisse, und
wurden daher zur Bestrafung von Menschen
gebraucht, welche sich göttliche Kenntnis anmaßten.“
(Interpretiert von Cruden
in seiner Concordance, nach Genesis III.24.)
Sehr gut; und so unbestimmt die
Belehrung auch ist, zeigt sie doch, dass der Cherub,
der nach dem „Fall“ an das
Thor des Gartens von Eden gestellt wurde, den
ehrwürdigen Interpreten die Idee
nahe legte von einer Bestrafung in Zusammenhang mit
verbotener Wissenschaft
oder göttlicher Erkenntnis – die gewöhnlich zu einem
anderen „Fall“ führt,
_51 (1 of 3)53.Kommentar V
nämlich zu dem der „Götter“ oder Gottes in der
Wertschätzung des Menschen.
Da jedoch der gute alte Cruden nichts von Karma wußte,
so sei ihm verziehen.
Aber die Allegorie ist bedeutsam. Vom Meru, dem
Aufenhalte der Götter, bis zum
Eden ist die Entfernung sehr gering, und von den
indischen Schlangen zu den
sieben ophitischen Cherubim, deren dritter der Drache
war, ist der Abstand noch
geringer, denn beide bewachten den Eingang zum Reiche
der geheimen
Erkenntnis. Ezekiel beschreibt überdies deutlich die
vier kosmischen Engel:
Ich sah, und siehe, ein ungestümer Wind eine Wolke und
ein Feuer,
welches sie einhüllte und aus der Mitte davon kam es
gestaltet wie vier
lebendige Geschöpfe sie waren gestaltet wie ein
Mensch. Und ein
jegliches hatte vier Angesichter und vier Flügel das
Angesicht eines
Menschen [40] und das Angesicht eines Löwen das
Angesicht eines
Ochsen, und das Angesicht eines Adlers Als ich die
vier lebendigen
Geschöpfe so sah, siehe das stand ein Rad auf der Erde
mit seinen vier
Angesichtern als wäre ein Rad in der Mitte des Rades
denn der Geist
des lebendigen Geschöpfes war in dem Rade. [41]
Es giebt drei Hauptgruppen der Bauleute, und
ebensoviele der Planetengeister
und der Lipika, und jede Gruppe teilt sich wieder in
sieben Untergruppen. Selbst
in einem so umfangreichen Werke wie dem vorliegenden
ist es unmöglich, in
eine genaue Untersuchung auch nur der drei
Hauptgruppen einzugehen, da das
einen eigenen Band erfordern würde. Die Bauleute sind
die Repräsentanten der
ersten „aus der Seele geborenen“ Wesenheiten, daher
der ursprünglichen Rishi-Prajâpati;
auch der sieben großen Götter Ägyptens, deren Haupt
Osiris ist; der
sieben Amshaspends der Zoroastrier, mit Ormazd an
ihrer Spitze; der „sieben
Geister des Angesichts“; der sieben von der ersten
Dreiheit getrennten Sephirot,
etc. etc. [42] Sie erbauen, oder vielmehr bauen wieder
auf ein jedes „System“
nach der „Nacht“. Die zweite Gruppe der Bauleute ist
der Architekt unserer
Planetenkette ausschließlich; und die dritte, der
Vorfahr unserer Menschheit –
das makrokosmische Vorbild des Mikrokosmos.
Die Planetengeister sind die beseelenden Geister der
Sterne im allgemeinen
und der Planeten im besonderen. Sie regeln die
Schicksale der Menschen, die
alle unter einer oder der anderen ihrer
Konstellationen geboren sind; die zweiten
und dritten Gruppen, die andern Systemen angehören,
haben dieselben
Funktionen, und alle beherrschen verschiedene Bereiche
in der Natur. In dem
exoterischen Hindûpantheon sind sie die
Schutzgottheiten, welche den acht
Kompassstrichen vorstehen – den vier Haupt- und den
vier zwischenliegenden
_51 (2 of 3)53.Kommentar V
Richtungen – und heißen Lokapâlas, „Stützen oder Hüter
der Welt“ (in unserm
sichtbaren Kosmos), von welchen Indra (Ost), Yama
(Süd), Varuna (West) und
Kuvera (Nord) die hervorragenden sind, ihre Elephanten
und Gattinnen gehören
natürlich der Phantasie und nachträglichem Einfalle
an, obwohl alle von ihnen
eine occulte Bedeutung haben.
[39] Chinese Buddhism,
p. 216.
[40] „Mensch“ wurde hier gesetzt für „Drache“.
Vergleiche die ophitischen
Geister. Die von der römisch-katholischen Kirche
anerkannten Engel, die
diesen Ansichten entsprechen, waren bei den Ophiten:
Drache-Raphael;
Löwe-Michael, Stier oder Ochs-Uriel, und
Adler-Gabriel. Die vier bilden die
Gesellschaft der vier Evangelisten, und stehen an der
Spitze der Evangelien.
[41] Ezekiel, I.
[42] Da die Juden,
ausgenommen die Kabbalisten, keine Namen für Ost,
West, Süd und Nord hatten, so
drückten sie diese Ideen mit Worten aus von
den Bedeutungen: vorn,
hinten, rechts und links, und verwechselten sehr oft
exoterisch die Ausrücke, und
machten so die Blenden der Bibel noch
verwirrter und schwieriger
auszulegen. Fügt man dazu die Thatsache, daß
von den siebenundvierzig
Übersetzern von König Jakobs Bibel „bloß drei
hebräisch verstanden, und
zwei von diesen starben, bevor die Psalmen
übersetzt waren“ (Royal Masonic Cyclopaedia),
so wird man leicht begreifen,
wie viel Vertrauen der englischen Version der Bibel
entgegengebracht werden
kann. In diesem Werke ist im allgemeinen die
römisch-katholische Douayer-Übersetzung
benützt.
_51 (3 of 3)53.Kommentar V
Die Lipika, von denen eine Beschreibung in Kommentar 6
zu Strophe IV
gegeben ist, sind die Geister des Weltalls, während
die Bauleute bloß unsere
eigenen planetarischen Gottheiten sind. Die ersteren
gehören dem occultesten
Teile der Kosmogenesis an, der hier nicht mitgeteilt
werden kann. Ob die
Adepten – selbst die höchsten – diese Engelschar
vollständig in ihrer dreifachen
Abstufung kennen, oder bloß die unterste, welche mit
den Aufzeichnungen
unserer Welt zusammenhängt, ist die Schreiberin nicht
vorbereitet zu sagen,
doch möchte sie sich eher der letzteren Ansicht
zuneigen. Von ihrem höchsten
Grade wird bloß ein Ding gelehrt: die Lipika stehen in
Verbindung mit Karma –
sie sind die direkten Aufzeichner desselben. Das
Symbol für heilige und geheime
Erkenntnis war im Altertum allgemein ein Baum,
worunter auch eine Schrift
oder eine Aufzeichnung verstanden wurde. Daher das
Wort Lipika, die Schreiber
oder Schriftführer; die Drachen, Symbole der Weisheit,
welche die Bäume der
Erkenntnis hüten, der „Gold“apfelbaum der Hesperiden,
die „üppigen Bäume“
und Vegetationen des Berges Meru, von Schlangen
bewacht. Junos
Hochzeitsgabe an Jupiter, ein Baum mit goldener
Frucht, ist eine andere Form
der Darbietung des Apfels vom Baume der Erkenntnis von
Seite Evas an Adam.
6. DIE LIPIKA UMSCHREIBEN DEN TRIANGEL, DEN ERSTEN,
[43] DEN
WÜRFEL, DEN ZWEITEN, UND DAS PENTAGON INNERHALB DES
EIES [44]
(a). ES IST
DER RING, WELCHER „ÜBERSCHREITE MICH NICHT“ GENANNT
WIRD FÜR JENE, WELCHE AB- UND AUFSTEIGEN; [45] WELCHE
WÄHREND
DES KALPA DEM GROSSEN TAGE „SEI MIT UNS“
ENTGEGENSCHREITEN
(b)SO WURDEN
DAS ARÛPA UND DAS RÛPA [46] GEBILDET; AUS
EINEM LICHT, SIEBEN LICHTER; VON JEDEM DER SIEBEN,
SIEBENMAL
Die Strophe schreitet fort mit einer genauen
Einteilung der Klassen der
englischen Hierarchie. Aus der Gruppe der Vier und
Sieben emanieren die aus
der Seele geborenen Gruppen der Zehn, der Zwölf, der
Einundzwanzig, etc., alle
diese wieder geteilt in Untergruppen von Heptaden,
Enneaden, Dodekaden, und
so weiter, bis der Gedanke sich nicht mehr
zurechtfindet in der endlosen
Aufzählung von himmlischen Scharen und Wesen, von
denen jedes seine
bestimmte Aufgabe in der Regierung des sichtbaren
Kosmos während dessen
Existenz hat.
(a) Die
esoterische Bedeutung des ersten Satzes der Shloka ist die, dass die
_53 (1 of 3)54.Kommentar V
sogenannten Lipika, die
Führer des karmischen Hauptbuches, eine
unüberschreitbare Schranke
zwischen dem persönlichen Ego und dem
unpersönlichen Selbst, dem
Ding an sich und der väterlichen Quelle des
ersteren, aufrichten. Daher die Allegorie. Die
umgrenzen die manifestierte Welt
der Materie mit dem Ringe „Überschreite mich nicht“.
Diese Welt ist das objektive
Symbol des Einen, das auf den Ebenen der Illusion in
die Vielen geteilt ist, von
Âdi (dem „Ersten“) oder Eka (der „Eins“); und dieses
Eine ist das kollektive
Aggregat oder die Gesamtheit der Hauptschöpfer oder
Architekten dieses
sichtbaren Weltalls. Im hebräischen Occultismus ist
ihr Name sowohl Achath,
femininum, „Eine“, als Achad,
„Einer“ wiederum, aber masculinum.
Die Monotheisten
missbrauchten, und missbrauchen noch, die tiefe Esoterik
der Kabalah, indem sie
den Namen, unter dem die Eine höchste Wesenheit
bekannt ist, auf die Manifestation derselben, die
Sephiroth-Elohim, anwenden,
und diese Jehovah nennen. Aber das ist ganz
willkürlich und gegen alle Vernunft
und Logik, da das Wort Elohim ein Nomen pluralis ist,
identisch mit dem
Pluralwort Chiim, mit dem es oft zusammengesetzt ist.
Der Satz im Sepher-Yetzirah
und anderwärts „Achath-Ruach-Elohim-Chiim“ bezeichnet
die Elohim im
besten Falle als androgyn, das weibliche Element
geradezu als vorherrschend,
da er zu lesen wäre: „Eine ist
Sie der Geist der Elohim des Lebens“.
Wie gesagt, Achath (oder
Echath) ist weiblich, und Achad (oder Echad) ist
männlich, und beide bedeuten eins.
Obendrein sind in der occulten
Metaphysik genau gesprochen zwei „Eins“ – die
Eins auf der unerreichbaren
Ebene der Absolutheit und Unendlichkeit, über die
keine Spekulation möglich ist;
und die zweite Eins auf der Ebene der
Emanationen.
Erstere kann niemals emanieren
noch geteilt werden, da sie ewig, absolut und
unveränderlich ist; aber die zweite, sozusagen die
Reflexion der ersten Einen
(denn sie ist der Logos, oder Îshvara, im Weltalle der
Illusion), kann es.
Sie emaniert aus sich selbst – wie die obere
Sephirothische Triade die
niederen sieben Sephiroth emaniert – sie sieben
Strahlen oder Dhyân Chohans;
mit andern Worten, das Homogene wird zum Heterogenen,
die Protyle
differenziert sich in die Elemente. Aber diese können,
außer bei ihrer Rückkehr in
ihr Urelement, niemals den Laya, oder Nullpunkt,
überschreiten. Dieser
metaphysische Lehrsatz kann schwerlich besser
beschrieben werden als in T.
_53 (2 of 3)54.Kommentar V
Subba Row’s Bhagavadgîtâ-Vorlesungen:
Mûlaprakriti (der Schleier von Parabrahman) wirkt als
die eine Energie durch
den Logos (oder Îshvara). Nun
ist Parabrahman die eine Wesenheit, aus
der ein Energiezentrum ins
Dasein tritt, das ich für jetzt den Logos nennen
werde. Es heißt das Verbum
bei den Christen, und es ist der göttliche
Christos, der ewig im Schoße
seines Vaters ist. Von den Buddhisten wird es
Avalokiteshvara genannt In
fast jeder Lehre hat man die Existenz eines
Zentrums geistiger Energie
formuliert, welches ungeboren und ewig ist, und
welches im Schoße von
Parabrahman existiert zur Zeit des Pralaya, und als
ein Zentrum bewusster Energie hervortritt zur Zeit
kosmischer Thätigkeit.
[47]
Denn, wie der Vortragende in vorhinein
bemerkte, Parabrahman ist nicht dies
oder das es ist nicht einmal
Bewußtsein, da es nicht mit Materie oder irgend
etwas Bedingtem in Beziehung gebracht werden kann. Es
ist nicht Ich und ist
nicht Nicht-Ich, ja nicht
einmal Âtmâ, sondern fürwahr die eine Quelle aller
Manifestationen und
Daseinsarten.
[43] Die vertikale Linie oder
die Ziffer I.
[44] Kreises.
[45] Auch für jene, welche u.
s. w.
[46] Die formlose Welt und die
Welt der Formen.
[47] Theosophist, Febr.,
1877, p. 303.
_53 (3 of 3)54.Kommentar V
Somit trennen nach dieser
Allegorie die Lipika die Welt (oder Ebene) des
reinen Geistes von der
Materie. Jene, welche „ab- und aufsteigen“ – die sich
inkarnierenden Monaden, und
die Menschen, die nach Reinigung und
„Aufsteigen“ streben, aber das Ziel noch nicht ganz
erreicht haben – können den
Kreis „Überschreite mich nicht“ bloß am Tage „Sei mit
uns“ überschreiten; an
jenem Tage, an dem der Mensch sich befreit von den
Banden der Unwissenheit,
und die Nicht-Getrenntheit des Egos innerhalb seiner
Persönlichkeit – die er
fälschlich für seine eigene hielt – von dem
Universalen Ego (Anima Supra-Mundi)
vollständig erkennt, wodurch er in diese Eine
Wesenheit versinkt, um nicht bloß
eins zu werden mit „Uns“, den manifestierten
universellen Leben, die da sind ein
Leben, sondern zu eben diesem Leben selbst werden.
Astronomisch erweist sich somit der Ring „Überschreite
mich nicht“, den die
Lipika ziehen um „das Dreieck, die erste Eins, das
Viereck, die zweite Eins, und
das Fünfeck“, um diese
Figuren zu umschreiben, wiederum als Symbol von
31415 oder dem in
mathematischen Tafeln fortwährend gebrauchten
Koeffizienten, dem Werte pi,
indem die geometrischen Figuren für die
numerischen Ziffern stehen. Nach den allgemeinen
philosophischen Lehren ist
dieser Ring jenseits der Region der sogenannten Nebel
der Astronomie. Das ist
aber eine ebenso falsche Idee wie die in den
purânischen und andern
exoterischen Schriften gegebene Topographie und
Beschreibung von den 1008
Welten der Devaloka-Welten und Firmamente.
Es giebt natürlich Welten, nach den esoterischen wie
nach den profanen
wissenschaftlichen Lehren, in so unberechenbaren
Entfernungen, daß das Licht
der nächsten derselben, obwohl es soeben unsere
modernen „Chaldäer“
getroffen hat, sein Lichtgestirn lange vor dem Tage
verlassen haben mag, an
dem die Worte „Es werde Licht“ ausgesprochen wurden;
aber das sind nicht
Welten der Devaloka-Ebene, sondern solche in unserm
Kosmos.
Der Chemiker geht bis zum Laya oder Nullpunkt der
Ebene des Stoffes, mit
dem er zu thun hat, und bleibt dort stehen. Der
Physiker oder der Astronom
rechnet Billionen von Meilen jenseits der Nebel, und
dann bleibt er auch stehen.
Auch der halbinitiierte Occultist wird sich diesen
Layapunkt als auf irgend einer
Ebene befindlich vorstellen, welche, wenn auch nicht
physisch, so doch dem
menschlichen Intellekt noch vorstellbar ist. Aber der
voll Initiierte weiß, daß der
Ring „Überschreite mich nicht“ weder eine Lokalität
ist, noch nach der Entfernung
gemessen werden kann, sondern dass er in der
Unbedingtheit der Unendlichkeit
besteht.
_55 (1 of 3)54.Kommentar V
In dieser „Unendlichkeit“ des
vollen Initiierten, giebt es weder Höhe, Breite
noch Dicke, sondern alles ist
unergründbare Tiefe, die hinabreicht vom
Physischen bis zum
„Para-metaphysischen“. Mit dem Worte „hinab“ ist
wesenhafte Tiefe gemeint – „nirgends und überall“ –
nicht Tiefe im physischen
Stoffe.
Wenn man die exoterischen und plump
anthropomorphischen Allegorieen
populärer Religionen aufmerksam durchforscht, so kann
man selbst in diesen die
Lehre, die in dem von den Lipika bewachten Kreise
„Überscheite mich nicht“
verkörpert ist, angedeutet
sehen. So findet man sie selbst in den Lehren der
vedântistischen Sekte der
Visishthadvaita, der am hartnäckigsten
anthropomorphisierenden von ganz
Indien. Denn wir lesen von der erlösten
Seele, daß sie, nachdem sie Moksha – einen Zustand von
Wonne im Sinne von
„Erlösung von Bandha“ oder Gebundensein – erreicht
hat, Wonne genießt an
einem Orte mit Namen Paramapada, welcher Ort nicht
materiell ist, sondern aus
Suddasattva bereitet ist, aus der Substanz, aus der
der Körper des Îshvara –
des „Herrn“ – geformt ist. Dort sind die Muktas oder
Jîvâtmâs (Monaden), welche
Moksha erlangt haben, niemals wieder den Qualitäten
von Materie oder von
Karma unterworfen. „Aber wenn sie es zum Zwecke,
der Welt Gutes zu
erweisen,
vorziehen, so könne sie sich auf der Erde inkarnieren. [48] Der Weg
von dieser Welt zum Paramapada oder den immateriellen
Welten heißt
Devayâna. Wenn jemand Moksha erlangt hat, und der
Körper stirbt:
Geht der Jîva (Seele) mit Sûkshma Sharîra [49] vom
Herzen des Körpers zum
Brahmarandhra am Scheitel des Hauptes, indem er die
Sushumnâ
durchwandert, einen Nerven, der das Herz mit dem
Brahmarandhra verbindet.
Der Jîva durchbricht den
Brahmarandhra und geht durch die Sonnenstrahlen
in die Region der Sonne
(Sûryamandala). Dann geht er, durch einen dunklen
Fleck in der Sonne, zum
Paramapada . Der Jîva wird auf seinem Wege
geleitet durch die höchste
durch Yoga erlangte Weisheit. [50] Der Jîva
schreitet so fort zu
Paramapada mit Hilfe der Ativâhikas (Träger im
Durchgang), bekannt unter den Namen Archi Ahas .
Âditya, Prajâpati,
etc. Die hier erwähnten Archis
u. s. w. sind gewisse reine Seelen, etc., etc.
[51]
[48] Diese freiwilligen
Reinkarnationen werden in unserer Lehre als Nirmâqnakâyas
_55 (2 of 3)54.Kommentar V
bezeichnet – die überlebenden geistigen Prinzipien der
Menschen.
[49] Sûkshma Sharîra, „traumartiger“ illusorischer
Körper, mit welchem die
niederen Dhyânis der himmlichen Hierarchie bekleidet sind.
[50] Man vergleiche diesen esoterischen Satz mit der
gnostischen Lehre in
der Pistis-Sophia (Erkenntnis-Weisheit), in
welcher Abhandlung Sophia
(Achamôth) dargestellt wird als verloren in den
Wassern des Chaos (Materie),
auf ihrem Wege zum höchsten Licht,
und Christos als sie befeiend und ihr
zum rechten Weg verhelfend.
Man bemerke wohl, daß „Christos“ bei den
Gnostikern das unpersönliche
Prinzip bedeutete, den Âtmâ des Universums,
und den Âtmâ in jedermanns
Seele – und nicht Jesus; obwohl in dem alten
koptischen Manuskripte im Britischen Museum,
„Christos“ durch „Jesus“ und
andere Worte ersetzt ist.
[51] A Catechism of the Visishthadvaita Philosophy,
von N. Bhâshyacharya, F.
T.S., ehemals Pandit der Adyar-Bibliothek.
_55 (3 of 3)54.Kommentar V
Keine Geister mit Ausnahme der „Aufzeichner“ (Lipika)
haben jemals die
verbotene Grenze dieses Ringes überschritten oder
werden sie überschreiten vor
dem Tage des nächsten Pralaya, denn sie ist die
Grenze, welche das Endliche –
wie unendlich es auch für den menschlichen Blick sein
möge – vom wahrhaft
Unendlichen trennt. Die als „aufsteigend und
herabsteigend“ erwähnten Geister
sind daher die „Scharen“ von den unbestimmterweise
sogenannten
„himmlischen Wesen“. Aber sie sind thatsächlich nichts
von der Art. Sie sind
Wesen höherer Welten in der Hierarchie des Seins, so
unermesslich hoch, saß
sie (für uns) als Götter, und kollektiv als – Gott,
erscheinen müssen. Aber ebenso
müssen wir sterbliche Menschen der Ameise vorkommen,
welche nach dem
Maßstabe ihrer eigenen Fähigkeiten urteilt. Die Ameise
mag auch, nach allem,
was wir wissen, den rächenden Finger eines
persönlichen Gottes in der Hand
des kleinen Missethäters erblicken, der, unter dem
Antrieb von Unfug, in einem
Augenblick ihren Ameisenhügel, die Arbeit vieler Wochen
– langer Jahre in der
Chronologie der Insekten – zerstört. Die Ameise, die
das schmerzlich empfindet,
mag auch, wie der Mensch, das unverdiente Unheil einer
Verkettung von
Vorsehung und Sünde zuschreiben, und darin die Folge
der Sünde ihre ersten
Vorfahrs erblicken. Wer weiß es und wer kann es
bestätigen oder ableugnen?
Die Weigerung, im ganzen Sonnensystem irgend welche
andern vernünftigen
und intellektuellen Wesen, außer uns selbst auf der
menschlichen Ebene, gelten
zu lassen, ist die größte Selbstüberhebung unserer
Zeit. Das einzige, was die
Wissenschaft zu behaupten das Recht hat, ist, daß es
keine unsichtbaren
Intelligenzen giebt, die unter denselben Umständen
leben wie wir. Sie kann nicht
kurzweg die Möglichkeit ableugnen, daß es Welten
innerhalb von Welten gebe,
unter Bedingungen, die gänzlich
verschieden sind von jenen, die die Natur
unserer Welt ausmachen; noch
kann sie leugnen, daß es eine gewisse
beschränkte Kommunikation
zwischen einigen dieser Welten und unserer
eigenen geben möge. Der größte
Philosoph europäischer Geburt, Immanuel
Kant, versichert uns, daß eine
solche Kommunikation keineswegs
unwahrscheinlich sei.
Ich gestehe, daß ich sehr
geneigt sei, das Dasein immaterieller Naturen in der
Welt zu behaupten, und meine
Seele selbst in die Klasse dieser Wesen zu
versetzen . Es wird künftig, ich weiß nicht, wo oder
wann, noch bewiesen
werden, daß die menschliche Seele auch in diesem Leben
in einer
unauflöslich verknüpften Gemeinschaft mit allen
immateriellen Naturen der
Geisterwelt stehe, daß sie wechselweise in diese wirke
und von ihnen
Eindrücke empfange. [52]
_57 (1 of 2)55.Kommentar V
Der höchsten dieser Welten, so wird uns gelehrt,
gehören die sieben Klassen
der rein göttlichen Geister an; den sechs niedrigeren
gehören Hierarchieen an,
die gelegentlich vom Menschen gesehen und gehört
werden können, und welche
mit ihrer irdischen Nachkommenschaft in Verkehr
stehen; mit einer
Nachkommenschaft, die unauflöslich mit ihnen verbunden
ist, indem jedes
Prinzip im Menschen seine direkte Quelle in der Natur
diese grossen Wesen hat,
die uns einzeln mit den
entsprechenden unsichtbaren Elementen in uns
versehen. Die
Naturwissenschaft ist willkommen, wenn sie über den
physiologischen Mechanismus
der lebenden Wesen spekuliert, und ihre
fruchtlosen Anstrengungen
fortsetzt in Versuchen, unsere Gefühle, unsere
Empfindungen, seelische und geistige, in Funktionen
ihrer organischen Träger
aufzulösen. Nichtsdestoweniger ist alles, was in
dieser Richtung jemals wird
erreicht werden können, bereits gethan, und die
Wissenschaft kann nicht mehr
weiter gehen. Sie steht vor einer toten Mauer, auf
deren Fläche sie, wie sie
vermeint, große physiologische und psychische
Entdeckungen vorzeichnet, von
denen sich aber eine jede
späterhin als nichts Besseres als ein von ihren
wissenschaftlichen
Phantasieen und Illusionen gesponnenes Spinnennetz
erweisen wird. Der Analyse
und den Untersuchungen der physiologischen
Wissenschaft sind bloß die
Gewebe unseres objektiven Körpergerüstes
unterworfen. Die sechs höheren
Prinzipien darin werden jederzeit der Hand
entschlüpfen, die von einer
Gesinnung geleitet wird, welche absichtlich die
occulten Wissenschaften
ignoriert und verwirft. Alles, was die moderne
physiologische Forschung in Zusammenhang mit
psychologischen Problemen
gezeigt hat, und der Natur der Dinge nach hat zeigen
können, ist, dass alle
Gedanken, Sinnesempfindungen und Gefühlserregungen von
einer Umstellung
der Moleküle gewisser Nerven begleitet sind. Die von
Wissenschaftlern vom
Schlage eines Büchner, Vogt und anderer gezogene
Schlussfolgerung, daß
Gedanke Molekularbewegung sei, zwingt dazu, die
Thatsache unseres
subjektiven Bewusstseins zu einer vollständigen
Abstraktion zu machen.
[52] Träume eines Geistersehers, zitiert von C.
C. Massey, in seiner Vorrede
zu v. Hartmanns Spiritismus.
_57 (2 of 2)55.Kommentar V
(b) Der
große Tag „Sei mit uns“ ist nun ein Ausdruck, dessen einziger Wert in
seiner buchstäblichen Übersetzung liegt. Seine
Bedeutung kann nicht so leicht
einer Öffentlichkeit enthüllt werden, die mit den
mystischen Sätzen des
Occultismus, oder vielmehr der esoterischen Weisheit
oder des „Budhismus“
unbekannt ist.
Es ist ein dem letzteren eigentümlicher Ausdruck, und
ebenso dunkel für den
Profanen wie der der Ägypter, die ihn den Tag „Komme
zu uns“ nannten, was mit
dem ersteren identisch ist – obwohl das Wort „sei“ in
diesem Sinne noch besser
durch einen der beiden Ausdrücke „bleibe“ oder „ruhe
mit uns“ ersetzt werden
mag, da es sich auf jene lange Periode der Ruhe
bezieht, welche Paranirvâna
genannt wird. „Le Jour de, Viens â nous’ ! C’est le
jour ou Osiris a dit au Soleil :
Viens !1 Je le vois rencontrant le Soleil dans
l’Amenti. » [53]
Die Sonne steht hier für den Logos (oder Christos,
oder Horus) als der
centralen Wesenheit synthetisch, und als einer
zerstreuten Wesenheit von
ausgestrahlten Wesen, die der Substanz, aber nicht der
Wesenheit nach
verschieden sind. Denn, wie es der über die Bhagavadgîtâ
Vortragende
ausdrückt, „es darf nicht vermutet werden, daß der
Logos bloß ein einzelnes
Energiecentrum ist, das von Parabrahman geoffenbart
ist. Es giebt unzählige
andere. Ihre Zahl ist nahezu unendlich, in dem Schosse
von Parabrahman“.
Daher die Ausdrücke „der Tag Komme zu uns“ und „der
Tag Sei mit uns“, u. s.
w. Gerade so wie das Quadrat das Symbol der vier
heiligen Kräfte oder Macht –
Tetraktys – ist, so zeigt der Kreis die Grenze in der
Unendlichkeit, die kein
Mensch, selbst nicht im Geiste, kein Deva und kein
Dhyân Chohan überschreiten
kann. Die Geister jener, welche während des Verlaufes
der cyklischen Evolution
„ab- und aufsteigen“, werden
die „eisenumgürtete Welt“ erst am Tage ihrer
Annäherung an die Schwelle
von Paranirvâna überschreiten. Wenn sie es
erreichen, werden sie im
Schoße von Parabrahman, oder der „unbekannten
Dunkelheit“ ruhen, die dann für sie alle zum Lichte
werden wird, während der
ganzen Periode des Mahâpralaya, der „großen Nacht“,
nämlich von 311 040 000
000 000 Jahren des Versunkenseins in Brahman. Der Tag
„Sei mit uns“ ist diese
Periode der Ruhe, oder Paranirvâna. Er entspricht dem
Tage des jüngsten
Gerichtes der Christen, welcher in der Religion
derselben traurig vermaterialisiert
worden ist. [54]
Wie nach der exoterischen
Interpretation der ägyptischen Riten die Seele einer
jeden verstorbenen Person – vom
Hierophanten bis hinab zum heiligen Stier Apis
·
ein Osiris wurde,
osirifiziert wurde, (während jedoch die Geheimlehre lehrt, daß
_59 (1 of 2)55.Kommentar V
die wirkliche Osirifizierung das Los einer jeden
Monade erst nach 3000 Cyklen
der Existenz ist); so ist es im gegenwärtigen Falle.
Die Monade, geboren aus der
Natur und der wirklichen Wesenheit der „Sieben“ (wobei
ihr höchstes Prinzip
sofort in das siebente kosmische Element
eingeschlossen wird), hat ihren
siebenfachen Kreislauf durch den Cyklus des Seins und
der Formen, vom
höchsten bis zum niedersten, zu vollenden; und dann
wiederum vom Menschen
zum Gott. An der Schwelle von Paranirvâna nimmt sie
ihre ursprüngliche
Wesenheit wieder an und wird wieder einmal zum
Absoluten.
[53] Le Livre des Morts, Paul Pierret, Chap. XVII,
p. 61.
[54] Siehe auch wegen weiterer Angaben bezüglich
dieses eigentümlichen
Ausdruckes: der Tag „Komme zu uns“, The Funerary
Ritual of the Egyptians,
vom Viscount de Rougê.
_59 (2 of 2)55.Kommentar VI
1. DURCH DIE KRAFT DER MUTTER DER GNADE UND ERKENNTNIS
(a),
KWAN-YIN – DER „DREIHEIT“ VON KWAN-SHAI-YIN, WELCHE IN
KWAN-YIN-TIEN
WOHNT (b) – FOHAT, DER ATEM IHRER
ABKOMMENSCHAFT, DER
SOHN DER SÖHNE, WELCHER AUS DEM UNTEREN ABGRUNDE [1]
DIE
ILLUSIVE FORM VON SEIN-TSCHAN [2] UND DIE SIEBEN ELEMENTE
Diese Strophe ist aus dem chinesischen Text übersetzt,
und die Namen, die als
die Äquivalente der Originalworte gegeben sind, sind
beibehalten. Die wirkliche
esoterische Nomenklatur kann nicht gegeben werden, da
sie den Leser bloß
verwirren würde. Die brahmanische Lehre halt keine
Äquivalente dafür. Vâch
scheint in vielen Aspekten der chinesischen Kwan-Yin
nahezukommen, aber es
giebt keine regelrechte Verehrung der Vâch unter
diesem Namen in Indiern, wie
es eine für Kwan-Yin in China giebt. Kein exoterisches
System hat jemals einen
weiblichen Schöpfer angenommen, und so wurde vom
Anbeginne der populären
Religionen an das Weib als dem Manne nachstehend
betrachtet und behandelt.
Bloß in China und Ägypten wurden Kwan-Yin und Isis auf
gleiche Stufe mit den
männlichen Göttern gestellt. Die Esoterik kennt beide
Geschlechter nicht. Ihre
höchste Gottheit ist ebenso geschlechtslos als
formlos, wieder Vater noch
Mutter; und ihre ersten geoffenbarten Wesen,
himmlische und irdische
gleicherweise, werden bloß stufenweise androgyn, um
schließlich sich in
unterschiedene Geschlechter zu trennen.
(a) „Die
Mutter der Gnade und Erkenntnis“ heißt die „Dreiheit“ von Kwan-Shai-Yin,
weil sie in ihren metaphysischen und kosmischen
Wechselbeziehungen
„Mutter, Weib und Tochter“ des Logos ist, gerade so,
wie sie in späteren
theologischen Übersetzungen „Vater, Sohn und
(weiblicher) heiliger Geist“ – die
Shakti oder Energie – die Wesenheit der Drei, wurde.
So ist in der Esoterik der
Vedântisten Daiviprakriti, das Licht, das durch
Îshvara, den Logos, [3]
manifestiert wird, zu einer und derselben Zeit die
Mutter und auch die Tochter
des Logos oder Verbum des
Parabrahman; während in der der
transhimâlayanischen Lehren
es – in der Hierarchie ihrer allegorischen und
metaphysischen Theogonie –
die „Mutter“ oder abstrakte ideale Materie,
Mûlaprakriti, die Wurzel der Natur, ist, vom
metaphysischen Standpunkt eine
Korrelation von Âdi-Budha, manifestiert im Logos,
Avalokiteshvara; und vom rein
occulten und kosmischen, Fohat, der „Sohn des Sohns“,
die androgyne Energie,
die aus diesem „Lichte des Logos“ resultiert, welche
sich auf der Ebene des
objektiven Weltalls als die verborgene sowie als die
offenbare Elektricität
_60 (1 of 2)55.Kommentar VI
manifestiert – die das Leben ist.
T. Subba Row sagt:
Evolution beginnt durch die
intellektuelle Energie des Logos, nicht bloß
wegen der in Mûlaprakriti
eingeschlossenen Wirkungsmöglichkeiten. Dieses
Licht des Logos ist das
Bindeglied zwischen objektiver Materie und dem
subjektiven Gedanken von
Îshvara (oder Logos). Es heißt in verschiedenen
buddhistischen Büchern Fohat. Es ist das einzige
Instrument, mit welchem der
Logos wirkt. [4]
[1] Chaos.
[2] Unserm Weltall.
[3] The Theosophist,
Febr., 1877, p. 305.
[4] Op. Cit.,p. 306.
_60 (2 of 2)55.Kommentar VI
(b)
„Kwan-Yin-Tien“ bedeutet der „melodische Himmel des Tons“, die Wohnung
von Kwan-Yin, oder der „göttlichen Stimme“.
Diese „Stimme“ ist ein Synonym des Verbum oder Wortes,
„Rede“, als der
Ausdruck des Gedankens.
So mag die Verwandtschaft und selbst die Abstammung
der hebräischen Bath-Kol,
der „Tochter der göttlichen Stimme“, oder das Verbum
oder des männlichen
und weiblichen Logos, des „himmlischen Menschen“, oder
Adam Kadmon, der
zur selben Zeit Sephira ist,
verfolgt werden.
Die letztere wurde sicherlich
anticipiert von der indischen Vâch, der Göttin der
Sprache oder des Wortes. Denn
Vâch – die Tochter und der weibliche Teil, wie
dargelegt wurde, von Brahmâ,
eine, „die von den Göttern erzeugt ist“ – ist, in
Gemeinschaft mit Kwan-Yin, mit
Isis (auch die Tochter, das Weib und die
Schwester des Osiris) und mit
andern Gottheiten, der weibliche Logos, so zu
sagen, die Göttin der aktiven Kräfte, das Wort,
die Stimme oder Ton und Rede.
Wenn Kwan-Yin die „melodische Stimme“ ist, so ist Vâch
„die melodische Kuh,
die Nahrung und Wasser [das weibliche Prinzip] zu
melken giebt . die uns
Nahrung und Unterhalt gewährt“, als Mutter Natur. Sie
ist verbündet in dem
Schöpfungswerk mit Prajâpati. Sie ist männlich und
weiblich ad libitum, wie Eva
und Adam. Und sie ist eine Form von Aditi – dem höher
als Aether stehenden
Prinzip – von Âkâsha, der Synthese von allen Kräften
in der Natur. Somit sind
Vâch und Kwan-Yin beide die magische Kraft des
occulten Tones in der Natur
und im Aether – welche „Stimme“ Sien-Tchan, die
illusive Form des Weltalls, aus
dem Chaos und den sieben Elementen hervorruft.
So teilt nach der Darstellung des Manu Brahmâ
(auch der Logos) seinen Körper
in zwei Teile, einen männlichen und einen weiblichen,
und erzeugt in dem
letzteren, welcher Vâch ist, Virâj, der er selbst oder
wiederum Brahmâ ist. Ein
gelehrter Vedântaoccultist spricht von dieser „Göttin“
wie folgt, indem er die
Ursache erklärt, warum Îshvara (oder Brahmâ) Verbum
oder Logos genannt wird;
warum er in der That Sabda Brahmann genannt wird:
Die Erklärung, die ich Ihnen zu geben im Begriffe bin,
wird durchaus mystisch
erscheinen; wenn sie aber mystisch ist, so hat sie,
wenn richtig verstanden,
eine gewaltige Bedeutung. Unsere alten Schriftsteller
sagten, dass Vâch von
vierfacher Art ist. (siehe den Rig-Veda und die
Upanishaden.) Vaikharî Vâch
ist die, die wir aussprechen. Jede Art von Vaikharî
Vâch existiert in ihrer
_61 (1 of 2)56.Kommentar VI
Madhyama, weiter in ihrer Pashyanti, und schließlich
in ihrer Paraform. [5] Der
Grund, warum dieser Pranava Vâch genannt wird, ist
der, daß die vier
Prinzipien des großen Kosmos diesen vier Formen der
Vâch entsprechen.
Nun existiert das ganze manifestierte Sonnensystem in
seiner Sûkshmaform
in dem Licht oder der Energie des Logos, weil dessen
Energie aufgefangen
und auf die kosmische Materie übertragen wird, der
ganze Kosmos in
seiner objektiven Form ist Vaikharî Vâch, das Licht
des Logos ist die
Madhyamaform, und der Logos selbst ist die
Pashyantiform, und
Parabrahman der Paraaspekt dieser Vâch. Im Licht
dieser Erklärung müssen
wir versuchen, gewisse Behauptungen zu verstehen, die
von verschiedenen
Philosophen dahin gemacht wurden, daß der
manifestierte Kosmos das als
Kosmos manifestierte Verbum ist. [6]
[5] Madhya wird etwas genannt, dessen Anfang und Ende
unbekannt ist, und
Para bedeutet unendlich. Diese Ausdrücke beziehen sich
alle auf
Unendlichkeit und Einteilung der Zeit.
[6] Op. Cit., p. 307.
_61 (2 of 2)56.Kommentar VI
2. DER SCHNELLE UND STRAHLENDE BRINGT DIE SIEBEN LAYA
[7]
CENTREN HERVOR (a), WELCHE UNÜBERWINDLICH SIND
BIS ZUM
GROSSEN TAGE „SEI MIT UNS“; ER STELLT DAS UNIVERSUM
AUF DIESE
ELEMENTAREN KEIMEN (b).
(a) Die sieben Layacentren sind die sieben Nullpunkte,
das Wort Null in
demselben Sinne angewendet,
wie es die Chemiker thun. Es bedeutet in der
Esoterik einen Punkt, von dem
an die Differentiation gerechnet zu werden
beginnt. Von diesen Centren
aus – hinter welchen uns die esoterische
Philosophie die schattenhaften metaphysischen Umrisse
der „Sieben Söhne“ des
Lebens und Lichtes, der Sieben Logoi der hermetischen
und aller andern
Philosophen, erkennen läßt, - beginnt die
Differentiation der Elemente, welche in
die Zusammensetzung unseres Sonnensystems eingehen. Es
wurde oft gefragt,
welches die exakte Definition von Fohat und seinen
Kräften und Funktionen sei,
da er oft die eines persönlichen Gottes, entsprechend
der Auffassung der
populären Religionen, auszuüben scheint. Die Antwort
ist gerade im Kommentar
zu Strophe V gegeben worden. Wie in den
Bhagavadgîtâ-Vorlesungen gut
gesagt ist: „Der ganze Kosmos muß notwendigerweise in
der Quelle von Energie
existieren, aus der dieses Licht (Fohat) emaniert.“ Ob
wir die Prinzipien im
Kosmos und Menschen als sieben oder bloß als vier
zählen, die Kräfte von und
in der physischen Natur sind sieben; und es wird von
derselben Autorität erklärt:
„Prajnâ, oder die Fähigkeit der Wahrnehmung, existiert
in sieben verschiedenen
Aspekten, die sieben Zuständen der Materie
entsprechen.“ Denn „geradeso wie
ein menschliches Wesen aus sieben Prinzipien
zusammengesetzt ist, so existiert
die differenzierte Materie im Sonnensystem in sieben
verschiedenen Zuständen.
[8] Das gilt auch von Fohat. Fohat hat, wie bereits
gezeigt, verschiedene
Bedeutungen. Er heißt der „Erbauer der Bauleute“, da
die Kraft, die er
personifiziert, unsere siebenfache Kette geformt hat.
Er ist Eins und Sieben, und
ist auf der kosmischen Ebene
hinter allen solchen Manifestationen wie Licht,
Wärme, Ton, Adhäsion, etc.,
etc., und ist der „Geist“ der Elektricität, die das
Leben des Weltalls ist. Als
eine Abstraktion wollen wir ihn das Eine Leben
nennen; als von einer objektiven und evidenten
Realität sprechen wie von einer
siebenfachen Stufenleiter der Offenbarung, die an der
obersten Sprosse mit der
Einen unerkennbaren Kausalität beginnt, und als
allgegenwärtiges Gemüt und
Leben, das einem jeden Atom von Materie immanent ist,
endet. Somit weisen,
während die Wissenschaft von ihrer Evolution durch
gefühllose Materie, blinde
_63 (1 of 3)56.Kommentar VI
Kraft und sinnlose Bewegung spricht, die Occultisten
auf intelligentes Gesetz und
fühlendes Leben,
und fügen hinzu, daß Fohat der leitende Geist von all diesem
ist. Doch ist er durchaus kein persönlicher Gott,
sondern die Emanation jener
anderen Kräfte hinter ihm, welche die Christen die
„Sendboten“ ihres Gottes (in
Wirklichkeit der Elohim, oder vielmehr eines der
Sieben Schöpfer, welche Elohim
genannt werden) und wir die Sendboten der Ursöhne des
Lebens und Lichtes
nennen.
(b) Die
„elementaren Keime“, mit denen er Sien-Tchan (das Weltall) aus Tien-Sin
(dem „Himmel des Gemütes“ oder dem, was absolut ist)
füllt, sind die Atome der
Wissenschaft und die Monaden des Leibniz.
3. VON DEN SIEBEN [9] IST ZUERST EINES OFFENBAR UND
SECHS
VERBORGEN; DANN ZWEI OFFENBAR UND FÜNF VERBORGEN; DREI
OFFENBAR UND VIER VERBORGEN; VIER KOMMEN HERVOR UND
DREI
SIND GEHEIM; VIER UND EIN TSAN [10] OFFENBAR UND ZWEI
UND EIN
HALBES VERBORGEN; SECHS WERDEN OFFENBAR UND EINS
BESEITIGT
(a).
SCHLIESSLICH DREHEN SICH SIEBEN KLEINE RÄDER, WOVON DAS
EINE DAS ANDERE GEBIERT (b).
(a) Obwohl diese Strophen sich auf das ganze Weltall
nach einem Mahâpralaya
(allgemeiner Auflösung) sich
beziehen, so bezieht sich doch dieser Satz, wie
jeder Schüler des Occultismus
sehen kann, durch Analogie auch auf die
Entwicklung und schließliche
Bildung der ursprünglichen (obwohl
zusammengesetzten) sieben Elemente auf unserer Erde.
Von diesen sind jetzt
vier Elemente vollständig offenbar, während das fünfte
– Ether – es nur teilweise
ist, da wir kaum in der zweiten Hälfte der vierten
Runde sind, und sich das fünfte
Element infolgedessen vollständig erst in der fünften
Runde manifestieren wird.
Die Welten, einschließlich unserer eigenen, wurden,
als Keime, natürlich
ursprünglich aus dem Einen Element in seinem zweiten
Zustande – „Vater-Mutter“,
der Seele der differenzierten
Welt, nicht, was von Emerson die
„Oberseele“ genannt wird –
evolviert, einerlei, ob wir es mit der modernen
Wissenschaft kosmischen Staub
und Feuernebel nennen, oder mit dem
Occultismus Âkâsha, Jîvâtmâ, göttliches Astrallicht,
oder die „Seele der Welt“.
Aber diesem ersten Zustand der Evolution folgte nach
entsprechender zeit der
nächste. Keine Welt und kein Himmelskörper könnte auf
der objektiven Ebene
gebildet werden, wenn nicht bereits die Elemente von
ihrer ursprünglichen in
_63 (2 of 3)56.Kommentar VI
Laya ruhenden Ilys differenziert wären. „In Laya
ruhen“ ist ein Synonym für
Nirvâna. Es ist in der That die nirvânische Zersetzung
aller Substanzen, die nach
einem Lebenskreislauf in die Verborgenheit ihrer
ursprünglichen Zustände
versinken. Es ist der leuchtende, aber körperlose
Schatten des Stoffes, welcher
war, das Reich der Negativität – in welchem während
ihrer Ruheperiode die
aktiven Kräfte des Weltalls
verborgen liegen.
[7] Vom Sanskritwort Laya,
dem Punkt der Materie, wo jegliche Differentiation
aufgehört hat.
[8] Fife Years of Theosophy,
Art. “Personal and Impersonal God”, p. 200.
[9] Elementen.
[10] Bruchteil.
_63 (3 of 3)56.Kommentar VI
Nun wird, wo von Elementen die Rede ist, den Alten der
beständige Vorwurf
gemacht, daß sie „ihre Elemente als einfach und
unzersetzbar annahmen“. Die
Schatten unserer prähistorischen Vorfahren könnten den
modernen Physikern
das Kompliment zurückgeben, nachdem jetzt neue
Entdeckungen in der Chemie
Herrn W. Crookes, F.R.S., dahin geführt haben,
zuzugestehen, daß die
Wissenschaft noch tausend Meilen von einer Kenntnis
der zusammengesetzten
Natur des einfachsten Moleküls entfernt ist. Von ihm
lernen wir, daß ein Ding wie
ein wirklich einfaches gänzlich homogenes Molekül eine
terra incognita in der
Chemie ist. „Wo sollen wir die Grenzlinie ziehen?“
fragt er; „ist kein Ausweg aus
dieser Schwierigkeit? Müssen wir die elementaren
Examina so schwierig
machen, daß nur 60 oder 70 Kandidaten bestehen, oder
müssen wir die
Prüfungsthore so weit öffnen, daß die Zahl der
Zulassungen nur durch die Zahl
der Bewerber begrenzt wird?“ Und dann giebt der
gelehrte Chemiker schlagende
Beispiele.
Er sagt:
Nehmen wir den Fall von Yttrium. Es hat sein
bestimmtes Atomgewicht, es
verhielt sich in jeder Hinsicht als ein einfacher
Körper, als ein Element, zu dem
wir zwar hinzugeben, von dem
wir aber nichts wegnehmen konnten. Wenn
aber dieses Yttrium, dieses
vermutete homogene Ganze, einer bestimmten
Spaltungsmethode unterworfen
wird, so wird es in Teile zerlegt, die
untereinander nicht absolut
identisch sind, und die eine Abstufung in den
Eigenschaften zeigen. Oder
nehmen wir den Fall von Didym. Hier war ein
Körper, der alle anerkannten
Merkmale eines Elementes aufwies. Es war mit
großer Schwierigkeit von
anderen Körpern, die ihm in ihren Eigenschaften
sehr nahe kamen, geschieden
worden, und während dieses kritischen
Verfahrens wurde es einer
sehr strengen Bearbeitung und sehr genauen
Untersuchung unterzogen. Da
kam aber dann ein anderer Chemiker, der den
vermeintlich homogenen Körper
nach einem besonderen Spaltungsprozeß
behandelte und ihn in die
zwei Körper Praseodym und Neodym zerlegte,
zwischen welchen gewisse
Unterschiede bemerkbar sind. Und selbst jetzt
noch haben wir keine
Gewissheit, dass Neodym und Praseodym einfache
Körper sind. Im Gegenteil,
sie zeigen gleichermaßen Symptome von
Spaltbarkeit. Wenn nun auf diese Art bei
entsprechender Behandlung entdeckt
wird, daß ein mutmaßliches
Element verschiedenartige Moleküle enthält, so
sind wir gewiß berechtigt zu
fragen, ob nicht ähnliche Resultate auch bei
anderen Elementen, vielleicht
bei allen Elementen, erhalten würden, wenn
das richtige Verfahren eingeschlagen würde. Wir
könnten sogar fragen, wo der
_65 57.Kommentar VI
Prozeß der Ausscheidung aufhören soll – ein Prozeß,
der natürlicherweise
Variationen zwischen den individuellen Molekülen einer
jeden Spezies
voraussetzt. Und bei diesen aufeinanderfolgenden
Trennungen finden wir
natürlich Körper, die einander immer näher und näher
kommen.“ [11]
Nochmals, dieser Vorwurf gegen die Alten ist eine
unverantwortbare Behauptung.
Auf jeden Fall können ihre initiierten Philosophen
schwerlich von einer solchen
Beschuldigung getroffen
werden, nachdem sie es sind, die Allegorien und
religiöse Mythen vom Anbeginn
an ersonnen haben. Wären sie der
Heterogeneität ihrer Elemente
unkundig gewesen, so hätten sie keine
Personifikation von Feuer, Luft, Wasser, Erde und
Äther gehabt; ihre kosmischen
Götter und Göttinen wären niemals mit solcher
Nachkommenschaft gesegnet
gewesen, mit so vielen Söhnen und Töchtern, Elementen,
die aus und in jedem
respektiven Element geboren sind. Alchimie und occulte
Phänomene wären ein
Betrug und ein Fallstrick gewesen, selbst in der
Theorie, wenn die Alten nicht
bekannt gewesen wären mit den Wirkungsmöglichkeiten
und wechselseitigen
Kraftäußerungen und Eigenschaften eines jeden
Elementes, das in die
Zusammensetzung von Luft, Wasser, Erde und selbst
Feuer eintritt – wovon das
letztere bis zum heutigen Tage eine terra incognita
für die moderne Wissenschaft
ist, die gezwungen ist, es Bewegung, Entwicklung von
Licht und Wärme,
Zustand von Verbrennung zu nennen – kurz, es in
Unkenntnis seiner Natur nach
seinen äußeren Erscheinungen zu
definieren.
Was aber die moderne
Wissenschaft nicht zu bemerken scheint, ist, daß, wenn
auch jene einfachen chemischen
Atome differenziert gewesen sein mögen – die
die archaische Philosophie als „die Schöpfer ihrer
eigenen Eltern“, Väter, Brüder,
Gatten ihrer Mütter, und diese Mütter als die Töchter
ihrer eigenen Söhne
bezeichnet wie zum Beispiel Aditi und Daksha – daß
differenziert, wie diese
Elemente im Anbeginn waren, sie doch nicht die der
Wissenschaft bekannten
zusammengesetzten Körper waren, wie sie es jetzt sind.
Weder Wasser, Luft
noch Erde (ein Synonym für feste Körper im
allgemeinen) existierten in ihrer
gegenwärtigen Form, die drei einzigen Zustände der
Materie repräsentierend, die
von der Wissenschaft anerkannt sind; denn alle diese
und selbst Feuer sind
bereits wieder verbundene Hervorbringungen der
Atmosphären vollständig
geformter Globen, so daß in den ersten Perioden der
Bildung der Erde sie etwas
vollständig sui generis waren. Jetzt, da die
Bedingungen und Gesetze, die unser
Sonnensystem regieren, voll entwickelt sind, und die
Atmosphäre der Erde,
sowie die eines jeden andern Globus so zu sagen eine
Retorte für sich geworden
_65 (2 of 4)57.Kommentar VI
ist, findet, wie die occulte
Wissenschaft lehrt, im Raume ein beständiger
Austausch von Molekülen, oder
vielmehr von Atomen statt, sie zu jedem
Planeten in bestimmten
Beziehungen sehen und dem entsprechend ihre
Verbindungsäquivalente auf
jedem Planeten ändern. Einige Männer der
Wissenschaft, und zwar solche
gerade unter den größten Physikern und
Chemikern, beginnen diese
Thatsache zu vermuten, die durch Zeitalter den
Occultisten bekannt gewesen
ist. Das Spektroskop zeigt bloß die
wahrscheinliche Ähnlichkeit
(nach äußerem Augenschein) von irdischer und
siderischer Substanz; es ist nicht im stande,
irgendwie weiter zu gehen, oder zu
zeigen, ob oder ob nicht die Atome gegen einander
physikalisch und chemisch
auf gleiche Weise und unter denselben Bedingungen
gravitieren, wie sie es auf
unserm Planeten angenommenermaßen thun. Die
Temperaturabstufungen, vom
höchsten bis zum niedersten vorstellbaren Grade, mögen
in und für das ganze
Weltall als ein und dieselben angenommen werden;
nichtdestoweniger sind die
Eigenschaften, abgesehen von denen der Dissociation
und Reassociation, auf
jedem Planeten verschieden; und so treten Atome in
neue Existenzformen ein,
die die Naturwissenschaft weder ahnt noch erkennen
kann. Wie bereits in Five
Years of Theosophie [12] gesagt, ist z. B. die Wesenheit der Kometenmaterie
„gänzlich verschieden von allen chemischen und
physikalischen Merkmalen, mit
denen die größten Chemiker und Physiker der Erde
bekannt sind“. Und selbst
diese Materie erfährt während ihres rapiden
Durchganges durch unsere
Atmosphäre eine gewisse Veränderung in ihrer Natur.
So differieren nicht bloß die Elemente unseres
Planeten, sondern auch die aller
seiner Schwestern in unserm Sonnensystem, in ihren
Kombinationen ebenso
weit von einander, als von den kosmischen Elementen
jenseits unserer solaren
Grenzen. Dies wird wiederum bekräftigt durch denselben
Mann der Wissenschaft
in seinem oben angezogenen Vortrage, der Clerk Maxwell
citiert, welcher sagt,
„daß die Elemente nicht absolut homogen sind“.
Er schreibt:
Es ist schwer, sich eine
Vorstellung von Auslese und Ausstoßung von
Mittelvarietäten zu machen,
denn wohin können diese eliminierten Moleküle
gegangen sein, wenn, wie wir
Grund haben zu glauben, der Wasserstoff etc.
der Fixsterne aus Molekülen
zusammengesetzt ist, die in jeder Hinsicht mit
den unseren identisch sind.
.Vor allem dürfen wir diese absolute
molekülare Identität in Frage stellen, nachdem wir
bisher keine anderen Mittel
gehabt haben, zu einem Schlusse zu kommen, außer die
durch das
_65 (3 of 4)57.Kommentar VI
Spektroskop gelieferten,
während es zugestanden ist, daß, um die Spektra
zweier Körper genau vergleichen
und unterscheiden zu können, dieselben
unter identischen Zuständen von
Temperatur, Druck und allen anderen
physikalischen Bedingungen
untersucht werden sollten. Wir haben im
Sonnenspektrum mit Gewissheit
Strahlen gesehen, die wir nicht im stande
waren zu identifizieren.
Daher können die Elemente
unseres Planeten nicht als ein Normalmaßstab für
den Vergleich mit den Elementen
in andern Welten genommen werden.
Thatsächlich hat jede Welt
ihren Fohat, der in ihrer eigenen Wirkungssphäre
allgegenwärtig ist. Aber es
sind ebensoviele Fohats, als es Welten giebt, alle
verschieden an Kraft und Stufe der Emanation. Die
individuellen Fohats bilden
einen universalen, kollektiven Fohat – die
Aspekt-Entität der einen absoluten
Nicht-Entität, die da ist absolute Sein-heit, Sat.
„Millionen und Billionen von
Welten werden bei jedem Manvantara hervorgebracht“ –
wird gesagt. Daher muß
es viele Fohats geben, die wir als bewusste und intelligente
Kräfte betrachten.
Solches zweifelsohne zum Ärger von wissenschaftlichen
Gemütern.
Nichtsdestoweniger betrachten die Occultisten, die
gute Gründe dafür haben, all
die Kräfte der Natur als wahrhaftige, wenn auch
übersinnliche, Zustände von
Materie; und als der Wahrnehmung von Wesen, die mit
den erforderlichen
Sinnen ausgerüstet sind, zugängliche Objekte.
[11] Ansprache des Präsidenten an die Royal Society of
Chemists, März,
1888.
[12] p. 242.
_65 57.Kommentar VI
In seinem ursprünglichen, jungfräulichen Zustand
eingeschlossen in dem Schoße
der Ewigen Mutter, ist jedes Atom, sobald es über die
Schwelle ihres Bereiches
geboren ist, zu unaufhörlicher Differenziation
verurteilt. „Die Mutter schläft, doch
sie atmet fortwährend.“ Und jeder Atemzug sendet hinaus auf die Ebene der
Offenbarungen ihre
proteusartigen Hervorbringungen, die, von der
ausströmenden Welle
dahingetragen, von Fohat verstreut, und nach oder
jenseits dieser oder einer andern Planetenatmosphäre
getrieben werden. Einmal
von der letzteren eingefangen, ist das Atom verloren;
seine ursprüngliche
Reinheit ist für immer dahin, wenn nicht das Schicksal
es dissociiert, indem es
dasselbe zu einem „ausfließenden Strom“ (ein occulter
Ausdruck, der einen von
dem in dem gewöhnlichen Worte liegenden ganz
verschiedenen Vorgang
bedeutet) hinleitet, wo es dann vom neuen in jenes
Grenzgebiet gebracht werden
kann, wo es früher zu Grunde ging, und indem es sich
nicht in den Raum
oberhalb,
sondern in den Raum innerhalb flüchtet, in einen differentialen
Gleichgewichtszustand gebracht und glücklich wieder
absorbiert werden kann.
Sollte ein wahrhaft gelehrter Occultist und Alchimist
ein „Leben und Abenteuer
eines Atoms“ schreiben, so würde er dadurch sich die
höchste Geringschätzung
des modernen Chemikers sichern, allerdings vielleicht
auch dessen spätere
Dankbarkeit. In der That würde ein solcher imaginärer
Chemiker, wenn er zufällig
intuitiv wäre und für einen Augenblick aus der
gewohnten Schablone der streng
„exakten Wissenschaft“ heraustreten würde, wie es die
alten Alchimisten thaten,
für seine Kühnheit belohnt werden. Mag sein wie immer,
„Der Atem von Vater-Mutter
tritt hervor
kalt und strahlend, und wird heiß und verdorben, um wieder
kalt und gereinigt zu werden in dem ewigen Schoße des
inneren Raumes“, sagt
der Kommentar. Der Mensch zieht kalte reine Luft ein
auf der Bergspitze, und
stößt sie unrein, heiß und verändert wieder aus. Da
die höhere Atmosphäre
eines jeden Globus dessen Mund und die niedere dessen
Lunge ist, so atmet der
Mensch unseres Planeten bloß den „Auswurf der Mutter“,
daher „ist er verdammt,
daran zu sterben“. Derjenige, der den trägen
Sauerstoff zu Ozon allotropisieren
würde, bis zum Grade alchimistischer Aktivität, indem
er ihn auf sein reines
Wesen reduziert (wofür es Mittel giebt), würde damit
einen Ersatz für ein
„Lebenselixir“ entdecken und für den praktischen
Gebrauch zubereiten.
(b) Der
Vorgang, bezeichnet als die „kleinen Räder, wovon das eine das andere
gebiert,“ findet in der
sechsten Region von oben statt, und auf der Ebene der
allermateriellsten Welt von
allen im manifestierten Kosmos – auf unserer
irdischen Ebene. Diese
„sieben Räder“ sind unsere Planetenkette. Unter
„Rädern“ sind gewöhnlich die verschiedenen Sphären und
Kraftcentren gemeint;
aber in diesem Falle beziehen sie sich auf unsern
siebenfachen Ring.
_67 (1 of 2)57.Kommentar VI
4. ER ERBAUT SIE ALS ABBILDER ÄLTERER RÄDER, [13] UND
BEFESTIGT
SIE AUF UNVERGÄNGLICHEN MITTELPUNKTEN (a).
WIE WERDEN SIE VON FOHAT ERBAUT? ER SAMMELT DEN
FEURIGEN
STAUB. ER MACHT KUGELN VON FEUER, LÄUFT DURCH UND UM
DIESELBEN HERUM, UND VERSIEHT SIE MIT LEBEN, DANN
SETZT ER SIE
IN BEWEGUNG, DIESE IN DIESER, JENE IN JENER RICHTUNG.
SIE SIND
KALT, ER MACHT SIE HEISS. SIE SIND TROCKEN, ER MACHT
SIE FEUCHT.
SIE LEUCHTEN, ER FÄCHELT UND KÜHLT SIE AB (b).
SO ARBEITET FOHAT
VON EINER DÄMMERUNG ZUR ANDEREN, DURCH SIEBEN
EWIGKEITEN.
[14]
(a) Die Welten werden erbaut „als Abbilder älterer
Räder“ – d. i. jener, die in
früheren Manvantaras
existierten und in Pralaya eingingen; denn das Gesetz für
Geburt, Wachstum und Verfall
von jedem Ding im Kosmos, von der Sonne bis
zum Glühwurm im Grase, ist Eines. Es geschieht ein
immerdauerndes
Vervollkommnungswerk mit jeder neuen Erscheinung, aber
die Substanz,
Materie und Kräfte sind alle ein und dieselben. Und
dieses Gesetz wirkt auf
jedem Planeten durch untergeordnete und wechselnde
Gesetze.
Die „Unvergänglichen [Laya] Mittelpunkte“ sind von
großer Wichtigkeit, und ihre
Bedeutung muß vollständig verstanden werden, wenn wir
eine klare Vorstellung
von der archaischen Kosmogonie, deren Theorien jetzt
in den Occultismus
übergangen sind, haben wollen. Gegenwärtig möge eins
festgestellt sein. Die
Welten sind weder auf, noch ober noch in
den Layacentren erbaut, indem der
Nullpunkt ein Zustand, nicht
ein mathematischer Punkt ist.
[13] Welten.
[14] Eine Periode von 311 040
000 000 000 Jahren nach brâhminischen
Berechnungen.
_67 (2 of 2)57.Kommentar VI
(b) Man
halte sich vor Augen, dass es von Fohat, der konstruktiven Kraft der
kosmischen Elektricität, metaphorisch heißt, er sei,
wie Rudra aus dem Haupte
des Brahmâ, „aus dem Gehirne des Vaters und dem Busen
der Mutter“
entsprungen, und habe sich dann in ein Männliches und
in ein Weibliches
verwandelt, d. h. sich selbst zu positiver und
negativer Elektricität polarisiert. Er
hat Sieben Söhne, welche seine Brüder sind.
Fohat wird gezwungenermaßen
von Zeit zu Zeit geboren, so oft zwei seiner
„Söhne-Brüder“ zu enger Berührung
sich hingeben – einerlei ob
Umarmung oder Kampf.
Um das zu vermeiden,
vereinigt er und bindet zusammen jene von
ungleichartiger Natur, und
trennt jene von ähnlichen Temperamenten. Dies
bezieht sich, wie jedermann sehen kann, natürlich auf
durch Reibung erzeugte
Elektricität, und auf das Gesetz von der Anziehung
zwischen Gegenständen von
ungleichnamiger, und Abstoßung zwischen solchen von
gleichnamiger Polarität.
Die Sieben Söhne-Brüder jedoch repräsentieren und
personifizieren die sieben
Formen von kosmischem Magnetismus, genannt im
praktischen Occultismus die
„Sieben Radikale“, deren zusammenwirkende und thätige
Nachkommenschaft
unter andern Energien: Elektricität, Magnetismus, Ton,
Licht, Wärme, Kohäsion
u. s. w. sind. Die occulte Wissenschaft definiert alle
diese als übersinnliche
Wirkungen in ihrem verborgenen Verhalten und als
objektive Phänomene in der
Sinnenwelt; die ersteren erfordern abnorme
Fähigkeiten, um sie wahrzunehmen,
die letzteren sind mit unsern gewöhnlichen
körperlichen Sinnen erkennbar. Sie
alle gehören an und sind die Manifestationen von noch
übersinnlicheren
geistigen Qualitäten, die nicht durch wirkliche und
bewußte Ursachen dargestellt,
sondern diesen angehörig sind. Eine Beschreibung
solcher Wesenheiten zu
versuchen, wäre schlechter als nutzlos. Der Leser muß
sich vor Augen halten,
dass nach unserer Lehre, welche dieses phänomenale
Weltall als eine große
Illusion betrachtet, ein Körper um so mehr Realität
erreicht, je näher er der
Unbekannten Substanz ist, da er damit um so weiter von
dieser Welt der Mâyâ
entfernt ist. So besitzen diese Körper, obwohl ihre
molekulare Konstitution auf
dieser Bewusstseinsebene aus
ihren Manifestationen nicht reduzierbar ist,
nichtsdestoweniger vom
Standpunkt eines Adept-Occultisten eine bestimmte
objektive, wenn nicht
materielle, Struktur in dem relativ noumenalen – als
Gegensatz zum phänomenalen – Universum. Männer der
Wissenschaft mögen
sie Kraft oder Kräfte, erzeugt von Materie, nennen,
oder „Bewegungsarten“,
wenn sie wollen; der Occultismus sieht in diesen
Wirkungen Elementale (Kräfte),
und in den direkten sie erzeugenden Ursachen,
intelligente göttliche Arbeiter. Der
innige Zusammenhang dieser Elemente, die von der
unfehlbaren Hand der
Beherrscher geleitet sind, mit den Elementen der reinen
Materie – ihrer
Korrelation, wie wir sie nennen könnten – hat unsere
irdischen Phänomene, wie
_69 (1 of 3)21:02:25.Kommentar VI
Licht, Wärme, Magnetismus etc., etc., zur Folge.
Natürlich werden wir niemals
mit den amerikanischen Substanzialisten [15]
übereinstimmen, die jede Kraft und
Energie – sei es Licht, Wärme, Elektricität oder
Kohäsion – eine „Entität“ nennen;
denn das würde dasselbe sein, wie den Lärm, der durch
das Rollen der Räder
eines Wagens hervorgebracht wird, eine Entität zu nennen
– und so den „Lärm“
mit dem „Kutscher“ außerhalb, und der leitenden
„Meisterintelligenz“ innerhalb
des Vehikels zu vermengen und zu identifizieren. Wir
aber geben gewiß diesen
Namen den „Kutschern“ und diesen führenden
„Intelligenzen“, den herrschenden
Dhyân Chohans, wie gezeigt worden ist. Die Elementale,
die Naturkräfte, sind die
thätigen, wenn auch unsichtbaren oder vielmehr
unwahrnehmbaren sekundären
Ursachen, und selber die Wirkungen von primären
Ursachen hinter dem Schleier
aller irdischen Phänomene. Elektricität, Licht, Wärme
u. s. w. sind treffend die
„Gespenster und Schatten von Stoff in Bewegung“
genannt worden, d. h.
übersinnliche Zustände der Materie, von denen wir bloß
die Wirkungen erkennen
können. Um nun das oben gemachte Gleichnis weiter
auszumalen, so ist die
Lichtempfindung dem Geräusch der rollenden Räder zu
vergleichen – eine rein
phänomenale Wirkung, die keine Existenz außerhalb des
Beobachters hat. Die
unmittelbare erregende Ursache der Empfindung ist dem
Kutscher vergleichbar –
ein übersinnlicher Zustand von Stoff in Bewegung, eine
Naturkraft oder ein
Elemental. Aber hinter dieser – geradeso wie der
Eigentümer des Wagens den
Kutscher von innen aus leitet – steht die höhere oder noumenale
Ursache, die
Intelligenz,
aus deren Wesenheit diese Zustände der „Mutter“ ausstrahlen und
zahllose Milliarden von Elementalen oder psychischen
Naturgeistern erzeugen,
gerade so, wie ein jeder Tropfen Wasser seine
körperlichen, äußerst kleinen
Infusorien erzeugt.
Fohat ist es, der die Übertragung der Prinzipien von
einem Planeten zum andern,
von einem Stern zu einem andern Tochter-Stern lenkt.
Wenn ein Planet stirbt, so
werden seine beseelenden Prinzipien zu einem Laya-
oder schlummernden
Centrum mit potentieller aber latenter Energie
übertragen, welches dadurch zum
Leben erweckt wird und sich zu einem neuen siderischen
Körper zu gestalten
beginnt.
Es ist sehr merkwürdig, daß
die Physiker, während sie ihre gänzliche
Unwissenheit in Bezug auf die
wahre Natur selbst der irdischen Materie
eingestehen – indes
ursprüngliche Substanz mehr wie ein Traum als wie eine
nüchterne Realität betrachtet wird – sich
nichtsdestoweniger zu Richtern über
diese Materie aufwerfen, und behaupten, zu wissen, was
sie in verschiedenen
Kombinationen thun kann und nicht thun kann. Die
Wissenschaftler kennen diese
_69 (2 of 3)21:02:25.Kommentar VI
Materie kaum bis zur Tiefe der Haut und doch wollen
sie dogmatisieren. Sie ist
eine „Bewegungsart“ und nichts weiter! Aber die
„Kraft“, die dem Atem einer
lebenden Person innewohnt, wenn dieselbe einen
Staubfleck vom Tische
wegbläst, ist auch zweifellos eine „Bewegungsart“. Sie
ist unleugbar nicht eine
Eigenschaft des Stoffes, oder der Teilchen des
Fleckens, und sie emaniert aus
der lebenden und denkenden Entität, welche atmet, sei
der Impuls nun bewußt
oder unbewußt geschehen. In der That, die Materie –
etwas, von dem bisher
nichts bekannt ist – mit einer innewohnenden
Eigenschaft, genannt Kraft, über
den Natur noch weniger bekannt ist, auszustatten,
heißt eine noch viel ernstere
Schwierigkeit schaffen als die, die in der Annahme
einer Intervention unserer
„Naturgeister“ bei jedem
natürlichen Phänomen liegt.
[15] Siehe die Scientific
Arena, ein monatliches Journal, gewidmet der
gangbaren philosophischen
Lehre und ihrer Beziehung auf das religiöse
Denken des Zeitalters. New-York: A. Wilford Hall, Ph.
D., LL. D., Herausgeber
Juli, August und September, 1886.
_69 (3 of 3)21:02:25.Kommentar VI
Die Occultisten – die, wenn sie sich korrekt
ausdrücken würden, nicht sagen, daß
die Materie, sonder bloß, daß die Substanz oder
Wesenheit der Materie (d. i.
Mûlaprakriti, die Wurzel von allem) unzerstörbar und
ewig ist – behaupten, daß
alle sogenannten Naturkräfte, Elektricität,
Magnetismus, Licht, Wärme, etc., etc.,
weit entfernt davon, Bewegungsarten materieller
Teilchen zu sein, in esse, d.h. in
ihrer schließlichen Konstitution, die differenzierten
Aspekte jener Universalen
Bewegung sind, die in den ersten Seiten dieses Bandes
besprochen und erklärt
worden ist. Wenn von Fohat gesagt wird, daß er sieben
Layacentren
hervorbringe, so bedeutet das, daß für formengebende
und schöpferische
Zwecke das große Gesetz – Theisten mögen es
Gott nennen – seine beständige
Bewegung an sieben unsichtbaren Punkten innerhalb des
Gebietes des
geoffenbarten Weltalls hemmt oder vielmehr
modifiziert. „Der große Atem gräbt
den Raum
entlang sieben Gruben in Laya, um sie während des Manvantara
kreisen zu lassen,“ sagt der occulte Katechismus.
Wir haben gesagt, Laya sei das, was die Wissenschaft
den Nullpunkt oder die
Nulllinie nennen könnte; der Bereich der absoluten
Negativität, oder der einen
realen absoluten Kraft, des Noumenon des
siebenten Zustandes von dem, was
wir in Unwissenheit als „Kraft“ benennen und
anerkennen; oder wiederum das
Ding an sich der undifferenzierten kosmischen
Substanz, welche selber für die
endliche Wahrnehmung ein unerreichbarer und
unerkennbarer Gegenstand ist;
die Wurzel und Basis aller Zustände von Objektivität
und auch Subjektivität; die
neutrale Achse, nicht einer von den vielen Aspekten,
sondern ihr Centrum. Es
mag zur Erläuterung der
Bedeutung dienen, wenn wir versuchen, uns ein
„neutrales Centrum“
vorzustellen – den Traum von jenen, die das Perpetuum
mobile entdecken möchten. Ein
„neutrales Centrum“ ist, unter einem
Gesichtspunkt, der Grenzpunkt irgend einer gegebenen
Gruppe von Sinnen. Man
stelle sich also zwei aufeinanderfolgende Ebenen der
Materie vor; jede von
diesen entspricht einer zugehörenden Gruppe von
Wahrnehmungsorganen. Wir
sind gezwungen, zuzugestehen, dass zwischen den zwei
Stoffebenen ein
unaufhörlicher Austausch stattfindet; und wenn wir die
Atome und Moleküle
sagen wir der niederen auf ihrer Umwandlung aufwärts
verfolgen werden sie an
einen Punkt gelangen, wo sie gänzlich aus dem Bereich
der Fähigkeiten, die wir
auf der niederen Ebene gebrauchen, heraustreten.
Thatsächlich entschwindet für uns die Materie der
niederen Ebene hier unserer
Wahrnehmung – oder vielmehr, sie tritt in die höhere
Ebene ein, und der Zustand
der Materie, der einem solchen Übergangspunkt
entspricht, muß sicherlich
besondere und nicht leicht zu entdeckende
Eigenschaften besitzen. Sieben
_71 (1 of 3)21:02:26.Kommentar VI
solche „neutrale Centren“ [16] werden nun von Fohat
hervorgebracht, der, wenn,
wie Milton sagt:
Guter Grund gelegt (ist), darauf zu bauen .
die Materie zur Thätigkeit und Entwicklung erweckt.
Das Uratom (Anu) kann weder in seinem prägenetischen,
noch in einem
primogenetischen Zustand vervielfältigt werden; daher
heißt es die
„Gesamtsumme“, selbstverständlich figürlich, weil
diese „Gesamtsumme“
unendlich ist.
Das, was für den Physiker, der bloß die Welt der
sichtbaren Ursachen und
Wirkungen kennt, der Abgrund des Nichts ist, ist für
den Occultisten der
grenzenlose Raum des göttlichen Plenum. Neben vielen
andern Einwendungen
gegen die Lehre von einer endlosen Evolution und
Involution oder Reabsorption
des Kosmos, einem Prozesse, der nach der brâhminischen
und esoterischen
Lehre ohne Anfang und Ende ist, wird dem Occultisten
gesagt, es könne nicht so
sein, da „nach allen Geständnissen der modernen
wissenschaftlichen Physik die
Natur notwendigerweise abläuft“. Wenn das Bestreben
der Natur „abzulaufen“ für
einen so starken Einwand gegen die occulte Kosmogonie
gehalten werden soll,
so könnten wir fragen; wie erklären eure Positivisten
und Freidenker und
Wissenschaftler die Phalanx aktiver Sternsysteme rund
um uns her? Sie hatten
eine Ewigkeit, um in derselben „abzulaufen“; warum ist
da nicht der Kosmos eine
große, träge Masse? Selbst der Mond wird bloß
hypothetischerweise für einen
toten Planeten, für „abgelaufen“ gehalten, und die
Astronomie scheint nicht mit
vielen solchen toten Planeten bekannt zu sein. [17]
Die Frage ist unbeantwortbar.
Aber abgesehen davon ist zu beachten, dass die Idee, daß
der Bestand
„transformierbarer Energie“ in unserm kleinen System
zu Ende gehen werde,
einfach auf der falschen Vorstellung von einer
„weißglühenden heißen Sonne“,
die beständig ihre Wärme ohne Ersatz in den Raum
hinausstrahlt, beruht. Darauf
antworten wir, daß die Natur abläuft und von der
objektiven Ebene verschwindet,
bloß um nach einer Zeit der Ruhe aus der subjektiven
wieder aufzutauchen und
von neuem emporzusteigen.
[16] Das, glauben wir, ist der Name, welcher von J. W.
Keely in Philadelphia,
dem Erfinder des berühmten „Motor“, der, wie seine
Bewunderer gehofft
_71 (2 of 3)21:02:26.Kommentar VI
hatten, bestimmt ist, die bewegende Kraft des Weltalls
zu revolutionieren, für
das angewendet wird, was er auch „ätherische Centren“
nennt.
[17] Der Mond ist nur insoweit tot, als es
seine inneren Prinzipien betrifft, d. h.
psychisch und
geistig, wenn auch diese Behauptung sinnwidrig erscheint.
Physisch ist er nur, wie ein halbgelähmter Körper sein
mag. Im Occultismus
wird er passend als die „wahnsinnige Mutter“, die
große siderische Närrin
bezeichnet.
_71 (3 of 3)21:02:26.Kommentar VI
Unser Kosmos und unsere Natur werden bloß ablaufen, um
nach jedem Pralaya
auf einer vollkommeneren Ebene wiederzuerscheinen. Die
Materie der östlichen
Philosophen ist nicht die „Materie“ und Natur der
westlichen Metaphysiker. Denn
was ist Materie? Und vor allem, was ist unsere
wissenschaftliche Philosophie
anderes als das, als welches sie von Kant so gerecht
und so höflich definiert
worden ist, „die Wissenschaft von den Grenzen unserer
Erkenntnis? Wohin
haben die vielen Versuche der Wissenschaft, alle
Phänomene des organischen
Lebens durch bloße physische und chemische
Manifestationen zu binden, zu
verknüpfen und zu definieren, dieselbe gebracht? Zu
allgemeiner Spekulation –
bloßen Seifenblasen, von denen eine nach der andern
geplatzt ist, bevor die
Männer der Wissenschaft wirkliche Thatsachen entdecken
durften. All dies wäre
vermieden worden, und der Fortschritt der Erkenntnis
wäre mit Riesenschritten
erfolgt, wenn nur die Wissenschaft und ihre
Philosophie sich dessen enthalten
hätte. Hypothesen bloß au Grund der einseitigen
Kenntnis ihrer „Materie“
anzunehmen. Das Verhalten von Uranus und Neptun –
deren Satelliten,
beziehungsweise vier und einer an der Zahl, sich in
ihren Bahnen, wie man sich
das dachte, von Osten nach Westen bewegten, während
alle andern Satelliten
ihre Umläufe von West nach Ost machen – ist ein sehr
gutes Beispiel, da es
zeigt, wie unverlässlich alle Spekulationen a
priori sind, selbst wenn man sie auf
die strengste mathematische Analyse gründet. Die
berühmte Hypothese von der
Bildung unseres Sonnensystems aus nebelartigen Ringen,
die von Kant und
Laplace aufgestellt worden war, beruhte hauptsächlich
auf der Annahme, daß
alle Planeten in derselben Richtung umlaufen. Laplace,
in dem er sich auf diese
zu seiner Zeit mathematisch bewiesene Thatsache
verließ und nach der
Wahrscheinlichkeitstheorie rechnete, bot eine Wette
von drei Milliarden gegen
eins an, dass der nächste zu entdeckende Planet in
seinem System dieselbe
Eigentümlichkeit einer nach Osten gerichteten Bewegung
haben werde. Die
unveränderlichen Gesetze der wissenschaftlichen
Mathematik wurden „durch
weitere Erfahrungen und Beobachtungen überwältigt.“
Diese Idee von Laplace’s
Irrtum ist noch allgemein bis zum heutigen Tage die
herrschende; aber einigen
Astronomen ist es schließlich gelungen zu beweisen
(?), daß der Irrtum der war,
Laplace’s Behauptung als einen Irrtum hinzunehmen; und
es werden jetzt
Schritte gemacht, das Versehen zu korrigieren, ohne
die allgemeine
Aufmerksamkeit zu erregen. Viele solche unangenehme
Überraschungen sind
noch im Vorrat für Hypothesen selbst von rein
physikalischem Charakter. Was für
weitere Enttäuschungen mögen da nicht erst kommen in
Fragen
transcendentaler occulter Natur? Auf jeden Fall lehrt
der Occultismus, daß die
sogenannte „umgekehrte Rotation“ eine Thatsache ist.
Wenn kein physischer Intellekt im stande ist, die
Sandkörner zu zählen, die ein
_73 (1 of 3)21:02:28.Kommentar VI
paar Meilen Meeresstrandes bedecken, oder die innerste
Natur und Wesenheit
dieser Körner zu ergründen, wenn sie greifbar und
sichtbar auf der Hand des
Naturforschers liegen, wie kann irgend ein Materialist
die Gesetze abgrenzen, die
die Veränderungen in den Zuständen und dem Sein der
Atome im ursprünglichen
Chaos regieren, oder irgend etwas Sicheres über
Fähigkeiten und
Wirkungsvermögen der Atome und Moleküle vor und nach
ihrer Bildung zu
Welten zu wissen. Diese wechsellosen und ewigen Moleküle
– viel zahlloser im
Raume als der Sand am Meeresstrand – können in ihrer
Konstitution
verschieden sein an den Grenzen ihrer Daseinsebenen,
so wie die
Seelensubstanz sich von ihrem Vehikel, dem Körper,
unterscheidet. Jedes Atom
hat sieben Ebenen des Seins oder Daseins, wird uns
gelehrt; und jede Ebene
wird von ihren specifischen Gesetzen der Evolution und
Absorption regiert.
Unbekannt mit irgend welchen,, wenn auch nur
approximativen chronologischen
Daten, die als Ausgangspunkte dienen könnten, treiben
Astronomen, Geologen
und Physiker bei dem Versuch, das Alter unseres
Planeten oder des Beginnes
unseres Sonnensystems zu bestimmen, mit jeder neuen
Hypothese weiter und
weiter hinweg von den Ufern der Thatsächlichkeit in
die unergründlichen Tiefen
der spekulativen Ontologie. [18] Das Gesetz der
Analogie im Bauplane zwischen
den transsolaren Systemen und den solaren Planeten
erstreckt sich nicht
notwendigerweise auf die endlichen Bedingungen, denen
jeder sichtbare Körper
auf dieser unserer Daseinsebene unterworfen ist. In
der occulten Wissenschaft
ist dieses Gesetz der Analogie der erste und
wichtigste Schlüssel zur
kosmischen Physik; aber er muß bis in seine kleinsten
Einzelheiten studiert und
„siebenmal umgedreht“ werden, bevor man zu ihrem
Verständnis gelangt. Die
occulte Philosophie ist die einzige Wissenschaft, die
das lehren kann. Wie kann
da einer die Wahrheit oder Unwahrheit des Satzes der
Occultisten: „der Kosmos
ist ewig in seiner unbedingten Gesamtheit, und endlich
bloß in seinen bedingten
Offenbarungen“ abhängig machen von der einseitigen
physikalischen Erklärung,
daß „die Natur
notwendigerweise abläuft“? [19]
[18] Die Occultisten jedoch,
die das vollste Vertrauen zu ihren eigenen
exakten astronomischen und
mathematischen Aufzeichnungen haben,
berechnen das Alter der
Menschheit, und behaupten, daß die Menschen (als
getrennte Geschlechter) in
dieser Runde gerade seit 18 618 727 Jahren
existieren, wie die brâhminischen Lehren und sogar
einige indische Kalender
_73 (2 of 3)21:02:28.Kommentar VI
erklären.
[19] Die Kommentare zu den Strophen werden wieder
aufgenommen auf S.
_73 (3 of 3)21:02:28.Kommentar VI
Mit diesem Verse endet jener Teil der Strophen, der
sich auf die Kosmogonie des
Weltalls nach dem letzten Mahâpralaya, oder
universaler Auflösung, bezieht, der
bei seinem Eintreten jedes differenzierte Ding aus dem
Raume hinausfegt, Götter
so gut wie Atome, wie ebensoviele dürre Blätter. Von
diesem Verse an haben die
Strophen bloß mit unserm Sonnensystem im allgemeinen,
mit den
Planetenketten darin schlußfolgerungsweise, und mit
der Geschichte unseres
Globus (des Vierten und seiner Kette) speciell zu
thun. Alle Verse, die in diesem
Bande noch folgen, beziehen sich bloß auf die
Entwicklung von und auf unserer
Erde. In Bezug auf letztere wird ein seltsamer Satz –
seltsam natürlich nur vom
modernen wissenschaftlichen Standpunkt aus –
behauptet, der mitgeteilt werden
soll.
Aber bevor dem Leser gänzlich
neue und einigermaßen überraschende Theorien
vorgesetzt werden, müssen wir
dieselben mit ein paar erklärenden Worten
einleiten. Dies ist unbedingt
notwendig, da diese Theorieen nicht nur mit der
modernen Wissenschaft in
Widerspruch stehen, sondern auch in gewissen
Punkten früheren Behauptungen
[20] anderer Theosophen widersprechen,
welche für ihre Erklärungen und Wiedergaben dieser
Lehren dieselbe Autorität
als Gewähr angeben, wie wir.
Dies kann die Idee
hervorrufen, dass zwischen den Auslegern einer und
derselben Lehre ein
ausgesprochener Widerspruch bestehe; während der
Unterschied in Wirklichkeit in der Unvollständigkeit
der Mitteilungen seinen Grund
hat, die den früheren Schreibern gegeben wurden,
welche nun in ihrem
Bemühen, dem Publikum ein vollständiges System
vorzulegen, einige irrtümliche
Schlussfolgerungen zogen und verfrühten Spekulationen
sich hingaben. So darf
der Leser, der bereits ein Schüler der Theosophie ist,
nicht überrascht sein, in
diesen Blättern die
Richtigstellung gewisser Behauptungen zu finden, die in
verschiedenen theosophischen
Werken gemacht worden sind, und ebenso die
Erklärung gewisser Punkte,
die dunkel geblieben waren, weil sie
notwendigerweise unvollständig gelassen wurden.
Zahlreich sind die Fragen, die
selbst der Verfasser von Geheimbuddhismus, dem
besten und genauesten von
allen diesen Werken, nicht
berührt hat.
Anderseits hat selbst er
verschiedene falsch aufgefasste Begriffe eingeführt, die
jetzt in ihrem wahren
mystischen Lichte dargestellt werden müssen, soweit die
gegenwärtige Schreiberin dies
zu thun im stande ist.
_75 (1 of 2)21:02:28.Kommentar VI
Lassen wir daher eine kurze Unterbrechung eintreten
zwischen den soeben
erklärten Versen und den folgenden, denn die
kosmischen Perioden, welche sie
trennen, sind von
unermeßlicher Dauer. Dies wird uns genügend Zeit geben,
einen Blick aus der
Vogelschau auf einige der Geheimlehre angehörenden
Punkte zu werfen, welche der
Öffentlichkeit in einer mehr oder weniger
ungewissen und manchmal mißverstandenen Beleuchtung
vorgeführt worden
sind.
[20] In Esoteric Buddhism und Man: Fragments of
Forgotten History.
_75 (2 of 2)21:02:28.Kommentar VI
EIN PAAR FRÜHERE MISSVERSTÄNDNISSE BETREFFEND
PLANETEN, RUNDEN UND MENSCHEN.
Unter den elf ausgelassenen Strophen ist eine, die
eine vollständige Beschreibung giebt von der Bildung der
Planetenketten, einer nach der andern, nachdem die
erste kosmische und atomistische Differentiation in dem
ursprünglichen Akosmismus begonnen hatte. Es ist
müßig, von „Gesetzen, die erwachen, wenn die Gottheit
Anstalten trifft, zu schaffen“ zu sprechen, denn „Gesetze“,
oder vielmehr das Gesetz, sind ewig und unerschaffen;
und hinwiederum ist die Gottheit das Gesetz und
umgekehrt. Weiter entfaltet das eine ewige Gesetz alles in der
(zukünftigen) geoffenbarten Natur nach einem
siebenfältigen Prinzip; unter anderm die zahllosen zirkularen
Weltenketten, zusammengesetzt aus sieben Globen,
abgestuft auf den vier niederen Ebenen der Formenwelt,
während die drei andern dem archetypischen Universum
angehören. Von diesen sieben ist bloß einer, der
niederste und materiellste von diesen Globen, innerhalb unserer Ebene oder Wahrnehmungsfähigkeit,
während
die sechs andern außerhalb derselben liegen und daher
für das irdische Auge unsichtbar sind.
Jede solche Weltenkette ist die Nachkommenschaft und
das Erzeugnis einer anderen, niederen, und toten Kette
·
ihre Reinkarnation,
sozusagen, Um es klarer zu machen: das wird uns gesagt, daß jeder der Planeten
– von
denen bloß sieben heilige genannt wurden, weil
sie von den höchsten Regenten oder Göttern beherrscht werden,
und durchaus nicht deshalb, weil die Alten nichts von
den andern wußten [21] - einerlei, ob bekannt oder
unbekannt, eine Siebenheit ist, ebenso wie die Kette,
der die Erde angehört. Zum Beispiel sind alle solche
Planeten, wie Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn,
etc., etc., oder unsere Erde ebenso sichtbar für uns, wie
unsere Kugel wahrscheinlich für die Bewohner, wenn es
solche giebt, der andern Planeten es ist, weil sie alle auf
derselben Ebene sind; während die oberen Mitgloben
aller dieser Planeten auf andern Ebenen ganz außerhalb
jener unserer irdischen Sinne sind. Da ihre relativen
Positionen weiter unten gegeben sind, und auch in dem
Diagramm, das den Kommentaren zu Vers 6 von Strophe VI
beigegeben ist, so sind ein paar erklärende Worte
alles, was gegenwärtig notwendig ist. Die unsichtbaren
Begleiter entsprechen merkwürdigerweise dem, was wir
die „Prinzipien“ im Menschen nennen. Die sieben
befinden sich auf drei materiellen Ebenen und einer geistigen
Ebene, und entsprechen den drei Upâdhis (materiellen
Grundlagen) und einem geistigen Vehikel (Vâhana) von
unsern sieben Prinzipien in der menschlichen
Einteilung. Wenn wir uns, zum Zwecke klarerer innerer Auffassung,
die menschlichen Prinzipien nach dem folgenden Schema
angeordnet vorstellen, erhalten wir das hier beigefügte
Diagramm von Entsprechungen:
_76 (1 of 2)21:02:29.Kommentar VI
Da wir hier vom Allgemeinen zum Besonderen
fortzuschreiten, anstatt die induktive oder aristotelische Methode
anzuwenden, so sind die Zahlen verkehrt. Geist ist an
erster Stelle aufgezählt, statt wie es in der Regel geschieht,
aber in Wahrheit nicht geschehen sollte, an
siebenter.
[21] In den geheimen Büchern werden viel mehr Planeten
aufgezählt, als in modernen astronomischen
Werken.
_76 (2 of 2)21:02:29.Kommentar VI
Die Prinzipien, wie sie gewöhnlich nach dem Vorgange
von Esoteric Buddhism
und anderen Werken benannt werden, sind: 1. Âtmâ; 2.
Buddhi (Geistseele); 3.
Manas (Menschenseele); 4. Kâma Rûpa (Vehikel der
Begierden und
Leidenschaften); 5. Prâna; 6. Linga Sharîra; 7. Sthûla
Sharîra.
Die dunklen Horizontallinien der niederen Ebenen sind
die Upâdhis in dem Falle
der menschlichen Prinzipien, und die Ebenen im Falle
der Planetenkette.
Natürlich stellt in Bezug auf die menschlichen
Prinzipien das Diagramm
dieselben nicht ganz ordnungsgemäß auf, doch zeigt es
die Entsprechung und
Analogie, auf die hiermit aufmerksam gemacht wird. Wie
der Leser sehen wird,
ist es ein Fall von Herabsteigen in die Materie, die
Anpassung – sowohl im
mystischen als im physischen Sinn – der beiden, und
ihre Vermischung für den
großen zukünftigen „Kampf ums Dasein“, der die beiden
Wesenheiten erwartet.
„Wesenheit“ mag als ein sonderbarer Ausdruck
erscheinen, wenn er für einen
Globus gebraucht wird, aber die alten Philosophen, die
in der Erde ein mächtiges
„Tier“ sahen, waren in ihrer Generation weiser als
unsere modernen Geologen in
der ihren; und Plinius, der die Erde unsere gütige
Amme und Mutter nannte, das
einzige Element, das dem Menschen nicht feindlich ist,
sprach wahrer als Watts,
der in seiner Phantasie in ihr den Fußschemel Gottes
sah. Denn die Erde ist bloß
der Fußschemel des Menschen für
sein Aufsteigen zu höheren Regionen; der
Vorhof –
. zu
erhabnen Hallen,
Durch den die Menge
wogend stets sich
drängt.
Aber das zeigt nur, wie wunderbar
die occulte Philosophie allen Dingen in der
Natur gerecht wird, und um wie viel logischer ihre
Lehrsätze sind als die
lebenslosen, hypothetischen Spekulationen der
Naturwissenschaft.
Wenn der Mystiker so viel gelernt hat, wird er besser vorbereitet
sein, die occulte
Lehre zu verstehen, obwohl sie jeder akademische
Jünger der modernen
Wissenschaft für abgeschmakten Unsinn halten mag und
wahrscheinlich auch
halten wird. Der Schüler des Occultismus aber hält
dafür, dass die gegenwärtig
diskutierte Theorie viel philosophischer und
wahrscheinlicher ist als irgend eine
andere. Sie ist auf jeden Fall logischer als die
neulich aufgestellte Theorie, die
aus dem Mond einen ausgeworfenen Teil unserer Erde
machte, der ausgestoßen
wurde, als die letztere ein flüssiger Weltkörper, eine
geschmolzene, bildsame
_77 (1 of 2)21:02:29.Kommentar VI
Masse war.
Herr Samuel Laing, der Verfasser von Modern Science
and Modern Thought,
sagt:
Die astronomischen
Schlussfolgerungen sind Theorien, die auf derart
unsicheren Daten basiert
sind, dass sie einerseits in einigen Fällen
unglaublich kurze Resultate
geben, wie 15 Millionen Jahre für den ganzen
abgelaufenen Bildungsprozeß
des Sonnensystems, und in anderen wieder
fast unglaublich lange, wie
im Falle der Annahme, daß der Mond
weggeschleudert wurde, als die Erde eine Rotationszeit
von drei Stunden
hatte, während die höchste thatsächliche Verlangsamung,
die sich aus den
Beobachtungen ableiten lässt, 600 Millionen Jahre
erfordern würde, um für sie
eine Rotation von dreiundzwanzig Stunden statt der von
vierundzwanzig zu
bekommen. [22]
Und wenn die Physiker auf solchen Spekulationen
beharren, warum soll die
Chronologie der Inder als übertrieben verlacht werden?
[22] P. 48.
_77 (2 of 2)21:02:29.Kommentar VI
Es wird ferner gesagt, saß die Planetenketten ihre
Tage und ihre Nächte haben –
d. h.
Perioden von Aktivität oder Leben, und von Unthätigkeit oder Tod – und sich
am Himmel so verhalten wie die
Menschen auf Erden: sie erzeugen
ihresgleichen, altern und erlöschen
als Persönlichkeiten, während bloß ihre
geistigen Prinzipien in ihrer
Nachkommenschaft als ihr überlebender Teil
fortleben.
Auch ohne die sehr schwierige
Arbeit zu versuchen, den ganzen Prozeß in allen
seinen kosmischen Einzelheiten zu veröffentlichen,
kann genug gesagt werden,
um eine beiläufige Idee davon zu geben. Wenn eine
Planetenkette in ihrer letzten
Runde ist, so sendet ihre
Kugel A, bevor sie schließlich ausstribt, alle ihre
Energie und ihre Prinzipe in
ein neutrales Centrum latenter Kraft, in ein
Layacentrum, und beseelt
damit einen neuen Kern von undifferenzierter
Substanz oder Materie, d. h. ruft ihn zu
Aktivität und giebt ihm Leben. Nehmen
wir an, ein solcher Prozeß habe in der lunaren
Planetenkette stattgefunden;
nehmen wir noch des Beweises halber an – obwohl die
unten citierte Theorie
Herrn Darwins in letzter Zeit umgestürzt worden ist,
wenn auch die Thatsache
noch keine Bekräftigung durch mathematischen Kalkül
erfahren hat – dass der
Mond viel älter ist als die Erde. Man stelle sich die sechs
Mitgloben des Mondes
vor – Äonen früher, bevor der erste von unsern sieben
Globen evolviert worden
war – genau in derselben gegenseitigen Lage, wie sie
die Mitgloben unserer
Kette jetzt in Bezug auf unserer Erde einnehmen. [23]
Es wird nunmehr leicht sein, sich weiter vorzustellen,
dass Kugel A der
Mondkette Kugel A der Erdkette beseelt und – stirbt;
daß die nächste Kugel B
der ersten ihre Energie Kugel B der neuen Kette
zusendet; daß sodann Kugel C
der lunaren ihre Tochtersphäre C der terristrischen
Kette erzeugt; daß dann der
Mond (unser Satellit) in die niedrigste Kugel unserer
Planetenkette – Kugel D,
unsere Erde – all sein Leben,
seine Energie und seine Kräfte ausströmt; und
nachdem er sie in ein neues
Centrum übertragen hat, thatsächlich ein toter
Planet wird, in welchem seit
der Geburt unseres Globus die Rotation nahezu
aufgehört hat.
Der Mond ist unleugbar der
Satellit unserer Erde; aber das entkräftet nicht die
Theorie, daß er der Erde alles
bis auf seinen Leichnam gegeben hat. Damit sich
Darwins Theorie bewähre, mußten
außer der bereits umgestürzten Hypothese
andere noch ungereimtere Spekulationen ersonnen
werden. Der Mond, heißt es,
hat sich nahezu sechsmal schneller abgekühlt als die
Erde. [24] „Wenn die Erde
14 000 000 Jahre alt ist, seit ihrer Verkrustung, so
isst der Mond nur elf und zwei
_79 (1 of 3)21:02:30.Kommentar VI
drittel Millionen Jahre alt seit diesem Zustand „etc.
Und wenn unser Mond
einfach von unserer Erde weggespritzt ist, warum kann
keine ähnliche
Schlussfolgerung für die Monde der andern Planeten
aufgestellt werden? Die
Astronomen „wissen es nicht“. Warum sollen Venus und
Merkur keine Trabanten
haben, und wodurch wurden sie, wenn sie existieren,
gebildet? Die Astronomen
wissen es nicht, weil, sagen wir, die Wissenschaft nur
einen Schlüssel besitzt,
um die Geheimnisse der Natur zu eröffnen – den
Schlüssel der Materie; während
die occulte Philosophie sieben Schlüssel hat und das
erklärt, was die
Wissenschaft zu sehen verfehlt. Merkur und Venus haben
keine Satelliten, aber
sie hatten „Eltern“ geradeso wie die Erde.
Beide sind viel älter als die Erde, und bevor die
letztere ihre siebente Runde
erreicht, wird ihre Mutter, der Mond, sich in dünne
Luft aufgelöst haben, wie es
mit den Monden der andern Planeten geschehen ist, oder
nicht geschehen ist, je
nachdem, da es Planeten giebt, die mehrere Monde
haben – wieder ein Rätsel,
das kein Ödipus der
Astronomie gelöst hat.
Der Mond ist jetzt der
erkaltete, übriggebliebene Rest, der Schatten, der dem
neuen Körper nachgezogen
wird, in welchen seine lebenden Kräfte und
Prinzipien übergeleitet worden sind. Er ist verdammt,
durch lange Zeitalter immer
die Erde zu verfolgen, von seinem Sprossen angezogen
zu werden und ihn
anzuziehen. Beständig vampirisiert von seinem Kind,
rächt er sich dadurch an
ihm, dass er es durch und
durch mit dem verderblichen, unsichtbaren und
vergifteten Einflusse
durchtränkt, der von der occulten Seite seiner Natur
ausstrahlt. Denn er ist ein toter,
aber doch ein lebender Körper. Die Teilchen
seines zerfallenden Körpers sind voll aktiven und
destruktiven Lebens, obwohl
der Körper, den sie gebildet hatten, seelenlos und
leblos ist. Daher sind seine
Ausstrahlungen gleichzeitig wohlthätig und
verderbenbringend – ein Umstand,
der seine Parallele auf Erden darin findet, dass Gras
und Pflanzen nirgends
saftiger und üppiger sind, als auf Gräbern, während zu
gleicher Zeit die Grabfeld-
oder Leichenausdünstungen tötlich wirken. Und gleich
allen Ghûls oder
Vampiren ist der Mond der Freund der Zauberer und der
Feind der
Unbedachtsamen. Von den Urvorzeiten der thessalischen
Hexen bis zu einigen
der gegenwärtigen Tântrikas von Bengalen waren seine
Natur und Eigenschaften
einem jeden Occultisten bekannt, aber sind dem
Physiker ein verschlossenes
Buch geblieben.
Also ist der Mond vom astronomischen, geologischen und
physikalischen
Standpunkt aus. Was seine metaphysische und psychische
Natur anbelangt, so
muß dieselbe in diesem Werke ebenso ein occultes
Geheimnis bleiben, wie sie
_79 (2 of 3)21:02:30.Kommentar VI
es in dem Esoteric Buddhism betiteltem Buche
geblieben ist, trotz der daselbst
etwas sanguinisch aufgestellten Behauptung: „es ist
jetzt nicht mehr viel
Mysteriöses übrig gelassen in dem Rätsel der achten
Sphäre“. [25] Es sind das
in der That Gegenstände, „bezüglich derer die Adepten
sehr zurückhaltend in
ihren Mitteilungen an uninitiierte Schüler sind“, und
nachdem sie obendrein
niemals irgendwelche darüber publizierte Spekulationen
sanktioniert oder
gestattet haben, so ist es um so besser, je weniger darüber
gesagt wird.
Doch mag es, ohne den verbotenen Boden der „achten
Sphäre“ zu betreten, von
Nutzen sein, einige ergänzende Thatsachen betreffs der
Ex-Monaden der
Mondkette – der „lunaren Ahnen“ – festzustellen, da
diese eine führende Rolle in
der folgenden Anthropogenesis spielen. Dies bringt uns
geradenwegs auf die
siebenfältige Konstitution des Menschen; und da vor
kurzem einige Diskussion
über die beste zu adoptierende Klassifikation für die
Einteilung der
mikrokosmischen Wesenheit entstanden ist, werden hier
zwei Systeme beigefügt
mit der Absicht, die Vergleichung zu erleichtern. Die
unten beigefügte kurze
Abhandlung stammt aus der Feder des Herrn T. Subba
Row, eines gelehrten
Vedântisten. Er zieht die brahmanische Einteilung des
Râja Yoga vor, und von
einem metaphysischen Gesichtspunkt aus ist er in
vollem Recht. Da es aber eine
Frage einfacher Wahl und Zweckmäßigkeit ist, so halten
wir uns in diesem
Werke an die altehrwürdige Klassifikation der
transhimâlayischen „Esoterischen
Arhatschule“. Die folgende Tabelle und ihr erklärender
Text sind ein Abdruck aus
dem Theosophist, und
sind auch in Five Years of Theosophy [26] enthalten.
[23] Siehe, in Geheimbuddhismus,
„die Konstitution des Menschen“ und die
„Planetenkette“.
[24] Winchells World-Life.
[25] P. 113 (5te Auflage).
[26] pp. 185-6.
_79 (3 of 3)21:02:30.Kommentar VI
DIE SIEBENFÄLTIGE EINTEILUNG IN VERSCHIEDENEN
INDISCHEN
Wir geben unten in tabellarischer Form die von den
Buddhisten und
Vedântalehrern adoptierte Klassifikation der
Prinzipien der Menschen.
1. Sthûla Sharîra.
Annamayakosha.
[1]
Sthûlopâdhi. [2] 2. Prâna. [3]
Prânamayakosha.
3. Das Vehikel von Prâna.
[4]
4. Kâma Rûpa.
Mânomayakosha.
Sûkshmopâdhi.
5. Gemüt.
(a) Wollen und
Gefühle etc.
(b) Vijnanam. Vijnanamayakosha.
6. Geistige Seele. [5]
Ânandamayakosha. Kâranopâdhi.
7. Âtmâ. Âtmâ. Âtmâ.
Aus der voranstehenden Tabelle
ist zu sehen, daß das dritte Prinzip in der
buddhistischen Klassifikation
in der vedântischen Einteilung nicht getrennt
erwähnt ist, da es bloß das
Vehikel von Prâna ist. Man wird auch sehen, daß
das vierte Prinzip in dem
dritten Kosha (Gehäuse) eingeschlossen ist, da
_81 (1 of 3)21:02:31.Kommentar VI
dieses Prinzip bloß das Vehikel der Willenskraft ist,
welche bloß eine Energie
des Gemütes ist. Es muß ferner beachtet werden, daß
der Vijnânamayakosha
als vom Mânomayakosha getrennt betrachtet wird, da
eine Teilung geschieht
nach dem Tode zwischen dem niederen Teil des Gemütes,
sozusagen,
welcher eine engere Verwandtschaft mit dem vierten
Prinzip als mit dem
sechsten und mit seinem höheren Teil hat, welcher sich
an das letztere
anschließt, und welcher thatsächlich die Basis für die
höhere geistige
Individualität des Menschen ist.
Wir können hier auch unsere Leser darauf aufmerksam
machen, daß die in
der letzten Spalte erwähnte Einteilung für alle
praktischen Zwecke, welche mit
Râja Yoga zusammenhängen, die beste und einfachste
ist. Obwohl sieben
Prinzipien im Menschen sind, giebt es doch bloß drei
verschiedene Upâdhis
(Grundlagen), in deren jedem sein Âtmâ unabhängig von
den übrigen zu
wirken vermag.
Diese drei Upâdhis können von einem Adepten getrennt
werden, ohne sich
selbst zu töten.
Die sieben Prinzipien kann er
nicht voneinander trennen, ohne seine
Konstitution zu zerstören.
Der Schüler wird jetzt besser
darauf vorbereitet sein, einzusehen, daß zwischen
den drei Upâdhis des Râja Yoga
und dessen Âtmâ, und unsern drei Upâdhis,
Âtmâ und den weiteren drei
Abteilungen in Wirklichkeit nur sehr wenig
Unterschied ist. Da obendrein
ein jeder Adept im cishimâlayischen wie im
transhimâlayischen Indien, von
der Patanjali -, der Âryâsanga – oder der
Mahâyâna-Schule, ein Râja Yogi
werden muß, so muß er infolgedessen die
Târaka Raja Yoga Einteilung in Prinzip und Theorie
annehmen, einerlei welcher
Klassifikation er sich für praktische und occulte
Zwecke bedient. So macht es
sehr wenig aus, ob man von den drei Upâdhis mit
ihren drei Aspekten und Âtmâ,
der ewigen und unsterblichen Synthese, spricht, oder
sie die „Sieben Prinzipien“
nennt.
Zum Nutzen jener, welche die
Lehre von den siebenfältigen Weltenketten im
solaren Kosmos nicht gelesen
oder, wenn sie sie in den theosophischen
Schriften gelesen haben, dieselbe nicht klar
verstanden haben, sei die Lehre im
folgenden kurz zusammengestellt.
1. Alles im metaphysischen sowohl wie im physischen
Universum ist siebenfach.
Daher werden jedem siderischen Körper, jedem Planeten,
sei er sichtbar oder
unsichtbar, sechs begleitende Globen zugeschrieben.
Die Evolution des Lebens
_81 (2 of 3)21:02:31.Kommentar VI
schreitet auf diesen sieben Globen oder Körpern vor,
vom ersten bis zum
siebenten, in sieben Runden oder Cyklen.
2. Diese Globen werden durch einen Prozeß gebildet,
den die Occultisten die
„Wiedergeburt einer Planetenkette (oder Ringes)“
nennen. Wenn die siebente
und letzte Runde eines solchen Ringes eingetreten ist,
so beginnt der höchste
oder erste Globus, A, gefolgt von allen übrigen bis
hinab zum letzten, statt in eine
gewisse Periode der Ruhe – oder „Verdunkelung“, wie in
den früheren Runden –
einzutreten, auszusterben. Die planetarische Auflösung
(Pralaya) ist nahe und
ihre Stunde hat geschlagen; jeder Globus hat sein
Leben und seine Energie auf
einen andern Planeten zu übertragen. [27]
3. Unsere Erde als die sichtbare Repräsentantin ihrer
unsichtbaren höheren
Mitgloben, ihrer „Herren“ und „Prinzipien“, hat,
ebenso wie die andern, durch
sieben Runden zu leben. Während der ersten drei bildet
und konsolidiert sie sich;
während der vierten gewinnt sie Festigkeit und
verhärtet; während der letzten
drei kehrt sie stufenweise in ihre erste ätherische
Form zurück: sie wird
sozusagen vergeistigt.
[1] Kosha ist wörtlich
„Gehäuse“, das Gehäuse des Prinzipes.
[2] Sthûla-upâdhi, oder Basis
des Prinzipes.
[3] Leben.
[4] Der Astralkörper, oder
Linga Sharîra.
[5] Buddhi.
[27] Siehe Diagramm II, p. 195.
_81 (3 of 3)21:02:31.Kommentar VI
4. Ihre Menschheit entwickelt sich vollständig erst in
der vierten – unserer
gegenwärtigen Runde. Bis zu diesem vierten
Lebenscyklus wird sie bloß in
Ermanglung eines angemesseneren Ausdruckes als
„Menschheit“ bezeichnet.
Gleich der Raupe, die zur Puppe und zum Schmetterling
wird, geht während der
ersten Runde der Mensch, oder vielmehr das, was zum
Menschen wird, durch
alle Formen und Reiche; und während der zwei folgenden
Runden durch alle
menschlichen Gestalten hindurch. Angelangt auf unserer
Erde mit dem Beginne
der vierten, ist in der gegenwärtigen Reihe von
Lebenscyklen und Rassen der
Mensch die erste Form, die auf derselben erscheint,
indem ihm bloß das
Mineralreich und das Pflanzenreich vorausgehen – ja
auch das letztere hat seine
weitere Evolution durch den Menschen zu entwickeln und
fortzusetzen. Dies wird
in Band II erklärt werden. Während der drei
zukünftigen Runden wird die
Menschheit, wie der Globus, auf dem sie lebt, immer
dahin streben, ihre
ursprüngliche Form wieder anzunehmen, die einer Dhyân
Chohanischen Schar.
Der Mensch strebt, ein Gott
und dann – Gott zu werden, so wie jedes andere
Atom in Weltall.
Bereits mit dem Anbeginne der
zweiten Runde schreitet die Evolution auf einem
ganz verschiedenen Wege
vorwärts. Nur während der ersten Runde geschieht
es, dass der
(himmlische) Mensch ein menschliches Wesen auf Kugel A wird,
(wiederum
wird) ein Mineral, eine Pflanze, ein Tier, auf Kugel B und C, etc. Der
Vorgang
ändert sich gänzlich von der zweiten Runde an; aber Sie haben Klugheit
gelernt und
ich rate Ihnen, nichts zu sagen, bevor die Zeit, es zu sagen,
gekommen ist [28]
5. Jeder Lebenscyklus auf Kugel
D (unserer Erde) [29] ist zusammengesetzt aus
sieben Wurzelrassen. Sie
beginnen mit der ätherischen und enden mit der
geistigen, auf der doppelten Reihe der physischen und
moralischen Evolution –
vom Anfange der irdischen Runde an bis zu ihrem
Schlusse. Die eine ist eine
„planetarische Runde“ von Kugel A bis zu Kugel G, der
siebenten; die andere die
„Globusrunde“, oder die
irdische.
Dies ist sehr gut beschrieben
im Geheimbuddhismus, und braucht gegenwärtig
keine weitere Erläuterung.
6. Die erste Wurzelrasse, d.
i. die ersten „Menschen“ auf Erden (abgesehen von
der Form) waren die Nachkommen
der „himmlischen Menschen“, mit Recht in
der indischen Philosophie die
„Mondvorväter“ oder die Pitris genannt, deren es
sieben Klassen oder
Hierarchieen giebt. Da alles dieses in den folgenden
_83 (1 of 3)21:02:31.Kommentar VI
Abteilungen und in Band II genügend erklärt werden
wird, so braucht davon hier
nicht mehr gesagt zu werden.
Aber die zwei bereits
erwähnten Werke, die beide über Gegenstände aus der
occulten Lehre handeln, bedürfen
einer besonderen Bemerkung. Esoteric
Buddhism ist
in theosophischen Kreisen und selbst der äußeren Welt viel zu wohl
bekannt, als daß es notwenig wäre, des langen auf
deine Verdienste hier
einzugehen. Es ist ein ausgezeichnetes Buch, und hat
noch Ausgezeichneteres
geleistet. Aber das ändert nichts an der Thatsache,
daß es einige Leser dazu
verleitet hat, sich eine falsche Vorstellung von der
östlichen Geheimlehre zu
bilden. Weiter scheint es vielleicht ein bißchen zu
materialistisch zu sein.
Man, welches später kam, war ein Versuch, die archaische
Lehre von einem
mehr idealen Standpunkt aus
darzustellen, einige Visionen in und aus dem
Astrallicht zu übersetzen,
und einige Lehren, die teilweise aus den Gedanken
eines Meisters gesammelt,
aber unglücklicherweise mißverstanden worden
waren, wiederzugeben. Dieses Werk spricht auch von der
Evolution der ersten
Menschenrassen auf Erden, und enthält einige
ausgezeichnete Blätter
philosophischen Charakters. Aber so weit ist es bloß
ein interessanter kleiner
mystischer Roman. Er hat seine Bestimmung nicht
erfüllt, weil die Bedingungen,
die zu einer richtigen Übersetzung solcher Visionen
erforderlich sind, nicht
gegeben waren. Der Leser darf sich daher nicht
wundern, wenn unsere Bände
diesen früheren Beschreibungen in verschiedenen
Einzelheiten widersprechen.
Esoterische Kosmogonie im allgemeinen, und die
Entwicklung der menschlichen
Monade im besonderen sind so wesentlich verschieden in
diesen zwei Büchern,
und in anderen theosophischen Werken, die unabhängig
von Anfängern
geschrieben worden sind, daß es unmöglich ist, in dem
gegenwärtigen Werke
fortzufahren, ohne diese zwei früheren Bände speziell
zu erwähnen, denn beide
haben eine Anzahl von Bewunderern – insbesondere Geheimbuddhismus.
Die
Zeit für die Erklärung einiger in dieser Richtung
gelegenen Dinge ist gekommen.
Missverständnissen ist nun durch die ursprünglichen
Lehren Einhalt zu thun und
sind sie richtigzustellen. Wenn das eine der genannten
Werke eine allzu
ausgesprochene Vorliebe für die materialistische
Wissenschaft hat, so ist das
andere entschieden zu idealistisch und zeitweilig
phantastisch.
Aus der – für westliches Denken ziemlich
unverständlichen – Lehre, die von den
periodischen Verdunkelungen und aufeinanderfolgenden Runden
der Globen
entlang ihrer kreisartigen Ketten handelt, wurden die
ersten Verlegenheiten und
Missverständnisse geboren. Ein solches bezieht sich
auf die „Fünft“- und sogar
„Sechstrunder“. Jene, welche wußten, daß einer Runde
ein langer Pralaya
vorausgeht und nachfolgt, eine Ruhepause, welche einen
unüberschreitbaren
Abgrund zwischen zwei Runden schafft, so lange, bis
die Zeit für einen erneuten
_83 (2 of 3)21:02:31.Kommentar VI
Lebenscyklus kommt, konnten den „Trugschluß“, von „Fünft-
und Sechst-Rundern“
in unserer vierten Runde zu sprechen, nicht verstehen.
Gautama
Buddha – daran wurde festgehalten – war ein
„Sechstrunder“, Plato und einige
andere große Philosophen und Denker waren
„Fünftrunder“. Wie kann das sein?
Ein Meister lehrte und bestätigte, dass es selbst
jetzt solche „Fünftrunder“ auf der
Erde gebe; und obwohl verstanden war, daß die
Menschheit noch in der vierten
Runde sei, schien er doch an einer anderen Stelle zu
sagen, daß wir in der
fünften wären. Auf das wurde von einem anderen Lehrer
eine „apokalyptische
Antwort“ gegeben: „Ein paar Regentropfen machen keinen
Monsun, obwohl sie
ihn verkünden“ . „Nein, wir sind nicht in der fünften
Runde, aber Fünftrunder
sind hereingekommen seit den letzten paar
Jahrtausenden.“
Das war ärger als das Rätsel der Sphinx!
[28] Auszug aus den Briefen des Lehrers über
verschiedene Gegenstände.
[29] Wir haben mit den anderen Globen in diesem Werke
nicht anders als
gelegentlich zu thun.
_83 (3 of 3)21:02:31.Kommentar VI
Schüler des Occultismus zwangen ihre Gehirne zur
wildesten Spekulationsarbeit.
Eine beträchtliche Zeit hindurch versuchten sie, den
Ödipus zu übertrumpfen und
die beiden Behauptungen in
Übereinstimmung zu bringen.
Und da die Meister schweigend
blieben wie die steinerne Sphinx selbst, wo
wurden sie der
„Inkonsequenz“, des „Widerspruchs“ und der „Diskrepanz“
beschuldigt. Aber sie ließen einfach die Spekulationen
ihren Fortgang haben, in
der Absicht, eine Lektion zu erteilen, die das
westliche Denken gewaltig braucht.
In ihrem Dünkel und Anmaßung, und in ihrer Gewohnheit,
jede metaphysische
Idee und Bezeichnung zu materialisieren, ohne
irgendwelchen Spielraum für
östliche Metapher oder Allegorie zu gestatten, hatten
die Orientalisten Wirrwarr
aus der indischen exoterischen Philosophie gemacht,
und das Gleiche thaten
nun mit Bezug auf esoterische Lehren die Theosophen.
Es ist einleuchtend, daß
die letzteren bis heute gänzlich verfehlten, die
Bedeutung des Ausdruckes „Fünft-
und Sechstrunder“ zu verstehen. Aber sie ist einfach
folgende: jede Runde
bewirkt eine neue Entwicklung, und sogar einen
vollständigen Wechsel in der
intellektuellen, psychischen, geistigen und physischen
Konstitution des
Menschen; alle diese Prinzipien entwickeln sich nach
einer beständig
ansteigenden Stufenleiter.
Daraus folgt, daß jene Personen, die, wie Confucius
und Plato, psychisch,
intellektuell und geistig den höheren Ebenen der
Evolution angehörten, in
unserer vierten Runde so waren wie der
durchschnittliche Mensch in der fünften
Runde sein wird, deren
Menschheit dazu bestimmt ist, sich auf dieser
Stufenleiter der Entwicklung
unermesslich höher zu befinden, als unsere
derzeitige Menschheit ist.
Ähnlich war Gautama Buddha – die inkarnierte
Weisheit – noch höher und größer als alle die
Menschen, die wir als sogenannte
„Fünftrunder“ erwähnt haben, und so werden Buddha und
Shankarâchârya
allegorisch als „Sechstrunder“ bezeichnet. Somit ist
wiederum verborgene
Weisheit in der Bemerkung, die damals als
„ausweichend“ bezeichnet wurde, -
„ein paar Regentropfen machen noch keinen Monsun, obwohl
sie ihn verkünden“.
Und nun wird die Wahrheit von folgender Bemerkung, in Esoteric
Buddhism,
ganz augenscheinlich sein:
Es ist unmöglich, die
verwickelten Thatsachen einer gänzlich fremden
Wissenschaft, wenn sie dem ungeübten Verstande zum
ersten Male vorgelegt
werden, mit
all ihren eigentümlichen Einschränkungen und regelwidrigen
Entwickelungen vorzubringen .
Wir müssen uns begnügen, vorerst die
allgemeinen Regeln zu fassen
und von den Ausnahmen später zu handeln,
und insbesondere ist das der
Fall bei einem Studium, bei dem die mit ihm in
Zusammenhang stehenden,
allgemein befolgten traditionellen Lehrmethoden
_85 (1 of 2)21:02:32.Kommentar VI
darnach
sterben, jede neue Idee dem Gedächtnisse durch Hervorrufung von
Verwirrung
einzuprägen, der zum Schlusse abgeholfen wird.
Da der Verfasser dieser Bemerkung selbst, wie er sagt,
ein „ungeübter Verstand“
für den Occultismus war, so führten ihn seine eigenen
Schlüsse, und seine
bessere Bekanntheit mit den modernen astronomischen
Spekulationen als mit
den archaischen Lehren ganz naturgemäß und ihm selbst
unbewußt dahin,
einige Mißverständnisse mehr von Einzelheiten als von
irgend einer „allgemeinen
Regel“ zu begehen. Ein solches soll nun betrachtet
werden.
Es ist eine Kleinigkeit, doch ist es darnach angethan,
manchen Anfänger zu
falschen Vorstellungen zu verleiten. Da aber die
missverstandenen Gedanken
der früheren Auflagen in den Anmerkungen zur fünften
Auflage verbessert
wurden, so kann die sechste durchgesehen und vervollkommnet
sein. Es waren
verschiedene Gründe für solche Mißverständnisse. Sie
waren veranlaßt durch
die Zwangslage, in der sich die Lehrer befanden,
Antworten geben zu müssen,
die dann als „ausweichend“ angesehen wurden, nachdem
die Fragen zu
hartnäckig gestellt wurden, als daß man sie hätte
unbeachtet lassen können,
während sie andererseits nur teilweise beantwortet
werden konnten. Trotz dieser
Lage wurde das Geständnis, daß „ein halber Laib besser
ist als gar kein Brot“ nur
zu oft mißverstanden, und schwerlich so gewürdigt, wie
es hätte geschehen
sollen. Ein Resultat davon war, dass manchmal seitens
der europäischen
Laienchelas willkürlichen Spekulationen gehuldigt
wurde. Unter diesen waren
das „Geheimnis der achten Sphäre“ in ihrer Beziehung
zum Mond, und die
irrtümliche Behauptung, dass zwei der oberen Globen
der Erdkette zwei von
unseren wohlbekannten Planeten seien: „außer der Erde
giebt es nur zwei
andere Welten unserer Kette, welche sichtbar sind .
Mars und
Merkur .“ [30]
[30] Esoteric Buddhism, p. 136.
_85 (2 of 2)21:02:32.Kommentar VI
Als das gegenwärtige Werk begonnen wurde, wandte sich
die Schreiberin in der sicheren
Voraussetzung, daß die Spekulation über Mars und
Merkur ein Mißverständnis war, brieflich an die
Lehrer um Aufklärung und eine maßgebende Angabe.
Beides kam zu rechter Zeit, und wörtliche
Auszüge daraus sind hier gegeben.
„. Es ist
vollkommen richtig, daß Mars sich gegenwärtig in einem Zustand von Verdunkelung
befindet, und
Merkur eben beginnt, daraus hervorzugehen. Sie können hinzufügen, dass Venus in
ihrer letzten
Runde ist . Wenn weder Merkur noch Venus Monde haben, so kommt das daher .
und auch,
weil Mars zwei Monde hat, auf die er kein Recht hat . Phobos, der vermutete
„innere“
Satellit, ist
überhaupt kein Satellit. Somit stimmen die alte Bemerkung von Laplace und die
jetzige von
Faye nicht
überein, wie Sie sehen. (Lesen Sie „Comptes Rendus“, T. XC, p. 569.) Phobos
hält eine zu
kurze Periode
ein, und es muß daher ‘irgend ein Mangel in der Grundidee dieser Theorie
liegen’, wie
Faye richtig
bemerkt . Hinwiederum sind beide (Mars und Merkur) siebenfältige Ketten, ebenso
unabhängig
von den siderischen Herren und Oberen der Erde, wie Sie unabhängig sind von den
„Prinzipien“
des Däumling (Tom Thumb) – die vielleicht seine sechs Brüder waren, mit oder
ohne
Nachtmützen .
‘Befriedigung der Neugierde ist für manche Menschen das Ende der Erkenntnis’
sagte Bacon,
welcher ebenso Recht hatte, diesen Gemeinplatz als selbstverständlich
anzunehmen,
als jene, die
vor ihm damit vertraut waren, Recht hatten, die WEISHEIT von der Kenntnis
abzuzäunen,
und Grenzen
festzustellen für das, was auf einmal hinausgegeben werden soll. Bedenken Sie:
.
Kenntnis weilt
In Köpfen voll
Gedanken
anderer,
Weisheit im
Herzen, das
den eignen
lauscht.
„Sie können
das niemals zu tief den Gemütern jener einprägen, denen sie etwas von den
esoterischen
Lehren beibringen.“
Hier sind weitere Auszüge aus einem anderen, von
derselben Autorität geschriebenen, Briefe.
Diesmal ist es zur Antwort auf einige Einwendungen,
die den Lehrern vorgelegt wurden. Sie beruhen
auf äußerst wissenschaftlichen, und ebenso nichtigen,
Schlussfolgerungen über die Ratsamkeit des
Versuches, die esoterischen Theorieen mit den
Spekulationen der modernen Wissenschaft zu
vereinbaren, und waren geschrieben von einem jungen
Theosophen als eine Warnung gegen die
„Geheimlehre“ und mit Bezugnahme auf denselben
Gegenstand. Er hatte erklärt, daß, wenn es solche
_89 (1 of 3)21:02:32.Kommentar VI
Miterden gebe, „so könnten sie nur ein kleines Bißchen
weniger materiell sein als unsere Kugel.“ Wie
kam es dann, daß man sie nicht sehen konnte? Die
Antwort war:
„. Würden
psychische und geistige Lehren vollständiger verstanden, so würde es nahezu
unmöglich,
eine solche Widersinnigkeit sich auch nur vorzustellen. So lange man sich nicht
weniger
Mühe giebt,
das Unvereinbare zu vereinbaren – das heißt, die metaphysischen und geistigen
Wissenschaften
mit der Physik oder Naturwissenschaft, wobei „Natur“ für sie (die Männer der
Wissenschaft)
ein Synonym von jener Materie ist, die in die Wahrnehmung ihrer körperlichen
Sinne
fällt – ist
kein Fortschritt wirklich zu erreichen. Unser Globus ist, wie vom Anfang an
gelehrt wurde,
am Grunde des
herabsteigenden Bogens, wo die Materie unserer Wahrnehmungen sich in ihrer
gröbsten Form
darstellt Daher ist es nur vernunftgemäß, daß die Globen, welche unsere Erde
überschatten,
auf verschiedenen und höheren Ebenen sein müssen. Kurz gesagt, als Globen sind
sie
in Vereinigung
zu einer Masse, aber nicht in Wesenseinheit mit unserer Erde, und
gehören somit
einem ganz
andern Bewußtseinszustand an. Unser Planet ist, wie alle, die wir sehen, dem
besonderen
Zustande seines Menschengeschlechtes angepaßt, dem Zustande, welcher uns
befähigt, mit
bloßem Auge die Himmelskörper zu sehen, welche mit unserer irdischen Ebene und
Substanz
gleichwesentlich sind, geradeso wie ihre beziehungsweisen Bewohner, die
Jovianer,
Martianer und
anderen, unsere Kleine Welt wahrnehmen können, weil unsere Bewußtseinsebenen,
zwar dem
Grade nach verschieden, aber der Art nach gleich, in derselben Schichte der
differenzierten
Materie
liegen .Was ich schrieb, war: ‘Der kleinere Pralaya betrifft bloß unsere
kleinen Schnüre
von Globen.
(Wir nannten Ketten „Schnüre“ in jenen Tagen der Sprachenverwirrung.) Zu einer
solchen
Schnur gehört unsere Erde.’ Dies hätte klar zeigen sollen, dass die anderen
Planeten auch
„Schnüre“
oder KETTEN sind Wenn er (nämlich der Opponent) auch nur einen schwachen
Schattenriß
eines solchen „Planeten“ auf einer höheren Ebene wahrnehmen will, so muß er vor
allem
die dünnen
Wolken von Astralmaterie, die zwischen ihm und der nächsten Ebene stehen,
abwerfen.“
So wird offenbar, wieso wir, selbst mit Hilfe unserer
besten Teleskope, das, was außerhalb unserer
materiellen Welt liegt, nicht wahrnehmen können. Jene
allein, die wir Adepten nennen, die wissen, wie
sie ihren geistigen Blick zu dirigieren und ihr
Bewusstsein – sowohl physisch als psychisch – auf
andere Daseinsebenen zu übertragen haben, sind im
stande, maßgebend über solche Dinge zu
sprechen. Und sie sagen uns verständlich:
„Führe das
Leben, welches notwendig ist zur Erlangung solcher Erkenntnis und Kräfte, und
Weisheit
wird
naturgemäß zu dir kommen. Wenn immer du fähig bist, dein Bewußtsein mit einer
der sieben
Saiten des
„universalen Bewußtseins“ harmonisch zu stimmen, mit jenen Saiten, die über das
Schallbrett
des Kosmos laufen, schwingend von einer Ewigkeit zur anderen; wenn du
vollkommen die
„Harmonie der
Sphären“ studiert hast, dann erst wirst du volle Freiheit haben, dein Wissen
mit jenen
zu teilen,
bei denen es mit Sicherheit geschehen kann.
Unterdessen
sei klug.
Gieb nicht
die großen Wahrheiten, die das Erbteil der Rassen der Zukunft sind, unserer
jetzigen
Generation.
_89 (2 of 3)21:02:32.Kommentar VI
Versuche nicht,
das Geheimnis von Sein und Nichtsein vor jenen zu entschleiern, die unfähig
sind, die
verborgene
Bedeutung zu sehen von Apollos Heptachord, der Leier des strahlenden Gottes,
die in
jeder
einzelnen von ihren sieben Saiten Geist, Seele und Astralkörper des Kosmos
wohnen hat, deren
Schale allein
in die Hände der modernen Wissenschaft gefallen ist . Sei klug, sagen wir, klug
und
weise, und
vor allem trage Sorge um das, woran jene, die von dir lernen, glauben; damit
sie nicht,
indem sie
sich selbst täuschen, andere täuschen, . denn also ist das Schicksal einer
jeden
Wahrheit, mit
der die Menschen noch nicht vertraut sind . Lieber lasse die Planetenketten und
andere über-
und unterkosmische Geheimnisse ein Traumland bleiben für jene, welche weder
sehen
können, noch
glauben, daß andere es können.“
Es ist zu bedauern, daß nur wenige von uns diesen
weisen Rat befolgt haben, und daß so manche
unschätzbare Perle, so manches Juwel der Weisheit,
einem Feinde hingeworfen worden ist, der,
unfähig, dessen Wert zu verstehen, sich abgewendet und
uns zerrissen hat.
„Stellen wir uns vor“ – schrieb derselbe Meister an seine beiden „Laienchelâs“, wie er den
Verfasser
von „Geheimbuddhismus“ und noch einen anderen
Herrn, der für einige Zeit dessen Mitschüler war,
nannte, stellen
wir uns vor, dass unsere Erde einer aus einer Gruppe von sieben Planeten oder
menschentragenden
Welten ist (Die ‘sieben Planeten’ sind die heiligen Planeten des Altertums
und sind alle
siebenfach.) Nun erreicht der Lebensimpuls A, oder vielmehr das, was bestimmt
ist, A zu
werden, und
das bis dahin nichts ist als kosmischer Staub (ein Layacentrum) .“ etc.
In diesen ersten Briefen, in welchen Bezeichnungen
erfunden und Worte geprägt werden mußten,
werden die „Ringe“ sehr oft zu „Runden“ und die
„Runden“ zu „Lebenscyklen“ und umgekehrt.
Einem Korrespondenten, der eine „Runde“ einen
„Weltring“ nannte, schrieb der Lehrer: „Ich glaube,
das wird zu
einer weiteren Verwirrung führen. Wir sind übereingekommen, den Durchgang einer
Monade von
Kugel A zu Kugel G oder Z eine Runde zu nennen Der „Weltring“ ist korrekt .
Raten Sie
Herrn dringend, erst über eine Nomenklatur ins Reine zu kommen, bevor er
irgendwie
weiter geht.“
_89 (3 of 3)21:02:32.Kommentar VI
Trotz dieser Übereinkunft schlichen sich zahlreiche
Missverständnisse infolge
dieser Verwirrung in die ersten Lehren. Selbst die
„Rassen“ wurden gelegentlich
mit den „Runden“ und „Ringen“ vermengt, und führten zu
ähnlichen Mißgriffen in
Mensch: Bruchstücke von vergessener Wahrheit. Vom
Anbeginn hatte der
Meister geschrieben:
„Da mir nicht
gestattet ist, Ihnen die ganze Wahrheit zu geben oder die Zahl von
isolierten Fraktionen zu veröffentlichen bin ich nicht
im stande, Sie zu
befriedigen.“
Das war in Beantwortung der
Fragen: „Wenn wir recht verstehen, so ist die
Gesamtexistenz vor der
Menschenperiode 637,“ etc., etc. Auf alle Fragen
betreffend Zahlen war die
Antwort: „Versuchen Sie das Problem von 777
Inkarnationen zu lösen . Obwohl ich verpflichtet bin,
die Information
vorzuenthalten,
.so wird es doch, wenn sie das Problem selbst ausarbeiten
sollten,
meine Pflicht sein, es Ihnen zu sagen.“
Aber es wurde niemals ausgearbeitet, und die Resultate
waren – unaufhörliche
Verwirrung und Mißverständnisse. Selbst die Lehre von
der siebenfältigen
Konstitution der Himmelskörper und des Makrokosmos –
aus der die
siebenfältige Einteilung des Mikrokosmos oder Menschen
entspringt – ist bis jetzt
eine der alleresoterischesten gewesen. In alten Zeiten
wurde sie gewöhnlich bloß
bei der Initiation zugleich mit den heiligsten Zahlen
der Cyklen mitgeteilt. Nun ist,
wie in einer der theosophischen Zeitschriften [31]
festgestellt wurde, die
Enthüllung des ganzen Systems der Kosmogonie nicht ins
Auge gefaßt, ja sogar
nicht einen Augenblick für möglich gehalten worden, zu
einer Zeit, als ein paar
Bruchstücke von Information sparsam hinausgegeben
wurden, als Antwort auf
Briefe, die vom Verfasser von Esoteric Buddhism geschrieben
waren, in welchen
derselbe eine Menge Fragen stellte. Darunter waren
Fragen über solche
Probleme, daß
kein MEISTER, wie hoch und unabhängig er auch sein möge, das
Recht hätte,
zu antworten und damit der Welt die altehrwürdigsten und
archaischesten Geheimnisse der alten Tempelkollegien
zu enthüllen.
Daher wurden nur ein paar Lehren in breiten Umrissen
veröffentlicht, während
Einzelnheiten beharrlich vorenthalten blieben, und
alle Anstrengungen, die
gemacht wurden, um mehr Aufschluß darüber
herauszulocken, wurden
systematisch vom Anbeginn vereitelt. Das war
vollkommen natürlich. Von den
vier Vidyâs, aus den sieben Erkenntniszweigen, die in
den Purânen erwähnt sind
·
nämlich: Yajna
Vidyâ, die Vollziehung religiöser Zeremonieen in der Absicht,
gewisse Resultate hervorzubringen; Mahâ Vidyâ, die
große (magische) Kenntnis,
die jetzt zu Tântrikadienst herabgesunken ist; Guhya
Vidyâ, die Wissenschaft
von den Mantras und ihrem richtigen Rhythmus oder
Singweise, von mystischen
_91 (1 of 2)21:02:33.Kommentar VI
Beschwörungen, etc.; Âtmâ Vidyâ, oder die wahre geistige
und göttliche Weisheit
·
ist es bloß die letztere,
die ein endgültiges und absolutes Licht auf die Lehren
der drei zuerst genannten werfen kann. Ohne die Hilfe
von Âtmâ Vidyâ bleiben
die anderen drei nichts Besseres als oberflächliche
Wissenschaften,
geometrische Größen, die Länge und Breite, aber keine
Dicke haben. Sie sind
wie Seele, Glieder und Gemüt eines schlafenden
Menschen, fähig mechanischer
Bewegungen, chaotischer Träume und selbst des
Schlafwandelns, des
Hervorbringens sichtbarer Wirkungen, aber bloß
angetrieben von instinktiven,
nicht von intellektuellen Ursachen, am allerwenigsten
von voll bewußten
geistigen Impulsen. Ein guter Teil der drei zuerst
genannten Wissenschaften
kann veröffentlicht und erklärt werden. Aber wenn
nicht durch Âtmâ Vidyâ der
Schlüssel zu ihren Lehren geliefert wird, werden sie
für immer wie die Fragmente
eines verstümmelten Textbuches bleiben, wie die
Schatten großer Wahrheiten,
undeutlich wahrgenommen von den allergeistigsten, aber
aus allen Verhältnissen
verzerrt durch jene, welche jeden Schatten an die Wand
nageln möchten.
[31] Lucifer, May, 1888.
_91 (2 of 2)21:02:33.Kommentar VI
Dann wurde wieder eine große Verwirrung in den
Gemütern der Schüler
hervorgerufen durch die unvollständige Darlegung der
Lehre von der Evolution
der Monaden. Um vollständig
realisiert zu werden, müssen sowohl dieser
Prozeß wie der der Geburt der
Globen viel mehr von ihrem metaphysischen
aspekt aus untersucht werden,
als von dem, was man einen statistischen
Standpunkt nennen könnte, welcher Figuren und Zahlen
in sich begreift, deren
weiter Gebrauch selten gestattet wird.
Unglücklicherweise sind es nur wenige,
die geneigt sind, diese Lehren bloß metaphysisch zu
behandeln. Selbst der beste
der westlichen Schriftsteller auf dem Gebiete unserer
Lehre erklärt in seinem
Werke, wo er von der Evolution der Monaden spricht,
daß „wir uns auf reine
Metaphysik der Art jetzt nicht einlassen.“ [32] Und in
einem solchen Falle, wie der
Lehrer in einem Briefe an ihn bemerkt: „Wozu dieses
Predigen unserer Lehren,
all dieses Berganklimmen
und Gegenstromschwimmen? Wozu soll der
Westen lernen
vom Osten das, was niemals den Anforderungen der
speziellen Geschmacksrichtungen der Ästhetik
entsprechen kann? Und er lenkt
die Aufmerksamkeit seines Korrespondenten „auf die
schrecklichen
Schwierigkeiten,
auf die wir (die Adepten) bei jedem Versuche stoßen, den wir
machen, um unsere Metaphysik dem westlichen Denken zu
erklären.“
Und da mag er wohl; denn außerhalb
der Metaphysik ist keine occulte
Philosophie, keine Esoterik
möglich. Es ist das gerade so, als wollte man
versuchen, Sehnsucht und
Neigung, Liebe und Haß, das verborgenste und
heiligste Wirken in Seele und
Gemüt eines lebenden Menschen durch
anatomische Beschreibung des Brustkastens und Gehirnes
seines toten Körpers
zu erklären.
Laßt uns nun zwei Sätze untersuchen, die oben erwähnt,
aber im
Geheimbuddhismus kaum gestreift wurden, und sie, soweit es in unserer Macht
liegt, ergänzen.
[32] Esoteric Buddhism (5th
ed.), p. 46.
_93a21:02:34.Kommentar VI
ERGÄNZENDE THATSACHEN UND ERKLÄRUNGEN BETREFFS DER
GLOBEN
Zwei Behauptungen, die in dem oben genannten Werke
gemacht sind, müssen
beachtet und die Ansichten des Verfassers angeführt
werden. Die erste lautet
wie folgt:
Die geistigen Monaden vollenden nicht vollständig ihre
mineralischen
Existenz auf Kugel A, vollenden sie dann auf Kugel B,
und so fort. Sie
durchlaufen mehreremal den ganzen Kreislauf als
Minerale, und dann wieder
mehreremal herum als Pflanzen, und mehreremal als
Tiere. Wir unterlassen
es für diesmal absichtlich, auf Zahlen einzugehen,
u.s.w., u.s.w. [33]
Das war weise, diesen Weg einzuschlagen, angesichts
der großen
Zurückhaltung, die in Bezug auf Figuren und Zahlen
bewahrt wurde. Diese
Verschwiegenheit ist jetzt teilweise verlassen worden;
aber es wäre vielleicht
besser gewesen, wenn die richtigen Zahlen in Bezug auf
die Runden und
Entwicklungskreisläufe damals entweder vollständig
veröffentlicht oder gänzlich
zurückgehalten worden wären. Herr Sinnett begriff
diese Schwierigkeit wohl, als
er sagte:
Aus Gründen, die für den
Außenstehenden nicht leicht zu erraten sind, geben
die Besitzer des occulten
Wissens ganz besonders ungern numerische Daten
in Bezug auf Kosmogonie, obwohl es für den
Uninitiierten schwer zu verstehen
ist, warum dieselben zurückgehalten werden sollen.
[34]
Daß solche Gründe vorhanden waren, ist einleuchtend.
Nichtsdestoweniger sind
dieser Verschwiegenheit die meisten konfusen Ideen
einiger östlicher sowohl als
westlicher Schüler zuzuschreiben. Die Schwierigkeiten
auf dem Wege zur
Annahme der besonderen in Betracht kommenden Lehrsätze
erschienen groß,
gerade wegen des Fehlens aller Daten, auf die man sich
hätte stützen können.
Aber das war es eben. Denn, wie die Meister oft
erklärt haben, Figuren, die zu
den occulten Berechnungen gehören, können nicht
gegeben werden – außerhalb
des Kreises der verpflichteten Chelâs, und selbst
diese können die Regeln nicht
brechen.
Um die Dinge klarer zu machen,
kann, ohne die mathematischen Aspekte der
Lehre zu berühren, der gegebene
Unterricht erweitert und können einige dunkle
punkte aufgehellt werden. Da
die Entwicklung der Globen und die der Monaden
so eng verknüpft sind, wollen wir aus den beiden
Lehren eine einzige machen.
_93b (1 of 2)21:02:34.Kommentar VI
In Bezug auf die Monaden wird der Leser ersucht, sich
vor Augen zu halten, daß
die östliche Philosophie das westliche theologische
Dogma von einer für jedes
neugeborene Kind neu geschaffenen Seele verwirft, da
es ebenso
unphilosophisch als in der Ökonomie der Natur
unmöglich ist. Es muß eine
begrenzte Anzahl von Monaden sein, die sich entwickeln
und zu immer größerer
Vollkommenheit heranwachsen,
indem sie in jedem neuen Manvantara viele
aufeinanderfolgende
Persönlichkeiten sich assimilieren. Das ist unbedingt
notwendig angesichts der
Lehren von Wiedergeburt und Karma, und der
stufenweisen Rückkehr der
menschlichen Monade zu ihrer Quelle – der
absoluten Gottheit. Somit
sind die Scharen der mehr oder weniger
vorgeschrittenen Monaden zwar fast unberechenbar, aber
doch endlich, wie alles
in diesem Weltall der
Differentation und Endlichkeit.
Wie in dem doppelten Diagramm
der menschlichen Prinzipien und der
aufsteigenden Globen der
Weltenketten [35] gezeigt ist, besteht eine ewige
Verkettung con Ursachen und
Wirkungen, und eine vollkommene Analogie,
welche durch alle Linien der
Evolution hindurchläuft und sie miteinander
verbindet. Eins erzeugt das andere – Globen wie
Persönlichkeiten. Aber fangen
wir beim Anfange an.
Der allgemeine Umriß des Prozesses, durch den die
aufeinanderfolgenden
Planetenketten gebildet werden, ist soeben gegeben
worden. Um zukünftigen
Missverständnissen vorzubeugen, sollen einige weitere
Einzelnheiten gebracht
werden, die auch Licht auf die Geschichte der
Menschheit auf unserer eigenen
Kette, der Nachkommenschaft von
der des Mondes, werfen wird.
[33] Op. cit., p.49.
[34] Op. cit., p.140.
[35] Oben p. 177.
_93b (2 of 2)21:02:34.Kommentar VI
In dem gegenüberstehenden Diagramm stellt Fig. 1. die
Mondkette von sieben
Globen am Anfang ihrer siebenten oder letzten Runde
dar; während Fig. 2. die
zukünftige, aber noch nicht in Existenz getretene
Erdkette darstellt. Die sieben
Globen einer jeden Kette sind in ihrer cyklischen
Reihenfolge unterschieden
durch die Buchstaben A bis G; die Globen der Erdkette sind
ferner bezeichnet
mit einem Kreuze (+), dem Symbol der Erde.
Nun muß daran erinnert werden, daß die Monaden in
ihrem Kreislauf um irgend
eine siebenfältige Kette sich in sieben Klassen oder
Hierarchien teilen, je nach
ihren betreffenden Zuständen
von Entwicklung, Bewußtsein und Verdienst.
Verfolgen wir nun die Ordnung
ihres Erscheinens auf Kugel A, in der ersten
Runde. Die Zeiträume zwischen
den Erscheinungen dieser Hierarchieen auf
irgend einem Globus sind so
bemessen, daß, wenn Klasse 7, die letzte, auf
Globus A erscheint, Klasse 1, die erste, gerade auf
Globus B übergegangen ist;
und so weiter, Schritt um Schritt, rund um die Kette.
Hinwieder, in der siebenten Runde der Mondkette, wenn
Klasse 7, die letzte,
Globus A verläßt, so beginnt dieser Globus, statt in
Schlaf zu versinken, wie er
es in früheren Runden gethan,
zu sterben (in seinen planetarischen Pralaya
einzugehen); [36] und im
Sterben überträgt er der Reihe nach, wie soeben
gesagt, seine Prinzipien,
oder Lebenselemente und Energie, etc., eines nach
dem andern, nach einem neuen Layacentrum, welches die
Bildung von Globus A
der Erdkette beginnt. Ein ähnlicher Prozeß findet für
jeden der Globen der
Mondkette statt, einem nach dem andern, indem jeder
einen neuen Globus der
_95 (1 of 3)21:02:35.Kommentar VI
Erdkette bildet.
Unser Mond war der vierte Globus der Reihe, und war
auf derselben
Wahrnehmungsebene als unsere Erde. Aber Globus A der
Mondkette ist nicht
vollständig „tot“, bevor nicht die ersten Monaden der
ersten Klasse von Globus G
oder Z, dem letzten der Mondkette, in das Nirvâna
übergegangen sind, welches
sie zwischen den beiden Ketten erwartet; und ähnliches
gilt wie gesagt für alle
die anderen Globen, indem ein jeder die Geburt des
entsprechenden Globus der
Erdkette veranlaßt.
Ferner, wenn Globus A der neuen Kette fertig ist, so
inkarniert sich die erste
Klasse oder Hierarchie von der Mondkette auf ihm in
dem niedersten Reiche,
und so weiter der Reihe nach. Das Resultat davon ist,
daß bloß die erste Klasse
der Monaden den menschlichen Entwicklungszustand
während der ersten Runde
erreicht, indessen die zweite Klasse, auf jedem
Globus, welche später ankommt,
nicht Zeit hat, diese Stufe zu erreichen. Somit
erreichen die Monaden der Klasse
2 den Anfang der menschlichen Stufe erst in der
zweiten Runde, und so fort bis
hinauf zur Mitte der vierten Runde. Aber an diesem
Punkt – und in dieser vierten
Runde, in der die menschliche Stufe vollständig entwickelt
sein wird – schießt
sich das „Thor“ zum Menschenreich; und von da an ist
die Zahl der
„menschlichen“ Monaden, d. h. der Monaden auf
der menschlichen Stufe der
Entwicklung abgeschlossen. Denn die Monaden, welche
die menschliche Stufe
bis zu diesem Augenblick nicht erreicht haben, werden
sich, eben wegen der
Entwicklung der Menschheit selbst, so weit hinten
befinden, daß sie die
menschliche stufe erst am Schlusse der siebenten und
letzten Runde erreichen
werden. Sie werden daher auf dieser Kette keine
Menschen sein, sondern die
Menschheit eines zukünftigen Manvantara bilden, und
dadurch belohnt werden,
daß sie „Menschen“ auf einer höheren Kette werden,
wodurch sie ihre karmische
Entschädigung erhalten.
Hierin giebt es bloß eine einzige Ausnahme, und
zwar aus sehr guten Gründen,
von der wir später sprechen werden.
Das aber erklärt den Unterschied in den Rassen.
Es wird somit klar, wie vollkommen die Analogie
zwischen den Naturvorgängen
im Kosmos und im individuellen Menschen ist. Der
letztere durchlebt seinen
Lebenscyklus und stirbt. Seine höheren Prinzipien, die
in der Entwicklung einer
Planetenkette den ihren Kreislauf durchmachenden
Monaden entsprechen,
_95 (2 of 3)21:02:35.Kommentar VI
gehen in Devachan ein, entsprechend dem Nirvâna und
den Ruhezuständen, die
zwischen zwei Ketten liegen. Die niederen Prinzipien des
Menschen werden mit
der Zeit desintegriert, und von der Natur wiederum zur
Bildung neuer
menschlicher Prinzipien verwendet; derselbe Vorgang
findet auch statt bei der
Desintegration und Bildung von Welten. Analogie ist
somit der sicherste Führer
zum Verständnis der occulten Lehren.
Dies ist eines von den „sieben Geheimnissen“ des
Mondes, und es ist jetzt
enthüllt. Die sieben „Geheimnisse“ heißen bei den
japanischen Yamabooshis, bei
den Mystikern der Lao-Tzesekte und den asketischen
Mönchen von Kioto die
Dzenodoo – die „sieben Juwelen“; nur sind die
japanischen und chinesischen
buddhistischen Asketen womöglich noch zurückhaltender,
ihr „Wissen“
herauszugeben, als die Hindûs.
[36] Der Occultismus teilt
die Perioden der Ruhe (Pralaya) in verschiedene
Gattungen: da ist der individuelle
Pralaya eines jeden Globus, wenn
Menschheit und Leben auf den
nächsten übergehen – also sieben kleinere
Pralayas in jeder Runde; der planetarische
Pralaya, wenn sieben Runden
vollendet sind; der solare
Pralaya, wenn das ganze System an seinem Ende
steht; und schließlich der universelle Pralaya,
Mahâ oder Brahmâ Pralaya, am
Schlusse eines Zeitalters des Brahmâ. Dies sind die
Hauptpralayas oder
„Zerstörungsperioden“. Es giebt noch viele kleinere,
aber mit diesen haben wir
uns gegenwärtig nicht zu befassen.
_95 (3 of 3)21:02:35.Kommentar VI
Aber wir dürfen den Leser die Monaden nicht aus den
Augen verlieren lassen
und er muß über die Natur derselben aufgeklärt werden,
soweit das gestattet ist,
ohne das Gebiet der höchsten Mysterien zu betreten,
deren letztes und
endgültiges Wort zu kennen die Schreiberin auf
keinerlei Weise behauptet.
Die monadische Schar kann ungefähr in drei große
Klassen eingeteilt werden:
1. Die am meisten entwickelten Monaden – die lunaren
Götter oder „Geister“, in
Indien die Pitris genannt – deren Beruf es ist, in der
ersten Runde den ganzen
dreifachen Cyklus der mineralischen, pflanzlichen und
tierischen Reiche in ihren
ätherischesten, dünnsten und rudimentärsten Formen zu
durchlaufen, um sich
darin zu kleiden und sich die Natur der neugebildeten
Kette zu assimilieren. Sie
sind jene, die zuerst die menschliche Form erreichen –
wenn von einer Form im
Gebiete des nahezu Subjektiven die Rede sein kann –
auf Kugel A in der ersten
Runde. Sie sind es daher, welche das menschliche
Element während der
zweiten und dritten Runde leiten und repräsentieren,
und schließlich beim
Beginne der vierten Runde ihre Schatten für die zweite
Klasse, oder jene, die
nach ihnen kommen, evolvieren.
2. Jene Monaden, welche die menschliche Stufe zuerst
während der
dreiundeinhalb Runden erreichen, und „Menschen“
werden.
3. Die Nachzügler, die Monaden, welche sich verspätet
haben, und die wegen
karmischer Hindernisse die menschliche Stufe in diesem
Cyklus der Runde
überhaupt nicht erreichen werden, mit einer einzigen
Ausnahme, von der
anderwärts die Rede sein wird, wie bereits
versprochen.
Wir waren oben gezwungen, das irreführende Wort
„Menschen“ zu gebrauchen,
und das ist ein klarer Beweis dafür, wie wenig irgend
eine europäische Sprache
geeignet ist, so feine Unterscheidungen auszudrücken.
Es ist einleuchtend, dass diese „Menschen“ nicht den
Menschen von heutzutage
glichen, weder an Form noch an Natur. Warum dann, kann
gefragt werden, sie
überhaupt „Menschen“ nennen? Weil es in keiner
westlichen Sprache einen
anderen Ausdruck giebt, der die beabsichtigte Idee
annähernd wiedergiebt. Das
Wort „Menschen“ zeigt wenigstens an, daß diese Wesen „Manus“
waren,
denkende Wesenheiten, wie sehr sie auch an Form und
Denkfähigkeit von uns
verschieden waren. Aber in Wirklichkeit waren sie, in
Bezug auf Geistigkeit und
Denkfähigkeit vielmehr „Götter“ als „Menschen“.
_97 (1 of 3)21:02:35.Kommentar VI
Dieselbe Sprachschwierigkeit begegnet uns bei der
Beschreibung der „Stufen“,
welche die Monade emporsteigt. Metaphysisch gesprochen
ist es natürlich eine
Sinnwidrigkeit, von „Entwicklung“ einer Monade zu
sprechen, oder zu sagen,
dass sie zum „Menschen“ wird. Aber jeder
Versuch, metaphysische Genauigkeit
der Rede einzuhalten, beim Gebrauch einer solchen
Sprache, wie der unseren,
würde mindestens drei weitere Bände dieses Werkes
notwendig machen, und
würde einen Aufwand von Wortwiederholungen nach sich
ziehen, der bis zum
äußersten ermüdend wäre. Es ist einleuchtend, daß eine
Monade weder
vorwärtsschreiten noch sich entwickeln, oder auch nur
durch die Wechsel der
Zustände, durch die sie hindurchgeht, affiziert werden
kann. Sie ist nicht von
dieser Welt oder Ebene, und kann nur einem unzerstörbaren Stern göttlichen
Lichts und Feuers verglichen werden, der auf unsere
Erde herabgeworfen ist, als
eine Rettungsplanke für die Persönlichkeiten, in denen
er wohnt. Es ist Sache
der letzteren, sich an dieselbe zu klammern, und, also
teilnehmend an seiner
göttlichen Natur, Unsterblichkeit zu erlangen. Sich
selbst überlassen, wird sich
die Monade an niemanden klammern, sondern, wie die
Planke, zu einer anderen
Inkarnation fortgetrieben
werden von dem rastlosen Strome der Evolution.
Nun wird die Evolution der äußeren
Form, oder des Körpers, um die astrale
herum, durch die irdischen
Kräfte bewirkt, ebenso wie es in den niederen
Reichen der Fall ist; aber die Evolution des inneren,
oder wirklichen, Menschen
ist rein geistig. Es ist jetzt nicht mehr ein
Durchgehen der unpersönlichen
Monade durch viele und verschiedene Formen der Materie
– begabt im besten
Falle mit Instinkt und Bewußtsein auf einer ganz
anderen Ebene – wie im Falle
der äußeren Evolution, sondern eine Reise der
„Pilgerseele“ durch verschiedene
Zustände nicht
bloß der Materie, sondern des Selbstbewußtseins und der
Selbstwahrnehmung, oder der Wahrnehmung aus bewußter
Auffassung. Die
Monade taucht aus ihrem Zustande geistiger und
intellektueller Unbewusstheit
empor; und, die beiden ersten Ebenen – die zu nahe dem
Absoluten sind, als
daß sie irgend welche Wechselbeziehung mit etwas auf
einer niedrigeren Ebene
zuließen – überspringend, begiebt sie sich direkt auf
die Ebene der
Gedankenthätigkeit. Aber es giebt keine Ebene im
ganzen Universum mit einem
breiteren Rand – und weiteren Thätigkeitsgebiet, mit
solchen fast endlosen
Abstufungen der perzeptiven und apperzeptiven
Eigenschaften, als diese
Ebene, die ihrerseits wieder eine angemessene kleinere
Ebene für jede „Form“
hat, von der mineralischen Monade aufwärts bis zu der
Zeit, wenn diese Monade
durch Entwicklung zur göttlichen Monade erblüht. Aber
alle diese Zeit hindurch
ist sie doch eine und dieselbe Monade, deren
Unterschiede bloß in ihren
Inkarnationen liegen, während ihrer beständig
aufeinanderfolgenden Cyklen von
teilweiser oder gänzlicher Verdunkelung des Geistes,
oder teilweiser oder
_97 (2 of 3)21:02:35.Kommentar VI
gänzlicher Verdunkelung des Stoffes – zwei polaren
Gegensätzen – je nachdem
sie emporsteigt in die Gebiete innerlicher
Spiritualität, oder hinabsteigt in die
Tiefen der Materialität.
Kehren wir zum Esoteric
Buddhism zurück. Die zweite Behauptung bezieht sich
auf die enorme Periode, welche zwischen die
mineralische Epoche auf Kugel A
und die Menschenepoche zu liegen kommt, wobei der
Ausdruck
„Menschenepoche“ verwendet wird, weil es notwendig
ist, jenem vierten Reiche,
welches auf das Tierreich folgt, einen Namen zu geben,
obwohl in Wahrheit der
Mensch auf Kugel A, während der ersten Runde, kein
Mensch, sondern bloß sein
Urbild, oder dimensionsloses Bild, aus den
Astralregionen ist. Der Satz lautet
folgendermaßen:
Die volle Entwicklung der mineralischen Epoche auf
Kugel A bereitet den Weg
für die vegetabilische
Entwicklung, und sobald diese beginnt, strömt der
mineralische Lebensimpuls auf
Kugel B über. Sodann, wenn die
vegetabilische Entwicklung
auf Kugel A vollendet ist und die animalische
Entwicklung beginnt, so strömt der vegetabilische
Lebensimpuls auf Kugel B
über und der mineralische geht auf Kugel C weiter.
Schließlich kommt der
menschliche Lebensimpuls nach Kugel A. [37]
Und so geht es weiter durch drei Runden, um sodann
nachzulassen, und
schließlich an der Schwelle unserer Kugel, in der
vierten Runde, aufzuhören; weil
die menschliche Periode (die des wahren physischen
Menschen der Zukunft), die
siebente, jetzt erreicht ist.
Das ist klar, denn wie gesagt:
Es giebt
Entwicklungsvorgänge, die dem mineralischen Reiche
vorangehen, und so geht eine
Woge der Entwicklung, sogar verschiedene
Wogen der Entwicklung, der mineralischen Woge in ihrem
Fortschreiten rund
um die Sphären voran. [38]
[37] pp.48, 49.
[38] Ebendaselbst.
_97 (3 of 3)21:02:35.Kommentar VI
Und nun haben wir einen anderen Artikel, „die
mineralische Monade“, aus Five
Years of Theosophy zu citieren:
Es giebt sieben Reiche. Die erste Gruppe umfasst drei
Stufen von
Elementalen, oder im Entstehen begriffenen
Kraftcentren – von der ersten
Stufe der Differentiation von (aus) Mûlaprakriti (oder
vielmehr Pradhâna,
ursprünglicher gleichartiger Materie) an bis zum
dritten Grade derselben – d.
h. von vollständiger Unbewußtheit bis zum halben
Empfindungsvermögen; die
zweite oder höhere Gruppe umfaßt die Reiche vom
Pflanzenreiche bis zum
Menschen; das Mineralreich bildet somit den Central-
oder Wendepunkt
innerhalb der stufen der „Monadischen Wesenheit“,
betrachtet als eine sich
entwickelnde Energie. Drei (subphysische) Stufen auf
der elementalen Seite;
das Mineralreich; drei Stufen auf der objektiven
physischen [39] Seite – das
sind die (ersten oder vorläufigen) sieben Glieder der
Evolutionskette. [40]
„Vorläufig“ heißen sie, weil sie vorbereitend sind;
und, obwohl sie thatsächlich
der natürlichen Entwicklung angehören, würden sie
korrekter als die
unternatürliche Evolution bezeichnet werden. Dieser
Vorgang macht auf seiner
Stufenleiter Halt bei der dritten, an der Schwelle der
vierten Stufe, wo er, auf der
Ebene der natürlichen Entwicklung, zum ersten
thatsächlich in der Richtung zum
Menschen gelegenen Stadium wird, und somit mit den
drei elementalen Reichen
die Zehn, die sephirotische Zahl bildet. An diesem
Punkt beginnt:
Ein Herabsteigen des Geistes in die Materie, dem ein
Emporsteigen in der
physischen Entwicklung entspricht; ein
Wiederaufsteigen aus den tiefsten
Tiefen der Materialität (des Minerals) gegen den status
quo ante, mit einer
entsprechenden Verflüchtigung des konkreten Organismus
– aufwärts zu
Nirvâna, dem Verschwindungspunkt der differentiierten
Materie. [41]
So wird es einleuchtend,
warum das, was im Esoteric Buddhism treffend
„Entwicklungswoge“ und
„mineralischer, vegetabilischer, animalischer und
Menschen-Impuls“ genannt
wird, an der Thüre unseres Globus, bei seinem
vierten Cyklus oder Runde,
stille hält. An diesem punkte wird die kosmische
Monade (Buddhi) dem âtmischen Strahle vermählt und zu
seinem Vehikel; d. h.
Buddhi wird zu einer bewußten Wahrnehmung von ihm
(Âtman) erwachen, und
betritt damit die erste Sprosse einer neuen
siebenfältigen Leiter der Evolution,
die sie vielleicht zur zehnten, von der niedrigsten
nach aufwärts gezählt, des
sephirotischen Baumes, zur Krone, führen wird.
Alles im Weltall folgt der Analogie. „Wie oben, so
unten“; der Mensch ist der
_99 (1 of 3)21:02:36.Kommentar VI
Mikrokosmos des Universums. Was auf der geistigen Ebene
stattfindet,
wiederholt sich auf der kosmischen Ebene. Konkretion
folgt den Spuren der
Abstraktion; dem Höchsten muß das Niederste
entsprechen, das Materielle dem
Geistigen. So entsprechen der sephirotischen Krone,
oder oberen Triade, die
drei elementalen Reiche, die dem mineralischen
vorhergehen, [42] und welche,
um die Sprache der Kabbalisten zu gebrauchen, in der
kosmischen
Differentiation den Welten von Form und Stoff, von der
übergeistigen bis zur
urbildlichen, entsprechen.
Das ist nun eine Monade? Und in welcher Beziehung
steht sie zu einem Atom?
Die folgende Erklärung beruht auf den Erklärungen, die
als Antwort auf diese
Fragen in dem oben citierten Artikel, „die
mineralische Monade“, geschrieben von
der Verfasserin, gegeben wurden. Auf die zweite Frage
wurde geantwortet:
Durchaus in keiner zu dem Atome oder dem Moleküle, wie
es gegenwärtig in
der wissenschaftlichen
Vorstellung existiert. Sie kann weder mit den
mikroskopischen Organismen
verglichen werden, die einst unter die
polygastrischen Infusorien
klassifiziert wurden und jetzt für vegetabilisch
gehalten und unter die Algen
gezählt werden; noch ist sie genau die Monas
der Peripatetiker. Physisch
oder konstitutionell unterscheidet sich die
mineralische Monade natürlich
von der menschlichen Monade, welche nicht
physisch ist, und deren Konstitution durch chemische
Symbole und Elemente
nicht dargestellt werden kann. [43]
[39] „Physisch“ bedeutet hier differentiiert für
kosmische Zwecke oder Werke;
diese „physische Seite“ ist nichtsdestoweniger,
wenn auch objektiv für die
Wahrnehmung von Wesen höherer
Ebenen, für uns auf unserer Ebene ganz
subjektiv.
[40] P. 276ff.
[41] Ebendaselbst.
[42] Siehe Diagramm, op. cit.,
p. 277.
[43] Op. cit., pp.
273-274.
_99 (2 of 3)21:02:36.Kommentar VI
_99 (3 of 3)21:02:36.Kommentar VI
Kurz gesagt, ebenso wie die geistige Monade Eine,
universal, grenzenlos und
ungeteilt ist, obwohl ihre Strahlen das bilden, was
wir in unserer Unwissenheit die
„individuellen Monaden“ der Menschen nennen, so ist
auch die mineralische
Monade – die sich auf der entgegengesetzten Krümmung
des Zirkels befindet –
auch Eine, und aus ihr gehen die zahllosen physischen
Atome hervor, welche die
Wissenschaft als
individualisiert zu betrachten anfängt.
Wie anders könnte man dem evolutionellen
und spiralen Fortschritte unserer
vier Reiche gerecht werden
und denselben mathematisch erklären? Die
Monade ist die Verbindung der
letzten zwei Prinzipien im Menschen, des
sechsten und siebenten, und
genau gesprochen bezeichnet der Ausdruck
„menschliche Monade“ bloß die
duale Seele (Âtma-Buddhi), nicht allein ihr
höchstes geistiges belebendes
Prinzip Âtmâ. Nachdem aber die geistige
Seele, wenn sie von letzterem
(Âtmâ) getrennt ist, keine Existenz, kein Sein
haben könnte, so wurde sie
also benannt . Nun ist die monadische, oder
vielmehr kosmische Wesenheit, wenn ein solcher
Ausdruck im mineralischen,
vegetabilischen und
animalischen gestattet ist, obwohl sie durch alle Reihen
der Entwicklung, vom
niedersten elementalen bis zum Devareiche, dieselbe
ist, doch dem Maßstabe des
Fortschreitens nach verschieden. Es wäre sehr
irreführend, sich eine Monade
als eine getrennte Wesenheit vorzustellen, die
sich langsamen Weges auf
einem bestimmten Pfade durch die niederen
Reiche dahinschleppt, und
nach unermesslichen Reihen von Wandlungen zu
einem menschlichen Wesen
erblüht; kurz, dass die Monade eines Humboldt
auf die Monade eines Atoms
Hornblende zurückdatiert. Statt zu sagen: eine
„mineralische Monade“, wäre
die korrektere Ausdrucksweise der
physikalischen Wissenschaft,
die jedes Atom differenziert, natürlich die
gewesen, sie als „die Monade, die sich in jener Form
von Prakriti manifestiert,
welche das Mineralreich genannt wird,“ zu bezeichnen.
Das Atom, wie es in der gewöhnlichen
wissenschaftlichen Hypothese
dargestellt wird, ist nicht ein Teil eines Etwas, der
von einem psychischen
Etwas belebt wird, bestimmt, nach Äonen in einen
Menschen
aufzublühen.
Aber es ist eine konkrete
Manifestation der universellen Energie, die
selber noch nicht
individualisiert worden ist; eine folgemäßige
Manifestation der einen
universellen Monade. Der Ocean der Materie teilt
sich nicht in seine möglichen
und ihn zusammensetzenden Tropfen,
bevor nicht die Schwingung
des Lebensimpulses die Entwicklungsstufe
_01 21:02:37.Kommentar VI
des Menschengeschlechtes
erreicht.
Die Neigung zur Trennung in
individuelle Monaden nimmt stufenweise zu, und
in den höheren Tieren kommt sie
fast zu Ende. Die Peripatetiker wendeten
das Wort Monas auf den ganzen Kosmos
an, im pantheistischen Sinne; und
die Occultisten, während sie diese Idee der
Bequemlichkeit halber aufnehmen,
unterscheiden die fortschreitenden Stufen der
Evolution des Konkreten aus
dem Abstrakten mit Ausdrücken, von denen die
„mineralische, vegetabilische,
animalische Monade“ Beispiele
sind. Das Wort bedeutet einfach, daß die
Flutwelle geistiger
Entwicklung gerade diesen Bogen ihres Umlaufes
durchläuft. Die „monadische
Wesenheit“ beginnt sich im Pflanzenreich
unmerklich in der Richtung nach individuellem
Bewußtsein zu differenzieren.
Da sie Monaden unzusammengesetzte Dinge sind, wie
Leibniz richtig
definierte, so ist es die geistige Wesenheit, die sie
in ihren Abstufungen der
Differentiation belebt, wodurch die Monade eigentlich
gebildet wird – nicht
durch atomistische Aggregation, welche bloß das
Vehikel und die Substanz
ist, durch welche die niederen und höheren Grade von
Intelligenz
durchdringen. [44]
Leibniz betrachtete die Monaden als elementare und
unzerstörbare Einheiten,
versehen mit der Macht, in bezug auf andere Einheiten zu
geben und zu
empfangen,
und so alle geistigen und körperlichen Phänomene zu veranlassen.
Er ist es, der den Ausdruck Apperception erfand, der
zugleich mit Nerven- (nicht
Perception, sondern vielmehr) Sensation, den monadischen
Bewußtseinszustand
durch alle die Reiche hinauf bis zum Menschen
bezeichnet.
So mag es falsch sein, nach streng metaphysischen
Regeln, Âtmâ-Buddhi eine
Monade zu nennen, da nach materialistischer
Betrachtungsweise sie dual und
daher zusammengesetzt ist. Aber sowie Materie Geist
ist, und umgekehrt; und
nachdem das Weltall und die dasselbe beseelende
Gottheit undenkbar sind als
getrennt von einander; so ist es auch der Fall mit
Âtmâ-Buddhi. Die letztere ist
das Vehikel des ersteren, so daß Buddhi im selben
Verhältnis zu Âtmâ steht, wie
Adam Kadmon, der kabbalistische
Logos, zu Ain Suph, oder Mûlaprakriti zu
Parabrahman.
Und nun noch einige Worte über
den Mond.
Was sind, so mag gefragt
werden, die „lunaren Monaden“, von denen eben die
Rede war? Die Beschreibung der sieben Klassen der
Pitris wird später erfolgen,
aber jetzt mögen einige
allgemeine Erklärungen gegeben werden. Es muß
jedermann klar sein, dass sie
Monaden sind, welche, nachdem sie ihren
Lebenscyklus auf der
Mondkette, die niedriger ist als die Erdkette, beendet
_01 (2 of 4)21:02:37.Kommentar VI
haben, auf der letzteren sich inkarniert haben. Hier
hätten wir aber noch einige
weitere Einzelnheiten hinzuzufügen, obwohl sie zu nahe
an verbotenes Gebiet
angrenzen, als dass sie vollständig behandelt werden
könnten. Das letzte Wort
des Mysteriums wird bloß Adepten mitgeteilt; es kann
aber festgestellt werden,
dass unser Satellit bloß der grobe Körper seiner
unsichtbaren Prinzipien ist. Wie
wir sehen, dass es sieben Erden giebt, so giebt es
auch sieben Monde, von
denen bloß der letzte sichtbar ist; dasselbe gilt von
der Sonne, deren sichtbarer
Körper eine Mâyâ genannt wird, eine Reflexion, gerade
so wie es der Körper des
Menschen ist.
„Die wirkliche Sonne und der wirkliche Mond sind ebenso
unsichtbar wie der wirkliche Mensch“, sagt ein
occulter Spruch.
Es mag im Vorbeigehen bemerkt werden, daß nach alledem
jene Alten noch so
verrückt waren, die zuerst die Idee von den „sieben
Monden“ in Umlauf setzten.
Denn obwohl diese Vorstellung jetzt bloß als ein
astronomisches Zeitmaß
betrachtet wird, in einer sehr materialisierten Form,
so können doch unter der
Schale liegend noch die Spuren einer tief
philosophischen Idee verfolgt werden.
In Wirklichkeit ist der Mond bloß in einer Hinsicht
ein Satellit der Erde, nämlich in
der, daß physisch der Mond um die Erde umläuft. Aber
in jeder anderen
Beziehung ist es die Erde, die der Satellit des Mondes
ist, und nicht umgekehrt.
So verblüffend die Behauptung erscheinen mag, ist sie
doch nicht ohne
Bestätigung seitens der Wissenschaft.
Sie wird augenscheinlich gemacht durch die Gezeiten,
durch die cyklischen
Wechsel in vielen Krankheitsformen, die mit den
Mondphasen zusammenfallen;
sie kann verfolgt werden im
Wachstum der Pflanzen, und sie ist sehr
hervortretend in den
Erscheinungen der menschlichen Empfängnis und
Schwangerschaft. Die
Bedeutung des Mondes und sein Einfluß auf die Erde
wurden in jeder alten
Religion anerkannt, insbesondere in der jüdischen, und
wurde von vielen Beobachtern psychischer und
physischer Phänomene bemerkt.
Hingegen ist, soweit der Wissenschaft bekannt ist, die
Einwirkung der Erde auf
den Mond auf die physische Anziehung beschränkt, die
denselben zum
Durchlaufen seiner Bahn zwingt. Und sollte ein Gegner
einwenden, daß diese
Thatsache allein genügender Beweis dafür ist, dass der
Mond wahrhaftig der
Trabant der Erde auch auf anderen Wirkungsebenen sie,
so kann man ihm mit
der Frage entgegnen, ob eine Mutter, die immer um die
Wiege ihres Kindes
umhergeht, um über dasselbe Wache zu halten, ihrem
Kinde untergeordnet und
von ihm abhängig ist? Obwohl sie in einem Sinn sein
Satellit ist, so ist sie doch
sicherlich älter und vollständiger entwickelt, als das
Kind, das sie bewacht.
_01 (3 of 4)21:02:37.Kommentar VI
[44] Op. cit., pp. 274-275.
_01 21:02:37.Kommentar VI
Der Mond ist somit, der die größte und wichtigste
Rolle spielt, sowohl bei der
Bildung der Erde selbst als bei der Bevölkerung
derselben mit menschlichen
Wesen. Die lunaren Monaden, oder Pitris, die Vorfahren
des Menschen, werden
in Wirklichkeit zum Menschen selbst. Sie sind die
Monaden, die in den Kreislauf
der Entwicklung auf Kugel A eintreten, und die, indem
sie die Ketten der Globen
umlaufen, die menschliche Form evolvieren, wie soeben
gezeigt wurde. Am
Anfange der menschlichen Stufe der vierten Runde
dieses Globus lassen sie aus
den „affengleichen“ Formen, die sie in der dritten
Runde evolviert hatten, ihre
astralen Ebenbilder
„heraussickern“.
Und diese subtile, feinere Form
ist es, die als das Modell dient, um welches die
Natur den physischen Menschen
aufbaut. Diese Monaden, oder göttlichen
Funken, sind somit die Mondvorfahren, die Pirtis
selbst; denn diese Mondgeister
sind „Menschen“ geworden, damit ihre Monaden eine
höhere Ebene von
Thätigkeit und Selbstbewußtsein erlangen mögen, d. i.
die Ebene der Mânasa-Putras,
jener, welche die „sinnenlosen“
Schalen, die von den Pitris geschaffen
und beseelt sind, mit „Gemüt“
begaben, in dem letzteren Teile der dritten
Wurzelrasse.
Auf dieselbe Art werden die
Monaden, oder Egos, der Menschen, der siebenten
Runde unserer Erde, nachdem
unsere eigenen Globen A, B, C, D, etc. mit ihrer
Lebensenergie fortgehend andere
Layacentren beseelt und dadurch zum Leben
gerufen haben, bestimmt zu
leben und zu handeln auf einer noch höheren
Daseinsebene – auf dieselbe Art werden die
Erdvorfahren jene schaffen, welche
höher emporgelangen werden als sie selbst.
Es wird nunmehr klar, daß es in der Natur einen
dreifachen Entwicklungsplan für
die Bildung der drei periodischen Upâdhis
giebt; oder vielmehr drei verschiedene
Pläne der Evolution, welche in unserem System an jedem
Punkte unentwirrbar
verwoben und vermengt sind. Es sind dies die
monadische (oder geistige), die
intellektuelle und die physische Evolution. Diese sind
die drei endlichen Aspekte,
oder die Reflexionen auf dem
Felde der kosmischen Illusion, von Âtmâ, dem
siebenten, der Einen
Wirklichkeit.
1. Die Monadische hat, wie der
Name in sich schließt, mit dem Wachstum und
der Entwicklung zu noch höheren Phasen der Thätigkeit
der Monaden zu thun, in
Vereinigung mit:
2. Der Intellektuellen, repräsentiert durch die
Mânasa-Dhyânis (die solaren
_03 (1 of 3)21:02:37.Kommentar VI
Devas, oder die Agnishvatta Pitris), die „Geber von
Intelligenz und Bewußtsein“
für den Menschen, und:
3. Der Physischen, repräsentiert durch die Chhâyâs der
lunaren Pitris, um
welche die Natur den gegenwärtigen physischen Körper
verdichtet hat. Dieser
Körper dient als das Vehikel für das „Wachstum“, um
ein irreführendes Wort zu
gebrauchen, und die – durch Manas, und durch die
Anhäufung von Erfahrungen
ermöglichten – Umwandlungen des Endlichen in das
Unendliche, des
Vergänglichen in das Ewige und Absolute.
Jedes von diesen drei Systemen hat seine eigenen
Gesetze, und ist beherrscht
und geleitet von verschiedenen Gruppen der höchsten
Dhyânis oder Logoi.
Jedes repräsentiert sich in der Konstitution des
Menschen, des Mikrokosmos von
dem großen Makrokosmos; denn die Vereinigung dieser
drei Ströme in ihm ist
es, die ihn zu dem zusammengesetzten Wesen macht, das
er jetzt ist.
Die Natur, die Kraft der physischen Evolution, hätte
niemals ohne Leitung
Intelligenz entwickeln können; sie kann bloß
„sennenlose Formen“ erschaffen,
wie ais unserer Anthropogenesis zu ersehen sein wird.
Die lunaren Monaden
können nicht vorwärtsschreiten, denn sie haben bisher
noch nicht genügende
Berührung mit den von der „Natur“ geschaffenen Formen
gehabt, im ihnen das
Ansammeln von Erfahrungen vermittelst derselben zu
gestatten. Die Mânasa-Dhyânis
sind es, welche die Kluft ausfüllen, und sie
repräsentieren die
evolutionelle Kraft von Intelligenz und Gemüt, dem
Bindeglied zwischen Geist
und Stoff – in dieser Runde.
Man muß sich auch vor Augen halten, daß sie Monaden,
welche in den
evolutionären Cyklus auf Kugel A eintreten, in der
ersten Runde, von sehr
verschiedenem Entwicklungsgrad sind. Dadurch wird die
Sache etwas
kompliziert. Wollen wir übersichtlich zusammenfassen.
Die am meisten entwickelten, die lunaren Monaden,
erreichen den menschlichen
Keimzustand in der ersten Runde; sie werden irdische,
wenn auch sehr
ätherische, menschliche Wesen gegen das Ende der
dritten Runde, bleiben auf
dem Globus während der
„Verdunklungs“periode, als der Samen für die
zukünftige Menschheit in der
vierten Runde, und werden so die Pioniere der
Menschheit am Beginne dieser,
der gegenwärtigen vierten Runde. Andere
erreichen die menschliche Stufe erst während späterer
Runden, nämlich in der
zweiten, dritten oder in der ersten Hälfte der vierten
Runde. Und schließlich
_03 (2 of 3)21:02:37.Kommentar VI
werden die allerverspätetsten – d. i. jene,
welche noch nach dem mittleren
Wendepunkt der vierten Runde tierische Formen
innehaben – überhaupt nicht
Menschen während dieses
Manvantara.
Sie werden zum Rande der
Menschheit erst am Schlusse der siebenten Runde
gelangen, um ihrerseits nach
dem Pralaya von älteren Pionieren, den Vorfahren
der Menschheit, oder der
Samenmenschheit (Shista), nämlich von den
Menschen, welche an der Spitze von allem an der Ende
dieser Runden stehen
werden, in eine neue Kette eingeführt zu werden.
Der Schüler braucht schwerlich eine weitere Erklärung
betreffs der Rolle, welche
die vierte Kugel und die vierte Runde in dem Plane der
Evolution spielt.
_03 (3 of 3)21:02:37.Kommentar VI
Aus den vorhergehenden Diagrammen, welche mutatis
mutandis auf Runden,
Globen und Rassen anwendbar sind, wird man sehen, daß
das vierte Glied einer
Reihe eine Ausnahmsstellung einnimmt. Ungleich den
übrigen, hat die vierte
keine „Schwester“kugel auf derselben Ebene mit ihr selbst,
und bildet somit den
Stützpunkt der „Wage“, die durch die ganze Kette
repräsentiert ist. Sie ist die
Sphäre öder schließlichen evolutionären
Ausgleichungen, die Welt der
karmischen Wage, die Halle der Gerechtigkeit, wo die
Bilanz gezogen wird, die
die zukünftige Laufbahn der Monade während des Restes
ihrer Inkarnationen in
dem Cyklus bestimmt. Und
daher kommt es, dass, nachdem dieser mittlere
Wendepunkt in dem großen
Cyklus überschritten ist – d. h. nach dem
Mittelpunkte der vierten
Rasse in der vierten Runde unseres Globus – keine
Monaden mehr in das Menschenreich eintreten können.
Das Thor ist für diesen
Cyklus geschlossen und die Bilanz gezogen. Denn wäre
es anders – wäre für
jedes der zahllosen Milliarden von Menschenwesen, die
dahingegangen sind,
eine neue Seele erschaffen worden, und hätte es keine
Reinkarnation gegeben –
so würde es in der That schwierig, für die
entkörperten „Geister“ Raum zu
beschaffen; noch könnte der Ursprung und die Ursache
des Leidens jemals
begründet werden. Die Unkenntnis in Bezug auf die
occulten Lehrsätze, und die
Aufzwingung falscher Begriffe unter der Maske
religiöser Erziehung waren es,
die den Materialismus und Atheismus als einen Protest
gegen die angebliche
göttliche Ordnung der Dinge hervorgerufen haben.
Die einzigen Ausnahmen von der soeben festgestellten
Regel bilden die
„stummen Rassen“, deren Monaden bereits auf der
menschlichen Stufe stehen,
kraft der Thatsache, daß diese „Tiere“ später kamen
als der Mensch und selbst
zur Hälfte von ihm abstammen; ihre letzten Abkömmlinge
sind die anthropoiden
und andere Affen. Diese „menschlichen Bilder“ sind in
Wahrheit bloß die
verzerrten Kopieen der ersten Menschheit. Doch dem
wird im folgenden Bande
volle Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Der Kommentar, in großen Zügen wiedergegeben, sagt:
1. Jedes Atom
auf Erden und jeder Punkt (Atom) im Raume strebt in seinem
Drängen nach
Selbst-Bildung dem Vorbild zu folgen, dass ihm im „himmlischen
Menschen“
vorgestellt ist . Seine (des Atoms) Involution und Evolution, sein
äußeres und inneres
Wachsen und Sichentwickeln, haben alle ein und dasselbe
Ziel – den
Menschen; den Menschen, als die höchste physische und letzte Form
auf dieser
Erde; die „Monade“, in ihrer absoluten Totalität und erwachten Zustand
·
als den
Gipfelpunkt der göttlichen Inkarnationen auf Erden.
_05 (1 of 3)21:02:38.Kommentar VI
2. Die
Dhyânis (Pitris) sind jene, welche ihr Bhûta (ihre Abbilder) aus sich selbst
entwickelt
haben, welches Rûpa (Form) das Vehikel von Monaden (siebenten
und sechsten
Prinzipien) geworden ist, welche ihren Wanderungskreislauf in den
drei
vorhergehenden Kalpas (Runden) vollendet haben. Dann wurden sie (die
astralen
Abbilder) die Menschen der ersten menschlichen Rasse der Runde.
Aber sie
waren noch nicht vollständig, und waren sinnenlos.
Dies wird im folgenden erklärt werden. Indessen hat
der Mensch – oder vielmehr
seine Monade auf Erden vom ersten Anfange dieser Runde
an existiert. Aber, bis
herauf zu unserer eigenen fünften Rasse, haben sie
äußeren Gestalten, welche
jene göttlichen astralen Abbilder bedeckten, sich mit
jeder Unterrasse geändert
und konsolidiert; die Form und der körperliche Aufbau
der Fauna änderten sich
zur selben Zeit, da sie den immer wechselnden
Lebensbedingungen auf dieser
Kugel angepaßt werden mußten, während der geologischen
Perioden ihres
Bildungscyklus. Und so werden sie fortfahren, sich mit
jeder Wurzelrasse zu
ändern, und mit jeder Haupt-Unterrasse, hinab
bis zur letzten von der siebenten
in dieser Runde.
3. Der innere, jetzt
verborgene, Mensch war damals (im Anbeginn) der äußere
Mensch. Die Nachkommenschaft der Dhyânis (Pitris), war
er „der Sohn, der
seinem Vater gleicht.“
Wie Lotus, dessen äußere Gestalt stufenweise die Form
des in ihm selbst
befindlichen
Vorbildes annimmt, so entwickelte sich die Form des Menschen im
Beginne von innen nach außen.
Nach dem Cyklus, in welchem der
Mensch begann, seine art nach der Weise des
gegenwärtigen
Tierreiches fortzupflanzen, geschah das Umgekehrte.
Der
menschliche Fötus durchläuft jetzt in seinen Umwandlungen alle Formen,
welche das
körperliche Gerüst des Menschen durch die drei Kalpas (Runden)
annahm, während der versuchsweisen Anstrengungen nach
plastischer
Gestaltung, durch sinnenlose, weil unvollkommene,
Materie, rund um die
Monade auf ihren blinden Wanderungen. Im gegenwärtigen
Zeitalter ist der
körperliche
Embryo eine Pflanze, ein Reptil, ein Tier, bevor er schließlich zum
Menschen
wird, der seinerseits in sich selbst sein eigenes ätherisches Gegenbild
entwickelt.
Im Anbeginn
war es dieses Gegenbild (der Astralmensch), welches, weil
sinnenlos, in
die Maschen der Materie verwickelt wurde.
Aber dieser „Mensch“ gehört der vierten Runde an. Wie
gezeigt, hatte die
Monade während der drei vorhergehenden Runden jede
Übergangsform durch
jedes Naturreich durchlaufen, durchreist und war darin
eingekerkert gewesen.
Aber die Monade, welche menschlich wird, ist nicht
der Mensch. In dieser Runde
·
mit Ausnahme der
höchsten auf den Menschen folgenden Säugetiere, der
_05 (2 of 3)21:02:38.Kommentar VI
Anthropoiden, die bestimmt sind, in dieser unserer
Rasse auszusterben, wo dann
ihre Monaden befreit und in die astralen menschlichen
Formen, oder die
höchsten Elementale der sechsten und siebenten Rasse
übergehen werden, und
hierauf in die niedersten menschlichen Formen der
fünften Runde – werden
keine Einheiten irgend eines der Reiche weiter von
Monaden belebt, die
bestimmt sind, auf ihrer nächsten Stufe menschlich zu
werden, sondern bloß von
den niederen Elementalen ihrer entsprechenden Reiche.
Diese „Elementale“
werden ihrerseits menschliche Monaden werden erst nach
dem nächsten großen
planetarischen Manvantara.
_05 (3 of 3)21:02:38.Kommentar VI
Thatsächlich inkarnierte die letzte menschliche Monade
sich vor dem Beginne
der fünften Wurzelrasse. Die Natur wiederholt sich
niemals; daher haben die
Anthropoiden unserer Zeit niemals existiert seit der
Mitte der Miocänperiode, wo
sie, wie alle Mischrassen, anfingen, eine Neigung zu
zeigen, die im Verlaufe der
Zeit immer ausgeprägter wurde, zum Typus ihres ersten
Ahnen, des riesenhaften
schwarzen und gelben Lemuro-Atlantiers, zurückkehren.
Das „fehlende Glied“ zu
suchen, ist nutzlos.
Für die Gelehrten des
Schlusses der sechsten Wurzelrasse, in Millionen und
Millionen von Jahren von
jetzt ab, werden unsere modernen Rassen, oder
vielmehr deren Fossilien als solche von kleinen
unbedeutenden Affen erscheinen
·
als eine
erloschene Species des Genus Homo.
So bilden die Anthropoiden
eine Ausnahme, weil sie von der Natur nicht
beabsichtigt waren, sondern unmittelbar
Produkt und Schöpfung des
„unvernünftigen“ Menschen
sind. Die Hindûs schreiben den Affen göttliche
Abstammung zu, weil die Menschen der dritten Rasse
Götter von einer anderen
Ebene waren, welche zu „unvernünftigen“ Sterblichen
geworden waren. Dieser
Gegenstand wurde bereits in Isis Unveiled vor
zwölf Jahren berührt, so klar, als
es damals möglich war. Der Leser wird dort auf die
Brâhmanen verwiesen, falls
er die Ursache der Achtung, die dieselben für die
Affen hegen, wissen möchte.
Er (der Leser) würde vielleicht lernen – wenn anders
der Brâhmane ihn einer
Erklärung für würdig erachtet – daß der Hindû im Affen
nur das sieht, was er
nach Manus Wunsch sehen sollte: die Umwandlung von
Arten, die mit der der
Menschenfamilie am direktesten verknüpft sind – einen
Bastardzweig, der
dem eigenen Stamm vor der schließlichen Vollendung des
letzteren
aufgepropft wurde. Er würde ferner lernen, daß in den
Augen den gebildeten
„Heiden“ der geistige oder innere Mensch ein Ding ist,
und sein irdischer
körperlicher Sarg ein anderes.
Jene physische Natur, jene große Zusammensetzung von
Korrelationen
physischer Kräfte, die immer in der Richtung nach
Vollendung dahinschleicht,
muß sich mit dem zur Verfügung stehenden Material
behelfen; sie modelt und
modelt um im Weiterschreiten, und indem sie im
Menschen den Höhepunkt
ihres Wirkens vollendet, bietet sie ihn allein als ein
geeignetes Tabernakel für
die Überschattung des göttlichen Geistes. [45]
Ferner wird ein deutsches wissenschaftliches Werk in
einer Fußnote auf
derselben Seite erwähnt. Dieselbe besagt:
Ein hannoverscher Gelehrter hat neulich ein Werk unter
dem Titel: Über die
_07 (1 of 3)21:02:39.Kommentar VI
Auflösung der Arten durch natürliche Zuchtwahl
veröffentlicht, in welchem er
mit großem Scharfsinn zeigt, daß Darwin vollständig im
Irrtum war, als er den
Menschen auf den Affen zurückführte. Im Gegenteil, er
behauptet, dass der
Affe es war, der sich aus dem Menschen entwickelte.
Er zeigt, daß im Anbeginne die Menschheit moralisch
und physisch Typus und
Vorbild unserer gegenwärtigen
Rasse und unserer Menschenwürde war,
durch ihre Formenschönheit,
Regelmäßigkeit der Gestalt, Entwicklung des
Schädels, Adel der Gefühle,
Heroismus der Impulse, Erhabenheit der idealen
Begriffe. Das ist eine rein
brâhminische, buddhistische und kabbalistische
Lehre. Sein Buch ist
reichlich illustriert mit Diagrammen, Tafeln, etc. Es
behauptet, dass die
stufenweise moralische und physische Erniedrigung und
Abnahme des Menschen leicht durch die ethnonogischen
Umwandlungen bis
auf unsere Zeit herab verfolgt werden kann. Und, wie
ein Teil bereits zu Affen
degeneriert ist, so werden den
Kulturmenschen von heutzutage schließlich,
unter der Wirkung des
unentrinnbaren Gesetzes der Notwendigkeit, eben
solche Abkömmlinge folgen. Wenn
wir die Zukunft nach der wirklichen
Gegenwart beurteilen, so
erscheint es sicherlich als möglich, daß eine derart
ungeistige und materialistische
Rasse eher als Simia enden wird denn als
Seraph.
Obwohl aber die Affen vom
Menschen abstammen, so ist es doch sicherlich nicht
der Fall, daß die menschliche
Monade, welche einmal die Höhe der Menschheit
erreicht hat, jemals wieder in
Form eines Tieres sich verkörpert.
Der Cyklus der „Metempsychose“ ist für die menschliche
Monade geschlossen,
denn wir sind in der vierten Runde und der fünften
Wurzelrasse. Der Leser wird
sich vor Augen zu halten haben – auf jeden Fall ein
solcher, der sich mit dem
Geheimbuddhismus bekannt gemacht hat – daß die Strophen, welche in diesem
und im nächsten Bande folgen, bloß von der Entwicklung
in unserer vierten
Runde sprechen. Die letztere ist der Cyklus des
Wendepunktes, nach welchem
die Materie, die ihre untersten Tiefen erreicht hat,
anfängt, nach aufwärts zu
streben und vergeistigt zu werden, mit jeder neuen
Rasse und mit jedem frischen
Cyklus. Der Schüler möge sich daher in acht nehmen und
nicht dort einen
Widerspruch sehen, wo keiner ist, denn in Esoteric
Buddhism wird von Runden
im allgemeinen gesprochen, während hier bloß die
vierte, oder unsere
gegenwärtige Runde gemeint ist. Damals war es das Werk
der Formung; jetzt ist
es das der Wiederformung und Vervollkommnung durch
Entwicklung.
_07 (2 of 3)21:02:39.Kommentar VI
[45] II. 278-279.
_07 (3 of 3)21:02:39.Kommentar VI
Zum Schlusse müssen wir, um diese Abschweifung
bezüglich verschiedener,
aber unumgänglicher, Missverständnisse zum Abschluß zu
bringen, uns auf eine
Behauptung in Esoteric Buddhism beziehen, die
einen sehr verhängnisvollen
Eindruck auf die Ansichten vieler Theosophen
hervorgebracht hat. Ein
unglücklicher Satz aus dem eben erwähnten Werke wird
beständig vorgebracht,
um den Materialismus der Lehre zu beweisen. Der
Verfasser sagt in Bezug auf
den Fortschritt der Organismen
auf den Globen:
Das Mineralreich wird nicht
mehr das Pflanzenreich entwickeln als die
Erde fähig war, den Menschen
aus den Affen zu entwickeln, bevor sie einen
Impuls empfing. [46]
Ob dieser Satz den Gedanken des
Verfassers buchstäblich wiedergiebt, oder ob
er einfach, wie wir es glauben, ein lapsus calami ist,
mag eine offene Frage
bleiben.
Wir haben wirklich mit Verwunderung die Thatsache
wahrgenommen, daß
Esoteric Buddhism von einigen Theosophen so wenig verstanden wurde, daß sie
durch ihn zu dem Glauben verführt wurden, daß er
durchaus die darwinistische
Evolution unterstütze, und insbesondere die Theorie
von der Abstammung des
Menschen von einem pithekoiden Ahnen. So schreibt ein
Mitglied: „Ich vermute,
daß sie bemerken, daß dreiviertel der Theosophen und
selbst der
Außenstehenden sich einbilden, daß, soweit die Evolution
des Menschen in
Betracht kommt, Darwinismus und Theosophie sich
küssen.“ Nichts von der Art
wurde jemals gedacht, noch ist,
soweit wir wissen, irgend welche große
Berechtigung dazu in Esoteric
Buddhism.
Es wurde wiederholt festgestellt,
daß die Evolution, wie sie von Manu und Kapila
gelehrt wurde, die Grundlage
der modernen Lehren war; aber weder Occultismus
noch Theosophie haben jemals
die wilden Theorien der heutigen Darwinisten
verfochten – am allerwenigsten die Abstammung des
Menschen vom Affen.
Hierüber später mehr! Aber man hat bloß Seite 47 des
genannten Werkes
aufzuschlagen, um den Satz zu
finden:
Der Mensch gehört einem Reiche
an, das von dem der Tiere scharf getrennt
ist.
Es ist sehr sonderbar, daß mit
einem so klaren und unzweideutigen Ausspruche
vor sich irgend ein
aufmerksamer Schüler hätte irregeführt werden sollen, wenn
er nicht geneigt ist, den Verfasser eines groben
Widerspruches zu beschuldigen.
Jede Runde wiederholt das Entwicklungswerk der
vorhergehenden Runde auf
_09 (1 of 3)21:02:39.Kommentar VI
einer höheren Stufe. Mit der Ausnahme einiger höherer
Anthropoiden, wie bereits
erwähnt, ist das monadische Einströmen, oder die
innere Evolution,
abgeschlossen – bis wieder zum nächsten Manvantara. Es
kann nie zu oft
wiederholt werden, daß die vollentwickelten
menschlichen Monaden zuerst
verabschiedet sein müssen, bevor die neue Ernte von
Kandidaten auf dieser
Kugel zum Beginne des nächsten Cyklus erscheint. Somit
ist hier eine
Ruhepause; und das ist der Grund, warum, während der
vierten Runde, der
Mensch auf der Erde früher erscheint als irgend eine
Tierschöpfung, wie
beschrieben werden wird.
Aber es wird noch betont,
dass der Verfasser von Esoteric Buddhism
ununterbrochen „Darwinismus
gepredigt“ habe. Gewisse Stellen scheinen
zweifellos diese Vermutung zu
unterstützen. Außerdem sind die Occultisten
selber bereit, der darwinischen Hypothese teilweise
Richtigkeit zuzugestehen in
späteren Einzelnheiten, in Nebengesetzen der
Evolution, und nach dem
Wegmittelpunkt der vierten Rasse. Von dem, was
stattgefunden hat, kann die
Naturwissenschaft in
Wirklichkeit nichts wissen, denn solche Dinge liegen
gänzlich außerhalb der Sphäre
ihrer Untersuchungen. Hingegen haben die
Occultisten niemals
zugegeben, noch werden sie jemals zugeben, daß der
Mensch ein Affe in dieser
oder irgend einer anderen Runde war; oder dass er
jemals trotz aller möglichen „Affenartigkeit“ einer
gewesen sein könne. Dies wird
von ebenderselben Autorität
bezeugt, von der der Verfasser von Esoteric
Buddhism seine Mitteilungen erhalten hatte.
So für jene, die den
Occultisten folgende Zeilen aus dem obengenannten Buche
entgegenhalten:
Es genügt zu zeigen, daß wir
uns einen Lebensimpuls, welcher mineralische
Formen hervorbringt, als von derselben
Art von Impulsen, wie den, der das
Emporheben einer Rasse von Affen zu einer Rasse von
rudimentären
Menschen veranlaßt, ebenso vernünftigerweise vorstellen können
– und
müssen, wenn wir überhaupt über diese Dinge reden
wollen.
Jenen, die diese Stelle als ein Zeichen von
„entschiedenem Darwinismus“
vorbringen, antworten die Occultisten mit einem
Hinweis auf die Erklärung des
Meisters, des Lehrers von Herrn Sinnett, welche diesen
Zeilen widersprechen,
wenn sie in dem Sinne, den man ihnen beilegt, geschrieben
wären. Eine Kopie
dieses Briefes wurde der Schreiberin, zugleich mit
anderen, vor zwei Jahren
(1886) gesendet, mit für Anführung in der Geheimlehre
bestimmten beigefügten
Randbemerkungen. Er beginnt mit einer Betrachtung über
die Schwierigkeiten,
die der westliche Schüler erfährt, wenn er einige
früher mitgeteilte Thatsachen
_09 (2 of 3)21:02:39.Kommentar VI
mit der Evolution des Menschen aus den animalischen, d.
i. aus den
mineralischen, vegetabilischen und animalischen
Reichen in Übereinstimmung
zu bringen versucht, und rät dem Schüler, sich an die
Lehre von der Analogie
und den Entsprechungen zu halten. Dann berührt er das
Mysterium, daß die
Devas, und selbst Götter, durch Zustände
hindurchzugehen haben, die gemäß
Übereinkunft als „Immetallisation, Inherbation,
Inzoonisation und endlich
Inkarnation“ bezeichnet wurden, und erklärt dies durch
die Andeutung der
Notwendigkeit von Fehlern selbst in den ätherischen
Rassen des Dhyân
Chohans. In Bezug hierauf sagt er:
„Diese
‘Fehler’ sind zuweit vorgeschritten und vergeistigt, als dass sie gewaltsam
aus der Dhyân
Chohanschaft in den Wirbel einer neuen ursprünglichen Evolution
durch die
niederen Reiche zurückgeworfen werden könnten .“
Hierauf wird nur ein Wink gegeben über das Geheimnis,
das in der Allegorie von
den gefallenen Asuras enthalten ist, welcher im
zweiten Bande weiter ausgeführt
und erklärt werden wird. Wenn Karma sie auf der Stufe
der menschlichen
Evolution erreicht hat:
„Werden sie es bis auf den letzten Tropfen aus der
bitteren Schale der
Wiedervergeltung zu trinken haben. Dann werden sie
eine aktive Kraft und
vermischen sich mit den Elementalen, den
vorgeschrittenen Wesenheiten des
rein
animalischen Reiches, um nach und nach den vollen Typus der Menschheit
zu entwickeln.“
[46] p. 48.
_09 (3 of 3)21:02:39.Kommentar VI
Diese Dhyân Chohans gehen nicht durch die drei Reiche,
wie es die niederen
Pitris thun, noch inkarnieren sie sich im Menschen vor
der dritten Wurzelrasse.
Die Lehre lautet folgendermaßen:
Runde I. Der
Mensch in der ersten Runde und ersten Rasse auf Kugel D,
unserer Erde,
war ein ätherisches Wesen (ein lunarer Dhyâni, als Mensch), nicht-intelligent,
aber
über-geistig; und dem entsprechend, nach dem Gesetze der
Analogie,
auch in der ersten Rasse der vierten Runde. In jeder der
nachfolgenden
Rassen und Unterrassen, wird er mehr und mehr zu einem
eingeschlossenen
oder inkarnierten Wesen, ist aber noch vorwiegend
ätherischEr
ist geschlechtslos, und gleich Tier und Pflanze entwickelt er
ungeheure Körper
entsprechend seiner gröberen Umgebung.
„Runde II. Er
(der Mensch) ist noch gigantisch und ätherisch, aber wird leiblich
fester und
verdichteter; ein mehr körperlicher Mensch, aber noch immer weniger
intelligent
als geistig (1), denn das Gemüt entwickelt sich langsamer und
schwieriger
als das Körpergerüst .“
„Runde III.
Er hat jetzt einen vollkommen konkreten oder kompakten Körper,
zuerst die
Form eines riesigen Affen, und ist jetzt mehr intelligent, oder besser
gesagt
schlau, als geistig. Denn er hat auf dem abwärts steigenden Bogen jetzt
einen Punkt
erreicht, wo seine ursprüngliche Geistigkeit verfinstert und in den
Schatten
gestellt wird von der auftauchenden Verstandesthätigkeit (2). In der
letzten
Hälfte der dritten Runde nimmt seine riesenhafte Gestalt ab, und sein
Körper
vervollkommnet sich im Gewebe, und der wird ein vernünftigeres Wesen,
obwohl noch
mehr ein Affe als ein Deva (All dieses wiederholt sich fast ganz
genau in der dritten Wurzelrasse der vierten Runde).“
„Runde IV. Der Intellekt hat eine enorme Entwicklung
in dieser Runde. Die
(bisher) stummen Rassen erlangen unsere (gegenwärtige)
menschliche Rede
auf diesem Globus, auf welchem, von der vierten Rasse
an, die Sprache
vervollkommnet
wird und die Kenntnisse wachsen. Auf diesem Wegmittelpunkt
der vierten
Runde (wie der vierten oder atlantischen Wurzelrasse) überschreitet
die
Menschheit den Achsenpunkt des kleineren manvantarischen Cyklus die
Welt geht
schwanger mit den Resultaten intellektueller Aktivität und geistiger
Dies ist aus dem authentischen
Briefe; das folgende sind die späteren
Bemerkungen und beigegebenen
Erklärungen, von derselben Hand als
Fußnoten hingesetzt.
„(1) Der Originalbrief enthielt
allgemeine Belehrung – einen „Blick aus der
_11 21:02:40.Kommentar VI
Vogelschau“ –
und gab nichts in seinen Einzelnheiten.Von einem
„körperlichen
Menschen“ zu sprechen und dabei den Satz auf die ersten Runden
zu
beschränken, hieße zu den wunderlichen und vom Augenblick eingegebenen
„Hautröcken“ zurückzusinken.
Die erste „Natur“, der erste „Körper“, das erste
„Gemüt“ auf
der ersten Wahrnehmungsebene auf dem ersten Globus in der
ersten Runde
war gemeint. Denn Karma und Evolution haben:
„Unerhörte
Gegensätze
eingedämmt in unsrer
Art,
Aus verschiedenen
Naturen [47]
wunderbar
gemischt .“
„(2) Setzen Sie dafür: Er hat
jetzt den Punkt erreicht (durch Analogie und so wie
die dritte
Wurzelrasse in der vierten Runde), wo seine (des Engel-Menschens)
ursprüngliche
Geistigkeit verfinstert und in den Schatten gestellt wird von der
auftauchenden
menschlichen Verstandesthätigkeit, und Sie haben die richtige
Version au die Nagelprobe .“
Dies, Text, Worte und Sätze in
Klammern, und erklärende Fußnoten, sind alles
Worte des Lehrers. Es ist
einleuchtend, daß ein enormer Unterschied in der
Bedeutung solcher Ausdrücke wie „Objektivität“ und
„Subjektivität“, „Materialität“
und „Spiritualität“ existieren muß, wenn man dieselben
Worte auf verschiedene
Ebenen des Daseins und der Wahrnehmung anwendet. All
dieses muß in seinem
relativen Sinn genommen werden. Und daher ist es wenig
zu verwundern, wenn
seinen eigenen Spekulationen überlassen ein
Schriftsteller in Irrtum verfallen ist,
der in diesen obstrusen
Lehren vollkommen unerfahren war, so sehr er auch
darnach bestrebt war, zu
lernen. Auch war der Unterschied zwischen den
Runden und Rassen in den
empfangenen Briefen nicht genügend definiert,
nachdem nichts der Art vorher erfordert war, wenn auch
der gewöhnliche östliche
Schüler den Unterschied augenblicklich herausgefunden hätte.
Um übrigens aus
einem Brief des Meisters zu
citieren:
„Die Lehren wurden mitgeteilt unter Protest . Sie
waren so zu sagen
geschmuggelte Güter und als ich bloß mehr einem
Korrespondenten
gegenüberstand, hatte der andere, Herr , alle Karten
bereits derart
_11 (2 of 4)21:02:40.Kommentar VI
durcheinandergeworfen, daß wenig zu sagen übrig blieb,
ohne das Gesetz zu
übertreten.“
Theosophen, „die es angeht“,
werden verstehen, was gemeint ist.
Das Ergebnis von alledem ist, daß in den Briefen
niemals etwas gesagt worden
ist, das die Versicherung bekräftigt hätte, dass die
verkehrte moderne Theorie
von der Abstammung des Menschen von einem mit dem
Affen gemeinsamen
Ahnen, von einem Athropoiden von der wirklich
tierischen Art, von der occulten
Lehre jemals gelehrt oder von irgend einem Adepten
geglaubt worden wäre,
ausgenommen metaphorisch. Bis zum heutigen Tage ist
die Welt voller von
affenartigen Menschen als die Wälder von
menschenartigen Affen. Der Affe ist in
Indien heilig, weil sein Ursprung den Initiierten wohl
bekannt ist, trotzdem er unter
einem dichten Schleier von Allegorie verborgen wird.
Hanumâna ist der Sohn des
Pavana (Vâyu, des „Gottes des Windes“) von der Anjanâ,
dem Weibe eines
Ungeheuers mit Namen Kesarî; übrigens wird seine
Genealogie verschieden
angegeben. Der Leser, der sich das vor Augen hält,
wird im zweiten Bande an
verschiedenen Orten die ganze Erklärung dieser
geistreichen Analogie finden.
Die „Menschen“ der dritten Rasse (welche sich
trennten), waren „Götter“ durch
ihre Geistigkeit und Reinheit,
obwohl sinnenlos und noch ohne Verstand als
Menschen.
Diese „Menschen“ der dritten
Rasse, die Vorfahren der Atlantier, waren gerade
solche affenartige,
intellektuell unvernünftige Riesen wie jene Wesen, welche
während der dritten Runde die Menschheit
repräsentierten. Moralisch
unverantwortlich, waren es diese „Menschen“ der
dritten Rasse, welche durch
ununterschiedene Vermischung mit Tierarten, die
niedriger standen als sie
selbst, dieses fehlende Glied schufen, welches
Zeitalter später (erst in der
Tertiärperiode) der entfernte Ahne des wirklichen
Affen wurde, wie wir ihn jetzt in
der Familie der Pithekoiden
finden.
Und wenn dies als im
Widerspruch mit der Behauptung gefunden wird, welche
die Tiere als später als den
Menschen hinstellt, so wird der Leser ersucht, sich
vor Augen zu halten, daß bloß
die Mutterkuchen bildenden Säugetiere gemeint
sind. In jenen Tagen gab es
Tiere, von denen sich die Zoologie der unsern nichts
träumen lässt; und die Arten von Fortpflanzung deckten
sich nicht mit den Ideen,
welche die moderne Physiologie von dem Gegenstand hat.
Es ist nicht ganz und
gar angemessen, solche Fragen öffentlich zu berühren,
aber es ist durchaus kein
Widerspruch oder Unmöglichkeit darinnen.
Somit verkündeten die früheren Lehren, so unbefriedigend,
unbestimmt und
_11 (3 of 4)21:02:40.Kommentar VI
bruchstückweise sie auch waren, doch nicht die
Entwicklung des „Menschen“
aus dem „Affen“. Auch behauptet der Verfasser von Esoteric
Buddhism dies
nirgends in seinem Werke mit den gleichen Worten; aber
infolge seiner Vorliebe
für moderne Wissenschaft bedient er sich einer
Sprache, die vielleicht eine
solche Schlussfolgerung rechtfertigen mag. Der Mensch,
welcher der vierten, der
atlantischen, Rasse
voranging, war, so sehr er auch körperlich wie ein
„gigantischer Affe“
ausgesehen haben mag, wie „die Nachahmung des
Menschen ohne die Lebensweise
eines Menschen“, doch ein denkender und
bereits sprechender Mensch.
Der Lemuro-Atlantier war eine hoch zivilisierte
Rasse, und wenn an die Tradition gelten läßt, die eine
bessere Geschichte ist als
die spekulative Fiktion, welche jetzt unter diesem
Namen geht, so stand er höher
als wir jetzt stehen mit all unseren Wissenschaften
und der herabgesunkenen
Civilisation des Tages: auf jeden Fall war der Lemuro-Atlantier
des Schlusses der
dritten Rasse so.
Und jetzt wollen wir zu den Strophen zurückkehren.
[47] Die Naturen der sieben Hierarchieen oder
Klassen von Pitris oder Dhyân
Chohans, die unsere Natur und Körper zusammensetzen,
sind hier gemeint.
_11 21:02:40.Kommentar VI
5. IN DER VIERTEN [48] (a) WIRD DEN SÖHNEN
BEFOHLEN, IHRE
EBENBILDER ZU SCHAFFEN. EIN DRITTEL WEIGERT SICH -
ZWEI [49]
GEHORCHEN. DER FLUCH IST AUSGESPROCHEN (b); SIE
WERDEN IN
DER VIERTEN [50] GEBOREN WERDEN. SIE WERDEN LEIDEN UND
LEIDEN
VERURSACHEN. DIES IST DER
ERSTE KAMPF ©.
Die volle Bedeutung dieser
Shloka kann erst verstanden werden nach der
Lesung der beigegebenen ins
Einzelne gehenden Erklärungen in der
Anthropogenesis und ihren Kommentaren in Band II.
Zwischen diesem Vers und
Vers 4 dehnen sich lange Zeiträume; und nun schimmert
die Dämmerung und
der Sonnenaufgang eines anderen Äon. Das auf unserem
Planeten aufgeführte
Drama steht am Beginne seines vierten Aktes; aber zum
Zweck eines klareren
Verständnisses des ganzen Spieles wird sich der Leser
zurückwenden müssen,
bevor er vorwärts schreiten kann. Denn dieser Vers
gehört der in den
archaischen Bänden gegebenen allgemeinen Kosmogonie
an, während Band II
einen ins Einzelne gehenden Bericht über die „Schöpfung“
oder vielmehr Bildung
der ersten Menschenwesen geben wird, denen die zweite
Menschheit, und dann
die dritte folgt; oder, wie sie genannt werden: die
erste, zweite und dritte
Wurzelrasse. Wie die jetzt feste Erde im Anfange eine
Kugel von flüssigem Feuer
war, von Feuerstaub und ihr protoplasmisches Phantom,
so auch der Mensch.
(a) Was
unter der Bezeichnung die „vierte“ zu verstehen ist, wird bloß auf Grund
der Kommentare als die Vierte Runde erklärt. Es kann
aber ebenso gut vierte
Ewigkeit wie vierte Runde bedeuten, oder selbst unsere
vierte Kugel. Denn die
letztere ist, wie wiederholt gezeigt werden wird, die
vierte Sphäre auf der vierten
oder niedersten Ebene des materiellen Lebens. Und es
trifft sich so, daß wir in
der vierten Runde sind, in deren Mittelpunkt das
vollkommene Gleichgewicht
zwischen Geist und Materie
stattfinden mußte.
In dieser Periode geschah es
– wie wir sehen werden, während des
Höhepunktes der Civilisation
und Kenntnisse, und auch der menschlichen
Intellektualität, der vierten, der atlantischen Rasse
– dass die Menschheit infolge
der schließlichen Krisis des
physiologisch-spirituellen Ausgleiches der Rassen
sich nach zwei diametral entgegengesetzten Pfaden hin
abzweigte: dem
Rechter- und
Linkerhand-Pfad der Erkenntnis oder Vidyâ. Mit den Worten des
Kommentars:
_13 (1 of 2)21:02:41.Kommentar VI
So wurden die
Keime der weißen und schwarzen Magie in jenen Tagen gesäet.
Die Samen
lagen einige Zeit verborgen, um erst während der ersten Periode der
fünften
(unserer Rasse) hervorzusprießen.
Der Kommentar sagt in der Erklärung der Shloka:
Die heiligen
Jünglinge (die Götter) weigerten sich, sich zu vermehren und eine
Art nach
ihrem Vorbilde, nach ihrer Art, zu schaffen. „Sie sind keine geeigneten
Formen
(Rûpas) für uns. Sie müssen wachsen.“ Sie weigern sich, in die Chhâyâs
(Schatten
oder Ebenbilder) derer, die unter ihnen stehen, einzugehen. So
herrschte
selbstsüchtiges Gefühl von Anfang an, selbst unter den Göttern, und
das Auge der
karmischen Lipikas heftete sich auf sie.
Sie hatten dafür in späteren Geburten zu leiden. Wie
die Strafe die Götter
erreichte, wird in Band II zu
sehen sein.
[48] Runde, oder Revolution des
Lebens und Seins rund um die sieben
kleineren Räder.
[49] Dritteile.
[50] Rasse.
_13 (2 of 2)21:02:41.Kommentar VI
Es ist eine allgemeine Überlieferung, dass vor dem
physiologischen „Fall“ die
Fortpflanzung der Art, sowohl der menschlichen wie der
tierischen, durch den
Willen der
Schöpfer oder ihrer Nachkommenschaft stattfand. Dies war der Fall
des Geistes in die Zeugung, nicht der Fall des
sterblichen Menschen. Es wurde
bereits festgestellt, daß der Geist, um selbstbewusst
zu werden, durch jeden
Daseinscyklus hindurchgehen muß, was seinen
Kulminationspunkt auf Erden im
Menschen findet. Geist an sich ist eine unbewußte
negative Abstraktion. Seine
Reinheit ist ihm wesentlich innewohnend, nicht durch
Verdienst erworben; daher
ist es , wie bereits gezeigt, (um der höchste
Dhyân-Chohan werden zu können)
für jedes Ego notwendig,
volles Selbstbewußtsein als ein menschliches, d. i.
bewußtes Wesen, das für uns
im Menschen zusammengefaßt erscheint, zu
erlangen. Die jüdischen
Kabbalisten, welche urteilen, daß kein Geist der
göttlichen Hierarchie angehören kann, wenn nicht Ruach
(Geist) mit Nephesh
(lebender Seele), vereinigt ist, wiederholen bloß die
östliche esoterische Lehre:
Ein Dhyâni
muß Âtma-Buddhi sein; sobald Buddhi-Manas von dem unsterblichen
Âtmâ, dessen
Vehikel sie (Buddhi) ist, sich loslöst, geht Âtman in Nichtsein ein,
welches das
unbedingte Sein ist.
Das bedeutet, daß der rein nirvânische Zustand ein
Durchgangszustand des
Geistes auf seiner Heimkehr zu der idealen Abstraktion
der Sein-heit ist, welche
keine Beziehung zu der Ebene
hat, auf der unser Weltall seinen Kreislauf
vollendet.
(b) „Der Fluch ist ausgesprochen“ bedeutet in diesem
Falle nicht, daß irgend ein
persönliches Wesen, Gott oder
höherer Geist ihn ausgesprochen hat, sondern
einfach, daß die Ursache geschaffen worden war, die
nur schlechte Wirkungen
hervorbringen konnte; und daß die Wirkungen dieser
karmischen Ursache die
wesen, welche den Gesetzen der Natur entgegengehandelt
und so deren
regelmäßigen Fortschritt verhindert hatten, nur in
schlechte Inkarnationen, somit
in Leiden, führen konnten.
© „Es gab viele Kämpfe“, alle hinweisend auf geistige,
kosmische und
astronomische
Ausgleichskämpfe, aber hauptsächlich auf die geheimnisvolle
Entwicklung des Menschen, wie er jetzt ist. Die Kräfte
oder reinen Wesenheiten,
denen „befohlen war zu schaffen“ beziehen sich auf ein
Geheimnis, das, wie
bereits gesagt, anderwärts erklärt ist. Es ist dies
nicht bloß eines der
verborgensten Geheimnisse der Natur – jenes der
Zeugung, über dessen Lösung
die Embryologen vergebens
ihre Köpfe zusammengesteckt haben – sondern
zugleich eine göttliche
Funktion, welche das große religiöse, oder richtiger
gesagt dogmatische, Mysterium
des sogenannten „Falles“ der Engel in sich
begreift. Wenn die Bedeutung dieser Allegorie
aufgeklärt sein wird, wo wird sich
zeigen, dass Satan und seine trotzige Schar sich bloß
deshalb geweigert haben,
_15 (1 of 3)21:02:41.Kommentar VI
den körperlichen Menschen zu schaffen, um die
unmittelbaren Erlöser und
Erschaffer des göttlichen Menschen zu werden. Die
symbolische Lehre ist nicht
allein mystisch und religiös – sie ist rein
wissenschaftlich, wie später zu sehen
sein wird. Denn anstatt ein rein blind
funktionierendes, von dem unergründlichen
Gesetze getriebenes und geleitetes Medium zu bleiben,
beanspruchte und
erzwang der „rebellische“ Engel sein Recht auf
selbständiges Urteil und Willen,
sein Recht auf freies Handeln und auf
Verantwortlichkeit, sintemal Mensch und
Engel gleichermaßen dem karmischen Gesetze
unterstehen.
Gelegentlich der Erklärung der kabbalistischen
Anschauungen sagt der
Verfasser New Aspects of Life von den
gefallenen Engeln:
Nach der symbolischen Lehre wurde der Geist aus einem
einfachen
Ausführungsorgane Gottes in einem entwickelten und
entwickelnden Wirken
zu einem wollenden Wesen, und er fiel, indem er seinen
eigenen Willen an
Stelle des göttlichen Wunsches beachtete. Daher sind
das Reich und Gebiet
der Geister und des geistigen Handelns, welche aus dem
Geisteswillen
strömen und dessen Erzeugnis sind, außerhalb und im
Gegensatze und
Widerspruche mit dem Reiche der Seelen und des
göttlichen Handelns. [51]
Soweit ganz gut; aber was meint der Verfasser mit dem
folgenden:
Als der Mensch erschaffen wurde, da war er menschlich
in seiner Konstitution,
mit menschlichen Neigungen,
menschlichen Hoffnungen und Bestrebungen.
Aus diesem Zustande fiel er –
in den viehischen und wilden.
Dies steht im direkten
Gegensatze zu unserer östlichen Lehre und selbst zur
kabbalistischen Auffassung, soweit wir sie verstehen,
und zur Bibel selbst. Es
sieht aus wie mit Materialismus und Substantialismus
gefärbte positive
Philosophie, obwohl es ziemlich schwierig ist, über
die Meinung des Verfassers
sich vollkommen sicher zu fühlen. Ein Fall jedoch
„aus dem natürlichen in das
übernatürliche und das tierische“ – übernatürlich dies
Mal in der Bedeutung von
rein geistig – schließt das in sich, was wir andeuten.
Das neue Testament spricht von einem dieser
„Kämpfe“ wie folgt:
Und es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und
seine Engel stritten mit
dem Drachen, und der Drache
stritt und sein Engel, und siegeten nicht, auch
ward ihre Stätte nicht mehr
gefunden im Himmel. Und es ward ausgeworfen
der große Drache, die alte
Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas, der
_15 (2 of 3)21:02:41.Kommentar VI
die ganze Welt verführet. [52]
Die kabbalistische Wiedergabe derselben Geschichte
findet sich im Codex
Nazaraeus,
der heiligen Schrift der Nazarener, der wirklich mystischen Christen
Johannes des Täufers, und der Initiierten des
Christos. Bahak Zivo, dem „Vater
der Genien“, wird aufgetragen, die Geschöpfe zu bilden
– zu „schaffen“. Da er
aber „den Orkus nicht kennt“, so misslingt ihm das,
und er ruft Fetahil, einen
noch reineren Geist, zu Hilfe, der es noch schlechter
macht. Dies ist eine
Wiederholung des Fehlers der „Väter“, der Herren des
Lichtes, die einer nach
dem andern fehlen. [53]
[51] p. 235.
[52] Offenb., XII. 7-9.
[53] Siehe Band II, Vers 17.
_15 (3 of 3)21:02:41.Kommentar VI
Wir wollen jetzt aus unseren früheren Bänden citieren:
[54]
Dann tritt auf die Schöpfungsbühne der Geist [55] (der
Erde, wie er genannt
wird, oder die Seele, Psyche, welche St. Jakob
„teuflisch“ nennt), der niedere
Teil der Anima Mundi oder des Astrallichtes. (Siehe
den Schluß dieser
Strophe.) Bei den Nazarenern und den Gnostikern war
dieser Geist weiblich.
Da die Geistin der Erde sah, daß wegen Fetahil [56]
dem neuesten Menschen
(dem spätesten), der Glanz „geändert“ war, und dass an
Stelle des Glanzes
„Abnahme und Schaden“ existierte, so erweckte sie
Karabtanos, [57] „welcher
rasend und ohne Sinn und
Urteilskraft war“ und sprach zu ihm: „Erhebe ich,
siehe, der Glanz (das Licht)
des neuesten Menschen (Fetahil) hat versagt
(Menschen hervorzubringen
oder zu schaffen), die Abnahme seines Glanzes
ist sichtbar. Erhebe dich und
komme zu deiner Mutter (dem Spiritus) und
befreie dich von dem Schranken, durch die du
festgehalten bist, und die weiter
sind, als die ganze Welt.
Hierauf folgt die Vereinigung
der rasenden und blinden Materie, geleitet von
den Einschmeichelungen des
Geistes (nicht des göttlichen Atems, sondern
des astralen Geistes,
welcher durch seine doppelte Wesenheit bereits mit
Materie befleckt ist); und,
da der Antrag der Mutter angenommen wurde, so
empfängt der Geist „sieben
Figuren“, und die sieben stellaren (Planeten),
welche auch die sieben
Todsünden darstellen, die Nachkommenschaft einer
von ihrer göttlichen Quelle
(dem Geiste) getrennten Astralseele und der
Materie, des blinden Dämons der Lust. Da er dies sah,
streckte Fetahil seine
Hand gegen den Abgrund der
Materie aus und sprach: „Möge die Erde
existieren, gerade so wie die Wohnung der Kräfte
existiert hat.“ Indem er seine
Hand in das Chaos tauchte, welches er verdichtete,
schuf er unseren Planeten.
Der Codex fährt dann fort zu erzählen, wie
Bahak Zivo vom Spiritus getrennt
wurde, und die Genien oder Engel von den Empörern.
[58] Dann nennt (der
größte) Mano, [59] welcher bei dem größten Ferho
weilt, Kebar Zivo (bekannt
auch unter dem Namen Nebat Iavar bar Iufin Ifafin) den
Halm und die Ranke
der Nahrung des Lebens [60] -
und er sagt, da er das dritte Leben ist und die
trotzigen und wahnsinnigen
Genien bedauert, „wegen der Größe ihres
Ehrgeizes: „Herr der Genien
[61] (Äonen), siehe was die Genien (die
rebellischen Engel) thun und
über was sie beraten. [62] Sie sagen: ‘Laßt uns
die Welt hervorrufen und laßt
uns die „Kräfte“ ins Dasein rufen. Die Genien
sind die Fürsten (Principes),
die Söhne des Lichtes, aber du bist der Bote des
Lebens’.“
_17 21:02:42.Kommentar VI
Und um dem Einflusse der
sieben „böse veranlagten“ Prinzipien
entgegenzuwirken, bringt der
Nachkomme des Spiritus, Kebar Zivo (oder
Cabar Zio), der mächtige Herr
des Glanzes, sieben andere Leben (die
Kardinaltugenden) hervor, die in ihrer eigenen Form
und ihrem eigenen Licht
„von der Höhe herab [63] scheinen, und so das
Gleichgewicht zwischen Gut
und Böse, Licht und Finsternis wiederherstellen.
Hier findet man eine Wiederholung der früheren allegorischen
dualen Systeme,
wie des zoroastrischen, und entdeckt einen Keim der
dogmatischen und
dualistischen Religionen der Zukunft, einen Keim, der
in der kirchlichen
Christenheit zu einem so üppigen Baume herangewachsen
ist. Es ist bereits der
Umriß der beiden „Höchsten“ – Gottes und Satans. Aber
in den Strophen findet
sich keine solche Idee.
Die meisten der westlichen
christlichen Kabbalisten – insbesondere Eliphas Lêvi
·
thaten in ihrem
Bestreben, die occulten Wissenschaften mit den kirchlichen
Dogmen in Einklang zu bringen, ihr Bestes, das
„Astrallicht“ einzig und
vorwiegend zum Plerôma der älteren Kirchenväter, zum
Aufenthalte der Scharen
der gefallenen Engel, der Archônten und Kräfte zu
machen. Jedoch ist das
Astrallicht, obwohl es nur der niedere Aspekt des
Absoluten ist, dennoch dual. Es
ist die Anima Mundi, und sollte niemals anders
betrachtet werden, außer für
kabbalistische Zwecke. Der Unterschied, der zwischen
seinem „Lichte“ und
seinem „lebendigen Feuer“ besteht, sollte höhere
Aspekt dieses „Lichtes“, ohne
den bloß stoffliche Kreaturen hervorgebracht werden können,
ist dieses
lebendige Feuer, und sein siebentes Prinzip. In Isis
Unveiled wird gelegentlich
einer vollständigen Beschreibung desselben
festgestellt:
Das Astrallicht oder die Anima Mundi ist dual und
zweigeschlechtig. Der
(ideale) männliche Teil desselben ist rein göttlich
und geistig, er ist Weisheit,
er ist Geist oder Purusha;
während der weibliche Teil (der Spiritus der
Nazarener) in einem Sinne mit
Stoff befleckt ist, thatsächlich Stoff ist, und
daher bereits böse ist. Es
ist das Lebensprinzip eines jeden lebenden
Geschöpfes, und liefert die
Astralseele, den fluidischen Perisprit für die
Menschen, Tiere, Vögel der Lüfte, und jedes Lebewesen.
Die Tiere haben nur
den verborgenen Keim der höchsten unsterblichen Seele
in sich. Diese
letztere wird sich bloß nach einer Reihe von endlosen
Evolutionen entwickeln;
die Lehre von diesen Evolutionen ist in dem
kabbalistischen Satze enthalten:
„Ein Stein wird zu einer Pflanze, eine Pflanze zu
einem Tier, ein Tier zu einem
Menschen, ein Mensch zu einem Geiste, und der Geist zu
einem Gotte.“ [64]
_17 (2 of 4)21:02:42.Kommentar VI
Die sieben Prinzipien der östlichen Initiierten waren
nicht erklärt worden, als Isis
entschleiert geschrieben
wurde, sondern bloß die drei kabbalistischen Gesichter
der halb exoterischen Kabalah. [65] Aber diese
enthalten die Beschreibung der
mystischen Naturen der ersten Gruppe der Dhyân-Chohans
in dem regimen
ignis, der
Region und „Herrschaft (oder Regierung) des Feuers“, die in drei
Klassen geteilt und durch die erste vereinigt ist, was
vier oder die „Tetraktys“
ausmacht. Wenn man die Kommentare aufmerksam studiert,
wird man dieselbe
Progression in den englischen Naturen finden, nämlich
von den passiven
hinunter zu den aktiven; die letzten dieser Wesen
sind ebenso nahe dem
Ahamkâra Element – der Region oder Ebene, wo die Ichheit
oder Ich-bin-heit
hervorzutreten anfängt – als die ersten nahe der
undifferenzierten Wesenheit.
Die ersteren sind arûpa, unkörperlich; die letzteren
rûpa, körperlich.
[54] Isis Unveiled, I. 299, 300. Vgl. auch
Dunlap, Sôd: the Son of the Man. pp.
51 ff.
[55] Auf Grund der Autorität
des Irenäus, des Justinus Martyr und des Codex
selbst zeigt Dunlap, daß die Nazarener den „Geist“ in
seiner Verbindung mit
unserer Erde als eine weibliche und böse Kraft
betrachteten.
[56] Fetahil ist identisch mit der Schar der Pitirs,
die den „Menschen
erschufen“ bloß als „Schale“. Er war bei den
Nazarenern der König des
Lichtes, und der Schöpfer; aber in diesem Falle ist er
der unglückliche
Prometheus, welchem es nicht gelingt, das lebende
Feuer festzuhalten, das
zur Bildung der göttlichen Seele notwendig ist, da er
den geheimen Namen
nicht kennt, den unaussprechlichen und unmittelbaren
Namen der
Kabbalisten.
[57] Der Geist des Stoffes und der Lust; Kâma Rûpa minus
Manas (Gemüt).
[58] Codex Nazaräus, II. 233.
_17 (3 of 4)21:02:42.Kommentar VI
[59] Dieser Mano der Nazarener ähnelt auffallend dem
indischen Manu, dem
himmlischen Menschen des Rig Veda.
[60] „Ich bin ein rechter Weinstock und mein
Vater ein Weingärtner.“ Joh. XV.
1.
[61] Bei den Gnostikern war
Christus, sowie Michael, der mit ihm in einigen
Beziehungen wesensgleich ist,
der „Führer der Äonen.“
[62] Codex Nazaräus, I.
135.
[63] Siehe die Kosmogonie des
Pherekydes.
[64] I. 301, Fußnote.
[65] Sie finden sich jedoch in
dem chaldäischen Buche der Zahlen.
_17 21:02:42.Kommentar VI
In Band II desselben Werkes [66] werden die
philosophischen Systeme der
Gnostiker und der ursprünglichen Judenchristen, der
Nazarener und Ebioniten,
vollständig betrachtet. Sie zeigen die Ansichten, die
man in jenen Tagen
außerhalb des Kreises der mosaischen Juden über
Jehovah hatte. Er wurde von
allen Gnostikern viel mehr mit dem bösen, als mit dem
guten Prinzipe
identifiziert. Für sie war er Ilda-Baoth, der „Sohn der
Finsternis“, dessen Mutter,
Sophia Achamôth, die Tochter der Sophia, der
göttlichen Weisheit – des
weiblichen heiligen Geistes der frühen Christen – der
Âkâsha, war; Sophia
Achamôth personifizierte das niedere Astrallicht oder
den Ether. Das Astrallicht
steht im selben Verhältnisse zu Âkâsha und Anima
Mundi, wie Satan zur Gottheit
steht. Sie sind ein und dasselbe Ding, gesehen
unter zwei Aspekten, dem
geistigen und dem psychischen – dem superetherischen
oder Bindeglied
zwischen Materie und reinem Geist – und dem
physischen. [67] Ilda Baoth – ein
zusammengesetzter Name, gebildet aus Ilda ([korrekter
Abdruck siehe Buch]),
Kind, und Baoth; das letztere von [korrekter
Abdruck siehe Buch], ein Ei, und
[korrekter Abdruck siehe Buch], Chaos, Leerheit, Leere oder Einsamkeit; oder
das Kind geboren in dem Eie
des Chaos, wie Brahmâ – oder Jehovah, ist
einfach einer der Elohim, der
sieben schöpferischen Geister, und einer der
niederen Sephiroth. Ilda
Baoth erzeugt aus sich selbst sieben andere Götter,
„Sternengeister“, oder die Mondvorfahren, [68] denn
sie sind alle dasselbe. [69]
Sie sind alle nach seinem eigenen Bilde, die
„Geister des Angesichtes“, und
einer der Reflex des anderen, und werden um so dunkler
und materieller, je mehr
sie der Reihe nach sich von ihrem Ursprunge entfernen.
Sie bewohnen auch sieben Regionen, die stiegenförmig
angeordnet sind, denn
ihre Stufen gehen auf- und abwärts auf der
Stufenleiter von Geist und Stoff. [70]
Bei Heiden und Christen, bei Hindûs und Chaldäern, bei
griechischen wie
römischen Katholiken – die Texte variieren ein wenig
in ihrer Erklärung – waren
sie überall die Genien der sieben Planeten, und der
sieben planetarischen
Sphären unserer siebenfältigen Kette, von denen die
Erde die niedrigste ist. Dies
verbindet die „stellaren“ und „lunaren“ Geister mit
den höheren Planetenengeln,
und mit den Saptarshis, den sieben Rishis der Sterne,
bei den Indern – als
untergeordnete Engel oder Boten, als Emanationen
dieser Rishis auf der
absteigenden Leiter. So waren in der Anschauung der
philosophischen Gnostiker
der Gott und die Erzengel beschaffen, die jetzt von
den Christen verehrt werden!
Die „gefallenen Engel“ und die Legende vom „Kampf im
Himmel“ sind somit
ihrem Ursprunge nach rein heidnisch und kommen aus
Indien via Persien und
Chaldäa. Die einzige Bezugnahme auf sie im
christlichen Kanon findet sich in der
_19 (1 of 3)21:02:43.Kommentar VI
Offenbarung, XII,
wie oben vor einigen Seiten citiert.
So wächst „Satan“, sobald er nicht mehr in dem
abergläubischen, dogmatischen,
unphilosophischen Kirchengeiste betrachtet wird, zu
dem großartigen Bilde
empor von einem, der aus einem irdischen einen göttlichen
Menschen macht;
der demselben durch den langen Cyklus des Mahâkalpa
das Gesetz des Geistes
des Lebens giebt und ihn befreit von der Sünde der
Unwissenheit, somit vom
Tode.
6. DIE ALTEREN RÄDER DREHTEN SICH HINAB UND HINAUF (a)
DER
MUTTER-LAICH ERFÜLLTE DAS GANZE. [71] ES FANDEN KÄMPFE
STATT
ZWISCHEN DEN SCHÖPFERN UND DEN ZERSTÖRERN, UND KÄMPFE
UM
DEN RAUM; DER SAME ERSCHIEN UND ERSCHIEN BESTÄNDIG VON
NEUEM (b). [72]
(a) Hier müssen wir, nachdem wir einstweilen unsere
Abschweifungen beendet
haben – die, so sehr sie auch
den Fluß der Erzählung unterbrechen mögen, doch
für die Aufklärung des ganzen
Planes notwendig sind – wieder einmal zur
Kosmogonie zurückkehren. Der Ausdruck „ältere Räder“
bezieht sich auf die
Welten oder Globen unserer Kette, wie sie während der
früheren Runden waren.
Der Inhalt der vorliegenden Strophe findet sich, bei esoterischer
Erklärung, in
kabbalistischen Werken vollständig wieder. Darin wird
sogar die Geschichte der
Entwicklung der zahllosen Kugeln zu finden sein, die
nach einem periodischen
Pralaya sich evolvieren, aus altem Material in neue
Formen wiedergebildet. Die
ehemaligen Kugeln zerfallen und erscheinen auf neue,
für eine neue
Lebensphase verwandelt und vervollkommnet. In der
Kabalah werden die Welten
mit Funken verglichen, die hervorsprühen unter dem
Hammer des großen
Baumeisters – Gesetz, des Gesetzes, das alle
niedrigeren Schöpfer beherrscht.
[66] Op. cit., II. 183 ff.
[67] Wegen des Unterschiedes zwischen Nous, der
höheren göttlichen
Weisheit, und Psyche, der niederen und
irdischen, siehe St. Jacob, III. 15-17.
[68] Jehovahs Verbindung mit dem Mond in der Kabalah
ist den Schülern
_19 (2 of 3)21:02:43.Kommentar VI
wohlbekannt.
[69] Wegen der Nazarener siehe Isis Unveiled,
II. 131 und 132. Die wahren
Nachfolger des wahren Christos waren alle Nazarener
und Christianer, und
waren die Gegner der späteren
Christen.
[70] Siehe das Diagramm der
lunaren Kette von sieben Welten, p. 195, wo,
wie in unserer eigenen und
jeder anderen Kette, die oberen Welten geistig
sind, während die niedrigste,
sei es Mond, Erde oder irgend ein anderer
Planet, von der Materie
verdunkelt ist.
[71] Den ganzen Kosmos. Der
Leser wird daran erinnert, daß in den Strophen
Kosmos oft bloß unser eigenes Sonnensystem bedeutet,
und nicht das
unendliche Weltall.
[72] Dies ist rein astronomisch.
_19 (3 of 3)21:02:43.Kommentar VI
Das folgende vergleichende Diagramm zeigt die
Gleichheit der beiden Systeme, des kabbalistischen und des
östlichen. Die drei oberen sind die drei höheren
Ebenen des Bewusstseins, die in beiden Schulen bloß den
Intitiierten enthüllt und erklärt werden; die unteren stellen
die vier niederen Ebenen dar – die niedrigste ist unsere
Ebene oder das sichtbare
Weltall.
Diagramm III.
Diese sieben Ebenen entsprechen den sieben
Bewußtseinszuständen im Menschen. Es ist seine Sache, die drei
höheren Zustände in ihm mit den drei höheren Ebenen im
Kosmos in Gleichklang zu bringen. Aber bevor er den
Versuch des Gleichstimmens machen kann, muß er die
drei „Sitze“ zu Leben und Thätigkeit erwecken. Und wie
viele sind fähig, sich auch nur ein oberflächliches
Verständnis zu eröffnen der Âtmâ Vidyâ (Geist-Erkenntnis), oder
dessen, was die Sufis Rohanî nennen! [73]
_21 (1 of 3)21:02:43.Kommentar VI
(b) „Der
Same erschien und erschien beständig von neuem.“ Hier steht „Same“ für den
„Weltenkeim“, den die
Wissenschaft als in hochgradig verdünntem Zustande
befindliche stoffliche Teilchen betrachtet, die occulte Physik
hingegen als „geistige Teilchen“, d. h. als
übersinnlichen Stoff, der in einem Zustande ursprünglicher
Differentiation existiert. Um den Unterschied zu sehn
und zu würdigen – die ungeheure Kluft, die den irdischen
Stoff von den feineren Graden des übersinnlichen
Stoffes trennt – sollte jeder Astronom, jeder Chemiker und
Physiker ein Psychometer sein, um das Mindeste
zu sagen; er sollte im stande sein, für sich selbst den
Unterschied zu fühlen, an den zu glauben er jetzt sich
weigert. Frau Elizabeth Denton, eine der gelehrtesten sowie
eine der materialistischesten und skeptischsten Frauen
ihrer Zeit – die Gemahlin Professor Dentons, des
wohlbekannten amerikanischen Geologen und Verfasser
von The Soul of Things – war trotz ihres Skeptizismus
einer der wundervollsten Psychometer.
Folgende Beschreibung giebt sie während eines ihrer
Experimente.
Ein Stückchen von einem Meteoriten wurde in einer
Umhüllung an ihre Stirne gehalten, und, ohne es zu wissen,
was der Inhalt derselben war, sagte sie:
Was für ein Unterschied zwischen dem, was wir hier als
Stoff kennen und dem, was dort wie Stoff aussieht! In
dem einen sind die Elemente so grob und so eckig,
daß ich mich wundere, daß wir sie überhaupt ertragen
können, noch viel mehr, daß wir wünschen können,
unsere gegenwärtigen Beziehungen zu ihm fortzusetzen;
in dem andern sind alle Elemente so verfeinert, sind
sie so befreit von diesen großen rauen Eckigkeiten, die
die Elemente hier charakterisieren, so daß ich jenen
um ebenso viel mehr als den unsern für die wirkliche
Existenz halten muß. [74]
In der Theogonie ist jeder Samen ein ätherischer
Organismus, aus dem sich späterhin ein himmlisches Wesen,
ein Gott, entwickelt.
Im „Anbeginn“ entwickelt sich das, was in der
mystischen Ausdrucksweise „kosmisches Verlangen“ genannt wird,
zu Absolutem Licht. Nun wäre Licht ohne irgendwelchen
Schatten absolutes Licht; mit anderen Worten absolute
Finsternis, wie die Physik zu beweisen sucht. Dieser
„Schatten“ erscheint in der Form ursprünglicher Materie,
allegorisiert – wenn man will – in der Gestalt des
Geistes von schöpferischem Feuer oder Wärme. Wenn die
Wissenschaft die poetische Form und Allegorie
verwirft, und es vorzieht, darin den ursprünglichen „Feuernebel“ zu
sehen, so ist ihr das gerne erlaubt. Ob so oder so, ob
Fohat oder die berühmte Kraft der Wissenschaft – namenlos
und ebenso schwer zu definieren wie unser Fohat selbst
– hat dieses Etwas „das Weltall veranlaßt, sich in
kreisförmiger Bewegung zu bewegen“, wie Plato sagt;
oder, wie die occulte Lehre es ausdrückt:
Die
Centralsonne veranlasst Fohat, den ursprünglichen Staub in die Form von Bällen
zu sammeln, ihn
anzutreiben,
sich in konvergierenden Richtungen zu bewegen, und schließlich zusammenzurücken
und sich zu
einer Masse
zu vereinigen Im Raume zerstreut, ohne Ordnung und System, prallen die
Weltkeime vor ihrer
schließlichen
Vereinigung häufig aneinander, und nach derselben werden sie Wanderer (Kometen).
Dann
beginnen die
Kämpfe und Streite. Die älteren (Körper) ziehen die jüngeren an sich, während
andere sie
zurückstoßen.
Viele gehen zu Grunde, indem sie von ihren stärkeren Genossen verschlungen
werden. Die,
welche
entkommen, werden zu Welten. [75]
_21 (2 of 3)21:02:43.Kommentar VI
[73] Zur klareren Einsicht in
das Obige siehe „Saptaparna“ im Index.
[74] Op. cit., III. 346.
[75] Buch des Dzyan.
_21 (3 of 3)21:02:43.Kommentar VI
Bei sorgfältiger Untersuchung und Überlegung wird man
dies für so
wissenschaftlich finden, als es die Wissenschaft,
selbst in unserer letzten Zeit,
machen kann. Man hat uns versichert, daß verschiedene
moderne Werke
spekulativer Phantasie über solche Kämpfe ums Dasein
am Sternenhimmel
bestehen, insbesondere in deutscher Sprache. Es freut
uns, dies zu hören, denn
unseres ist eine im Dunkel uralter Zeiten verlorene
Lehre. Wir haben dieselbe in
Isis Unveiled [76]
ausführlich behandelt, und die Idee von einer der
darwinistischen ähnlichen Evolution vom Kampf ums
Dasein und um die
Herrschaft, und vom „Überleben des Tauglichsten“ unter
den Scharen oben wie
unter den Scharen unten zieht sich durch beide Bände
unseres früheren Werkes,
das 1876 geschrieben wurde.
Aber die Idee gehört nicht uns,
sondern dem Altertum an. Selbst die purânischen
Schriftsteller haben ihre
Allegorie mit kosmischen Thatsachen und menschlichen
Ereignissen geistreich
verwoben. Jeder Symbologe kann ihre astrokosmischen
Anspielungen herausfinden,
selbst wenn er nicht fähig sein sollte, ihre volle
Bedeutung zu erfassen. Die großen „Kämpfe um Himmel“
in den Purânen; die
Titanenkämpfe bei Hesiod und anderen klassischen
Schriftstellern; die „Kämpfe“
zwischen Osiris und Typhon in der ägyptischen Mythe;
und selbst jene in den
skandinavischen Legenden, sie alle beziehen sich auf
denselben Gegenstand.
Die nordische Mythologie bezeichnet ihn als die
Schlacht der Flammen, der
Muspelsöhne, die auf dem Wigredfelde kämpften. Alle
diese Kämpfe beziehen
sich auf Himmel und Erde, und haben eine doppelte, oft
sogar eine dreifache
Bedeutung und esoterischen Anwendung auf die oberen
sowie auf die unteren
Dinge. Sie beziehen sich oft auf astronomische,
theogonische und menschliche
Kämpfe; auf die Anpassung der Bahnen, und der
Suprematie unter Nationen und
Stämmen. Der „Kampf ums Dasein“ und das „Überleben des
Tauglichsten“
herrschten zu höchst vom Beginne der Manifestation des
Kosmos im Dasein,
und konnten dem beobachtenden Auge der alten Weisen
schwerlich entgehen.
Daher die unaufhörlichen Kämpfe Indras, des Gottes des
Firmamentes, mit den
Asuras – die von hohen Göttern zu kosmischen Dämonen
degradiert worden
waren – und mit Vritra oder Ahi; die Kämpfe, die
zwischen Sternen und
Sterngruppen, zwischen Monden und Planeten – die
späterhin als Könige und
Sterbliche inkarniert waren – ausgefochten wurden.
Daher auch der Streit um
Himmel seitens Michael und seiner Schar gegen den
Drachen – Jupiter und
Lucifer Venus – als ein Dritteil der Sterne der
trotzigen Schar in den Raum
gestürzt und „ihre Stätte nicht mehr gefunden wurde im
Himmel.“
Wie wir vor langer Zeit geschrieben haben:
Dies ist der Grundstein und das Fundament der geheimen
Cyklen. Es zeigt,
_23 (1 of 2)21:02:44.Kommentar VI
dass die Brâhmanen und Tanaim über die Schöpfung und
Entwicklung
der Welt ganz nach Art Darwins spekulierten, und daß
beide ihm und seiner
Schule die natürliche Zuchtwahl, die allmähliche
Entwicklung und die
Umwandlung der Arten vorweggenommen haben. [77]
Es gab alte Welten, welche
vergingen, von den neuen besiegt, etc. etc. Die
Behauptung, dass alle Welten
(Sterne, Planeten, etc.) – sobald ein Kern
ursprünglicher Substanz im
Laya (=undifferenzierten) Zustande durch die
freigewordenen Prinzipien eines soeben verstorbenen
Himmelkörpers beseelt
worden ist – zuerst Kometen werden, und sodann Sonnen,
um sich zu
bewohnbaren Welten abzukühlen, ist eine Lehre, die so
alt ist wie die Rishis.
So lehren die geheimen Bücher, wie wir sehen,
ausdrücklich eine Astronomie,
welche selbst von der modernen Spekulation nicht
verworfen würde, wenn
letztere die Lehren derselben vollkommen verstehen
könnte.
Denn die archaische Astronomie und die alte
wissenschaftliche Physik und
Mathematik sprachen Ansichten aus, die mit denen der
modernen Wissenschaft
gleichlautend sind, und von denen viele von weitaus
größerer Tragweite waren.
Ein „Kampf ums Dasein“ und ein „Überleben des
Tauglichsten“ in den oberen
Welten und hier unten auf unserem Planeten werden
ausdrücklich gelehrt. Doch
würde diese Lehre von der Wissenschaft zwar nicht
vollständig verworfen, aber
sicherlich als zusammenhängendes Ganzes zurückgewiesen
werden. Denn sie
behauptet, dass es bloß sieben selbstgeborene
ursprüngliche „Götter“ gab, die
aus dem dreieinigen Einen hervorgegangen sind. Mit
anderen Worten, sie meint,
daß alle Welten oder Weltkörper in beständiger,
strenger Analogie eines aus
dem anderen gebildet werden, nachdem die ursprüngliche
Manifestation beim
Beginne des großen Zeitalters vollendet ist.
[76] Siehe den Index unter den Worten:
„Evolution“, „Darwin“, „Kapila“, „Kampf
ums Dasein“, etc.
[77] Isis Unveiled, II. 260.
_23 (2 of 2)21:02:44.Kommentar VI
Das war ein großer Irrtum. Aber die Schuld daran ist
ebenso sehr der
Ungestimmtheit und Unvollständigkeit der Antwort des
Meisters beizumessen wie
der Frage des Schülers selbst, welche gleichermaßen
vag und unbestimmt war.
Es wurde gefragt: „Welche Planeten, von denen, die der
gewöhnlichen
Wissenschaft bekannt sind, außer Merkur, gehören
unserem Weltensystem an?“
Nun, wenn unter „Weltensystem“ unsere Erdkette oder
„Schnur“ im Gedanken
des Fragers beabsichtigt war, statt des „solaren
Weltsystems“, wie es hätte sein
sollen, dann war die Antwort natürlich geeignet,
mißverstanden zu werden. Denn
die Antwort
war: „Mars, etc., und vier andere Planeten, von denen die
Astronomie
nichts weiß. Weder A, B, noch Y, Z sind bekannt, noch können sie
durch
physikalische Mittel, seien diese auch noch so vervollkommnet, gesehen
werden.“
Das ist klar: (a) Die Astronomie weiß bis jetzt
in Wirklichkeit nichts von den
Planeten, weder von den alten, noch von den in neuer
Zeit entdeckten.
(b) Kein Mitplanet
von A bis Z, d. h. kein oberer Globus irgend einer Kette im
Sonnensystem, kann gesehen werden; mit Ausnahme
natürlich von allen
Planeten, die an vierter Stelle stehen, wie
unsere Erde, der Mond, etc., etc. Was
Mars, Merkur und die „vier anderen Planeten“
anbelangt, so stehen sie zu der
Erde in einem Verhältnis, von dem kein Meister oder
hoher Occultist jemals
sprechen, noch weniger seine Natur erklären wird.
In demselben Briefe wird von einem der Lehrer die
Unmöglichkeit dem Verfasser
von Esoteric Buddhism ausdrücklich kundgegeben:
„Versuchen Sie zu
verstehen,
daß Sie mir Fragen stellen, die zur höchsten Initiation gehören; daß
ich Ihnen
(bloß) einen allgemeinen Überblick geben kann, daß ich aber in
Einzelnheiten einzugehen weder wage, noch will .“ Die
Schreiberin besitzt
Kopieen von allen jemals eingelangen oder abgesendeten
Briefen, mit
Ausnahme von ein paar privaten – „in denen keine
Lehre war,“ wie der Meister
sagt. Da es ihre Pflicht war, im Anfange, gewisse
nicht berührte Punkte zu
beantworten oder zu erklären, so ist es mehr als
wahrscheinlich, daß, trotz der
vielen Anmerkungen auf diesen Kopieen, die Schreiberin
in ihrer Unkenntnis des
Englischen und in ihrer Furcht, zu viel zu sagen, die
gegebene Information
verpfuscht haben mag. In allem und jedem Falle nimmt
sie die ganze Schuld
daran auf sich.
Aber es ist ihr unmöglich zu erlauben, daß Schüler irgend länger
unter falschen Eindrücken verbleiben oder glauben, daß
der Fehler in dem
esoterischen System liege.
_87 (1 of 3)21:02:44.Kommentar VI
Es sei daher nunmehr klar ausgesprochen, daß die
vorgebrachte Theorie
unmöglich ist, mit oder ohne das weitere
Beweismaterial, das die moderne
Astronomie liefern würde. Die physikalische
Wissenschaft kann bestätigende,
wenn auch sehr unsichere, Beweise nur in Bezug auf
Himmelskörper beibringen,
die sich auf derselben Ebene der Materialität befinden
wie unser objektives
Universum. Mars und Merkur, Venus und Jupiter, sowie
jeder bisher entdeckte
oder noch zu entdeckende Planet, sind alle per se die
Repräsentanten auf
unserer Ebene von solchen Ketten. Wie es ausdrücklich
in einem der zahlreichen
Briefe von Herrn Sinnetts Lehrer heißt: „es giebt
andere und unzählbare
manvantare
Ketten von Globen, welche intelligente Wesen tragen, sowohl
innerhalb als außerhalb unseres Sonnensystems.“ Aber
weder Mars noch Merkur
gehören zu unserer Kette. Sie sind, zugleich
mit anderen Planeten, siebenfache
Einheiten in der großen Schar von Ketten unseres
Systems, und sind alle ebenso
sichtbar, wie ihre oberen Globen unsichtbar
sind.
Wenn noch weiter vorgebracht wird, daß gewisse
Ausdrücke in den Briefen des
Lehrers geeignet waren, zu Irrtum zu verleiten, so ist
die Antwort: Amen; das
waren sie. Der Autor von Esoteric Buddhism verstand
das wohl, als er schrieb,
also seien „die traditionellen Lehrmethoden durch
Hervorrufung von
Verwirrung“, der sie abhelfen oder nicht, je
nachdem. Auf jeden Fall, wenn mit
Nachdruck betont wird, daß dies früher hätte erklärt
und die wahre Natur der
Planeten so veröffentlicht werden können, so wie es
jetzt geschieht, so lautet die
Antwort: Man fand es damals nicht ratsam, also zu
thun, da es den Anlaß zu
einer Reihe von weiteren Fragen gegeben hätte, die
ihrer esoterischen Natur
halber niemals hätten beantwortet werden können,
wodurch nur Verlegenheiten
geschaffen worden wären. Es war vom Anfang an erklärt
und seither wiederholt
bestätigt worden: 1. Daß kein Theosoph, nicht
einmal als angenommener Chelâ,
geschweige denn ein Laienschüler, erwarten könne, daß
ihm die Geheimlehre
durchaus und vollständig erklärt werde, bevor er sich
der Brüderschaft durch
unwiderrufliches
Gelöbnis verpflichtet und mindestens eine Initiation
durchgemacht habe, weil keine Figuren und Zahlen der Öffentlichkeit übergeben
werden können, da Figuren und Zahlen der Schlüssel zum
esoterischen System
sind. 2. Daß das, was enthüllt wurde, bloß die
esoterische Zusammenkittung von
dem war, was in nahezu allen exoterischen Schriften
der Weltreligionen –
vorwiegend in den Brâhmanas und den Upanishads
der Veden, und selbst in den
Purânen – enthalten ist.
Es war ein kleiner Teil von
dem, was jetzt viel vollständiger in den vorliegenden
_87 (2 of 3)21:02:44.Kommentar VI
Bänden veröffentlicht wird; und selbst das ist sehr
unvollständig und
bruchstückweise.
_87 (3 of 3)21:02:44.Kommentar VI
Die Geburt der Himmelskörper im Raume wird verglichen
mit einer Pilgerschar
beim Feste der Feuer. Sieben Asketen erscheinen an der
Schwelle des Tempels
mit sieben brennenden Weihrauchkerzen. An der Flamme
derselben entzündet
die erste Reihe der Pilger ihre Weihrauchfackeln.
Hierauf beginnt jeder Asket
seine Kerze um seinen Kopf in der Luft herumzuwirbeln
und versieht die übrigen
mit Feuer.
So ist es auch mit den
Himmelskörpern.
Ein Layacentrum wird durch die
Feuer eines anderen „Pilgers“ entzündet und
zum Leben erweckt, worauf das
neue „Centrum“ in den Raum hinauseilt und ein
Komet wird. Erst wenn er seine
Geschwindigkeit und damit seinen feurigen
Schweif verliert, läßt sich der feurige Drache zu ruhigem
und stetigem Leben
nieder, als ordentlicher respektabler Bürger der
himmlischen Familie. Daher heißt
es:
Geboren in
den unergründlichen Tiefen des Raumes aus dem homogenen
Element, die
Weltseele genannt, beginnt jeder Kern kosmischer Materie, wie er
plötzlich ins
Dasein hinausgestoßen wird, sein Leben unter den feindlichsten
Umständen.
Durch eine zahllose Reihe von Zeitaltern hat er sich einen Platz in
den
Unendlichkeiten zu erkämpfen. Er kreist rundumher, zwischen dichteren und
bereits gefestigten Körpern, er bewegt sich ruckweise,
drängt nach einem
bestimmten Punkt oder einem Centrum, von dem er
angezogen wird, und
versucht gleich einem Schiffe, das in ein mit Riffen
und blinden Klippen
übersäetes
Fahrwasser gezogen wird, andere Körper zu vermeiden, die ihn der
Reihe nach
anziehen oder abstoßen. Viele gehen zu Gunde, indem ihre Masse
durch
stärkere Massen aufgelöst wird, und zwar, wenn sie in ein System
getragen
werden, hauptsächlich in den unersättlichen Mägen der verschiedenen
Sonnen. Jene,
die sich langsamer bewegen und in eine elliptische Bahn
gedrängt
werden, sind zu früherer oder späterer Vernichtung verurteilt. Andere,
die sich in
parabolischen Bahnen bewegen, entgehen wegen ihrer
Geschwindigkeit gewöhnlich der
Zerstörung.
Einige besonders kritische
Leser werden vielleicht denken, daß diese Lehre, daß
alle Himmelskörper durch den kometarischen Zustand
hindurchgehen müssen, in
Widerspruch stehe mit der soeben gemachten Behauptung,
daß der Mond die
Mutter der Erde ist. Sie werden vielleicht wähnen, es
sei Intuition nötig, um
beides miteinander in Einklang zu bringen. Aber in
Wahrheit ist keine Intuition
notwendig. Was weiß die Wissenschaft von den Kometen,
ihrer Entstehung,
ihrem Wachstum, und ihrem schließlichen Verhalten?
Nichts – absolut nichts!
Und was liegt so Unmögliches darin, daß ein
Layacentrum – ein Klumpen
_25 (1 of 3)21:02:45.Kommentar VI
kosmischen Protoplasmas, homogen und latent – wenn es
plötzlich belebt oder
angefeuert wird, aus seinem Bette im Raume fortrast
und durch die
unergründlichen Tiefen dahinwirbelt, um seinen
homogenen Organismus durch
eine Anhäufung und Aufnahme differenzierter Elemente
zu verstärken? Und
warum soll ein solcher Komet sich nicht seßhaft
machen, leben, und zum
bewohnten Balle werden?
„Der
Wohnungen Fohats sind viele“ – heißt es. „Er stellt seine vier feurigen
(elektropositiven) Söhne in die vier Kreise;“ diese
Kreise sind der Äquator, die
Ekliptik, und die zwei Parallelkreise in Deklination
oder die Wendekreise, über
deren Klimata die vier mystischen Wesen als
Herrscher gesetzt sind. Dann
weiter:
„Andere Sieben (Söhne) sind beauftragt, über die sieben heißen, und die
sieben kalten
Lokas (die Höllen der orthodoxen Brâhmanen) an den beiden
Spitzen des
Eies der Materie (unserer Erde und ihrer Pole) zu herrschen.“ Diese
sieben Lokas heißen anderwärts die „Ringe“ oder die
„Kreise“. Die Alten zählten
sieben Polarkreise,
anstatt zwei, wie die Europäer thun; denn es heißt, daß zum
Berge Meru, welcher der Nordpol ist sieben goldene und
sieben silberne Stufen
hinführen.
Die sonderbaren Behauptungen
in einer der Strophen, daß „die Gesänge des
Fohat und seiner Söhne STRAHLEND waren wie die
Mittagssonne in
Verbindung mit dem Mond“ und daß die Vier Söhne, auf dem mittleren vierfachen
Kreise,
„ihres Vaters Gesänge SAHEN und seinen sonnig-mondigen Glanz
HÖRTEN“,
werden im Kommentar mit folgenden Worten erklärt: „Die Bewegung
der
fohatischen Kräfte an den zwei kühlen Enden (Nord- und Südpol) der Erde,
die einen vielfarbigen Strahlenglanz des Nachts zur
Folge hat, besitzt
verschiedene Eigenschaften von Âkâsha (Ether), Farbe
ebenso gut wie Ton.“
„Ton ist das Charakteristikon
von Âkâsha (Ether): er erzeugt Luft, deren
Eigenschaft Berührung ist; welche (durch Reibung)
Farbe und Licht erzeugt.“ [78]
Das Obige wird vielleicht für archaischen Unsinn
gehalten werden, aber der
Leser wird es besser verstehen, wenn er sich an die
Nord- und Südlichter
erinnert, welche genau an den Centren der
erdelektrischen und erdmagnetischen
Kräfte auftreten. Es heißt,
daß die zwei Pole die Speicher, die Behälter und
zugleich Ausscheidestellen
der kosmischen und irdischen Lebenskraft
(Elektricität) sind, durch
deren Übermaß die Erde, wenn sie diese beiden
natürlichen
Sicherheitsventile nicht hätte, schon längst in Stücke zersprengt
worden wäre. Gleichzeitig
existiert eine Theorie, die neuerdings zum Axiom
geworden ist, daß die
Erscheinung der Polarlichter von starken Tönen, wie
_25 (2 of 3)21:02:45.Kommentar VI
pfeifen, zischen und knacken, begleitet ist und
dieselben verursacht. Siehe in
Prof. Humboldts Werken über Nordlicht, und seinen
Briefwechsel in Bezug auf
die strittige Frage.
[78] Vishnu Purâna.
_25 (3 of 3)21:02:45.Kommentar VI
7. MACHE DEINE BERECHNUNGEN, LANOO, WENN DU DAS WAHRE
ALTER DEINES KLEINEN RADES [79] ERFAHREN WILLST. DIE
VIERTE
SPEICHE DESSELBEN IST UNSERE MUTTER [80] (a).
ERLANGE DIE VIERTE
FRUCHT AUF DEM VIERTEN WEGE DER ERKENNTNIS DIE ZUM
NIRVÂNA
FÜHRT; DANN WIRST DU VERSTEHEN, DENN DU WIRST SEHEN (b)
.
(a) Das
„kleinere Rad“ ist unsere Kette von Sphären, und die „vierte Speiche“ ist
unsere Erde, die vierte in der Kette. Sie ist eine von
jenen, auf die der „heiße
(positive) Atem der Sonne“ einen direkten Einfluß hat.
Die sieben fundamentalen Umwandlungen der Globen oder
himmlischen
Sphären, oder vielmehr die der Stoffteilchen, aus
denen sie zusammengesetzt
sind, werden wie folgt beschrieben: 1. homogen;
2. luftförmig und strahlend –
gasartig; 3. flockig (nebelartig); 4. atomistisch,
etherisch – Beginn von
Bewegung, daher von Differentiation; 5. keimartig,
feurig – differentiiert, aber
bloß aus den Keimen der Elemente in ihren ersten
Zuständen zusammengesetzt,
von welchen Zuständen sie nach ihrer vollständigen
Entwicklung auf unserer
Erde ihrer sieben haben; (6) vierfältig, dampfartig
– die zukünftige Erde; (7) kalt –
und wegen des Bezuges von Leben und Licht von der
Sonne abhängig.
Dieses Alter zu berechnen, wie der Schüler in dieser
Strophe aufgefordert wird,
ist jedoch ziemlich schwierig, da uns die Zahlen des
großen Kalpas nicht
gegeben sind, und uns nicht erlaubt ist, die unserer
kleineren Yugas zu
veröffentlichen, ausgenommen ihre näherungsweise
Dauer. „Die älteren Räder
drehten sich eine Ewigkeit und eine halbe Ewigkeit“,
heißt es. Wir wissen, daß
unter „Ewigkeit“ der siebente Teil von 311 040 000 000
000 Jahren, oder eines
Zeitalters Brahmâs verstanden ist. Aber was damit
weiter? Wir wissen auch, um
einen Anfang zu machen, daß wir, wenn wir obige Zahl
als unsere Grundlage
annehmen, vor allem von den 100 Jahren des Brahmâ,
oder den 311 040 000
000 000 Jahren, zwei Jahre auszuscheiden haben, die
von den Sandhyâs
(Dämmerungen) eingenommen werden, wonach 98 bleiben,
da wir diese auf die
mystische Kombination 14x7 zu bringen haben. Aber wir
haben keine Kenntnis
davon, an welchem genauen Zeitpunkt die Entwicklung
und Bildung unserer
kleinen Erde begann. Daher ist es unmöglich, ihr Alter
zu berechnen, wenn uns
nicht die Zeit ihrer Geburt gegeben ist – welche uns
die Lehrer insoweit zu geben
sich weigern. Am Schlusse dieses Bandes und in Band II
werden jedoch einige
chronologische Andeutungen gegeben werden. Wir müssen
uns weiter daran
erinnern, daß sich das Gesetz der Analogie ebenso gut
bei den Welten, als beim
Menschen bewährt; und daß, ebenso wie „die Eins (Gottheit)
wird Zwei (Deva
_27 21:02:46.Kommentar VI
oder Engel), und Zwei wird Drei (oder Mensch),“ etc.,
uns auch gelehrt wird, daß
die Flocken (der Weltstoff) zu Wanderern (Kometen)
werden; diese werden zu
Sternen; und die Sterne (die Centren der Wirbel) zu
unserer Sonne und unseren
Planeten – um es kurz zu sagen.
Dies kann nicht so
unwissenschaftlich sein, nachdem Descartes ebenfalls
glaubte, daß „die Planeten
sich um ihre Achsen drehen, weil sie einstmals
leuchtende Sterne, die
Centren von Wirbeln waren.“
(b) Es
werden in den exoterischen Werken vier Grade der Initiation aufgezählt,
die im Sanskrit der Reihe nach als Srotâpanna,
Sakridâgâmin, Anâgâmin und
Arhan bekannt sind; die vier Pfade zu Nirvâna, in
dieser unserer vierten Runde,
tragen dieselben Bezeichnungen. Der Arhan ist, obwohl
er Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft sehen kann, doch nicht der
höchste initiierte; denn der
Adept selbst, der initiierte Kandidat, wird zum
Chelâ (Schüler) eines höheren
Initiierten. Noch drei höhere Grade muß der Arhan erringen,
der den Gipfel der
Leiter der Arhatschaft erreichen will. Es existieren
solche, welche ihn in dieser
unserer fünften Rasse erklommen haben, aber die zur
Erlangung dieser höheren
Grade notwendigen Fähigkeiten werden im gewöhnlichen
Asketen erst am Ende
dieser Wurzelrasse, und in der sechsten und siebenten,
vollständig entwickelt
sein. So wird es immer
Initiierte und Profane geben bis zum Ende dieses
kleineren Manvantara, des
gegenwärtigen Lebenscyklus. Die Arhats des
„Feuernebels“, von der
siebenten Sprosse, sind bloß eine Staffel von der
Wurzelbasis ihrer Hierarchie,
der höchsten auf Erden und unserer irdischen
Kette. Diese „Wurzelbasis“ hat einen Namen, der in
unsere Sprache nur mittelst
verschiedener zusammengesetzter Worte übersetzt werden
kann – der „ewig –
lebende – menschliche – Feigenbaum“. Diese „wunderbare
Wesen“ senkte sich
herab aus einer „hohen Region“, so sagen sie, im
ersten Teil des dritten
Zeitalters, vor der Trennung der Geschlechter in der
dritten Rasse.
Diese dritte Rasse wird manchmal kollektiv die „Söhne
des passiven Yoga“
genannt, d. h. sie wurde unbewußt von der zweiten
Rasse hervorgebracht, von
welcher man, da sie intellektuell unthätig war,
annimmt, daß sie beständig in eine
Art leerer oder abstrakter Contemplation versunken war,
wie es die Bedingungen
des Yogazustandes erfordern. In dem ersten oder
früheren Teile des Daseins
dieser dritten Rasse, als sie noch in ihrem Zustande
von Reinheit war, erzeugten
die „Söhne der Weisheit“, welche, wie wir sehen
werden, in dieser Wurzelrasse
sich inkarnierten, mittelst Kriyâshakti eine
Nachkommenschaft, welche die
„Söhne von Ad“ oder vom „Feuernebel“, die „Söhne von
Willen und Yoga“ etc.
genannt wurde. Sie war eine bewußte Hervorbringung, da
ein Teil der Rasse
bereits mit dem göttlichen Funken geistiger, höherer
Intelligenz beseelt war.
Diese Nachkommenschaft war keine Rasse. Sie war zuerst
ein wunderbares
_27 (2 of 4)21:02:46.Kommentar VI
Wesen, genannt der „Initiator“ und nach ihm die Gruppe
halb-göttlicher und halb-menschlicher
Wesen. „Bei Seite gesetzt“ in der archaischen Genesis
für gewisse
Zwecke waren sie jene, von denen es heißt, daß die
höchsten Dhyânis – „Munis
und Rishis aus früheren Manvantaras“ – sich in ihnen
inkarniert hatten, um die
Pflanzschule für zukünftige menschliche Adepten zu
bilden, auf dieser Erde und
während des gegenwärtigen Cyklus. Diese „Söhne von
Willen und Yoga“ waren
so zu sagen auf unbefleckte Art
geboren und blieben, wie erklärt, gänzlich
getrennt von der übrigen
Menschheit.
Das eben erwähnte „Wesen“,
welches namenlos bleiben muß, ist der Baum, von
dem sich in späteren Zeitaltern
alle großen historisch bekannten Weisen und
Hierophanten, wie der Rishi Kapila, Hermes, Enoch,
Orpheus u.s.w. abgezweigt
haben. Als objektiver Mensch ist er die geheimnisvolle
(für den Profanen – die
immer unsichtbare, aber immer gegenwärtige)
Persönlichkeit, über die im Osten
zahlreiche Legenden existieren, besonders unter den
Occultisten und den
Schülern der heiligen Wissenschaft. Er ist es, der die
Form wechselt, aber immer
derselbe bleibt. Und er ist es auch wiederum, der die
geistige Herrschaft über
alle initiierten Adepten der ganzen Welt inne
hat. Er ist, wie gesagt, der
„Namenlose Eine“, der so viele Namen hat, und dessen
Namen und wahre Natur
trotzdem unbekannt sind. Er ist der „Initiator“,
genannt das „GROSSE OPFER“.
Denn an der Schwelle des LICHTES sitzend, blickt er in
dasselbe aus dem
Kreise der Dunkelheit, den er nicht überschreiten
will; noch will er seinen Posten
verlassen vor dem letzten Tage dieses Lebenscyklus.
Warum bleibt der einsame
Wächter auf seinem selbsterwählten Posten? Warum sitzt
er an der Quelle der
ursprünglichen Weisheit, von der er nicht länger mehr
trinkt, weil er nichts zu
lernen hat, das er nicht wüsste – fürwahr, weder auf dieser
Erde noch in ihrem
Himmel? Weil die einsamen Pilger mit wunden Füßen, auf
ihrer Rückreise in ihre
Heimat, bis zum letzten Augenblick niemals sicher
sind, ihren Weg nicht zu
verlieren, in dieser grenzenlosen Wüste von Illusion
und Materie, genannt das
Erdenleben. Weil er gerne einem jeden Gefangenen, dem
es gelungen ist, sich
von den Banden des Fleisches
und der Illusion zu befreien, den Weg zeigen
möchte zu jener Region der
Freiheit und des Lichtes, aus der er sich selbst
freiwillig verbannt hat. Weil
er, kurz gesagt, sich selbst zum Wohle der
Menschheit geopfert hat, obwohl nur wenige Auserwählte
Vorteil ziehen könne
aus dem GROSSEN OPFER.
Unter der unmittelbaren, stillen Leitung dieses
MAHÂ-GURU wurden alle
anderen weniger göttlichen Lehrer und Unterweiser des
Menschengeschlechts
vom ersten Erwachen des menschlichen Bewusstseins an
die Führer der ersten
Menschheit. Durch diese „Söhne Gottes“ erlernte die
kindliche Menschheit ihre
ersten begriffe von allen Künsten und Wissenschaften,
sowie von der geistigen
_27 (3 of 4)21:02:46.Kommentar VI
Erkenntnis; und sie sind es, die den ersten Grundstein
gelegt haben für alten
Civilisationen, die unsere moderne Generation von
Schülern und Gelehrten in so
traurige Verlegenheit
versetzen.
[79] Kette.
[80] Erde.
_27 21:02:46.Kommentar VI
Mögen jene, die diese Behauptung bezweifeln, mit
irgend welchen anderen
gleich vernünftigen Gründen das Geheimnis das
außerordentlichen Wissens, das
die Alten besaßen, erklären – die, wie einige
vorgeben, sich aus niederen und
tierartigen Wilden, den „Höhlenmenschen“ des
paläolithischen Zeitalters,
entwickelt hatten!
Mögen sie sich beispielsweise solchen Werke zuwenden,
wie denen des
Vitruvius Pollio aus dem augusteischen Zeitalter über
Architektur, in welchen alle
Proportionsregeln dieselben sind, die in alter Zeit
bei den Initiationen gelehrt
wurden, wenn
sie sich mit dieser wahrhaft göttlichen Kunst bekannt machen
wollen, und den tiefen esoterischen Sinn, der in jeder
Regel und jedem Gesetze
der Proportion verborgen liegt, verstehen wollen. Kein Mensch, der von einem
paläolithischen Höhlenbewohner abstammt, könnte jemals
eine solche
Wissenschaft ohne Beihilfe entwickeln, selbst nicht in
Jahrtausenden von
Gedanken und intellektueller Evolution. Die Schüler
jener inkarnierten Rishis und
Devas der dritten Wurzelrasse waren es, die ihr Wissen
– von einer Generation
zur anderen- an Ägypten überlieferten und an
Griechenland mit seinem
verlorenen Kanon der Proportion; gerade so, wie
die Schüler der initiierten der
vierten, der Atlantier, sie ihren Cyklopen übergaben,
den „Söhne der Cyklen“
oder des „Unendlichen“, von welchen der Name auf die
noch späteren
Generationen gnostischer Priester überging.
Diese göttlichen Vollkommenheit der
Architekturverhältnisse ist es zu
verdanken, daß die Alten jene Wunderwerke aller
folgenden Zeitalter erbauen
konnten, ihre Tempel, Pyramiden, Höhlentempel,
Kromlechs, Steinhügel und
Altäre als Zeugen von dem Besitze maschineller Kräfte
und mechanischer
Kenntnisse, mit denen verglichen die moderne
Kunstfertigkeit wie ein
Kinderspiel ist, und welche diese Geschicklichkeit
selbst als die „Werke der
hundertarmigen Riesen“ bezeichnet. [81]
Moderne Baumeister mögen diese Regeln nicht gänzlich
vernachlässigt haben,
aber sie haben genug
empirische Neuerungen hinzugefügt, um die richtigen
Verhältnisse zu zerstören.
Vitruv ist es, der der Nachwelt die Regeln für den
Aufbau der griechischen
Tempel gab, die den unsterblichen Göttern errichtet
wurden, und die zehn Bücher über Architektur des
Markus Vitruvius Pollio, eines
Mannes, der, kurz gesagt, ein
Initiierter war, können nur esoterisch studiert
werden. Die Druidensteine,
die Dolmen, die Tempel Indiens, Ägyptens und
Griechenlands, die Türme, und
die 127 europäischen Städte, die vom
französischen Institut als „cyklopischen Ursprungs“
befunden wurden, sind alle
das Werk initiierter Priester-Architekten – der
Nachkommen von jenen, die zuerst
_29 (1 of 2)21:02:46.Kommentar VI
von den „Söhnen Gottes“ unterrichtet und mit Recht die
„Baumeister“ genannt
wurden. Folgendes sagt die anerkennende Nachwelt von
diesen Nachkommen:
Sie verwendeten weder Mörtel
noch Cement, noch Stahl oder Eisen, um ihre
Steine zu behauen; und doch
waren diese so kunstvoll bearbeitet, daß an
vielen Stellen die Fugen kaum
sichtbar sind, obwohl viele von den Steinen,
wie in Peru, 38 Fuß lang, 18 Fuß breit und 6 Fuß dick
sind; und in den Wällen
der Festung von Cuzko befinden sich Steine von noch
größerer Masse. [82]
Wiederum:
Der Brunnen von Syene, erbaut vor 5400 Jahren, als
dieser Punkt genau unter
dem Wendekreise lag, was jetzt nicht mehr der Fall
ist, war so gegraben,
dass genau im Moment der Sonnenwende zu Mittag die
ganze
Sonnenscheibe auf seiner Oberfläche reflektiert zu
sehen war – ein Werk, das
die vereinte Geschicklichkeit aller Astronomen von
Europa nicht im stande
wäre zu vollbringen. [83]
Obwohl diese Gegenstände in Isis Unveiled kaum
angedeutet wurden, so wird es
doch gut sein, den Leser daran zu erinnern, was dort
[84] über eine heilige Insel
in Centralasien gesagt ist, und ihn wegen weiterer
Einzelheiten auf den Abschnitt
hinzuweisen, welcher unter dem Titel „Die Söhne Gottes
und die heilige Insel“
der Strophe IX des zweiten Bandes beigegeben ist.
Einige weitere Erklärungen
mögen jedoch, wenn sie auch nur bruchstückweise
hingeworfen sind, dem
Schüler behilflich sein, einen kleinen Einblick in das
vorliegende Geheimnis zu
erlangen.
[81] Kenealy, Book of God,
p. 118.
[82] Acosta, VI, 14.
[83] Kenealy, ebendaselbst.
[84] I. 587-93.
_29 (2 of 2)21:02:46.Kommentar VI
Um mindestens eine Einzelheit bezüglich dieser
geheimnisvollen „Söhne Gottes“ in
klaren Worten mitzuteilen: die hohen Dvijas, die
initiierten Brâhmanen des Altertums
behaupteten von diesen Brahmaputras abzustammen,
während der moderne Brâhmane
die niederen Kasten buchstäblich daran glauben lassen
möchte, daß sie (die
Brâhmanen) unmittelbar aus dem Munde Brahmâs
hervorgegangen seien. So ist die
esoterische Lehre; und sie fügt noch hinzu, dass,
obwohl jene (selbstverständlich
geistigen) Nachkommen der „Söhne von Willen und Yoga“
mit der Zeit in
entgegengesetzte Geschlechter geteilt wurden, ebenso
wie später auch ihre
„Kriyâshakti“ Vorfahren, daß doch ihre entarteten
Nachkommen bis zum heutigen Tage
Verehrung und Achtung für die Zeugungshandlung bewahrt
haben und sie noch immer
im Lichte einer religiösen Ceremonie betrachten,
während die civilisierten Nationen sie
für eine rein tierische Funktion halten.
Man vergleiche die westlichen Anschauungen und Übung
in Bezug auf diese Dinge mit
den Anordnungen Manus betreffend die Gesetze für den
Grihastha und das eheliche
Leben.
Der wahre Brâhmane ist somit thatsächlich der, „dessen
sieben Vorväter den Saft der
Mondpflanze (Soma) getrunken haben“, und der ein
„Trisuparna“ ist, da er das
Geheimnis der Veden verstanden
hat.
Und bis zum heutigen Tage
wissen solche Brâhmanen, daß während der ersten
Anfänge dieser Rasse die geistigen Ideen derselben
ohne allen Zusammenhang mit
ihrer körperlichen Umgebung waren, weil der psychische
und physische Intellekt
schlummerten und das Bewußtsein noch nicht entwickelt
war; daß der göttliche Mensch
in seiner tierischen – wenn auch äußerlich
menschlichen – Form wohnte; daß, wenn
Instinkt in ihm war, kein Selbstbewußtsein kam, um die
Finsternis des latenten fünften
Prinzipes zu erhellen. Als die Herren der Weisheit,
durch das Gesetz der Evolution
getrieben, in ihm den Funken des Bewußtseins
versenkten, so war die erste Regung,
welche dieser zu Leben und Thätigkeit erweckte, ein
Gefühl der Solidarität, des
Einsseins mit seinen geistigen Schöpfern. Wie die
erste Regung des Kindes seiner
Mutter und Ernährerin gilt, so neigten sich die ersten
Bestrebungen des erwachenden
Bewußtseins im ursprünglichen Menschen jenen zu, deren
Elemente er in sich selbst
fühlte, und welche doch draußen und von ihm unabhängig
waren. Aus diesem Gefühle
entsprang Hingebung, und wurde zur ersten und
vornehmsten Triebkraft in seiner Natur;
denn sie ist die einzige, welche in seinem Herzen
natürlich und ihm angeboren ist, und
die wir ebenso im menschlichen Kindchen wie im
tierischen Jungen finden. Dieses
Gefühl unbezähmbarer naturtriebartiger Sehnsucht im
Urmenschen beschreibt herrlich,
um man kann sagen intuitiv, Carlyle, indem er ausruft:
Das große antike Herz – wie gleicht es dem eines
Kindes in seiner Einfalt, wie dem
1 (1 of 3)21:02:47.Kommentar VI
eines Mannes in seiner ernsten Erhabenheit und Tiefe!
Der Himmel ruht über ihm, wo
immer er geht oder steht auf Erden, und macht ihm die
ganze Erde zu einem
mystischen Tempel und jedes irdische Geschäft zu einer
Art von Gottesdienst.
Flüchtige Schimmer heller Kreaturen blitzen im
Sonnenschein des Alltags; Engel
schweben noch und tragen Gottes Botschaften unter die
Menschen Staunen
und Wunder umgeben den Menschen; er lebt in einem
Element des Wunders.
[85] Ein großes Gesetz der Pflicht, hoch wie diese
zwei Unendlichkeiten
(Himmel und Hölle), das alles andere als nichtig
erscheinen ließ, das alles andere
vernichtete – es war eine Wirklichkeit, und ist noch
immer eine: nur die Umkleidung
ist tot, sein Wesen lebt durch alle Zeiten und durch
alle Ewigkeit!
Es lebt unbestreitbar, und hat mit all seiner
unausrottbaren Stärke und Kraft in dem
Herzen des asiatischen Âriers, unmittelbar von der
dritten Rasse her, durch deren erste
aus der Seele geborenen Söhne, die Früchte von
Kriyâshakti geregelt. Während die Zeit
dahinrollte, brachte die heilige Kaste der
Initiierten, zwar selten, von Zeitalter zu
Zeitalter, solche vollkommene Geschöpfe hervor;
innerlich abgesonderte Wesen, obwohl
äußerlich dieselben, wie jene, welche sie
hervorbrachten.
Es war in der Kindheit der dritten ursprünglichen
Rasse:
Und ein
Geschöpf
erhabenerer
Art,
Es fehlte noch,
und ward daher
geplant,
Bewußt im
Denken,
umfangreicherer
Brust,
Geformt zum
Herrn der ganzen
andern Welt.
Es wurde ins Dasein gerufen als ein bereiter und
vollkommener Träger der sich inkarnierenden
Bewohner höherer Sphären, die fortan in diesen Formen
ihren Aufenthalt nahmen, geboren vom
geistigen Willen und der natürlichen göttlichen Kraft im Menschen. Es war ein Kind des
reinen
Geistes, in seinem Gemüte ohne irgendwelche färbende
Beimischung eines irdischen Elementes.
Nur sein Körpergebäude gehörte der Zeit und dem Leben
an, denn es nahm seine Intelligenz
1 (2 of 3)21:02:47.Kommentar VI
unmittelbar von oben. Es war der lebendige Baum der
göttlichen Weisheit, und kann daher dem
Weltenbaume der nordischen Legenden verglichen werden,
der nicht welken und sterben kann,
bevor die letzte Schlacht des Lebens geschlagen ist,
während seine Wurzeln die ganze Zeit von
dem Drachen Nîdhöggr benagt wird. Denn ebenso wurde
auch der Körper des ersten und heiligen
Sohnes von Kriyâshakti vom Zahne der Zeit benagt,
während die Wurzeln seines inneren Wesens
für immer unverwelklich und stark blieben, weil sie im
Himmel wuchsen und sich ausbreiteten,
und nicht auf Erden. Er war der erste der Ersten,
und er war der Same aller anderen. Es gab
andere Söhne der Kriyâshakti, die durch eine zweite
geistige Anstrengung hervorgebracht
wurden, aber der erste blieb bis zu diesem Tage der Same
der göttlichen Erkenntnis, der Eine und
höchste unter den irdischen „Söhnen der Weisheit“.
Über diesen Gegenstand können wir nicht
mehr sagen, außer daß wir hinzufügen, daß es in jedem
Zeitalter – ja sogar in dem unsern – große
Intellekte gegeben hat, die das Problem richtig
verstanden haben.
[85] Das, was für den Blick des ursprünglichen
Menschen natürlich war, ist erst für
uns zum Wunder geworden; und das, was für ihn
ein Wunder war, könnte niemals in
unserer Sprache ausgedrückt werden.
1 (3 of 3)21:02:47.Kommentar VI
Aber wie kommt unser physischer Körper zu dem Zustande
von Vollkommenheit, in dem
er jetzt gefunden wird? Durch Millionen von Jahren der
Evolution, selbstverständlich,
aber niemals durch den Tierzustand oder von Tieren
her, wie der Materialismus lehrt.
Denn wie Carlyle sagt:
Die Wesenheit unseres Seins, das Geheimnisvolle in
uns, das sich selbst „Ich“
nennt – ach, was für Worte haben wir für solche Dinge?
– ist ein Atem des Himmels;
das höchste Wesen offenbart sich im Menschen. Dieser
Körper, diese Fähigkeiten,
dieses unser Leben, ist es nicht alles ein Gewand
jenes Namenlosen?
Der „Atem des Himmels“ oder vielmehr der Atem des
Lebens, der in der Bibel
Nephesch genannt wird, ist in jedem Tiere, in jedem
belebten Stäubchen und in
jedem mineralischen Atom. Aber keines von diesen hat
gleich dem Menschen ein
Bewußtsein von der Natur dieses „höchsten Wesens“ [86]
, weil keines diese
göttliche Harmonie in seiner Form hat, wie sie der
Mensch besitzt. Es ist so, wie
es Novalis gesagt und keiner seither es besser gesagt
hat, und wie es Carlyle
wiedergiebt:
Es giebt bloß einen Tempel im Weltall und der
ist der Körper des Menschen. Nichts ist
heiliger als diese hohe Form Wir berühren den Himmel,
wenn wir unsere Hand
auf einen menschlichen Körper legen! Dies klingt wie
eine bloße Redeblume; aber es
ist nicht so. Wenn wohl überlegt, wird es sich als
eine wissenschaftliche Thatsache
erweisen; als der Ausdruck der thatsächlichen Wahrheit
der Sache. Wir sind das
Wunder der Wunder – das große unergründliche Geheimnis
[87]
[86] Es giebt keine Nation auf der Welt, in der das
Gefühl der Andacht oder
der religiösen Mystik entwickelter und
hervorleuchtender wäre als beim
indischen Volke. Man sehe, was Max Müller über dieses
eigentümliche
Verhalten und dieses nationale Gepräge in seinen
Werken sagt. Es ist dies
ein unmittelbares Erbe von den ursprünglichen bewußten
Menschen der
dritten Rasse.
[87] Lectures on Heroes.
3a21:02:48.Kommentar VII
1. SIEHE DEN ANFANG DES FÜHLENDEN FORMLOSEN LEBENS (a).
ZUERST DAS GÖTTLICHE [1] (b), DAS EINE VON DEM
MUTTERGEISTE; [2]
DANN DAS GEISTIGE [3] ©; [4] DIE DREI VON DEM
EINEN (d), DIE VIER
VON DEM EINEN (e), UND DIE FÜNF (f), VON
WELCHEN DIE DREI, DIE
FÜNF UND DIE SIEBEN (g). DIESE SIND DIE DREIFACHEN
UND DIE
VIERFACHEN ABWÄRTS STEIGENDEN; DIE AUS DER SEELE
GEBORENEN
SÖHNE [5] DES ERSTEN HERRN, DIE LEUCHTENDEN SIEBEN.
[6] SIE SIND
ES, WELCHE DA SIND: DU, ICH, ER, O LANOO! SIE WACHEN
ÜBER DICH
(a) Die
Hierarchie der schöpferischen Kräfte wird esoterisch in sieben (vier und
drei) geteilt, innerhalb der zwölf großen Ordnungen,
die in den zwölf Zeichen des
Tierkreises aufgezeichnet sind; die Sieben der sich
offenbarenden Stufenleiter
stehen ferner mit den sieben
Planeten in Zusammenhang. Alle diese erfahren
eine Unterteilung in zahllose
Gruppen göttlich-geistiger, halbgeistiger, und
etherischer Wesen.
Die Haupthierarchieen unter
diesen sind angedeutet in der großen Vierheit oder
den „vier Körpern und den drei
Fähigkeiten“, exoterisch, des Brahmâ, und der
Panchâsya, der fünf Brahmâs,
oder der fünf Dhyâni-Buddhas im buddhistischen
System.
Die höchste Gruppe setzt sich
zusammen aus den sogenannten göttlichen
Flammen, die auch als die „feurigen
Löwen“ und die „Löwen des Lebens“
bezeichnet werden, deren
Esoterik in dem Tierkreiszeichen des Löwens
wohlverwahrt liegt. Sie ist der Kernkörper der
oberen göttlichen Welt. Sie sind die
formlosen feurigen Atem, in einem Aspekt wesensgleich
mit der oberen
sephirothischen Dreiheit, welche von den Kabbalisten
in die archetypische Welt
versetzt wird.
Dieselbe Hierarchie, mit denselben Zahlen, findet sich
auch im japanischen
System, in den „Anfängen“, wie sowohl von den Sinto
als von den buddhistischen
Sekten gelehrt wird. In diesem System geht die
Anthropogenesis der
Kosmogenesis voran, indem das Göttliche sich in das
Menschliche herabsenkt
und unterwegs in seinem Herabsteigen in die Materie
das sichtbare Weltall
erschafft; die legendenhaften Persönlichkeiten, so
bemerkt ehrfurchtsvoll Omoie,
„sind zu verstehen als die feststehende Verkörperung
der höheren (geheimen)
3b (1 of 3)21:02:48.Kommentar VII
Lehre, und ihrer erhabenen Wahrheiten.“ Dieses alte
System in voller
Ausführlichkeit darzulegen, würde zu viel Raum
erfordern; ein paar Worte
hierüber werden jedoch keineswegs ungelegen sein. Das
folgende ist eine kurze
engübereinstimmend die getrenntesten Nationen eine und
dieselbe archaische
Lehre wiederhallten.
Als alles noch Chaos
(Kon-ton) war, erschienen drei geistige Wesen auf der
Bühne der zukünftigen
Schöpfung: 1. Ame no ani naka nushi no Kami, der
„göttliche Monarch des centralen Himmels“; 2. Taka mi
onosubi no Kami, der
„erhabene, kaiserliche göttliche Sproß von Himmel und
Erde“; und 3. Kamu mi
musubi no Kami, der „Sproß der Götter“, einfach.
Diese waren ohne Form oder Substanz – unsere
Arûpadreiheit – da weder die
himmlische noch die irdische Substanz sich bereits differenziert
hatte, „noch die
Wesenheit der Dinge geformt
worden war.“
(b) Im Zohar – der, wie er jetzt von Moses de
Leon mit Hilfe von syrischen und
chaldäischen christlichen
Gnostikern im 13. Jahrhundert geordnet und neu
herausgegeben, und noch später von vielen christlichen
Händen korrigiert und
revidiert worden ist, nur um ein geringes weniger
exoterisch ist als die Bibel
selbst – erscheint dieses „göttliche (Vehikel)“ nicht
länger mehr, wie es sich im
chaldäischen Buch der
Zahlen findet. Wahr genug, Ain Suph, das absolute
endlose Nichtding, benützt
auch die Form des Einen, des geoffenbarten
„himmlischen Menschen“ (der
ersten Ursache) als Wagen (Mercabah im
Hebräischen, Vâhana im Sanskrit) oder Vehikel, um in
die phänomenale Welt
herabzusteigen und sich in derselben zu offenbaren.
Aber die Kabbalisten
erklären weder, wieso das Absolute irgend etwas
benützen oder irgend welche
Eigenschaft bethätigen kann, nachdem es als ein
Absolutes aller Eigenschaften
bar ist; noch erklären sie, daß es in Wirklichkeit die
erste Ursache (Platons
Logos), die ursprüngliche und ewige Idee ist, welche
sich durch Adam Kadmon,
den zweiten Logos, sozusagen offenbart.
Im Buche der Zahlen wird erklärt, daß Ain (En
oder Aiôr) das einzige
selbstexistierende ist, während seine „Tiefe“, der
Bythos der Gnostiker, genannt
Propatôr, bloß periodisch
ist. Der letztere ist Brahmâ, als von Brahman oder
Parabrahman differenziert. Er
ist die Tiefe, die Quelle des Lichtes, oder der
Propatôr, welcher der
unmanifestierte Logos ist, oder die abstrakte Idee, und
nicht Ain Suph, dessen Strahl den Adam Kadmon –
„männlich und weiblich“ –
3b (2 of 3)21:02:48.Kommentar VII
oder den geoffenbarten Logos, das objektive Universum,
als seinen Wagen
benützt, um sich durch diesen zu offenbaren. Aber im Zohar
lesen wir die
folgende
Widersinnigkeit: „Senior occultatus est, et absconditus; Mikroprosopus
manifestus est, et non manifestus.“ [8] Das ist falsch, weil Mikroprosopus oder
der Mikrokosmos bloß während
seiner Manifestationen existieren kann, und
während der Mahâpralayas
zerstört ist. Rosenroths Kabbala ist keine
Richtschnur, sondern sehr
häufig ein Rätsel.
[1] Vehikel.
[2] Âtman.
[3] Âtmâ-Buddhi, Geist-Seele. Dies bezieht sich auf
die kosmischen Prinzipien.
[4] Wiederum.
[5] Avalokiteshvara.
[6] Baumeister. Die sieben
schöpferischen Rishis, die jetzt mit dem Sternbilde
des großen Bären in Verbindung
gebracht werden.
[7] Erde.
[8] Rosenroth, Liber Mysterii.
IV. 1.
3b (3 of 3)21:02:48.Kommentar VII
Die erste Ordnung sind die Göttlichen. Wie im
japanischen System, so werden in
der ägyptischen und einer jeden alten Kosmogonie, an
dieser göttlichen Flamme
(der „Einen“) die drei absteigenden Gruppen entzündet.
Während sie ihr
potentielles Sein on der höheren Gruppe haben, werden
sie jetzt bestimmte und
getrennte Wesenheiten. Diese heißen die Jungfrauen des
Lebens, die große
Illusion, etc., etc., und zusammengefaßt der
sechseckige Stern.
Der letztere ist in fast jeder Religion das Symbol des
Logos als der ersten
Emanation. Er ist das Zeichen des Vishnu in Indien, das
Chakra oder Rad; und
die Glyphe des Tetragrammaton,
von „Ihm dem Vierbuchstabigen“ in der
Kabalah, oder metaphorisch die „Glieder des Mikroprosopus“,
welche
beziehungsweise zehn und sechs
sind.
Die späteren Kabbalisten
jedoch, insbesondere die christlichen Mystiker, haben
diesem herrlichen Symbol arg
mitgespielt.
In der That wurde der
Mikroprosopus – der, philosophisch gesprochen, gänzlich
verschieden ist von dem unmanifestierten Logos, der
„eins mit dem Vater“ ist –
schließlich durch jahrhundertlange unablässige
Anstrengungen der Sophistik und
der Paradoxen dahin gebracht, für ein mit Jehovah,
oder dem einen lebendigen
Gott (!), gehalten zu werden, während doch Jehovah
nichts weiter ist als Binah,
eine weibliche Sephira. Diese Thatsache kann dem Leser
nicht zu oft eingeprägt
werden. Denn die „zehn Glieder“ des himmlischen
Menschen sind die zehn
Sephiroth; aber der erste himmlische Mensch ist der
unmanifestierte Geist des
Weltalls und sollte zum Mikroprosopus erniedrigt
werden, dem kleineren Gesicht
oder Antlitz, dem Vorbilde des Menschen auf der
irdischen Ebene. Der
Mikroprosopus ist, wie soeben gesagt, der
manifestierte Logos, und deren giebt
es viele. Doch davon später! Der sechseckige Stern
bezieht sich auf die sechs
Kräfte oder Mächte der Natur, die sechs Ebenen,
Prinzipien, etc., etc., die alle in
dem siebenten oder dem Mittelpunkte des Sterns ihre
Vereinigung finden. Alle
diese jedoch, einschließlich der oberen und unteren
Hierarchieen, emanieren aus
der himmlischen Jungfrau, der großen Mutter in allen
Religionen, der
Androgynen, der Sephira Adam Kadmon. Sephira ist die
Krone, Kether, bloß in
dem abstrakten Prinzip, als ein mathematisches x, oder
die unbekannte Größe.
Auf der Ebene der differenzierten Natur ist sie das
weibliche Gegenstück des
Adam Kadmon, des ersten Androgynen. Die Kabalah lehrt,
daß die Worte „Fiat
Lux“ [9]
sich auf die Bildung und Evolution der Sephiroth, beziehen, und nicht auf
Licht im Gegensatz zu Finsternis. Rabbi Simeon sagt:
O Genossen, Genossen, der Mensch als eine Emanation
war zugleich Mann
5 (1 of 3)21:02:49.Kommentar VII
und Weib, Adam Kadmon fürwahr, und das ist der Sinn
der Worte “Es werde
Licht. Und es ward Licht.“ Und das ist der zwiefache
Mensch. [10]
In seiner Einheit ist das ursprüngliche Licht das
siebente oder höchste Prinzip,
Daiviprakriti, das Licht des ungeoffenbarten Logos.
Aber in seiner Differentation
wird es zu Fohat, oder den „sieben Söhnen“. Ersteres
wird symbolisiert durch
den Mittelpunkt des doppelten Dreiecks; die letzteren
durch das Sechseck selbst,
oder die sechs „Glieder“ des Mikroprosopus, deren
siebentes Malkuth ist, die
„Braut“ der christlichen Kabbalisten, oder unsere
Erde. Daher sie Ausdrücke:
Das erste
nach dem Einen ist göttliches Feuer; das zweite Feuer und Ether; das
dritte ist zusammengesetzt
aus Feuer, Ether und Wasser; das vierte aus Feuer,
Ether, Wasser
und Luft. Das Eine hat nichts zu thun mit den menschentragenden
Globen,
sondern mit den inneren unsichtbaren Sphären. Die Erstgeborenen sind
das LEBEN,
das Herz und der Pulsschlag des Universums; die Zweiten sind sein
GEMÜT oder
Bewusstsein.
Diese Elemente des Feuers, der Luft, u. s. w., sind
nicht unsere
zusammengesetzten Elemente; und dieses „Bewußtsein“
hat keine Beziehung zu
unserm Bewußtsein. Das Bewußtsein des „Einen Geoffenbarten“
ist, wenn nicht
absolut, so doch unbedingt. Mahat, das universale
Gemüt, ist die erste
Hervorbringung des schöpferischen Brahmâ, aber auch
von Pradhâna, der
undifferenzierten Materie.
© Die zweite
Ordnung der himmlischen Wesen, jene aus Feuer und Ether,
entsprechend dem Geiste und der Seele, oder
Atmâ-Buddhi, deren Namen
Legion ist, sind noch formlos, aber schon
ausgesprochener „substantiell“. Sie
sind die erste Differentation in der zweiten Evolution
oder „Schöpfung“ – einem
irreführenden Worte. Wie der
Name zeigt, sind sie die Vorbilder der sich
inkarnierenden Jîvas oder
Monaden, und sind zusammengesetzt aus dem
feurigen Geiste des Lebens.
Sie sind es, durch welche gleich einem reinen
Sonnenstrahl der Strahl hindurchgeht, welcher von
ihnen mit seinem zukünftigen
Vehikel, der göttlichen Seele, der Buddhi, versehen
wird. Sie haben unmittelbar
mit den Scharen der höheren Welt unseres Systems
zu thun. Aus diesen
zweifaltigen Einheiten
emanieren die „Dreifaltigen“.
[9] Genesis, I.
[10] Auszüge aus dem Zohar, pp.
13-15.
5 (2 of 3)21:02:49.Kommentar VII
5 (3 of 3)21:02:49.Kommentar VII
In der japanischen Kosmogonie sind es die eben
genannten Dreifaltigen, welche,
wenn aus der chaotischen Masse ein eiartiger Kern
emportaucht, der den Keim
und die Möglichkeit alles universellen sowie alles
terrestrischen Lebens in sich
hat, sich differenzieren. Das männliche etherische
Prinzip (Yo) steigt empor, und
das weibliche, gröbere und materielle Prinzip (In)
wird in das substantielle Weltall
gestürzt, wenn eine Trennung zwischen dem himmlischen
und dem irdischen
geschieht. Aus diesem, dem weiblichen, der Mutter,
wird das erste rudimentäre
objektive Wesen geboren. Es ist ätherisch, ohne Form
oder Geschlecht, und
doch werden aus ihm und der Mutter die sieben
göttlichen Geister geboren, aus
denen die sieben „Schöpfungen“ emanieren werden;
gerade so, wie im Codex
Nazaräus aus
Karabtanos und dem mütterlichen Spiritus die sieben „böse
veranlagten“ (materiellen) Geister geboren werden.
Es wäre zu langwierig, hier die japanischen Namen zu
geben, aber übersetzt
stehen sie in folgender Ordnung:
1. Der „unsichtbare Ehelose“, welche der schöpferische
Logos des
nichtschaffenden „Vaters“ ist, oder die offenbar
gemachte schöpferische
Möglichkeit des letzteren.
2. Der „Geist (oder Gott) der strahlenlosen Tiefen
(des Chaos)“, welcher zur
differenzierten Materie oder zum Weltstoff wird; auch
das Mineralreich.
3. Der „Geist des Pflanzenreiches“, der „reichlichen
Vegetation“.
4. Der „Geist der Erde“ und „der Geist der Sandwüsten“;
ein Wesen von
doppelter Natur, indem der erstere die Möglichkeit des
männlichen Elementes,
der letztere die des weiblichen Elementes in sich
enthält. Diese beiden waren
eins, weil sie noch dessen unbewußt waren, daß sie
zwei sind.
In dieser Dualität waren enthalten (a) Isu no
gai no Kami, das männliche, dunkle
und muskulöse Wesen; und (b) Eku gai no Kami,
das weibliche, schöne und
schwächere oder zartere Wesen. Dann:
5. und 6. Die Geister, welche androgyn oder
doppelgeschlechtig waren.
7. Der siebente Geist, der letzte, welcher aus der
„Mutter“ emanierte, erscheint
als die erste ausgesprochen männliche und weibliche
göttlich-menschliche Form.
7 (1 of 3)21:02:49.Kommentar VII
Dies war die siebente „Schöpfung“, wie in den Purânen,
wo der Mensch die
siebente Schöpfung des Brahmâ ist.
Diese, Tsanagi-Tsanami, stiegen in das Weltall hinab
über die himmlische
Brücke, die Milchstraße, und als „Tsanagi tief unten
eine chaotische Masse von
Wolken und Wasser sah, warf er seinen Juwelenspeer in
die Tiefen, und
trockenes Land erschien. Dann trennten sich die
beiden, um Onokoro, die neu
erschaffene Inselwelt, zu erforschen.“ (Omoie.)
So sind die japanischen exoterischen Fabeln, die
Rinde, welche den Kern
derselben einen Wahrheit der Geheimlehre umschließt.
(d) Die dritte
Ordnung entspricht dem Âtmâ-Buddhi-Manas, oder Geist, Seele
und Intellekt; und sie heißen
die „Triaden“.
(e) Die vierte Ordnung sind substanzielle
Wesenheiten. Diese ist die höchste
Gruppe unter den Rûpas
(atomistischen Formen). Sie ist die Pflanzschule der
menschlichen, bewussten,
geistigen Seelen. Sie heißen die „unvergänglichen
Jîvas“ und bilden durch die unter ihnen liegende
Ordnung die erste Gruppe der
ersten siebenfältigen Schar – das große Geheimnis des
menschlichen,
bewussten und intellektuellen Wesens. Denn das
letztere ist das Feld, in
welchem in seiner Privation der Keim verborgen liegt,
der in die Zeugung fallen
wird. Dieser Keim wird zur geistigen Kraft in der
physischen Zelle werden, welche
die Entwicklung des Embryo leitet, und welche die
Ursache der Vererbung der
Fähigkeiten und aller der dem Menschen innewohnenden
Eigenschaften ist. Die
darwinische Theorie von der Vererbung der erworbenen
Fähigkeiten wird jedoch
vom Occultismus weder gelehrt noch angenommen. Die
Entwicklung schreitet
nach dem letzteren nach ganz anderen Regeln vor; das
körperliche evolviert
nach der esoterischen Lehre allmählich aus dem
geistigen, gedanklichen und
psychischen. Diese innere Seele der physischen Zelle –
das „geistige Plasma“,
das das Keimplasma beherrscht – ist der Schlüssel, der
eines Tages die Thore
zu der terra incognita des Biologen, die jetzt
das dunkle Geheimnis der
Embryologie genannt wird, öffnen muß. Es ist
beachtenswert, daß die moderne
Chemie, während sie die Theorie von substantiellen und
unsichtbaren Wesen,
welche Engel, Elementale, u. s. w., genannt werden,
als einen Aberglauben
sowohl des Occultismus als auch der Religion verwirft
– ohne natürlich in die
Philosophie dieser unkörperlichen Wesenheiten Einblick
genommen oder auch
nur darüber nachgedacht zu haben, durch Beobachtung
und Entdeckung
unbewußt gezwungen worden ist, dasselbe
Progressionsverhältnis und dieselbe
7 (2 of 3)21:02:49.Kommentar VII
Ordnung in der Evolution der chemischen Atome
anzuerkennen und zu
adoptieren, wie sie der Occultismus für seine Dhyânis
ebenso wie für seine
Atome annimmt, da sein erstes Gesetz die Analogie ist.
7 (3 of 3)21:02:49.Kommentar VII
Wie oben gesehen, ist die allererste Gruppe der
Rûpa-Engel aus vier Elementen
bestehend, indem einer jeden in absteigender Ordnung
ein Element
hinzugegeben wird. So sind auch die Atome, in der
Phraseologie der Chemie,
monatomisch, diatomisch, triatomisch, tetratomisch,
etc., nach abwärts
fortschreitend. Man möge sich daran erinnern, daß
Feuer, Wasser und Luft des
Occultismus oder die sogenannten „Elemente der
ursprünglichen Schöpfung“
nicht die zusammengesetzten Elemente sind, die sie auf
Erden sind, sondern
noumenale homogene Elemente – die Geister der vorigen.
Dann folgen die
siebenfachen Gruppen oder Scharen. Würde man sie mit
den Atomen in einem
Diagramm parallellaufend eintragen, so würde man
sehen, daß die Naturen
dieser Wesen auf ihrer abwärts gerichteten
Stufenleiter des Fortschreitens den
zusammengesetzten Elementen
in Bezug auf Analogie mathematisch genau
entsprechen. Dies bezieht
sich natürlich bloß auf von Occultisten angelegte
Diagramme; denn würde die
Reihe der englischen Wesen mit der Reihe der
chemischen Elemente der
Wissenschaft in eine Parallele gestellt – vom
hypothetischen Helium
herunter bis zum Uranium – so würde man natürlich
finden, daß sie nicht übereinstimmen. Denn die
letzteren haben auf der astralen
Ebene nur die vier niedersten Ordnungen zu
entsprechenden – die drei höheren
Prinzipien im Atom oder vielmehr Molekül oder chemischen
Element sind bloß
dem Auge des initiierten Dangma wahrnehmbar. Aber
dann, wenn die Chemie
selbst den richtigen Weg zu finden wünschte, so müsste
sie ihre tabellarische
Anordnung nach der der Occultisten korrigieren –
etwas, das zu thun sie sich
weigern dürfte. Nach der esoterischen Philosophie
entspricht jedes körperliche
Teilchen seinem über ihm stehenden Ding an sich – dem
Wesen, zu dessen
Wesenheit es gehört – und ist von ihm abhängig; und,
oben so wie untern,
evolviert das Geistige aus dem Göttlichen, das
Seelisch-gedankliche aus dem
Geistigen – von seiner niederen Ebene aus durch das
Astrale befleckt – indem
die ganze belebte und (scheinbar) unbelebte Natur in
paralleler Richtung sich
entwickelt, und seine Eigenschaften von oben ebenso
gut wie von unten herleitet.
Die Zahl sieben bedeutet in ihrer Anwendung auf den
oben erwähnten Ausdruck
einer siebenfältigen Schar nicht bloß sieben
Wesenheiten, sondern sieben
Gruppen oder Scharen, wie bereits erklärt. Die höchste
Gruppe, die Asuras, die
in Brahmâs erstem Körper geboren sind, der sich in
„Nacht“ verwandelte, sind
siebenfältig, d. h. sie sind wie die Pitris in
sieben Klassen geteilt, von welchen
drei körperlos (arûpa) sind und vier mit Körpern
versehen. [11] Sie sind
thatsächlich mit größerer Richtigkeit unsere Pitris
(Vorväter), als die Pitris,
welche den ersten physischen Menschen projiciierten.
(f) Die fünfte
Ordnung ist eine sehr geheimnisvolle, da sie mit dem
mikrokosmischen Pentagon, dem fünfeckigen Stern, in
Verbindung steht,
9 (1 of 3)21:02:50.Kommentar VII
welches den Menschen darstellt. In Indien und Ägypten
wurden diese Dhyânis
mit dem Krokodil in Verbindung gebracht und ihre
Wohnung ist im Steinbock.
Das sind aber in der indischen Astrologie
vertauschbare Ausdrücke, denn das
zehnte Zeichen des Tierkreises, welches Makara heißt,
wird ungenau übersetzt
mit „Krokodil“. Das Wort
selbst wird im Occultismus auf verschiedene Art
interpretiert, wie weiter
unten gezeigt werden soll. In Ägypten wurde der
Versorbene – dessen Symbol
das Pentagramm oder der fünfzackige Stern ist,
dessen Zacken die Glieder eines Menschen
repräsentieren – sinnbildlich als in
ein Krokodil verwandelt dargestellt. Sebekh, oder
Sevekh (oder der „Siebente“)
ist, wie Herr Gerald Massey sagt, der ihn als den
Typus der Intelligenz
nachweist, in Wirklichkeit ein Drache, und kein
Krokodil. Er ist der „Drache der
Weisheit“, oder Manas, die menschliche Seele, das
Gemüt, das intelligente
Prinzip, das in der esoterischen Philosophie das fünfte
Prinzip genannt wird.
Der verstorbene „Osirifizierte“ des Totenbuches oder
Rituals spricht unter der
Glyphe eines mumienförmigen Gottes mit einem
Krokodilkopf:
Ich bin das Krokodil, das bei
dem Schrecken den Vorsitz führt, ich bin der
Krokodilgott, bei der Ankunft
seiner Seele unter den Menschen. Ich bin der
Krokodilgott, gebracht zur
Zerstörung.
Eine Anspielung auf die
Zerstörung der göttlichen geistigen Reinheit, wenn der
Mensch die Erkenntnis von Gut und Böse erlangt; auch
auf die „gefallenen“
Götter oder Engel einer jeden Theogonie.
Ich bin der Fisch des großen Horus. (Wie Makara das
„Krokodil“ ist, das
Vehikel des Varuna.) Ich bin untergetaucht in Sekhem.
[12]
Dieser letzte Satz bestätigt und wiederholt die Lehre
des esoterischen
„Buddhismus“, denn er spielt unmittelbar auf das fünfte
Prinzip (Manas) an, oder
vielmehr auf den geistigen Teil von der Wesenheit
desselben, welcher
untertaucht in, absorbiert wird von, und eins gemacht
wird mit Âtmâ-Buddhi, nach
dem Tode des Menschen. Denn Sekhem ist die Residenz
oder der Loka des
Gottes Khem (Horus-Osiris, oder Vater und Sohn); daher
das Devachan von
Âtmâ-Buddhi. Im Totenbuche wird der Verstorbene
dargestellt, wie er mit Horus-Thot
in Sekhem eingeht und „als reiner Geist daraus
auftaucht.“ So sagt der
Verstorbene:
Ich sehe die Formen von (mir, als von verschiedenen)
Menschen, die sich
ewig verwandeln. Ich kenne dieses (Kapitel).
Derjenige, der es kennt .
9 (2 of 3)21:02:50.Kommentar VII
nimmt alle Arten von lebenden Formen an. [13]
Und indem er mit einer magischen Formel das in der ägyptischen
Esoterik
sogenannte „Herz der Vorfahren“, oder das
reinkarnierende Prinzip, das
permanente Ego anredet, sagt der Verstorbene:
O mein Herz, Herz meiner Vorfahren, das du notwendig
bist für meine
Verwandlungen, trenne dich nicht von mir vor dem Hüter
der Leitern. Du
bist meine Persönlichkeit in meiner Brust, göttlicher
Genosse, der du über
meine Fleische (Körper) wachst. [14]
In Sekhem liegt das „geheimnisvolle Gesicht“
verborgen, oder der wirkliche
Mensch, der unter der täuschenden Persönlichkeit
verborgen ist, das dreifache
Krokodil von Ägypten, das Symbol der höheren
Dreieinigkeit, oder der
menschlichen Triade, Âtmâ, Buddhi und Manas.
Eine von den Erklärungen der wirklichen, wenn auch
versteckten Bedeutung
dieser ägyptischen religiösen Glyphe ist leicht. Das
Krokodil ist als erstes daran,
die verzehrenden Feuer der Morgensonne zu erwarten und
ihnen zu begegnen,
und kam sehr bald dazu, die Sonnenhitze zu
personifizieren. Wenn die Sonne
aufging, so war das wie die Ankunft, auf Erden und
unter den Menschen, von der
„göttlichen Seele, welche die Götter beseelt“. Daher
die sonderbare Symbolik.
Die Mumie legte den Kopf eines Krokodils an, um zu
zeigen, daß sie eine von
der Erde ankommende Seele war.
[11] Siehe Vishnu Purâna,
Buch I.
[12] Kap. LXXXVIII.
[13] Kap LXIV. 29, 30.
[14] Ebenda. 34, 35.
9 (3 of 3)21:02:50.Kommentar VII
In den alten Papyris wird das Krokodil Sebekh
(Siebentes) genannt; das Wasser
symbolisiert auch esoterisch das fünfte Prinzip; und,
wie bereits erwähnt, zeigt
Herr Gerald Massey, daß das Krokodil die „siebente
Seele, die höchste von
sieben – der unsichtbare Seher“ war. Selbst exoterisch
ist Sekhem die Residenz
des Gottes Khem, und Khem ist Horus, der den Tod
seines Vaters Osiris rächt,
somit die Sünden des Menschen bestraft, wenn er eine
entkörperte Seele wird.
So wurde der verstorbene Osirifizierte zum Gott Khem,
welcher „erntet auf dem
Felde von Aanru“; das heißt, er erntet entweder seinen
Lohn oder seine Strafe,
denn dieses Feld ist der himmlische Ort (Devachan), wo
dem Verstorbenen
Weizen gegeben
wird, die Nahrung der göttlichen Gerechtigkeit. Von der fünften
Gruppe der himmlischen Wesen wird angenommen, daß sie
in sich die doppelten
Attribute sowohl der geistigen als auch der physischen
Aspekte des Weltalls
enthält; die zwei Pole sozusagen von Mahat, der
universalen Intelligenz, und die
doppelte Natur des Menschen, die geistige und die
körperliche. Daher ist ihre
Zahl fünf, die verdoppelt und zu zehn gemacht sie mit
Makara verbindet, dem
zehnten Zeichen des
Tierkreises.
(g) Die sechste und siebente Ordnung
haben Anteil an den niederen
Eigenschaften der Vierheit.
Sie sind bewusste ätherische
Wesenheiten, ebenso unsichtbar wie der Ether die
wie die Zweige eines Baumes aus
der ersten centralen Gruppe der Vier
hervorkommen und ihrerseits sich in zahllose
Seitengruppen verzweigen, deren
niedrigere zahllose Arten und Spielarten der
Naturgeister oder Elementale sind;
von den formlosen und unsubstantiellen – den idealen
Gedanken ihrer Schöpfer
·
hinab zu den
atomistischen, wenn auch für die menschliche Wahrnehmung
unsichtbaren Organismen.
Die letzteren werden als die
„Geister der Atome“ betrachtet, denn sie sind die
erste Stufe (nach rückwärts)
von dem körperlichen Atom – fühlende, wenn nicht
intelligente Geschöpfe. Sie
sind alle dem Karma unterworfen, und haben es
durch jeden Cyklus abzuarbeiten. Denn, wie die Lehre
sagt, giebt es im Weltall
keine so bevorzugten Wesen, weder in unserem System
noch in anderen, weder
in den äußeren noch in den inneren Welten, [15] wie
die Engel der westlichen
Religion und der jüdischen.
Ein Dhyân Chohan muß zu einem
solchen werden; er kann nicht als ein
vollendeter Engel geboren
werden oder plötzlich auf der Ebene des Lebens
erscheinen. Die himmlische Hierarchie des
gegenwärtigen Manvantara wird sich
im nächsten Lebenscyklus in höhere vollkommenere
Welten versetzt finden, und
wird einer neuen Hierarchie Platz machen, die aus den
Auserwählten unserer
Menschheit zusammengesetzt sein wird. Das Sein ist ein
endloser Cyklus
innerhalb der Einen unbedingten Ewigkeit, in der sich
zahllose innere, endliche
_41 (1 of 2)21:02:50.Kommentar VII
und bedingte Cyklen, dahinbewegen. Götter, die als
solche geschaffen wären,
würden durch ihr Gottsein kein persönliches Verdienst
an den Tag legen. Eine
solche Klasse von Wesen – vollkommen bloß vermöge
einer besonderen, ihnen
innewohnenden unbefleckten
Natur – würde angesichts der leidenden und
ringenden Menschheit und
selbst der niederen Schöpfung das Symbol einer
ewigen Ungerechtigkeit sein,
die ihrem Charakter nach ganz satanisch, ein
beständiges Verbrechen wäre.
Sie ist eine Geseztwidrigkeit und eine
Unmöglichkeit in der Natur. Daher müssen sich die
„Vier“ und die „Drei“ ebenso
inkarnieren wie alle anderen Wesen. Diese sechste
Gruppe bleibt obendrein
nahezu untrennbar vom Menschen, der von ihr alles bis
auf sein höchstes und
sein niederstes Prinzip empfängt, oder bis auf seinen
Geist und seinen Körper;
die fünf mittleren menschlichen Prinzipien sind die
echte Wesenheit dieser
Dhyânis. Paracelsus nennt sie die Flagae; die
Christen, die Schutzengel; die
Occultisten, die Vorfahren oder Pitris. Sie sind die
sechsfältigen Dhyân-Chohans,
die die sechs geistigen Elemente in der
Zusammensetzung ihrer Körper haben –
thatsächlich Menschen minus dem physischen
Körper.
Der göttliche Strahl, der Âtman allein, geht
unmittelbar aus dem Einen hervor.
Was auf die Frage, wieso dies sein kann? Wieso ist es
möglich, sich
vorzustellen, daß diese „Götter“ oder Engel zur selben
Zeit ihre eigenen
Emanationen und ihre persönlichen Selbste sein können?
Ist das in demselben
Sinne, wie in der materiellen Welt, wo der Sohn auf
eine Art sein Vater ist, da er
sein Blut, Bein von seinem Bein und Fleisch von seinem
Fleisch ist? Darauf
antworten die Lehrer: So ist es wahrhaftig. Aber es
muß einer tief in das
Geheimnis des Seins eindringen, bevor er diese
Wahrheit völlig erfassen kann.
[15] Wenn eine Welt eine „höhere Welt“ genannt wird,
so ist sie nicht höher
auf Grund ihrer Lage, sondern weil sie nach
Eigenschaft oder Wesenheit
vollkommener ist. Doch wird eine solche Welt von den
Profanen gewöhnlich
als „Himmel“ aufgefasst und über unsere Köpfe verlegt.
_41 (2 of 2)21:02:50.Kommentar VII
2. DER EINE STRAHL VERVIELFÄLTIGT DIE KLEINEREN
STRAHLEN. DAS
LEBEN IST EHER DA ALS DIE FORM, UND DAS LEBEN
ÜBERDAUERT DAS
LETZTE ATOM. [16] DURCH DIE UNZÄHLIGEN STRAHLEN ZIEHT
SICH DER
LEBENSSTRAHL, DER EINE, WIE EIN FADEN DURCH VIELE
JUWELEN. [17]
Diese Shloka beschreibt die Vorstellung – und zwar
eine rein vedântistische, wie
bereits anderwärts erklärt – von einem Lebensfaden,
Sûtrâtmâ, der sich durch
aufeinanderfolgende Generationen hindurchzieht. Wie
nun kann dies erklärt
werden? Indem wir zu einem Gleichnisse, zu einem
gewöhnlichen Bilde unsere
Zuflucht nehmen, das allerdings notwendigerweise
unvollkommen ist, wie es alle
uns zu Gebote stehenden Analogien sein müssen. Bevor
wir jedoch dazu unsere
Zuflucht nehmen, möchte ich fragen, ob es irgend einem
von uns unnatürlich,
geschweige denn „übernatürlich“ vorkommt, wenn wir den
Vorgang des
Heranwachsens und der Entwicklung der Frucht zu einem
gesunden Kindchen
von mehreren Pfunden Gewicht betrachten? Aus was
geschieht die Entwicklung?
Aus der Furchung eines außerordentlichen kleinen Eies
und aus einem
Samentierchen! Und später sehen wir das Kindchen sich
zu einem sechs Schuh
hohen Manne entwickeln! Dies bezieht sich auf
atomistische und körperliche
Ausdehnung vom mikroskopisch kleinen zu etwas überaus
großem; von dem für
das bloße Auge unsichtbaren zum sichtbaren und
objektiven.
Die Wissenschaft hat alles dieses in Betracht gezogen,
und ich kann wohl sagen,
dass ihre embryologischen, biologischen und
physiologischen Theorieen
genügend korrekt sind, soweit die exakte Beobachtung
des Materials reicht.
Nichtsdestoweniger sind die beiden schwierigsten
Fragen der embryologischen
Wissenschaft – nämlich, welche Kräfte bei der Bildung
der Frucht in Thätigkeit
sind, und was die Ursache der „Vererbung“ von
körperlicher, moralischer und
intellektueller Ähnlichkeit ist, niemals entsprechend
beantwortet worden; noch
werden sie jemals gelöst werden, bevor nicht die
Gelehrten sich herablassen, die
occulten Theorien anzunehmen. Wenn aber dieses
körperliche Phänomen
niemanden in Erstaunen versetzt, abgesehen davon, daß
es die Embryologen in
Verlegenheit bringt, warum sollte unser
intellektuelles und inneres Wachstum, die
Entwicklung des menschlich-geistigen zum
göttlich-geistigen, für unmöglicher
gehalten werden oder unmöglicher erscheinen, als das
andere?
Die Materialisten und Evolutionisten der
darwinistischen Schule wären übel
beraten, wenn sie die neulich ausgearbeiteten Theorien
Professor Weissmanns,
_43 (1 of 3)21:02:51.Kommentar VII
des Verfassers der Beiträge zur Descendenzlehre,
über das eine von den oben
bezeichneten zwei Geheimnissen der Embryologie,
welches er, wie es scheint,
gelöst zu haben vermeint, annehmen würden; denn, wenn
dasselbe vollständig
gelöst sein wird, wird die Wissenschaft in das Gebiet
des wahrhaft Occulten
eingetreten sein, und den Bereich der Verwandlung, wie
Darwin sie lehrte, für
immer verlassen haben. Die zwei Theorieen sind vom
Standpunkte des
Materialismus unvereinbar. Von dem der Occultisten aus
betrachtet, löst jedoch
die neue Theorie alle Geheimnisse. Jene, die mit der
Entdeckung Professor
Weissmanns, der seinerzeit ein eifriger Darwinist war,
noch nicht bekannt sind,
sollten sich beeilen, das Versäumnis gut zu machen.
Der deutsche Embryolog
und Philosoph schreitet über die Köpfe der Griechen
Hippokrates und Aristoteles
hinweg so recht zurück in die Lehren der alten Ârier
und zeigt, wie eine
außerordentlich kleine Zelle, eine aus Millionen
anderer, die an der Formung
eines Organismus arbeiten, allein und ohne Unterstützung
durch fortwährende
Spaltung und Vermehrung das genaue Bild des künftigen
Menschen oder Tieres
mit seinen körperlichen, intellektuellen und
psychischen Eigenschaften bestimmt.
Diese Zelle ist es, welche dem Antlitze und der Form
des neuen Individuums die
Züge der Eltern oder irgend eines entfernten Vorfahrs
aufdrückt; diese Zelle ist
es wiederum, welche ihm die
intellektuellen und gemütlichen Idiosynkrasien
seiner Väter überliefert, und
so fort. Dieses Plasma ist der unsterbliche Teil
unserer Körper, der sich in
einem Prozesse von aufeinanderfolgenden
Assimilationen entwickelt. Darwins Theorie, welche die
Keimzelle als die Essenz
oder den Extrakt aus allen anderen Zellen betrachtete,
ist bei Seite gesetzt; sie
ist nicht im stande, die Vererbung zu begründen. Es
giebt bloß zwei Wege, das
Geheimnis der Erblichkeit zu erklären: entweder ist
die Substanz der Keimzelle
mit der Fähigkeit ausgestattet, den ganzen Cyklus von
Verwandlungen zu
durchlaufen, die zum Aufbau eines getrennten
Organismus und dann zur
Reproduktion identischer Keimzellen führen; oder diese
Keimzellen haben ihren
Ursprung
überhaupt nicht in dem Körper des Individuums, sondern gehen
unmittelbar
aus der urväterlichen Keimzelle hervor, die vom Vater auf den Sohn
lange Generationen hindurch überging.
Diese letzte Hypothese hat Weissmann aufgenommen und
ausgearbeitet, und
auf diese Zelle führt er den unsterblichen Teil im
Menschen zurück. So weit, so
gut; und wenn diese nahezu richtige Theorie angenommen
wird, wie werden
dann die Biologen die erste Erscheinung dieser
ewigdauernden Zelle erklären?
Wenn nicht der Mensch „wuchs“ wie der unsterbliche
„Topsy“, und überhaupt
nicht geboren wurde, sondern aus den Wolken gefallen
ist, wie wurde diese
Keimzelle in ihm hervorgebracht?
_43 (2 of 3)21:02:51.Kommentar VII
Ergänzt das oben erwähnte körperliche Plasma, die
„Keimzelle“ des Menschen
mit allen ihren stofflichen Möglichkeiten durch das
„geistige Plasma“ sozusagen,
oder das Fludium, das die fünf niederen Prinzipien der
sechs Prinzipien
aufweisenden Dhyâni enthält – und ihr habt das
Geheimnis, wenn ihr geistig
genug seid, es zu verstehen.
[16] Der Form, des Sthûla Sharîra, des äußeren
Körpers.
[17] Perlen.
_43 (3 of 3)21:02:51.Kommentar VII
Nun zu dem versprochenen Gleichnis:
Wenn der Same
des tierischen Mannes in den Boden des tierischen Weibes
gestreut
wird, so kann dieser Same doch nicht keimen, wenn er nicht durch die
fünf Kräfte
(das Fluidum oder die Emanation der Prinzipien) des sechsfältigen
Himmlischen
Menschen befruchtet worden ist. Daher wird der Mikrokosmos als
ein Fünfeck
innerhalb des sechseckigen Sternes, des Makrokosmos, dargestellt.
[18]
Die Wirkungen
von Jîva auf dieser Erde sind von fünffachem Charakter. Im
mineralischen
Atom steht er in Zusammenhang mit den niedrigsten Prinzipien
der Geister
der Erde (der sechsfachen Dhyânis); im vegetabilischen Teilchen mit
ihrem zweiten
– dem Prâna (Leben); im Tiere mit all diesem plus dem dritten und
vierten; im
Menschen muß der Keim die Früchte von allen fünfen erhalten. Sonst
wird er als nicht über dem Tiere stehend geboren. [19]
So ist allein im Menschen der
Jîva vollständig. Was sein siebentes Prinzip
anbelangt, so ist dieses bloß
einer von den Strahlen der universalen Sonne,
denn jedes vernünftig Geschöpf empfängt bloß ein
zeitweiliges Lehen an dem,
was zu seiner Quelle
zurückzukehren hat. Was den physischen Körper
anbelangt, so ist derselbe
aus den niedrigsten irdischen Lebewesen durch
physikalische, chemische und
physiologische Evolution aufgebaut; „die
Gepriesenen haben nichts zu thun mit den Reinigungen
der Materie,“ sagt die
Kabalah in dem chaldäischen Buch der Zahlen.
Das läuft auf folgendes hinaus:
Die Menschheit in ihrer ersten urbildlichen,
schattenhaften Form ist die
Nachkommenschaft der Elohim des Lebens, oder der Pitris;
in ihrem qualitativen
und physischen Aspekt ist sie der unmittelbare
Nachwuchs der „Vorfahren“, der
niedersten Dhyânis oder Geister der Erde; ihre
moralische, psychischen und
geistige Natur verdankt sie einer Gruppe von
göttlichen Wesen, deren Name und
Eigenschaften im zweiten
Bande werden gegeben werden. In ihrer
Zusammenfassung sind die
Menschen das Kunstwerk von Scharen
verschiedener Geister; im
einzelnen die Tabernakel dieser scharen und
gelegentlich und individuell
die Vehikel von einigen derselben. In unserer
gegenwärtigen, allmateriellen
fünften Rasse ist der irdische Geist der vierten
noch stark in uns; aber wir
nähern uns der Zeit, in der das Pendel der
Entwicklung seine Schwingung
entschieden nach aufwärts wenden und die
Menschheit in Bezug auf Geistigkeit auf gleiche Höhe
mit der ursprünglichen
dritten Wurzelrasse bringen wird. Während ihrer
Kindheit war die Menschheit
_45 21:02:52.Kommentar VII
vollständig aus dieser englischen Schar
zusammengesetzt, aus welcher die
bewohnenden Geister waren, welche die ungeheuerlichen
und riesigen irdischen
Hüllen der vierten Rasse beseelten, die von zahllosen
Myriaden von Lebewesen
erbaut und zusammengesetzt waren, wie es auch jetzt
unsere Körper sind.
Dieser Satz wird weiter unten in dem vorliegenden Kommentar
erklärt werden.
Die Wissenschaft, die die Wahrheit nur verschwommen
erblickt, mag im
menschlichen Körper Bakterien und andere Kleinwesen
finden und in ihnen
zufällige und abnorme Besucher erblicken, denen
Krankheiten zugeschrieben
werden. Der Occultismus – der in jedem Atom oder
Molekül, gehöre es nun
einem Mineral oder einem Menschenkörper an, oder der
Luft, dem Feuer oder
dem Wasser, ein Lebewesen erblickt – behauptet, daß
unser ganzer Körper aus
solchen Lebewesen aufgebaut ist, gegen welche sich die
kleinste
mikroskopische Bakterie an Größe verhält, wie ein
Elefant zu den winzigen
Infusorien. – Die oben erwähnten „Hüllen“ haben sich
in Bezug auf Gewebe und
Symmetrie der Form vervollkommnet, indem sie mit der
Kugel, die sie trägt,
wuchsen und sich entwickelten, aber die körperliche
Vervollkommnung hat auf
Kosten des geistigen Inneren Menschen und der Natur
stattgefunden. Die drei
mittleren Prinzipien der Erde und des Menschen wurden
mit jeder Rasse
materieller; die Seele trat zurück, um dem physischen
Intellekt Platz zu machen;
die Essenz der Elemente wurde zu den materiellen und
zusammengesetzten
Elementen, die man jetzt kennt.
Der Mensch ist weder das vollkommene Produkt „Gottes,
des Herrn“, noch
könnte er es jemals sein; sondern er ist das
Kind der Elohim, die so willkürlich
zur Einzahl und zum männlichen Geschlecht umgewandelt
worden sind. Die
ersten Dhyânis, denen aufgetragen war, den Menschen
nach ihrem Ebenbilde zu
„schaffen“, konnten bloß ihre Schatten werfen, als ein
zartes Modell, welches die
Naturgeister des Stoffes ausarbeiten mussten. Der
Mensch ist ohne allen Zweifel
körperlich aus dem Staube der Erde geformt, aber
seiner Schöpfer und Zurichter
waren viele. Auch kann man nicht sagen, daß „Gott, der
Herr, ihm den
lebendigen Odem in seine Nase blies“, wenn man nicht
diesen Gott für eins mit
dem „Einen Leben“ erklärt, das allgegenwärtig ist,
wenn auch unsichtbar, und
wenn man nicht „Gott“ dieselbe Handlungsweise
zuschreibt in Bezug auf eine
jede „lebendige Seele“, welche die Lebens-Seele
(Nephesh) ist, und nicht der
göttliche Geist (Ruach), welcher allein dem Menschen
einen göttlichen Grad von
Unsterblichkeit zusichert, welchen kein Tier als
solches jemals in diesem
Inkarnationscyklus erlangen könnte. Daß der „Atem des
Lebens“ mit dem
unsterblichen „Geiste“ vermengt worden ist, ist eine
Folge der unangemessenen
Unterscheidungen, welche die Juden und jetzt unsere
westlichen Metaphysiker
_45 (2 of 4)21:02:52.Kommentar VII
aufgestellt haben, die nicht im stande sind, einen
mehr als dreieinigen Menschen
(Geist, Seele, Körper) zu
verstehen und daher anzunehmen. Das geht auch
unmittelbar die
protestantischen Theologen an, welche bei der Übersetzung
eines gewissen Verses des
vierten Evangeliums [20] den Sinn desselben
vollständig verkannt haben. Diese Mißübersetzung
lautet: „Der Wind bläset, wo
er will,“ an Stelle von: „Der Geist gehet, wo
er will,“ wie es auch im Original, und
auch in der Übersetzung der griechisch-orientalischen
Kirche heißt.
Der gelehrte und sehr philosophische Verfasser der New
Aspects of Life versucht
seinem Leser einzuprägen, dass Nephesh Chiah (die
lebendige Seele) nach der
hebräischen Auffassung:
Hervorging aus oder erzeugt wurde durch das Eingießen
des Geistes oder Odems des
Lebens in den das Leben fühlenden Körper des Menschen,
und diesen Geist in dem
dadurch gebildeten Selbst zu entheben und sein Stelle
einzunehmen hatte, so daß der
Geist in die lebendige Seele einging, aus den Augen
verloren wurde und darein
verschwand.
Der menschliche Körper, so glaubt er, sollte als eine
Matrix betrachtet werden, in
welcher und aus welcher die Seele, die er höher zu
stellen scheint als den Geist,
entwickelt wird. Funktionell betrachtet und vom
Standpunkte der Thätigkeit aus
steht die Seele in dieser endlichen und bedingten Welt
der Mâyâ unleugbar
höher. Die Seele, so sagt er, „wird zuletzt von dem
belebten Körper des
Menschen hervorgebracht.“ Somit setzt der Verfasser
„Geist“ (Âtmâ) einfach
gleich dem „Atem des Lebens“. Die östlichen Occultisten
werden gegen diese
Behauptung Einspruch erheben, denn sie beruht auf der
irrtümlichen Vorstellung,
daß Prâna und Âtmâ oder Jîvâtmâ ein und dasselbe Ding
sind. Der Verfasser
unterstützt seine Beweisführung, indem er zeigt, dass
bei den alten Hebräern,
Griechen und selbst Lateinern Ruach, Pneuma und
Spiritus „Wind“ bedeuten,
und zwar bei den Juden unleugbar und bei den Griechen
und Römern sehr
wahrscheinlich; denn das griechische Wort Anemos
(Wind) und das lateinische
Wort Animus (Seele) haben eine verdächtige
Verwandtschaft.
Das ist sehr weit hergeholt. Aber das richtige
Schlachtfeld für die Entscheidung
dieser Frage ist schwer zu finden, da Dr. Pratt ein
praktischer nüchterner
Metaphysiker zu sein scheint, eine Art kabbalistischer
Positivist, während die
östlichen Metaphysiker, insbesondere die Vedântisten,
alle Idealisten sind. Die
Occultisten gehören ebenfalls der extremen
esoterischen Vedântaschule an, und
obwohl sie das Eine Leben (Parabrahman) den Großen
Atem und den
Wirbelwind nennen, so trennen sie doch das siebente
Prinzip vollständig von der
_45 (3 of 4)21:02:52.Kommentar VII
Materie, und bestreiten, daß es irgend eine Beziehung
oder Verbindung mit
derselben habe.
[18] [korrekter Abdruck siehe
Buch S. 244], ein Werk über occulte
Embryologie, Buch I.
[19] Nämlich als geborner
Idiot.
[20] Johannes, III. 8
_45 21:02:52.Kommentar VII
So ist die Philosophie über
die psychischen, geistigen und intellektuellen
Beziehungen des Menschen zu
seinen körperlichen Funktionen in einer fast
unauflösbaren Verwirrung.
Weder die alte ârische noch die ägyptische
Psychologie werden jetzt richtig verstanden; auch
können sie nicht assimiliert
werden, ohne daß man die
esoterische siebenfältige, oder zum mindesten die
vedântistische fünfteilige
Einteilung der inneren Prinzipien des Menschen
annimmt. Unterläßt man das,
so wird es für immer unmöglich sein, die
metaphysischen und rein psychischen, ja sogar
physiologischen Beziehungen
zwischen den Dhyân Chohans oder
Engeln auf der einen Ebene und der
Menschheit auf der anderen zu
verstehen.
Bis jetzt sind keine östlichen
(ârischen) esoterischen Werke veröffentlicht, aber
wir haben die ägyptische
Papyri, welche klar von den sieben Prinzipien, oder den
„sieben Seelen des Menschen“
sprechen. Das Totenbuch giebt eine vollständige
Liste von den „Wandlungen“,
welche jeder Verstorbene erfährt, während er sich
dieser Prinzipien, eines nach
dem anderen, entkleidet, die zum Zwecke der
Deutlichkeit zu ätherischen Wesenheiten oder Körpern
materialisiert sind. Wir
müssen ferner jene, welche zu zeigen versuchen, daß
die alten Ägypter keine
Reinkarnation lehrten, daran erinnern, daß es heißt,
daß die „Seele“ (das Ego
oder Selbst) des Verstorbenen in Ewigkeit lebt: sie
ist unsterblich „gleichalterig
und zugleich verschwindend mit der Sonnenbarke“, das
heißt, den Kreislauf der
Notwendigkeit hindurch. Die Seele taucht auf aus
dem Tiaou, dem Bereich der
Ursache des Lebens, und vereinigt sich bei Tage mit den auf Erden lebenden,
um jede Nacht nach Tiaou zurückzukehren. Das
stellt die periodischen
Existenzen des Ego dar. [21]
Der Schatten, die Astralform, wird vernichtet, „von
der Uräusschlange
verschlungen“, [22] die Manen werden vernichtet, die
beiden Zwillinge (das vierte
und fünfte Prinzip) auseinandergetrieben werden; aber
der Seelenvogel, „die
göttliche Schwalbe, und der Uräus der Flamme“ (Manas
und Âtmâ-Buddhi)
werden in Ewigkeit leben, denn sie sind die Gatten der
Mütter.
Eine andere bedeutsame Analogie zwischen der ârischen
oder brâhmanischen
und der ägyptischen Esoterik. Die erstere nennt die
Pitris die „Mondvorfahren“
des Menschen, und die Ägypter machen den Mondgott,
Taht-Esmun, zum ersten
menschlichen Vorvater.
Dieser Mondgott „repräsentierte die sieben
Naturkräfte, die ihm vorangingen,
und in ihm als seine sieben Seelen zusammengefasst
waren, deren
Offenbarer er selbst als der achte war. (Daher die
achte Sphäre.) Die
_47 (1 of 2)21:02:52.Kommentar VII
sieben Strahlen der chaldäischen .Heptakis oder Jao,
auf den gnostischen
Steinen, bedeuten dieselbe Siebenheit von Seelen. Die
erste Form der
mystischen Sieben fand man am Himmel abgebildet durch
die sieben
Hauptsterne des großen Bären, des Sternbildes, welches
die Ägypter der
Mutter der Zeit und der sieben elementalen Kräfte
zuteilten.“ [23]
Wie jedem Inder wohl bekannt ist, repräsentiert dieses
selbe Sternbild in Indien
die sieben Rishis, und heißt Riksha, und
Chitrashikandinas.
Gleiches allein erzeugt Gleiches. Die Erde giebt dem
Menschen seinen Körper,
die Götter (Dhyânis) geben ihm seine fünf inneren
Prinzipien, den psychischen
Schatten, von dem diese Götter oft das belebende
Prinzip sind. Der Geist
(Âtmân) ist Einer, und ungetrennt. Er ist nicht im
Tiaou.
Denn was ist der Tiaou? Die häufige Bezugnahme auf
denselben im Totenbuche
birgt ein Geheimnis. Tiaou ist
der Pfad der nächtlichen Sonne, die untere
Halbkugel, oder die infernale
Region der Ägypter, die von ihnen in die
verborgene Seite des Mondes
verlegt wurde.
[21] Kap. CXLVIII.
[22] Ebenda, CXLIX. 51.
[23] The Seven Souls of Man,
p. 2; ein Vortrag von Gerald Massey.
_47 (2 of 2)21:02:52.Kommentar VII
Das menschliche Wesen kam nach ihrer Esoterik aus dem
Monde – zu gleicher
Zeit ein dreifaches Geheimnis, astronomisch,
physiologisch und psychisch; es
durchschritt den ganzen Daseinskreislauf,
und kehrte dann zu seinem
Geburtsorte zurück, bevor es
wieder aus demselben hervorging. So wird der
Verstorbene dargestellt, wie
er im Westen ankommt, sein Gericht vor Osiris
erfährt, dann als der Gott
Horus aufersteht, und rund um den Sternenhimmel
kreist, was eine allegorische Assimilation an Ra, die
Sonne, ist; wenn er dann die
Nut, den himmlischen Abgrund, durchquert hat, kehrt er
wiederum nach Tiaou
zurück; eine Assimilation an Osiris, der als der Gott
des Lebens und der
Fortpflanzung den Mond bewohnt. Plutarch [24] erwähnt,
dass die Ägypter ein
Fest feierten mit Namen „Der Eintritt des Osiris in
den Mond“. Im Ritual [25] wird
Leben nach dem Tode versprochen; und die Erneuerung
des Lebens wird unter
den Schutz von Osiris-Lunus gestellt, weil der Mond
infolge seines
allmonatlichen Zunehmens, Abnehmens, Verschwindens und
Wiedererscheinens
das Symbol der Lebenserneuerungen oder Reinkarnationen
war. Im Dankmoe
[26] heißt es: „O Osiris-Lunus, der du dir deine
Erneuerung erneuerst.“ Und
Sabekh sagt zu Seti I: [27] „Du erneuerst dich wie der
Gott Lunus als kleines
Kind.“ Noch besser wird es erklärt in einem Papyrus
des Louvre: [28] „Paarungen
und Empfängnisse erfolgen zahlreich, wenn er
(Osiris-Lunus) an diesem Tage
am Himmel gesehen wird.“ Osiris sagt: „O alleiniger
glänzender Strahl des
Mondes! Ich gehe hervor aus den kreisenden Scharen
(der Sterne) . Öffne
mir den Tiaou für den Osiris N. Ich will hervorgehen
bei Tage um zu thun, was
ich unter den Lebenden zu thun habe“ [29] – d. h.
Empfängnisse zu bewirken.
Osiris war der „Gott, welcher in der Zeugung offenbar
wird“, denn die Alten
kannten viel besser als die Neuen die wirklichen
occulten Einflüsse des
Mondkörpers auf die Geheimnisse der Empfängnis. In den
ältesten Systemen
finden wir den Mond immer männlich. So ist bei den
Indern Sôma eine Art von
himmlischem Don Juan, ein „König“, und der Vater,
obgleich illegitim, von
Buddha-Weisheit. Dies bezieht sich auf occulte
Erkenntnis, eine Weisheit, die
durch eine vollständige Vertrautheit mit lunaren
Mysterien, einschließlich jener
der geschlechtlichen Zeugung, gewonnen wird. Und
später, als der Mond mit
weiblichen Gottheiten in Verbindung gebracht wurde,
mit Diana, Isis, Artemis,
Juno, etc., rührte diese
Verbindung ebenfalls her von einer vollständigen
Kenntnis der Physiologie und
der weiblichen Natur in physischer sowie
psychischer Hinsicht.
Wenn den Scharen der Zerlumpten
und Armen in den Sonntagsschulen anstatt
nutzloser Lektionen aus der Bibel Astrologie
gelehrt würde – soweit wenigstens,
_49 (1 of 3)21:02:53.Kommentar VII
als die occulten Eigenschaften des Mondes und sein
verborgenen Einflüsse auf
die Zeugung in Betracht kommen – so wäre nur wenig
Grund zur Sorge wegen
Anwachsens der Bevölkerung, noch zur Zufluchtnahme zu
der fragwürdigen
Literatur der Malthusianisten zwecks seiner Hemmung.
Denn der Mond und
seine Konjunktionen regeln die Empfängnisse, und jeder
Astrologe in Indien weiß
das. Während der früheren Rassen, und endlich zum
Beginne der jetzigen
wurden jene, welche eheliche Beziehungen pflogen
während gewisser
Mondphasen, welche diese Beziehungen unfruchtbar
machten, als Zauberer und
Sünder angesehen. Nun sind aber selbst jene Sünden des
Altertums, die aus
einem Mißbrauch der occulten Kenntnisse entsprangen, den
Verbrechen von
heutzutage augenscheinlich vorzuziehen, die infolge
gänzlicher Unkenntnis
solcher occulter Einflüsse verübt werden.
Aber ursprünglich waren Sonne und Mond die einzigen
sichtbaren und durch ihre
Wirkungen sozusagen greifbaren, psychischen und
physiologischen Gottheiten –
Vater und Sohn – während der Raum oder die Luft im
allgemeinen, oder jene
Ausdehnung des Himmels, die die Ägypter Nut nannten,
der verborgene Geist
oder Atem der beiden war.
Vater und Sohn waren in ihren Funktionen
vertauschbar, und wirkten in
ihren Einflüssen auf die irdische Natur und
Menschheit harmonisch
zusammen; daher wurden sie als eins betrachtet,
obwohl sie als
personifizierte Wesenheiten zwei waren. Sie waren beide
männlich und beide hatten ihr
bestimmtes, wenn auch zusammenarbeitendes
Werk in der begründenden
Erzeugung der Menschheit. So viel von dem
astronomischen und kosmischen
Standpunkt betrachtet und in symbolischer
Sprache ausgedrückt, die
später in unseren letzten Rassen theologisch und
dogmatisch wurde. Aber hinter diesem Schleier
kosmischer und astrologischer
Symbole lagen die occulten Geheimnisse der
Anthropographie und der
ursprünglichen Genesis des Menschen. Und hierin wird
und kann keine Kenntnis
der Symbole noch selbst der Schlüssel zu der
nachsintflutlichen symbolischen
Sprache der Juden helfen, ausgenommen in Bezug auf
das, was in nationalen
Schriften für exoterischen Gebrauch niedergelegt
worden ist; denn die
Gesamtsumme dessen, gleichwohl klug verschleiert, war
bloß der geringste Teil
der wirklichen ursprünglichen Geschichte eines jeden
Volkes und bezog sich
obendrein oft, wie in den hebräischen Schriften, bloß
auf das irdisch menschliche
und nicht auf das göttliche Leben der betreffenden
Nation. Dieses seelische und
geistige Element gehörte den MYSTERIEN und der
INITIATION an. Es gab
Dinge, die niemals auf Rollen aufgezeichnet wurden,
die aber, wie in
Centralasien, auf Felsen und in unterirdischen Krypten
eingegraben wurden.
_49 (2 of 3)21:02:53.Kommentar VII
[24] De Iside et Osiride, XLIII.
[25] Kap XLI.
[26] IV. 5.
[27] Mariettes Abydos.
Tafel 51.
[28] P. Pierret, Êtudes
Êgyptologiques.
[29] Ritual, Kap. II.
_49 (3 of 3)21:02:53.Kommentar VII
Nichtsdestoweniger hat es eine Zeit gegeben, zu der
die ganze Welt „einer
Sprache und einer Erkenntnis“ war, und der Mensch mehr
von seinem Ursprunge
wußte, als er jetzt weiß; und so wußte er auch, daß
Sonne und Mond, eine so
wichtige Rolle sie auch in der Zusammensetzung, dem
Wachstum und der
Entwicklung des menschlichen Körpers spielen, doch
nicht die unmittelbaren
veranlassenden Urheber seiner Erscheinungen auf Erden
waren; denn diese
Urheber sind in Wahrheit die lebendigen und
intelligenten Kräfte, die von den
Occultisten Dhyân Chohans genannt werden.
In Bezug hierauf sagt uns ein sehr gelehrter
Bewunderer der jüdischen Esoterik:
Die Kabalah sagt ausdrücklich, daß Elohim eine
„allgemeine Abstraktion“ ist;
das, was wir in der Mathematik einen konstanten
Koeffizienten“ oder eine
„allgemeine Funktion“ nennen, welche in jede Konstruktion
eingeht, welche
nicht partikulär ist; das ist, nach dem allgemeinen
Verhältnis von 1 zu 31415,
den (Astro-Dhyânischen und) Elohistischen Ziffern.
Hierauf antwortet der östliche Occultist: Ganz recht!
sie sind eine Abstraktion für
unsere körperlichen Sinne. Für unsere geistigen
Wahrnehmungen jedoch und für
unser inneres geistiges Auge sind die Elohim oder
Dhyânis nicht mehr eine
Abstraktion, als unsere Seele und unser Geist eine
solche für uns sind. Verwirf
das eine und du verwirfst das andere, denn das, was
die überlebende Wesenheit
in uns ist,
ist teilweise die unmittelbare Ausstrahlung derselben und ist teilweise
jene himmlischen Wesenheiten selbst. Eins ist
sicher: die Juden waren
vollkommen vertraut mit Zauberei und verschiedenen
verderblichen Kräften; aber
mit Ausnahme einiger ihrer großen Propheten und Seher,
wie Daniel und
Ezechiel – Enoch gehörte als ein generischer Charakter
einer weit entfernten
Rasse und überhaupt keiner besonderen Nation, sondern
einer jeden an –
wußten sie nur wenig von dem wirklichen, göttlichen
Occultismus, noch wollten
sie sich damit beschäftigen; ihr Nationalcharakter war
von allem abgewendet,
was nicht unmittelbare Bedeutung für ihre eigenen
volklichen, stammlichen und
individuellen Vorteile hatte – Zeugen dafür sind ihre
eigenen Propheten, und die
Flüche, welche dieselben gegen die „hartnäckige Rasse“
donnerten. Aber selbst
die Kabalah zeigt klar die unmittelbare
Beziehung zwischen den Sephiroth oder
Elohim und den Menschen.
Wenn es daher für uns erwiesen
sein wird, daß die kabbalistische Identifikation
von Jehovah mit Binah, einer
weiblichen Sephira, noch eine andere, eine
subocculte Bedeutung hat, dann
und erst dann werden die Occultisten bereit
sein, die Palme der Vollendung
an den Kabbalisten abzutreten. Bis dahin
_51 21:02:53.Kommentar VII
erklären wir, nachdem Jehovah in dem abstrakten Sinne
eines „einen lebendigen
Gottes“ eine einzeln stehende Zahl, eine metaphysische
Erdichtung ist, und eine
Wirklichkeit nur dann, wenn er an seinen richtigen
Platz als eine Emanation und
eine Sephira gestellt wird – daß wir ein Recht haben,
zu behaupten, daß der
Zohar, wie
es zum mindesten das Buch der Zahlen beweist, ursprünglich, bevor
die christlichen Kabbalisten ihn entstellt hatten, dieselbe
Lehre verkündigte, und
noch verkündigt, wie wir; das heißt, er läßt den
Menschen nicht aus einem
himmlischen Menschen emanieren, sondern aus einer
siebenfältigen Gruppe von
himmlischen Menschen oder Engeln, geradeso wie in Pymander,
dem göttlichen
Gedanken.
3. WENN DIE EINS ZUR ZWEI WIRD, DANN ERSCHEINT DIE
DREIHEIT (a),
UND DIE DREI SIND [30] EINS; UND DIES IST UNSER FADEN,
O LANOO,
DAS HERZ DER MENSCHENPFLANZE, SAPTAPARNA GENANNT (b).
(a) „Wenn
die Eins zur Zwei wird, dann erscheint die Dreiheit“: nämlich wenn
das Eine Ewige seinen Wiederschein in die Region der
Manifestation herabsenkt,
so differenziert dieser Wiederschein, der Strahl, das
Wasser des Raumes; oder
in den Worten des Totenbuches: „Das Chaos hört
auf, durch das Aufblitzen des
Strahles des Urlichtes, das die gänzliche Finsternis
zerstreut mit Hilfe der großen
magischen Kraft des Wortes der (centralen) Sonne.“ Das
Chaos wird männlich-weiblich,
und Wasser, vom Lichte ausgebrütet, und das dreifältige
Wesen geht
hervor als sein „Erstgeborenes“. „Ra (oder
Osiris-Ptah) erschafft seine eigenen
Glieder (wie Brahmâ), indem er die Götter erschafft,
die bestimmt sind, seine
Phasen zu personifizieren“, während des Cyklus. [31]
Der ägyptische Ra, der aus
der Tiefe hervortritt, ist die
göttliche Universalseele in ihrem manifestierten
Aspekt, und dasselbe ist
Nârâyana, der Purusha, „verborgen im Âkâsha und
gegenwärtig im Ether“.
Dies ist die metaphysische
Erklärung, und bezieht sich auf die Uranfänge der
Evolution, oder, wie wir lieber sagen möchten, der
Theogonie. Die Bedeutung der
Strophe, wenn sie von einem anderen Standpunkt in
ihrer Beziehung zu dem
Geheimnis des Menschen und seines Ursprungs erklärt
wird, ist noch schwerer
zu verstehen. Um sich eine klare Vorstellung von dem
zu machen, was unter der
Eins, die zur Zwei wird, und dann in die Dreiheit
verwandelt wird, zu verstehen
ist, muß sich der Schüler mit dem, was wir Runden
nennen, vollständig vertraut
machen. Wenn er auf Esoteric Buddhism – den ersten
Versuch, den Umriß der
_51 (2 of 4)21:02:53.Kommentar VII
archaischen Kosmogonie annähernd zu skizzieren –
zurückgeht, wird er finden,
daß unter einer Runde eine reihenweise Entwicklung der
entstehenden
stofflichen Natur der sieben Kugeln unserer Kette [32]
mit ihren mineralischen,
pflanzlichen und tierischen
Reichen verstanden ist; der Mensch gehört in das
letztere und steht an der
Spitze desselben, während der ganzen Periode eines
Lebenscyklus, wie er von den
Brâhmanen als ein „Tag Brahmâs“ bezeichnet
würde. Eine Runde ist, kurz
gesagt, eine Umdrehung des „Rades“ (unserer
Planetenkette), das aus
sieben Kugeln besteht, oder aus sieben getrennten
„Rädern“, die diesmal in
einem anderen Sinne zu verstehen sind. Wenn die
Entwicklung hinab in die Materie von Kugel A bis Kugel
G sich bewegt hat, so ist
es eine Runde. In der Mitte des vierten Umlaufes, der
unsere gegenwärtige
Runde ist, „hat die Evolution den Höhepunkt physischer
Entwicklung erreicht, ihr
Werk durch den vollkommenen physischen Menschen
gekrönt, und von diesem
Punkt an beginnt ihr Streben in der Richtung nach dem
Geistigen“. All dies
bedarf nur geringer Wiederholung, da es in Geheimbuddhismus
wohl erklärt ist.
Was aber kaum berührt worden ist, und von dem das Wenige,
was gesagt
worden war, viele irregeführt hat, ist der Ursprung
des Menschen, und auf diesen
möge jetzt ein etwas helleres Licht geworfen werden,
gerade genug, um die
Strophe verständlicher zu machen, da der Vorgang
vollständig erst an seinem
gehörigen Platze, in Band II
erklärt werden wird.
[30] Verbunden zur.
[31] a. a. O., XVII. 4.
[32] Verschiedene feindliche
Kritiker geben sich Mühe nachzuweisen, daß in
unseren früheren Bänden, in Isis Entschleiert,
die sieben Prinzipien des
Menschen, oder die siebenfältige Zusammensetzung
unserer Kette nicht
gelehrt worden seien. Obschon in jenem Werke die Lehre
bloß angedeutet
werden konnte, so finden sich nichtsdestoweniger
verschiedene Stellen, in
denen die siebenfältige Zusammensetzung sowohl des
Menschen als auch
der Kette offen erwähnt wird. Gelegentlich der
Besprechung der Elohim (II.
420) heißt es: „Sie bleiben über dem siebenten Himmel
(oder der geistigen
Welt), denn sie sind es, die nach den Kabbalisten der
Reihe nach die sechs
_51 (3 of 4)21:02:53.Kommentar VII
stofflichen Welten, oder richtiger Versuche von Welten
gebildet hatten, die
unserer eigenen vorausgingen, welche, wie sie sagen,
die siebente ist.“ Unser
Globus ist in dem Diagramm, das die Kette
versinnbildlicht, natürlich der
siebente und niedrigste; obwohl er, da die Evolution
dieser Globen cyklisch
geschieht, der vierte auf dem absteigenden Bogen der
Materie ist. Und
wiederum (II. 367) steht geschrieben: „Nach
ägyptischen Begriffen, sowie
nach denen aller anderen auf Philosophie begründeten
Glauben, war der
Mensch nicht bloß eine Vereinigung von Seele und
Körper, er war eine
Dreiheit, wenn man den Geist hinzufügte. Außerdem ließ
ihn diese Lehre
bestehen aus Körper, Astralform oder Schatten,
Tierseele, .
höherer Seele, und irdischer Intelligenz (und) einem
sechsten Prinzip
etc.etc.“ – das siebente ist GEIST. So klar sind diese
Prinzipien erwähnt, daß
man selbst im Index (II. 683) die „Sechs Prinzipien
des Menschen“ findet,
indes das siebente, streng genommen die Vereinigung
der sechs, und nicht
ein Prinzip, sondern ein Strahl des absoluten ALLS
ist.
_51 21:02:53.Kommentar VII
Nun ist jede Runde auf der absteigenden Leiter bloß
eine Wiederholung in
konkreter Form von der ihr vorhergehenden Runde,
gerade so, wie jeder Globus,
herunter bis zu unserer vierten Sphäre, der
thatsächlichen Erde, eine gröbere
und materiellere Kopie der mehr schattenhaften Sphäre
ist, die ihr, überall der
Reihe nach, auf den drei höheren Ebenen vorausgeht.
[33] Auf ihrem Wege nach
aufwärts, in ihrem emporstrebenden Bogen vergeistigt
und veräthert sozusagen
die Evolution die allgemeine Natur von allem, indem
sie dieselbe auf die gleiche
Stufe bringt, auf welcher der Zwillingsglobus auf dem
entgegengesetzten Bogen
steht; das Resultat ist, daß,
wenn in irgend einer Runde der siebente Bogen
erreicht ist, die Natur von
alledem, was sich entwickelt, in den Zustand
zurückkehrt, in dem es sich
an seinem Ausgangspunkt befunden hat – plus,
jedesmal, einem neuen und höheren Grad in den
Zuständen des Bewußtseins.
Somit wird es klar, daß der
sogenannte „Ursprung des Menschen“ in dieser
unserer gegenwärtigen Runde
oder Lebenskreisbahn auf diesem Planeten
denselben Platz in derselben
Ordnung einnehmen muß – abgesehen von auf
Ort- und Zeitbedingungen begründeten Einzelheiten –
wie in der vorhergehenden
Runde. Hinwiederum muß erklärt und in Erinnerung
gebracht werden, daß, wie
das Werk einer jeden Runde, wie gesagt wird, einer
andern Gruppe von
sogenannten Schöpfern oder Baumeistern zugeteilt ist,
das Gleiche von dem
eines jeden Globus gilt; das heißt, es ist unter der
Aufsicht und Leitung von
besonderen Bildnern und Wächtern – den verschiedenen
Dhyân-Chohans.
Das Wort „Schöpfer“ zu gebrauchen ist unrichtig, da
keine andere Religion, nicht
einmal die Sekte der Visishthadvaitîs in Indien, eine
Sekte, die sogar
Parabrahman anthropomorphisiert, an eine Schöpfung ex
nihilo glaubt, wie es
die Christen und Juden thun, sondern nur an eine
Entwicklung aus vorher
bestandenen Materialien. – Die Gruppe der Hierarchie,
der aufgetragen worden
war, die Menschen zu „erschaffen“, ist also eine
besondere Gruppe; doch
entwickelte sie den schattenhaften Menschen in diesem
Cyklus ebenso, wie eine
höhere und noch geistigere Gruppe ihn in der dritten
Runde entwickelt hatte.
Aber da sie die sechste auf der absteigenden Leiter
der Geistigkeit ist – die letzte
und siebente sind die Erdgeister (Elementale), die
stufenweise seinen
physischen Körper formen, bilden und verdichten – so
entwickelt diese sechste
Gruppe nicht mehr als die schattenhafte Form des
zukünftigen Menschen, ein
spinnwebendünnes, kaum sichtbares, durchsichtiges
Abbild ihrer selber. Die
Aufgabe der fünften Hierarchie – der geheimnisvollen
Wesen, die dem Sternbilde
Steinbock, Makara oder „Krokodil“ in Indien und
Ägypten vorstehen – ist es, die
leere und ätherische tierische Form zu beseelen und
aus ihr den vernünftigen
Menschen zu machen. Es ist das einer von den
Gegenständen, über welche nur
_53 (1 of 3)21:02:54.Kommentar VII
sehr wenig der allgemeinen Öffentlichkeit gesagt
werden kann. Es ist fürwahr ein
Mysterium, aber nur für jenen, der im stande ist, das
Dasein intellektueller und
bewußter geistiger Wesen im Weltall zu verwerfen und
volles Bewußtsein nur auf
den Menschen zu beschränken,
und das auch nur als eine „Funktion des
Gehirns“. Es giebt viele
unter diesen geistigen Wesenheiten, welche sich im
Menschen seit dessen erstem
Erscheinen körperlich inkarniert haben, und
welche doch trotz alledem ebenso unabhängig wie zuvor in
den Unendlichkeiten
des Raumes existieren.
Um es klarer zu machen: eine
solche unsichtbare Wesenheit kann auf der Erde
körperlich anwesend sein, ohne
jedoch ihren Stand und ihre Funktionen in den
übersinnlichen Regionen
aufzugeben. Wenn dies einer Erklärung bedarf, so
können wir nicht Besseres thun, als den Leser an
ähnliche Fälle im sogenannten
„Spiritismus“ zu erinnern; obwohl solche Fälle sehr
selten sind, wenigstens was
die Natur der Wesenheit anbelangt, die sich inkarniert
oder von dem Medium
zeitweilig Besitz nimmt. Denn die sogen. „Geister“,
welche gelegentlich von den
Körpern der Medien Besitz ergreifen können, sind nicht
die Monaden oder
höheren Prinzipien entkörperter Persönlichkeiten.
Solche „Geister“ können bloß
entweder Elementare sein oder – Nirmânakâyas. Gerade
so wie gewisse
Personen, sei es kraft einer eigenartigen Organisation
oder vermöge der Macht
erworbener mystischer Erkenntnis, an einem Orte in
ihrem „Doppelgänger“
gesehen werden können, während ihr Körper viele Meilen
weit entfernt ist; so
kann dasselbe im Falle von höheren Wesen eintreten.
Der Mensch ist, philosophisch betrachtet, seiner
äußeren Form nach einfach ein
Tier, das kaum vollkommener ist als sein affenartiger
Vorfahr in der dritten
Runde. Er ist ein lebender Körper, nicht ein lebendes
Wesen, da die
Vergegenwärtigung des Daseins, das „Ego sum“,
Selbstbewusstsein voraussetzt,
und ein Tier bloß unmittelbares Bewusstsein oder
Instinkt haben kann. Die Alten
verstanden dies so gut, dass selbst die Kabbalisten
aus Seele und Körper zwei
voneinander unabhängige Leben machten. In den New
Aspects of Life stellt der
Verfasser die kabbalistische Lehre fest:
Sie hielten dafür, dass funktionell Geist und Materie
von einander
entsprechender Undurchsichtigkeit und Dichte sich zu
verbinden streben, und
dass die daraus
hervorgehenden erschaffenen Geister im entkörperten
Zustand auf einer
Stufenleiter angeordnet sind, in welcher die verschiedenen
Undurchsichtigkeiten und
Durchsichtigkeiten des elementalen oder
unerschaffenen Geistes sich wiederholten.
Und dass diese Geister im
_53 (2 of 3)21:02:54.Kommentar VII
entkörperten Zustand
elementalen Geist und elementalen Stoff, deren
Zustände den ihren
entsprechen, an sich ziehen, sich aneignen, verdauen und
assimilieren Sie lehrten
daher, daß ein großer Unterschied in den
Zuständen der erschaffenen
Geister existiert; und daß bei der engen
Verbindung zwischen der Welt
des Geistes und Welt des Stoffes die
undurchsichtigeren Geister im entkörperten Zustand
nach den dichteren Teilen
der materiellen Welt gezogen
werden und daher gegen den Erdmittelpunkt
hinstreben, wo sie die ihrem
Zustande am meisten angepassten Bedingungen
vorfinden; während die
durchsichtigeren Geister in die den Planeten
umgebende Aura übergehen und die allerverfeinertsten
ihre Wohnung in dem
Monde desselben finden. [34]
[33] Siehe Diagramm III. p.
221.
[34] Pp. 340-351. „Genesis of
the Soul“
_53 (3 of 3)21:02:54.Kommentar VII
Dies bezieht sich ausschließlich auf unsere
elementalen Geister, und hat nichts
zu thun mit den planetarischen, siderischen,
kosmischen oder interetherischen
intelligenten Kräften, oder „Engeln“, wie sie von der
römischen Kirche genannt
werden. Die jüdischen Kabbalisten, insbesondere die
praktischen Occultisten, die
sich mit ceremonieller Magie befassten, beschäftigten
sich bloß mit den Geistern
der Planeten und den
sogenannten „Elementalen“. Daher umfasst das Obige
bloß einen Teil der
esoterischen Lehre.
Die Seele, deren körperliches
Vehikel die astrale, etherisch-substanzielle Hülle
ist, könnte sterben und der
Mensch doch auf Erden leben bleiben. Das will
sagen, die Seele könnte sich
selbst befreien und das Tabernakel aus
verschiedenen Gründen
verlassen, wie wegen Wahnsinn, geistiger und
physischer Verkommenheit etc. Die Möglichkeit, daß die
„Seele“ – das ist das
ewige Geistige Ego – in den unsichtbaren Welten weilt,
während ihr Körper
lebend auf der Erde weiter geht, ist eine hervorragend
occulte Lehre,
insbesondere in der chinesischen und buddhistischen
Philosophie. Es giebt viele
seelenlose Menschen
unter uns, denn dieses Ereignis findet sowohl in
verruchten Materialisten wie in Personen statt, „die
in der Heiligkeit fortschreiten
und niemals zurückkehren“.
Daher können das, was lebende Menschen (Initiierte)
thun können, die Dhyânis,
die keinen physischen Körper haben, der sie hindern
würde, noch viel besser
thun. Dies war der Glaube der Vorsintflutlichen, und
wird rasch der der modernen
intellektuellen Gesellschaft im „Spiritismus“, ebenso
wie in der griechischen und
römischen Kirche, die das Überallsein ihrer Engel
lehren. Die Zoroastrier
betrachteten ihre Amshaspends als duale Wesenheiten
(Ferouers), und
schreiben diese Dualität – zum mindesten in de
esoterischen Philosophie – allen
geistigen und unsichtbaren Bewohnern der zahllosen,
für unser Auge sichtbaren
Welten des Raumes zu. In
einer Bemerkung des Damascius (sechstes
Jahrhundert) über die
chaldäischen Orakel finden wir vorzügliches
Beweismaterial für die
Universalität dieser Lehre, denn er sagt: „In diesen
Orakeln sind die sieben Kosmokratoren der Welt [die
Weltpfeiler], die auch von
St. Paulus erwähnt werden, doppelt; die eine Reihe ist
beauftragt, die oberen
Welten, die geistige und die siderische, zu
beherrschen, und die andere, die
Welten des Stoffes zu leiten und zu überwachen.“ So
ist auch die Meinung des
Jamblichus, der einen offenbaren Unterschied macht
zwischen den Erzengeln
und den Archonten. [35]
Das Obige kann natürlich auf
die Unterscheidung angewendet werden, welche
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zwischen den Graden oder Ordnungen der geistigen Wesen
gemacht wird, und
in diesem Sinne sucht die römisch-katholische Kirche
den Unterschied zu
interpretieren und zu lehren; denn während die
Erzengel nach ihrer Lehre göttlich
und heilig sind, brandmarkt sie ihre „Doppelgänger“
als Teufel. Aber das Wort
Ferouer ist nicht in diesem Sinne zu verstehen, denn
es bedeutet einfach die
verkehrte oder die entgegengesetzte Seite eines
Attributes oder einer Qualität.
Wenn daher der Occultist sagt, dass „Dämon die
Umkehrung Gottes ist“ – das
Übel die Kehrseite der Münze – so meint er nicht zwei
getrennte Wirklichkeiten,
sondern zwei Aspekte oder Facetten derselben Einheit.
Aber der beste Mensch
der Welt würde, Seite an Seite mit einem Erzengel –
wie er in der Theologie
beschrieben wird – als ein böser Feind erscheinen.
Daher ist ein gewisser Grund
vorhanden, den niedrigeren „Doppelgänger“ zu
missachten, der viel tiefer in die
Materie eingetaucht ist, als sein Original. Aber
ebenso wenig ist wieder Grund
vorhanden, sie als Teufel zu betrachten, und gerade
das ist es, was die
römischen Katholiken gegen alle Vernunft und Logik
behaupten.
Diese Identität des Geistes mit seinem materiellen
„Doppelgänger“ – im
Menschen ist es umgekehrt – erklärt noch besser die in
diesem Werke bereits
angedeutete Verwirrung in den Namen und
Individualitäten, sowie in den Zahlen,
der Rishis und Prajâpatis; insbesondere in jenen des
Satya Yuga und der
mahâbhâratischen Periode. Sie wirft auch ein weiteres
Licht auf die Lehre der
Geheimwissenschaft in Bezug auf die Wurzel – und Samen
– Manus. Nicht nur
diese Stammväter unserer Menschheit, sondern auch ein
jedes menschliche
Wesen, so wird uns gelehrt, hat sein Vorbild in den
geistigen Sphären, welches
Vorbild die höchste Wesenheit seines siebenten
Prinzipes ist. So werden aus
den sieben Manus vierzehn, der Wurzel-Manu ist die
erste Ursache, und der
Samen-Manu seine Wirkung; und vom Satya Yuga (dem
ersten Stadium) bis zur
heroischen Periode werden diese Manus oder Rishis einundzwanzig
an Zahl.
(b) Der
Schlußsatz dieser Shloka zeigt, wie uralt der Glaube und die Lehre ist,
daß der Mensch siebenfältig in seiner Zusammensetzung
ist. Der „Faden“ des
Seins, der den Menschen
belebt, und durch alle seine Persönlichkeiten, oder
Wiedergeburten auf dieser
Erde, hindurchgeht – eine Anspielung auf den
Sûtrâtmâ – der Faden, an
welchem obendrein alle seine „Geister“ aufgereiht
sind, ist gesponnen aus der Wesenheit der
Dreifältigen, der Vierfältigen und der
Fünffältigen, welche alle vorhergehenden enthalten.
Panchâshikha ist, in
Übereinstimmung mit dem Padma Purâna, [36]
einer von den sieben Kumâras,
welche nach dem Shveta Dvîpa gehen, um Vishnu zu
verehren. Wir werden
später sehen, welcher Zusammenhang besteht zwischen
den „ehelosen“ und
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keuschen Söhnen des Brahmâ, welche sich weigern, „sich
zu vermehren“, und
den irdischen Sterblichen. Einstweilen ist es
einleuchtend, daß sich somit die
„Menschenpflanze Saptaparna“ auf die sieben Prinzipien
bezieht, und daß der
Mensch mit dieser siebenblättrigen Pflanze verglichen
wird, die den Buddhisten
so heilig ist. Die ägyptische Allegorie im Totenbuch,
die von der „Belohnung der
Seele“ handelt, ist ebenso auf unsere Siebenheitslehre
hinweisend als poetisch.
Dem Verstorbenen wird ein Stück Landes in dem Gefilde
von Aanru zugewiesen,
wo selbst die Manen, die vergötterten Schatten der
Toten, als Ernte dessen, was
sie durch ihre Handlungen im Leben gesäet haben, das
sieben Ellen hohe Korn
einsammeln, welches in einem in sieben und vierzehn
Teile geteilten Gebiete
wächst. Dieses Korn ist die Nahrung, von der sie leben
und gedeihen, oder die
sie töten wird in Amenti, in dem Reiche, von dem das
Aanrufeld ein Gebiet ist.
Denn der Verstorbene wird, wie es in dem Hymnus [37] heißt,
darinnen entweder
zerstört, oder wird ein reiner Geist für die Ewigkeit,
infolge der „siebenmal
siebenundsiebzig Leben“, die er auf Erden zugebracht
hat oder noch zubringen
muß. Die Idee von dem als „Frucht unserer Handlungen“
gereiften Korn ist sehr
anschaulich.
[35] De Mysteriis, II.
3.
[36] Asiatic Researches,
XI. 99, 100.
[37] Kap. XXXII. 9.
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4. DIE WURZEL IST ES, WELCHE NIE STIRBT, DIE
DREIZÜNGIGE FLAMME DER VIER DOCHTE (a) . DIE DOCHTE SIND DIE FUNKEN,
WELCHE
AUS DER DREIZÜNGIGEN FLAMME, [38] WELCHE DEN SIEBEN
ENTSPRINGT, IHRE FLAMME ERHALTEN, DIE STRAHLEN UND FUNKEN VON
EINEM MONDE, WELCHE SICH IN DEN FLIEHENDEN WELLEN
ALLER FLÜSSE DER ERDE [39] WIEDERSPIEGELN (b).
(a) Die
„dreizüngige Flamme, welche nie stirbt“ ist die unsterbliche geistige Triade,
Âtmâ, Buddhi und Manas, oder richtiger die Frucht des letzteren,
assimiliert von den beiden ersteren nach jedem
irdischen Leben. Die „vier Dochte“, welche ausgehen und verlöscht werden, sind
die Vierheit, die vier
niedern Prinzipien, einschließlich des Körpers.
„Ich bin die dreidochtige Flamme und meine Dochte sind
unsterblich,“ sagt der Verstorbene. „Ich gehe ein in den Bereich von Sekhem
[des Gottes, dessen
Hand den von der entkörperten Seele hervorgebrachten
Samen der Handlung aussäet], und ich gehe ein in die Region der Flammen, welche
ihre
Widersacher vernichtet haben [d. h. von den
Sünde erzeugenden Vier Dochten frei geworden sind].“ [40]
„Die dreizüngige Flamme der vier Dochte“ entspricht
den vier Einheiten und den drei Zweiheiten des sephirothischen Baumes.
(b) Ebenso
wie Milliarden heller Funken auf den Wassern eines Oceans tanzen, über dem
einer und derselbe Mond scheint, so funkeln und tanzen unsere
vergänglichen Persönlichkeiten – die täuschenden
Hüllen des unsterblichen monadischen Egos – auf den Wogen der Mâyâ. Sie
erscheinen und dauern,
ebenso wie die Tausenden der von den Mondstrahlen
hervorgebrachten Funken so lange als die Königin der Nacht ihren Glanz auf die
„fliehenden Wellen“
des Lebens ausstrahlt, durch die Periode eines
Manvantara; und dann verschwinden sie, und bloß die „Strahlen“ – die Symbole
unserer ewigen Geistigen
Egos – bleiben lebendig, wieder versenkt in ihre
mütterliche Quelle und, wie sie es zuvor waren, mit derselben eins.
5. DER FUNKE HÄNGT VON DER FLAMME AN DEM FEINSTEN
FADEN VON FOHAT HERAB. ER DURCHWANDERT DIE SIEBEN WELTEN DER
MÂYÂ (a). ER HÄLT IN DER ERSTEN [41] AN UND IST
EIN METALL UND EIN STEIN; ER WANDERT IN DIE ZWEITE [42] UND SIEHE – ER IST EINE
PFLANZE; DIE PFLANZE WIRBELT DURCH SIEBEN
VERÄNDERUNGEN UND WIRD EIN GEWEIHTES TIER [43] (b).
VON DEN VEREINIGTEN EIGENSCHAFTEN DIESER WIRD MANU,
[44] DER DENKER GEBILDET.
WER BILDET IHN? – DIE SIEBEN LEBEN UND DAS EINE LEBEN ©.
WER VOLLENDET IHN? – DER FÜNFFACHE LHA. UND WER VOLLENDET DEN
SCHLIESSLICHEN KÖRPER? – FISCH, SÜNDE UND SOMA [45] (d).
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(a) Die
Phrase „durch die sieben Welten der Mâyâ“ bezieht sich hier auf die sieben
Globen der Planetenkette und auf die sieben Runden, oder die
neunundvierzig Stationen aktiver Existenz, die vor dem
„Funken“ oder der Monade am Beginne eines jeden großen Lebenscyklus oder
Manvantara liegen.
Der „Faden von Fohat“ ist der oben erwähnte Faden des
Lebens.
Es bezieht sich das auf das größte Problem der
Philosophie – auf die physische und substanzielle Natur des Lebens, dessen
unabhängige Natur von der
modernen Wissenschaft geleugnet wird, weil diese Wissenschaft
unfähig ist, sie zu verstehen. Bloß die Anhänger der Reinkarnationslehre und
die
Karmagläubigen nehmen einigermaßen wahr, dass das
ganze Geheimnis des Lebens in der ununterbrochenen Reihe seiner Offenbarungen
liegt, einerlei
ob diese innerhalb oder getrennt vom physischen Körper
vor sich gehen. Denn selbst wenn:
Leben,
dem Dom
vielfärb’gen
Glases
gleich,
Trübet
den
weißen
Glanz der
Ewigkeit –
so bildet es doch selbst einen wesentlichen
Bestandteil dieser Ewigkeit; denn das Leben allein kann das Leben verstehen.
[38] Ihrer oberen Dreiheit.
[39] Bhûmi oder Prithivî.
[40] Totenbuch, I. 7. Vergl.
auch Mysteries of Rostan.
[41] Im ersten Reiche.
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[42] Im zweiten Reiche.
[43] Der erste Schatten des
körperlichen Menschen.
[44] Mensch.
[45] Mond.
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Was ist diese „Funke“, der „von der Flamme
herabhängt“? Es ist Jîva, die
Monade in Verbindung mit Manas, oder vielmehr dessen
Duft – das, was von
jeder Persönlichkeit, falls sie verdienstvoll ist,
übrig bleibt, und hängt von Âtmâ-Buddhi,
der Flamme, an dem Faden des Lebens herab. Auf welche
Art auch die
Interpretation geschieht, und in welche Zahl von
Prinzipien das menschliche
Wesen auch eingeteilt wird, es kann leicht gezeigt werden,
daß diese Lehre von
allen alten Religionen bestätigt wird, von der
vedischen bis zur ägyptischen, von
der zoroastrischen bis zur jüdischen. Was die letztere
anbelangt, so liefern die
kabbalistischen Werke reichlichen Beweis für diese
Behauptung. Das ganze
System der kabbalistischen Zahlen beruht auf der
göttlichen Siebenheit, die von
der Dreiheit herabhängt, und so die Zehnheit bildet,
und deren Permutationen 7,
5, 4 und 3, welche schließlich alle in die Eins selbst
versinken; ein end- und
schrankenloser Kreis.
Wie der Zohar sagt;
Die Gottheit (die ewig
unsichtbare Gegenwart) offenbart sich durch die zehn
Sephiroth, welche ihre
hervorstrahlenden Zeugen sind. Die Gottheit gleicht
dem Meere, welches einen
Strom ausfließen läßt, genant Weisheit, dessen
Wasser in einen See fallen, welcher Intelligenz
genannt wird. Aus dem Becken
gehen gleich sieben Kanälen die sieben
Sephiroth hervor . Denn zehn ist
gleich sieben: die Zehnheit enthält vier Einheiten
und drei Zweiheiten.
Die zehn Sephiroth entsprechen
den Gliedern des Menschen.
Als ich (die Elohim) den Adam
Kadmon bildete, da schoß der Geist des
Ewigen aus seinem Körper, wie
ein Wetterleuchten, das zugleich auf den
Wogen der sieben Millionen
Himmel aufleuchtete, und meine zehn
Glanzgestalten waren seine Glieder.
Aber weder das Haupt noch die
Schultern von Adam Kadmon können gesehen
werden; daher lesen wir in der Siphra
Dtzenioutha, dem „Buche des verborgenen
Geheimnisses“:
Im Anbeginne der Zeit, nachdem die Elohim (die „Söhne
des Lichtes und
Lebens“, oder die Bauleute) aus der ewigen Wesenheit
die Himmel und die
Erde gestaltet hatten, bildeten sie die Welten zu je
sechsen.
Die siebente ist Malkuth, welche unsere Erde [46] auf
ihrer Ebene, und die
niedrigste auf allen andern Ebenen bewußter Existenz ist.
Das chaldäische Buch
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der Zahlen enthält eine ins einzelne gehende Erklärung von allem
diesen.
Die erste Dreiheit des Körpers
von Adam Kadmon (die drei oberen Ebenen
der sieben) [47] kann nicht
gesehen werden, bevor die Seele in der
Gegenwart des Alten der Tage
steht.
Die Sephiroth dieser oberen
Dreiheit sind: „1. Kether (die Krone), dargestellt
durch die Stirn des
Makroprosopus; 2. Chokmah (Weisheit, ein männliches
Prinzip), durch seine rechte Schulter; und 3. Binah (Intelligenz,
ein weibliches
Prinzip), durch seine linke Schulter.“ Dann kommen die
sieben Glieder oder
Sephiroth auf den Ebenen der Manifestation; die
Gesamtheit dieser vier Ebenen
wird dargestellt durch Mikroprosopus, das kleinere
Gesicht, oder
Tetragrammaton, das „vierbuchstabige“ Geheimnis. „Die sieben
geoffenbarten
und die drei verborgenen
Glieder sind der Körper der Gottheit.“
Somit ist unsere Erde,
Malkuth, sowohl die siebente als auch die vierte Welt;
ersteres, wenn man von der ersten
Kugel oben an zählt, letzteres, wenn nach
Ebenen gezählt. Sie wird erzeugt von der sechsten
Kugel oder Sephira, genannt
Yezud, „Grundlegung“, oder, wie es im Buche der
Zahlen heißt, „durch Yezud
befruchtet Er (Adam Kadmon) die ursprüngliche Heva (Eva
oder unsere Erde).“
In mystischer Sprache wiedergegeben, ist dies die
Erklärung, warum Malkuth,
genannt die untere Mutter, Matrone, Königin, und das
Reich der Grundlegung,
als die Braut des Tetragrammaton, oder Mikroprosopus
(des zweiten Logos), des
himmlischen Menschen, dargestellt wird. Wenn sie von
aller Unreinheit befreit
ist, wird sie mit dem geistigen Logos vereint werden, d.
i. in der siebenten Rasse
der siebenten Runde – nach der Wiedergeburt, am Tage
des „Sabbath.“ Denn
der „siebente Tag“ hat wiederum eine occulte
Bedeutung, von der sich unsere
Theologen nichts träumen lassen.
Wenn Matronitha, die Mutter, getrennt und Angesicht zu
Angesicht vor den
König gebracht wird, in der Vollkommenheit des
Sabbath, so werden alle
Dinge ein Körper. [48]
„Ein Körper werden“ bedeutet, daß Alles wieder einmal
in das Eine Element
wiederaufgesaugt wird, wobei die Geister der Menschen
zu Nirvânîs, und die
Elemente von allem andern vom neuen das werden, was
sie früher waren –
Protyle oder undifferenzierte Substanz. „Sabbath“
bedeutet Ruhe, oder Nirvâna.
Er ist nicht der „siebente Tag“ nach sechs Tagen,
sondern eine Periode, deren
Dauer jener der sieben „Tage“ gleichkommt, oder irgend
einer Periode, die aus